Wirtschaftsstandort | Vietnam

Vietnam gewinnt zunehmend ausländische Investoren

Das Land zählt zu den aufstrebenden Volkswirtschaften Südostasiens. Auch deutsche Firmen schauen sich dort immer öfter nach Geschäftsmöglichkeiten um.

Peter Buerstedde

Von Peter Buerstedde | Hanoi

Mit seinen fast 102 Millionen Einwohnern ist Vietnam 2025 der wichtigste Handelspartner Deutschlands in Südostasien, vor Malaysia und Thailand. Das Land konnte bislang stark von der "China Plus One"-Strategie vieler ostasiatischer und westlicher Firmen profitieren. Vietnam ist zwar keine Eins-zu-Eins-Alternative zum Chinageschäft, aber eine Ergänzung. Ausländisch finanzierte Firmen sind für etwa drei Viertel des vietnamesischen Exports verantwortlich.

  • Vietnam gewinnt für deutsche Unternehmen an Attraktivität als Absatz- und Beschaffungsmarkt. Vor Ort produzierende, ausländische Exportgrößen dominieren weiter die Wirtschaft.

    Gerade im Rahmen ihrer "China Plus One"-Strategie bauen ausländische Firmen weiter Produktionsstätten in Vietnam auf. Damit profitieren sie von den – im regionalen Vergleich – geringen Löhnen, guten Investitionsbedingungen und vielen Freihandelsabkommen. Vor allem japanische, südkoreanische und taiwanische Firmen haben in den letzten Jahren Fabriken errichtet. Seit etwa drei Jahren ziehen verstärkt chinesische Investoren nach, um US-Strafzöllen zu entgehen und ihre Industriekunden im Land zu bedienen. Deutsche Investoren spielen eine vergleichsweise geringe Rolle und haben in den letzten fünf Jahren fünf bis zehn Fabriken pro Jahr eröffnet.

    Vietnam ist zu einem der weltweit wichtigsten Produktionsstandorte für Elektronik, Kleidung, Schuhe und Möbel geworden. Mit einer Exportquote von mehr als 90 Prozent spielt die Ausfuhr eine bedeutende Rolle für die Wirtschaft. Dies macht das Land anfällig für globale Wirtschaftskrisen und Handelskonflikte. Gleichzeitig verstärken viele Unternehmen durch die wechselhafte Zollpolitik der USA ihre Diversifizierungsbemühungen. Daher erhält Vietnam weiter einen starken Zustrom an Investitionen, vor allem im Elektroniksektor.

    Das Land wird als Absatz- und Beschaffungsmarkt zunehmend interessant für deutsche Firmen. In der wachsenden Mittelschicht haben deutsche Produkte einen sehr guten Ruf. Die deutschen Exporte nach Vietnam sind in den vergangenen zehn Jahren um 90 Prozent gestiegen. Mit 3,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 fallen sie jedoch weiterhin deutlich geringer aus als die Importe aus Vietnam, die sich auf 15,3 Milliarden Euro beliefen.

     

    101,6 Mio.

    Personen lebten 2025 im Land.

    Quelle: Prognose der United Nations 2025

    484,7 Mrd.

    US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025 

    Quelle: Prognose des IMF 2025

    4.745

    US-Dollar machte das BIP pro Kopf 2025 aus.

    Quelle: Prognose des IMF 2025

    Rang 49

    belegte das Land 2024 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2025

    Rang 88

    nimmt Vietnam im Corruption Perceptions Index 2024 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2025

    3,9 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2022.

    Quelle: Weltbank 2025

    Zahlreiche Freihandelsabkommen machen den Standort attraktiv. Das 2020 geschlossene Abkommen zwischen Vietnam und der EU verbessert den Marktzugang für deutsche Anbieter von Konsumgütern und begünstigt die Beschaffung von Waren aus Vietnam.

    Die Regierung verfolgt den ehrgeizigen Plan, aus Vietnam bis 2045 eine Industrienation zu machen. Gleichzeitig ist das Land stark vom Klimawandel betroffen und hat sich hohe Ziele im Bereich Klimaschutz gesetzt. Besonders im Energiesektor sind große Investitionen erforderlich, um bis 2050 klimaneutral zu werden. Der Energiesektor hängt derzeit noch stark von der Kohleverstromung ab. Der Übergang zu Gas, Kernenergie und erneuerbaren Energien dürfte in den kommenden Jahrzehnten interessante Geschäftschancen eröffnen.

    Gleiches gilt für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Die Vorbereitungen zum Bau zahlreicher neuer Bahn- und Metrolinien werden seit 2024 sehr viel aktiver verfolgt, weil sich die Regierung davon starke Impulse für das Wirtschaftswachstum erhofft.

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    SWOT-Analyse Vietnam

    S

    Stärken Strengths

    • Im regionalen Vergleich niedrige Lohnkosten
    • Junge, bildungsorientierte und konsumfreudige Bevölkerung
    • Stabile Regierung mit auf Neutralität ausgerichteter Außenpolitik
    • Hoher Zufluss ausländischer Investitionen
    • Geografische Lage in Wachstumsregion Südostasien mit direkter Nachbarschaft zu China

     

    W

    Schwächen Weaknesses

    • Mangel an ausgebildeten Fachkräften
    • Hohe Logistikkosten aufgrund von Infrastrukturlücken und mangelnder Digitalisierung
    • Lokale Industrie mit verbesserungswürdiger Qualität und niedriger Wertschöpfung
    • Regierung ist finanziell eingeschränkt und greift ungern auf Geberkredite zurück
    • Korruption und eingeschränkter Rechtsschutz
    O

    Chancen Opportunities

    • Reformprozess könnte zu besseren Geschäftsbedingungen führen
    • Kaufkraft der Mittelschicht und Urbanisierung nehmen zu
    • Dichtes Netz an Freihandelsabkommen treibt Außenhandel an
    • Öffentliche Großprojekte bieten Beteiligungschancen
    • Klimaschutz und Energiewende befördern Nachfrage nach ausländischem Know-how

     

    T

    Risiken Threats

    • Wachsendes Risiko von Strafzöllen und Lieferkettenunterbrechungen
    • Starke Abhängigkeit von konjunkturanfälligen Exporten wie Elektronik, Bekleidung und Möbel
    • Klimawandel bedroht Küstenregionen und das Mekong-Delta
    • Privatunternehmen schieben erforderliche Investitionen auf und zögern, langfristige Verbindlichkeiten einzugehen
    • Mögliche Verhärtung des politischen Regimes birgt Reputationsrisiken für deutsche Investoren

    Hochmoderne Exporte treiben das Wirtschaftswachstum

    Strukturell bestehen große Unterschiede in Vietnams Wirtschaft. Getrieben durch die Investitionen ostasiatischer – vor allem japanischer und südkoreanischer – Firmen, haben sich in Teilen hochmoderne Geschäfts- und Industriestrukturen etabliert. Diese Firmen produzieren größtenteils für den Export. Eine besondere Rolle spielen die Lieferketten von Samsung, Apple, LG und Canon, die ihre Präsenz im Land sukzessive ausgebaut haben. Einzelne große vietnamesische Privatkonglomerate wie Vingroup oder FPT sowie das Staatsunternehmen Viettel können, gerade in Hinblick auf Digitalisierung, international mithalten.

    Kleine und mittlere lokale Unternehmen sind aber kaum in den Produktionskreislauf der ausländischen Exportgrößen integriert. Vietnamesischen Firmen fehlt es vielfach noch an Arbeitsproduktivität, technischer Ausstattung und Know-how, um für den Weltmarkt zu fertigen. Vor allem getrieben durch die ostasiatischen Investitionen entwickelt sich in manchen Bereichen jedoch langsam eine lokale Zulieferindustrie – etwa in der Metall- und Kunststoffverarbeitung sowie in der Elektronikbranche.

    Verarbeitende Industrie gewinnt an Gewicht

    Die Regierung hat 2025 ein breit angelegtes Reformprogramm angekündigt, um die Innovationskraft inländischer Firmen und das Investitionsumfeld zu verbessern. Der Ausgang ist ungewiss. Die Modernisierung staatlicher Industriegiganten kommt derweil nur schleppend voran.

    Die Landwirtschaft hat zugunsten der verarbeitenden Industrie und dem Dienstleistungsbereich an Bedeutung für die vietnamesische Wirtschaft eingebüßt. Das verarbeitende Gewerbe legte von 21 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt 2015 auf 24 Prozent 2024 zu, während die Landwirtschaft von 15 auf 12 Prozent geschrumpft ist. Deutlicher ist die Verschiebung bei der Beschäftigung. Arbeiteten 2015 noch 44 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft, waren es 2024 nur noch 26 Prozent.

    Der tertiäre Sektor ist der wichtigste Wirtschaftszweig in VietnamAnteile in Prozent

    Sektoren

    Anteil am BIP 2024

    Anteil an den Beschäftigten 2024

    Dienstleistungen

    40,3

    37,5

    Verarbeitendes Gewerbe

    24,4

    23,6

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    11,9

    26,4

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    2,5

    0,4

    Baugewerbe

    6,0

    8,9

    Energieversorgung

    4,2

    0,3

    Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen

    0,5

    0,3

    Staatliche Verwaltung und sonstige

    10,1

    2,6

    Vorläufige Zahlen für 2024.Quelle: National Statistics Office Vietnam (NSO) 2025

    Nord- und Zentralvietnam ziehen mehr Investoren an

    Vietnam verfügt über drei große Wirtschaftszentren. Der Süden rund um Ho-Chi-Minh-Stadt ist der wirtschaftliche Mittelpunkt des Landes. Jedoch sind die Löhne hier im Landesvergleich relativ hoch, es herrscht Platzmangel und auch der Zugang zu Häfen ist schwierig. Dennoch ist der Standort weiter beliebt bei deutschen Firmen. Der Norden um Hanoi und Haiphong hat in den vergangenen Jahren an Attraktivität gewonnen – vor allem für die Elektronik- und Kfz-Industrie. Sowohl der Tiefseehafen in Haiphong als auch gute Straßenverbindungen nach China binden die Region an die Weltmärkte an.

    Ein drittes Zentrum bildet sich in Zentralvietnam rund um Da Nang und Hue heraus. Günstige Grundstückspreise und Löhne locken vor allem japanische, südkoreanische und US-amerikanische Firmen an. In den letzten Jahren haben auch mehr deutsche Firmen hier Fabriken errichtet. Das Mekong-Delta ganz im Süden ist die Kornkammer des Landes. Der Großteil der Reisproduktion geht in den Export. Zudem ist das Gebiet die Hauptregion für die Fischzucht.

    Im Südosten Vietnams ist das BIP pro Kopf am höchstenEckdaten der wichtigsten Regionen 2025

    Gebiet

    BIP pro Kopf (in Euro)

    Bevölkerung (in Mio.)

    Südosten (Ho-Chi-Minh-Stadt, Dong Nai, Tay Ninh)

    6.840

    21,2

    Delta des Roten Flusses (Hanoi, Haiphong, Bac Ninh, Hung Yen, Ninh Binh)

    5.520

    25,0

    Da Nang

    3.667

    2,8

    Mekong Delta (Can Tho, An Giang, Ca Mau, Dong Thap, Vinh Long)

    2.015

    21,2

    Vietnam insgesamt

    4.246

    102,1

    Jahresdurchschnittskurs 2025: 1 Euro = 29.639 D.Quelle: National Statistics Office Vietnam (NSO) 2026, Deutsche Bundesbank 2026, Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

    Peter Buerstedde

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Vietnam ist weiterhin ein interessanter Investitionsstandort in Südostasien. Im Hinblick auf die Bürokratie und Rechtssicherheit gibt es jedoch noch Verbesserungsbedarf.

    Vietnam durchläuft seit Ende 2024 einen umfassenden Reformprozess, dessen Ausgang noch offen ist. Ziel ist es, das Wirtschaftswachstum zu steigern – durch Investitionen in Forschung und Entwicklung, den Aufbau eines innovativen Privatsektors sowie den Ausbau von Energie- und Transportinfrastruktur. 

    Deutsche Firmenvertreter können durch die Reformen mittelfristig auf bessere Geschäftsbedingungen und -chancen hoffen. Trotz einer Verwaltungsreform und der Zusammenlegung von Provinzen und Ministerien sind Korruption und fehlende Rechtssicherheit aber weiterhin Geschäftshindernisse.

    Verwaltungsprozesse können langfristig und teuer werden

    Die Beantragung und Änderung von Geschäftslizenzen und Arbeitserlaubnissen ist oft unberechenbar und zeitaufwendig. Wegen einer vorgelagerten Investitionsprüfung ist die Lizenzierung für ausländische Firmen deutlich aufwendiger als für inländische. Insgesamt müssen Unternehmer circa 10.000 Euro und mindestens drei Monate für den gesamten Lizenzierungsprozess aufwenden. Außerhalb von Industrieparks kann die Suche und Zuteilung eines geeigneten Grundstücks eine Unternehmung um mehrere Jahre verzögern.

    Auf der anderen Seite profitieren deutsche Firmen in Vietnam von geringen Lohnkosten und dem Freihandelsabkommen mit der EU. Anders als in anderen Ländern der Region gibt es in Vietnam zudem keine Quoten, wie viele lokale Mitarbeitende für einen Ausländer eingestellt werden müssen. Auch können sich hundertprozentige ausländische Unternehmen in Vietnam ansiedeln und ihre vor Ort versteuerten Gewinne ins Ausland transferieren. 

    Die Herbstumfrage 2025 der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) Vietnam ergab, dass 88 Prozent der deutschen Unternehmen in Vietnam mit ihren Geschäften mindestens zufrieden sind und 52 Prozent beabsichtigen, weiter vor Ort zu investieren.

    "Ohne lokale Partner wird es nicht funktionieren"

    Ralf Ziser, Managing Director bei INGUN Vietnam Ralf Ziser, Managing Director bei INGUN Vietnam | © INGUN Vietnam

    Ralf Ziser ist Managing Director bei INGUN Vietnam. Der Hersteller von Prüf- und Kontaktierlösungen aus Konstanz ist seit 2021 mit einem Vertriebsbüro in Vietnam präsent. Im April 2025 eröffnete INGUN ihren Produktionsstandort in Vietnam und beschäftigte Ende 2025 insgesamt 25 Mitarbeitende.

    Warum hat sich INGUN für ein Werk in Vietnam entschieden?

    Vietnam wurde aufgrund seines dynamischen Wachstumsmarktes, insbesondere in den Bereichen Elektronik und industrielle Fertigung, als Expansionsziel ausgewählt. Als wachsender Knotenpunkt für diese Branchen bietet Vietnam bedeutende Möglichkeiten zur Unterstützung seiner sich rasch entwickelnden Technologiesektoren. Seine strategische Lage im Herzen Asiens macht es zu einem idealen Standort, um Märkte in der gesamten Region effizient zu bedienen und die Reichweite von INGUN weiter zu verbessern. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die qualifizierte und motivierte Belegschaft in Vietnam.

    Was stimmt Sie so zuversichtlich?

    INGUN rechnet mit einem starken Wachstum der Nachfrage nach Prüf- und Kontaktlösungen, da Vietnam seinen industriellen und technologischen Wandel fortsetzt. Um dieser wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, baut INGUN eine starke lokale Präsenz auf, um die Kundennähe zu verbessern und die globalen Lieferketten zu stärken.

    Welches sind für Sie die größten Herausforderungen?

    Zu den größten Herausforderungen bei einer Firmengründung im Norden von Vietnam zählt die komplexe Bürokratie. Die Unternehmensregistrierung sowie viele notwendige Lizenzen und die strenge Brandschutzvorschrift können sehr zeitaufwendig sein, dabei muss auch auf die richtige Reihenfolge der Beantragung geachtet werden. Lokale Vorschriften und unterschiedliche Regelungen zwischen den Provinzen können ebenso eine Herausforderung sein. Es ist essenziell, ein sehr gutes Verständnis der vietnamesischen Steuerstruktur und Import-/Exportregeln zu haben. Ansonsten kann es zu Einschränkungen mit dem angedachten Businessmodel kommen.

    Haben Sie Tipps für andere deutsche Firmen, die sich in Vietnam engagieren wollen?

    Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kombination aus gründlicher Markt- & Standortanalyse, rechtlicher Compliance, kultureller Sensibilität und lokalem Netzwerkaufbau. Ohne lokale Partner wird es nicht funktionieren und die Frustration wird groß sein. Die AHK Vietnam hat uns sehr geholfen und ist ein wichtiger Ansprechpartner. Wir haben uns für das Model "Ready built Factory for lease" entschieden und haben sehr gute Erfahrungen mit dem Modell und den Partnern gemacht. 

    Verarbeitende Industrie zieht Investitionen an

    Großinvestoren kommen traditionell aus der asiatischen Nachbarschaft – vor allem aus Südkorea, Singapur, Japan, Taiwan, Hongkong und China. Auf sie entfiel bis Ende 2024 mehr als 70 Prozent des registrierten Investitionsbestands. Die Daten zu realisierten Investitionen sind lückenhaft, doch die offiziellen Zahlen zu registrierten Projekten spiegeln die Tendenz gut wider. Demnach erhielt die verarbeitende Industrie mit 61 Prozent den Löwenanteil des investierten Kapitals. Etwa 15 Prozent des investierten Kapitals flossen in den Immobilienmarkt.

    Grundsätzlich ist der Südosten mit Ho-Chi-Minh-Stadt und den Umland interessant für Investoren: 38 Prozent der registrierten Auslandsinvestitionen (kumuliert) flossen bis Ende 2024 in diese Gegend, etwa 34 Prozent ging in den Wirtschaftskorridor von Hanoi nach Haiphong mit neun umliegenden Provinzen, dem "Red River Delta".

    Namhafte deutsche Unternehmen produzieren in Vietnam

    Die bis Ende 2024 realisierten Investitionen deutscher Firmen könnten sich nach Berechnung der AHK auf rund 3,7 Milliarden US-Dollar (US$) belaufen. Das sind 1,1 Prozent des gesamten Investitionsbestands von rund 323 Milliarden US$. 

    Nach Daten der AHK Vietnam für 2025 unterhalten 576 deutsche Gesellschaften Niederlassungen in Vietnam. Mehr als die Hälfte der deutschen Firmen hat sich rund um Ho-Chi-Minh-Stadt niedergelassen. Etwa ein Drittel ist ausschließlich im Vertrieb tätig, 117 Unternehmen wie Bosch, Schäffler, B.Braun und Knauf haben Firmen errichtet oder – wie Stada – lokale Firmen übernommen. Der größte deutsche Investor Messer unterhält in Dung Quat die größte Produktionsstätte für Industriegase des Unternehmens weltweit. Im Jahr 2025 haben unter anderem Ingun, OBE, Tenowo und Südwolle neue Fabriken eröffnet.

    Die deutschen Firmen kommen aus verschiedenen Branchen. Ein Schwerpunkt besteht im Bereich Textilien, unter anderem mit Fabriken von Seidensticker, Van Laack, Amann, Groz-Beckert und Wendler. Auch aus dem Bereich Business Outsourcing haben sich viele deutsche Firmen im Land angesiedelt. Größter Arbeitgeber unter den rund 70 Firmen ist Digi-Texx mit mehr als 1.500 Mitarbeitern. Die Firma hat Mitte 2024 eine neue Betriebsstätte fernab der Wirtschaftszentren in der Mekong-Provinz Hau Giang errichtet.

    Die größten deutschen Investoren in Vietnam kommen aus unterschiedlichen Branchen

    Unternehmen

    Branche

    Investitionssumme in Mio. US$

    MesserIndustriegase

    512

    BoschTechnologische Produkte und Lösungen aus dem Bereich Automotive

    450

    HDIVersicherungs- und Vorsorgelösungen 

    260

    Stada - PymepharcoPharmazeutika

    250

    B.BraunArzneimittel und Medizinprodukte

    160

    SchaefflerKfz-Teile

    117

    Groz-BeckertNadeln für Textilindustrie

    113

    Jeweils nur Stammkapital.Quelle: Auslandshandelskammer Vietnam 2025

    Die Regierung lockt mit Steueranreizen

    Die wichtigsten Förderinstrumente sind mehrjährige Befreiungen oder Vergünstigungen von der Körperschaftsteuer, von Einfuhrzöllen sowie von Grundstücksmieten. Maximal können Investoren für vier Jahre von der Körperschaftsteuer befreit werden und zahlen danach neun Jahre nur den halben Satz. Für Ausrüstungen und Material für die Umsetzung eines Investitionsprojekts zahlen Unternehmen keine Einfuhrzölle.

    Der genaue Standort, der Umfang und die Branche der Investition bestimmen das Ausmaß der Förderung. Die höchsten Fördersätze gibt es für Hightechinvestitionen und für Projekte in strukturschwachen Regionen. 

    Neu hinzugekommen ist seit Anfang 2025 ein Fonds, der direkte Zuschüsse für Forschungs- und Ausbildungszentren vergibt. Die Umsetzung ist noch unklar. Profitieren sollen vor allem Investoren, die von der globalen Mindestbesteuerung betroffen sind. Vietnam hat diese gesetzlich eingeführt, aber noch nicht umgesetzt. 

    Die meisten deutschen Industrieinvestoren siedeln sich in Industrieparks an, seit einigen Jahren vornehmlich in bezugsfertigen Fabrikhallen (ready built factories). Qualitativ unterscheiden sich Industrieparks erheblich, gerade im Hinblick auf Infrastruktur sowie Beratungs- und Unterstützungsleistungen. Die Qualität von Industrieparks und fertigen Fabrikhallen hat sich aber in den letzten Jahren verbessert. Rund um Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt werden die Zonen teurer und nehmen nicht mehr jeden Investor auf.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Peter Buerstedde

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • BezeichnungAnmerkung
    Germany Trade & InvestInformationen für die deutsche Exportwirtschaft
    Delegation der Deutschen Wirtschaft (AHK) VietnamAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Ministry of Planning and Investment (MPI)Ministerium für Planung und Investition (jetzt Teil von Finanzministerium)
    Foreign Investment AgencyOffizielle Investitionsförderbehörde unter dem Finanzministerium