Zollbericht Welt Einfuhrverbote und Beschränkungen

Zunehmender Protektionismus wirkt sich auf Unternehmen aus

Unternehmen sehen sich zunehmend mit neuen sowie zusätzlichen Barrieren - vor allem Zöllen - konfrontiert.

Von Dr. Melanie Jordan | Bonn

Handelshemmnisse jeglicher Art schränken den Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen Handelspartnern ein und wirken sich folglich negativ auf den internationalen Freihandel aus.

Die weltweiten Einfuhren sind zunehmend von Handelshemmnissen betroffen

Seit 2009 ist die Anzahl der geltenden Einfuhrbeschränkungen stetig gewachsen. 2011 waren lediglich 1,3 Prozent der weltweiten Einfuhren von Einfuhrbeschränkungen betroffen. 2025 erreichte die Kurve ihren Höhepunkt und lag bei knapp 20 Prozent.

Welche Handelshemmnisse lassen sich unterscheiden?

Es gibt tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse, wobei innerhalb dieser Kategorien weitere Formen zu unterscheiden sind.

Tarifäre Handelshemmnisse beschränken den Außenhandel in direkter Weise. Dazu zählen vor allem Zölle. Ob noch weitere Maßnahmen wie zum Beispiel Mindestpreise, Exportsubventionen und Verbrauchsteuern zu den tarifären Maßnahmen zählen, ist sehr umstritten.

Nichttarifäre Handelshemmnisse sind all die Maßnahmen, die nicht in Listen oder Zolltarifen geführt werden und ausländischen Teilnehmern den Zugang zum inländischen Markt erschweren. Aufgrund ihrer Intransparenz lassen sich nichttarifäre Maßnahmen nur schwer erfassen.

Die WTO gliedert nichttarifäre Handelshemmnisse beispielsweise in folgende Kategorien: 

  • Einfuhr betreffende Maßnahmen technischer Art: Beispielsweise Vorversandkontrolle und weitere Formalitäten; Sanitäre und phytosanitäre Maßnahmen
  • Einfuhr betreffende Maßnahmen nichttechnischer Art: Beispielsweise Ursprungsregeln; Subventionen
  • Ausfuhr betreffende Maßnahmen: Beispielsweise Ausfuhrverbote und -beschränkungen

Weitere Informationen zu den tarifären und nichttarifären Hemmnissen

Unternehmen spüren Zunahme an Handelshemmnissen

Die aktuelle Umfrage der DIHK (März 2026) zeigt, dass die Zahl der Unternehmen, die sich mit Handelshemmnissen konfrontiert sehen, kontinuierlich ansteigt. 69 Prozent der 2400 befragten auslandsaktiven Betriebe spürten in den letzten zwölf Monaten eine Zunahme von Handelshemmnissen bei ihren internationalen Geschäften - 2020 waren es noch 50 Prozent und 2012 lediglich 34 Prozent.

Unternehmen sehen sich vor allem durch höhere Zölle, aber auch lokale Zertifizierungs- und verschärfte Sicherheitsanforderungen belastet, die den Planungs- und Kostenaufwand für den grenzüberschreitenden Handel erheblich steigern. Zusätzlich erschweren verschärfte Exportkontrollen und Sanktionen, insbesondere im Russlandgeschäft, intransparente Gesetzgebungen und Vorschriften zum Local Content die Geschäftstätigkeit.

Geopolitische Veränderungen sorgen für Diversifizierung des Außenhandels

Die Zunahme der Handelshemmnisse und der sich daraus entwickelnde zunehmende Protektionismus ergeben sich unter anderem aus den veränderten geopolitischen Gegebenheiten.

Folgen der US-Handelspolitik machen sich stark bemerkbar

Die Handelspolitik der US-Administration stellt eine erhebliche Herausforderung für die deutsche Wirtschaft dar. Durch stetig steigende und neue Zölle entwickeln sich die USA zunehmend zu einem Risikofaktor für Unternehmen. Lediglich 20 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage mit den USA als gut, 43 Prozent dagegen als schlecht. Und auch die Perspektiven für das Jahr 2026 erleben einen Abwärtstrend: nur 16 Prozent gehen von besseren Geschäften aus, 43 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte.

Nationale und europäische Bürokratie belasten

83 Prozent der international tätigen deutschen Unternehmen stoßen auf Handelshemmnisse durch nationale oder europäische Bürokratie. Hierzu zählen etwa die Berichts- und Sorgfaltspflichten im Rahmen des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG), der Verpackungsrichtlinie der EU oder auch der CBAM-Regelungen.

Unternehmen schätzen die Geschäftslage auf den internationalen Märkten weiterhin pessimistisch ein

Wie bereits im Vorjahr beurteilen 23 Prozent der befragten Unternehmen ihr Auslandsgeschäft als gut, 30 Prozent schätzen ihre Geschäftssituation dagegen als schlecht ein. Auch für 2026 sind die Erwartungen eher zurückhaltend. 

Die Gründe sind vielfältig: neue Zölle durch die USA und entsprechende Gegenmaßnahmen, hohe Energiepreise und bürokratische Belastungen in der Eurozone sowie andauernde Konflikte in Afrika, Nah- und Mittelost sind dabei nur einige Beispiele.

Diversifizierung der Außenwirtschaft ist weiterhin wichtig

GTAI nimmt deshalb ausgewählte Beschaffungs- sowie Absatzmärkte in den Blick und zeigt Herausforderungen für das Lieferketten-Management auf. Weitere Informationen finden Sie in unserem Schwerpunkt Diversifizierung der Außenwirtschaft.

Quelle und weitere Informationen: Going International 2026: Handelshemmnisse auf Rekordniveau