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Verarbeitende Industrie holt gegenüber Rohstoffförderung auf

Kasachstans Wirtschaft ist stark von der Rohstoffgewinnung geprägt. Mehrere Branchen des verarbeitenden Gewerbes legen aber kräftig zu. Das eröffnet auch deutschen Firmen Chancen.

Kasachstan verfügt über eine breite Palette an Rohstoffen. Zudem profitiert das Land von seiner günstigen geografischen Lage an der Neuen Seidenstraße. Dadurch wächst seine Bedeutung als Drehscheibe für Warenströme zwischen Ost und West.

Der wirtschaftliche Strukturwandel kommt trotz ehrgeiziger Ziele nur langsam voran. Zwar entwickeln sich einzelne Branchen des verarbeitenden Gewerbes robust, doch Ölproduktion und Pipelines bleiben die zentralen Lebensadern der kasachischen Wirtschaft. Ebenso ambitioniert ist die schrittweise Abkehr von fossilen Energieträgern. Kasachstan strebt bis 2060 Klimaneutralität an. In der kasachischen Steppe bestehen günstige Bedingungen für Wind- und Solarfarmen. Der dort erzeugte Strom soll perspektivisch auch zur Produktion von grünem Wasserstoff für Abnehmer im In- und Ausland dienen. Zudem hat sich Kasachstan für die Nutzung der Kernenergie geöffnet. Das erste Atomkraftwerk soll 2035 ans Netz gehen.

20,5 Mio.

Personen lebten 2025 in Kasachstan.

Quelle: Qazstat - Büro für nationale Statistik 2026

306 Mrd.

US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025 laut Schätzungen.

Quelle: Qazstat - Büro für nationale Statistik 2026

15.003 US$

US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2025 aus.

Quelle: Qazstat - Büro für nationale Statistik 2026

Rang 54

belegte Kasachstan 2025 unter den deutschen Exportzielen.

Quelle: Destatis 2026

Rang 96

nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).

Quelle: Transparency International 2026

0,2 %

betrug die Analphabetenquote im Jahr 2020.

Quelle: Weltbank 2025

Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

SWOT-Analyse Kasachstan

S

Stärken Strengths

  • Großer Rohstoffreichtum
  • Geringe Staatsverschuldung und hohe Devisenreserven
  • Brückenfunktion zwischen Asien und Europa
  • Großer, breit aufgestellter Agrarsektor
  • Diversifizierung der Wirtschaft hat hohe Priorität
W

Schwächen Weaknesses

  • Hohe Abhängigkeit von Rohstoffexporten und Transportwegen über Russlands Territorium
  • Bürokratie, Korruption, mangelnde Rechtssicherheit, 
  • Volatiler Wechselkurs zu Leitwährungen
  • Große Entfernungen, hohe Transportkosten
  • Wirtschaftliche Nähe zu Russland und dadurch entstehende Risiken aufgrund von Sekundärsanktionen
O

Chancen Opportunities

  • Deutlicher Modernisierungsbedarf bei Infrastruktur und Industrie
  • Ausbau der Transportwege zwischen Europa und Asien
  • Gute Bedingungen für großflächige Wind- und Solarparks
  • Politische Reformagenda zielt auch auf attraktives Geschäfts- und Investitionsklima ab
  • Wachsender Markt für Umwelttechnik (Wasser, Abfallwirtschaft)
T

Risiken Threats

  • Schwankende Weltmarktpreise für Rohstoffe
  • Starke Abhängigkeit von Entwicklungen in Russland und China
  • Defizit an Fachkräften in technologieorientierten Sektoren
  • Latente Gefährdung des sozialen Frieden durch große Einkommensgefälle und wenig Perspektiven in ländlichen Regionen
  • Nachlassendes Tempo bei Umsetzung von Reformen

Kasachische Wirtschaft muss sich breiter aufstellen

Der Rohstoffsektor samt nachgelagerter Industrien ist das Rückgrat der kasachischen Wirtschaft. Schwerpunkt der Bergbauaktivitäten ist die Ölförderung. Auf sie entfielen 2025 mehr als zwei Drittel des Produktionsvolumens im Bergbau. Regelmäßig steht das schwarze Gold für mehr als 50 Prozent der kasachischen Exporterlöse. Rund 76 Prozent des im Land geförderten Öls werden exportiert, vor allem nach Europa.

Mit Teilen seiner Öleinnahmen finanziert der Staat laufende Ausgaben und speist den Nationalfonds. Dieser soll zwar hauptsächlich als Rücklage für künftige Generationen dienen. Gerade in Krisenzeiten nutzt Kasachstan ihn auch als Notreserve für Sonderausgaben.

Eine wichtige Rolle im Bergbau spielt zudem der Abbau von Metallerzen und Kohle. Während die Kohle größtenteils selbst verbraucht wird, exportiert das Land die Erze in Form von Konzentraten und fertigen Metallen. Als bedeutsam gelten Kupfer, Eisen/Stahl, Gold, Blei, Chrom, Mangan und Zink. Weltweit an erster Stelle liegt Kasachstan beim Abbau und Export von Uran.

Gleichwohl sorgt die Volatilität der Weltmarktpreise für Rohstoffe dafür, dass sich die kasachische Wirtschaft anfällig für Konjunkturschwankungen erweist. Die Regierung ist daher seit längerem bestrebt, die Wirtschaft breiter aufzustellen. In einigen Branchen kann sie auf Erfolge verweisen.

Dazu gehört beispielsweise die expandierende Kfz-Industrie, die 2025 erneut ein Rekordergebnis einfuhr. Zwar dominiert hier noch die Montage von zugelieferten Bausätzen. Doch in- und mittlerweile auch ausländische Unternehmen steigern die lokale Wertschöpfung zunehmend. Eine Zulieferindustrie befindet sich im Aufbau.

Breite Rohstoffbasis ist gute Grundlage für verarbeitende Industrie

Der gezielte Auf- und Ausbau auch in anderen Sparten des verarbeitenden Gewerbes soll Kasachstan mittel- bis langfristig zu mehr wirtschaftlichen Standbeinen verhelfen und das Exportportfolio erweitern. Weitere perspektivreiche Branchen sind die chemische und petrochemische Industrie sowie die Produktion verschiedener Lebensmittel. Hier punktet das Land mit einer breiten Rohstoffbasis sowie Exportpotenzial in nah gelegene Wachstumsmärkte.

Einst geprägt von grundlegenden Transformationsprozessen, ist die Region heute ein dynamischer Partner mit wachsender globaler Relevanz. Kasachstan verbindet Märkte, bietet vielfältige Investitionschancen und ist zu einem zentralen Knotenpunkt zwischen Europa und Asien geworden.

Eduard Kinsbruner Delegierter der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien

Neben dem verarbeitenden Gewerbe gilt die Transport- und Logistikbranche als Wachstumstreiber. Kasachstan profitiert von der seit Jahren angespannten geopolitischen Lage und arbeitet daran, mit dem Mittleren Korridor eine alternative Transportroute für den Handel zwischen Europa und Asien auf seinem Territorium zu etablieren. Hoffnung wird zudem in den aufstrebenden Tourismus sowie Finanzdienstleistungen mit dem Astana International Financial Centre (AIFC) als zentralasiatisches Hub.

Mehr als ein Drittel des industriellen Outputs entfällt auf Metallurgie

Die Erst- und Weiterverarbeitung von Metallerzen dominiert bislang das verarbeitende Gewerbe. Dessen Gesamtproduktionswert bestreitet die Metallindustrie mit etwa 41 Prozent. Davon entfallen rund drei Viertel auf Nichteisen-Metalle, der Rest auf Eisen und Stahl. Dahinter beläuft sich der Beitrag der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie auf etwa 17 Prozent. Insbesondere in der Fleisch- und Milchverarbeitung strebt Kasachstan einen starken Kapazitätsausbau an.

Im Dienstleistungssektor ist der Groß- und Einzelhandel die wichtigste Sparte. Da sich der Privatkonsum trotz signifikanter Inflation solide entwickelt, dürfte dieser Bereich seine Position auch mittelfristig weiter festigen. Für den deutschen Handelskonzern Metro ist Kasachstan der am schnellsten wachsende Markt im Firmenportfolio, angetrieben durch eine wachsende Mittelschicht und Urbanisierung.

Bedeutung der Wirtschaftszweige in KasachstanAngaben für 2025; Anteile in Prozent

Sektoren

Anteil am BIP

Anteil an den Beschäftigten

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

3,7

10,6

Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

11,9

3,1

Verarbeitendes Gewerbe

12,7

6,7

Energieversorgung

1,5

1,7

Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen

0,2

0,9

Baugewerbe

6,1

6,9

Dienstleistungen

57,7

70,1

Nettogütersteuern

6,2

--

Quelle: Büro für nationale Statistik Kasachstans (Qazstat) 2026

Ölregion Atyrau und Metropolen Astana und Almaty geben den Ton an

Die Millionenmetropole Almaty ist das wirtschaftliche Zentrum mit den Schwerpunkten Handel, Finanzen und Tourismus. Die Hauptstadt Astana holt aber dank gezielter Förder- und Ansiedlungsmaßnahmen auf. Als bedeutendste Ölregion erzielt das Gebiet Atyrau landesweit das höchste Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Weitere Zentren der Öl- und Gasförderung sind die Gebiete Mangystau und Westkasachstan. Über größere Vorkommen metallischer Erze verfügen die Gebiete Ostkasachstan, Aktobe, Pawlodar, Turkestan und Kostanai, wo die Erze häufig auch aufbereitet und verarbeitet werden.

Steinkohle wird vorrangig in den Gebieten Karagandy und Pawlodar abgebaut, was sie auch zu bedeutenden Energieerzeugern und -versorgern macht. Das Land verfügt über drei Großraffinerien in Atyrau, Pawlodar und Schymkent. Schwerpunkte der Nahrungsmittelproduktion sind die Stadt Almaty sowie die Gebiete Almaty und Kostanai. Die aufstrebende Kfz-Industrie konzentriert sich auf das Gebiet Kostanai und die Stadt Almaty. Während der Norden gute Bedingungen für die Vieh- und Milchwirtschaft sowie den Getreideanbau bietet, ist der trockene Süden stärker von Weidewirtschaft sowie vom Obst- und Gemüseanbau geprägt.

Eckdaten wichtiger Regionen in KasachstanAngaben für 2024

Gebiet

Anteil am BIP (in %) 1)

BIP pro Kopf (in 1.000 US$) 2)

Bevölkerung (in Mio.) 3)

Stadt Almaty

21,8

27,6

2,3

Stadt Astana

11,5

22,3

1,5

Atyrau

11,2

45,2

0,7

Karagandy

6,9

17,3

1,1

Almaty

4,4

8,2

1,6

Mangystau

3,8

13,8

0,8

Pawlodar

3,8

14,6

0,8

Aktobe

3,7

11,2

0,9

Kostanai

3,7

12,7

0,8

Ostkasachstan

3,6

14,1

0,7

1 Die sonstigen Gebiete und die Stadt Schymkent kommen zusammen auf einen Beitrag von 25,6 Prozent; 2 Umrechnungskurs der kasachischen Zentralbank für 2024: 1 US$ = 469,44 Tenge; 3 Stand: Anfang 2025.Quelle: Qazstat 2026

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