Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung

Ziele und Historie

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) mit Sitz in London wurde 1991 gegründet und hat heute 69 Mitgliedsstaaten. Weitere Anteilseigner sind die Europäische Union (EU) und die Europäische Investitionsbank (EIB).

Nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion hatte sie den Auftrag, die Länder in Mittel- und Osteuropa bei dem Transformationsprozess hin zur Marktwirtschaft zu unterstützen. Die Stärkung des Privatsektors ist kontinuierlicher Schwerpunkt der Bank. Heute arbeitet die Entwicklungsbank in mehr als 30 Ländern in Mitteleuropa, Zentralasien sowie auch im südlichen und östlichen Mittelmeerraum und ist in jedem Partnerland mit einem Regionalbüro vertreten. Am Londoner Hauptsitz und in den Regionalbüros beschäftigt die EBRD rund 2.000 Mitarbeiter.

Ziel der Bank ist die Förderung des Aufbaus starker, nachhaltiger, demokratischer und offener Volkswirtschaften in ihrer Zielregion. Dazu hat sie folgende Transformationskriterien definiert: Hohe Wettbewerbsfähigkeit, gute Regierungsführung, grünes und integratives Wirtschaften, Widerstandsfähigkeit und wirtschaftliche Integration.

Tätigkeitsfelder und Organisation

An der Spitze der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) steht ein Gouverneursrat, in dem Vertreter jedes Mitgliedslands und von Europäischer Union (EU) und Europäischer Investitionsbank (EIB) sitzen. Die Mitglieder sind permanent durch Exekutivdirektoren bei der Bank vertreten. Deutschland ist mit einem Anteil von 8,5 Prozent einer der größten Anteilseigner. Deutscher Exekutivdirektor ist Michael Offer. Die Gouverneure und Exekutivdirektoren entscheiden über die strategische Ausrichtung der Bank. Das Exekutivdirektorium ist unter anderem auch für die Bewilligung der Investitionsprojekte zuständig. Die operative Geschäftsleitung übernimmt die von den Gouverneuren gewählte Präsidentin. Seit 2020 hat die Französin Odile Renaud-Basso dieses Amt inne.

Die EBRD arbeitet vor allem mit Kunden aus dem Privatsektor zusammen, finanziert aber auch Behörden und staatliche Unternehmen in ihren Zielländern. Der Anteil des Privatsektors macht fast 80 Prozent des Investitionsgeschäfts der EBRD aus. Sie bietet Projektfinanzierungen direkt und über Finanzintermediäre an. Weitere Angebote sind Geschäftsberatungsdienste und Handelsfinanzierungen sowie die Vergabe von Darlehen innerhalb eines Bankenkonsortiums (Syndizierung). Im Rahmen der Projektfinanzierung vergibt die EBRD Kredite an Firmen zu Marktkonditionen.

Neben diesem Kerngeschäft setzt die EBRD auch Instrumente mit Zuschusskomponenten um. Die Mittel hierfür werden von bi- und multilateralen Gebern bereitgestellt. Zuschüsse gibt es zum einen für Technische Hilfe und zum anderen für Investitionsprojekte. Mit Zuschüssen für Technische Hilfe werden die Vermittlung von Fachwissen zur Umsetzung von Investitionsprojekten oder die Beratung staatlicher Stellen finanziert. Darüber hinaus setzt die EBRD Zuschüsse auch ein, um Investitionsrisiken zu reduzieren oder Investitionsanreize zu setzen. Die EBRD koordiniert auch geberfinanzierte thematische und regionale Trust Funds.

Zudem betreibt die EBRD Politikdialog mit Regierungen, Finanzinstitutionen und der Zivilgesellschaft und erstellt regionale Analysen und Prognosen.

Projektportfolio und thematische Schwerpunkte der EBRD

Im Jahr 2019 investierte die EBRD 10,1 Milliarden Euro (2018: 9,5 Milliarden Euro) in 452 neue Projekte (2018: 395). Die regionalen Schwerpunkte lagen 2019 in Osteuropa und dem Kaukasus (Neuzusagen 2,1 Milliarden Euro), im südlichen und östlichen Mittelmeerraum (Neuzusagen 1,8 Milliarden Euro), Südosteuropa (Neuzusagen 1,7 Milliarden Euro), Mitteleuropa und den baltischen Staaten (Neuzusagen 1,5 Milliarden Euro), Zentralasien (Neuzusagen 1,4 Milliarden Euro) und der Türkei (Neuzusagen 1 Milliarde Euro). Für Zypern und Griechenland wurden 0,6 Milliarden Euro neu zugesagt.

Nach Sektoren betrachtet investierte die EBRD 2019 hauptsächlich in den Bereich Infrastruktur und Energie mit 3,9 Milliarden Euro. Die Investitionen im Finanzsektor erreichten 3,4 Milliarden Euro für Finanzierungen über Partnerbanken an kleine und mittlere Unternehmen sowie für Projekte zur Förderung der ökologischen Nachhaltigkeit. Weitere 2,9 Milliarden Euro wurden in Industrie, Handel und Agribusiness investiert.

Zu den Schwerpunktthemen, mit denen sich die EBRD gegenwärtig befasst, gehören u.a.: Die „Green Economy“ zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, die Neue Seidenstraße, Infrastrukturausbau und die wirtschaftliche Entwicklung des Gazastreifens und des Westjordanlands. Seit 2016 setzt die Bank auch einen neuen Green Economy Transformationsansatz (GET) um. Damit unterstützt sie ihre Partnerländer bei der Erreichung ihrer Klimaziele. Im Jahr 2019 hatten bereits 46 Prozent der Projekte eine „grüne“ Ausrichtung.

EBRD-Empfängerländer

Ägypten, Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Estland, Georgien, Griechenland, Jordanien, Kasachstan, Kirgisistan, Kosovo, Kroatien, Lettland, Libanon, Litauen, Marokko, Moldau, Mongolei, Montenegro, Nordmazedonien, Palästinensische Gebiete, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tadschikistan, Tunesien, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Ungarn, Usbekistan

In Tschechien investiert die EBRD seit 2008 nicht mehr und in Zypern seit 2021 nicht mehr, verwaltet in beiden Ländern aber noch ein Portfolio.

Regelmäßig überlegen die Anteilseigner, ob und wie der Aktivitätsradius der EBRD regional ausgeweitet werden soll. Zur Diskussion steht die Aufnahme von Aktivitäten etwa in Algerien und Libyen. Seit 2019 ist Libyen Anteilseigner der EBRD. Algerien hat 2020 einen Antrag auf Mitgliedschaft gestellt. Der Prozess soll 2021 abgeschlossen werden. Ebenfalls möchte die Bank ihre Aktivitäten schrittweise und in begrenztem Umfang auf Subsahara-Afrika und auf den Irak ausweiten.

Projektablauf

Öffentliche Projekte

Bei der Kreditvergabe für Entwicklungsprojekte an öffentliche Stellen in den Partnerländern orientiert sich die EBRD an ihren Länder- und Sektorstrategien. Diese können als erste Orientierung für Geschäftsmöglichkeiten dienen. Konkretisiert sich ein Projekt, stimmen Kreditnehmer und EBRD die Projektinhalte in einem Projektkonzept mit Beschaffungsplan ab. Nach Bewilligung durch die EBRD werden sogenannte generelle Ausschreibungsmeldungen zu den geplanten Beschaffungen veröffentlicht. Darauf folgt die Projektdurchführung, die eng von der EBRD überwacht wird. Nach Projektende erfolgt gegebenenfalls eine Evaluierung.

Privatwirschaftliche Projekte

In der Regel haben Finanzierungen der EBRD für Projekte im Privatsektor eine Größenordnung zwischen 5 Millionen Euro und 250 Millionen Euro und erfolgen in Form von Darlehen oder Kapitalanlagen. Das durchschnittliche Investitionsvolumen beträgt 25 Millionen Euro pro Projekt. Kleinere Projekte können über Finanzintermediäre oder Sonderprogramme für kleinere Direktinvestitionen in weniger fortgeschrittenen Ländern finanziert werden.

Anforderungen und Kriterien der Bank für die Kreditvergabe sowie Ansprechpartner

Beschaffungswesen und Geschäftsmöglichkeiten

Die meisten Auftragsmöglichkeiten bestehen im Rahmen EBRD-finanzierter Projekte in den Empfängerländern. Es gibt jedoch auch Aufträge, die die EBRD für interne Projekte und Abläufe direkt ausschreibt.

Die EBRD unterteilt die Beschaffungsmöglichkeiten wie folgt:

  • Interne Beschaffung: Londoner Hauptsitz und regionale Büros
  • Projektbezogene Beschaffung: Güter, Bauprojekte, Dienstleistungen und Beratung für die Realisierung von Projekten
  • Nicht projektbezogene Beratungsdienste: Verantwortungsbereich der Organisationseinheit Beratungsdienste (Consultancy Service Unit/CSU)
  • Externe Rechtsberatung: Verantwortungsbereich der Rechtsabteilung (Office of the General Counsel/OGC) 

Die Bank unterscheidet in ihren 2017 aktualisierten Beschaffungsrichtlinien zwischen Vorgaben für Beschaffungsvorgänge von privatwirtschaftlichen und von öffentlichen Kreditnehmern. Unternehmen können nach üblichen Marktregeln einkaufen. Für öffentliche Organisationen gibt es detaillierte Verfahrensvorgaben.

Ist der Kreditnehmer eine öffentliche Einrichtung, sehen die EBRD-Beschaffungsregularien die Erstellung eines Beschaffungsplans als Teil des Projektkonzepts vor. Zu Projektbeginn muss die zuständige Stelle dann eine generelle Ausschreibungsmeldung (GPN) veröffentlichen, in der die geplanten Beschaffungen aufgeführt sind. Die bevorzugte Methode sind offene Ausschreibungsverfahren; ab gewissen Schwellenwerten ist deren Anwendung für die durchführende Stelle verpflichtend. Bei Consultingleistungen liegt der Schwellenwert bei 75.000 Euro, bei Gütern und Dienstleistungen bei 250.000 Euro und bei Bauvorhaben bei 7,5 Millionen Euro.

Im Normalfall sehen die EBRD-Regularien bei allen oben genannten Auftragstypen einen einstufigen Ausschreibungsprozess vor. Bei komplexen Vorhaben kommen jedoch mehrstufige Verfahren zur Anwendung. Bei Consultingleistungen ist Qualität das Hauptauswahlkriterium. Bei den anderen Kategorien wird das wirtschaftlich vorteilhafteste Angebot ausgewählt, doch neben dem Preis können hier auch weitere Auswahlkriterien mit verschiedener Gewichtung für die Bewertung festgelegt werden. Aufträge über den Schwellenwerten unterliegen im Normalfall der Vorabprüfung der EBRD.

EBRD-Beschaffungsregularien

Praktische Tipps für die Geschäftsanbahnung

Der Einstieg für Unternehmen, die sich erstmals bei EBRD-finanzierten öffentlichen Projekten engagieren wollen, bedarf einer gezielten Vorbereitung. Interessenten können mithilfe der aktuellen Sektor- und Länderstrategien und Beschaffungspläne eine erste Einschätzung ihrer Geschäftschancen vornehmen. Zudem sollten sie sich mit den aktuellen Verfahrensrichtlinien vertraut machen. Geschäftserfahrungen in dem betreffenden Land oder zumindest in der Region sind von großem Vorteil. Für Neueinsteiger ins Auslandsgeschäft sind die Erfolgschancen auch aufgrund fehlender Referenzen eher gering.

Die wichtigsten Schritte sind: Informationsgewinnung über vorhandene Geschäftsmöglichkeiten sowie der Aufbau und Einsatz von Netzwerken und Kontaktpersonen vor Ort. Die Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen Landesbüro der EBRD sowie die Kontaktpflege mit zuständigen Entscheidungsträgern in den Durchführungsorganisationen der Kreditnehmerländer sind wichtig für die Geschäftsanbahnung. Auch ein Gespräch mit den Sektor- und Länderverantwortlichen in der Zentrale in London kann hilfreich sein.

Als Einstieg empfiehlt sich eine strategische Partnerschaft als Unterauftragnehmer oder als Partner in einem Konsortium. Auch lokale Partner sind wichtig. Auftragsmöglichkeiten für Berater gibt es auch schon bei der Projektvorbereitung und der Erstellung von Vorstudien für Investitionsprojekte.


Bei Interesse an den Finanzierungsangeboten der EBRD für Unternehmen empfiehlt es sich, vorab die Kriterien für die Kreditvergabe und andere Produkte auf der Webseite zu prüfen und sich dann direkt mit der EBRD zur Einschätzung des Vorhabens in Kontakt zu setzen.

Kontakte

Büro des Deutschen Exekutivdirektors
Direktor: Michael Offer
Stellvertreterin: Brigitte Schwadorf-Ruckdeschel
Tel: +44 (0)20 7338 6461
Email: GermanyOffice@ebrd.com

EBRD Kontakt für Unternehmensanfragen
EBRD Business Development
Tel: +44 (0)20 7338 7168
Fax: +44 (0)20 7338 7848
Email: newbusiness@ebrd.com

Germany Trade & Invest (Bonn)
Bereich Entwicklungszusammenarbeit & Öffentliche Aufträge
Villemombler Straße 76
53123 Bonn

Bereichsleiterin
Kirsten Hungermann
Telefon: +49 (0)228 24993-252

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