Frankreich Entwicklungszusammenarbeit

Die Französische Entwicklungsagentur

Ziele und Historie

1941 gründete Charles de Gaulle in London die Caisse centrale de la France libre (CCFL) als Vorläuferorganisation der Agence Française de Développement. Sie fungierte gleichermaßen als Zentralbank und Entwicklungsbank für die französischen Überseegebiete und ist somit die älteste Institution für Entwicklungshilfe der Welt. Ab September 1944 hatte sie ihren Sitz in Paris. Ihr Mandat umfasste anfangs nur die Unterstützung wirtschaftlicher Akteure und sozialer Entwicklungsinitiativen in den französischen Überseegebieten.

Trotz der voranschreitenden Entkolonialisierung wollte Frankreich an seinem privilegierten Verhältnis zu den einstigen Kolonien festhalten. Dafür dehnte es die Entwicklungszusammenarbeit auf diversere Formen der Kreditfinanzierung, Anleiheemissionen und Beratung aus. Seit 1998 firmiert die Entwicklungsbank als Agence Française de Développement (AFD). Sie ist der zentrale Akteur der französischen Entwicklungszusammenarbeit.

Die AFD finanziert und begleitet Transformationsprozesse in ihren Partnerländern, mit dem Ziel eine nachhaltigere und gerechtere Welt zu schaffen. Dafür benennt sie sechs Transformationsbereiche:

  • Soziale Entwicklung
  • Energiewende
  • Nachhaltige ländliche Entwicklung
  • Digitalisierung und technologische Innovationen
  • Stärkung der Zivilgesellschaft
  • Wirtschaftsförderung

Tätigkeitsfelder und Organisation

Die Agence Française de Développement (AFD) hat ihren Hauptsitz in Paris. Von dort aus steuert sie 102 Landesniederlassungen und beschäftigt 3.000 Mitarbeiter weltweit. Die AFD steht unter der doppelten Aufsicht des Außenministeriums sowie des Wirtschafts- und Finanzministeriums. Die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit umfasst derzeit Projekte in 115 Staaten.

Zur AFD-Gruppe gehören die für den Privatsektor zuständige Proparco und der Fonds français pour l’environnement mondial (FFEM), der Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz in den Entwicklungsländern fördert. Im Vordergrund stehen die Kreditvergabe an Regierungen sowie die Vergabe zinsverbilligter Darlehen oder Förderkredite zu marktnahen Konditionen. 2020 sagte die AFD Finanzierungen in Höhe von 12 Milliarden Euro zu. Dabei entfielen 5 Milliarden Euro auf die Klimafinanzierung und 3 Milliarden Euro auf die Bekämpfung der COVID-19 Pandemie.

Die französische Entwicklungszusammenarbeit orientiert sich an der Agenda 2030 sowie dem Pariser Klimaabkommen. Daraus ergeben sich folgende prioritäre Handlungsfelder:

  • Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sowie zur Reduktion von Treibhausgasen, zum Erhalt der Biodiversität und zur Förderung von Resilienz
  • Chancengleichheit und soziale Sicherung schaffen: dazu gehören Bildung, Gesundheit, Sozialschutz und Geschlechtergerechtigkeit
  • Frieden sichern und fragile Gesellschaften stärken durch gezielte Krisenprävention
  • Die Förderung des privaten Sektors und nichtstaatlicher Akteure
  • Partnerschaften stärken

Das Fördervolumen verteilt sich auf vier regionale Cluster:

  1. Die Strategie Tout Afrique rückt den afrikanischen Kontinent ins Zentrum der französischen Entwicklungszusammenarbeit. Hervorzuheben ist auch die Alliance pour le Sahel, die in Kooperation mit der KfW Entwicklungsbank, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und weiteren multilateralen Gebern nachhaltige Entwicklungsziele in der Sahelregion fördert.
  2. Osteuropa und Asien ("Orients")
  3. Karibik, Indischer Ozean und Pazifik ("Trois Océans")
  4. Lateinamerika

Projektablauf

  1. Der interministerielle Ausschuss für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung CICID (Comité interministériel de la coopération internationale et du développement) beschließt die strategische Ausrichtung der internationalen Entwicklungs- und Solidaritätspolitik, die von der Agence Française de Développement (AFD) umgesetzt wird.
  2. Die AFD erstellt die strategischen Dokumente zu ihren Interventionsbereichen auf Sektorebene oder zu Querschnittsthemen in Abstimmung mit den Partnerländern.
  3. Der Verwaltungsrat der AFD bewilligt die Projekte.
  4. Der Kreditnehmer, z.B. eine Behörde oder ein Ministerium, ist verantwortlich für die Umsetzung und wird begleitet durch das Monitoring der AFD.
  5. Die AFD evaluiert die Zielerreichung und schließt das Projekt ab.

Beschaffungswesen und Geschäftsmöglichkeiten

Die Agence Française de Développement (AFD) bietet deutschen Unternehmen vielseitige Geschäftschancen in Form von Bau-, Beratungs- und Lieferleistungen. Die AFD unterscheidet zwischen der Beschaffung durch staatliche Kreditnehmer und dem unternehmenseigenen Beschaffungswesen.

Beschaffung durch staatliche Kreditnehmer (Appels d’offres et passations de marchés)

Der Kreditnehmer ist für die Ausschreibung und Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen verantwortlich. Ausgeschrieben wird in Übereinstimmung mit den lokalen Vorschriften und internationalen Best Practices. Im Hinblick auf die ordnungsgemäße Verwendung der Mittel überprüft die AFD dabei die Durchführung des Vergabeverfahrens. Sie stellt insbesondere eine faire, transparente und unparteiliche Beschaffung mittels Bieterverfahren sicher und überwacht die Einhaltung ethischer, sozialer und ökologischer Vorgaben. Die AFD unterscheidet zwei Leistungskategorien: Bau- und Lieferleistungen (les travaux et équipements) sowie Beratungsleistungen (les prestations intellectuelles) und gibt für beide Kategorien detaillierte Verfahrensregeln vor. Ausschreibungen, Aufforderungen zur Interessenbekundung oder Präqualifikationen von AFD-Finanzierungen im Ausland veröffentlicht die AFD auf dem Portal dgMarket.

Institutionelle Beschaffung der AFD (Marchés publics de l’AFD)

Die AFD kauft Güter und Dienstleistungen für den Eigenbedarf ein. Sie ist für die Ausschreibung verantwortlich und unterliegt den Regeln geltender nationaler Gesetzgebung und EU-Recht. Diese Ausschreibungen veröffentlicht die AFD auf ihrer eigenen Website.

Praktische Tipps für die Geschäftsanbahnung

Unternehmen sollten sich frühzeitig über Projekte und Geschäftsmöglichkeiten informieren, Netzwerke knüpfen und Kontaktpersonen vor Ort ausfindig machen. Neben Englisch sollten Interessenten Französisch beherrschen, da viele Dokumente der Agence Française de Développement (AFD) nur auf Französisch veröffentlicht werden und für die Implementierungspartner vieler Länder Französisch die Verwaltungs- und Geschäftssprache ist.

Als Einstieg empfiehlt sich:

Für den Bewerbungsprozess sollten Unternehmen unbedingt folgende Aspekte beachten:

  • Die Vorgaben zu Umwelt- und Sozialverträglichkeit, Gesundheit und zum Schutz am Arbeitsplatz (Environment, Social, Health and Safety = ESHS) einhalten. Kosten müssen als Pauschale pro Posten ausgewiesen werden. Dazu gehören beispielsweise das Gehalt des Umweltexperten, die Erstellung eines Umwelt- und Sozialplans, Schulungsmaßnahmen oder Unterbringung und Transportkosten für den Umweltexperten.
  • Die Sicherheitslage im Partnerland. Auf Basis einer Risikokarte wird für viele Projekte ein Sicherheitskonzept angefordert. Für die Bieter bedeutet dies, dass sie Sicherheitsstandards in den Hotels für Projektmitarbeiter prüfen oder Sonderschutzfahrzeuge bereitzustellen müssen.
  • Die Frage "Wer zahlt wem welche Steuern oder Abgaben?" klar beantworten. Die AFD verlangt die Auflistung dieser vier Steuertypen oder Abgaben: Mehrwertsteuer, Quellensteuer, Gebühren zur Vertragsregistrierung und Zollabgaben.

Das Außenwirtschaftsportal iXPOS bietet weitere Tipps und Hinweise zu Geschäftschancen bei öffentlichen Aufträgen.

Internetadressen

Die folgenden Links dienen als Wegweiser für die Internetseite der AFD. Die meisten Informationen werden sowohl auf Französisch als auch auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch bereitgestellt.

Kontakte

Agence Française de Développement

5 rue Roland Barthes

75 598 PARIS CEDEX 12

Frankreich


Germany Trade & Invest (Bonn)

Bereich Entwicklungszusammenarbeit & Öffentliche Aufträge

Villemombler Straße 76

53123 Bonn

Bereichsleiterin

Kirsten Hungermann

Telefon: +49 (0)228 24993-252

Artikel zur AFD

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