Special Ägypten Wege aus der Coronakrise

Corona wirft ägyptische Wirtschaft zurück

Nach drei Jahren Sparreformen hatten sich 2019 die Aussichten für die Wirtschaft in Ägypten aufgehellt. Mit der Corona-Pandemie ging es 2020 aber wieder "zurück auf Los".


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Ägypten steht 2021 voraussichtlich noch ein weiteres Corona-Jahr bevor. Privatkonsum, Infrastrukturbau und kaum Einschränkungen verhindern das Schlimmste. (Stand: 24.3.2021)

    Die zweite Coronawelle ist in Ägypten Anfang Februar abgeebt. Seit Anfang März steigen die Fallzahlen jedoch wieder und das Wort von der dritten Welle macht die Runde. Deren Höhepunkt wird im Fastenmonat Ramadan vom 13. April bis 12. Mai erwartet. Während dieser Zeit nimmt die Mobilität zu, da sich die Menschen in großer Runde zum Fastenbrechen treffen oder gemeinsam das Tarawih-Gebet verrichten.

     

    Die Ergebnisse des IHS Markit-Einkaufsmanager-Index für den privaten Nicht-Öl-Sektor illustrieren sehr deutlich den Zusammenhang zwischen Intensität der Lockdownmaßnahmen und negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft. So stürzten die Geschäftsaktivitäten und -Erwartungen der befragten Firmen im April 2020 auf knapp 30 Punkte. Das ist erstens deutlich unterhalb der 50 Punkte-Grenze, die den Wachstumsbereich markiert und zweitens der historisch niedrigste Wert. Ende Juni wurden die meisten Einschränkungen zurückgenommen. In der Folge erholte sich das Geschäftsklima vom April-Schock. Mit einigen Ausreißern nach oben bewegt sich der Wert seitdem knapp unterhalb von 50 Punkten. Das eingetrübte Geschäftsklima ist jedoch keine spezifische Corona-Folge. Unternehmen leiden seit jeher unter einem erschwerten Zugang zu Krediten, Wettbewerbsnachteilen durch staatliche und informelle Unternehmen und Fachkräftemangel.

    Aufwärtstrend bei Öl- und Gas könnte auf Petrochemie übergehen

    Besser steht es um den ägyptischen Öl- und Gassektor. Mit dem Anstieg der globalen Preise zeichnet sich hier eine Erholung ab. Nach einer monatelangen Pause im vergangenen Jahr gehen an der ägyptischen Mittelmeerküste seit Herbst 2020 wieder die ersten Flüssiggastanker vom Anker mit Kurs auf Ostasien. Parallel dazu steigt die lokale Gasproduktion. Es stehen auch wieder neue Projekte an. Anfang Januar hat das Erdölministerium neue Konzessionen für Öl- und Gas-Aktivitäten im Wert von knapp 1 Milliarde US-Dollar (US$) vergeben und jüngst 24 weitere Konzessionsblöcke ausgeschrieben.

    Dieser Aufwärtstrend dürfte auch auf die petrochemische Industrie überschwappen – erst recht da mittlerweile die Preise für Kunststoff- und Kunstdünger wieder steigen.

    Ägyptische Wirtschaft erreicht 2021 Tiefpunkt

    Gesamtwirtschaftlich sieht es weniger gut aus. Nachdem das ägyptische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2019 real noch um 5,6 Prozent wuchs, sorgte die Corona-Pandemie 2020 für einen starken Rückgang auf 3,6 Prozent. Mit einem prognostizierten Wachstum von knapp 3 Prozent wird sich dieser Abwärtstrend in 2021 fortsetzen. Damit entgeht das Land zwar einer Rezession. Eine gute Nachricht ist das aber mitnichten. Denn schon vor der Krise reichte das Wachstum nicht aus, um in alle Schichten durchzusickern. Hierfür müsste die Wirtschaft, Schätzungen zufolge, um die 10 Prozent wachsen. Insgesamt rechnen Experten mit einem beschleunigten Wachstum ab 2022.

    Grund für das verlangsamte Wachstum in diesem Jahr ist die Aussicht auf zwölf Pandemie-Monate gegenüber nur 9 Monaten im vergangenen Jahr. Auch das ägyptische Impfprogramm dürfte hieran nicht viel ändern. Dieses ging erst Ende Februar an den Start und mit nur 350.000 und 500.000 Dosen (jeweils Sinopharm und AstraZeneca) zu geringen Mengen. Immerhin steht die Lieferung von weiteren 8,6 Millionen Dosen des AstraZeneca Impfstoffes kurz bevor.

    Davon abgesehen hält die Regierung an ihrer Strategie der „Koexistenz mit Corona“ fest. Handel, Industrie und das öffentliche Leben unterliegen kaum Einschränkungen. Wer sich in diesen Tagen durch Kairo bewegt, erlebt eine Stadt, die wie eh und je pulsiert.

    Wachstumszahlen 2. und 3. Quartal 2020

    Wirtchaftsbereich

    Reales Wachstum im 3. Quartal 2020 - Vorjahresvergleich (%)

    Reales Wachstum im 2. Quartal 2020 - Vorjahresvergleich (%)

    Verarbeitendes Gewerbe (ohne Raffinerien)

    - 17,5

    - 17,1

    Tourismus

    - 66,5

    - 84,1

    Telekommunikation

    15

    13

    Gas

    - 7

    - 15,4

    Bauwirtschaft

    k. A.*

    - 5,7

    Landwirtschaft

    k. A.

    2,3

    Privatkonsum

    11,8

    11,5

    BIP

    0,7

    - 1,7

    *keine AngabeQuelle: Egyptian Ministry of Planing and Economic Development

    Privatkonsum erholt sich ausgerechnet in der Krise

    Ausgerechnet zu Beginn der ersten Corona-Welle erfasste die Ägypter die Kauflust, die sich in zweistelligen Wachstumsraten des Privatkonsums niederschlug. Diese Entwicklung ist umso erfreulicher, als der Privatkonsum für über 80 Prozent des BIP auf der Verwendungsseite steht.

    Was auf den ersten Blick überraschend scheint, zeichnete sich zuvor schon ab. Die Inflation die 2017 noch bei 33 Prozent lag, sank in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Außerdem hat die Regierung 2019 den gesetzlichen Mindestlohn im öffentlichen Dienst von 1.200 ägyptischen Pfund (EGP) auf 2.000 EGP sowie die Pensionen um über 30 Prozent auf 900 EGP erhöht. Eine weitere Erhöhung des Mindestlohns auf 2.400 EGP wurde jüngst beschlossen.

    Mit einem Anteil von 15 Prozent leisten die Bau- und Immobilienwirtschaft einen wesentlich Betrag zur Enstehung des ägyptischen BIP. Dank großer Städtebauvorhaben erweist sich die Branche auch in Corona-Zeiten als Stabilitätsanker. Dazu deutet der Anstieg der lokalen Nachfrage nach Zement und Stahl auf eine weitere Zunahme der Bautätigkeit hin.

    Ein weiteres Schwergewicht der Wirtschaft sind die Rücküberweisungen der etwa 9 Millionen im Ausland lebenden Ägypter. Mit jährlich 25 Milliarden US$ übersteigen diese Zahlungen deutlich die Einnahmen aus Tourismus und Suezkanal. Beide Bereiche kamen im Jahr 2019 auf jeweils 13 Milliarden US$ und 6 Milliarden US$. Jedoch arbeiten zwei Drittel der ägyptischen Expats in den Golfstaaten und es wurde zunächst befürchtet, dass der Abwärtsstrudel der Ölpreise auch die Rücküberweisungen erfassen würde. Das Gegenteil trat ein. Im vergangenen Jahr sind die Rücküberweisungen sogar auf mehr als 28 Milliarden US$ gestiegen. Entwarnung ist aber nicht geboten. Denn der Zuwachst des Auslandsgelder könnte auch auf Einmaleffekten beruhen. So zum Beispiel, wenn Ägypter in Saudi-Arabien ihren Job verloren haben und mit samt ihrer Ersparnisse in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

    Auch in diesem Jahr ist nicht damit zu rechnen, dass Touristen in großen Zahlen Küsten und Museen besuchen werden. Rechnen kann Ägypten dagegen mit dem Internationalen Währungsfonds und ausländischen Portfolioinvestoren. Von beiden Seiten erhält Ägypten US$ in Milliardenhöhe, die für stabile Devisenreserven sorgen, den Außenkurs des ägyptischen Pfundes stützen und gerade in der Krise Spielräume für Staatsausgaben öffnen.

    Von Sherif Rohayem

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Im Kampf gegen Covid-19 pumpt Ägypten Liquidität in den Markt. Mittel der Wahl sind finanzielle Entlastungen. Für Kurzarbeitergeld und Zuschüsse fehlt es an Mitteln. (Stand: 7. Mai 2020)

    Mit Ausnahme der dreimonatigen Zahlung von jeweils 500 ägyptischen Pfund (EGP) an bis dato 2,6 Millionen informelle Arbeiter erhalten ägyptische Arbeitnehmer im Privatsektor kaum eine direkte Krisenhilfe - insbesondere kein Kurzarbeitergeld. Um Betriebe und Beschäftigte zu schützen, setzt die ägyptische Regierung auf Steuerhilfen und vergünstige Kredite.

    100 Milliarden ägyptische Pfund und 3 Prozent weniger Leitzins

    Um die negativen Auswirkungen der Social-Distancing-Maßnahmen auf Wirtschaft und Bevölkerung abzumildern, stellt die Regierung aus dem laufenden Haushalt ein Hilfspaket im Wert von EGP 100 Milliarden bereit. Das sind umgerechnet etwa 6,3 Milliarden US-Dollar (US$) oder 3 Prozent des ägyptischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) des letzten Finanzjahres. Zusätzlich hat die ägyptische Zentralbank in einem historischen Schritt Mitte März den Leitzins um 3 Prozent auf nunmehr 9,75 Prozent gesenkt. Diese Senkung hat positive Folgen für die Realwirtschaft, die sich nun günstiger refinanzieren kann. Für die Finanzwirtschaft resultieren negative Folgen, da die gesunkenen Zinsen die Profite von Investoren ägyptischer Staatsanleihen senken.

    Stützungskäufe und Steuerermäßigungen für die Börse

    Immerhin sollen über die ägyptischen Geschäftsbanken EGP 20 Milliarden für Stützungskäufe in die ägyptische Börse fließen. Denn auch dort kam es anlässlich der Ausbreitung des Coronavirus seit März zu einer massiven Kapitalflucht und Kursstürzen. Eine 10-prozentige Kapitalertragsteuer auf Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren, die an der ägyptischen Börse notiert sind, sollte eigentlich Mitte Mai 2020 in Kraft treten. Deren Einführung wurde aber erneut um zwei Jahre verschoben.

    Ermäßigte Kredite statt Kurzarbeitergeld

    Die Corona-Krise und die Aussetzung von Passagierflügen haben Tourismus und Luftfahrt mit am härtesten getroffen. Vor allem der Tourismus ist Devisenquelle und Jobmotor im Land. Wegen dieser herausragenden Bedeutung für die Wirtschaft hat die ägyptische Zentralbank bereits Ende 2019 eine Initiative zur Stärkung des Sektors im Wert von EGP 50 Milliarden aufgelegt.

    Dieses Geld erhalten Betriebe in Form von ermäßigten Krediten. So geht aus der Mitteilung der ägyptischen Zentralbank vom 23.3.2020 hervor, dass Hotels, Restaurants in touristischen Gegenden, Reiseveranstalter, Transportunternehmen im Tourismus und Fluggesellschaften spezielle Kredite erhalten können. Deren Laufzeit beträgt zwei Jahre, mit einer Tilgungsfrist von sechs Monaten und einem Zinssatz von 8 Prozent. Ende April wurde dieser Zinssatz auf 5 Prozent reduziert. Laut der Mitteilung der Zentralbank dienen die Kredite (ähnlich einem Kurzarbeitergeld) der Lohnfortzahlung von Beschäftigten oder der Finanzierung von Wartungsarbeiten.

    Subventionierte Kredite mit einem Zinssatz von 8 Prozent erhalten auch Käufer von Immobilien für mittlere Einkommensgruppen. Ebenso wurde der Kreis der Berechtigten der Mittelstandsinitiative der Zentralbank vom Dezember 2019 erweitert. Auch hier geht es um Kredite mit einem vergünstigten Zinssatz von 8 Prozent für Unternehmen der Landwirtschaft und dem verarbeitenden Gewerbe mit einem jährlichen Umsatz ab EGP 50 Millionen.

    Steuererleichterungen zur Überbrückung der Krise

    Ebenso wurde die Grundsteuer für Tourismus und industrielle Betriebe für drei Monate gestundet. Zusätzlich dürfen diese Betriebe die vorangegangene Grundsteuer in Sechs-Monats-Raten bis zum September 2020 zahlen. Die Steuer für landwirtschaftliche Nutzflächen wurde auf das Jahr 2022 verschoben.

    Die Egyptian Tax Authority (ETA) erlaubt Unternehmen ausgewählter Branchen, die in diesem Jahr fällige Körperschaftsteuer für 2019 in drei Raten zu zahlen. Danach waren 20 Prozent bis Ende April zu zahlen, 30 Prozent bis Ende Mai und 50 Prozent bis Ende Juni. Bei den Begünstigten handelt es sich um folgende Branchen: Luftfahrt, Tourismus (einschließlich Restaurants und Cafés), Hotels, Medien und Presse, verarbeitendes Gewerbe (insbesondere Export-Unternehmen; jedoch keine Lebensmittelhersteller, Pharmazie oder Reinigungsmittelhersteller), Transportunternehmen, Kfz-Händler, Bauunternehmer und Immobilienentwickler.

    Energiepreise reduziert

    Außerdem kündigte Präsident al-Sisi an, die Sozialprogramme für bedürftige Ägypter "Takaful und Karama" um EGP 27,7 Milliarden aufzustocken und so den Kreis der Berechtigten zu erweitern.

    Verbraucher und Unternehmen dürfen im Zeitraum zwischen März und September die Zahlung ihrer Kreditraten aussetzen. Verzugsgebühren entfallen, allerdings nicht die Zinsen, die während des Moratoriums angefallen sind.

    Für einige Industrien wurden zuvor geforderte Energiepreissenkungen beschlossen. Intensive Nutzer wie etwa die Stahl- und Aluminiumindustrie zahlen nun 10 Piaster (circa 0,00578 Euro) pro Kilowattstunde (kWh) weniger. Für alle anderen wird der gegenwärtige Strompreis für drei bis fünf Jahre eingefroren. Ebenso forderten Industrieunternehmen immer wieder, gesunkene Öl- und Erdgaspreise an die Industrie weiterzugeben. Dem kam die Regierung jetzt auch nach und senkte den Preis für Erdgas von 5,5 US$ pro Millionen British Thermal Unit (mmBtu) auf 4,5 US$ (1mmBtu = 26,4 Kubikmeter).

    Internationale Unterstützung

    Hilfe kommt auch von multilateralen Gebern, vor allem vom Internationalen Währungsfonds (IWF), bei dem die ägyptische Regierung einen Notfallkredit beantragt hat. Eine erste Tranche von 2,8 Milliarden US$ ist bereits beabsichtigt.

    Verstaatlichungen als letztes Mittel spielen angesichts der ohnehin schon zahlreichen öffentlichen Unternehmen eher keine Rolle. Letztere sind in der gegenwärtigen Krise aufgrund ihrer Eigentümerstruktur weniger insolvenzgefährdet als Privatunternehmen.

    Von Sherif Rohayem

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Ägypten koexistiert mit Corona – Regierung fährt öffentliches Leben hoch. Kein Lockdown im Falle einer zweiten Welle. (Stand: 14. Oktober 2020)

    Die intensivsten Einschränkungen galten im Zeitraum Ende März und über den gesamten April. In der Folgezeit hob die Regierung Schritt für Schritt immer mehr Restriktionen auf, bis sie dann am 27.6.2020 mit Dekret Nr. 1246/2020 neben weiteren Maßnahmen auch die nächtliche Ausgangssperre abschaffte. Während eines Regionaltreffens der Weltgesundheitsorganisation am 13.10.2020 schloss die Gesundheitsministerin Hala Zayed eine zweite Welle der Coronainfektionen in Ägypten nicht aus. Was sie allerdings ausschloss, war ein zweiter Lockdown. Stattdessen wolle die Regierung cluster-spezifisch vorgehen.

    Darüber hinaus hat die Regierung mit Wirkung vom 1.7.2020 den ägyptischen Luftraum für ein- und ausgehende Passagierflugzeuge wieder geöffnet. Zuvor war dieser am 19.3.2020 gesperrt worden. Wer nun nach Ägypten einreist, muss am Flughafen einen negativen PCR-Test vorlegen, der grundsätzlich nicht älter als 72 Stunden sein darf.

    Weitere Informationen, unter anderem zum Thema Covid-19, finden sich auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes sowie der Deutsch-Ägyptischen Auslandshandelskammer in Kairo.

    Einzelhandel profitiert am meisten

    Die Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre kommt zunächst dem verarbeitenden Gewerbe zugute, da nun Unternehmen den kompletten Schichtbetrieb, also auch die Nachtschicht, wieder hochfahren können. Jedoch kamen das verarbeitende Gewerbe und die Bauwirtschaft auch vor der Aufhebung der Ausgangssperre in den Genuss von Befreiungen.

    Weit mehr von den letzten Lockerungen profitiert der Einzelhandel. So dürfen insbesondere Lebensmittelgeschäfte, Supermärkte, Bäckereien, Metzgereien und Apotheken wieder durchgehend öffnen. Dagegen gelten etwa für Shopping-Malls (einschließlich der darin befindlichen Supermärkte) und Handwerksbetriebe noch eingeschränkte Öffnungszeiten – beginnend von 6.00 Uhr bis 21.00 Uhr.

    Restaurants und Cafés dürfen wieder Kunden in ihren Räumen bedienen – dies mit der Maßgabe einer Auslastung von maximal 25 Prozent, eingeschränkten Öffnungszeiten zwischen 6.00 Uhr und 22.00 Uhr sowie unter Einhaltung vom Gesundheitsministerium vorgeschriebener Hygienevorkehrungen. Außerhalb dieser Öffnungszeiten beschränken sich die Tätigkeiten auf Liefer- und Abholdienste.

    Messen und Kongresse dürfen wieder stattfinden

    Laut einem Artikel der ägyptischen Onlinezeitung masrawy vom 19.9.2020 und unter Berufung auf das ägyptische Amtsblatt dürfen seit der zweiten Septemberhälfte Konferenzen und Kongresse abgehalten werden. Diese Veranstaltungen müssen in Hotels oder ähnlichen Einrichtungen stattfinden, die ein Zertifikat des Tourismusministeriums über ein Hygienekonzept besitzen. Wobei Konferenz- beziehungsweise Kongresssäle maximal zu 50 Prozent ausgelastet sein dürfen. Außerdem gilt eine Höchsteilnehmerzahl von 150 Personen.

    Unter freiem Himmel und mit einem Hygienekonzept können auch wieder kommerzielle Messen durchgeführt werden. Der Ort, an dem die Messe stattfindet, darf jedoch nur bis zur Hälfte ausgelastet sein.

    Seit Ende Juni ist es den Ägyptern wieder gestattet, sich in Sportvereinen, Jugend-, Freizeit- und Fitnessclubs zu betätigen. Auch haben seitdem sämtliche Behörden ihre Türen für den Kundenverkehr geöffnet. Der öffentliche Personentransport ist bis auf die Zeit von 0.00 Uhr bis 4.00 Uhr durchgängig in Betrieb.

    Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

    Die Regierung hat nicht nur an das leibliche Wohl gedacht, sondern auch Muße und Seelenheil im Blick. Daher dürfen Museen und andere kulturelle Einrichtungen ebenfalls ihre Türen öffnen, wiederum unter der Voraussetzung von Hygienemaßnahmen und einer Höchstbelegung von einem Viertel. Kinos, berichtet masrawy, dürfen seit der zweiten Septemberhälfte sogar 50 Prozent der Sitze belegen. Der oben genannte Artikel zählt weitere Veranstaltungen auf, bei denen typischerweise zahlreiche Menschen aufeinandertreffen.

    Danach sind Open-Air-Festivals wieder erlaubt – Voraussetzung: die Veranstaltungsfläche übersteigt eine Auslastung von 50 Prozent nicht. Ebenso dürfen die Menschen Hochzeiten und ähnliche Feste feiern – allerdings nicht beliebig, sondern nur in Hotels oder ähnlichen Einrichtungen mit einem Hygienekonzept, welches das Tourismusministerium zertifiziert hat. Außerdem dürfen nicht mehr als 300 Gäste an den Feiern teilnehmen. Schließlich sind seit der zweiten Septemberhälfte unter bestimmten Voraussetzungen auch Totengebete erlaubt.

    Bereits seit Ende Juni dürfen die Ägypter ihr Gebet wieder in einer der zahlreichen Moscheen oder Kirchen verrichten. Auf ihrer Internetseite berichtet die arabische Ausgabe des Fernsehsenders euronews, dass seit Ende August Gläubige sogar wieder zum Freitagsgebet in den großen Moscheen zusammenkommen dürfen.

    Außer auf den Straßen gilt eine allgemeine Pflicht zum Tragen von Schutzmasken. Dieses Gebot ist mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 4.000 Ägyptische Pfund (EGP; entspricht circa 216 Euro) bewährt. Wer sich durch Kairo bewegt, beobachtet trotz dieses gerade für ägyptische Verhältnisse hohen Bußgeldes ein Vollzugsdefizit.

    Diese Einschränkungen gelten noch

    Außer den oben genannten Veranstaltungen, sind nach wie vor Events untersagt, bei denen es zu größeren Menschenansammlungen kommt. In diesem Sinne bleiben auch öffentliche Parks und Strände weiterhin gesperrt. Ebenso bleiben Präsenzunterricht beziehungsweise Präsenzvorlesungen an Schulen und Universitäten noch ausgesetzt.

    Von Sherif Rohayem | Kairo

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