RF_Getty_583918122_RZ_1340x574 RF_Getty_583918122_RZ_1340x574 | © Mostar, Bosnien und Herzegowina Blick von der alten Brücke (Stari Most). |© Getty Images/marco wong

Special | Coronavirus | Bosnien und Herzegowina

Viele Betriebe in Bosnien und Herzegowina kämpfen ums Überleben

Der Alltag kehrt auch nach Bosnien und Herzegowina zurück. Für viele Unternehmen geht es aber nach wie vor um die Existenz, denn wichtige Absatzmärkte sind weggebrochen.

Von Martin Gaber | Belgrad

Die Bevölkerung in Bosnien und Herzegowina kann dank erster Lockerungen aufatmen. In der Wirtschaft kann davon noch keine Rede sein. Der stark exportorientierten Wirtschaft fehlt die Nachfrage aus der Europäischen Union (EU). Die EU ist der wichtigste Absatzmarkt: Über 65 Prozent der Exporte gehen dorthin. In Eigenregie versuchen die Betriebe, Arbeitsplätze zu erhalten. Die beiden Entitätsregierungen haben lange an Hilfspaketen gebastelt und bemühen sich nun, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Hinzu kommt ein Konjunkturpaket über 3,3 Milliarden Euro von der EU für den Westbalkan.

  

  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Das öffentliche Leben in Bosnien und Herzegowina läuft Schritt für Schritt wieder an. Zahlreiche Betriebe kämpfen aber weiterhin ums Überleben. (Stand: 19. Mai 2020)

    Ein komplexes Staatskonstrukt fordert Bosnien und Herzegowina (BuH) seit dem Vertrag von Dayton 1995 heraus. In der Coronakrise müssen sich die Regierungen der beiden Entitäten Föderation (FBuH) und Republik Srpska (RS) sowie des Distrikts Brčko (DB) koordinieren.

    Die Zahl der Infizierten in Bosnien und Herzegowina ist nach wie vor überschaubar. Über die genauen Fallzahlen und Tests informieren das öffentliche Gesundheitsinstitut der Föderation (Zavod za javno zdravstvo FBiH) und der Republik Srpska (JZU Institut za javno zdravstvo RS). Da die Behörden aber den Kollaps des Gesundheitssystems befürchtet hatten, haben die Regierungen mit strengen Maßnahmen durchgegriffen. Mittlerweile gibt es aber eine Vielzahl an Lockerungen.



    Lockerungen machen öffentliches Leben wieder möglich

    Der Gesamtstaat Bosnien und Herzegowina hat am 17. März 2020 den Katastrophenfall ausgerufen. Bereits am Vortag hatten die beiden Entitäten den Notstand erklärt. Nachdem das öffentliche Leben im Land zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen war, lebt es seit Anfang Mai 2020 wieder auf. In die Gassen der Hauptstadt Sarajevo kehrt Schritt für Schritt geschäftiges Treiben zurück. Mit der Abschaffung der Ausgangssperre in der Föderation konnten auch die Läden wieder öffnen und seit 12. Mai 2020 darf die Gastronomie in Außenbereichen wieder Gäste empfangen. Seite Mitte Mai dürfen auch unter 18- und über 65-Jährige wieder am Alltag teilhaben. Für diese beiden Gruppen gab es komplette Ausgangssperren. Auch der Nahverkehr rollt wieder. In der Republik Srpska ist die Situation ähnlich, auch wenn sich einige Maßnahmen in Einzelheiten unterscheiden.

    Große Nachfrage nach Mehl, Masken und Inlineskates

    Bosnien-Herzegowinas größter Online-Marktplatz olx.ba hat eine Analyse zur Häufigkeit bestimmter Suchanfragen vor und während der Coronapandemie durchgeführt. Demnach lag die Nachfrage nach Mehl zwischen Mitte März und Ende April 2020 im Vergleich zum Zeitraum Ende Januar bis Mitte März 2020 um über 1000 Prozent höher. Es folgen Schutzmasken mit rund 700 Prozent und Inlineskates mit rund 500 Prozent Zuwachs. Den größten Rückgang in Bosnien-Herzegowina verzeichnete die Suche nach Autovermietungen und Kleidern.

    Konjunkturprognose nach unten korrigiert

    Mit 2,5 Prozent hätte die Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina nach Angaben des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) im Jahr 2020 wachsen sollen. Schon zu Beginn der Krise war diese Prognose um mehr als die Hälfte auf 1,2 Prozent gesenkt worden. Mittlerweile beschränkt sich die Frage darauf, in welchem Ausmaß das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfen wird. Wird die Zusammensetzung des BIP betrachtet, wäre nach eigenen Berechnungen derzeit ein Minus von rund 4 bis 5 Prozent realistisch.

    Große Schwierigkeiten mit internationalen Lieferketten

    "Die Unternehmen in Bosnien-Herzegowina haben durch die Einschränkungen bei der Ein- und Ausreise große Schwierigkeiten, die Lieferketten aufrechtzuerhalten. Dies gilt für den Export in die EU, aber auch für Zulieferer ins Land. Zudem müssen sie mit der derzeit rückläufigen Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen kämpfen", beschreibt Stefanie Ziska, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina, die Lage in den Betrieben.

    Die Delegation bietet Unterstützung für deutsche Unternehmen an. Auf Entitätenebene helfen die Föderale Wirtschaftskammer und die Kammer der Republika Srpska sowie des Distrikts Brčko. Fragen zur Ein- und Ausfuhr beantwortet die gesamtstaatliche Außenhandelskammer VTK.

    Von Martin Gaber | Belgrad

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Bosnien und Herzegowina wird seine Grenzen am 1. Juni 2020 wieder öffnen. Geschäftsreisende können bereits jetzt einreisen. (Stand: 19. Mai 2020)

    Grundsätzlich ist die Einreise nach Bosnien und Herzegowina für Ausländer laut Deutscher Botschaft in Sarajevo seit dem 25. März 2020 nicht mehr möglich. Ausgenommen sind unter anderem Ausländer mit einem Wohnsitz im Land und Grenzpendler. Seit 18. Mai 2020 können auch Geschäftsreisende wieder einreisen. Voraussetzung ist ein negativer Coronatest, der nicht älter als 48 Stunden ist. Zudem wird ein Einladungsschreiben des Geschäftspartners in Bosnien-Herzegowina benötigt. Ab 1. Juni 2020 werden die Grenzen dann für alle wieder geöffnet. Unter welchen Bedingungen eine Einreise möglich sein wird, steht aber noch nicht fest.

    Staatsangehörige Bosnien-Herzegowinas müssen sich nach der Einreise für 14 Tage in Quarantäne begeben. Die Regierung möchte die Einreise von im Ausland lebenden Staatsangehörigen des Landes auch weiterhin auf ein Minimum reduzieren.

    Öffentlicher Verkehr rollt wieder - Flüge ab Juni geplant

    Der öffentliche Personennahverkehr sowie der nationale und internationale Fernverkehr waren eingestellt worden. Seit Mitte Mai rollt nun der öffentliche Verkehr wieder. Taxifahrten waren jederzeit möglich. Der Flughafen Sarajevo ist noch bis 1. Juni 2020 geschlossen. Mit der Grenzöffnung könnte auch der kommerzielle Flugbetrieb wieder möglich sein. "Der internationale Flughafen in Sarajevo wurde am 30. März geschlossen. Ab Juni könnte es wieder losgehen. Für den 2. Juni ist die Aufnahme der Verbindung Sarajevo-Köln mit Eurowings geplant", sagt Bernhard Wodl, General Manager der Lufthansa Group für Bosnien und Herzegowina. Neben Sarajevo sind auch die Flughäfen in Mostar, Banja Luka und Tuzla geschlossen.

    Über Reise- und Sicherheitshinweise informiert das Auswärtige Amt.

    Von Martin Gaber | Belgrad

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Die Europäische Union stockt ihr Hilfspaket für den Westbalkan deutlich auf. Auch die Konjunkturpakete der Regierung wurden mittlerweile genehmigt. (Stand: 19. Mai 2020)

    Der Premierminister der Föderation Bosnien und Herzegowina Fadil Novalić kündigte im April 2020 ein Hilfspaket für die Wirtschaft an. In einem Interview für das Nachrichtenportal Fakor benennt er die wichtigsten Maßnahmen. Dazu zählt ein Stabilisierungsfonds mit Finanzmitteln der Entwicklungsbank. Dieser soll die Liquidität kleiner und mittlerer Unternehmen sicherstellen. Anfang Mai hatte das föderale Parlament dem sogenannten Corona-Gesetz zugestimmt. Die Republik Srpska setzt vor allem auf die Stundung von Steuerverpflichtungen.

    Detaillierte Informationen zu den wirtschaftlichen Maßnahmen in Bosnien und Herzegowina bietet die Unternehmensberatung Deloitte. Das österreichische Außenwirtschaftscenter Sarajevo hat alle Maßnahmen in einem Dokument zusammengefasst.

    Die Maßnahmen scheinen auch dringend notwendig. Bosnien-Herzegowinas Arbeitslosigkeit lag bereits vor der Krise bei rund 20 Prozent. Nun haben nach Angaben der föderalen Regierung allein im März und April 2020 rund 27.000 Angestellte in der Föderation ihren Arbeitsplatz verloren.

    Internationale Hilfen werden deutlich aufgestockt

    Zunächst hatte die Europäische Union mittelfristig 73,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld sollte insbesondere für die Abmilderung wirtschaftlicher Folgen genutzt werden. Beim Westbalkan-Gipfel Anfang Mai wurden die Hilfen nun nochmals deutlich aufgestockt. Die EU stellt den Ländern des westlichen Balkans 3,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Darin enthalten sind Hilfen für das Gesundheitswesen und das Ankurbeln der Wirtschaft. Über Mikro-Kredite sollen auch Kleinunternehmen von den Hilfen profitieren. Einen genauen Wirtschaftsplan für das Milliardenpaket will die EU in diesem Jahr vorstellen.

    Auch die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sind erfolgreich verlaufen. Vom IWF erhält das Land einen Kredit über 381 Millionen US-Dollar.

    Von Martin Gaber | Belgrad

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Lieferanten aus Bosnien und Herzegowina haben sich in den letzten Jahren einen guten Ruf bei deutschen Einkäufern erarbeitet. Nun bricht der wichtigste Absatzmarkt ein. (Stand: 19. Mai 2020)

    Deutschland ist der wichtigste Handelspartner für Bosnien und Herzegowina. Vor allem die Importe aus dem Balkanstaat haben zwischen 2016 und 2018 um fast 30 Prozent zugelegt. Der Anteil Deutschlands an den Gesamtexporten belief sich laut bosnischer Statistikbehörde (BHAS) 2017 auf knapp 15 Prozent.

    Bosnien und Herzegowina ist für deutsche Unternehmen ein beliebter Standort für die Fertigung von Textilien, Bekleidung und Schuhen. Diese werden dort in der Regel in Lohnfertigung hergestellt. Aufgrund von Lieferverzögerungen kann die Produktion und damit das gesamte Auftragsvolumen ins Stocken geraten. Der deutsche Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) erklärt in einer Pressemitteilung, dass Lieferverzögerungen für die Unternehmen eine größere Herausforderung darstellen als Lieferausfälle.

    Italien und China sind wichtige Lieferländer

    Das schwer von der Coronakrise getroffene Italien hatte 2017 nach Angaben von BHAS einen Anteil von über 11 Prozent an den Gesamtimporten von Bosnien und Herzegowina. Das wirtschaftliche Leben in Italien ruht aber derzeit nahezu vollständig. Damit fällt ein wichtiges Lieferland fast komplett aus. Auch die Versorgung aus China ist derzeit noch schwierig. China gehört mit einem Anteil von 6,5 Prozent ebenfalls zu den Top-5 Lieferländern Bosnien-Herzegowinas.

    Schnelle Erholung der EU-Märkte zwingend erforderlich

    Der bosnisch-herzegowinische Außenhandel ist sehr eng mit der Europäischen Union (EU) verflochten. Über 65 Prozent des Außenhandels findet laut BHAS mit der EU statt. Stagniert die Wirtschaft in der EU, wird dies die Exportwirtschaft des Landes hart treffen. Genaue Prognosen sind bei der derzeitigen Dynamik aber schwierig. „Die aktuelle Situation und die neuen Anforderungen an den Einkauf und die Lieferketten sind, dass sich diese derzeit täglich ändern. Diese hohe Dynamik zu organisieren und zu kontrollieren, ist eine große Herausforderung“, sagt Olaf Holzgrefe, Leiter International des BME.

    Lieferanten wollen nach der Krise wieder durchstarten

    Dabei haben sich Unternehmer aus Bosnien und Herzegowina in den letzten Jahren bei deutschen Einkäufern einen guten Ruf erarbeitet. Im Zuge der "Einkaufsinitiative Westbalkan" haben die Einkäufer Lieferanten aus Bosnien und Herzegowina hervorragend bewertet und zahlreiche neue Lieferbeziehungen sind dadurch entstanden. Vor allem Produkte aus der Metallverarbeitung und Teile für die Autoindustrie waren sehr gefragt. Die Einkaufsinitiative ist eine B2B-Veranstaltung unter der Schirmherrschaft des Wirtschaftsministeriums und wird von den Auslandshandelskammern (AHK) und dem BME organisiert. Die bosnisch-herzegowinischen Lieferanten hoffen nun, die guten Beziehungen nach der Coronakrise wieder intensivieren zu können.

    Bosnien-Herzegowina könnte Krise zur Chance machen

    Die Coronakrise könnte auch eine Chance für Bosnien und Herzegowina sein. Mit Ausnahme der schwierigen politischen Rahmenbedingungen bewerten deutsche Investoren den Standort durchaus positiv. Sollte der Trend zur Lokalisierung der Produktion in Europa anhalten oder sich nach den Erfahrungen mit der Coronakrise verstärken, könnte Bosnien und Herzegowina zu einem interessanten Fertigungsstandort vor den Toren der EU werden.

    Die Wirtschaftsdaten für Bosnien und Herzegowina auf einen Blick.

    Von Martin Gaber | Belgrad

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Bosnien und Herzegowina

    Covid-19: Gesundheitswesen in Bosnien und Herzegowina

    Das bosnische Gesundheitssystem ist seit Jahren unterfinanziert. Es mangelt an Medizinern und Ausstattung. Strenge Maßnahmen sollen nun vor dem Kollaps schützen. (Stand: 19. Mai 2020)

    Bosnien und Herzegowina gibt 9,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für sein Gesundheitssystem aus, so das Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw). Prozentual gesehen ist das der höchste Wert in Mittel- und Osteuropa. In der Praxis steht das System aber seit Jahren vor dem Kollaps, denn finanzielle Mittel fehlen.

    Den chronisch unterfinanzierten Krankenhäusern mangelt es an technischer Ausstattung und die hygienischen Verhältnisse sind zum Teil fragwürdig. Ärzte sind in großer Zahl ausgewandert oder im Privatsektor tätig. Patienten berichten, dass Medikamente selber besorgt und zur Behandlung mitgebracht werden müssen. Lediglich private Einrichtungen verfügen über EU-Standards. Mit den strikten Maßnahmen der Regierungen sollte das System vor einer weiteren Belastung geschützt werden.

    Die Regierung der Republik Srpska hat nach eigenen Angaben kurzfristig rund 15 Millionen Euro für das Gesundheitswesen mobilisiert. Die Regierung der Föderation Bosnien und Herzegowina stellt ihren Kantonen und Gemeinden rund 10,5 Millionen Euro bereit. Damit sollen Engpässe gedeckt und notwendiges Material besorgt werden. Die Europäische Union stellt ihrerseits für den Gesamtstaat 7 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Summe wurde beim Westbalkan-Gipfel der EU Anfang Mai nochmals aufgestockt.

    Informationen zur Coronavirus-Situation stellen das Gesundheitsministerium der Föderation (Federalno Ministarstvo Zdravstva) sowie der Republik Srpska (Ministarstvo zdravlja i socijalne zaštite) zur Verfügung.

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Bosnien und Herzegowina
    Bei den Angaben für 2020 handelt es sich um Schätzungen.Quelle: Vereinte Nationen (UN); Weltbank

    Indikator

    2020

    Bevölkerungsgröße

    3,28 Millionen

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre

    17,9 Prozent

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner

    2 (2013)

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner

    3,5 (2013)

    Gesundheitsausgaben pro Kopf

    443,78 US-Dollar (2016)


    Von Martin Gaber | Belgrad

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Obwohl die Grenzen erst am 1. Juni 2020 wieder öffnen, fließt der Warenverkehr weiterhin frei. Lkw-Fahrer müssen besondere Maßnahmen beachten. (Stand: 19. Mai 2020)

    Der Warenverkehr fließt trotz geschlossener Grenzen frei. Allerdings gibt es einige Einschränkungen für Lkw-Fahrer: In die Föderation einreisende Fahrer mit bosnisch-herzegowinischer Staatsbürgerschaft erhalten einen Bescheid und müssen sich für 14 Tage oder bis zur nächsten Fahrt ins Ausland in Selbstisolierung begeben. Für die nächste Fahrt ist dann eine Bestätigung des Unternehmens notwendig. Ausländische Lkw-Fahrer wiederum erhalten einen Isolierungsbescheid für lediglich 24 Stunden, sollten das Land innerhalb dieser Zeit aber wieder verlassen haben. Die Isolierung muss im Lkw erfolgen. Diese Maßnahmen entfallen in der Republik Srpska.

    Weitere wichtige Hinweise für Lkw-Fahrer:

    • Lkw-Fahrer müssen beim Be- und Entladen weitestgehend im Fahrzeug bleiben.
    • Die Transitzeit ist ab der Einreise auf 12 Stunden beschränkt.
    • Fahrer sind von der nächtlichen Ausgangssperre befreit, wenn entsprechende Lieferdokumente mitgeführt werden und eine Bescheinigung des Arbeitgebers über die Notwendigkeit der Lieferung vorliegt.

    Die Außenhandelskammer Bosnien-Herzegowinas stellt alle wichtigen Beschlüsse im Zusammenhang mit dem Warenverkehr online zur Verfügung.

    Eine Übersicht zu den Grenzübergängen gibt der Automobilclub BIHAMK.

    Weitere Informationen zum Thema Warenverkehr

    Angesichts der Corona-Pandemie erlassen Staaten weltweit besondere Maßnahmen für den Warenverkehr. Welche Änderungen Sie beim Warenimport und -export beachten sollten, lesen Sie in unserer Zoll-Berichterstattung "Bosnien und Herzegowina: Warenverkehr und Corona".

    Von Martin Gaber | Belgrad

  • COVID-19: Coronavirus und Recht

    COVID-19: Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus. (Stand: 11. Mai 2020)

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße auch für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren russischen Geschäftspartnern. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wann ist eine Berufung auf „höhere Gewalt“ möglich?

    Was regelt der Vertrag

    Spätestens wenn Probleme entstehen ist es sehr wichtig zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen zu dieser finden Sie unter "Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“, Unterpunkt "Verträge mit Geschäftspartnern aus der Europäischen Union").

    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.

    Was gibt es generell zu beachten?

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Weiterführende Informationen

    Ansprechpartner für weitere Informationen ist die deutsche Auslandshandelskammer Bosnien und Herzegowina (AHK). Die Adressen von deutsch-sprachigen Rechtsanwälten finden Sie in der Anwaltsliste der Deutschen Botschaft in Sarajevo

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