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Special Kanada Coronavirus

Covid-19 und niedrige Rohstoffpreise lassen Wirtschaft einbrechen

Die Coronakrise trifft die kanadische Wirtschaft schwer. Die Regierung hofft durch Konjunkturpaket und Zinssenkungen Zeit zu gewinnen im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus.

Von Daniel Lenkeit | Toronto


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Die kanadischen Provinzen lockern zunehmend ihre Corona-Beschränkungen und die Wirtschaft zeigt erste Zeichen der Wiederbelebung. Regierung und Zentralbank stützen die Wirtschaft (Stand: 25. Juni 2020). 

    Kanadische Konjunktur läuft langsam wieder an, aber Rezession unvermeidbar

    Kanada ist mitten in der schwersten Rezession der letzten Jahrzehnte. Am härtesten getroffen von den Einschränkungen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten sind die etwa zwei Millionen Arbeitskräfte aus dem Einzelhandel, dem Hotel- und Gastronomiegeschäft sowie aus dem Logistik- und Tourismussektor. Mit den aktuell fortschreitenden Lockerungen in den Provinzen nehmen einige dieser Branchen mittlerweile die Arbeit wieder auf und hoffen auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität.

    Der Ölpreiseinbruch und globale Nachfrageschock traf Kanadas Wirtschaft doppelt hart. Erdöl ist das wichtigste Exportgut des Landes. Der Absatz im Erdöl- und Kohlesektor sank im April 2020 um etwa 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der wichtige Automobilsektor leidet während der Coronakrise ebenfalls stark. Die Umsätze im gesamten Transportsektor sanken im April im Vorjahresvergleich um über 80 Prozent  -  dabei brach der Absatz bei den Kfz-Teilen sogar um 92 Prozent ein. Mit dem Wiederbeginn der Produktion der Fahrzeughersteller, vor allem in den USA, setzen die Kfz-Teile und Zulieferbetriebe in Kanada nun auf eine Auferstehung ihres Geschäfts in der zweiten Jahreshälfte.

    Die Royal Bank of Canada (RBC) erwartet einen realen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2020 um etwa 6 Prozent. Selbst dieser heftige Einschnitt könnte am Ende noch höher ausfallen. Denn die RBC geht in ihrer Juni Prognose von einer stetigen Erholung aller Bereiche der kanadischen Wirtschaft aus. Mögliche Rückschritte durch eine zweite Welle von Corona-Neuinfektionen sind hier nicht eingerechnet. Schwach bis ins Jahr 2021 dürften trotz langsamer Erholung die Sektoren Energie, Tourismus- und Gastwirtschaft bleiben. Unternehmensinvestitionen werden im 2. Quartal 2020 das dritte mal in Folge sinken. Die RBC erwartet, dass Ex- und Importe um jeweils etwa 10 Prozent in 2020 fallen.

    Der mögliche Tiefpunkt der globalen Rezession im April gibt auch der kanadischen Industrie wieder etwas Hoffnung. Desinvestitionen bei Produktionskapazitäten sowie starker Personalabbau sollen im 2. Halbjahr umgekehrt werden.

    Regierung und Zentralbank spannen Rettungsschirm

    Der Leitzins der Bank of Canada steht seit März 2020 auf einem historischen Tief von 0,25 Prozent. Dazu lockert die Bank die Geldmenge durch Anleihenkäufe. Der kanadische Dollar gab als Reaktion auf die Corona-Krise Mitte März um knapp 10 Prozent zum US-Dollar nach, erholte sich seit dem etwas und taxiert aktuell etwa 5 Prozent unter dem Wert zu Jahresbeginn.

    Die geschnürten Rettungspakete der Regierung sollen durch die Ausweitung der Geldbasis verträglicher finanziert werden. Kanada wird allein dieses Jahr etwa 110 Milliarden US-Dollar (US$) für Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise ausgeben.

    Gesellschaft auf Abstand, Wirtschaft gedrosselt

    Kanada reagierte früh bei der Einschränkung des Reiseverkehrs und des öffentlichen Lebens. Mit weniger als 500 registrierten Fällen schloss das Land seine Außengrenzen für alle Nicht-Kanadier mit Ausnahme von US-Amerikanern und Ausländern mit dauerhaftem Wohnsitz. Zudem darf niemand (einschließlich Kanadiern) mit Covid-19 Symptomen die kanadische Grenze passieren.

    Ausgenommen ist „notwendiger“ Grenzverkehr, der maßgeblich die Wirtschaftsbeziehungen zu den USA und internationale Handelsketten aufrechterhalten soll. Nicht essentielle Reisen sind Inländern wie Ausländern weiter untersagt.

    Was unter notwendigen Grenzverkehr fällt, ist nicht immer eindeutig. Ob die Ein- oder Ausreise genehmigt wird, kann stark von den Grenzbeamten abhängen, die die neuen Regeln interpretieren müssen. Auch deutsche Unternehmen die aus Kanada oder den USA jeweils den anderen Markt bedienen, können hiervon betroffen sein. Firmen mit etablierten Handelsbeziehungen sollten wenig Probleme beim US-Kanada Grenzverkehr bekommen. Jedoch könnte vor allem der Dienstleistungsverkehr eine Grauzone sein. Wird zum Beispiel eine Wartungsdienstleistung für eine Maschine in einer kanadischen Fabrik von Personal einer US-Niederlassung durchgeführt, entscheiden die Grenzer ob diese Dienstreise notwendig ist.

    Lockerungen für Wirtschaft und öffentliches Leben begannen im Mai 

    Das gesellschaftliche Leben in Kanada ist durch verordnetes Social Distancing weiter eingeschränkt. In vielen Provinzen bleiben Schulen bis zum Herbst geschlossen. Bars, Restaurants, viele Einkaufszentren und Einrichtungen des öffentlichen Lebens dürfen seit Juni sukzessive und mit Einschränkungen wieder eröffnen. Hier sind regionale Unterschiede zu beachten.

    Da der Bund nicht über ein nationales Notstandsgesetz regiert, bestimmen die einzelnen Provinzen und Kommunen über die jeweiligen Regeln im öffentlichen Raum. Die meisten von ihnen beschränken im Juni 2020 die Versammlung von Personen auf 50; Ontario bildet mit einer Grenze von 10 Personen die Ausnahme.

    Ontario begann Mitte Juni mit der 2. Phase seiner Lockerungspolitik und einer schrittweisen Wiederbelebung der Wirtschaft. Der Zenit sei erreicht, so Premier Doug Ford. Social Distancing müsse aber fortgesetzt werden. In den meisten Provinzen können seit Juni unter Auflagen viele "nicht essentielle" Industrien und Dienstleistungen wieder die Arbeit aufnehmen. Ontario verfolgt in Phase 2 der Lockerungen einen regionalen Ansatz. Je nach Verbreitung des Virus durften einige Regionen in der Provinz früher als andere ihre Kultureinrichtungen, Friseursalons und Einkaufszentren wiedereröffnen. Seit dem 24. Juni ist auch Toronto, als größte und letzte Region Ontarios, in die zweite Phase der Lockerung eingetreten. 

    Kanada bekommt seine Covid-19-Neuinfektionen unter Kontrolle

    Die Corona Epidemie beschäftigt Kanada seit Mitte März 2020 und erreichte Ende April ihren Höhepunkt. Seitdem konnte das Land die täglichen Neuinfektionen sukzessive senken. Dennoch sind weiterhin alle Regionen betroffen – die meisten Corona-Kranken hat die Provinz Quebec, wo auch am häufigsten getestet wurde.

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Seit März beschränkt Kanada die Einreise für die meisten Ausländer. Für Inlandsreisen gibt es Regeln. Provinzen bauten Lockerungen der Einschränkungen im Juni aus. (Stand: 28. Juni 2020)

    Kanadische Provinzen weiteten Öffnung im Juni aus - (Ein-) Reisebeschränkungen bleiben in Kraft

    Seit dem 18. März, mit nur wenigen hundert Covid-19-Fällen, beschränkt Kanada seinen Grenzverkehr strikt. Von dem verhängten Einreisestopp ausgenommen sind - außer Kanadiern und Personen mit permanentem Aufenthaltsstatus - nur Diplomaten, Flugzeugcrews, internationale Studenten und enge Familienangehörige von kanadischen Staatsbürgern. Nicht unbedingt notwendige Reisen sind Inländern und Ausländern untersagt.

    Die kanadisch-US-amerikanische Grenze bleibt vorerst bis zum 21. Juli für nicht essentielle Reisen geschlossen. Ausgenommen sind absolut notwendige Grenzübertritte, die Heimführung der jeweiligen Staatsbürger und der essentielle Warenverkehr zwischen den eng verknüpften Volkswirtschaften. Doch die Öffnung des regulären Grenzverkehrs zwischen den USA und Kanada dürfte sich in den kommenden Tagen weiter nach hinten verschieben, solange die Entwicklung der Coronaepidemie in den USA nicht besser unter Kontrolle ist.

    Ein regionaler Ansatz bei der Grenzöffnung wird in Kanada diskutiert. Beispielsweise könnten Übergänge zwischen US-Bundesstaaten und Provinzen mit "guten" Coronazahlen schneller wieder öffnen als jene, wo die relative Belastung höher ist. Völlig ungeklärt sind bisher allerdings die möglichen Einschränkungen für die Einreise bei einer Öffnung. Dauert die Befragung beim Übergang länger, wird die Körpertemperatur gemessen oder gibt es Quarantäneauflagen nach der Einreise. Diese Bestimmungen werden in den nächsten Wochen erwartet.

    Transit durch Kanada weiterhin erlaubt

    Der Transit durch Kanada ist gestattet. Dieser ist jedoch an Bedingungen geknüpft, unter anderem, dass das Zielland die Transitreisenden aufnimmt und dass der Transitbereich nicht verlassen wird. Darüber hinaus ist mehr als ein Zwischenstopp in Kanada nicht möglich.

    Aktuell sind nur vier Flughäfen für den internationalen Flugverkehr geöffnet - Calgary International, Montreal Pierre Elliott Trudeau, Toronto Pearson International und Vancouver International. Ausnahmen bilden Flüge aus den USA, die weiterhin auf anderen kanadischen Flughäfen landen können. Europäische und asiatische Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen nach Kanada zwar stark reduziert. Dennoch gibt es aus Deutschland weiter täglich Direktverbindungen nach Toronto und Montreal.

    An den Grenzen werden zudem Gesundheitskontrollen durchgeführt. Alle international Reisenden, die in Kanada ankommen, müssen sich 14 Tage isolieren. Seit dem 26. März 2020 ist dies verpflichtend und bei Ignorieren der Anweisung können Geld- und Freiheitsstrafen verhängt werden. Ausgenommen von der Regelung sind nur Personen, die notwendige Dienstleistungen (zum Beispiel im Gesundheitssystem) erbringen und Lkw-Fahrer, die den Warenverkehr zwischen den USA und Kanada aufrechterhalten.

    Nationale Reisen sind möglich

    Innerhalb Kanadas ist das Reisen gestattet. Flug- und Zugverkehr sind in Betrieb, wenn auch teilweise reduziert und unter Gesundheitsauflagen. Seit dem 20. April sind Flugreisende verpflichtet, Masken zu tragen.  Flug- und Schienenpersonal werden zudem angewiesen, Passagiere vor Reiseantritt auf Covid-19 Symptome zu prüfen und gegebenenfalls die Reise zu verweigern. Busreisen unterliegen aktuell nicht den gleichen Regeln, aber viele Betreiber haben ihre Angebote reduziert oder eingestellt.

    Abhängig von der jeweiligen Provinz gibt es teilweise Vorschriften zur Selbstisolation bei Einreise aus einer anderen Provinz. Ebenso unterscheiden sich die Personengrenzen für Versammlungen, die Zulassungsvoraussetzungen für einen Covid-19 Test und die deklarierten essentiellen Wirtschaftssubjekte von Region zu Region.

    Kanadische Regierung appelliert weiter an strikte Einhaltung von Social Distancing

    Die Infektionszahlen in Kanada gehen stetig zurück. Die Eingrenzung des Virus führt zunehmend zu Lockerungen der Maßnahmen in den einzelnen Provinzen, die jeweils ihren eigenen Wiedereröffnungsplänen folgen. Dennoch ist das gesellschaftliche Leben durch verordnetes Social Distancing in Kanada aktuell weiter eingeschränkt.

    Die Provinzen und Kommunen bestimmen über die jeweiligen Regeln im öffentlichen Raum. Die meisten Provinzen beschränken die Versammlung von Personen aktuell auf 50. Ontario schreitet mit einer Grenze von 10 Personen für öffentliche Zusammenkünfte im Juni konservativer voran.

    Einige Provinzen lockern Beschränkungen

    Quebec begann ab dem 4. Mai als erste Provinz mit einer vorsichtigen Öffnung seiner Wirtschaft. Auch Grundschulen und Kindergärten öffneten ab dem 11. Mai wieder ihre Türen. Montreal ist landesweit am meisten vom Coronavirus betroffen und war daher bis zum 25. Mai von den Lockerungen ausgeschlossen. Seit Juni öffnen nach und nach Restaurants, Fitnesszentren, Theater und Konzertstätten wieder ihre Türen.

    In Ontario folgt die lokale Regierung einem Drei-Phasen-Wiedereröffnungsplan der Wirtschaft ohne feste Terminierung. Je nach Entwicklung der Infektionszahlen wird in die nächste Phase der Öffnung übergegangen oder Lockerungen wieder zurückgenommen. Der 19. Mai markierte den Eintritt in die erste Phase, unter der auch der Einzelhandel unter Auflagen wieder aktiv werden durfte. Seit dem 25. Juni ist bis auf die Grenzregion Windsor-Essex ganz Ontario in Phase 2. In dieser dürfen viele Dienstleister und Gastwirte wieder ihre Arbeit aufnehmen. Restaurants, Friseursalons, Einkaufszentren, Kultureinrichtungen oder Filmproduktionen sind einige der Gewinner der fortschreitenden Wiederbelebung.

    Die meisten anderen Provinzen haben im Juni ihre Lockerungen ähnlich fortgesetzt. Flacht die Kurve der Neuinfektionen im Juli und August weiter ab, steht einer weiteren Öffnung der Wirtschaft im 2. Halbjahr nichts im Weg.

    Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu Kanada finden Sie hier 

    Einen guten Überblick über die jeweiligen Regeln der Provinzen im Zusammenhang mit Covid-19 bietet die Tageszeitung Globe and Mail auf ihrer Internetseite

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Die Begrenzung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Aktivitäten im Kampf gegen Covid-19 haben das Land in die Rezession geführt. Die Regierung steuert mit  Rettungspaketen gegen (Stand: 29. Mai 2020).

    Das Coronavirus ist Gift für Kanadas Wirtschaft

    Arbeitsmarkt bricht ein

    Die kanadischen Geschäftsbanken rechnen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung für das Jahr 2020 zwischen 6 bis 10 Prozent. Vor dem 3. Quartal 2020 ist mit einer Erholung des kanadischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht zu rechnen.

    Viele Unternehmen verhängen in der aktuellen Situation Kurzarbeit oder entlassen Arbeitnehmer. Mehr als 7 Millionen Kanadier beantragten seit Mitte März bereits Arbeitslosengeld oder Unterstützung durch Direkttransfers über den Canada Emergency Response Benefit (CERB). Die gearbeiteten Stunden in der kanadischen Wirtschaft sanken in den letzten zwei Monaten um fast 30 Prozent als Folge der Coronakrise. Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei etwa 15 Prozent, rechnet aber "nicht suchende" Personen nicht mit. Eine Erholung des Jobmarkts vor Mitte 2021 ist unwahrscheinlich.

    Niedriglohnsektor am härtesten getroffen

    Der Abbau von Arbeitsplätzen zieht sich quer durch alle Branchen. Die Analysten des Conference Board of Canada, eine gemeinnützige Denkfabrik zu Wirtschaftsfragen, erwarten im Niedriglohnsektor die stärksten Einbrüche. Etwa 35 Prozent aller abgebauten Stellen gehen dort verloren, so der Thinktank. Insgesamt sind circa 1 Millionen Arbeitsplätze betroffen.

    Vor allem Restaurants mit Voll- und Teilservice registrieren herbe Verluste. Aber auch Anbieter von Freizeit- und Vergnügungsdienstleistungen, Reiseunterkünften, Körperpflegedienstleistungen sowie Bekleidungsgeschäfte sind stark betroffene Branchen.

    Am stärksten von Arbeitsplatzverlusten betroffene Sektoren in Kanada
    Quelle: The Conference Board of Canada, Statistics Canada

    Branchen

    erwarteter Stellenabbau

    Niedriglohnsektor

    .Restaurants mit Voll- und Teilservice

    444.338

    .Freizeit- und Vergnügungsdienstleister

    160.050

    .Körperpflegedienstleister

    137.100

    .Anbieter von Reiseunterkünften

    129.120

    .Bekleidungsgeschäfte

    100.970

    andere Sektoren (Auswahl)

    .Wohnungsbau, Lieferanten von Baumaterialien und Bauunternehmer

    142.623

    .Autohändler

    70.920

    .Film- und Videoindustrie

    60.000

    .Facility-Management

    57.300

    .Schulen und andere Lehreinrichtungen

    55.200

    .Gesundheitseinrichtungen

    41.300

    . Kfz-Teile Produktion

    40.200

    .Luftfahrt

    40.000


    Umfangreiche Hilfspakete sollen Entlastung bringen

    Regierung bessert nach bei Unternehmenshilfen - Programm für Lohnausgleich optimiert

    Anfang April legte die Regierung dem Parlament ein überarbeitetes, etwa 50 Milliarden US-Dollar (US$) umfassendes Lohnsubventionsprogramm vor. Das Canada Emergency Wage Subsidy (CEWS) Programm übernimmt bis zu 75 Prozent der Lohnausgaben für von Covid-19 betroffene kanadische Unternehmen. Die maximale wöchentliche Zahlung beträgt 600 US$ pro Arbeitnehmer. Das Lohnsubventionsprogramm gilt rückwirkend seit Mitte März. Seine Laufzeit wurde im Mai bis Ende August verlängert.

    Weitere Liquiditätshilfen für Unternehmen und Haushalte

    Neben dem Lohnsubventionsprogramm verabschiedete die Regierung weitere Direkthilfen für Unternehmen und Individuen im Wert von über 100 Milliarden US$ oder knapp 9 Prozent des kanadischen BIP. Diese Transferprogramme, unter denen beispielsweise die Arbeitslosenversicherung ausgeweitet, das Kindergeld erhöht und Steuergutschriften für Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen ermöglicht werden, umfassen etwa ein Fünftel aller Ausgaben des Bundes für Maßnahmen mit Coronabezug. Zudem hilft der Staat mit Steuerstundungen, Krediten und Kreditgarantien an Unternehmen sowie Liquiditätshilfen für Banken wie die Senkungen der Eigenkapitalvorschriften. Diese Maßnahmen sollen Kapital in den Markt pumpen und bilden den Großteil des Budgets der Hilfspakete. 

    Ein spezielles Kreditprogramm zur Unterstützung von mittelständischen Unternehmen (KMU) ist das Business Credit Availability Program (BCAP). Es stellt 28 Milliarden US$ in Form von Kreditgarantien und kurzfristigen Cashflow-Krediten für KMU bereit.

    Kleine sowie gemeinnützige Unternehmen werden mit dem Canada Emergency Business Account (CEBA) unterstützt. Aus diesem 18 Milliarden US$ Rettungsfonds stellt die Regierung zinsfreie Darlehen von bis zu 30.000 US$ für betroffene Firmen und Institutionen bereit. Förderfähig sind Unternehmen die 2019 Gehaltsabrechnungen zwischen 15.000 und 1.000.000 US$ hatten. Liegen ihre Gehaltsausgaben darunter haben kleine Unternehmen dennoch Anspruch auf die Kredite, solange sie 2018/19 eine Steuererklärung abgegeben haben und nicht aufschiebbare Kosten von mehr als 30.000 US$ vorweisen können.

    Die jüngste Maßnahme dient der Unterstützung großer Unternehmen. Das LEEFF - Programm ist eine Brückenfinanzierung für Unternehmen mit über 200 Millionen US$ Umsatz in Kanada, die mindestens 40 Millionen US$ an Kapital benötigen. Die Kredithilfe ist nicht zinsfrei und an bestimmte Auflagen gekoppelt. Dazu gehören neben dem Bekenntnis zur Arbeitsplatzsicherung unter anderem Berichte zu den Umweltschutzmaßnahmen des Unternehmens, das Verbot von Dividendenausschüttung sowie die Einschränkung von Vorstands- und Geschäftsführungsgehältern.

    Neben Unternehmen werden auch Individuen und Haushalte in der Coronakrise unterstützt. Seit dem 6. April steht Arbeitnehmern, die in der Coronakrise ihren Arbeitsplatz verloren und nicht über eine Arbeitslosenversicherung abgedeckt sind, das Canada Emergency Response Benefit (CERB) Programm zur Verfügung. Die über CERB bewilligten 1500 US$ pro Monat für bis zu 3,5 Monate sollen hauptsächlich Selbständigen und Menschen, die aufgrund der Pflege erkrankter Angehöriger nicht arbeiten können, zu Gute kommen.

    Erste Konjunkturmaßnahme für die Zeit nach dem Shutdown geplant

    Nach dem Rettungsschirm ist vor dem Konjunkturpaket. Kanadas Infrastrukturministerin McKenna kündigte für das Ende der Eindämmungsmaßnahmen umfassende Infrastrukturprojekte an. Das Geld dafür sei bereits bewilligt und stehe bis 2028 zur Verfügung. McKenna will nun den Großteil des 130 Milliarden US$ Budgets in der Zeit unmittelbar nach der Krise ausgeben und die Wirtschaft wieder ankurbeln. Unter dem Investing in Canada Plan steht das Budget seit 2018 bereit, wurde aber bisher kaum abgerufen, da die Provinzen laut Plan einen Teil der Projektkosten selber tragen müssen. Nun sollen im Zuge der Konjunkturbelebung nach Covid-19 die Mittel schneller und leichter abfließen. Der kanadische Staat soll dann nahezu alle Projektkosten übernehmen. Schwerpunkte für die Infrastrukturentwicklung sind: Öffentlicher Nahverkehr, grüne und soziale Infrastruktur sowie Handels- und Transportwege.

    Einen vollständigen Überblick über alle Maßnahmen der Regierung für Unternehmen und Individuen finden Sie auf der Website der kanadischen Regierung

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Kanadische Ex- und Importe werden in den kommenden Monaten aufgrund der Coronakrise deutlich sinken. Die Grenzen sind für den Warenverkehr weiter geöffnet (Stand 23. April 2020).

    Einbrüche im kanadischen Außenhandel erwartet

    Warenhandel mit China bereits durch Coronavirus geschwächt

    Im März, April und Mai 2020 wird der Abwärtstrend im kanadischen Handel deutlich spürbar werden. Sowohl der Absatz von Erdöl als auch die für Kanada wichtige Kfz und Kfz-Teile Produktion leiden unter den aktuellen Marktbedingungen. Rohölexporte sind mit etwa 15 Prozent (2019) ein wichtiger Teil der kanadischen Ausfuhren. Das gleiche gilt für die Im- und Exporte der Automobilindustrie, die circa 17 Prozent des gesamten kanadischen Handels 2019 ausmachten.

    Von den Produktionsstopps, bzw. -drosselungen bei einigen Kfz-Herstellern in Nordamerika im März 2020 ist die kanadische Zulieferindustrie betroffen. Auch vorübergehende Schließungen in der Luftfahrt- und Schienenfahrzeugindustrie (Bombardier hatte im März 12,400 Arbeiter nach Hause geschickt) werden Kanadas Außenhandel bremsen. Insgesamt dürfte das Volumen von März bis Mai deutlich abnehmen.

    Statistisch sind bisher nur die Warenströme zwischen Kanada und Asien von der Coronakrise merklich betroffen. Der gesamte kanadische Außenhandel wurde bis Februar 2020 von Covid-19 vorerst nur leicht gebremst. Die offiziellen Statistiken für März 2020 werden im Mai erwartet.

    China, mittlerweile der zweitwichtigste kanadische Handelspartner, exportierte seit dem Ausbruch des Coronavirus von Dezember 2019 bis Februar 2020 etwa 18 Prozent weniger Güter nach Kanada als in der Vorjahresperiode. Der starke Einbruch bedeutet einen Rückfall der chinesischen Importe auf ein Level von vor vier Jahren. Nach Angaben des kanadischen Statistikamts wurden vor allem weniger Computer und Elektronikkomponenten, Mobiltelefone, Kleidung und Accessoires eingeführt.

    Auch die kanadischen Exporte nach China brachen von Dezember 2019 bis Februar 2020 um mehr als 16 Prozent zur Vorjahresperiode ein. Hauptsächlich betroffene Güter sind Meeresfrüchte. Die seit Februar weiter fallenden Ölpreise drücken aktuell ebenso auf die kanadischen Exportwerte.

    Deutsche Firmen in Kanada erwarten Verluste

    Auch deutsche Unternehmen in Kanada erwarten Einschnitte für ihr Geschäft. Viele Betriebsfelder fallen zwar unter die „essentiell services“, die von einem Geschäftsverbot ausgenommen sind - so zum Beispiel bei Siemens Infrastructure, Lufthansa Technik, Voith Hydro, Hapag Lloyd oder Kühne und Nagel – jedoch schützt dies die Unternehmen nicht vor teils drastischen Umsatzrückgängen und Liquiditätsengpässen durch den kurzfristigen Nachfrageeinbruch in der Coronakrise. Soweit möglich richten die Firmen mobiles Arbeiten ein, aber im verarbeitenden Gewerbe wurden auch Stellen gekürzt. Eine weitere Reduzierung der Belegschaften hängt von der Länge der Krise und der Auftragslage ab.

    In einer Umfrage der AHK Kanada Anfang April, gehen 85 Prozent der befragten deutschen Unternehmen im Land davon aus, dass ihr Geschäft in den nächsten 12 Monaten schlechter laufen wird als in den vergangenen. Knapp 80 Prozent der Unternehmen werden in den kommenden zwölf Monaten zudem weniger oder gar nicht investieren.

    Als größte Risiken für die Geschäftsentwicklung nannten die Unternehmen zuerst die einbrechende Nachfrage und dann den Wechselkurs sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.


    Keine neuen Ein- und Ausfuhrbeschränkungen – Gütertransport dennoch rückläufig

    Ein- und Ausfuhrbeschränkungen im Warenverkehr haben sich durch die Corona Pandemie grundsätzlich nicht geändert. Kanada ist bestrebt, den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr über seine Grenzen aufrecht zu erhalten.

    Erste Datenauswertungen zeigen, dass der Gütertransport in Kanada in der Coronakrise insgesamt deutlich zurückgegangen ist. Durchschnittlich, so analysiert das kanadische Telematikunternehmen Geotab, sank der Warentransport in Kanada in der zweiten Märzhälfte auf 79 Prozent seines Vorkrisenlevels. Die Transportaktivitäten in den Atlantikprovinzen sind am stärksten eingeschränkt und sanken auf 69 Prozent ihres Februar-Niveaus.

    Mit Blick auf den Gütertransport auf der Schiene gab es in den ersten zwei Monaten des Jahres einen spürbaren Rückgang des Warenumschlags an der Westküste Kanadas. Der Hauptgeschäftsführer von CN Rail, Kanadas größter Eisenbahngesellschaft, bestätigte sinkende Warenimporte, vor allem aus China. Dies drücke bereits spürbar auf das Transportgeschäft von CN Rail.

    Grenzübergänge offen für Güterverkehr – Maskenpflicht setzt ein

    Die Grenzübergänge in die USA sind weiterhin geöffnet. Allerdings beschränken die Provinzen für einige Grenzposten die Betriebszeiten aufgrund der Coronakrise. Vor allem Übergänge mit regulär geringem Grenzverkehr haben nun kürzere Öffnungszeiten.

    Die kanadische Regierung hat unter dem Quarantäne Gesetz für alle Personen die nach Kanada einreisen Beschränkungen angeordnet. Ausgenommen davon sind Personen, die für die Beförderung von Gütern sowie für essentielle Dienstleistungen notwendig sind. Alle Transportwege über Land, Schiene, Luft und Wasser sind weiterhin offen, um nationale und internationale Lieferketten in Takt zu halten.

    Mitte April ordnete die kanadische Gesundheitsbehörde an, dass alle „essentiellen“ Arbeitskräfte, die die US-kanadische Grenze passieren, Masken tragen müssen. Die zu tragenden Masken unterliegen keiner Spezifizierung und nichtmedizinische Gesichtsbedeckungen werden anerkannt. Somit müssen auch Lkw-Fahrer beim Grenzverkehr Schutzmasken tragen. Die Canadian Trucking Alliance berichtet, dass Fahrer die ohne Maske die Grenze überqueren bisher nicht abgewiesen, sondern soweit möglich mit der Schutzkleidung ausgestattet werden.

    Eine Übersicht der von kürzeren Öffnungszeiten betroffenen Grenzübergänge finden Sie hier

    Für zusätzliche Informationen zu aktuellen Zollbestimmungen dienen die Customs Notices der Canadian Border Services Agency. 

     Welche Änderungen Sie beim Warenimport und -Export beachten sollten, lesen Sie in unserer Berichterstattung zu Kanada.


    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Kanada hält seine Grenzen für den Güterverkehr offen. Lieferketten sollen funktional bleiben. Ihr Beschaffungsmanagement werden Firmen in Reaktion auf die Coronakrise überprüfen (Stand: 8. Mai 2020).

    Lieferketten bei einigen Unternehmen gestört – doch es gibt größere Sorgen

    Politik bemüht, Lieferketten zu schützen

    Kanada hält seine Grenzen für den internationalen Güterverkehr offen. Es gäbe keine Regelungen, um gewerbliche Lieferungen einzuschränken, sagt die Canadian Border Services Agency (CBSA).

    Weiter beschloss Kanada zusammen mit seinen Handelspartnern (darunter Deutschland), Transportwege (Schifffahrtsrouten und Luftbrücken) offen zu halten und internationale Lieferketten zu stützen. Dies gilt umso mehr für essentielle Waren wie medizinische Güter und Nahrungsmittel.

    Kanada hat bis auf weiteres alle Zölle und Steuern auf Importe für seine öffentlichen Gesundheitseinrichtungen eliminiert. Dazu wurden einzelne Einfuhrvorschriften für bestimmte Güter gelockert, unter anderem für Desinfektionsmittel und Schutzkleidung. Krankenhäuser und Testlabore sollen somit Waren schneller und günstiger beziehen können.

    Kanadas Importstruktur für Vorprodukte ist relativ einseitig

    Die meisten kanadischen Importe an Zwischenerzeugnissen stammen aus den USA - knapp 53 Prozent nach Daten der Weltbank. Störungen in den Lieferketten der US-amerikanischen Industrie können Ausstrahlungseffekte auf die kanadische Versorgung mit Vorprodukten haben. Im Rahmen der Covid-19 Bekämpfung schränken die beiden Länder den Grenzverkehr aktuell stark ein. Jedoch sind die Versorgungsketten von den Maßnahmen nicht betroffen. Lkw-Fahrer sowie Luftfahrtpersonal gehören zu den essentiellen Berufsgruppen, die die Grenzen passieren dürfen und die Lieferketten aufrechterhalten sollen.

    China ist mit etwa 7 Prozent Kanadas zweitwichtigster Zulieferer für Vorprodukte. Das Land wurde von der Coronakrise zwar als erstes getroffen, doch sind die Auswirkungen auf kanadische Lieferketten nach Aussagen der Royal Bank of Canada überschaubar. Die meisten chinesischen Exporte nach Kanada sind zudem Fertigprodukte, wodurch die kanadische Produktion nicht beeinflusst wird.

    Brasilien, Deutschland, Mexiko auf den Plätzen drei, vier und fünf machen zusammen etwa 10 Prozent der kanadischen Importe für Vorprodukte aus.

    Erste Spuren der Krise zeigen sich im Außenhandel

    Durch die Coronamaßnahmen wurden in Kanada viele Industrien lahmgelegt. Besonders betroffen davon ist unter anderem die Kfz-Industrie und hier vor allem Kanadas global agierende Kfz-Teile Branche. Ausfuhren lagen im März 2020 30 Prozent unter dem Vormonatsniveau.

    Die Märzzahlen für den Handel zeigen auch die erste Wirkung der Produktionsstopps auf den Exportsektor insgesamt. Die Ausfuhren sanken von Februar auf März um etwa 10 Prozent (auf US-Dollar Basis). Auch die Importe fallen. Im April sind für den Handel noch tiefere Einschnitte zu erwarten.

    Kanada ist für Deutschland zwar kein wichtiges Lieferland, dennoch können in den Branchen Maschinen, chemische Erzeugnisse und Kfz aufgrund der Produktionseinschränkungen durchaus Lieferengpässe auftreten. Exportstopps bestimmter Güter wurden nicht verhangen.

    Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat eine „Kontaktstelle zur Sicherstellung von Lieferketten“ eingerichtet. Ziel ist, dass die Herstellung und Lieferung benötigter Zuliefererprodukte, wo möglich, wieder reibungslos funktioniert.

    Unternehmen können sich bei Problemen im Zusammenhang mit internationalen Lieferketten an die Emailadresse kontaktstelle-lieferketten@bmwi.bund.de wenden.

    Umsatzeinbrüche kein Resultat gestörter Lieferketten

    Im verarbeitenden Gewerbe Kanadas und gerade im wichtigen Kfz-Sektor sind die Lieferketten komplex. Eine Belastung der Beschaffung setzte in Kanada schon zu Beginn des Jahres ein, als Blockaden des Schienentransports und der Coronavirus Ausbruch in China einzelne Transportrouten strapazierte.

    Auch deutsche Unternehmen vor Ort meldeten teilweise Probleme mit ihren Lieferketten. Allerdings ist die mit Abstand größte Sorge der Umsatzeinbruch. Hiervon sind bis auf wenige Ausnahmen (Lebensmittel, Sparten in der Gesundheitswirtschaft) nahezu alle Branchen betroffen.

    Festzuhalten bleibt, dass aktuell die Produktion in Kanada nicht aufgrund von gestörten Lieferketten eingebrochen ist, sondern als Reaktion auf den Shutdown großer Teile der Wirtschaft sowie dem globalen Nachfrageschock.

    Druck für digitale und regionale Beschaffungsnetzwerke könnte weiter zunehmen

    Viele kanadische Unternehmen werden versuchen, sich besser auf globale Schocks wie Covid-19 vorzubereiten. Dazu gehört auch, Lieferketten und deren Management zu prüfen. In den vergangenen Jahrzehnten lag der Fokus auf Lieferkettenoptimierung. Dies minimierte Kosten und Lagerhaltung und maximierte die Ressourcenauslastung. Damit verloren ging Flexibilität um externe Schocks auszugleichen. Neue digitale Technologien, die das Management komplexer Beschaffungsprozesse vereinfachen und somit Störungen kleinteiliger Lieferketten schneller sichtbar machen, könnten die nötige Flexibilität bieten.

    Der Ausbau von digitalen Liefernetzwerken zur Abfederung von Schocks benötigt eine weitgehende Digitalisierung in den Unternehmen – hier hat Kanada viel aufzuholen. Dazu sind der Ausbau eines 5G Netzes und die Vernetzung von intelligenten Produkten mit digitalen Liefernetzwerken entscheidend. Eine massive Datensammlung entlang der Lieferketten und dahinter geschaltete Echtzeitanalysen wären notwendig, um Schocks frühzeitig zu erkennen und idealerweise automatisch, durch intelligente Netzwerke reagieren können.

    Über Transfers und Kredite greift der kanadische Staat in der Coronakrise zunehmend der Privatwirtschaft unter die Arme. Als Folge dürfte sich der Fokus für gestützte Unternehmen zukünftig stärker Richtung Resilienz verschieben. Einige Firmen werden vorsichtiger globalisieren. Für Lieferketten könnte diese neue Ausrichtung weniger Komplexität, weniger just-in-time Produktion und minimale Lagerhaltung und mehr lokale Versorgung (so möglich) bedeuten. Dazu passen die aktuellen Stimmen aus den Provinzen, bei essentiellen Gütern zur medizinischen Versorgung wieder autarker zu werden.

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Coronavirus und Recht

    Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren kanadischen Geschäftspartnern, zunehmend aber auch für drohende Insolvenzen. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wo können Insolvenzforderungen angemeldet werden und innerhalb welcher Frist?

    Was regelt der Vertrag?

    Spätestens wenn Probleme entstehen, ist es sehr wichtig, zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).

    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: Die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit, zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.

    Was gibt es generell bei der Berufung auf "höhere Gewalt" zu beachten? 

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: Zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens, wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Was tun bei Insolvenz des ausländischen Geschäftspartners?

    Es wird zunehmend zur traurigen Gewissheit, dass es in Folge der durch die Covid-19-Pandemie ausgelösten Rezession zu einer weltweiten Pleitewelle kommen wird. Doch wie erfahren Sie, ob Ihr Geschäftspartner zahlungsunfähig ist?  Welche Auswirkungen hat die Insolvenz auf den Vertrag? Wo und innerhalb welcher Frist können Forderungen angemeldet werden? Fragen, auf die wir im nachstehenden Länderbericht Antworten geben.

    Nationales Recht: Covid-19 als "höhere Gewalt"/Insolvenzrecht 

    Nichterfüllung von Verträgen nach kanadischem Recht

    Insolvenzen nach kanadischem Recht

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