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Special Kanada Coronavirus

Covid-19 und niedrige Rohstoffpreise lassen Wirtschaft einbrechen

Die Coronakrise trifft die kanadische Wirtschaft schwer. Die Regierung hält an Unterstützungen für Unternehmen und Zinssenkungen auch in der zweiten Welle fest.


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    In Kanada hat die zweite Welle der Coronapandemie begonnen. Die schrittweise Belebung der Wirtschaft im Sommer droht nun unter neuen Beschränkungen abzuflachen. (Stand: 14. Oktober 2020)

    Kanadische Erholung flacht wieder ab, starke Rezession unvermeidbar

    Nach einer Phase der raschen Erholung in den Sommermonaten trüben sich die Aussichten für Kanadas Konjunktur im letzten Quartal 2020 wieder ein. Das hängt einerseits an wieder steigenden Infektionszahlen - die täglich gemeldeten Covid-19 Infektionen waren in der ersten Oktoberwoche um 40 Prozent höher als in der Woche davor. Als Reaktion auf die steigenden Fallzahlen begannen die ersten Provinzen in den letzten Tagen erneut mit Einschränkungen des sozialen Lebens. Dazu gehören unter anderem Verbote für den Restaurantservice in geschlossenen Räumen, Begrenzungen der Versammlungsgrößen und verpflichtende Abstandsregeln drinnen wie draußen. Die wirtschaftlich stärksten Provinzen Quebec und Ontario sind von der zweiten Coronawelle am härtesten betroffen und fahren als erstes herunter.

    Erwartungen für die kanadische Konjunktur wieder verhaltener

    Kanada ist mitten in der schwersten Rezession der letzten Jahrzehnte. Am härtesten getroffen von den Einschränkungen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten sind die etwa zwei Millionen Arbeitskräfte aus dem Einzelhandel, dem Hotel- und Gastronomiegeschäft sowie aus dem Logistik- und Tourismussektor. Die seit Mai begonnene Rückkehr zur Normalität hat mit dem Einsetzen der zweiten Welle im Oktober ein Ende gefunden.

    Bereits im Juli wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Kanadas "nur" noch um 3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Noch im Juni erholte sich die Wirtschaftsleistung im doppelten Tempo (6,5 Prozent). Die letzten absoluten BIP-Zahlen liegen noch immer 6 Prozent unter dem Vorkrisenlevel im Februar. Für August erwartet das kanadische Statistikamt ein BIP-Zuwachs von einem Prozent gegenüber Juli. Solange ein erneuter Shutdown der Wirtschaftstätigkeit wie im März und April vermieden wird, dürfte sich die Wirtschaftsleistung fortschreitend erholen - allerdings weitaus gedämpfter als in den Monaten Mai und Juni.

    Von dem Abflauen der Konjunktur sind Warenproduzenten und Dienstleister gleichermaßen betroffen. Die meisten Industrien verharren unter ihren Vorkrisenlevel in der Produktion. Nur die Landwirtschaft, der Versorgungssektor, der Großhandel sowie die Immobilien- und Finanzwirtschaft erhöhten ihre Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Februar 2020.  

    Das verarbeitende Gewerbe erholt sich stetig, mit starken Zuwächsen im Juni und Juli. Vor allem die Automobilteileindustrie holte nach starken Einbrüchen im ersten und zweiten Quartal im Juli 2020 wieder auf und wuchs 24 Prozent gegenüber dem Vormonat. Gut durch die Krise kommen in der Industrie unter anderem die Hersteller von Metallverarbeitungsmaschinen, Ausrüster von Klima-, Ventilations- und Heizungsanlagen und gewerblichen Kühlanlagen sowie die Kunststoff- und Gummiproduktion. Alle diese Sektoren wiesen im Juli 2020 hohes Wachstum im Vergleich zum Vorjahr auf.

    Tourismus und Energiesektor in tiefer Krise

    Am schwersten getroffen bleibt die Tourismusbranche. Reisebeschränkung und Social-Distancing-Vorgaben entziehen vielen Unternehmen der Branche die Existenzgrundlage. Viele Städte werden nach nach dem Ende der Coronakrise ein anderes Gesicht haben. Der Einbruch des Tourismus- und Gastwirtschaftssektors verlief nach Angaben des Conference Board of Canada etwa sechsmal stärker als der prozentuale Rückgang der Gesamtwirtschaft. Die Branche verlor im zweiten Quartal fast 70 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Das Gastgewerbe, vor allem Restaurants und Bars konnten sich seit Juli etwas erholen, liegen aber weiter etwa 30 Prozent unter ihrem Vorjahreslevel. Die Luftfahrtbranche liegt 92 Prozent unter ihrem Vorjahresniveau und wieder anziehende Restriktionen halten die Stimmung im Keller.

    Die global eingebrochene Nachfrage nach Öl bleibt für Kanadas Wirtschaft problematisch. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wird der Bedarf an Erdöl 2020 auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren sinken. Der kanadische Ölpreisindex hat sich zwar seit dem Tiefpunkt der Coronakrise Ende April und einstelligen Werten wieder etwas erholt, taxiert aber seit Monaten mit etwa 30 US-Dollar (US$) pro Barrel noch immer ein Viertel unter dem Vorkrisenniveau. Der Beginn der zweiten Infektionswelle birgt die Gefahr eines erneuten Abrutschens des Ölpreises. Erdöl ist das wichtigste Exportgut des Landes und sein Wertverfall trifft Kanada somit doppelt hart. Der Absatz im Erdöl- und Kohlesektor sank in der Coronakrise zeitweise um etwa 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    Zentralbank und Regierung spannen breiten Rettungsschirm

    Der Leitzins der Bank of Canada steht seit März 2020 auf einem historischen Tief von 0,25 Prozent. Dazu lockert die Bank die Geldmenge durch Anleihekäufe und will ihre expansive Geldpolitik aktuell fortführen. Dafür kauft sie wöchentlich Bundesanleihen im Wert von mindestens 3,8 Milliarden US-Dollar (US$).

    Der kanadische Dollar gab als Reaktion auf die Coronakrise Mitte März um knapp 10 Prozent zum US$ nach, erholte sich seitdem aufgrund des nachgebenden US-Dollars stetig und droht nun, in der zweiten Welle, wieder zu fallen. Der kanadische Dollar gehört zu den volatileren Währungen, die auf den Devisenmärkten in Krisenzeiten eher abgestoßen werden, wenn die Risikoaversion zunimmt und eine "Flucht" in den Dollar und andere harte Währungen beginnt.

    Die kanadische Regierung stellt seit März umfangreiche Hilfen für Unternehmen, Individuen und einige Wirtschaftssektoren bereit. Dazu stellte Premierminister Trudeau kürzlich einen Plan vor, um Kanada aus der Krise herauszuführen. Eine Zusammenfassung der konkreten Maßnahmen der Regierung in der Coronakrise finden Sie hier.

    Kanada ist in der zweiten Welle angekommen

    Die Corona-Epidemie beschäftigt Kanada seit Mitte März 2020 und erreichte Ende April ihren ersten Höhepunkt. Seitdem konnte das Land die täglichen Neuinfektionen bis Mitte Juli sukzessive senken. Nun ist die zweite Welle da. Im Oktober wurde ein neuer Höchstwert für täglich gemeldete Corona-Infektionen gesetzt.

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Seit Ausbruch der Coronakrise beschränkt Kanada die Einreise für die meisten Ausländer. Für Inlandsreisen gibt es Regeln. Einige Provinzen stehen vorm zweitem Lockdown. (Stand: 29. Oktober 2020).

    (Ein-)Reisebeschränkungen vom März 2020 bleiben in Kraft

    Seit dem 18. März beschränkt Kanada seinen Grenzverkehr strikt. Von dem verhängten Einreisestopp ausgenommen sind - außer Kanadiern und Personen mit permanentem Aufenthaltsstatus - nur Diplomaten, Flugzeugcrews, internationale Studenten und enge Familienangehörige von kanadischen Staatsbürgern.

    Von nicht notwendigen Reisen wird Inländern und Ausländern weiterhin abgeraten. Die EU öffnete ab dem 1. Juli ihre Grenze für kanadische Staatsbürger. Am 22. Oktober wurde Kanada im Zuge der in Europa und Nordamerika ausgebrochenen zweiten Coronawelle wieder von der Liste genommen.

    Auch die kanadisch-US-amerikanische Grenze bleibt nach erneuter Verlängerung für nicht essentielle Reisen geschlossen - vorerst bis zum 21. November. Die kanadische Regierung will die Grenze zum südlichen Nachbarn so lange geschlossen halten wie die Infektionszahlen "hoch" bleiben, so Premierminister Trudeau. Notwendige Grenzübertritte, die Heimführung der jeweiligen Staatsbürger und der essentielle Warenverkehr zwischen den eng verknüpften Volkswirtschaften sind weiterhin möglich. Doch die Öffnung des regulären Grenzverkehrs zwischen den USA und Kanada bleibt für die kommenden Monate unwahrscheinlich.

    Transit durch Kanada weiterhin erlaubt

    Der Transit durch Kanada ist gestattet, jedoch an Bedingungen geknüpft. Unter anderem muss das Zielland die Transitreisenden aufnehmen und der Transitbereich darf nicht verlassen werden.

    Aktuell sind nur vier Flughäfen für den internationalen Flugverkehr geöffnet - Calgary International, Montreal Pierre Elliott Trudeau, Toronto Pearson International und Vancouver International. Ausgenommen sind Verbindungen aus Kanada in die USA, Mexiko, die Karibik und einige lateinamerikanische Länder. Europäische und asiatische Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen nach Kanada zwar stark reduziert. Dennoch gibt es aus Deutschland weiter täglich Direktverbindungen nach Toronto und Montreal.

    An den Grenzen werden Gesundheitskontrollen durchgeführt. Alle international Reisenden, die in Kanada ankommen, müssen sich 14 Tage isolieren. Seit dem 26. März 2020 ist dies verpflichtend und bei Ignorieren der Anweisung können Geld- und Freiheitsstrafen verhängt werden. Ausgenommen von der Regelung sind nur Personen, die notwendige Dienstleistungen (zum Beispiel im Gesundheitssystem) erbringen und Lkw-Fahrer, die den Warenverkehr zwischen den USA und Kanada aufrechterhalten.

    Nationale Reisen sind eingeschränkt möglich

    Innerhalb Kanadas ist das Reisen gestattet. Flug- und Zugverkehr sind in Betrieb, wenn auch teilweise reduziert und unter Gesundheitsauflagen.  Flugreisende sind verpflichtet, Masken zu tragen. Flug- und Schienenpersonal werden zudem angewiesen, Passagiere vor Reiseantritt auf Covid-19 Symptome zu prüfen und gegebenenfalls die Reise zu verweigern. Vor Antritt jeder Flugreise wird die Körpertemperatur gemessen. Busreisen unterliegen aktuell nicht den gleichen Regeln, aber viele Betreiber haben ihre Angebote reduziert oder eingestellt.

    Abhängig von der jeweiligen Provinz gibt es teilweise Vorschriften zur Selbstisolation bei Einreise aus einer anderen Provinz. Ebenso unterscheiden sich die Personengrenzen für Versammlungen, die Zulassungsvoraussetzungen für einen Covid-19 Test und die deklarierten essentiellen Wirtschaftssubjekte von Region zu Region.

    Kanadische Regierung appelliert an strikte Einhaltung von Social Distancing

    Die Infektionszahlen in Kanada steigen seit Mitte September wieder stetig an. Die zweite Welle ist da. Die Eingrenzung des Virus führte im Sommer zu Lockerungen, die nun wieder zurückgenommen werden. Ontario und Quebec schränken das soziale Leben bereits wieder deutlich ein. Im öffentlichen Raum müssen alle Menschen zwei Meter Abstand voneinander halten. Wenn dies nicht möglich ist, sollen Masken getragen werden. In Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr herrscht Maskenpflicht.

    Die Provinzen und Kommunen bestimmen über die jeweiligen Regeln im öffentlichen Raum. Die meisten Provinzen beschränken die Versammlung von Personen aktuell auf 10-50. Einige Provinzen wie Quebec und Ontario, die unter den höchsten Infektionszahlen der zweiten Welle leiden, schränken die Versammlungsgrenzen regional unterschiedlich und teilweise drastischer ein. In seinen rot deklarierten Zonen beispielsweise verbietet Quebec seit Oktober das Zusammenkommen verschiedener Haushalte.

    Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu Kanada finden Sie hier 

    Einen guten Überblick über die jeweiligen Regeln der Provinzen im Zusammenhang mit Covid-19 bietet die Tageszeitung Globe and Mail auf ihrer Internetseite

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Maßnahmen zur Stützung von Unternehmen und Konsumenten zeigten im Sommer Wirkung. Nun droht eine zweite Coronawelle die Erholung zu ersticken (Stand: 20. Oktober 2020).

    Einschränkungen nehmen wieder zu und bremsen wirtschaftliche Erholung aus

    Die kanadischen Geschäftsbanken rechnen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung für das Jahr 2020 von über 6 Prozent. Im zweiten Quartal 2020 fiel das kanadische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 11,5 Prozent berichtet die Statistikbehörde StatCan - der stärkste Einbruch seit Beginn der Quartalsmessungen im Jahr 1961. Die Arbeitslosenquote sinkt seit Mai 2020 (13,7 Prozent) wieder stetig, lag im September aber noch immer bei 9,0 Prozent. Eine vollständige Erholung des Arbeitsmarkts vor Mitte 2021 ist unwahrscheinlich. Auch das kanadische BIP dürfte erst im nächsten Jahr zurück auf sein Vorkrisenniveau klettern.

    Einige Hilfspakete werden eingestellt, viele bringen weiter Entlastung

    Regierung verlängert Unternehmenshilfen - Programm für Lohnausgleich optimiert

    Das Canada Emergency Wage Subsidy (CEWS) Programm, welches bis zu 85 Prozent der Lohnausgaben für von Covid-19 betroffene kanadische Unternehmen übernimmt und aktuell bis Dezember 2020 läuft, soll nach Wunsch der Regierung bis Juni 2021 verlängert werden. Bisher wurden unter dem Programm etwa 3,7 Millionen Arbeitsplätze gestützt. Unternehmen haben durch CEWS die unter anderem die Möglichkeit, ihre Angestellten trotz Kurzarbeit zu halten. Die maximale wöchentliche Zahlung berechnet sich nach den Umsatzverlusten der Unternehmen und der aktuellen Auszahlungsperiode.

    Die Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen bei der Zahlung gewerblicher Mieten (CECRA) wurde Ende September eingestellt. Das Programm hatte seine Schwächen, etwa, dass die Vermieter - nicht die Mieter – den Antrag auf die staatliche Unterstützung stellen mussten. Von dem Budget in Höhe von 2,3 Milliarden US$ für das Programm wurde nur gut die Hälfte abgerufen. Nun dürfte in Kürze eine Fixkostenunterstützung (inklusive Gewerbemieten) für kleine Unternehmen unter einem neuen Konjunkturprogramm an die Stelle von CECRA treten. Die Unterstützung soll rückwirkend zum 1. Oktober gelten.

    Weitere Liquiditätshilfen für Unternehmen und Haushalte

    Die Regierung verabschiedete schon früh Direkthilfen für Unternehmen, Individuen und einzelne Industrien sowie Maßnahmen für die erweiterte Gesundheitsversorgung. Die Transferprogramme, unter denen beispielsweise die Arbeitslosenversicherung ausgeweitet, das Kindergeld erhöht und Steuergutschriften für Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen ermöglicht werden sowie der Gesundheitsschutz ausgeweitet wird, umfassen über 180 Milliarden US$ (12 Prozent des BIP). Zudem hilft der Staat Unternehmen mit Steuerstundungen, Krediten und Kreditgarantien sowie Banken mit Senkungen der Eigenkapitalvorschriften im Wert von weiteren 60 Milliarden US$.

    Kleine sowie gemeinnützige Unternehmen werden bis Ende 2020 mit dem Canada Emergency Business Account (CEBA) unterstützt. Aus diesem 40 Milliarden US$ Rettungsfonds stellt die Regierung zinsfreie Darlehen von bis zu 30.000 US$ für betroffene Firmen und Institutionen bereit. Auch Kleinstunternehmen, die keine Gehaltsabrechnungen haben, sind berechtigt, solange sie nicht aufschiebbare Kosten für 2020 zwischen 30.000 und 1.100.000 US$ vorweisen. Unternehmen, die ihren Kredit aus diesem Programm bis Dezember 2022 zurückzahlen, werden 25 Prozent der Schulden erlassen.

    Für große Unternehmen gibt es Unterstützung durch das LEEFF-Programm - eine Brückenfinanzierung für Firmen mit über 200 Millionen US$ Umsatz in Kanada, die mindestens 40 Millionen US$ an Kapital benötigen. Die Kredithilfe ist nicht zinsfrei und an bestimmte Auflagen gekoppelt. Dazu gehören neben dem Bekenntnis zur Arbeitsplatzsicherung unter anderem Berichte zu den Umweltschutzmaßnahmen des Unternehmens, das Verbot von Dividendenausschüttungen sowie die Einschränkung von Vorstands- und Geschäftsführungsgehältern.

    Einzelne Sektoren erhalten gesondert Unterstützung

    Die kanadische Regierung greift einigen Sektoren wie Landwirtschaft, Fischerei, Lufttransport, Energie, Kultur und Tourismus sowie Forschung und Wissenschaft punktuell unter die Arme, damit diese besser durch die Wirtschaftskrise kommen. Die Programme sind auf die Industrien zugeschnitten: So gibt es unter anderem Mietstundungen für Flughafenverwalter bis Dezember 2020, Extrakredite für Landwirte und Lebensmittelverarbeiter, einen kanadischen Meeresfrüchte Stabilisierungsfonds, der Lagerkapazitäten erhöhen und Industrie-4.0-Technologien in der Meeresfrüchteverarbeitung erweitern soll, bis hin zu Milliardenausgaben für die Sanierung stillgelegter Ölquellen in Alberta, Saskatchewan und British Columbia.

    Einen vollständigen Überblick über alle Maßnahmen der Regierung für Unternehmen, Haushalte und einzelne Industrien finden Sie auf der Website der kanadischen Regierung.

    Konjunkturprogramm für die Belebung der Wirtschaft beschlossen

    Die Regierung stellte den Provinzen bereits im August 2020 insgesamt rund 15 Milliarden US$ für ein , so Premierminister Trudeau, "sicheres Wiederanlaufen der kanadischen Wirtschaft" zur Verfügung. Provinzen und Bund einigten sich darauf, das zusätzliche Budget für mehr Covid-19-Tests und Kontaktverfolgung, für Schutzausrüstung sowie für zusätzliche Kinderbetreuung auszugeben. Zudem unterstützt der Bund für 6 bis 8 Monate kanadische Städte mit etwa 1,5 Milliarden US$ bei ihren Betriebskosten. Bedingung: Die Städte und Provinzen müssen die gleiche Summe, die sie vom Bund abrufen, auch aus ihren eigenen Budgets investieren. Zusätzlich erklärt sich die Regierung bereit, jede regionale Investition in den öffentlichen Nahverkehr zu verdoppeln - bis zu einer Höhe von insgesamt 1,4 Milliarden US$.

    Ein kürzlich ausgerufener "Recovery Plan" für die Wirtschaft soll weitere, breit angelegte, Konjunkturmaßnahmen enthalten, über 1 Millionen neue Jobs schaffen und unter anderem bestehende Hilfsprogramme bis in den Sommer 2021 verlängern. Welche neuen Programme dazu kommen, welche Sektoren konkret adressiert und welche Summen investiert werden, wird in den nächsten Wochen vom Finanzministerium verkündet.

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Kanadas Ex- und Importe sinken während der Coronakrise deutlich. Die Grenzen sind für den Warenverkehr weiter geöffnet. Das neue nordamerikanische Handelsabkommen CUSMA ist seit 1. Juli in Kraft (Stand: 1. August 2020).

    Kanadischer Außenhandel wieder mit leichtem Aufschwung

    Die Zuversicht kanadischer Exporteure verzeichnete nach einer Umfrage der Economic Development Bank (EDC) Kanadas Ende Juni ihren niedrigsten Stand seit Beginn dieser Aufzeichnung. In der von der EDC halbjährlich durchgeführten Erhebung wurde zuletzt neben der Coronakrise vor allem der spürbar stärker werdende Protektionismus wichtiger Handelspartner (USA, China) als Grund für die gedämpften Erwartungen angegeben. In der Regierung steigt die Befürchtung, dass durch die Covid-19-Pandemie der globale Marktzugang noch stärker reguliert wird. Von den befragten Unternehmen sagten 73 Prozent, die Coronakrise schade ihrem Auslandsumsatz - 14 Prozent würden profitieren. Drei Viertel der Unternehmen glauben, dass die globale Rezession länger als ein Jahr anhalten wird.

    Die Daten der kanadischen Bahnunternehmen zum Gütertransport bestätigen den anhaltenden Corona-Schock im produzierenden Gewerbe. Während Konsumenten - durch staatliche Maßnahmen gestützt - in Kanada wieder Geld ausgeben und nahe des Vorkrisenlevel konsumieren, stecken vor allem exportabhängige Unternehmen weiter in der Krise.

    Ein Blick auf den Umsatzindikator Revenue Ton Mile (RTM) der kanadischen Eisenbahnen im Gütertransport zeigt, dass die Nachfrage nach Kanadas wichtigsten Exportgütern wie Energie-, Chemie-, Metall- und Automobilausfuhren nach wie vor schwächelt. Dagegen zieht die Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Konsumgütern seit Mai wieder leicht an. Kurzum, die Binnennachfrage erholt sich zunehmend, die Exportnachfrage stockt noch.

    Kanadas Transportumsatz auf der Schiene zeigt auch im Juli kaum Erholung

    RTM in Millionen kanadischer Dollar

    Veränderung 20/19 in Prozent

    Canadian Pacific Rail

    KW 28-31 (Juli) 2019

    12.215

    Canadian Pacific Rail

    KW 28-31 (Juli) 2020

    10.809

    -11,5

    Canadian National Railway

    KW 28-31 (Juli) 2019

    18.900

    Canadian National Railway

    KW 28-31 (Juli) 2020

    16.400

    -13,2

    Die Einheit RTM zeigt die Einnahmen aus dem Schienentransport von einer Tonne Güter für die Länge einer Meile.Quelle: CN Rail, CP Rail; GTAI Berechnungen


    Außenhandel zieht im Juni wieder an, aber der Weg zurück zu alter Stärke ist lang

    Von März bis Mai 2020 gingen Kanadas Importe um 30 Prozent zurück. Die Zahlen für Juni geben nun erstmals seit Ausbruch der Krise Hoffnung, dass der Handel wieder anzieht. Die Importe stiegen im Juni zum Vormonat um 22 Prozent (Wert) - im Volumen sogar um 28 Prozent. Damit bleibt der Wert der Einfuhren weiter deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Auch die Entwicklung der kanadischen Exporte stimmt wieder etwas optimistischer. Nach ebenfalls 30 Prozent Verlusten von März bis Mai konnten die Ausfuhren im Juni um 17 Prozent wertmäßig zulegen - das reale Handelsvolumen stieg um 11 Prozent. Für Juli und August sind weitere Zuwächse im Außenhandel zu erwarten.

    Fast die Hälfte des Importwachstums im Juni geht auf das Konto von Kfz- und Kfz-Teile Einfuhren. Der Juni war der erste volle Monat für die Automobilfertigung in Nordamerika seit Februar.

    Für den kanadischen Handel 2020 bedeutet die Coronaepidemie insgesamt einen herben Einschnitt. Die Handelsvolumen von Ex- und Importen im 2. Quartal 2020 sanken auf das niedrigste Niveau seit zehn Jahren. Sowohl der Absatz von Erdöl als auch die für Kanada wichtige Kfz und Kfz-Teile Produktion leiden weiter unter den aktuellen Marktbedingungen. Rohölexporte sind mit etwa 15 Prozent (2019) ein wichtiger Teil der kanadischen Ausfuhren. Das gleiche gilt für die Im- und Exporte der Automobilindustrie, die circa 17 Prozent des gesamten kanadischen Handels 2019 ausmachten.

    Seit dem 1. Juli 2020 ist der Nafta-Nachfolger CUSMA in Kraft. Ein großes Ziel des Freihandelsabkommens ist es, Anreize für die Automobilproduktion in Nordamerika zu schaffen. Das auf 16 Jahre befristete Abkommen soll mit seinen Regeln auch den Investitionsstandort Kanada langfristig stärken.

    Deutsche Firmen in Kanada erwarten Verluste

    Deutsche Unternehmen in Kanada erwarten weitere Einschnitte für ihr Geschäft. Soweit möglich haben die Firmen mobiles Arbeiten eingerichtet, im verarbeitenden Gewerbe wurden jedoch auch Stellen gekürzt. Eine weitere Reduzierung der Belegschaften hängt von der Länge der Krise und der Auftragslage ab.

    In einer Umfrage der AHK Kanada Anfang April, gingen 85 Prozent der befragten deutschen Unternehmen im Land davon aus, dass ihr Geschäft in den nächsten 12 Monaten schlechter laufen wird als in den vergangenen. Knapp 80 Prozent der Unternehmen werden in den kommenden zwölf Monaten zudem weniger oder gar nicht investieren.

    Als größte Risiken für die Geschäftsentwicklung nannten die Unternehmen zuerst die einbrechende Nachfrage und dann den Wechselkurs sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

    Grenzübergänge offen für Güterverkehr

    Ein- und Ausfuhrbeschränkungen im Warenverkehr haben sich durch die Corona Pandemie grundsätzlich nicht geändert. Kanada ist bestrebt, den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr über seine Grenzen aufrecht zu erhalten.

    Die Grenzübergänge in die USA sind geöffnet. Allerdings beschränken die Provinzen für einige Grenzposten die Betriebszeiten aufgrund der Coronakrise.

    Die kanadische Regierung hat unter dem Quarantäne Gesetz für alle Personen die nach Kanada einreisen Beschränkungen angeordnet. Ausgenommen davon sind Personen, die für die Beförderung von Gütern sowie für essentielle Dienstleistungen notwendig sind. Alle Transportwege über Land, Schiene, Luft und Wasser sind weiterhin offen, um nationale und internationale Lieferketten in Takt zu halten.

    Mitte April ordnete die kanadische Gesundheitsbehörde an, dass alle „essentiellen“ Arbeitskräfte, die die US-kanadische Grenze passieren, Masken tragen müssen. Die zu tragenden Masken unterliegen keiner Spezifizierung und nichtmedizinische Gesichtsbedeckungen werden anerkannt. Somit müssen auch Lkw-Fahrer beim Grenzverkehr Schutzmasken tragen.

    Eine Übersicht der von kürzeren Öffnungszeiten betroffenen Grenzübergänge finden Sie hier

    Für zusätzliche Informationen zu aktuellen Zollbestimmungen dienen die Customs Notices und die allgemeinen Informationen zum Grenzverkehr für Gewerbetreibende der Canadian Border Services Agency. 

     Welche Änderungen Sie beim Warenimport und -Export beachten sollten, lesen Sie in unserer Berichterstattung zu Kanada.

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Kanadas Grenzen für den Güterverkehr sind offen. Lieferketten sollen funktional bleiben. Firmen überprüfen in der Coronakrise ihr Beschaffungsmanagement  (Stand: 30. Juli 2020).

    Lieferketten bei einigen Unternehmen gestört – doch es gibt größere Sorgen

    Politik bemüht, Lieferketten zu schützen

    Kanada hält seine Grenzen in der Coronakrise für den internationalen Güterverkehr offen. Es gäbe keine Regelungen, um gewerbliche Lieferungen einzuschränken, sagt die Canadian Border Services Agency (CBSA).

    Weiter beschloss Kanada zusammen mit seinen Handelspartnern (darunter Deutschland), Transportwege offen zu halten und internationale Lieferketten zu stützen. Dies gilt umso mehr für essentielle Waren wie medizinische Güter und Nahrungsmittel. Während der Reiseverkehr über Kanadas Grenzen fast zum Erliegen kam, bleibt der gewerbliche Grenzverkehr in der Pandemie relativ stabil. Die CBSA registrierte in den zurückliegenden Monaten durchschnittlich 10 bis 30 Prozent weniger Gütertransporte an der Grenze im Vergleich zum Vorjahr.

    Kanada hat bis auf weiteres alle Zölle und Steuern auf Importe für seine öffentlichen Gesundheitseinrichtungen eliminiert. Dazu wurden einzelne Einfuhrvorschriften für bestimmte Güter gelockert, unter anderem für Desinfektionsmittel und Schutzkleidung. Krankenhäuser und Testlabore sollen somit Waren schneller und günstiger beziehen können.

    Kanadas Importstruktur für Vorprodukte ist relativ einseitig

    Die meisten kanadischen Importe an Zwischenerzeugnissen stammen aus den USA - knapp 53 Prozent nach Daten der Weltbank. Störungen in den Lieferketten der US-amerikanischen Industrie haben Ausstrahlungseffekte auf die kanadische Versorgung mit Vorprodukten. Im Rahmen der Covid-19 Bekämpfung schränken die beiden Länder den Grenzverkehr aktuell weiter ein. Jedoch sind die Versorgungsketten von den Maßnahmen nicht betroffen.

    China ist mit etwa 7 Prozent Kanadas zweitwichtigster Zulieferer für Vorprodukte. Die meisten chinesischen Exporte nach Kanada sind aber Fertigprodukte, wodurch die kanadische Produktion nicht beeinflusst wird.

    Brasilien, Deutschland, Mexiko auf den Plätzen drei, vier und fünf machen zusammen etwa 10 Prozent der kanadischen Importe für Vorprodukte aus.

    Umsatzeinbrüche kein Resultat gestörter Lieferketten

    Grundsätzlich ist die Produktion in Kanada nicht aufgrund von gestörten Lieferketten eingebrochen, sondern als Reaktion auf den Shutdown großer Teile der Wirtschaft sowie dem globalen Nachfrageschock.

    Im verarbeitenden Gewerbe Kanadas und gerade im wichtigen Kfz-Sektor sind die Lieferketten aber teilweise komplex. Die Beschaffung wurde hier schon zu Beginn des Jahres belastet, als Blockaden des Schienentransports und der Coronavirus Ausbruch in China einzelne Transportrouten strapazierte.

    Auch deutsche Unternehmen vor Ort meldeten teilweise Probleme mit ihren Lieferketten. Allerdings ist die mit Abstand größte Sorge der Umsatzeinbruch. Hiervon sind bis auf wenige Ausnahmen (Lebensmittel, Sparten in der Gesundheitswirtschaft) nahezu alle Branchen betroffen.

    Ob und wie stark Lieferketten für kanadische Unternehmen durch Covid-19 gestört sind, hängt von den Branchen ab. Kanadas Metallverarbeitungsindustrie beispielsweise scheint aktuell kaum unter Störungen zu leiden, bereitet sich aber auf zukünftige Engpässe vor. Branchenvertreter raten, neben höheren Inventaren Kontakte zu weiteren Lieferanten aufzubauen und diesen einige Aufträge zu verschaffen, um für zukünftige Lieferkettenstörungen breiter aufgestellt zu sein.

    In der Getränkeindustrie führt ein durch Covid-19 verändertes Konsumverhalten bereits zu Lieferkettenproblemen für einige Betriebe. Getränkehersteller erleben durch den Einbruch des Gastgewerbes und den gestiegenen Verbrauch von Lebensmitteln und Getränken im eigenen Heim Engpässe bei der Versorgung mit Aluminiumdosen für Limonaden und Bier. Das schmälert aktuell das Angebot in den Märkten. Einige Brauereien suchen deshalb international nach Alternativen, um ihren Bedarf an Dosen zu decken.

    Druck für digitale und regionale Beschaffungsnetzwerke könnte weiter zunehmen

    Viele kanadische Unternehmen werden versuchen, sich besser auf globale Schocks wie Covid-19 vorzubereiten. Dazu gehört auch, Lieferketten und deren Management zu prüfen. In den vergangenen Jahrzehnten lag der Fokus auf Lieferkettenoptimierung. Dies minimierte Kosten und Lagerhaltung und maximierte die Ressourcenauslastung. Damit verloren ging Flexibilität um externe Schocks auszugleichen. Neue digitale Technologien, die das Management komplexer Beschaffungsprozesse vereinfachen und somit Störungen kleinteiliger Lieferketten schneller sichtbar machen, könnten die nötige Flexibilität bieten.

    Der Ausbau von digitalen Liefernetzwerken zur Abfederung von Schocks benötigt eine weitgehende Digitalisierung in den Unternehmen – hier hat Kanada viel aufzuholen. Dazu sind der Ausbau eines 5G Netzes und die Vernetzung von intelligenten Produkten mit digitalen Liefernetzwerken entscheidend. Eine massive Datensammlung entlang der Lieferketten und dahinter geschaltete Echtzeitanalysen wären notwendig, um Schocks frühzeitig zu erkennen und idealerweise automatisch, durch intelligente Netzwerke reagieren können.

    Über Transfers und Kredite greift der kanadische Staat in der Coronakrise zunehmend der Privatwirtschaft unter die Arme. Als Folge dürfte sich der Fokus für gestützte Unternehmen zukünftig stärker Richtung Resilienz verschieben. Einige Firmen werden vorsichtiger globalisieren. Für Lieferketten könnte diese neue Ausrichtung weniger Komplexität, weniger just-in-time Produktion und minimale Lagerhaltung und mehr lokale Versorgung (so möglich) bedeuten. Dazu passen die aktuellen Stimmen aus den Provinzen, bei essentiellen Gütern zur medizinischen Versorgung wieder autarker zu werden.

    Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat eine „Kontaktstelle zur Sicherstellung von Lieferketten“ eingerichtet. Ziel ist, dass die Herstellung und Lieferung benötigter Zuliefererprodukte, wo möglich, wieder reibungslos funktioniert.

    Unternehmen können sich bei Problemen im Zusammenhang mit internationalen Lieferketten an die Emailadresse kontaktstelle-lieferketten@bmwi.bund.de wenden.



    Investitionsumfeld Kanada

    Informationen zum Wirtschaftsstandort und zu den allgemeinen Rahmenbedingungen in Kanada bieten unter anderem die folgenden GTAI-Publikationen:


    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren kanadischen Geschäftspartnern, zunehmend aber auch für drohende Insolvenzen. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wo können Insolvenzforderungen angemeldet werden und innerhalb welcher Frist?

    Was regelt der Vertrag?

    Spätestens wenn Probleme entstehen, ist es sehr wichtig, zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).

    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: Die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit, zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.

    Was gibt es generell bei der Berufung auf "höhere Gewalt" zu beachten? 

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: Zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens, wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Was tun bei Insolvenz des ausländischen Geschäftspartners?

    Es wird zunehmend zur traurigen Gewissheit, dass es in Folge der durch die Covid-19-Pandemie ausgelösten Rezession zu einer weltweiten Pleitewelle kommen wird. Doch wie erfahren Sie, ob Ihr Geschäftspartner zahlungsunfähig ist?  Welche Auswirkungen hat die Insolvenz auf den Vertrag? Wo und innerhalb welcher Frist können Forderungen angemeldet werden? Fragen, auf die wir im nachstehenden Länderbericht Antworten geben.

    Nationales Recht: Covid-19 als "höhere Gewalt"/Insolvenzrecht 

    Nichterfüllung von Verträgen nach kanadischem Recht

    Insolvenzen nach kanadischem Recht

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