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Special Kanada Coronavirus

Covid-19 und niedrige Rohstoffpreise lassen Wirtschaft einbrechen

Die Coronakrise trifft die kanadische Wirtschaft schwer. Die Regierung hält an Unterstützungen für Unternehmen und Zinssenkungen auch in der zweiten Welle fest.


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    In Kanada ist die zweite Welle der Coronapandemie auf seinem bisher höchsten Stand. Die Belebung der Wirtschaft droht unter neuen Beschränkungen wieder abzuflachen. (Stand: 14. Januar 2021)

    Kanadische Erholung durch zweite Welle gebremst

    Nach einer Phase der raschen Erholung in den Sommermonaten trüben sich die Aussichten für Kanadas Konjunktur im letzten Quartal 2020 wieder ein. Das hängt einerseits an wieder steigenden Infektionszahlen: Die täglich gemeldeten Covid-19 Infektionen liegen im Januar 2021 etwa viermal höher als im April 2020 - der Hochphase der ersten Coronawelle. Als Reaktion auf die steigenden Fallzahlen begannen die Provinzen im Oktober erneut mit Einschränkungen des sozialen Lebens. Dazu gehören unter anderem Verbote für den Restaurantservice in geschlossenen Räumen, Begrenzungen der Versammlungsgrößen und verpflichtende Abstandsregeln drinnen wie draußen. Die wirtschaftlich stärksten Provinzen Quebec und Ontario sind von der zweiten Coronawelle am härtesten betroffen und fahren als erste herunter. In einzelnen Regionen Ontarios und Quebecs wurden strikte Lockdowns verhangen, die im Januar weiter verschärft wurden.

    Erwartungen für die kanadische Konjunktur wieder verhaltener

    Kanada durchläuft die schwerste Rezession der letzten Jahrzehnte. Am härtesten getroffen von den Einschränkungen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten sind die etwa zwei Millionen Arbeitskräfte aus dem Einzelhandel, dem Hotel- und Gastronomiegeschäft sowie aus dem Logistik- und Tourismussektor. Die seit Mai begonnene Rückkehr zur Normalität hat mit dem Einsetzen der zweiten Welle im Oktober ein Ende gefunden. Neu verhängte, regionale Lockdowns bringen den erhofften Konjunkturaufschwung für das letzte Quartal 2020 und das 1. Quartal 2021 in Gefahr. Die neuen Lockdowns in Alberta und Ontario dürften die wirtschaftliche Erholung ins 2. Quartal 2021 verschieben. Abhängen wird die Entwicklung von der angespannten Gesundheitssituation und dem Fortschritt bei der "Durchimpfung" des Landes.

    Bereits im Juli wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Kanadas "nur" noch um 3 Prozent gegenüber dem Vormonat, im September waren es nur 0,8 und im Oktober 0,4 Prozent. Die letzten absoluten BIP-Zahlen aus dem Oktober 2020 liegen noch immer 3,5 Prozent unter dem Vorjahreslevel.

    Von dem Abflauen der Konjunktur sind Warenproduzenten und Dienstleister gleichermaßen betroffen. Die meisten Industrien verharren unter ihren Vorkrisenlevel in der Produktion. Nur die Landwirtschaft, der Versorgungssektor, der Großhandel sowie die Immobilien- und Finanzwirtschaft erhöhten ihre Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Februar 2020. 

    Das verarbeitende Gewerbe erholt sich stetig, mit guten Zuwächsen im 2. und 3. Quartal. Vor allem die Automobilteileindustrie holte nach starken Einbrüchen im ersten und zweiten Quartal im dritten Quartal wieder auf. Gut durch die Krise kommen in der Industrie unter anderem die Hersteller von Metallverarbeitungsmaschinen, Ausrüster von Klima-, Ventilations- und Heizungsanlagen und gewerblichen Kühlanlagen sowie die Kunststoff- und Gummiproduktion. 

    Tourismus und Energiesektor in tiefer Krise

    Am schwersten getroffen bleibt die Tourismusbranche. Reisebeschränkung und Social-Distancing-Vorgaben entziehen vielen Unternehmen der Branche die Existenzgrundlage. Viele Städte werden nach nach dem Ende der Coronakrise ein anderes Gesicht haben. Der Einbruch des Tourismus- und Gastwirtschaftssektors verlief nach Angaben des Conference Board of Canada etwa sechsmal stärker als der prozentuale Rückgang der Gesamtwirtschaft. Die Branche verlor im zweiten Quartal fast 70 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Das Gastgewerbe, vor allem Restaurants und Bars konnten sich seit Juli etwas erholen, liegen aber weiter über 30 Prozent unter ihrem Vorjahreslevel. Die Luftfahrtbranche liegt 90 Prozent unter ihrem Vorjahresniveau und wieder anziehende Restriktionen halten die Stimmung im Keller.

    Die global eingebrochene Nachfrage nach Öl bleibt für Kanadas Wirtschaft problematisch. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wird der Bedarf an Erdöl 2020 auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren sinken. Der kanadische Ölpreisindex hat sich zwar seit dem Tiefpunkt der Coronakrise Ende April und einstelligen Werten wieder etwas erholt, taxiert aber seit Monaten mit etwa 30 US-Dollar (US$) pro Barrel noch immer ein Viertel unter dem Vorkrisenniveau. Die zweite Infektionswelle birgt die Gefahr eines erneuten Abrutschens des Ölpreises. Erdöl ist das wichtigste Exportgut des Landes und sein Wertverfall trifft Kanada somit doppelt hart. Der Absatz im Erdöl- und Kohlesektor sank in der Coronakrise zeitweise um etwa 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    Zentralbank und Regierung spannen breiten Rettungsschirm

    Der Leitzins der Bank of Canada steht seit März 2020 auf einem historischen Tief von 0,25 Prozent. Dazu lockert die Bank die Geldmenge durch Anleihekäufe und will ihre expansive Geldpolitik aktuell fortführen. Dafür kauft sie wöchentlich Bundesanleihen im Wert von mindestens 3,8 Milliarden US-Dollar (US$).

    Der kanadische Dollar gab als Reaktion auf die Coronakrise Mitte März um knapp 10 Prozent zum US$ nach, erholte sich seitdem aufgrund des nachgebenden US-Dollars stetig und droht nun, in der zweiten Welle, wieder zu fallen. Der kanadische Dollar gehört zu den volatileren Währungen, die auf den Devisenmärkten in Krisenzeiten eher abgestoßen werden, wenn die Risikoaversion zunimmt und eine "Flucht" in den Dollar und andere harte Währungen beginnt.

    Die kanadische Regierung stellt seit März umfangreiche Hilfen für Unternehmen, Individuen und einige Wirtschaftssektoren bereit. Dazu stellte Premierminister Trudeau kürzlich einen Plan vor, um Kanada aus der Krise herauszuführen. Eine Zusammenfassung der konkreten Maßnahmen der Regierung in der Coronakrise finden Sie hier.

    Hohe Coronazahlen in der zweiten Welle

    Die Corona-Epidemie beschäftigt Kanada seit Mitte März 2020 und erreichte Ende April ihren ersten Höhepunkt. Seitdem konnte das Land die täglichen Neuinfektionen bis Mitte Juli sukzessive senken. Nun ist die zweite Welle da. Seit September steigen die täglich gemeldeten Neuinfektionen kontinuierlich.

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Seit Ausbruch der Coronakrise beschränkt Kanada die Einreise für die meisten Ausländer. Für Inlandsreisen gibt es Regeln. Viele Provinzen befinden sich im zweiten Lockdown. (Stand: 13. Februar 2021)

    (Ein-)Reisebeschränkungen werden im Februar 2021 weiter verschärft

    Seit dem 18. März 2020 beschränkt Kanada seinen Grenzverkehr strikt. Von dem verhängten Einreisestopp ausgenommen sind - außer Kanadiern und Personen mit permanentem Aufenthaltsstatus - nur Diplomaten, Flugzeugcrews, internationale Studenten und enge Familienangehörige von kanadischen Staatsbürgern.

    Von nicht notwendigen Reisen wird Inländern und Ausländern weiterhin abgeraten. Seit dem 7. Januar 2021 muss der Fluggesellschaft vor der Einreise nach Kanada ein negativer Coronatest (PCR, LAMP), nicht älter als 72 Stunden, vorgelegt werden.

    Ab dem 15. Februar müssen Kanadier, welche über die Landgrenze wieder einreisen, einen negativen, weniger als 3 Tage alten Covid-19-Test vorweisen. Kanadier ohne negativen Test erwarten Strafen von 2.000 Euro. Ausgenommen sind Gruppen wie gewerbliche Lkw-Fahrer.

    Ab dem 22. Februar gelten verschärfte Regeln für Einreisende an allen Grenzübergängen. Zusätzlich zu den vorzuweisenden Negativtests vor Antritt eines Flugs nach Kanada müssen sich Einreisende an der Grenze einem weiteren Coronatest unterziehen und auf das Testergebnis in einem von der Regierung designierten Hotel zu Selbstkosten warten. Das kann laut Ottawa bis zu drei Tage dauern und 1.300 Euro kosten. Ist das Testergebnis positiv, müssen die Reisenden die 14-tägige Quarantäne in einer Regierungseinrichtung verbringen. Ist das Testergebnis negativ, beginnt für die Reisenden eine 14-tägige Quarantäne im eigenen Heim an deren Ende ein weiterer Test vorgesehen ist.

    Die kanadisch-US-amerikanische Landgrenze ist weiterhin für nicht essentielle Reisen geschlossen - vorerst bis zum 21. Februar 2021. Die kanadische Regierung will die Grenze zum südlichen Nachbarn so lange geschlossen halten wie die Infektionszahlen "hoch" bleiben, so Premierminister Trudeau. Notwendige Grenzübertritte, die Heimführung der jeweiligen Staatsbürger und der essentielle Warenverkehr zwischen den eng verknüpften Volkswirtschaften sind weiterhin möglich. Doch die Öffnung des regulären Grenzverkehrs zwischen den USA und Kanada bleibt für die kommenden Monate unwahrscheinlich.

    Transit durch Kanada weiterhin erlaubt

    Der Transit durch Kanada ist gestattet, jedoch an Bedingungen geknüpft. Unter anderem muss das Zielland die Transitreisenden aufnehmen und der Transitbereich darf nicht verlassen werden.

    Aktuell sind nur vier Flughäfen für den internationalen Flugverkehr geöffnet - Calgary International, Montreal Pierre Elliott Trudeau, Toronto Pearson International und Vancouver International. Ausgenommen sind Verbindungen aus Kanada in die USA, Mexiko, die Karibik und einige lateinamerikanische Länder. Europäische und asiatische Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen nach Kanada zwar stark reduziert. Dennoch gibt es aus Deutschland weiter täglich Direktverbindungen nach Toronto und Montreal.

    An den Grenzen werden Gesundheitskontrollen durchgeführt. Alle international Reisenden, die in Kanada ankommen, müssen sich 14 Tage isolieren. Seit dem 26. März 2020 ist dies verpflichtend und bei Ignorieren der Anweisung können Geld- und Freiheitsstrafen verhängt werden. Ausgenommen von der Regelung sind nur Personen, die notwendige Dienstleistungen (zum Beispiel im Gesundheitssystem) erbringen und Lkw-Fahrer, die den Warenverkehr zwischen den USA und Kanada aufrechterhalten.

    Nationale Reisen sind eingeschränkt möglich

    Innerhalb Kanadas ist das Reisen gestattet. Flug- und Zugverkehr sind in Betrieb, wenn auch teilweise reduziert und unter Gesundheitsauflagen.  Flugreisende sind verpflichtet, Masken zu tragen. Flug- und Schienenpersonal werden zudem angewiesen, Passagiere vor Reiseantritt auf Covid-19 Symptome zu prüfen und gegebenenfalls die Reise zu verweigern. Vor Antritt jeder Flugreise wird die Körpertemperatur gemessen. Busreisen unterliegen aktuell nicht den gleichen Regeln, aber viele Betreiber haben ihre Angebote reduziert oder eingestellt.

    Abhängig von der jeweiligen Provinz gibt es teilweise Vorschriften zur Selbstisolation bei Einreise aus einer anderen Provinz. Ebenso unterscheiden sich die Personengrenzen für Versammlungen, die Zulassungsvoraussetzungen für einen Covid-19 Test und die deklarierten essentiellen Wirtschaftssubjekte von Region zu Region.

    Kanadische Regierung appelliert an strikte Einhaltung von Social Distancing

    Die Infektionszahlen in Kanada steigen seit Mitte September 2020 wieder stetig an. Die zweite Welle ist da und ein Abklingen noch nicht in Sicht. Die Eingrenzung des Virus führte im Sommer zu Lockerungen, die nun wieder zurückgenommen wurden. Ontario und Quebec schränken das soziale Leben bereits wieder deutlich ein. Im öffentlichen Raum müssen alle Menschen zwei Meter Abstand voneinander halten. Wenn dies nicht möglich ist, sollen Masken getragen werden. In Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr herrscht Maskenpflicht. Seit Anfang Januar 2021 ist Quebec in einem neuen Lockdown, Alberta und British Columbia seit Dezember und in Ontario gilt seit dem 14. Januar eine "Stay-at-home"-Richtlinie inklusive Schulschließungen, zeitlichen Einkaufsbeschränkungen und Ausgangssperren für nicht essentielle Tätigkeiten. In Quebec gilt eine allgemeine Ausgangssperre von 20 Uhr bis 5 Uhr morgens.

    Die Provinzen und Kommunen bestimmen über die jeweiligen Regeln im öffentlichen Raum. Viele Provinzen verbieten aktuell jegliche öffentliche Versammlungen und schränken auch private Zusammenkünfte drastisch ein. Provinzen wie Quebec und Ontario, die unter den höchsten Infektionszahlen der zweiten Welle leiden, schränken die Versammlungsgrenzen regional unterschiedlich ein. In seinen rot deklarierten Zonen beispielsweise verbietet Quebec seit Oktober das Zusammenkommen verschiedener Haushalte.

    Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu Kanada finden Sie hier 

    Einen guten Überblick über die jeweiligen Regeln der Provinzen im Zusammenhang mit Covid-19 bietet die Tageszeitung Globe and Mail auf ihrer Internetseite

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Maßnahmen zur Stützung von Unternehmen und Konsumenten werden verlängert. Die zweite Coronawelle droht die Erholung zu ersticken. (Stand: 14. Januar 2021)

    Einschränkungen nehmen wieder zu und bremsen wirtschaftliche Erholung aus

    Die kanadischen Geschäftsbanken rechnen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung für das Jahr 2020 von über 6 Prozent. Im 2. Quartal 2020 fiel das kanadische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 11,5 Prozent, berichtet die Statistikbehörde StatCan - der stärkste Einbruch seit Beginn der Quartalsmessungen im Jahr 1961. Die Arbeitslosenquote sank von Mai 2020 (13,7 Prozent) bis November (8,5 Prozent) stetig. Im Zuge der zweiten Welle und neuer Restriktionen stieg sie im Dezember erstmals wieder leicht an. Eine vollständige Erholung des Arbeitsmarkts vor Mitte 2021 ist unwahrscheinlich. Auch das kanadische BIP dürfte erst Ende 2021 zurück auf sein Vorkrisenniveau klettern. Die im Dezember und Januar verhängten strikteren Restriktionen in vielen Provinzen werden wohl bis Februar in Kraft bleiben und trüben die Aussichten auf eine fortgeführte Erholung im 1. Quartal deutlich ein.

    Einige Hilfspakete werden eingestellt, viele bringen weiter Entlastung

    Regierung verlängert Unternehmenshilfen - Programm für Lohnausgleich optimiert

    Das Canada Emergency Wage Subsidy (CEWS) Programm, welches bis zu 75 Prozent der Lohnausgaben für von Covid-19 betroffene kanadische Unternehmen übernimmt, soll bis Juni 2021 laufen. Das Programm stützte zeitweise über 4,3 Millionen Arbeitsplätze und stellte bisher Subventionen im Wert von 45 Milliarden US-Dollar (US$) bereit. Unternehmen haben durch CEWS die unter anderem die Möglichkeit, ihre Angestellten trotz Kurzarbeit zu halten. Die maximale wöchentliche Zahlung berechnet sich nach den Umsatzverlusten der Unternehmen und der aktuellen Auszahlungsperiode.

    Die Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen bei der Zahlung gewerblicher Mieten (CECRA) wurde Ende September eingestellt. Von dem Budget in Höhe von 2,3 Milliarden US$ für das Programm wurde nur gut die Hälfte abgerufen. Ein Nachfolgeprogramm mit dem Namen CERS stellt für berechtigte Unternehmen eine direkte Subvention von bis zu 65 Prozent der Miet- und Hypothekenbelastung in Aussicht. Unter den neuen Lockdown-Bestimmungen in der zweiten Welle können Unternehmen zudem bis zu 25 Prozent zusätzliche Mietunterstützung erhalten und die Subventionsrate auf 90 Prozent der Mietausgaben erhöhen.

    Weitere Liquiditätshilfen für Unternehmen und Haushalte

    Die Regierung verabschiedete schon früh Direkthilfen für Unternehmen, Individuen und einzelne Industrien sowie Maßnahmen für die erweiterte Gesundheitsversorgung. Die Transferprogramme, unter denen beispielsweise die Arbeitslosenversicherung ausgeweitet, das Kindergeld erhöht und Steuergutschriften für Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen ermöglicht werden sowie der Gesundheitsschutz ausgeweitet wird, umfassen über 180 Milliarden US$ (12 Prozent des BIP). Zudem hilft der Staat Unternehmen mit Steuerstundungen, Krediten und Kreditgarantien sowie Banken mit Senkungen der Eigenkapitalvorschriften im Wert von weiteren 60 Milliarden US$.

    Kleine sowie gemeinnützige Unternehmen werden bis Ende März 2021 mit dem Canada Emergency Business Account (CEBA) unterstützt. Aus diesem 43 Milliarden US$ schweren Rettungsfonds stellt die Regierung zinsfreie Darlehen von bis zu 45.000 US$ für betroffene Firmen und Institutionen bereit. Die Höhe der zinsfreien und teilweise erlassenen Darlehen wurde im Dezember 2020 um 50 Prozent erhöht. Auch Kleinstunternehmen, die keine Gehaltsabrechnungen haben, sind berechtigt, solange sie nicht aufschiebbare Kosten für 2020 zwischen 30.000 und 1.100.000 US$ vorweisen. Unternehmen, die ihren Kredit aus diesem Programm bis Dezember 2022 zurückzahlen, werden 33 Prozent der Schulden erlassen.

    Für große Unternehmen gibt es Unterstützung durch das LEEFF-Programm - eine Brückenfinanzierung für Firmen mit über 230 Millionen US$ Umsatz in Kanada, die mindestens 45 Millionen US$ an Kapital benötigen. Die Kredithilfe ist nicht zinsfrei und an bestimmte Auflagen gekoppelt. Dazu gehören neben dem Bekenntnis zur Arbeitsplatzsicherung unter anderem Berichte zu den Umweltschutzmaßnahmen des Unternehmens, das Verbot von Dividendenausschüttungen sowie die Einschränkung von Vorstands- und Geschäftsführungsgehältern.

    Einzelne Sektoren erhalten gesondert Unterstützung

    Die kanadische Regierung greift einigen Sektoren wie Landwirtschaft, Fischerei, Lufttransport, Energie, Kultur und Tourismus sowie Forschung und Wissenschaft punktuell unter die Arme, damit diese besser durch die Wirtschaftskrise kommen. Die Programme sind auf die Industrien zugeschnitten: So gibt es unter anderem Extrakredite für Landwirte und Lebensmittelverarbeiter, einen kanadischen Meeresfrüchte Stabilisierungsfonds, der Lagerkapazitäten erhöhen und Industrie-4.0-Technologien in der Meeresfrüchteverarbeitung erweitern soll, bis hin zu Milliardenausgaben für die Sanierung stillgelegter Ölquellen in Alberta, Saskatchewan und British Columbia.

    Einen vollständigen Überblick über alle Maßnahmen der Regierung für Unternehmen, Haushalte und einzelne Industrien finden Sie auf der Website der kanadischen Regierung.

    Konjunkturprogramm für die Belebung der Wirtschaft beschlossen

    Der Ende November ausgerufene "Building Back Better" Plan enthält weitere, breit angelegte, Konjunkturmaßnahmen im Wert von bis zu 80 Milliarden US$ über die nächsten drei Fiskaljahre. Mit Hilfe des Konjunkturplans sollen über 1 Millionen neue Jobs geschaffen und unter anderem bestehende Hilfsprogramme bis in den Sommer 2021 verlängert werden. In dem Plan anvisierte Programme haben vor allem Chancengleichheit und eine wettbewerbsfähige, grüne Wirtschaft als Ziel. Die Bereiche Bildung und Klimaschutz haben Priorität. Neben umfangreichen Investitionen in neue Früherziehungs- und Kinderbetreuungssysteme sollen in den nächsten Jahren vor allem für den Klimaschutz Milliarden US-Dollar fließen. Die energieeffiziente Modernisierung von Eigenheimen, die Pflanzung von 2 Milliarden Bäumen sowie saubere Energieprojekte und Nullemissionsautos sollen gefördert werden.

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Kanadas Ex- und Importe steigen wieder. Die Grenzen sind für den Warenverkehr geöffnet und das neue nordamerikanische Handelsabkommen CUSMA ist seit 1. Juli in Kraft (Stand: 27. Januar 2021).

    Außenhandel wieder im Aufschwung

    Der kanadische Warenhandel durchläuft bisher eine V-förmige Erholungsphase. Die Güterimporte gingen weniger stark zurück und kamen Ende 2020 schneller aus der Krise als die Exporte. Der Dienstleistungshandel erholt sich von dem pandemiebedingten Rückgang dagegen nur langsam. Die Auswirkungen der zweiten Coronawelle auf den Außenhandel insgesamt sind noch nicht absehbar, sollten aber milder sein als unter den weitreichenden Einschränkungen für die Wirtschaft zu Beginn der Pandemie im März 2020.

    Kanadische Exporteure waren nach einer Umfrage der Economic Development Bank (EDC) Kanadas im Dezember deutlich optimistischer in Bezug auf ihre Handelsgeschäfte als noch im Juni 2020. Da verzeichnete der Trade Confidence Index der EDC seinen niedrigsten Stand seit Beginn dieser Aufzeichnung. Die Erholung erstreckt sich, so die EDC, über alle Sektoren und Provinzen.

    In der von der EDC halbjährlich durchgeführten Erhebung wurde im Juni neben der Coronakrise vor allem der spürbar stärker werdende Protektionismus wichtiger Handelspartner (USA, China) als Grund für gedämpfte Erwartungen angegeben. Die Befürchtung, dass globale Handelshemmnisse den kanadischen Außenhandel schädigen, blieb auch in der aktuellen Umfrage hoch. Etwa 50 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine Zunahme des Protektionismus und ein Drittel der Befragten sehen die kanadisch-chinesischen Spannungen in der Handelspolitik als geschäftsschädigend. 

    Noch immer produzieren 80 Prozent der handeltreibenden Unternehmen unter ihrem Vorkrisenlevel. Die Coronapandemie sehen 65 Prozent als Grund für den schwächeren Umsatz. Zudem glauben zwei Drittel der Unternehmen, dass die Krise länger als ein Jahr andauern und die Erholung nur unter zeitweisen Rückschlägen verlaufen wird.

    Die Daten der kanadischen Bahnunternehmen zum Gütertransport geben zumindest Hoffnung, dass der Corona-Schock im produzierenden Gewerbe abklingt. Die kanadischen Haushalte - durch staatliche Maßnahmen gestützt - konsumieren wieder nahe des Vorkrisenlevels, und seit dem Sommer 2020 können auch viele exportabhängige Unternehmen wieder aufatmen.

    Ein Blick auf den Umsatzindikator Revenue Ton Mile (RTM) der Eisenbahnen im Gütertransport zeigt, dass die Nachfrage nach Kanadas wichtigsten Exportgütern wie Energie-, Chemie-, Metall- und Automobilausfuhren sich nach dem Sommer 2020 schnell erholen konnte. Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Konsumgütern zog ebenso wieder an und vor allem Getreide und Gütertransporte lagen von September bis Dezember 2020 deutlich über den Vorjahreswerten. Kurzum, die Binnennachfrage hat sich bei fast allen Gütern schnell erholt. Während die Exportnachfrage in einzelnen Sektoren wie Energie noch stockt, liegt sie in anderen, wie Getreide und Düngemittel, sogar über dem Vorkrisenniveau.

    Kanadas Transportumsatz auf der Schiene seit dem Sommer auf Erholungskurs

    RTM in Millionen kanadischer Dollar
    1) jeweils KW 36-52 (September–Dezember)
    2) jeweils KW 1-2 (Januar)

    Die Einheit RTM zeigt die Einnahmen aus dem Schienentransport von einer Tonne Güter für die Länge einer Meile.

    Quelle: CN Rail, CP Rail; GTAI-Berechnungen


    Vorjahresniveau aber noch nicht erreicht

    Von März bis Mai 2020 lagen Kanadas Importe etwa 30 Prozent niedriger als im Vorjahr, die Exporte circa 23 Prozent. Seit Juni erfolgt eine schnelle und stete Erholung des Handels. Von Juni bis November (aktuellste Zahlen) importiere das Land nur etwa 5 Prozent weniger Güter als im Vorjahreszeitraum. Und im Novembervergleich konnten die Importe erstmals seit Ausbruch der Krise einen Zuwachs zum Vorjahr verzeichnen. Die kanadischen Exporte hingegen liegen noch immer etwa 9 Prozent unter dem Vorjahresniveau und erholen sich langsamer, weswegen das Handelsbilanzdefizit schneller steigt.

    Die Importe von Maschinen und Ausrüstungen erholten sich von Juni bis Oktober relativ schnell und mussten erst im November 2020 wieder einen kleinen Dämpfer hinnehmen. Noch scheint die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern ihrem Niveau aus den Vorjahren hinterherzulaufen. Die Unsicherheit des Pandemieverlaufs lässt kanadischen Unternehmen weiter vorsichtig investieren und es ist davon auszugehen, dass die gedämpfte Nachfrage nach Ausrüstungsgütern auch im ersten Quartal 2021 anhalten wird.

    Für den kanadischen Außenhandel 2020 bedeutet die Coronaepidemie insgesamt einen herben Einschnitt. Die Handelsvolumen von Ex- und Importen im 2. Quartal 2020 sanken auf das niedrigste Niveau seit zehn Jahren. Und auch wenn das 3. und 4. Quartal im Zeichen des Aufschwungs standen, erwarten die meisten Ökonomen einen Rückgang der Importe um 12 Prozent und Exporte um 10 Prozent für 2020.

    Seit dem 1. Juli 2020 ist der Nafta-Nachfolger CUSMA in Kraft. So bezeichnet man in Kanada das in Deutschland als USMCA bekannte Abkommen. Ein großes Ziel des Freihandelsabkommens ist es, Anreize für die Automobilproduktion in Nordamerika zu schaffen. Das auf 16 Jahre befristete Abkommen soll mit seinen Regeln auch den Investitionsstandort Kanada langfristig stärken.

    Grenzübergänge offen für Güterverkehr

    Ein- und Ausfuhrbeschränkungen im Warenverkehr haben sich durch die Corona Pandemie grundsätzlich nicht geändert. Kanada ist bestrebt, den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr über seine Grenzen aufrecht zu erhalten.

    Die Grenzübergänge in die USA sind geöffnet. Allerdings beschränken die Provinzen für einige Grenzposten die Betriebszeiten aufgrund der Coronakrise.

    Die kanadische Regierung hat unter dem Quarantäne-Gesetz für alle Personen die nach Kanada einreisen Beschränkungen angeordnet. Ausgenommen davon sind Personen, die für die Beförderung von Gütern sowie für essentielle Dienstleistungen notwendig sind. Alle Transportwege über Land, Schiene, Luft und Wasser sind weiterhin offen, um nationale und internationale Lieferketten in Takt zu halten.

    Für zusätzliche Informationen zu aktuellen Zollbestimmungen dienen die Customs Notices und die allgemeinen Informationen zum Grenzverkehr für Gewerbetreibende der Canadian Border Services Agency. 

    Welche Änderungen Sie beim Warenimport und -Export beachten sollten, lesen Sie in unserer Berichterstattung zu Kanada.

    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Kanadas Grenzen für den Güterverkehr sind offen. Neue Lieferkettenengpässe drohen durch Lockdown-Beschränkungen in der zweiten Welle. (Stand: 15. Januar 2021)

    Lieferketten einiger Unternehmen gestört – Nachfragerückgang die größere Sorge

    Politik bemüht, Lieferketten zu schützen

    Kanada hält seine Grenzen in der Coronakrise für den internationalen Güterverkehr offen. Es gäbe keine Regelungen, um gewerbliche Lieferungen einzuschränken, sagt die kanadische Grenzbehörde CBSA (Canadian Border Services Agency). Unternehmen, die Produkte per Post importieren, müssen mit Verzögerungen rechnen, da durch die Pandemie das Volumen an Sendungen enorm gestiegen ist. Die drei kanadischen Postzentren für internationale Sendungen benötigen aktuell längere Bearbeitungszeiten. 

    Kanada beschloss früh zusammen mit seinen Handelspartnern (darunter Deutschland), Transportwege offen zu halten und internationale Lieferketten zu stützen. Dies gilt umso mehr für essentielle Waren wie medizinische Güter und Nahrungsmittel. Während der Reiseverkehr über Kanadas Grenzen fast zum Erliegen kam, bleibt der gewerbliche Grenzverkehr in der Pandemie relativ stabil.

    Kanada hat bis auf Weiteres alle Zölle und Steuern auf Importe für seine öffentlichen Gesundheitseinrichtungen abgeschafft. Dazu wurden einzelne Einfuhrvorschriften für bestimmte Güter gelockert, unter anderem für Desinfektionsmittel und Schutzkleidung. Krankenhäuser und Testlabore sollen dadurch Waren schneller und günstiger beziehen können.

    Kanadas Importstruktur für Vorprodukte ist relativ einseitig

    Die meisten kanadischen Importe an Zwischenerzeugnissen stammen aus den USA - knapp 53 Prozent nach Daten der Weltbank. Störungen in den Lieferketten der US-amerikanischen Industrie haben Ausstrahlungseffekte auf die kanadische Versorgung mit Vorprodukten. Im Rahmen der Covid-19-Bekämpfung schränken die beiden Länder den Grenzverkehr aktuell weiter ein. Doch sind die Versorgungsketten von den Maßnahmen nicht betroffen.

    China ist mit etwa 7 Prozent Kanadas zweitwichtigster Zulieferer für Vorprodukte. Die meisten chinesischen Exporte nach Kanada sind aber Fertigprodukte, wodurch die kanadische Produktion nicht beeinflusst wird.

    Brasilien, Deutschland, Mexiko auf den Plätzen drei, vier und fünf machen zusammen etwa 10 Prozent der kanadischen Importe für Vorprodukte aus.

    Umsatzeinbrüche kein Resultat gestörter Lieferketten

    Grundsätzlich brach die Produktion in Kanada nicht aufgrund von gestörten Lieferketten ein, sondern als Reaktion auf den Shutdown großer Teile der Wirtschaft und den globalen Nachfrageschock. Doch können Maßnahmen zur Bekämpfung der zweiten Coronawelle, sowohl in Kanada als auch in den USA unter der neuen Regierung, die lokalen und internationalen Lieferketten belasten. So warnen Industrievertreter vor den Auswirkungen der neu verhängten Lockdowns und einer Rückkehr zu der Situation vom April 2020. Damals mussten auch viele nicht-essentielle Industriebetriebe schließen. 

    Aktuell haben Firmen aus den güterproduzierenden Sektoren aber eher Bedenken, dass die Erholung der Nachfrage im letzten Quartal 2020 aufgrund von vorher zurückgefahrenen Produktionskapazitäten zu Lieferengpässen führen kann. Eine Umfrage der Bank of Canada legte zudem offen, dass viele kanadische Firmen in der Pandemie länger auf aus den USA oder Asien bezogenes Produktionsmaterial warten müssen. Zudem gehen die Unternehmen davon aus, dass Input- und Output-Preise im laufenden Jahr aufgrund höherer Lieferkettenkosten (vor allem Fracht und Versand) schneller steigen werden.

    Einzelne Provinzen, wie Quebec, verhängten Anfang Januar 2021 härtere Lockdowns und schreiben ihrem verarbeitendem Gewerbe und der Bauwirtschaft vor, die Aktivitäten auf das zur Erfüllung bestehender Verpflichtungen notwendige Minimum zu reduzieren. Dies kann die lokalen Lieferketten stören. Zum Beispiel weist der Präsident des kanadischen Automobilzuliefererverbands APMA, darauf hin, dass in Quebec etwa 10 Prozent der kanadischen Kfz-Lieferkette ansässig ist. Jede Störung der Just-in-time-Produktion könne die Quebecer Lieferkette auch langfristig beeinflussen.

    Druck für digitale und regionale Beschaffungsnetzwerke wird weiter zunehmen

    Viele kanadische Unternehmen werden versuchen, sich besser auf globale Schocks wie Covid-19 vorzubereiten. Dazu gehört auch, Lieferketten und deren Management zu prüfen. In den vergangenen Jahrzehnten lag der Fokus auf Lieferkettenoptimierung. Dies minimierte Kosten und Lagerhaltung und maximierte die Ressourcenauslastung. Damit verloren ging Flexibilität um externe Schocks auszugleichen. Neue digitale Technologien, die das Management komplexer Beschaffungsprozesse vereinfachen und somit Störungen kleinteiliger Lieferketten schneller sichtbar machen, könnten die nötige Flexibilität bieten.

    Der Ausbau von digitalen Liefernetzwerken zur Abfederung von Schocks benötigt eine weitgehende Digitalisierung in den Unternehmen – hier hat Kanada viel aufzuholen. Dazu sind der Ausbau eines 5G Netzes und die Vernetzung von intelligenten Produkten mit digitalen Liefernetzwerken entscheidend. Eine massive Datensammlung entlang der Lieferketten und dahinter geschaltete Echtzeitanalysen wären notwendig, um Schocks frühzeitig zu erkennen und idealerweise automatisch durch intelligente Netzwerke zu reagieren.

    Vom Staat in der Krise gestützte Unternehmen dürften zukünftig stärker auf Resilienz bauen. Einige Firmen werden vorsichtiger globalisieren. Für Lieferketten könnte diese neue Ausrichtung weniger Komplexität, weniger Just-in-time-Produktion und minimale Lagerhaltung bedeuten; stattdessen mehr lokale Versorgung (so möglich). Dazu passen Stimmen aus den Provinzen, bei essentiellen Gütern zur medizinischen Versorgung wieder autarker zu werden.

    Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat eine „Kontaktstelle zur Sicherstellung von Lieferketten“ eingerichtet. Ziel ist, dass die Herstellung und Lieferung benötigter Zuliefererprodukte, wo möglich, wieder reibungslos funktioniert.

    Unternehmen können sich bei Problemen im Zusammenhang mit internationalen Lieferketten an die Emailadresse kontaktstelle-lieferketten@bmwi.bund.de wenden.



    Investitionsumfeld Kanada

    Informationen zum Wirtschaftsstandort und zu den allgemeinen Rahmenbedingungen in Kanada bieten unter anderem die folgenden GTAI-Publikationen:


    Von Daniel Lenkeit | Toronto

  • Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren kanadischen Geschäftspartnern, zunehmend aber auch für drohende Insolvenzen. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wo können Insolvenzforderungen angemeldet werden und innerhalb welcher Frist?

    Was regelt der Vertrag?

    Spätestens wenn Probleme entstehen, ist es sehr wichtig, zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).

    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: Die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit, zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.

    Was gibt es generell bei der Berufung auf "höhere Gewalt" zu beachten? 

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: Zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens, wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Was tun bei Insolvenz des ausländischen Geschäftspartners?

    Es wird zunehmend zur traurigen Gewissheit, dass es in Folge der durch die Covid-19-Pandemie ausgelösten Rezession zu einer weltweiten Pleitewelle kommen wird. Doch wie erfahren Sie, ob Ihr Geschäftspartner zahlungsunfähig ist?  Welche Auswirkungen hat die Insolvenz auf den Vertrag? Wo und innerhalb welcher Frist können Forderungen angemeldet werden? Fragen, auf die wir im nachstehenden Länderbericht Antworten geben.

    Nationales Recht: Covid-19 als "höhere Gewalt"/Insolvenzrecht 

    Nichterfüllung von Verträgen nach kanadischem Recht

    Insolvenzen nach kanadischem Recht

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