RF_Getty_696665994_RZ_1340x754 RF_Getty_696665994_RZ_1340x754 | © Getty Images/voyata

Special Taiwan Coronavirus

Taiwans Wirtschaft hält sich wacker

Taiwan hat die Coronakrise bisher gut im Griff. Doch die wirtschaftlichen Folgen sind spürbar. Das Bruttoinlandsprodukt gibt nach, einige Branchen leiden.


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Trotz guten Krisenmanagements kann sich Taiwans Wirtschaft den Coronaeffekten nicht entziehen. Die BIP-Prognosen werden revidiert, eine Rezession ist bislang aber nicht in Sicht. (Stand: 22. Juli 2020)

    Taiwan hat die Coronakrise medizinisch bisher sehr gut im Griff. Das Land  gilt als Vorbild bei der Eindämmung der Ansteckungen. Die Zahl der täglichen Binnenansteckungen liegt seit Wochen bei Null.

    Restriktionen werden gelockert

    Dies ist nicht zuletzt auf die dezidierten Maßnahmen der Regierung zurückzuführen. Dazu zählen vor allem Einreisesperren, scharfe Quarantänebestimmungen und -überwachung.  Mittlerweile werden die Maßnahmen im Land selbst sukzessive gelockert, so dass Messen und Veranstaltungen zum Teil wieder stattfinden können. 

    Taiwan wird in internationalen Medien für seine vorbildliche Bekämpfung des Virus gelobt. Das Land hat einen enormen Imagegewinn durch sein Krisenmanagement erfahren. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass die Regierung auch weiterhin alles tun wird, um diesen Benchmark-Status nicht zu verlieren.

    Wachstumsprognosen werden nach unten revidiert

    Dennoch kann sich die Wirtschaft Taiwans nicht gänzlich von der globalen Negativentwicklung loslösen. Nachdem die offizielle Prognose für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2020 im Frühjahr von 2,7 auf 1,7 Prozent heruntergeschraubt wurde, zogen private Finanzinstitute nach. Die Vorhersagen waren dabei noch pessimistischer und reichten bis hin zu einer Stagnation. Eine Rezession wird bisher nur von wenigen Experten prognostiziert.

    Voraussichtlich wird sich das Wachstum 2020 in einem Korridor zwischen 0 Prozent und den offiziell angestrebten 1,7 Prozent bewegen. Viel wird von der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft abhängen, die mehr als 40 Prozent der taiwanischen Exporte abnimmt. 

    Leichte Rückgänge des privaten Konsums

    Im Binnenmarkt litten zu Beginn der Krise vorwiegend Hotels, Restaurants und der Einzelhandel. Die Belegung in den Herbergen rangierte in einigen Fällen bei weniger als 30 Prozent der Kapazitäten. Die großen Shopping-Malls in Taipei waren von Februar bis April nur schwach frequentiert, der Einzelhandel verzeichnete temporär starke Einbußen.

    Dennoch hielten sich die Rückgänge von privatem Verbrauch und Einzelhandel im 1. Quartal mit einem Minus von jeweils rund 1 Prozent in Grenzen. Im Gesamtjahr 2020 soll der private Konsum nur marginal um 0,2 Prozent zurückgehen. Mittlerweile hat sich die Lage auch wieder einigermaßen stabilisiert. Angesichts der niedrigen Ansteckungsraten füllen sich die Gaststätten und Einkaufszentren seit Juni wieder deutlich. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind jedoch mittlerweile spürbar. Die Arbeitslosenrate stieg vier Monate in Folge und erreichte im Mai mit 4 Prozent den höchsten Stand seit 2013.

    Exporte von Elektronik und Informationstechnik steigen zweistellig

    Die anfänglich befürchteten und auch zum Teil eingetretenen Unterbrechungen der Lieferketten aus China konnten mittlerweile größtenteils wieder gekittet werden. Allerdings treibt auch die Situation in Europa und den USA den taiwanischen Unternehmern Sorgenfalten auf die Stirn angesichts der befürchteten Nachfragerückgänge aus diesen wichtigen Abnehmermärkten.

    Der Außenhandel entwickelt sich dennoch stabil. Während weltweit die Exporte wegbrechen, konnte Taiwan im 1. Halbjahr 2020 ein leichtes Plus bei den Ausfuhren verzeichnen. Dies war in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Exporte von Informations- und Kommunikationstechnologie um 10 Prozent und die von Elektronikkomponenten sogar um 20 Prozent im Vergleich mit der Vorjahresperiode zulegen konnten. Im Zuge der Coronakrise wurden weltweit Produkte wie Kameras, Laptops oder Thermometer stark nachgefragt, die Taiwan in seinem Produktporftolio führt. Als positives Zeichen ist auch zu werten, dass die Exportaufträge im Juni wieder um fast 7 Prozent im Vergleich zum selben Vorjahresmonat anziehen konnten.

    Deutsche Firmen ebenfalls betroffen

    Die Coronakrise beschäftigt auch die deutschen Firmen in Taiwan. Das Deutsche Wirtschaftsbüro Taipei (German Trade Office Taipei beziehungsweise AHK Taiwan) hat in der ersten Märzwoche eine Umfrage durchgeführt, um den Einfluss der Pandemie auf die geschäftlichen Aktivitäten in Taiwan zu untersuchen. Mehr als 80 Prozent der deutschen Unternehmen spüren bereits die Folgen, davon 28 Prozent sogar stark. Als Hauptproblem wurde die rückläufige Nachfrage nach Produkten oder Dienstleistungen identifiziert.

    In einer weiteren im Juni durchgeführten Umfrage geht über die Hälfte der Firmen von Umsatzeinbußen im laufenden Jahr aus, 10 Prozent rechnen sogar mit Einbrüchen zwischen 25 und 50 Prozent. Als größte negative Einflussfaktoren wurden Reiserestriktionen von mehr als 90 Prozent der Firmen genannt, gefolgt von Nachfragerückgängen (48 Prozent), Störungen in den Lieferketten (33 Prozent) sowie die Absage von Veranstaltungen und Messen (29 Prozent). Von einer Erholung im laufenden Jahr gehen nur 24 Prozent der deutschen Unternehmen aus, 57 Prozent rechnen damit im kommenden Jahr 2021. Knapp 20 Prozent befürchten sogar, dass die taiwanische Wirtschaft erst nach 2021 wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben wird.

    Äußerst positiv wird das Krisenmanagement von Regierung und zuständigen Behörden beurteilt: 87 Prozent der deutschen Firmen waren schon im März damit zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Aktuelle Informationen und Unterstützung vor Ort bietet die AHK Taiwan.  

    Von Alexander Hirschle | Taipei

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Taiwan hat früh Einreisebeschränkungen für betroffene Länder eingeführt und diese verschärft. Im Land selbst gibt es eine relativ große Bewegungsfreiheit. (Stand: 19. Januar 2021)

    Taiwan hat bisher einen äußerst erfolgreichen Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus geführt. Die Verantwortlichen in Taipei heimsten für ihre umsichtige Handhabung der Krise international erhebliches Lob ein. Die tägliche Zahl der Binneninfektionen lag zwischen April und Dezember 2020 seit Monaten fast durchgehend bei "Null". Erst kurz vor Weihnachten musste wieder die erste lokale Ansteckung seit langem registriert werden.

    Angesichts dessen und der Entwicklungen in Europa und den USA ist die Sorge vor einer "zweiten Welle" groß, nachdem die erste aus der nahe gelegenen Volksrepublik China abgewehrt werden konnte. Beobachter gehen daher davon aus, dass noch weit ins Jahr 2021 mit Einreisebeschränkungen zu rechnen ist.

    Hohe Geldbußen bei Missachtung der Quarantäneregeln

    Die Regierung beschloss Mitte März 2020 eine Einreisesperre für alle Ausländer mit Ausnahme von Personen mit Aufenthaltsgenehmigung (Alien Resident Permit), Diplomaten und wenigen weiteren Sonderfällen ("Personen, die beweisen können, dass sie geschäftliche oder vertragliche Pflichten erfüllen").  Die Einreise per Flugzeug ist derzeit an den drei Flughäfen Taoyuan International Airport (Taipei), Songshan Airport (Taipei) und Kaoshiung Airport möglich. Allerdings ist der Flugverkehr stark eingeschränkt. 

    Messen und Veranstaltungen größtenteils verschoben

    Anfang April wurde den zwei Wochen Quarantäne für Einreisende noch eine siebentägige Periode mit Self-Health-Management angefügt. Dies bedeutet, dass man unter anderem die Verweildauer im öffentlichen Raum auf ein Minimum reduzieren soll, dort eine Maske tragen und zweimal pro Tag Fieber messen muss. Bei Nichtbeachtung der Quarantänevorschriften drohen drastische Geldbußen von bis zu 33.600 US-Dollar.

    Die Schulen und Universitäten blieben nach Chinese New Year 2020 zunächst für einige Wochen geschlossen, sind mittlerweile aber wieder in Betrieb. Messen und Großveranstaltungen wurden im 1. Halbjahr 2020 größtenteils nicht durchgeführt. Im Herbst 2020 wurden Messen aber wieder gestartet, ebenso wie geschäftliche Veranstaltungen und Konferenzen. Auch für 2021 sind zahlreiche Präsenzveranstaltungen geplant.

    Alltagsleben noch relativ normal

    Restaurants, Bars und Hotels waren ebenso wie der Einzelhandel immer in Betrieb - wurden jedoch im Frühjahr 2020 temporär deutlich weniger frequentiert; dafür wurden Lieferdienste stärker genutzt. Seit Juni ist jedoch wieder ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen mit steigenden Besucher- und Gästezahlen, ebenso wie in den öffentlichen Verkehrsmitteln. In vielen Bereichen gilt noch Maskenpflicht. In den meisten Geschäftsgebäuden stehen Desinfektionsmittel und Fiebermessgeräte bereit.

    Im Spätherbst 2020 stiegen die Sorgen bei den Verantwortlichen in Taipei, dass die zweite Coronawelle in Europa und den USA zu verstärkten Reisebewegungen nach Taiwan führen könnte - auch mit Blick auf die anstehenden Weihnachts- und Winterferien. Die Regierung zog die Regularien in Bezug auf die Corona-Bekämpfung daher im Rahmen des "Autumn and Winter Epidemic Prevention Project" für den Zeitraum vom 1. Dezember 2020 bis 28. Februar 2021 wieder an. So müssen in Taiwan ankommende Reisende bei ihrer Ankunft einen höchstens drei Tage alten negativen Covid-19-Test vorweisen. Darüber hinaus wurde im Inland eine Maskenpflicht für acht Bereiche ausgerufen, wie unter anderem in öffentlichen Verkehrsmitteln, Bildungseinrichtungen, Messen und Ausstellungen sowie für Unterhaltungs- und Freizeitveranstaltungen.

    Ende 2020 verschärfte die taiwanische Regierung angesichts der ersten aufgetretenen Binneninfektion seit 250 Tagen und der neu aufgetretenen Coronavirus-Variante die Quarantänevorschriften wie auch die Einreisebestimmungen weiter. Transitreisen sind vorerst ebenfalls nicht mehr möglich.

    Aktuelle Informationen zu Einreisebeschränkungen




    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen in Taiwan
    • Zu den aktuellen Maßnahmen informiert das taiwanische Krisenzentrum CDC auf Englisch
    • Die AHK hat eine Sonderseite eingerichtet




    Von Alexander Hirschle | Taipei

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Taiwan hat die Coronakrise bisher gut in den Griff bekommen. Die Regierung hatte die Wirtschaft mit einem umfassenden Hilfspaket unterstützt. (Stand: 23. November 2020)

    Die taiwanische Wirtschaft leidet teilweise auch unter den Auswirkungen der Coronakrise. Trotz sehr geringer Infektionszahlen kann sich die Insel nicht gänzlich von den internationalen Entwicklungen abkoppeln. Tourismus und Einzelhandel vermeldeten temporär Umsatzeinbußen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll offiziellen Schätzungen zufolge leicht zurückgehen, aber dennoch weiter im grünen Bereich bleiben. 

    Hilfspaket fällt deutlich größer aus

    Die Regierung hatte zur Unterstützung der Konjunktur ihre ursprünglichen Hilfsmaßnahmen Anfang April deutlich nachgebessert. Zunächst waren im Rahmen eines Konjunkturpakets Hilfsgelder von rund 2 Milliarden US-Dollar (US$) geplant, um die Folgen der Krise für lokale Firmen abzufedern. Darüber hinaus sollten 1,3 Milliarden US$ aus laufenden Budgetmitteln zugeschossen werden.

    Mittlerweile jedoch wurde das Gesamtpaket auf satte 35 Milliarden US$ aufgestockt. Die Summe entspricht mehr als 5 Prozent des taiwanischen BIP. Übergeordnetes Ziel der Maßnahmen ist der offiziellen Lesart zufolge, die Liquidität der Unternehmen zu gewährleisten, die Arbeitslosenrate niedrig und den Transportsektor des Landes am Laufen zu halten. Mit 23 Milliarden US$ wird der Löwenanteil des Pakets Kredithilfen umfassen, die von der Zentralbank und von staatlichen Finanzinstituten bereitgestellt werden.

    Zentralbank setzt Leitzins auf Rekordtief

    Auch hat die Zentralbank im Zuge der verschärften Krise Ende März 2020 den Leitzins um 0,25 Basispunkte auf 1,125 Prozent gesenkt - die erste Reduzierung seit mehr als drei Jahren. Damit unterschritt der Zinssatz sogar den Tiefststand, den er zuletzt während der Finanzkrise 2008 erreicht hatte. Die obersten Währungshüter betonten dabei, dass diese Maßnahme nicht zwingend die Konjunktur ankurbeln soll. In erster Linie seien sie zu der Entscheidung gelangt, um die finanziellen Belastungen für Firmen und Haushalte geringer zu halten. In der nächsten Sitzung Mitte Juni beließ die Zentralbank den Leitzins dann auch auf dem bisherigen Niveau. Dies wurde damit begründet, dass die bisherigen Maßnahmen ihre Ziele erreicht hätten und es nicht zu einem starken Konjunkturabschwung oder Kreditengpass in der taiwanischen Wirtschaft gekommen sei. 

    Schwerpunkt der Maßnahmen liegt auf Tourismus

    Wenig überraschend fokussieren sich Kernelemente des Hilfspakets auf die besonders stark betroffenen Branchen wie Tourismus, Luftfahrt, Einzelhandel und Gastronomie. Diese tragen bisher die Hauptlast der Coronaauswirkungen in Taiwan und mussten in den vergangenen Monaten Umsatzeinbrüche von bis zu 50 Prozent verbuchen.

    Zur Ankurbelung des Konsums werden seit Juli Einkaufsgutscheine für Taiwaner und Ehepartner von taiwanischen Staatsangehörigen im Nettowert von knapp 60 US$ pro Person verteilt. Im November wurde diese Maßnahme auch auf Ausländer mit langfristiger Aufenthaltsgenehmigung sowie auf Diplomaten und offizielle Vertreter ausgeweitet. Etwa 10 Millionen US$ werden für Einzelhändler und Restaurants zur Optimierung ihrer digitalen Aktivitäten bereitgestellt. Zahlreiche Firmen waren aufgrund ausbleibender Gäste darauf angewiesen, ihre Geschäfte auf Online-Vertrieb umzustellen, ohne jedoch die nötige Erfahrung in diesem Segment aufzuweisen.

    Reiseagenturen, Hotels und Freizeitparks können Presseangaben zufolge Hilfskredite beantragen, deren maximale Höhe vom Umfang ihrer geschäftlichen Aktivitäten definiert wird. Fluggesellschaften werden jeweils bis zu 1,6 Milliarden US$ an Kreditvolumen erhalten können, auch Zinszahlungen sollen subventioniert werden.

    Zuschüsse zu Gehaltszahlungen bei Umsatzeinbrüchen

    Einzel- und Großhändler, Restaurants sowie Lagerhäuser können unter bestimmten Bedingungen neben anderen Geschäften Subventionen für Lohnzahlungen von monatlich bis zu 660 US$ pro Beschäftigtem beantragen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, einen Erlass von 30 Prozent auf die Stromrechnungen zu erhalten.

    Im Hilfspaket der Regierung sind übergreifend etwa 280 Millionen US$ Lohnsubventionen aus dem Budget des Ministry of Transportation and Communications für den Tourismus- und Logistiksektor vorgesehen sowie 1,3 Milliarden US$ für das produzierende Gewerbe und weitere Dienstleistungsbranchen, die über das Ministry of Economic Affairs laufen sollen.

    Das Gesundheitsministerium will wiederum rund 420 Millionen US$ bereitstellen - unter anderem um Menschen, die unter Quarantäne gestellt worden sind, zu unterstützen und medizinische Materialien bereitzustellen. In Landwirtschaft und Fischerei werden fast 300 Millionen US$ zur Verfügung gestellt, um die Folgen für die Betriebe des Sektors abzufedern. Gewährt werden die Mittel größtenteils in Form von weichen Krediten, aber auch über Subventionen für Luftfracht- und Verschiffungskosten.

    Im November erklärte das Wirtschaftsministerium, dass die Nachfrage von Seiten der verarbeitenden Industrie nach Regierungsunterstützung im 3. Quartal 2020 deutlich zurückgegangen sei. Dies habe in erster Linie an der wieder anziehenden Exporttätigkeit gelegen, so Ministerin Wang Mei-Hua in den lokalen Medien. Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich stark verbessert. Im Oktober sank die Arbeitslosenrate offiziellen Angaben zufolge den sechsten Monat in Folge auf 3,8 Prozent. Auf der anderen Seite benötigt die Konferenz- und Ausstellungsbranche nach Einschätzung des Ministeriums voraussichtlich bis März 2021 Fördergelder.

    Zukunftssektoren sollen Wachstum ankurbeln

    Übergreifend soll sich Taiwan nach den Vorstellungen der Regierung in den kommenden Jahren auf die Entwicklung von Bereichen wie 5G-Telekommunikation, Künstliche Intelligenz und Lieferkettenumstrukturierungen fokussieren. Mit Hilfe dieser Wachstumsmotoren erhofft sich der Think Tank National Development Council in seinem Mitte Juli 2020 veröffentlichten National Development Plan 2021-2024 für die kommenden Jahre ein Wachstum des BIP in einer Bandbreite von 2,6 bis 3,4 Prozent pro Jahr.

    Von Alexander Hirschle | Taipei

  • Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sind in Taiwan teilweise spürbar. Einige Sektoren litten stark, der Tiefpunkt scheint aber durchschritten. (Stand: 23. November 2020)

    Taiwan hat die Auswirkungen der Coronakrise medizinisch bisher unter Kontrolle gebracht. Wirtschaftlich konnte sich die durch den Außenhandel international stark verwobene Insel dem Abwärtsstrudel jedoch nicht gänzlich entziehen. Einige Branchen litten unter der Nachfrageschwäche, allerdings scheint die Talsohle durchschritten zu sein.

    Inlandstourismus zieht an

    Am stärksten betroffen waren zu Beginn der Krise wie in zahlreichen anderen Ländern Asiens der Tourismus, die Luftfahrt und der Einzelhandel. Der Fremdenverkehr hatte 2019 mit 12 Millionen ausländischen Gästen noch ein Rekordjahr hinlegen können. Doch im Frühjahr 2020 rangierte die Belegung in den Hotels bei nur noch rund 30 Prozent der Kapazitäten, vereinzelt mussten Schließungen angemeldet werden. Besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurden bis heute die Hotels in Taipei, die vorwiegend internationale Gäste sowie Messe- und Kongressbesucher zu ihrem Klientel zählen 

    An dieser Situation wird sich kurzfristig nur wenig ändern.  Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Taiwan seine restriktiven Einreiserichtlinien in großem Stil lockert, werden von Experten als eher gering eingeschätzt. Das Land hatte durch sein hervorragendes Krisenmanagement im Zuge der Coronabekämpfung international einen enormen Imagegewinn erfahren. Die Regierung wird alles dafür tun, diese Vorbildfunktion aufrecht zu erhalten. 

    Teilweise werden die Einnahmeausfälle kompensiert durch einen anziehenden Inlandstourismus der Taiwaner selbst, die mangels Reisemöglichkeiten in Drittländer wieder ihr eigenes Terrain erkunden. Im Juni zogen die Buchungen in den wichtigsten Touristendestinationen außerhalb der Hauptstadt schon stark an, ab Juli und mit Beginn der lokalen Sommerferien sind viele Ressorts landesweit stark frequentiert. Auch die Preise für Hotels zogen seither deutlich an. Die Branche Meetings, Incentives, Conventions and Exhibitions dürfte ebenfalls langsam wieder anziehen, da  Messen und Konferenzen seit Juli wieder abgehalten werden - allerdings mit deutlich weniger internationalen Besuchern.

    Kunden kehren zurück

    Die großen Shopping-Malls in Taipei waren in der Anfangsphase der Krise nur schwach frequentiert, der Einzelhandel verzeichnete punktuell starke Einbußen. Ab Juni konnte auch in Einkaufszentren und Department Stores eine deutliche Steigerung der Besucherzahlen registriert werden.  Ebenso dürfte der Sektor von der Ausgabe von Einkaufsgutscheinen im Rahmen des Corona-Pakets der Regierung profitieren. Der private Konsum wird im Gesamtjahr 2020 voraussichtlich leicht um rund 1 Prozent nachgeben.

    Verarbeitende Industrie erholt sich

    In der verarbeitenden Industrie bereitete den taiwanischen Firmen zunächst vor allem der hohe Exportanteil nach China Kopfzerbrechen. Doch mit dem Anlaufen der Produktion im Reich der Mitte machte sich wieder etwas Optimismus breit. Das Stimmungsbarometer der verarbeitenden Industrie legte im Mai erstmals nach vier Monaten mit Rückgängen wieder zu. Die industrielle Produktion stieg im Juni auf Jahresbasis sogar um 7,3 Prozent. Die Exporte des Landes entwickelten sich bis in den Herbst stabil. Vor allem die Ausfuhren von Elektronikkomponenten sowie Informations- und Kommunikationstechnik profitierten von der stark gestiegenen Nachfrage in diesen Bereichen und zogen zweistellig an.

    Darüber hinaus erhofft sich Taiwan, von der Neuausrichtung internationaler Lieferketten als Alternativstandort für Investitionen zu profitieren. Dieser Trend hatte sich bereits im Zuge des Handelskonflikts angedeutet. Allein 2019 wurden Investitionen in Höhe von 23 Milliarden US-Dollar (US$) von rückkehrenden taiwanischen Firmen aus China angekündigt. Von diesem Trend, der sich 2020 in abgeschwächter Form fortsetzte, könnten künftig auch deutsche Anbieter von Maschinen und Ausrüstungen profitieren.

    Produktion von Schutzmasken wird ausgebaut

    Auch andere Sektoren haben sich in der Krise positiv entwickelt. So zogen die Umsätze bei Online-Bestellungen und Lieferdiensten an, zum Teil um ein Mehrfaches im Vergleich zum Vorjahr. Auch einige Elektroscooter-Modelle hatten temporär einen deutlichen Nachfrageschub erfahren, wie auch die Kfz-Verkäufe. Die Importe von Pkw stiegen im 1. Halbjahr 2020 um 3 Prozent im Vergleich mit der Vorjahresperiode. Die Bewohner der Insel setzen verstärkt auf Individualverkehr, um sich nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln drängeln zu müssen. Ebenso freuten sich die Produzenten von multifunktionalen Fitnessgeräten über einen steigenden Bedarf, da Fitnessstudios in Zeiten von Corona zunehmend gemieden werden.

    Die Produktion von medizinischen Ausrüstungen wie Schutzmasken wird weiter nach oben geschraubt. Neuesten Informationen zufolge wurden die Kapazitäten seit Ausbruch der Coronakrise innerhalb kürzester Zeit von 4 Millionen auf mehr als 20 Millionen Stück pro Tag erhöht - nach Auskunft des Wirtschaftsministeriums mit Hilfe von Maschinen aus Deutschland.

    Offiziellen Stimmen zufolge will Taiwan die Zeit der Krise auch nutzen, um sich noch stärker in Feldern wie Künstliche Intelligenz oder beim neuen Mobilfunkstandard 5G aufzustellen. Die zweistufige Versteigerung der entsprechenden Lizenzen konnte im Frühjahr 2020 trotz der Coronaverwerfungen erfolgreich abgeschlossen werden. In den kommenden fünf Jahren werden 3 Milliarden US$ an Investitionen in diesem Bereich erwartet.

    Von Alexander Hirschle | Taipei

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    In Taiwan sind die Grenzen für den Warenverkehr größtenteils offen. Im- und Exporte entwickeln sich noch stabil. Jedoch landen weniger Flüge auf der Insel und die Frachttarife sind gestiegen. (Stand: 25. Juli 2020)

    Taiwan hat die Coronakrise medizinisch sehr gut im Griff. Der Alltag im Land geht mit gewissen Einschränkungen weiter seinen Gang und nimmt sogar an Intensität zu. Auch die Logistik läuft größtenteils ohne Restriktionen weiter, allerdings mit geringerer Dynamik. Häfen und Flughäfen bleiben geöffnet. Jedoch haben die Luftfahrtgesellschaften zahlreiche Flüge gestrichen, auch nach Deutschland gibt es derzeit keine Direktverbindung mehr.

    Darunter leiden die Volumina für Fracht, weil die in den Passagiermaschinen befindlichen Kapazitäten weggefallen sind. Mittelbare Einschränkungen werden aufgrund von offenen Fragen bei den Quarantänebestimmungen für Flugzeugbesatzungen befürchtet.

    Starke Erhöhungen der Frachttarife

    In den Häfen ist nach Einschätzung von Experten mit Verzögerungen zu rechnen, da ein Mangel an Containern herrscht. Darüber hinaus berichten Firmenvertreter von deutlich gestiegenen Preisen bei der Seefracht. Aufgrund einer Erhöhung der Containertarife um ein Mehrfaches im Vergleich zum üblichen Niveau, werden Orders aus dem Ausland teilweise zurückgestellt - wenn die Preisdifferenz nicht an die Kunden weitergeben werden kann.

    Der reguläre Postverkehr mit stark vom Coronavirus betroffenen Ländern wurde temporär eingestellt. Mittlerweile ist der Postweg nach Deutschland jedoch wieder offen. Bei der Logistik im Inland gibt es bislang kaum Restriktionen.

    Produktion von Masken vervielfacht

    Der Außenhandel blieb größtenteils frei von Restriktionen. Exportverbote wurden nur teilweise für Erzeugnisse des medizinischen Bedarfs verhängt. Da die Nutzung von chirurgischen Masken schon von Anfang an als wichtiger Faktor zur Begrenzung der Virusausbreitung eingestuft wurde, erließ die Regierung bereits am 24. Januar 2020 ein entsprechendes Exportverbot, das Mitte April bis in den Juni hinein verlängert wurde. Mittlerweile ist die Ausfuhr von Schutzmasken jedoch unter bestimmten Bedingungen wieder freigegeben.

    Dies war auch darauf zurückzuführen, dass Taiwan innerhalb kürzester Zeit die tägliche Maskenproduktion von 3 Millionen auf mittlerweile mehr als 15 Millionen Stück massiv erhöht hatte - unter anderem mit Hilfe von Ausrüstung aus Deutschland. Taiwan ist damit der zweitgrößte Hersteller von Schutzmasken rund um den Globus. 

    Das gestiegene Selbstbewusstsein der Insel spiegelte sich auch in den Spenden von Masken wider. Taiwan verschiffte im April 10 Millionen Stück in verschiedene Länder rund um den Globus, etwa 6 Millionen Stück davon allein nach Europa. Weitere Spendenaktionen folgten im Rahmen der sogenannten "Maskendiplomatie". Die Anfragen von Firmen - auch aus Deutschland - bezüglich Lieferungen von Masken und medizinischen Artikeln häufen sich mittlerweile. Das Deutsche Wirtschaftsbüro Taipei (AHK Taiwan) hat deshalb ein Online-Verzeichnis entsprechender taiwanischer Anbieter angelegt.

    Außenhandel noch stabil

    Der taiwanische Außenhandel zeigte sich im 1. Quartal 2020 noch relativ stabil im Angesicht der Coronakrise. Die Exporte legten zumindest noch leicht um 0,5 Prozent im Vergleich mit der Vorjahresperiode zu, die Importe sanken marginal um 0,4 Prozent. Selbst die Ausfuhren nach China  (inklusive Hongkong, SVR) stiegen um fast 10 Prozent, die Lieferungen in die USA um knapp 5 Prozent. Hingegen mussten die Exporte nach Südkorea mit fast -17 Prozent, Italien (-23,1 Prozent), Vietnam (-13,2 Prozent) und Deutschland (-11,9 Prozent) stark Federn lassen.

    Bei der Ausfuhrentwicklung nach Warengruppen fällt auf, dass nahezu alle in den ersten drei Monaten 2020 relativ heftige Einbußen hinnehmen mussten. Das Ergebnis konnte aber gerettet werden durch eine starke Entwicklung der Exporte von Elektronikkomponenten sowie Informations- und Kommunikationstechnik (IuK), die um rund 20 beziehungsweise 10 Prozent zulegten. Diese beiden Warengruppen machen den Löwenanteil der taiwanischen Ausfuhren aus - mit fast der der Hälfte der wertmäßigen Gesamtexporte des asiatischen Landes.

    Importseitig entwickelten sich die Einfuhren aus China mit einem Plus von 1,3 Prozent im 1. Quartal noch unterdurchschnittlich. Bis Juni kam dann aber die Erholung im Reich der Mitte deutlich zum Tragen, so dass die taiwanischen Einfuhren aus China in den ersten sechs Monaten ein starkes Plus von 8,3 Prozent verbuchen konnten.

    Umgekehrt verlief die Entwicklung bei den Lieferungen aus den USA, die in den ersten drei Monaten noch um 7,2 Prozent zugelegt hatten. Bis Juni musste dann aber ein Minus von 6,8 Prozent bei den Importen von dort hingenommen werden. Die Importe aus Deutschland stiegen im 1. Halbjahr um 4,4 Prozent und lagen dabei über dem Schnitt. Die Einfuhren nach Sektoren zeigten im gleichen Zeitraum vor allem bei Medizintechnik, IuK, optischen Geräten und Präzisionsgeräten sowie Elektronikerzeugnissen nach oben.

    Von Alexander Hirschle | Taipei

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Taiwan kommt relativ gut durch die Coronakrise. Die Insel könnte mittelfristig von der Neuaufstellung der globalen Lieferketten profitieren. (Stand: 23. November 2020)

    Die taiwanische Wirtschaft hat die Coronakrise bisher gut bewältigt. Die Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts werden mittlerweile sogar wieder nach oben geschraubt. Einige Branchen mussten zwar temporär Umsatzverluste hinnehmen. Auf der anderen Seite gab es aufgrund der umsichtigen Politik der Regierung im Inland selbst nur wenige direkte Konsequenzen für die Industrie wie etwa Fabrikschließungen oder Produktionsausfälle.

    Doch eine große Sorge galt von Anfang an den Lieferketten, da Taiwan als hochgradig internationalisierte Volkswirtschaft stark in den globalen Warenaustausch involviert und von Vorprodukten aus Drittmärkten abhängig ist. So befürchteten vor allem Hersteller von Elektronik und Halbleitern, die zum Teil große Fertigungsstätten in China haben, Lieferengpässe aufgrund der weltweiten Restriktionen und vor allem der Beschränkungen im Reich der Mitte selbst. Etwa 20 Prozent der lokalen Einfuhren stammen aus der Volksrepublik.

    Branchenexperten berichteten zu Beginn der Coronakrise von erheblichen Verzögerungen bei Lieferungen von Vorprodukten aus China für die Halbleiterfertigung in Taiwan. Doch mittlerweile habe sich die Lage stabilisiert, da Fabriken im Reich der Mitte wieder langsam hochgefahren wurden. Aus diesem Grund sind seit Mitte 2020 kaum Verzögerungen zu registrieren.

    Bei den Lieferungen von Prozesstools für die Halbleiterfertigung aus Europa, den USA und Japan sind ebenfalls keine Engpässe zu vermelden. Taiwanische Hersteller hatten zu Beginn der Coronakrise umfangreiche Aufträge vor allem bei europäischen Firmen platziert, um einer etwaigen Verknappung in dem Bereich vorzubeugen. Auch Ersatzteile und Wartungsdienstleistungen für Hightechausrüstungen im Halbleiterbereich stellen nach Meinung von Branchenunternehmern keine größeren Probleme dar, da diese größtenteils vor Ort her- und bereitgestellt werden können.

    Sorgenfalten trieb den Unternehmern in Taiwan die Lage in anderen Teilen der Welt auf die Stirn. In einer Umfrage des Deutschen Wirtschaftsbüros Taipei (German Trade Office) vom Juni 2020 nannte immer noch ein Drittel der befragten Firmen den Punkt "Probleme in den Lieferketten" als eine der wichtigsten Negativfolgen der Coronakrise bisher.

    Hohe Exportabhängigkeit von China

    In die andere Richtung gehen mehr als 40 Prozent der taiwanischen Exporte nach China, ein Großteil davon sind Elektronikerzeugnisse. Angesichts der Tatsache, dass die Produktion in China wieder Fahrt aufgenommen hat, sind die Sorgen in Bezug auf die Versorgung mit Vorprodukten aus dem Reich der Mitte deutlich geringer geworden. Dafür hatte sich der Schwerpunkt der Ausfälle nun nach Südostasien, Europa und in die USA verlagert. Einige taiwanische Firmen scheinen derweil mit eigenen Großinvestitionen in den USA oder in Indien darauf bedacht, ihre künftigen Produktionsstandorte stärker zu diversifizieren und näher an den Märkten zu positionieren.

    Taiwan positioniert sich als Produktionsstandort

    Die Insel dürfte perspektivisch aber auch von der Krise profitieren. Unternehmen rund um den Erdball eruieren derzeit die Möglichkeit, Komponenten und Vorprodukte von alternativen Lieferanten zu beziehen. Taiwan kann dabei aufgrund seiner geografischen Lage sowie des hohen technologischen Standards der Produkte bei gleichzeitig relativ niedrigen Lohnkosten punkten und damit wieder stärker auf dem Radar globaler Gesellschaften auftauchen - so zumindest die Hoffnung der Regierung.

    Die Regierung will die Krise mittelfristig in eine Chance verwandeln und die Industrie modernisieren. Sie geht davon aus, dass viele internationale sowie lokale Firmen Taiwan mittelfristig als alternativen Produktionsstandort für hochwertige Technologien nutzen werden. Im Vordergrund sollen dabei Halbleiter, intelligente Maschinen, Windkraft sowie Forschung und Entwicklung stehen. Insbesondere für die Beziehungen mit Industrieländern wie Deutschland sehen offizielle Vertreter in diesem Zusammenhang sehr gute Kooperationsmöglichkeiten und den Ausbau der bilateralen Handelsbeziehungen.

    Regierung rechnet mit nächster Investitionswelle

    Das Wirtschaftsministerium geht davon aus, dass es eine zweite Welle von Reinvestitionen größtenteils taiwanischer Firmen geben wird, die ihre Lieferantenbasis diversifizieren und unabhängiger von China aufstellen wollen. Bereits 2019 hatte ein Regierungsprogramm mehr als 23 Milliarden US-Dollar (US$) an Reinvestitionen von mehr als 160 lokalen Unternehmen angezogen. Die Initiative gilt als großer Erfolg, da die ursprüngliche Zielsetzung von 8 Milliarden US$ um fast das Dreifache übertroffen wurde. Im Zuge der Coronakrise rechnet Minister Shen damit, dass neben taiwanischen nun verstärkt auch europäische und US-Gesellschaften bei der Neujustierung ihrer Lieferketten aktiv werden. Vor allem die großen IT-Giganten wie unter anderem Microsoft und Google haben in den letzten Monaten mit einem intensivierten Engagement in Taiwan für Schlagzeilen gesorgt.

    Sollten sich die Hoffnungen auf eine Zunahme der Investitionstätigkeit in Taiwan auch mittelfristig erfüllen, würde sich dies positiv auf die Absatzchancen deutscher Lieferanten von Kapitalgütern und Komponenten auswirken. Die beste Werbung für Engagements auf der Insel dürfte das hervorragende Management der Coronakrise sein, das auch in internationalen Medien ausführlich gewürdigt wurde. Angesichts der Shutdowns und zweiten Wellen in zahlreichen anderen Ländern  kann sich Taiwan als vertrauenswürdiger Partner sowie sicherer Lieferant und Investitionsstandort im globalen Kontext präsentieren.

    Von Alexander Hirschle | Taipei

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Taiwan

    Taiwan kann im Kampf gegen Corona auf ein hervorragendes Gesundheitssystem aufbauen. Firmen und Institutionen arbeiten auf vielen Ebenen an Lösungen und weiten die Produktion aus. (Stand: 23. November 2020)

    Taiwan gilt als Vorreiter bei der Eindämmung der Coronapandemie und wurde hierfür von zahlreichen internationalen Medien gelobt. Die tägliche Rate der Binneninfektionen sank Ende Mai 2020 auf null und blieb seither stabil auf diesem Niveau. Die beeindruckenden Resultate der Coronabekämpfung sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, wie etwa auf die nach der MERS-Krise 2003 aufgebauten organisatorischen Strukturen, das schnelle Umsetzen vorausschauender Maßnahmen wie Einreiserestriktionen und Quarantänevorschriften, die frühzeitige temporäre Schließung von Schulen und Universitäten sowie die detaillierte Analyse von Infektionswegen und -clustern.

    Darüber hinaus wurde die Pandemie mittels der intensiven Nutzung digitaler Technologien, des weitverbreiteten Einsatzes von Schutzmasken und Desinfektionsmitteln, Social Distancing sowie der Absage größerer Veranstaltungen in Grenzen gehalten. Als wichtiger Faktor gilt auch das hervorragende Gesundheitssystem des Landes, das zu den fortschrittlichsten weltweit zählt.

    Nahezu alle Einwohner sind über die Krankenversicherung National Health Insurance abgedeckt. Die Ärzte und das Pflegepersonal gelten als sehr gut ausgebildet. In den kommenden Jahren ist der Bau und die Modernisierung weiterer Hospitäler geplant, auch um die große Herausforderung in Form einer stark alternden Bevölkerung bewältigen zu können.

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Taiwan

    Indikator

    2018

    Bevölkerungsgröße (in Mio. Einwohnern)

    23,6

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre (in %)

    14,6

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner

    2,3

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner

    7,1

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (in US$)

    1.574

    Quelle: Ministry of Interior 2020; Ministry of Health and Welfare 2020


    Neue Schnelltests Mitte 2020 auf dem Markt

    Neben dem starken Ausbau der Produktion von Masken intensiviert Taiwan auch die Aktivitäten in anderen medizintechnischen Segmenten. So hat das renommierte Forschungsinstitut Industrial Technology Research Institute (ITRI) nach offiziellen Angaben einen Schnelltest zur Diagnose von Covid-19 entwickelt. Der Prototyp liefert Ergebnisse innerhalb einer Stunde mit einer Treffsicherheit von 90 Prozent.

    Der Test soll bei Patienten angewendet werden, die sich noch in der Inkubationsphase ohne Symptome befinden. Das National Health Research Institutes (NHRI) hat ebenfalls einen Prototyp für einen ähnlichen Test konstruiert, der jedoch bei Patienten mit Symptomen angewendet werden soll. Derweil wurden in der nordtaiwanischen Stadt Taoyuan am 1. Juli 2020 zwei Meltblown-Anlagen für Vliesgewebe in Betrieb genommen, das für die Produktion von chirurgischen Schutzmasken als Vorerzeugnis benötigt wird. Nach Angaben der Behörde Industrial Development Bureau sollen künftig zwei Tonnen des Gewebes pro Tag vom Band laufen.  

    Künstliche Intelligenz und Biotechnologie kommen zum Einsatz

    Das ITRI gab Anfang April auch bekannt, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz eine neue Technologie zur Messung der Körpertemperatur entwickelt zu haben. Die Thermal Image Body Temperature Irregularity Detection Technology beruht unter anderem auf Infrarottechnologie und Gesichtserkennung. Sie soll die kontaktlose Feststellung der Körpertemperatur mehrerer sich bewegender Personen gleichzeitig ermöglichen und gilt damit als ideal zur Überprüfung größerer Menschenmengen.

    Auch Biotechnologie soll künftig stärker zur Bekämpfung der Coronapandemie genutzt werden. So will die Regierung ihr entsprechendes Budget erhöhen, um potenzielle Impfstoffe und Medikamente zur Behandlung von Covid-19 zu entwickeln. Dabei sollen verschiedene Institutionen wie etwa das NHRI, die Akademie der Wissenschaften Academia Sinica und das Taiwan Development Center for Biotechnology eine wichtige Rolle spielen.

    Verstärkte Kooperation mit den USA

    Aber auch private Firmen werden zunehmend aktiv. So plant das Unternehmen Senhwa Biosciences Inc., gemeinsam mit der US-Behörde National Institutes of Health die Wirksamkeit eines neuen Medikaments bei der Behandlung von Coronaerkrankten zu evaluieren. In einer anderen taiwanischen Kooperation mit den USA will Hon Hai Precision Industry Co. (Foxconn) zusammen mit Medtronic PLC Beatmungsgeräte herstellen.

    Auch das Unternehmen New Kinpo Group will Kapazitäten zur Fertigung von Beatmungsgeräten in den Tochterfirmen in den USA sowie in den Philippinen und in Thailand nutzen. Insgesamt sollen künftig monatlich 2 Millionen chirurgische Masken und 1.000 Beatmungsgeräte produziert werden.

    Neues Krisenvorsorgezentrum wird aufgebaut

    Mitte April 2020 wurden von Seiten der Regierung Pläne zum Aufbau eines neuen Krisenvorsorgezentrums in Taipei veröffentlicht. Das Institut soll im Nangang District entstehen und erfordert Investitionen von rund 130 Millionen US-Dollar (US$). Mit dem Zentrum soll das Know-how bei Biopharmazeutika, Testverfahren sowie bei der Forschung und Entwicklung von Impfungen gestärkt werden. Ebenso sollen auf diese Weise Ressourcen und Managementkapazitäten zur Bekämpfung von Krankheiten noch stärker gebündelt werden.

    Im Juni gaben Regierungsvertreter in der lokalen Presse bekannt, dass die strategischen Vorräte an kritischen Gütern wie Energie, Nahrungsmittel, Schutzausrüstungen sowie medizinische Produkte und Beatmungsgeräte neu bewertet und gegebenenfalls angepasst werden sollen. Auf diese Weise will sich das Land für eine etwaige nächste Pandemie wappnen. Die Vorbereitungen sollen auch Investitionen in den Ausbau der heimischen Produktion von im Krisenfall notwendigen Erzeugnissen umfassen.

    Importe aus Deutschland ziehen zweistellig an

    Das Marktvolumen für Medizintechnik in Taiwan wächst seit Jahren im mittleren einstelligen Bereich. Das Land ist bei hochwertigen Technologien noch zu einem großen Teil auf Importe angewiesen, die rund 70 Prozent des Bedarfs abdecken. Deutschland war 2019 mit 176 Millionen US$ drittwichtigster Lieferant mit Abstand hinter den USA (599 Millionen US$) und Japan (219 Millionen US$), aber nur noch knapp vor China mit 171 Millionen US$. Bis September 2020 stiegen die Brancheneinfuhren aus Deutschland stark um fast 15 Prozent, während die gesamten taiwanischen Importe von Medizintechnik um rund 8 Prozent zulegten.

    Von Alexander Hirschle | Taipei

  • Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße auch für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren taiwanischen Geschäftspartnern. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wann ist eine Berufung auf „höhere Gewalt“ möglich?


    Was regelt der Vertrag?

    Spätestens wenn Probleme entstehen, ist es sehr wichtig, zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).


    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit, zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.


    Was gibt es generell zu beachten?

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens, wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Nationales Recht: Nichterfüllung von Verträgen nach taiwanischem Recht

    Ein Länderbericht „Coronavirus und Verträge“ liegt zurzeit nicht vor. Bei Fragen zum Thema kontaktieren Sie bitte die in der Marginalspalte angegebene Ansprechpartnerin.

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