RF_Getty_579470138_RZ_1340x754 RF_Getty_579470138_RZ_1340x754 | © Saigon Skyline von Geschäfts-und Verwaltungsbezirk von Saigon |© Getty Images/Phung Huynh Vu Qui

Special | Vietnam | Coronavirus

Vietnam hat Coronapandemie gut gemeistert

Im Land herrscht fast wieder normaler Alltag. Die Grenzen bleiben aber geschlossen. Die Wirtschaft wächst stärker als in den meisten anderen Ländern der Region.



  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Vietnam hat das Coronavirus unter Kontrolle. Davon profitiert auch die Wirtschaft, die deutlich zulegt. (Stand: 18. Januar 2020)

    Seit September 2020 sind in Vietnam lediglich ganz vereinzelte und umgehend isolierte lokale Infektionen bekannt geworden. Einzelne Fälle finden sich zudem bei offiziell aus dem Ausland einreisenden Personen. Diese allerdings müssen ohnehin direkt nach der Einreise eine zweiwöchige Quarantäne absolvieren. 

    Vietnamesische Forscher arbeiten an eigenen Impfstoffen

    Während in Europa, den USA und auch in einigen asiatischen Ländern mit Corona-Impfungen begonnen wurde, sind in Vietnam noch keine Impfstoffe verfügbar. Zwar steht die Regierung in Verhandlungen mit dem britisch-schwedischen Produzenten AstraZeneca über den Ankauf von 30 Millionen Impfdosen. Dies allerdings reicht in dem 100-Millionen-Einwohner-Land rein rechnerisch lediglich für die Versorgung der beiden Großstädte Hanoi und Ho Chi Minh City.

    Angesichts der erfolgreichen Pandemieeindämmung und des daher fehlenden Handlungsdrucks verlässt sich die Regierung anscheinend lieber auf einen eigenen Impfstoff. Mehrere nationale Forschungseinrichtungen arbeiten an der Entwicklung von Corona-Vakzinen. Ein Präparat des Biotechnologieunternehmens Nanogen ist im Dezember 2020 in die Erprobungsphase am Menschen eingetreten. Eine Zulassung wird allerdings nicht vor 2022 erwartet.   

    Seit dem 19. Juni 2020 gilt Vietnam nach den Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete des Robert-Koch-Instituts nicht mehr als Risikogebiet. Damit müssen aus Vietnam Einreisende in Deutschland keine zweiwöchige Quarantäne absolvieren. 

    Internationaler Flugverkehr bleibt eingeschränkt

    In den Sommermonaten 2020 musste Vietnam einen Neuausbruch der Pandemie bekämpfen, dem erstmals auch Menschen zum Opfer fielen. Seit Ende September 2020 aber ist der Alltag zurückgekehrt und die Einschränkungen wurden landesweit weitestgehend wieder aufgehoben. Lediglich das Tragen von Alltagsmasken ist nach wie vor im öffentlichen Raum Pflicht, wird aber zunehmend laxer gehandhabt. 

    Der innervietnamesische Flug- und Zugverkehr läuft grundsätzlich wieder regulär. Der interkontinentale Auslandsflugverkehr jedoch ruht nach wie vor weitestgehend. Eine Ausreise aus Vietnam nach Europa ist nicht direkt, sondern nur über den Umweg über Transitflughäfen möglich. Außerdem bietet die staatliche Fluglinie Vietnam Airlines gelegentlich ausländischen Reisenden die Mitreise nach Europa auf Cargoflügen an, allerdings nur mit Personentransport aus Vietnam heraus und nicht von Europa nach Vietnam.

    Für Einreisende aus dem europäischen Ausland, und somit auch aus Deutschland, sind die Grenzen abgesehen von einzeln mit den vietnamesischen Behörden ausgehandelten Flügen nach wie vor grundsätzlich geschlossen. Vor dem Flug muss jeder Reisende eine Vielzahl an Genehmigungen einholen, zudem ist ein negativer PCR-Covid-Test vorzuweisen sowie eine zweiwöchige Pflichtquarantäne zu absolvieren. Vor dem vietnamesischen Neujahrsfest Tet (12. Februar 2021) hat die Regierung die Einreise nach Vietnam noch einmal erschwert. Jeder einzelne ins Land kommende Flug ist durch den Premierminister zu genehmigen.

    Vietnamesisches Wirtschaftswachstum sucht seinesgleichen

    Trotz aller pandemiebedingten Herausforderungen erreichte Vietnam 2020 ein Wirtschaftswachstum von immerhin noch 2,9 Prozent. Zwar ist dies das schlechteste Ergebnis seit der Öffnung des Landes 1986. Dennoch zählt Vietnam damit 2020 zu den weltweit am stärksten wachsenden Ländern. Für 2021 erwarten internationale Analysten ein Wiederanziehen der Konjunktur und Wachstumsraten von zwischen 6,5 Prozent (Weltbank) und 8,1 Prozent (HSBC). 

    Die Industrieproduktion zieht nach starken Rückgängen im Lockdown-Monat April seit Mai 2020 wieder an und konnte im Gesamtjahr 2020 um 9,5 Prozent gegenüber 2019 zulegen. Dabei erzielten die Pharma-, Computer- und Möbelindustrie überdurchschnittliche Steigerungen. Vietnams Exporte erreichten 2020 eine Steigerung um nominal 5,4 Prozent gegenüber 2019.

    Ausländische Investitionen finden trotz Pandemie und Einreisebeschränkungen noch ihren Weg nach Vietnam, brechen aber spürbar ein. Die Anzahl der Neuprojekte ging in den ersten neun Monaten 2020 um 12,5 Prozent zurück. Auch fiel erstmals in 2020 das kumulierte registrierte Kapital von Neuinvestitionen weit unter das Vorjahresniveau (-25 Prozent). Zwar haben eine Vielzahl international tätiger ostasiatischer Unternehmen wie Wistron, Pegatron oder Foxconn angekündigt, Teile ihrer Elektronikindustrie nach Vietnam zu verlagern. Andauernde coronabedingte Einschränkungen aber behindern die Umsetzung von Projekten. 

    Die Tourismusbranche und die Luftfahrt sind deutlich von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Reisedienstleistungen verzeichneten 2020 einen Rückgang von knapp 60 Prozent, die Hotel- und Gastronomiebranche Einschnitte um 13 Prozent. Der internationale Tourismus, ein wichtiger Wirtschaftszweig, ist seit dem 23. März 2020 komplett weggebrochen. Der Auslandstourismus dürfte erst nach Abklingen der Pandemie und damit voraussichtlich nicht vor Ende 2021 wieder an Schwung gewinnen. Zwar läuft seit Mai 2020 der Binnentourismus mit coronabedingten Unterbrechungen im August und September wieder an; dieser kann aber die Ausfälle nicht auffangen.

    AHK unterstützt Unternehmen

    Um Unternehmen zu unterstützen, informiert die AHK Vietnam auf ihrer Webseite über neue Entwicklungen. Auch steht die Auslandshandelskammer für Unternehmen weiterhin bei individuellen Problemen zur Verfügung und hilft mit ihrem Netzwerk bei der Erarbeitung praktikabler Lösungen.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Die lokalen Beschränkungen sind weitestgehend aufgehoben. Die Einreise aus dem Ausland bleibt aber stark eingeschränkt. (Stand: 19. Januar 2021)

    Da Vietnam auch den zweiten Corona-Ausbruch von Ende Juli 2020 vergleichsweise gut überstanden zu haben scheint, sind seit Ende September 2020 die meisten lokalen Einschränkungen landesweit aufgehoben. 

    Messen finden wieder statt

    Waren 2020 wie weltweit üblich auch in Vietnam ein Großteil der Messen auf virtuelle Versionen umgestellt, abgesagt oder verschoben worden, sind für das Messejahr 2021 wieder reguläre Veranstaltungen mit Besucherverkehr oder aber Mischformate geplant.

    Ob eine Messe tatsächlich stattfinden wird, ist abhängig vom jeweils aktuellen Infektionsgeschehen. Aufgrund der bestehenden Einreisebeschränkungen können ausländische Aussteller und Besucher voraussichtlich bis zumindest dem dritten Quartal 2021 nur unter extrem erschwerten Bedingungen an Messen teilnehmen. 

    Inländischer Personenverkehr läuft wieder 

    Der inländische Flug-, Bahn- und Busverkehr sowie der öffentliche Personennahverkehr in Vietnam funktioniert vor allem zwischen Hanoi und Ho Chi Minh City wieder weitestgehend wie vor der Krise. Die Nord-Süd-Eisenbahn zwischen Hanoi und Ho Chi Minh City sowie der provinzübergreifende Busverkehr sind im Normalbetrieb. 

    Auch die zwischenzeitlich aufgrund eines Corona-Neuausbruchs vom Flug- und Personenverkehr abgeschnittene Küstenstadt Danang wird wieder angeflogen. Distanzregeln an Bord gelten nicht mehr, lediglich das Tragen einer Gesichtsmaske während des Fluges ist Pflicht. Zudem müssen Flugpassagiere vor dem Flug eine Gesundheitserklärung abgeben.

    Passagierflüge aus und nach Vietnam massiv eingeschränkt

    Der grenzüberschreitende Flugverkehr ist seit dem 1. April 2020 auf unbestimmte Zeit stark eingeschränkt, kommerzielle Direktflüge nach und von Europa sind komplett eingestellt. Die Ausreise nach Europa ist aber über Transitflughäfen wie Seoul, Dubai oder Doha möglich. Gelegentlich bietet Vietnam Airlines auch die Mitnahme von Passagieren auf Cargoflügen an, allerdings nur in Richtung Europa und nicht von Europa nach Vietnam.

    Der innerasiatische kommerzielle Flugreiseverkehr war am 23. September 2020 wieder zögerlich angelaufen, ist mittlerweile jedoch erneut so gut wie eingestellt. Bis zumindest nach dem vietnamesischen Neujahrsfest Mitte Februar 2021 unterliegt jeder Flug nach Vietnam der Genehmigung durch den Premierminister.  

    Interkontinentalflüge nach Vietnam gibt es zur Zeit im Wesentlichen lediglich in Form von diplomatisch unterstützten Spezialflügen. Die deutsche Auslandshandelskammer in Vietnam hatte in Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft  Ende Juli und Anfang Oktober Rückholflüge in Richtung Vietnam für deutsche und europäische Experten und Diplomaten sowie deren Familienangehörige organisiert. Ob in naher Zukunft weitere Flüge zwischen Deutschland und Vietnam stattfinden werden, ist noch offen.

    Einreisesperre für Ausländer auf unbestimmte Dauer

    Ausländer dürfen seit dem 22. März 2020 nicht mehr nach Vietnam einreisen. Die genaue Dauer der Einreisesperre ist unbestimmt. Einreisevisa werden nicht mehr erteilt, und die Möglichkeit der visumfreien Einreise für Deutsche ist aufgehoben. Auch Personen vietnamesischer Abstammung, aber ohne vietnamesische Staatsangehörigkeit, ist die Einreise untersagt.

    Vom Einreiseverbot ausgenommen sind Experten, qualifizierte Fachkräfte und leitende Angestellte sowie Angehörige des diplomatischen Dienstes. Bei Ankunft müssen sich Reisende einer gesundheitlichen Untersuchung und einer zweiwöchigen Quarantäne unterziehen. Dies gilt auch für Familienangehörige, die bereits eine Aufenthaltsberechtigung haben.

    Geschäftsleute in Ausnahmefällen von Quarantänepflicht befreit

    Kurzzeitreisende Experten, die sich weniger als 14 Tage in Vietnam aufhalten wollen, können unter bestimmten Voraussetzungen von der Quarantänepflicht befreit werden. Bislang scheinen die Einreiseerleichterungen für Geschäftsreisende im wesentlichen für direkt aus Südkorea, Taiwan, China und Japan einreisende Personen Anwendung zu finden. Jedoch konnte sich auch eine Gruppe deutscher Investoren im Dezember 2020 für eine kurze Zeit in Vietnam aufhalten. Personen, die über das Kurzzeitprogramm ins Land kommen, dürfen sich grundsätzlich lediglich in ihrem Hotel sowie am Arbeitsplatz aufhalten und nur die notwendigen Geschäftstreffen absolvieren. Dabei sind regelmäßig strenge Hygiene- und Sicherheitsvorgaben einzuhalten. Geschäftspartner in Vietnam sind angehalten, sich nach den Treffen soweit wie möglich zu isolieren. Den vietnamesischen Behörden ist spätestens zwei Wochen vor Einreise ein umfassendes Reiseprogramm vorzulegen. 

    Visaverlängerungen mit Hindernissen

    Ausländer, die sich bereits im Land aufhalten und aufgrund des Wegfalls von Transport- und Flugverbindungen das Land nicht mehr verlassen können, benötigen nicht selten die Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis. Die Erteilung oder Verlängerung von Visa aller Art ist zur Zeit wegen nicht ganz klarer Vorgaben der Einwanderungsbehörden erschwert. 

    Allerdings ermöglicht die vietnamesische Regierung Visaverlängerungen, nunmehr bis zum 31. Januar 2021, für den Fall, dass Einreisende mit Touristenvisum Vietnam aufgrund der Pandemie nicht verlassen konnten/können. Betroffene sollten sich bei Überschreitung der erlaubten Aufenthaltsdauer mit der zuständigen Botschaft in Verbindung setzen. Zudem empfiehlt die Deutsche Botschaft deutschen Staatsbürgern, die sich in Vietnam aufhalten, dringend, sich auf der sogenannten Elefand-Liste des Auswärtigen Amtes einzutragen, um im Notfall erreichbar zu sein. 

    Neue Arbeitserlaubnis nur für Experten 

    Auch die Erteilung von Arbeitserlaubnissen ist in der augenblicklichen Situation schwierig. Bereits erteilte, nun ablaufende Arbeitsgenehmigungen werden in der Regel zwar noch verlängert, allerdings mit Verzögerung. Mittlerweile aber ist die Neuerteilung von Work Permits auch für Personen, die bislang noch nicht in Vietnam gearbeitet haben, wieder möglich. 

    Aktuelle Informationen zu Einreisebeschränkungen


    Quelle: Germany Trade and Invest

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland
    • zu den aktuellen Maßnahmen informiert die vietnamesische Regierung auf Englisch
    • die AHK hat eine Sonderseite eingerichtet
    • tagesaktuelle Informationen auf Englisch liefert die staatliche Tageszeitung Vietnam News


    Quelle: Germany Trade and Invest

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Der gesundheitliche Schutz der Bevölkerung hat für die Regierung Vorrang. Die erfolgreiche Pandemiebekämpfung hilft der Wirtschaft. (Stand: 19. Januar 2021)

    Vietnams Regierung stütze die Wirtschaft in der Coronakrise mit finanziellen Hilfsprogrammen. Eine Vielzahl der Förderprogramme sind Ende 2020 ausgelaufen. Laut einer Erhebung der Weltbank haben lediglich 19 Prozent der Unternehmen von dem Hilfspaket Gebrauch gemacht.

    Maßnahmen zur unmittelbaren Bewältigung der Krise

    Der staatliche Krankenversicherungsträger Vietnam Social Insurance übernimmt sämtliche Kosten für Tests und Behandlungen von Covid-19-Erkrankungen sowie für eine eventuell erforderliche Quarantäne. Ausländische Staatsbürger sind hiervon grundsätzlich ausgenommen. 

    Pandemie schlägt auf Arbeitnehmer durch

    Die Regierung hat im April 2020 ein Sozialprogramm für Unternehmen und Privatpersonen in Höhe von 2,7 Milliarden US-Dollar (US$) aufgelegt. Dieses aufgrund komplizierter Auszahlungsregeln kaum nachgefragte Hilfsprogramm ist mittlerweile ausgelaufen. 

    Arbeitgeber stehen grundsätzlich in der Pflicht, ihren Arbeitnehmern auch im Fall einer vorübergehenden Betriebsstilllegung oder bei Betriebseinschränkungen Lohnfortzahlung in Höhe des Mindestlohns zu zahlen. Sehen sich Betriebe hierzu außerstande, können sie 50 Prozent der ausstehenden Zahlungsverpflichtungen zum Nullzinssatz aufnehmen. Praktisch aber arbeitet ein Großteil der Betriebe mit mehr oder weniger freiwilligen Lohnverzichtserklärungen der betroffenen Arbeitnehmer.

    Insgesamt schlägt sich die Pandemie für 32 Millionen Menschen in Lohneinbußen oder Arbeitsplatzverlust nieder. Ein großer Teil betroffener Arbeitnehmer flüchtet sich in den ohnehin starken informellen Arbeitsmarkt. 

    Banken schnüren Kreditpakete

    Die Regierung hat die Banken angewiesen, Kredite in Höhe von 12,1 Milliarden US$ zu vergünstigten Zinssätzen auszugeben. Zum 1. Oktober hat die Staatsbank die Kreditzinsen für Darlehen mit kurzer Laufzeit nochmal um 0,5 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent abgesenkt. Die Zinssenkung seit März beträgt damit insgesamt 1,5 Prozentpunkte.  

    Die ersten Banken haben Kreditpakete zu deutlich niedrigeren Zinsen auf den Markt gebracht. Die Kreditnachfrage stieg in den ersten Monaten der Krise zwar deutlich langsamer als in den Jahren zuvor, zog aber im Herbst 2020 wieder an. Das Kreditwachstum lag im Gesamtjahr 2020 laut Staatsbank bei 10,1 Prozent. 

    Steuerstundungen entlasten Unternehmen

    Die Regierung räumte 2020 von der Gesundheitskrise betroffenen Unternehmen durch Dekret 41/2020/ND-CP Steuerstundungen und -erleichterungen ein. Diese finden allerdings 2021 zunächst keine Anwendung mehr.

    Allerdings erleichtert Resolution 129/2020 von August 2020 umweltbezogene Pflichten. So können Unternehmen beispielsweise die Installation von Abwasser-, Emmissionskontroll- und Monitoringsystemen um ein Jahr, bis Ende 2021, aufschieben. Zudem verlängern sich eigentlich bis Ende 2020 befristete Lizenzen zur Gefahrmüllbehandlung. Auch der periodisch fällige Umweltbericht (Environmental Assessment Report) muss nunmehr erst ein Jahr später, zum Jahresende 2021, eingereicht werden.

    Maßnahmen zur wirtschaftlichen Wiederbelebung

    Die Regierung plant für die Zeit nach der Bewältigung der akuten Gesundheitskrise. Nachdem die öffentlichen Investitionen in den vergangenen Jahren eher zäh flossen, sieht ein Konjunkturprogramm, formuliert in Direktive 11 der Regierung vom 4. März 2020, die beschleunigte Ausschüttung öffentlicher Gelder vor. 

    Gerade der Infrastrukturbereich soll angeschoben werden. So gehen teilweise schon jahrelang verzögerte Großvorhaben, wie der Ausbau des Long Thanh-Flughafen im Einzugsbereich von HCMC, in die Umsetzung. Auch der Straßenbau wird vorangetrieben. Tatsächlich erhöhte die Zentralregierung im Jahr 2020 ihre Investitionen um knapp 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichte 2020 in vergangenen Jahren selten erzielte 91 Prozent der geplanten Jahresausgaben. Allerdings dürften zumindest im ersten Quartal 2021 neue öffentliche Investitionsprojekte stocken. Ende Januar 2021 steht die alle fünf Jahre stattfindende Regierungsumbildung an, bevor sich bis März das gesamte Land auf die Neujahrsfeierlichkeiten konzentriert.

    Spezielle Förderprogramme für Einzelbranchen wie die Autoindustrie sind Ende 2020 ausgelaufen. Angesichts einer trotz Krise wachsenden Wirtschaft und der Aussicht auf den Beginn einer weltweit wirtschaftlichen Erholung im Jahr 2021 dürfte die Regierung mit weitergehenden Sonderförderprogrammen zurückhaltend bleiben. 

    Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen

    Die verstärkten Infrastrukturinvestitionen fördern die Bauwirtschaft, verbessern aber auch die Rahmenbedingungen für die gesamte Wirtschaft. Außerdem treibt die Regierung gerade im Export- und Zollbereich den Bürokratieabbau voran, fördert die Digitalisierung der Verwaltung und unterstützt die Ausweitung des elektronischen Zahlungsverkehrs.

    Zugang zu Fördermitteln für deutsche Firmen

    Die Fördermaßnahmen der vietnamesischen Regierung stehen allen in Vietnam registrierten Unternehmen offen, unabhängig davon, ob sie ausländisch finanziert sind oder nicht. Auch können sämtliche Unternehmen des Landes auf vergünstigte Kredite zugreifen. In der Praxis zeigen sich vietnamesische Banken bei der Kreditvergabe an ausländische Unternehmen allerdings eher zögerlich.

    Öffentliche Verschuldung

    Die Weltbank qualifiziert die Reaktion der vietnamesischen Regierung als pragmatisch und weitsichtig zugleich. Die finanziellen Aufwendungen liegen bislang bei knapp einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes und werden durch den Notfallfonds der Regierung abgedeckt. Die Gefahr einer coronabedingten Überschuldung sieht die Weltbank zur Zeit nicht. Die Bruttostaatsverschuldung dürfte 2020 bei knapp 47 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gelegen haben.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Der landesweite und auch der grenzüberschreitende Güterverkehr funktioniert trotz Corona, wenn auch verzögert. Problematisch bleibt der Luftfrachtverkehr. (Stand: 8. Oktober 2020)

    Der internationale Luftfrachtverkehr erholt sich nur langsam von seinem Einbruch. In den ersten neun Monaten 2020 erreichte die Transportleistung lediglich 2.643 Millionen Tonnenkilometer, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Rückgang um 54 Prozent. Interkontinentale Passagierflüge sind nach wie vor so gut wie eingestellt. Zusätzlich eingesetzte reine Frachtflugzeuge sind kein echter Ersatz für die ausgefallenen Flüge. Die Frachtpreise steigen und erreichen, je nach Zielregion und Dringlichkeit, das Doppelte bis Fünffache des Vorkrisenniveaus.

    Schiffe und Trucks weiter im Einsatz

    Die Schiffsfracht wird  durch nationale Einschränkungen kaum beeinträchtigt. Zwar gelten Quarantänevorgaben für Crewmitglieder, die in Vietnam von Bord gehen wollen. Auch gibt es Hygiene- und Desinfektionsvorschriften bei Betreten des Schiffes beispielsweise durch Zoll- und Hafenmitarbeiter sowie beim Löschen der Ladung. Diese Vorgaben aber führen, so Branchenvertreter, lediglich zu Verzögerungen von wenigen Stunden. Die Häfen des Landes arbeiten mittlerweile wieder auf Normalniveau.

    Allerdings führen Einbrüche bei den Frachtvolumina zu vermehrten Routenänderungen, Leerfahrten oder kompletten Stornierungen. Dadurch werden immer mal wieder Container knapp. Engpässe schlagen auf die Preise nieder. Dies gilt ganz besonders bei Sonderausstattungen wie temperaturgeführten Containern.

    Der inländische und grenzüberschreitende Straßentransport läuft weiter, wenn auch aufgrund geringerer Frachtvolumina unregelmäßiger. Die Grenzübergänge für Trucks von und nach China sind nach Schließungen im Februar und März wieder geöffnet. Mit verlängerten Abfertigungszeiten ist zu rechnen, da Hygiene- und Desinfektionsvorgaben eingehalten werden müssen. Allerdings kommt es nicht mehr zu mehrtägigen Abfertigungsstaus wie noch zu Pandemiehochzeiten. Bestimmte Transporte werden prioritär abgefertigt. Hierzu zählen Warentransporte durch Authorised Economic Operators (AEO) oder solche, die in Bonded Area verbracht werden sollen.

    Die Grenzübergänge nach Laos und Kambodscha sind zur Zeit für den Personenverkehr geschlossen, nicht jedoch für den Warenverkehr. Grenzüberschreitender Überlandtransport Richtung Thailand ist möglich; es können sich aber aufgrund von Quarantäne- und Hygienevorgaben Verzögerungen ergeben.

    Vietnam hält sich mit Import- und Exportbeschränkungen zurück

    Wie die Regierungen der ganzen Welt versucht auch die vietnamesische Führung, die für die Bekämpfung der Covid-Pandemie erforderliche Notfallausstattung zu beschaffen. Zu diesem Zweck hat sie Steuererleichterungen für die Einfuhr von medizintechnischen Produkten (inklusive Zulieferungen für die medizintechnische Produktion) erlassen.

    Mit Exportbeschränkungen hält sich die Regierung bislang hingegen zurück. Um den landeseigenen Bedarf zu decken, kooperiert das Gesundheitsministerium vielmehr eng mit den medizintechnischen Unternehmen des Landes. Zwischenzeitlich hatte die Regierung auch den Export medizinischer Schutzmasken und die Ausfuhr von Medikamenten für die Behandlung von Covid-Erkrankungen quotiert beziehungsweise untersagt. Diese Ausfuhrverbote sind seit dem 29. April 2020 aber wieder aufgehoben.

    Exporte gewinnen wieder an Schwung

    Die aufgrund der Coronakrise geringere Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere aus Europa, und die erschwerten Transportbedingungen schlugen sich im Frühjahr 2020 deutlich auf die vietnamesischen Ausfuhren nieder. Inzwischen scheint aber die Talsohle durchschritten zu sein. Im August 2020 gewannen die vietnamesischen Exporte gegenüber dem Vormonat Juli mit einer Steigerung von 11,4 Prozent wieder stark an Schwung.

    Trotz der großen Einbrüche vor allem im Lockdown-Monat April konnten die vietnamesischen Exporteure in den ersten drei Quartalen 2020 insgesamt ein Exportwachstum in Höhe von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erzielen (nominale Veränderung auf US-Dollar-Basis).

    Die Ausfuhren eines der wichtigsten Exportgüter des Landes, Smartphones (inklusive Teile), lagen im Zeitraum Januar bis August 2020 zwar 5,4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums, zogen im August 2020 aber gegenüber Juli 2020 mit einer Steigerung um 24,8 Prozent wieder deutlich an. Die Exporte von Textil und Bekleidung, ein weiterer wesentlicher Exportposten des Landes, lagen in den ersten acht Monaten allerdings 11,5 Prozent. unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

    Der weltweite Trend zum Homeoffice beflügelt die Computerbranche. So exportierte Vietnam in den ersten acht Monaten 2020 gut 25 Prozent mehr elektronische Güter, Computer und Computerteile als noch in der Vorjahresperiode.


    Vietnamesische Exporte im August 2020

    Wert (Mio. US$)

    nominale Veränderung gegenüber Juli 2020 (in Prozent)

    Telefone/Smartphones und Bestandteile

    5.347

    24,8

    Elektronische Güter, Computer und Bestandteile

    4.201

    3,4

    Textil und Bekleidung

    2.966

    -2,5

    Maschinen, Werkzeuge und Bestandteile

    2.688

    17,6

    Schuhe

    1.380

    1,0

    Holz und Holzprodukte (inkl. Holzmöbel)

    1.149

    1,9

    Meeresfrüchte

    815

    2,3

    Exporte insgesamt

    27.702

    11,4

    Quelle: Customs Vietnam



    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Die Lieferketten für Vietnams herstellende Industrie funktionieren weitestgehend. (Stand: 8. Oktober 2020)

    Produzierende Unternehmen in Vietnam sind von einer Unterbrechung der Lieferketten verhältnismäßig wenig betroffen und arbeiten regulär. Dennoch gingen internationale Lieferschwierigkeiten zumindest im ersten Quartal 2020 nicht an den deutschen Unternehmen im Land vorbei. 59 Prozent der befragten Firmen klagten laut dem AHK Business Outlook 2020 über die erschwerte Zulieferung von Vorprodukten.

    Wichtigster Lieferant für die vietnamesische produzierende Industrie ist China mit einem Importanteil von 25 Prozent. Nachdem die Produktion in China wieder hochgefahren wurde und der Land- und Seefrachttransport, wenn auch lückenhafter als zuvor, angelaufen ist, pendeln sich die Zulieferungen ein. Damit ist insbesondere die Schuh- und Bekleidungsindustrie wieder mit Vorprodukten versorgt. Allerdings brechen der Branche die Aufträge vor allem aus Europa und den ASEAN-Staaten weg.

    Auch große Elektronikunternehmen wie Samsung, die zwischenzeitlich dringend benötigte Komponenten einfliegen mussten, können wieder regulär produzieren. Korea und Japan, die zusammen im Juni 2020 knapp 26 Prozent aller Importe stellten, mussten nur wenig Produktionsausfälle verkraften und liefern bislang ohne größere Probleme und Verzögerungen, ebenso wie Taiwan. Damit ist die Zulieferung weiterer wichtiger Komponenten für die Elektronikindustrie, der mit Abstand wichtigsten Industrie des Landes, weitestgehend gesichert.

    Auch die Textilindustrie, ein zweites wichtiges Standbein der vietnamesischen Wirtschaft, leidet kaum unter Problemen bei der Zulieferung. Die wichtigsten Lieferanten von Garnen, Stoffen und Accessoires, Korea und China, produzieren und liefern wie gewohnt und ohne wesentliche Einschränkungen. 

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Vietnam

    Vietnam produziert Masken, Handschuhe, Schutzkleidung und neuerdings auch Beatmungsmaschinen. Gesundheits- und Nachverfolgungsapps sind stark gefragt. (Stand: 8. Oktober 2020).

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Vietnam

    Indikator

    2018 

    Bevölkerungsgröße (in Mio.)

    94,6

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre (in %)

    7,4

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner 

    0,9

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner 

    2,8

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (US$)

    149,4

    Quelle: Ministry of Health; General Statistics Office; Business Monitor International (BMI)


    Vietnams Gesundheitswesen steht für ein Land mittleren Einkommens recht gut da. In den städtischen Zentren existieren einige öffentliche spezialisierte Krankenhäuser, die im Regelfall eine medizinisch angemessene Patientenversorgung gewährleisten können.

    Bereits im Normalbetrieb aber sind die staatlichen Krankenhäuser in Ho Chi Minh City (HCMC) und Hanoi hoffnungslos überlastet. Branchenexperten schätzen die Auslastung auf 130 Prozent. In vielen der staatlichen Krankenhäuser ist die medizintechnische Ausstattung zudem veraltet oder nicht vollständig einsatzbereit.

    Außerhalb der großen städtischen Zentren sieht es mit der ärztlichen - vor allem der intensivmedizinischen - Versorgung eher schlecht aus. Viele lokale und Provinzkrankenhäuser sind weder technisch noch von der Ausbildung des Personals her in der Lage, umfassendere medizinische Notfälle zu behandeln. Ein großflächiger Ausbruch der Coronapandemie in Vietnam würde, so Branchenexperten, in kürzester Zeit zum Kollabieren der medizinischen Versorgung führen. 

    Vietnams Gesundheitssektor wappnet sich für den Notfall

    Das Ministry of Health und die Krankenhäuser des Landes wissen dies. Entsprechend haben Behörden und Krankenhäuser die medizinische Notfallversorgung in kürzester Zeit soweit wie möglich hochgefahren. Zudem haben Hanoi, Ho Chi Minh City und die nördliche Provinz Quang Ninh Feldkrankenhäuser für die Behandlung von Covid-Erkrankten errichtet. Das zentralvietnamesische Danang hat angesichts des von mehreren Krankenhäusern der Stadt ausgehenden neuen Corona-Ausbruchs eine Turnhalle zum Notkrankrankenhaus umgebaut. Im Akutfall sollen hier bis zu 2.000 Patienten behandelt werden können. Landesweit wurden Quarantäneeinrichtungen geschaffen, die zur Zeit vor allem Rückkehrer aus dem Ausland beherbergen. 

    Die Weltbank unterstützt Vietnam im Rahmen des Emergency Response Project mit 6,2 Millionen US$. Mit den Geldern sollen unter anderem die Testkapazitäten des Landes auf- und ausgebaut werden.

    Gesundheitsministerium pusht die Produktion von Notfallausstattung

    Das Gesundheitsministerium arbeitet eng mit in- und ausländischen medizintechnischen und pharmazeutischen Unternehmen des Landes zusammen, um den Fortgang der Produktion sicherzustellen. Hierbei liegt das Augenmerk darauf, die im Falle des Ausbruchs erforderliche Ausstattung sicherzustellen. Die Behörden des Landes unterstützen Branchenunternehmen mit Einfuhrerleichterungen und der vorrangigen Zollabfertigung von Vorprodukten für die als „essentiell“ deklarierte medizintechnische Produktion. Wichtige Medikamente und medizintechnische Ausstattung registriert das Gesundheitsministerium im Fast-Track-Verfahren.

    Bei medizintechnischen Produkten, die für die Bekämpfung der Pandemie ohne Bedeutung sind (wie orthopädische oder chirurgische Ausstattung) war die Nachfrage seit Februar stark eingebrochen, so die Aussage von Branchenvertretern. Nicht notwendige Operationen wurden verschoben und werden nur zögerlich wieder in Angriff genommen. 

    Mittlerweile weltweit händeringend gesuchte medizinische Verbrauchsmaterialien wie Gesichtsmasken, Handschuhe oder Schutzkleidung, aber auch Laborausstattung wie Abstrichröhrchen stellt Vietnam selbst her. Soweit es die Versorgungssituation in Vietnam gestattet, gehen diese Produkte auch in den Export. Exportbeschränkungen für medizinische Schutzmasken sind seit dem 29. April aufgehoben. Auch Medikamente, die zur Behandlung von Coronaerkrankungen genutzt werden, dürfen wieder ausgeführt werden.

    Lokale Unternehmen produzieren Beatmungsgeräte

    Bei technisch komplexerer Ausstattung wie Röntgengeräten ist Vietnam grundsätzlich auf Importe angewiesen. Knapp 90 Prozent aller medizintechnischen Geräte kamen laut BMI 2018 aus dem Ausland, 14 Prozent davon aus Deutschland. Gerade Beatmungsmaschinen aber sind auf dem internationalen Markt in hinreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen kaum noch zu bekommen.

    Um diese Versorgungslücke zu schließen, ist die Vingroup Ende März in die Produktion eigener Beatmungsgeräte eingestiegen. Die Lizenz für die invasiven Beatmungsmodelle liefert die amerikanische Firma Medtronics. Die ersten Geräte wurden am 20. Juni durch vietnamesische Zertifizierungsbehörden abgenommen und sollen teils auch in den Export gehen.  

    Im Bereich Forschung und Smart Health rüstet Vietnam ebenfalls auf. Die Vietnam Military Medical University hat in Zusammenarbeit mit Viet A Technologies im März 2020 ein Covid-Test-Kit entwickelt. Ende April wurde das Test Kit CE- und CFS- (Certificate of Free Sale) zertifiziert. Zudem hat die WHO das Test-Kit "Made in Vietnam" unter seinen Emergency Use Listing-Verfahren anerkannt. Mittlerweile werden die Tests auch exportiert, unter anderem nach Europa. 

    Nachverfolgungsapps finden reißenden Absatz

    Gesundheits- und vor allem Covid-19-Tracking-Apps haben rasanten Zulauf. Die in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Behörden entwickelten Anwendungen Suc Khoe Viet Nam (Gesundheit Vietnam), die Hanoi Smart City-Patienten-Nachverfolgungsapp sowie die Gesundheitsregistrierungs- und Tracking-App NCOVI zählen in Vietnam zu den meistabgerufensten Anwendungen. Bei allen Apps werden sensibelste Daten (wie der volle Name und Adresse, Gesundheitsstatus und Standort) abgefragt und im Falle einer  Erkrankung auch ganz oder teilweise veröffentlicht. Dies scheint die Nutzer allerdings nicht zu stören.

    Das Gesundheitsministerium hat in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Information und Kommunikation zudem mit "Bluezone" eine Tracking-App entwickelt, die den Kontakt mit erkrankten Personen melden soll. Infolge des Neuausbruchs in Danang scheint das zunächst eher eingeschränkte Interesse an dieser Anwendung rapide gestiegen zu sein. Zeitungsberichten zufolge wurde die App seit dem dem 25. Juli landesweit verstärkt heruntergeladen und ist nunmehr auf gut 20 Millionen Smartphones installiert.  

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Vietnams Wirtschaft legt trotz Corona leicht zu. Die IKT- und auch die Elektronik-Branche könnten von der Krise profitieren. Der Tourismus leidet stark. (Stand: 8. Oktober 2020)

    Die Covid-19-Pandemie führt in Vietnam trotz niedriger Infektionszahlen branchenübergreifend zu Umwälzungen. Die Wirtschaft des Landes konnte in den ersten drei Quartalen 2020 lediglich ein für vietnamesische Verhältnisse vergleichsweise niedriges Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent erzielen. Immerhin aber fiel das Land nicht wie andere Länder in eine Rezession.

    Nach der zweiten Corona-Welle macht sich seit September 2020 wieder Optimismus breit. Im Juli und August war der Purchasing Managers Index (PMI) nach einem kurzen Aufschwung im Mai wieder unter die 50-Prozent-Marke in den Bereich der Kontraktion gefallen. Mit 52,2 Punkten aber erreichte der PMI-Index im September den besten Wert seit Juli 2019. Unternehmen berichten über steigende Auftragseingänge aus dem In- und Ausland und vertrauen auf die Beherrschbarkeit des Virus im Land.   

    Dennoch bleibt das Geschäftsumfeld schwierig. Eine nach wie vor schwache internationale Nachfrage und praktische Einschränkungen wie die Unmöglichkeit internationaler Geschäftsreisen erschweren die Gewinnung neuer, vor allem internationaler Aufträge. 

    Dienstleistungssektor kämpft mit Corona

    Während die herstellende Industrie im Land wieder weitestgehend im Normalmodus arbeitet, leiden weite Bereiche des Dienstleistungssektors.

    Die Tourismusindustrie ist hart getroffen. Reisedienstleistungen brachen in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 nach Angaben des vietnamesischen Statistikamtes um 56 Prozent ein. Ausländische Touristen dürfen nicht nach Vietnam einreisen. Zwar zog zumindest der inländische Reiseverkehr seit Anfang Mai wieder an. Der erneute Corona-Ausbruch Ende Juli aber traf mit Danang, einer aufstrebenden Ferienregion am südchinesischem Meer, ausgerechnet ein Zentrum des vietnamesischen Tourismus. 80.000 Urlauber wurden in einer Hauruck-Aktion zwischen dem 25. und 27. Juli aus der Millionenstadt in ihre Wohnorte zurückgebracht. Damit fand auch die inländische Hauptreisesaison ein plötzliches Ende. Viele gerade der kleineren Tourismusunternehmen, die auf Erholung hofften, stehen erneut vor dem Nichts.

    Der Sektor, der 2018 dem Kulturministerium zufolge gut 8 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitrug, wird wohl erst wieder Vorkrisenniveau erreichen, wenn die Pandemie - sei es aufgrund eines Impfstoffes oder wirksamer Medikamente - beherrschbar wird. Nur in diesem Fall werden ausländische Touristen, insbesondere aus Korea und China, wieder das Land bereisen können und auch wollen.

    Der Einzelhandel hat sich nach dem Lockdown-bedingten Einbruch im April wieder erholt. In den ersten drei Quartalen 2020 legte der Einzelhandelsumsatz sogar um nominal 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. 

    Textilunternehmen satteln um

    Der Produktionsbereich ist bislang weniger von der Krise betroffen. Nach Aufhebung des Lockdowns hat ein Großteil der Unternehmen die Produktion wieder hochgefahren, soweit es die Auftragslage gestattet.

    Insbesondere Unternehmen der Schuh- und Bekleidungsindustrie aber klagen über bedeutende Umsatzeinbußen und Auftragsausfälle. Textilunternehmen erweitern die Produktion um die Herstellung von weltweit dringend nachgefragten Schutzmasken und versuchen so, ausbleibende oder stornierte Aufträge zu kompensieren. Laut Zeitungsberichten rechnet allein das größte Textilunternehmen des Landes, Vinatex, mit der Kündigung von 50.000 Mitarbeitern. In der Schuhproduktion kam es bereits zu den ersten großen Entlassungswellen. 

    Mittelfristig erwarten Branchenbeobachter eine Konsolidierungswelle in Sektoren, die in der Wertschöpfungskette eher am unteren Ende angesiedelt sind. Unternehmen in der Plastik- und Kautschukindustrie, aber auch in der Textilbranche sowie der Holz- und Möbelverarbeitung beginnen zu straucheln. Gerade kleine, wenig effizient arbeitende und finanziell schwach aufgestellte Unternehmen werden Schwierigkeiten haben, eine sinkende nationale und internationale Nachfrage zu kompensieren. Dies dürfte den Weg frei machen für technologisch, finanziell und unternehmerisch besser aufgestellte Unternehmen.

    Ausländische Elektronikunternehmen erwägen Umsiedlung nach Vietnam

    Die Elektronik- und Zulieferindustrie des Landes könnte einer der Gewinner der Krise werden. Vertreter von Industrieparks im Norden Vietnams berichten, dass große internationale Unternehmen und deren Zulieferer sich mit Hochdruck neue Standbeine jenseits ihrer Produktion in China suchen. 

    Für japanische Unternehmen, bereits jetzt einer der wichtigsten Investoren im Land, ist eine Auslagerung der Produktion aus China heraus eine besonders attraktive Option. So kündigte die japanische Regierung Anfang April 2020 an, Umsiedlungen japanischer Unternehmen zurück nach Japan oder in einen der zehn Staaten der ASEAN-Staatengemeinschaft finanziell zu unterstützen. Am 17. Juli veröffentlichte die Japan External Trade Organization (JETRO) eine Liste der ersten 30 für eine Förderung ausgewählten Unternehmen. Genau die Hälfte plant eine Ansiedlung in Vietnam, darunter Unternehmen aus den Bereichen Elektronik, Automobilzulieferung, Medizintechnik und Chemie.  

    Der IKT- Bereich hat durch die Krise an Dynamik gewonnen. Home Office, Sicherheitsabstände in der Produktion und Reisebeschränkungen machen Internet of Things und Industrie 4.0-Lösungen wie Fernwartung, flexible Produktion und 3D-Druck von Ersatzteilen und Komponenten auch attraktiv für Unternehmen, die bislang entsprechende Investitionen scheuten.

    Einige große und mittlere Unternehmen, so berichten Brancheninsider,  denken über eine Digitalisierung von Unternehmensprozessen wie Personalverwaltung, Einkauf und Vertrieb nach, um mittelfristig kostenoptimierter arbeiten zu können. Inwieweit sich eine Digitalisierung von Unternehmensverwaltung und Produktion durchsetzen kann, wird aber erheblich davon abhängen, wie die Unternehmen es finanziell durch die Krise schaffen.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Hanoi

  • Coronavirus und Recht

    Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft Staaten weltweit. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind enorm. Auch rechtliche Fragen stehen im Fokus.

    Die durch die Covid-19-Pandemie von allen betroffenen Ländern veranlassten Beschränkungen belasten Unternehmen stark. Dies gilt in hohem Maße auch für Vertragsbeziehungen zwischen deutschen Unternehmen und ihren vietnamesischen Geschäftspartnern. Was tun, wenn Verträge nicht mehr wie vereinbart erfüllt werden können? Liegt bei der Pandemie ein Fall „höherer Gewalt" vor? Und wann ist eine Berufung auf „höhere Gewalt“ möglich?


    Was regelt der Vertrag?

    Spätestens wenn Probleme entstehen, ist es sehr wichtig, zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden, die Sie mit Geschäftspartnern aus einem anderen Land geschlossen haben.

    Wichtigster Grundsatz hierbei: Als Erstes sollten Sie den betroffenen Vertrag gründlich studieren. Häufig wird eine Rechtswahlklausel enthalten sein. Und in den allermeisten Fällen wird diese Rechtswahl von den relevanten Rechtsordnungen und Gerichten auch akzeptiert werden. Übrigens: Falls es keine Rechtswahlklausel gibt, kann eine solche in aller Regel nachträglich ergänzt werden.

    Bitte achten Sie auf eine Besonderheit für Kaufverträge: Wenn in einem Kaufvertrag mit einem ausländischen Vertragspartner die Geltung des deutschen Rechts vereinbart ist, gilt nicht deutsches Recht, sondern UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods - "CISG"). Der Grund hierfür ist, dass deutsches Kaufrecht für internationale Kaufverträge auf das UN-Kaufrecht verweist. Das Kaufrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) gilt nur dann, wenn ausdrücklich deutsches Recht unter Ausschluss des UN-Kaufrechts vereinbart ist.

    Aber was passiert, wenn keine Rechtswahlklausel vereinbart ist? Wenn ein innereuropäischer Sachverhalt vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass die sogenannte Rom-I-Verordnung das anwendbare Recht bestimmt (weitere Informationen hierzu unter „Covid-19 und B2B-Verträge: Welches Recht gilt für meinen Vertrag?“).


    Verträge mit Geschäftspartnern außerhalb der Europäischen Union

    Zunächst: die Regelungen der Rom-I-Verordnung können durchaus auch dann anwendbar sein, wenn Ihr Vertragspartner aus dem Nicht-EU-Ausland kommt. Das gilt insbesondere dann, wenn im Streitfall ein deutsches Gericht entscheiden würde. Denn es gilt der Grundsatz, dass jedes Gericht immer sein eigenes internationales Privatrecht anwendet. Und das deutsche internationale Privatrecht verweist ausdrücklich auf die Rom-I-Verordnung.

    Würde denn ein deutsches Gericht entscheiden? Die Frage, welches Gericht im Streitfall entscheiden würde, ist recht kompliziert zu beantworten. Allerdings: Genau wie bei dem anwendbaren Recht haben Parteien - jedenfalls bei B2B-Verträgen - auch hinsichtlich des Gerichtsstands eine relativ weitgehende Freiheit, zu vereinbaren, welches Gericht eventuelle Rechtsstreitigkeiten entscheiden soll. Auch hier sollte also zunächst der Vertrag studiert werden.

    Deutlich schwieriger wird die Situation, wenn ein Gericht aus dem Nicht-EU-Ausland im Streitfall entscheiden müsste. Es würde hierzu, dem oben erwähnten Grundsatz folgend, wohl die Regelungen seines eigenen internationalen Privatrechts anwenden - und diese können unter Umständen von den oben beschriebenen europäischen Regelungen abweichen. Eine - auch nur ansatzweise - Darstellung würde den Rahmen dieser Publikation leider sprengen.


    Was gibt es generell zu beachten?

    Zum Schluss noch einige kurze Hinweise, die fast immer relevant sind, gleich welche vertragliche oder gesetzliche Regelung zur höheren Gewalt (force majeure) gilt: zum einen Ihre Pflicht zur Minderung des Schadens, wo immer dies möglich ist. Zum anderen, und eng damit zusammenhängend, die Pflicht zur möglichst zeitnahen Mitteilung, wenn sich ein Problem bei der Erfüllung abzeichnet. Und schließlich sollten Sie daran denken, dass Sie darlegungs- und beweispflichtig für die Voraussetzungen der höheren Gewalt sind, auf die Sie sich berufen. Daher dokumentieren Sie nach Möglichkeit alles, was zu den Schwierigkeiten geführt hat - es mag sich als äußerst nützlich erweisen.

    Nationales Recht: Nichterfüllung von Verträgen nach vietnamesischem Recht

    Ein Länderbericht „Coronavirus und Verträge“ liegt zurzeit nicht vor. Bei Fragen zum Thema kontaktieren Sie bitte die in der Marginalspalte angegebene Ansprechpartnerin.

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