Investitionschancen und -risiken in Frankreich

Frankreich: Breites Spektrum an Fördermaßnahmen

Frankreich hat als Investitionsstandort wieder an Attraktivität gewonnen. Im Jahr 2017 sollen die Investitionen um rund 3 Prozent zulegen. Ein Engagement gilt wegen enger rechtlicher Strukturen und hoher Abgabenlast dennoch als schwierig. Ein großer Markt, Kaufkraft und Qualitätsanspruch sind begünstigende Faktoren. Die seit Mitte 2017 amtierende Regierung hat Reformen angestoßen, um einige lang existierende Hürden abzubauen.

02.01.2018

Frankreichs Regierung plant Milliarden für bessere Aus- und Weiterbildung

Das französische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in den letzten Jahren langsam aber stetig gewachsen. Im Jahr 2018 wird eine Zunahme um 1,5 bis 1,8 Prozent erwartet. Mit einem BIP von 2.229 Milliarden Euro und 66,9 Millionen Einwohnern zählte Frankreich 2016 zu den drei größten Volkswirtschaften in Europa. Details zum Wirtschaftsklima.

Eine hervorragende Infrastruktur und gut ausgebildete akademische Fachkräfte sind weitere Vorteile des Standortes. Hohe Abgaben und ein wenig flexibles Arbeitsrecht werden allgemein als die größten Nachteile angesehen. Einen Überblick über Stärken und Schwächen Frankreichs bietet unsere SWOT-Analyse.


Entwicklung wichtiger Eckdaten (pro Monat)

Indikator

2014

2015

2016

Bruttolohn für einen Geschäftsführer (in Euro) *)

10.675

10.917

k.A.

Miete jeweils für Büroraum in der Hauptstadt (renoviert, in Euro pro qm)

 

 

 

Klasse A

41

41

41

Klasse B

27

29

28

*) "Lohn- und Lohnnebenkosten in Frankreich"
Quellen: Challenges (Salaire des cadres, www.challenges.fr); www.bureauxlocaux.com


Die Investitionen der Unternehmen erhöhten sich 2016 um 3,4 Prozent, auch 2017 erwarten Experten eine Zunahme um rund 3 Prozent. Grund für die gute Stimmung ist neben der konjunkturellen Erholung das klare Wahlergebnis der Präsidentschafts- und Parlamentswahl 2017. Die neue Regierung hat sich weitreichende Reformen ins Programm geschrieben. Neben einer Liberalisierung des Arbeitsrechts sollen die Unternehmenssteuern und die Kapitalbesteuerung gesenkt werden. Der französische Präsident Emmanuel Macron plant zudem, 15 Milliarden Euro zusätzlich für eine bessere Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmer bereitzustellen.

Die Zahl der ausländischen Investitionsprojekte liegt derzeit jährlich bei über 1.000 mit leicht steigender Tendenz. Besonders viele Vorhaben gibt es im Fahrzeugbau, der Chemie und der Metallverarbeitung. Im Dienstleistungsbereich dominieren unternehmensorientierte Dienstleistungen sowie Forschung und Entwicklung, Ingenieurleistungen und Design. Hier fließen die Investitionen vor allem in Software und Informationsdienstleistungen sowie in die Sparten Pharma, Kfz und Elektronik.

Bei gut der Hälfte der Investitionsprojekte handelt es sich um Neugründungen, weitere 40 Prozent sind Erweiterungen bestehender Niederlassungen. Übernahmen spielten 2016 mit etwa 4 Prozent der Projekte eine relativ geringe Rolle, sind aber oft durch ihre Medienwirksamkeit recht spektakulär. Wichtigste Herkunftsländer ausländischer Investitionen waren 2016 Deutschland, die USA, Italien, das Vereinigte Königreich und Japan.


Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (in Mrd. Euro)

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand

576,6

632,8

661,8

Nettotransfers

2,0

42,4

25,6

Quelle: Banque de France


Deutsche Direktinvestitionen (in Mio. Euro)

Indikator

2014

2015

2016

Kumulierter Bestand

34.388

38.499

k.A.

Nettotransfers

+8.083

-3.086

+4.399

Quelle: Deutsche Bundesbank


Die geografische Nähe, die gemeinsame Zugehörigkeit zur Europäischen Union (EU) und die Marktgröße Frankreichs führen dazu, dass praktisch alle größeren deutschen Unternehmen vor Ort präsent sind. In Schlüsseltechnologien besteht zunehmend die Tendenz zur Schaffung von binationalen Unternehmen nach dem Vorbild des Airbus-Konzerns im Flugzeugbau.


Größte deutsche Investoren nach Beschäftigung (Stand: Dezember 2016)

Unternehmen

Branche

Lidl

Einzelhandel

Familien Porsche und Piëch

Kfz und Kfz-Zulieferer

Allianz

Versicherung, Finanzdienstleistungen

Deutsche Post

Transport und Logistik

Bertelsmann Stiftung

Unternehmensorientierte Dienstleistungen

Quelle: Business France


Text: Marcus Knupp

02.01.2018

Frankreich: Unterstützung von F&E als wichtiger Standortfaktor

Frankreich leistet sich eine Vielzahl von Instrumenten zur Investitionsförderung, die von inländischen wie ausländischen Investoren in Anspruch genommen werden können. Wesentliche Mechanismen sind Steuergutschriften, zinsvergünstigte Darlehen, direkte Subventionen für Ausrüstungen und Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, Unterstützung bei Immobilienerwerb und Personalbeschaffung sowie in bestimmten Fällen Freistellung von der Sozialversicherung.

Drei Parameter bestimmen die grundsätzliche Förderfähigkeit beziehungsweise den möglichen Umfang der Investitionsförderung in Frankreich: Der Zweck des Vorhabens (Produktion, Forschung, Entwicklung und Innovation, Ausbildung etc.), die Standortwahl (es gibt prioritäre Zonen) sowie die Größe des investierenden Unternehmens. Inhaltlich stehen die Schaffung oder Sicherung von Arbeitsplätzen und die Steigerung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Mittelpunkt, daneben Aspekte der regionalen Förderung.

Das Instrumentarium gilt gleichermaßen für nationale und ausländische Unternehmen, auch in der Verfahrenspraxis bestehen keine Unterschiede. Alle fiskalischen Anreize stehen im Einklang mit den Bestimmungen der EU-Kommission, insbesondere was die Bevorzugung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) angeht.

Die staatliche Förderung besteht zuvorderst aus Darlehen und Steuergutschriften für die Intensivierung von Forschung & Entwicklung (F&E) sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen. Regionen und Gemeinden bieten darüber hinaus eigene Steuerbefreiungen oder spezielle Hilfen. KMU kommen in den Vorzug zinsgünstiger Darlehen. Für die Aus- und Weiterbildung gewährt das Arbeitsministerium Finanzhilfen, wobei ein Teil der Lohnnebenkosten übernommen wird.

Einer der wichtigsten Investitionsanreize ist die Raumordnungsprämie PAT (Prime d’Aménagement du Territoire). Die Bedingungen für diese Investitionshilfe variieren in Abhängigkeit der drei möglichen Arten einer Investition: Neugründung (mindestens 20 Beschäftigte und 3 Millionen Euro Investitionsvolumen), Erweiterung (20 Beschäftigte, wenn diese mindestens 50 Prozent der Gesamtbeschäftigten ausmachen, und 3 Millionen Euro Investitionsvolumen oder mindestens 40 Beschäftigte oder 10 Millionen Euro Investitionen) und Übernahme (50 Beschäftigte und 3 Millionen Euro Investitionsvolumen).

Steuerliche Förderung hat in Frankreich einen hohen Stellenwert. Zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes wurde zum 1. Januar 2013 der Crédit d‘impôt pour la compétitivité et l‘emploi (CICE, Steuergutschrift für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung) eingeführt. Seit 2017 beträgt er 7 Prozent der Lohnsumme der von einem Unternehmen abhängig Beschäftigten, deren Lohn oder Gehalt maximal dem zweieinhalbfachen des nationalen Mindestlohnes SMIC entspricht. Für das Jahr 2015 wurden 2016 Gutschriften mit einer Gesamthöhe von rund 16 Milliarden Euro beantragt. Der CICE soll ab 2018 allerdings zum Teil durch eine Senkung der Sozialabgaben ersetzt werden.

Das seit 1983 bestehende System der Steuergutschriften für F&E-Investitionen (CIR - Crédit d’Impôt Recherche) wurde 2008 reformiert und auf ausländische Unternehmen ausgeweitet, wobei das Verfahren vereinfacht wurde. Die Steuergutschrift beträgt im Jahr 30 Prozent der F&E-Ausgaben bis zu einer Höchstgrenze von 100 Millionen Euro. Über dem Höchstwert beträgt der Satz 5 Prozent. Forschungskosten, die in Kooperation mit öffentlichen Laboratorien entstehen, sind bis zu 80 Prozent anrechenbar. Als F&E-Ausgaben gelten im Wesentlichen Gehälter, Sozialversicherungsbeiträge, Betriebsausgaben und Kosten für die Einreichung und Pflege von Patenten.

Die F&E-Gutschrift wird von ausländischen Unternehmen als bedeutender Faktor für die Attraktivität Frankreichs als Investitionsstandort genannt. Vor allem KMU haben in den letzten Jahren mehr CIR in Anspruch genommen. Insgesamt nutzen über 20.000 Unternehmen das Instrument. Seit 2010 betragen die Steuergutschriften jährlich regelmäßig mehr als 5 Milliarden Euro.

Neben den nationalen Stellen besitzen auch viele Städte und Regionen eigene Investitionsförderstellen, die Unternehmen beraten und unterstützen - wie etwa die Agentur Paris Region Entreprises für den Großraum Paris. Seit 2002 besitzen zudem die Regionalräte die volle Autorität, eigene regionale Schemata für finanzielle Direkthilfen an Unternehmen zu entwickeln.

Mit der 2006 begonnenen Förderung von industriellen Kompetenzzentren bezweckt Frankreich nicht nur eine höhere wirtschaftliche Dynamik, sondern auch eine stärkere regionale Diversifikation. Die „pôles de compétitivité“ konzentrieren Unternehmen, private und öffentliche Investoren sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Das erklärte Ziel dieser 71 Cluster besteht darin, Synergien freizusetzen und gemeinsam marktfähige Innovationen voranzutreiben.

Weiterführende Informationen:


Text: Marcus Knupp

02.01.2018

Frankreich: Unternehmen fordern Flexibilisierung der Arbeit

Generell haben deutsche Investoren wenig Probleme bei ihrem Engagement in Frankreich. Geschäftsführer loben schnelle und unbürokratische Gründungsverfahrensowie Offenheit bei den lokalen Behörden für eigene Vorschläge und fühlen sich von den lokalen Anwälten kompetent beraten. Wichtig ist es, den zum Teil stärker als in Deutschland ausgeprägten Formalismus, etwa bei Ausschreibungen, zu beachten.

Schwierig kann es sein, wenn auf die Nutzung örtlicher Dienstleister wie Wirtschaftsprüfer gedrungen wird, diese aber vorrangig mit den französischen Gegebenheiten vertraut sind und nur schlecht auf die Bedürfnisse internationaler Unternehmen eingerichtet sind. Ein weiterer Stolperstein ist trotz einer gewissen Öffnung in den letzten Jahren die Sprache: Ohne Französisch geht es im Allgemeinen nicht. Viele Unternehmen holen sich deshalb im Vorfeld eines Projektes bilinguale Kompetenz ins Haus.

Im Großen und Ganzen stellen deutsche Unternehmen in Frankreich in den letzten Jahren eine deutliche Verbesserung der Geschäftslage fest. Dies zeigte eine breit angelegte Befragung der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer (AHK Frankreich) zusammen mit dem Beratungsunternehmen EY im Herbst 2016. Nach Einschätzung der Autoren der Studie ist der Standort attraktiver als er von den Unternehmen wahrgenommen wird. Während die Unternehmen ihre Situation als gut bezeichnen, bewerten sie die gesamtwirtschaftliche Lage Frankreichs als schwierig und die Attraktivität des Landes im europäischen Vergleich als eher gering.

Wesentliche Faktoren für den Erfolg in Frankreich sind für die befragten Unternehmen die Qualität der Produkte und Dienstleistungen, der Kundenservice und wettbewerbsfähige Preise. Als wichtigste Baustellen der französischen Regierung werden zuvorderst eine Flexibilisierung der Arbeit und des Arbeitsrechts genannt - eine Forderung, der die im Frühjahr neu gewählte Regierung Macron nun nachkommt. Ebenfalls als problematisch wird die hohe Steuerlast wahrgenommen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Regelungen häufig geändert werden.

In den meisten Kriterien des Länderratings des World Economic Forums WEF schneidet Frankreich etwas schlechter ab als Deutschland, belegt aber im globalen Maßstab eine vergleichbare Position. Die größte Abweichung zeigt sich beim Indikator Effizienz des Arbeitsmarktes. Da dies eines der prioritären Handlungsfelder der neuen Regierung in Paris ist, könnte Frankreich den Rückstand hier in den nächsten Jahren verringern. Die negativere Korruptionswahrnehmung dürfte auf die traditionell engere Verflechtung von Politik und Wirtschaft zurückzuführen sein.


WEF-Länderrating 2017 bis 18, Frankreich (wirtschaftlicher Rang von insgesamt 137 Ländern)

Kriterien 1)

Frankreich

Deutschland

Gesamtrang

22

5

1 Institutionen 2)

31

21

2 Infrastruktur

7

10

3 Gesundheit und Grundbildung

24

13

4 Höhere Bildung und Ausbildung

22

15

5 Effizienz der Gütermärkte 3)

36

11

6 Effizienz des Arbeitsmarkts

56

14

7 Entwicklung des Finanzmarkts 4)

33

12

8 Qualität des Geschäftsumfeldes

16

5

9 Korruption 5)

23

10

1) bewerten unter anderem: 2) Eigentumsrechte, Unabhängigkeit der Justiz, Auditierung, 3) benötigte Zeit für die Unternehmensgründung, Wettbewerbsintensität, Besteuerung, Zollvorschriften, 4) Beschränkungen der Kapitalströme; 5) Rang (von 176 Ländern) bei Transparency International (TI)
Quellen: World Economic Forum; Global Competitiveness Report 2017-18; Transparency International


Text: Marcus Knupp

02.01.2018

Frankreich: Kontakte, Internetadressen

Bezeichnung

Internetadresse

Anmerkungen

Germany Trade & Invest

www.gtai.de/Frankreich

Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

AHK Frankreich

www.francoallemand.com

Anlaufstelle für deutsche Unternehmen in Frankreich

Business France

www.businessfrance.fr

Nationale Investitionsförderagentur

Bpifrance

www.bpifrance.fr

Französische Förderbank, vor allem KMU-Förderung

Kompetenzzentren

http://competitivite.gouv.fr

Zentrale Plattform mit Informationen zu den 71 Clustern

Ademe

www.ademe.fr

Umweltagentur, verwaltet Förderungen für Investitionen in Umweltschutzmaßnahmen

Aides-entreprises

www.aides-entreprises.fr

Portal mit Informationen zur Unternehmensförderung


Text: Marcus Knupp

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