Start-Ups in Schweden

Schwedische Start-ups bieten Kooperationspotenzial

Mit acht Einhörnern ist Schweden ein interessantes Land für Start-ups. Zwar gibt es kaum ausländische Start ups, dafür lohnt es sich, nach lokalen Kooperationspartnern zu schauen.

28.01.2019

Schweden ist globaler Hub für Technologie-Start-ups

Abgesehen vom Silicon Valley können nur wenige Standorte so viele Start-up-Erfolge vorweisen wie Schweden. Nicht weniger als acht Einhörner (mit mehr als 1 Milliarde US-Dollar bewertet) kommen aus dem Königreich, darunter das Internettelefonienetzwerk Skype, der Musikstreamingdienst Spotify sowie die Paymentserviceprovider Klarna und iZettle. Einige davon wurden bereits von ausländischen Investoren übernommen.

Schweden ist 2019 offizielles Partnerland der Hannover Messe

Das schwedische Start-up-Ökosystem gilt als sehr offen. Sowohl Wagniskapitalfonds als auch Inkubatoren, Acceleratoren, Crowdfunding- und andere Organisationen helfen Start-ups weiter, auch beim Networking. Da der Inlandsmarkt mit 10,1 Millionen Einwohnern relativ klein ist, denken wachstumsorientierte Unternehmen von Anbeginn an international. Außerdem arbeiten Schweden in flachen Hierarchien und sind technologischen Neuerungen gegenüber sehr aufgeschlossen.

Zahlreiche Inkubatoren, Acceleratoren und Co-Working-Spaces

Ein wichtiger Treffpunkt für Gründer ist der in Stockholm gegründete Hub SUP46, was für Start-Up People of Sweden steht. Der Businessinkubator und Accelerator Sting, ebenfalls in Stockholm, evaluiert pro Jahr etwa 400 Start-ups. Schwedens erster Co-Working-Space für Hardwareprojekte, Things, hat 2015 seine Pforten an der Königlich-Technischen Hochschule Stockholm (KTH) geöffnet. Things ermöglicht Start-ups den Erfahrungsaustausch mit Branchenverbänden und Großunternehmen. Daneben gibt es zahlreiche weitere Cluster und Vernetzungsorte, die meisten in der Hauptstadt, darunter Impact Hub Stockholm, The Castle, Epicenter, Norrsken House, H2 Health Hub, No18, Fintech Hub und The Park.

Auch die Wirtschaftsförderung Stockholm Business Region unterstützt junge Unternehmen. Weitere wichtige Organisationen sind die Beratungsstelle NyföretagarCentrum sowie das Informationsportal Swedish Startup Space.

Ignite Sweden ist ein Matchmaking- und Scouting-Dienst, über den Start-ups und größere Unternehmen zueinander finden können. Die gemeinnützige Organisation Connect Sverige hilft Jungunternehmen, in Kontakt mit potenziellen Wagniskapitalgebern zu kommen. Vor der Kontaktaufnahme gilt es, so viel wie möglich über deren Hintergrund und Geschäftsumfeld herauszubekommen. Wichtige Hinweise kann ein Überblick über die Portfoliofirmen von Kapitalgebern liefern. Finden sich Gemeinsamkeiten zwischen bereits finanzierten und dem eigenen Vorhaben, erfolgt eine gezielte Ansprache. Um ihre Chancen zu verbessern, lassen sich manche Start-up-Unternehmer potenziellen Wagniskapitalgebern auch direkt von Gründern vorstellen, die der Kapitalgeber bereits finanziert hat.

Ferner gibt es Ideenwettbewerbe und Veranstaltungen, auf denen sich Gründer, Investoren und potenzielle Geschäftspartner kennenlernen können, wie Venture Cup, Sthlm Tech Fest, Nordic Startup Awards und Serendipity Challenge. Kleinere Wettbewerbe richten die Tageszeitung Svenska Dagbladet (Framtidens entreprenör) und der staatliche Evergreen-Fond aus.

Planspiele und Jugendförderung bringen die Gründer von morgen zusammen

Viele spätere Start-up-Gründer haben bereits in ihrer Jugend an Programmen zur Ausbildung unternehmerischer Fähigkeiten teilgenommen. Beispiele dafür sind Unternehmensplanspiele wie Sommarlovsentreprenör (schon im Gymnasium) oder Sommarentreprenör (während des Studiums). Andere haben Kurse an den Programmierschulen oder Universitäten (wie Linköping, Stockholm School of Entrepreneurship oder die Stockholm School of Economics) besucht, die im Bereich Unternehmerausbildung und Förderung von Unternehmergeist sehr aktiv sind.

Einen wichtigen Aspekt für den Erfolg der Gamesbranche sehen Beobachter in der frühzeitigen Auseinandersetzung der Schweden mit dem Programmieren. Bereits Schulkinder werden darin unterrichtet. Einige Universitäten bieten in ihren Informatikstudiengängen Spieledesign und -entwicklung sowie Trainings für konkrete Tätigkeitsanforderungen der Gamesbranche an. Der praktische Bezug und ein Kontakt zur Industrie stehen dabei im Mittelpunkt.

Begehrt ist zum Beispiel die Hochschule in Skövde. Microsoft hat in Skövde 2014 das Microsoft Game Camp gestartet, bei dem Studenten ein Spiel entwickeln können. Der US-amerikanische Softwareriese stellt dafür das Programm, die Hardware und Expertenhilfe bereit und erhält im Gegenzug die Verkaufsrechte an den drei Gewinnerbeiträgen.

Immer mehr heimische Investoren finanzieren Tech-Start-ups

Während Start-ups beim Launch und in der Seed-Phase auf heimische Finanzierungsquellen angewiesen sind, beteiligen sich in späteren Phasen auch ausländische Investoren. Doch nahmen Kapitalgeber aus dem Ausland 2017 nur an knapp 16 Prozent aller Finanzierungsrunden teil, deutlich weniger als in den Vorjahren. Ausländische Investoren beteiligen sich fast nur bei Runden mit Transaktionsvolumina von mehr als 5 Millionen US-Dollar (US$). Die meisten kamen dabei aus dem Vereinigten Königreich (32 Prozent) und den USA (23 Prozent); auf Deutschland entfielen 8 Prozent.

Im Seed- und Start-up-Segment dominieren öffentliche und halböffentliche Kapitalgeber. Zudem engagieren sich Business Angels mit Gründungskapital. Wagniskapitalgeber finanzieren bevorzugt Buyouts und Beteiligungen an etablierten Unternehmen. Vor allem ausländische Investoren stellen für spätere Start-up-Phasen Venture Capital bereit, inzwischen haben aber auch inländische das Terrain entdeckt.

Natürlich unterstützt der Staat Start-ups mit Fördergeldern. Mittel stellen unter anderem die staatliche Forschungsbehörde Vinnova, das Amt für wirtschaftliches und regionales Wachstum Tillväxtverket und der staatliche Evergreen-Fond Almi zur Verfügung. Von Vinnova gibt es Zuschüsse, auch für Projekte, die nicht unbedingt mit Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen verbunden sind. Tillväxtverket startet vier Mal pro Jahr ein Accelerator-Programm, Almi bietet unter anderem Erstinvestitionsbeihilfen und in Anteilskapital oder Dividendenpapiere umwandelbare Darlehen. Darüber hinaus unterstützen auch die Gemeinden besonders innovative Unternehmen in ihrer Region finanziell.

Eine weitere wichtige Finanzierungsquelle für Start-ups, vor allem für solche mit weltweitem Potenzial, ist der von der Regierung gegründete Venturecapitalfond Industrifonden. Universitäten, insbesondere mit Studiengängen im Bereich der unternehmerischen Initiative, stellen häufig Erstfinanzierungen oder mietfreie Büroflächen in einem Inkubator für den Start bereit.


Text: Heiko Steinacher

28.01.2019

Schweden spielt in der Fintech- und Gamingtopliga

2017 war für Start-ups in Schweden ein gutes Jahr. Laut Angaben des Industrifonden gab es gut 440 Risikokapitalinvestments mit einem Gesamtvolumen von etwas über 1,2 Milliarden US-Dollar (US$). Würde man die Spotify-Finanzierungsrunde rausrechnen, wegen der das Gesamtvolumen 2016 so extrem hoch ausgefallen war, ergäbe sich ein Plus von über 90 Prozent. Mit Spotify geht das Volumen zurück, was den Trend allerdings nicht richtig widerspiegelt.

Investitionen in Start-ups in Schweden (Jahre 2015 bis 2017, in Millionen US$)

2015

2016

2017

1.139 1)

1.634 2)

1.226

1) davon Spotify 526 Millionen US$; 2) davon Spotify 1.000 Millionen US$
Quelle: Industrifonden


Mehr als 570 Investoren haben sich 2017 an der Finanzierung schwedischer Tech-Start-ups beteiligt. Die meisten waren Venturecapitalfonds und Business Angels, aber auch immer mehr institutionelle Anleger, vor allem aus den Bereichen Finanzen und Medien, engagieren sich. Bezogen auf das Investitionsvolumen betrafen 13 Prozent der Start-ups den Bereich Finanztechnologien (Fintech), auf den Cloud-Computing-Teilbereich Software-as-a-Service (SaaS) entfielen 11 Prozent.

Ausländische Kapitalgeber nach Ländern (Jahre 2015 bis 2017, Anteil in Prozent)

Land

2015

2016

2017

Vereinigtes Königreich

25

18

32

USA

33

29

23

Deutschland

10

9

8

Dänemark

6

10

8

Norwegen

k.A.

7

8

Finnland

7

6

4

China

k.A.

4

k.A.

Übrige

19

17

17

Quelle: Industrifonden

Hochburg für Videospiele

Schwedische Start-ups gehören in vielen Bereichen zur Weltklasse, darunter Fintech, Onlinehandel, Gesundheitstechnologie (Healthtech), künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Werbetechnik, Internet-, Software- und Medienindustrie. Laut des Informationsdienstes Nordic Tech List entfielen 2017 mehr als drei Viertel der Fintech-Investitionen im nordischen Raum allein auf Schweden.

Im Internetbereich wächst vor allem die Gamesbranche stark. Ein Erfolgsfaktor liegt in ihrer internationalen Ausrichtung. Schwedische Onlinespiele und Gamingapps werden oft direkt international vermarktet. In den letzten vier Jahren wurden im Großraum Stockholm mehr als 100 neue Gamingunternehmen gegründet und die Anzahl der Neueinstellungen stieg rasant.

Start-ups beflügeln auch die Elektromobilität. So wird voraussichtlich ab 2019 die Serienproduktion des Elektroautos One des Start-ups Uniti in Lund beginnen. Siemens baut dafür ein vollautomatisiertes Werk; auch E.ON ist dabei. Siemens beteiligt sich neben weiteren Partnern auch am Northvolt-Projekt: Das gleichnamige Start-up - laut Siemens-Vorstand Jan Mrosik ein „Leuchtturmprojekt für Europa“ - will in Skelleftea eine Fabrik für Lithium-Ionen-Zellen und Elektroautobatteriepacks nach dem Vorbild der US-amerikanischen Tesla-Gigafactory errichten.

Stockholm ist Schwedens größter Start-up-Hub, aber Malmö holt auf

Stockholm ist nicht nur Schwedens Hauptstadt, sondern auch die größte Start-up-Metropole des Königreichs. Neben zahlreichen Firmen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (im Technologiecluster Kista Science City) haben sich im Großraum Stockholm Fintech-Start-ups wie Klarna und iZettle, die E-Commerceplattform zum Aufbau virtueller Shops Tictail und das FinTech-Start-up Tink (App zur Verwaltung persönlicher Finanzen) niedergelassen.

Viele Start-ups zieht es auch in die Öresund-Region, wobei sie auf schwedischer Seite vor allem Malmö im Blick haben (Businessinkubator Minc). Auch die Städte Linköping (Wissenschaftspark Mjärdevi, Inkubator Lead), Norrköping und Jönköping stehen im Fokus. In Göteborg wurde 2016 ein Gründerzentrum für die Gamesbranche eingeweiht.

Rückendeckung bekommt Schwedens Start-up-Szene auch durch viele Messen, Investorengipfel und Recruitingevents, darunter „Eget företag“ (Stockholm, Malmö, Göteborg), „Nordic Next“ (Malmö), „Startup Day“ (Stockholm) und „Stockholm Tech Meetup“.

Allerdings ist die Wohnungsknappheit in den Großstädten, vor allem in Stockholm, zu einem ernsten Problem für Start-ups geworden. Größere wie Spotify und Klarna nutzen die Dienste von Relocation-Agenturen, um ihren Mitarbeitern in der Hauptstadt zumindest Kurzzeitmietvertäge beschaffen zu können. Kleinere könnten aber auch einfach aus dem Großraum der Metropolen abwandern, wenn die Städte das Problem nicht in den Griff bekommen.

Erfolg versprechende Start-up-Schmieden

Acht Einhörner hat Schweden bereits hervorgebracht. Das meiste Risikokapital haben 2017 der Anbieter von Software-Asset-Managementlösungen Snow Software (120 Millionen US$) und iZettle (insgesamt 111 Millionen US$ in zwei Finanzierungsrunden) eingesammelt.

Aufgrund der Vielzahl schwedischer Start-ups fällt es schwer, die "richtige" Auswahl zu treffen, um Entwicklungen und Erfahrungen beispielhaft zu skizzieren. Großes Potenzial wird unter anderem dem Start-up Uniti beigemessen, das im Sommer 2015 als Spin-off aus einem Projekt der Universität Lund hervorgegangen ist. Uniti will 2020 einen Elektrokleinwagen auf den Markt bringen und setzt dabei auf modernste Produktionstechnik von Siemens und Kuka. Als Hochkaräter gelten aber auch noch viele weitere, darunter die Crowdinvestingplattform Trine (Privatkapital für Solarenergieprojekte in aufstrebenden Märkten), das PropTech-Unternehmen Dooer (digitale Rechnungslegung), Karma (App, über die Restaurants und Lebensmittelgeschäfte Essensreste verbilligt verkaufen können) und das 3D-Bioprinting-Startup Cellink (Bioprinting-Tinten, 3D-Bioprinter).


Text: Heiko Steinacher

28.01.2019

In Schweden gibt es Chancen bei Kooperationen

Viele dynamische Start-ups in Schweden, darunter King, die Telefonbuchapp Truecaller und die Onlineshopcommunity Tictail, haben zumindest einen ausländischen Mitgründer. Oft sind diese Gründer Migranten der zweiten Generation, also Personen, bei denen zumindest ein Elternteil im Ausland geboren wurde. Diese Menschen finden in Schweden nicht immer eine Arbeit, die ihren Fähigkeiten entspricht, deshalb gründen sie ein Unternehmen. Zum anderen sehen Fachleute in der Strategie, mit einem funktionsübergreifenden, internationalen Team zu starten, auch einen Schlüssel für den späteren weltweiten Erfolg.

In Schweden gibt es bisher zwar kaum ausländische Start-ups, …

Nicht nur die Start-ups selbst, sondern auch deren „Brutkästen“ expandieren international. So will Norrsken House, ein Start-up-Inkubator von einem der Klarna-Gründer, Dependancen in anderen Ländern eröffnen, darunter in Berlin. Epicenter hat diesen Schritt bereits im Mai 2018 in Amsterdam vollzogen.

Umgekehrt gibt es dagegen kaum ausländische Start-ups in Schweden. Zwar böten dort vorhandene Technologiecluster, Netzwerke und das fortwährend gute Abschneiden in internationalen Standortrankings einen guten Nährboden. Andererseits ist der Inlandsmarkt mit gut 10 Millionen Einwohnern klein. Außerdem wird die Investorenlandschaft, vor allem in frühen Start-up-Phasen, von heimischen Wagniskapitalgebern dominiert, denen zuweilen Zurückhaltung gegenüber Ausländern nachgesagt wird.

… dafür aber großes Kooperationspotenzial

Der Exportanteil vieler schwedischer Start-ups überwiegt den Inlandsumsatz bei Weitem. Der internationale Fokus bietet gute Möglichkeiten für Kooperationen, zum Beispiel in den Bereichen Industrie 4.0, bei der Digitalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen und im Gesundheitswesen.

Im Rahmen einer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderten Geschäftsanbahnungsreise nach Schweden und Finnland, die Ende November 2017 stattfand, trafen deutsche Unternehmen der Gamesbranche lokale Entwickler und besuchten Studios vor Ort sowie Konferenzen und Messen. Angesichts der vielen jungen Talente, des Know-hows und der fortschrittlichen Technologie kann sich eine Kooperation für deutsche Gamingfirmen lohnen.


Text: Heiko Steinacher

Suche verfeinern

Trends

Funktionen