Start-Up Status quo

Ländervergleich Start-Up Status quo

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28.01.2019

Brasilianische Start-ups florieren

Laut des Verbands ABStartups verdoppelte sich innerhalb von fünf Jahren die Zahl der Start-ups in Brasilien auf 4.200. Insgesamt rechnet der Verband mit landesweit etwa 10.000 Initiativen. Brasiliens Ökosystem entwickelt sich und durchläuft einen intensiven Reifeprozess. Dies verdeutlicht sich auch an der zunehmenden Anzahl von Übernahmen. Reifere Start-ups kaufen jüngere aus dem gleichen Segment, um schneller zu wachsen.

Der ABStartups-Jahresbericht 2017 registriert ein Durchschnittsalter von zweieinhalb Jahren. 70 Prozent haben bereits offiziell ein Unternehmen angemeldet, weitere 15 Prozent sind gerade dabei. Fast zwei Drittel der Start-ups haben bis zu 5 Mitarbeiter. 28 Prozent beschäftigen zwischen 6 und 15 Mitarbeiter und knapp 8 Prozent 16 und mehr. Unter anderem aufgrund der Landesgröße konzentrieren sich brasilianische Start-ups auf B2B- und B2B2C-Geschäfte. Nur etwa 20 Prozent suchen den Kontakt zum Endkunden.

Der Zugang zu Risikokapital sowohl aus dem Ausland, als auch von inländischen Anlegern wird leichter. Im ersten Halbjahr 2018 feierte das dritte Start-up Brasiliens seinen Status als Einhorn. Vor dem Fintech Nubank hatten bereits der Uber-Konkurrent 99 und das Fintech PagSeguro eine Marktbewertung von über 1 Milliarde US-Dollar (US$) erreicht.

Im Oktober kamen gleich drei Start-ups dazu: der Anbieter von Lernsystemen Arco Educação und die beiden Fintechs Stone Pagamentos und Brex. Die App iFood sowie deren Entwickler Movile gaben im November bekannt, bereits seit längerem dem erlesenen Kreise anzugehören. Damit zählt Brasilien mittlerweile stolze acht Einhörner. Weitere Anwärter auf den Status sind PSafe, GuiaBolso, VivaReal/Zap, Ebanx und Resultados Digitais (RD).

Brasiliens Zentralbank fördert Fintechs

Einen regelrechten Hype erleben derzeit Fintechs. Angesichts der hohen Marktzinsen und der Konzentration in Brasiliens Bankensektor will die Zentralbank den Wettbewerb stärken. Mit diesem Ziel treibt sie die Anerkennung von Fintechs voran und gestattet ihnen mittlerweile, selbst Kredite zu gewähren. Zwar ist das Kreditvolumen zunächst stark beschränkt, doch die Marktregulierung gilt als Meilenstein. Branchenexperten erwarten zunehmende Partnerschaften mit kleinen Banken, Kreditgenossenschaften und Unternehmen des Einzelhandels, die das Start-up-Ökosystem insgesamt beleben werden.

Bislang konzentrierten sich die Aktivitäten brasilianischer Start-ups auf Apps, Unterhaltung, E-Commerce, Finanzen und Bildung. Im Rahmen des nationalen Internet of Things (IoT)-Plans, den die Regierung derzeit verabschiedet, werden digitale Technologien in den vier Bereichen Smart Cities, Industrie, Agrobusiness und Gesundheit gefördert. Die digitale Welle hat die Agrarwirtschaft bereits erfasst. Neben den sogenannten Agtechs mehren sich aber auch die Insurtechs, Human Ressources Techs, Lawtechs und andere.


Start-up-Landschaft nach Branchen (Anteil in %)

Branche

Anteil

Besonders vielversprechende Start-ups

Professionelle Dienstleistungen

16,2

goEPIK, Intelup, FORSEE, Novidá, BirminD

Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)

11,0

Fhinck, Pris Software, QualityStorm, Pipefy 

Finanzen

8,8

BLU365/Kitado, Parcele.me, Meu Cambio

Gesundheit

8,2

Salvus, MSC MED, Scheme Lab, PluriCell

Handel

7,5

Incentive-me, Aqua Multitoque, STANDOUT

Bildung

7,1

Mastertech, DESCOLA, Escribo, Eruga

Mobilität/Logistik

5,7

Comprovei, Simplifica Fretes, JettaCargo, LogPyx

Unterhaltung

4,4

Cupcake Entertainment

Agrobusiness

3,9

IAgro, AGRONOW, Eirene Solutions, nextAgro

Andere

27,2

Allya, Opinion Box, PROSUMIR, Forebrain, Kornerz, JUSTTO, Loox Studios, Nama

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, "ABStartups", 100 Open Startups  


São Paulo ist der mit Abstand wichtigste Hub Brasiliens. 30 Prozent der Start-ups stammen aus der Metropole. Im Hinterland des Bundesstaates São Paulo entstanden weitere 12 Prozent der Jungunternehmen. Zweitwichtigster Bundesstaat mit 12 Prozent ist Rio Grande do Sul im äußersten Süden gefolgt von Rio de Janeiro mit 9 Prozent aller Start-ups. Ebenfalls wichtige Standorte für Innovation beheimaten die Bundesstaaten Minas Gerais mit den Start-up-Gemeinden San Pedro Valley und Colmeia, Paraná mit Red Foot und Capivalley und Santa Catarina mit StartupSC.


Text: Gloria Rose

28.01.2019

China und Nordamerika dominieren Risikokapitalinvestitionen weltweit

Wie viele Start-up-Firmen jährlich in China gegründet werden und wie viele bereits nach kurzer Zeit wieder verschwinden, wird statistisch nicht erfasst. Nach Angaben der Informationsplattformen 163Yun und ITJUZI soll es 2018 landesweit über 100.000 Start-ups gegeben haben. Über 65 Prozent davon befinden sich demnach in den drei Start-up-Hochburgen Chinas: Beijing, Shanghai und in der Provinz Guangdong mit dem Start-up-Zentrum Shenzhen.

 

China hat die meisten Start-up-Milliardäre

 

Obwohl die genaue Zahl ständig im Fluss ist und jeweils nach Datenherkunft variiert, dürfte China Ende 2017 mehr Unicorns – Firmen mit einer Unternehmensbewertung von über 1 Milliarde Euro - beheimatet haben als die USA. Der im März 2018 veröffentlichte "2017 China Unicorn Enterprise Development Report" nannte 164 Unicorns mit einem Gesamtwert von 628,4 Milliarden US-Dollar (U$) zum Jahresende 2017 (Zum Vergleich: in den USA seien es 132 mit einem Gesamtwert von über 700 Milliarden US$). Die meisten chinesischen Unicorns wurden im Bereich E-Commerce (33), vor Gesundheit, Bildung und Tourismus (26) sowie Fintech (21) gezählt. Das Hurun Research Institute kam im September 2018 hingegen bereits auf 181 Unicorns in China mit einem Marktwert von über 700 Milliarden US$.

 

Chinas Top Unicorns 2018 *)

Rang

Unternehmen

Wert (in Mrd. US$)

Bereich

Unicorn seit

1

Ant Financial (Hangzhou)

150

Fintech

6/18

2

Aliyun (Hangzhou)

67

Unternehmensdienstleistungen (Cloud Computing)

7/18

3

Didi Chuxing (Beijing)

58

Transportbereich; Car-Hailing

7/17

4

ByteDance (Beijing)

40

Medien und Unterhaltung: Gründer der mobilen Informationsplattform Toutiao

9/17

5

Lufax (Shanghai)

30

Fintech

 

*) Stand Dezember 2018

Quelle: China Money Network: China Unicorn Ranking

 

Auch beim investierten Risikokapital lieferten sich China und Nordamerika 2018 ein Kopf-an-Kopf-Rennen. So stellten laut Preqin Nordamerika und Greater China (inklusive Hongkong, Macao und Taiwan) fast vier Fünftel der weltweiten Venturecapitalinvestitionen: 107 Milliarden entfielen auf Greater China, 113 Milliarden auf Nordamerika (Venturecapitalinvestitionen in der chinesischen Währung Renminbi scheinen unvollständig berücksichtigt). Dabei steigt der chinesische Anteil unter den Investoren in der Frühphase (Early-Stage).

 

Künftig werden Bereiche wie künstliche Intelligenz (KI), Big Data, Cloud Computing und Robotik für Investoren an Bedeutung gewinnen. Laut "China Startup Outlook 2018" der Silicon Valley Bank halten 36 Prozent der befragten chinesischen Firmengründer KI als das aussichtsreichste Segment vor Biowissenschaften und Gesundheit (16 Prozent), Big Data (11 Prozent) und Fintech (9 Prozent).

 

Start-up-Hubs in China haben eigene Schwerpunkte

 

Gerade für KI, Blockchain, aber auch für onlinebasierte Bildung (Edtech) verfügt die chinesische Hauptstadt Beijing über ein gutes Ökosystem. Laut der World Intellectual Property Organization (WIPO) lag sie 2017 auf dem siebten Platz der führenden Innovationscluster weltweit. Aus der Peking-Universität und Tsinghua-Universität kommen hochklassige Tech-Talente. Beijings Hightechzone Zhongguancun gilt vielen als Chinas Antwort auf das Silicon Valley. Die Hauptstadt investiert gezielt in die Ansiedlung von KI-Start-ups.

 

Die wohl internationalste Start-up-Szene ist in Shanghai beheimatet: Renommierte Universitäten, zahlreiche Forschungs- und Entwicklungszentren multinationaler Unternehmen, deren eigene Start-up-Programme sowie internationale Acceleratoren wie ChinaAccelerator, WeWork oder TechNode sorgen für eine gute internationale Anbindung der dortigen Start-up-Szene. Das meiste Risikokapital fließt in Shanghai in Fintech-Start-ups. Gleichzeitig gilt die Stadt als Zentrum der chinesischen Gamingindustrie. Hangzhou, Hauptstadt der Provinz Zhejiang, profitiert vom Firmensitz des E-Commercegiganten Alibaba. Um ihn herum hat sich eine für Start-ups sehr attraktive Pilotzone für E-Commerce entwickelt.

 

Als "Silicon Valley of Hardware" wird häufig Shenzhen in der Provinz Guangdong bezeichnet. Die WIPO hat die Stadt gemeinsam mit dem in unmittelbarer Nähe liegenden Hongkong 2017 zum zweitwichtigsten Innovationscluster weltweit erklärt. Shenzhen verfügt über eine hervorragende Produktions- und Innovationsinfrastruktur in der hardwarelastigen Informations- und Kommunikationstechnologie sowie zunehmend ebenfalls für Robotik. Seine Start-up-Szene ist stark lokal geprägt. Die Stadt ist Heimat von Tencent, Huawei, ZTE, BYD sowie DJI – um nur einige Toptechunternehmen zu nennen.

 

Text: Corinne Abele

28.01.2019

Die Gründerszene Indiens entwickelt sich dynamisch

In Indien ist in den letzten Jahren die Start-up-Szene sehr rasch gewachsen. Allein 2018 wurden mehr als 1.200 neue Start-ups registriert. Zum Vergleich: In Deutschland gab es 2018 rund 600 neue Start-ups; in Israel schätzt man die Zahl auf 1.400. Laut Fachverband National Association of Software and Services Companies (Nasscom) erhöhte sich die Gesamtzahl der indischen Start-ups im Jahr 2018 somit auf rund 7.700, das entspricht einem Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Innerhalb der Start-up-Szene entwickelt sich vor allem der Business to Business (B2B) Bereich stark. Branchen wie Healthtech, Fintech und E-Commerce konnten zweistellige Wachstumsraten einfahren. Zudem erhielten B2B-Firmen mehr als 30 Prozent der gesamten Start-up-Investitionen.

Der B2B-Sektor kann sich so gut entwickeln, da die Regulierungen für ausländische Direktinvestitionen (FDI) lockerer sind als bei Business to Consumer (B2C)-Geschäften. FDI sind bei B2B bis zu 100 Prozent gestattet, waren aber im B2C-Onlinehandel untersagt. Die indische Regierung veröffentlichte Ende März 2016 eine lange erwartete Änderung, die 100 Prozent FDI für den B2C-Onlinehandel im Onlinemarktplatz erlaubt. Langfristig gesehen werden diese Maßnahmen allein nicht ausreichen. Weitere Öffnungen vor allem im B2C-Geschäft werden von der Industrie gefordert.

Bangalore ist Indiens Silicon Valley 

Insgesamt konzentrieren sich mehr als 70 Prozent aller Start-ups in Tier 1-Regionen. Zu den Hochburgen gehören Bangalore, National Capital Region (NCR; Großraum um die Hauptstadt New Delhi) und Mumbai. Zwei Drittel aller Jungunternehmen sind hier angesiedelt. Aber auch andere Städte wie Hyderabad, Chennai und Kolkata bieten ein interessantes Ökosystem mit Inkubatoren und Investoren. Die Nummer eins unter den Standorten ist Bangalore. Hier profitieren Firmen von Synergieeffekten durch etablierte Clusterbildungen. Nach Berlin und Amsterdam ist Bangalore die am schnellsten wachsende Start-up-Region der Welt.

Start-ups in Tier 1-Regionen 2018

Stadt

In Prozent %

Bangalore

25

Delhi NCR

21

Mumbai

14

Hyderabad

6

Chennai

4

Kolkata

2

Quelle: Nasscom, Oktober 2018

Insgesamt zeichnet Indiens Start-up-Szene eine hohe Diversität aus und ist in verschiedenen Bereichen aktiv. Die erfolgversprechendsten Jungunternehmen finden sich dabei in den Bereichen Logistik und Transport, Software- und Informationstechnologie, Fintech, Onlinemarktplätze (beispielsweise Amazon) und Gesundheitsdienstleistungen. Auf diese Bereiche konzentrieren sich über 70 Prozent aller Start-ups in Indien.

Anteil der Start-ups in unterschiedlichen Sektoren 2018

Branche

Anteil in %

Logistik und Transport

24

Software- und Informationstechnologie

16

Fintech

14

Onlinemarktplätze

12

Gesundheitsdienstleistungen

8

Bildung

6

Rest (FoodTec, RetailTec etc.)

20

Quelle: Nasscom, Oktober 2018

Mit Stand Oktober 2018 hat Indien laut Nasscom 18 Einhörner (Start-ups mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar) in den vergangenen Jahren hervorgebracht. Die meisten zählen zu der Kategorie Tech-Start-ups. In dieser Statistik liegt Indien auf Platz drei hinter USA (126) und China (77).

Zu den bekanntesten indischen Startup-Erfolgsgeschichten zählen Flipkart (mit über 100 Millionen Kunden der größte Konkurrent von Amazon in Indien), die Internetplattform YourStory (die größte Start-up-Plattform Indiens), der Essenslieferant Swiggy sowie Ola Cabs, das indische Pendant zu Uber. Interesse bei großen Unternehmen wie Metro weckt der Start-up Discover Dollar, mit dessen Softwaresystem einfache und akribische Analysen von Einnahmen und Ausgaben für Unternehmen ermöglicht werden.

Bedeutende Start-ups im Finanzjahr 2016/17 1)

Anbieter

 

Umsatz in Mio. US$ 2)

Anzahl der Beschäftigten

Flipkart

2.716,8

8.000

Ola Cabs

175,9

6.000

Paytm.com

111,4

13.000

Zomato

42,3

2.000

Swiggy

18,2

2.428

Oyo Rooms

17,1

2.700

1) 1. April bis 31. März; 2) Schätzungen
Wechselkurs vom 25. Oktober 2018: 1 US$ = 73,08 indische Rupien
Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen, Oktober 2018


Text: Heena Nazir

28.01.2019

Die Volumina der Deals in Vietnams Gründerszene steigen

Dem Ministry of Science and Technology zufolge konnte Vietnam im Jahr 2017 bereits rund 3.000 Start-ups sowie mehr als 40 Venture Capital Funds vorweisen. Ob diese Zahlen zutreffen, ist allerdings nur schwer einschätzbar.

So ist alleine die Abgrenzung von Start-ups und klassischen Unternehmensgründungen fließend. Nicht wenige Gründer agieren zudem in einer Grauzone abseits regulativer Vorgaben und Statistiken. Ein unübersichtliches Regelungsumfeld und ein generelles Misstrauen gegenüber staatlichen Registrierungspflichten führen dazu, dass gerade Start-ups in den ersten Gründungsphasen ihre Anwendungen eher im Privaten entwickeln. Auch weichen hoffnungsvolle vietnamesische Entwickler nicht selten in die Gründerhochburg Singapur aus.

Fintech und Foodtech liegen in der Gunst der Investoren vorne

Insgesamt beobachtet aber der Accelerator Topica Founder Institute eine wachsende Dynamik bei Finanzierungen und Exits sowie steil ansteigende Dealvolumina.

Deals nach maßgeblichen Branchen (Anzahl; Investitionshöhe in Millionen US$) *)

Branche

Anzahl 2016

Anzahl 2017

Investitionshöhe 2016

Investitionshöhe 2017

.E-Commerce

12

21

35

83

.Foodtech

k.A.

k.A.

k.A.

65

.Fintech

k.A.

8

129

57

.Medien

4

9

4

18

.Logistik

k.A.

5

k.A.

18

.Reisen

k.A.

5

k.A.

10

Insgesamt

50

92

205

291

*) Schätzungen
Quelle: Topica Founder Institute

Erste Start-ups werden erwachsen

Die Start-up-Szene beginnt sich zu etablieren. Einige vietnamesische Anwendungen sind mittlerweile bereits in der zweiten oder dritten Finanzierungsrunde beziehungsweise haben den Exit erreicht.

Das ehemalige E-Commerce-Start-up Tiki.com ist in der Finanzierungsserie D und zählt heute zu den wichtigsten Onlinemarktplätzen des Landes. Der mobile Zahlungsdienst MoMo befindet sich in der zweiten Finanzierungsrunde und konnte sich 2016 eine Finanzierung in Höhe von 28 Millionen US-Dollar (US$) durch die Standard Chartered Bank sowie Goldman Sachs sichern.

Der für vietnamesische Anwender entwickelte Browser Coc Coc zählt mit rund 22 Millionen Nutzern laut Alexa zu den Top-30-Internetseiten in Vietnam. Laut Stat Counter verfügt Coc Coc über einen Marktanteil von knapp 18 Prozent und ist damit hinter Chrome der zweitwichtigste Browser in Vietnam. Finanziert wird Coc Coc unter anderem durch das deutsche Medienhaus Burda, das 2015 über seine Investmentsparte BurdaPrincipal 15 Millionen US$ investiert hatte.

Ho Chi Minh City, Hanoi und Danang entwickeln sich zu Gründerhochburgen

Die wichtigsten Start-up-Zentren sind Ho Chi Minh City (HCMC), Hanoi und Danang. Das traditionell als wirtschaftlich aufgeschlossener und experimentierfreudiger geltende ehemalige Saigon verfügt über eine lebhafte, kaum verfestigte Gründerszene. Ho Chi Minh City strebt an, das Silicon Valley Südostasiens zu werden.

Auch das zentralvietnamesische Danang etabliert sich als Hightech- und Informationstechnologie-Nukleus. Hierzu trägt nicht nur bei, dass FPT, das wohl wichtigste IT-Unternehmen des Landes, einen Standort in die aufstrebende Stadt verlegt hat. Auch gute technische Universitäten machen das rund 1 Million Einwohner umfassende Danang zu einem noch kleinen, aber zunehmend interessanteren IT- und Start-up-Hub.

Wichtige Gründerhochburg ist zudem Hanoi, das nicht nur - wie auch Ho Chi Minh City - über einen Hightechpark verfügt, sondern zudem Standort von VinTech, dem Forschungs- und Entwicklungszweig des Industriekonglomerats Vingroup, werden wird.

Förderlandschaft bleibt unübersichtlich

Eines der wichtigsten offiziellen Gründerevents ist das vom Ministry of Science and Technology organisierte jährliche Techfest. Dort treffen nationale und internationale potenzielle Investoren auf Start-ups, die auf vorausgegangenen regionalen Techfest-Events ausgewählt worden sind.

Zudem florieren regionale oder durch Privatunternehmen unterstütze Förderevents und Wettbewerbe, wie die IoT Startup Competition des Sai Gon Hi-Tech Park Incubation Centers oder wie das Vietnam Startup Wheel, das vom Business Startup Support Center, HCMC Department of Science and Technology und der HCMC Young Businesspeople Association unterstützt wird.

Anwendungen für Fintech und E-Commerce an der Spitze

Wichtige Start-up-Branchen sind Fintech (mit dem Zahlungsdienst MoMo), E-Commerce und Lifestyle; ferner Business-to-Business-Anwendungen wie Logistiklösungen (Logivan; sozusagen ein Uber für die Logistik) oder Kunden- und Websitemanagementlösungen (BotStar; eine Plattform für Chatbots und Chatbot-Monitoring).

Aber auch Entwicklungen in den Bereichen Agrartechnologie, Industrie 4.0, Tourismus, Medizin und Bildung sind erheblich nachgefragt und werden zunehmend gefördert. Zudem will die Regierung - auch aus nationalen Sicherheitserwägungen heraus - eigene vietnamesische Social-Media-Lösungen entwickeln, um großen internationalen Anbietern wie Facebook Paroli bieten oder diese im besten Falle ersetzen zu können.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam finden Sie auf der GTAI Länderseite Vietnem. Die Seite Asien-Pazifik: Motor der Weltwirtschaft bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in dieser Region.


Text: Frauke Schmitz-Bauerdick

28.01.2019

Die meisten italienischen Start-ups entstehen in der Lombardei

Seit 2012 ist die Zahl der anerkannten innovativen Start-ups kontinuierlich gestiegen. Ende 2017 waren knapp 8.400 Unternehmen registriert. Wichtigste Sektoren der Start-up-Szene sind Software- und Informations- und Kommunikationstechnologie, Gesundheitswirtschaft, Lebensmitteltechnologie, Mode sowie Maschinenbau. Italienische Gründer sind in der Regel männlich (82 Prozent) und haben mindestens einen Bachelorabschluss (73 Prozent).

Anzahl der Start-ups

 

2015

2017

Insgesamt

5.143

8.391

darunter Software

1.535

2.641

IT Dienstleistungen

415

756

Wissenschaftliche Forschung und Entwicklung

793

1.131

Produktionstätigkeiten, Energie, Bergbau

977

1.614

Handel

216

355

Quelle: Camera di Commercio d‘Italia

Im Durchschnitt erzielte ein italienisches Start-up im Jahr 2017 einen Umsatz von 154.000 Euro und beschäftigte 3,25 Mitarbeiter. Die „Überlebensrate“ der seit 2012 akkreditierten innovativen Start-ups liegt bei 90 Prozent und ist damit höher als der Durchschnittswert für italienische Unternehmen insgesamt.

Beschäftigungs- und Umsatzwachstum von Start-ups

 

2014

2015

2016

2017

Anzahl der Beschäftigten (in Personen)

2.607

5.351

9.169

10.847

Gesamtproduktionswert (in Mio. Euro)

340

584

762

k. A.

Quelle: Camera di Commercio d‘Italia

Zentrum der Gründerszene ist die Lombardei

Das italienische Zentrum der Gründerszene ist die Lombardei. Fast ein Viertel der anerkannten Start-ups haben hier ihren Sitz. An zweiter Stelle liegt die Emilia-Romagna, gefolgt von der Region Latium. Die Zahl der Start-ups ist in den Großstädten Mailand und Rom am höchsten. Der Start-up-Anteil an der Gesamtzahl der Unternehmen ist in den innovationsstarken Städten Triest und Trient sehr hoch.

Vorzeigebeispiel ist der Onlinehändler für Luxusmode Yoox

Paradebeispiel für die italienische Start-up-Szene ist der 2000 gegründete Onlinehändler für Luxusmode Yoox. Der Gründer hatte durch den Fokus auf das Hochpreissegment eine Marktnische identifiziert. Nach mehreren Finanzierungsrunden ging Yoox 2009 an die italienische Börse. Im Jahr 2015 kam es zu einer Fusion mit Net-a-Porter aus Frankreich, inzwischen ist die Gruppe in 180 Ländern aktiv. Der Umsatz im Jahr 2017 betrug 2,1 Milliarden Euro.

Das 2012 gegründete Start-up Greenrail wurde 2017 vom Branchenverband als „Start-up des Jahres" prämiert. Die Firma hat nachhaltige Eisenbahnschwellen entwickelt, die aus Recyclingmaterialien wie Altreifen hergestellt werden. Ende 2017 erhielt Greenrail einen Auftrag über 75 Millionen Euro aus den USA.

Ein weiteres Start-up aus Mailand wurde 2017 von Frost & Sullivan ausgezeichnet. Der Video-on-Demand-Anbieter Chili wurde 2012 als Spin-off des italienischen Telekommunikationsunternehmens Fastweb gegründet. Die Firma etablierte sich schnell und ist in kurzer Zeit nach Deutschland, Österreich, Polen und in das Vereinigte Königreich expandiert. Eine aggressive Preisstrategie und ein breites, internationales Filmangebot haben dazu beigetragen, dass das Unternehmen mit Global Playern wie Netflix mithalten konnte. Im Jahr 2016 stiegen vier der größten US-Filmstudios als Investoren ein. Anfang 2018 investierte der italienische Kaffeehersteller Lavazza 25 Millionen Euro in Chili.

Neuer Fintech-District in Mailand

Der italienische Start-up-Verband mit circa 2.500 Mitgliedern nennt sich Italia Startup. Jedes fünfte junge Unternehmen arbeitet mit einem Inkubator, Accelerator oder einer Universität. Laut UBI-Index 2017/2018 kommt das PoliHub Startup District & Incubator des Mailänder Polytechnikums weltweit auf den 3. Platz der Inkubatoren. Auch H-Farm in Treviso (mit einem zweiten Sitz in Mailand), The Hive in Ancona sowie der Business Accelerator Knowbel in Modena wurden ausgezeichnet. Luiss Enlabs in Rom zählt zudem zu den wichtigsten Inkubatoren des Landes.

Hervorzuheben ist der neue Fintech-District in Mailand. Die 2017 eingeweihte Initiative bringt mehrere Start-ups in der Finanzdienstleistungsbranche zusammen. Die Betreiber hoffen, dass Mailand durch den Brexit als Finanzzentrum an Bedeutung gewinnt.

Eine Herausforderung besteht in der Geschäftspartnervermittlung zwischen hightech-orientierten Start-ups und klassischen Unternehmen, die von älteren, nicht technologieaffinen Managern gesteuert werden. Der Branchenverband Italia Startup bringt mit einem Onlinemarktplatz etablierte Unternehmen und Start-ups zusammen.


Text: Robert Scheid

28.01.2019

Enge Kooperation zwischen Unternehmen und Universitäten in den Niederlanden

Rund ein Drittel der Start-ups wurde 2017 in Amsterdam (46 Unternehmen) gegründet, danach folgten Eindhoven (13), Delft (10), Enschede (7), Leiden (7), und Utrecht (7). Die Topkategorien waren Software, E-Commerce, Reisen, Biotechnologie, Informationstechnologie und Logistik.

Im Jahr 2017 zählten die Start-up Analysten von Golden Egg Check 122 Deals zwischen Start-ups und Investoren mit einen Volumen von 646 Millionen Euro. Dabei waren die aktivsten niederländischen Venturecapital Investoren inkev capital (6 Deals in 2017), BioGenerationVentures (5), henQ (5), Innovation Industries (5), Mainport Innovation (5), Value Creation Capital (4) und Volta Ventures (3).

Top Start-ups in den Niederlanden 2017 *)

Start-up

Kapitalbeschaffung in Mio. Euro

Bereich

Picnic

100

Lieferservice, Lebensmittel, Shopping

Messagebird

52

Cloud Computing, Unternehmenssoftware

Xeltis

45

Gesundheit, Medizintechnik, Therapie

Protix

45

Landwirtschaft, nachhaltige Nahrungsmittel

NorthSea Therapeutics

25

Gesundheit, Therapie

Bloomon

21,4

E-Commerce, Dekoration

Solynta

16

Nahrungsmittel

Ohpen

15

Bank- und Finanzdienstleistungen

*) nach Höhe der Kapitalbeschaffungssumme
Quelle: Golden Egg Check

Start-up Hubs oft bei Forschungseinrichtungen

In den Niederlanden befinden sich viele Universitäten und Forschungsinstitute. Häufig sind in den Universitätsstädten auch Accelleratoren und Inkubatoren anzutreffen. Die Kooperation zwischen Forschung und Start-ups ist eng. Universitäten, Accelleratoren und Inkubatoren bieten Kurse, um Start-ups auch betriebswirtschaftlich fit zu machen.

Aus der Technischen Universität (TU) Delft gingen die meisten Spin-offs (8) hervor, es folgten die Universität Twente (5), das Medizinische Zentrum der Universität Leiden (3), die TU Eindhoven (3) und die Niederländische Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (2).

Auf den folgenden Seiten befinden sich die Spezialisierungen der Inkubatoren, die in der Regel abhängig sind von den denen der benachbarten Forschungsinstitute:

Niederländische Förderung schafft Erfolgsstories

Das Engagement der Niederlande in Sachen Start-ups zahlt sich aus. Aus dem Yes!Delft Inkubator ging beispielsweise das Start-up Somnox hervor. Alumni des Inkubators gründeten Somnox und entwickelten einen intelligenten Schlafroboter. Das Produkt ist ein erdnussförmiges Kissen, das den Atemrhythmus misst und anschließend eine eigene kontinuierliche Bewegung erzeugt. Dadurch entsteht beim Schläfer eine Empfindung, die unterbewusst den Atemrhytmus beeinflusst. Das Start-up erhielt 2017 den Robotdalen Innovation Preis sowie den Philips Innovation Preis. Die Markteinführung erfolgte Mitte 2018.

Eurekite ging 2012 als Spin-off aus der Universität Twente hervor. Das Unternehmen entwickelte Flexiramics, eine flexible, rein keramische Nanofiber-Matte. Das papierähnliche Material ist feuerfest und nicht leitend. Das Start-up gewann 2017 den Start-up-Preis für die beste industrielle Innovation im Bereich Nanotechnologie und neue Materialien. Eurekite durchlief bereits zwei Finanzierungsrunden durch den Cottonwood Technology Fund und durch das Programm der Europäischen Union Horizon2020.

Nicht nur neuen Technologien widmen sich Start-ups, sie sind auch im Bereich Unterhaltung unterwegs. Plugify ist ein Onlinemarktplatz zum Sehen, Hören und Buchen von Livemusik, der 2015 in Amsterdam gegründet wurde. Die Vision war, Livemusik einfach buchen zu können - für jede Gelegenheit und für jeden Geldbeutel. Bis jetzt haben mehr als 3.000 Nutzer den Service in Anspruch genommen und Musik für Hochzeiten, Geburtstage, Wohnzimmerkonzerte oder Betriebsfeiern gebucht. Inzwischen floss Venturecapital in Höhe von 750.000 Euro in das Unternehmen.

Bedeutende jährliche Förder-Events

Veranstaltung

Ort

CES Unveiled

Amsterdam

DEPT Festival

Amsterdam

LOEY Awards

Amsterdam

Eyes wide open

Eindhoven

Talent Portal

Rotterdam

Designing your initiative for successAmsterdam
Angel Island

Amsterdam

StartupFest Health

Utrecht

Impact StartupFest

Den Haag

The Breda Start up award

Breda

Brave new world

Leiden

Onbrand

Halfweg

Tech Job Fair

Amsterdam

Startup funding event

Rotterdam

The next Web

Amsterdam

Quelle: StartupDelta


Text: Inge Kozel

28.01.2019

In Ägypten spielen soziale Aspekte eine Rolle

Obwohl seit 2011 eine Gründungswelle durch Ägypten rollt, sind so gut wie keine Zahlen zu Start-ups verfügbar. Die Datenlage im Land ist auch allgemein eher schwierig. Diese Tatsache betrifft auch Vertreter neuer Unternehmen. Gründer haben vielfach Schwierigkeiten, an verfügbare, aktuelle und bezahlbare Informationen selbst zu ihrer eigenen Branche oder zur Konkurrenzsituation darin zu kommen. Eine oft zitierte Zahl ist ein Risiko von 80 bis 90 Prozent, mit einem Start-up zu scheitern.

Eindeutige Boombranchen für Gründer existieren in Ägypten nicht. Häufig fällt auf, dass junge Unternehmen Lücken schließen, die vom Markt oder Staat nicht ausgefüllt werden. Dieses gilt zum Beispiel bei Vergleichs-, Vermittlungs- oder Bewertungsportalen. In einem Land mit sehr unterschiedlich qualifizierten und dienstleistungsorientierten Handwerkern sind verlässliche Empfehlungen besonders wertvoll. Ähnliche Geschäftsideen beziehen sich auf die Suche nach guten Ärzten oder bewährten haushaltsnahen Dienstleistern. Die von einer niedrigen Basis aus wachsenden erneuerbaren Energien ziehen ebenfalls Start-ups an. Manche neuen Unternehmen stammen aus den Bereichen Technik und Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), andere sind in den Feldern Mode, Design und Kunsthandwerk aktiv.

Für die zumeist jungen Teams der neuen Unternehmen scheint außerdem der Themenkomplex Umwelt und Nachhaltigkeit eine größere Rolle zu spielen, als das insgesamt in Ägypten der Fall ist. Oft integrieren die Gründer soziale Ansätze ganz selbstverständlich, ohne sich als explizites „social start-up“ zu bezeichnen. Mit Aquaponiksystemen bezahlbare Nahrungsmittel ohne Pestizidrückstände zu erzeugen, in ländlichen Regionen handwerkliche Arbeitsplätze durch die Verarbeitung lokaler Rohstoffe zu schaffen oder entlegenen Orten durch dezentrale Solarlösungen erstmals elektrischen Strom zu bringen sind Beispiele für solche Ansätze. Die regionalen Gegensätze und die schwierige finanzielle Situation vieler Ägypter spornt viele Jungunternehmen dazu an, auch etwas für die Gesellschaft zu tun.

Kairo ist das Gründerzentrum

Obwohl Ideen in verschiedenen Landesteilen entstehen, ist Kairo die eindeutige Gründungshochburg in Ägypten. Ende 2015 kürte Forbes die Stadt sogar als einen der zehn Top-Standorte zur Gründung eines Start-ups. Zu dieser Bedeutung trägt sicher auch bei, dass die Stadt über bedeutende nationale und internationale Universitäten verfügt und das politische und wirtschaftliche Zentrum Ägyptens ist. Mit dem RiseUp Summit findet seit 2013 jährlich eine vielbeachtete Veranstaltung zu Unternehmertum und Innovation in Kairo statt.

Zu den am Markt erfolgreichen Start-ups zählt Instabug, eine Gründung von 2012. Das Unternehmen startete mit der Idee, Hinweise auf Programmierfehler einfach durch das Schütteln des Endgeräts zu übermitteln. Auch der 2008 gegründete mobile Bezahldienst Fawry zählt zu den bekanntesten Gründungen der vergangenen zehn Jahre. Fawry konnte früh finanzkräftige und erfahrene Partner gewinnen und ist heute mit 75.000 Servicepunkten in 300 ägyptischen Städten vertreten. Im Mai 2018 vereinbarte Fawry mit der Metrogesellschaft in Kairo, auch die Bezahlung von Fahrkarten online anzubieten. Für 2018 strebt das Unternehmen an, Transaktionen im Gesamtwert von rund 1,7 Milliarden Euro nach 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr abzuwickeln.

In der noch jungen Solarbranche Ägyptens tauchen häufig die Namen zweier Start-ups auf. KarmSolar entstand 2011 und vermarktet Pump- und Bewässerungssysteme ebenso wie große netzgebundene oder Offgrid-Energiestationen. Das Tochterunternehmen KarmBuild fokussiert sich auf den energieeffizienten und nachhaltigen Gebäudebau. Solartechnik wird dabei bereits in das Gebäudedesign einbezogen. SolarizEgypt bietet Fotovoltaikgesamtlösungen an und finanziert, entwirft, installiert und betreibt entsprechende Anlagen. Das Unternehmen wurde 2013 gegründet. Erst im November 2017 ging die App Halan online. Das stark wachsende Start-up koordiniert Fahrgemeinschaften für Motorräder und Tuktuks. Laut eines Medienberichts verzeichnete Halan innerhalb der ersten Monate mehr als 100.000 Downloads und vermittelt täglich eine vierstellige Anzahl von Fahrten.


Text: Oliver Idem

28.01.2019

Israels Start-ups werden reifer

In Ermangelung einer einheitlichen Definition gibt es auch keine einheitliche Statistik zur Zahl der in Israel tätigen Start-up-Firmen. Ein oft, auch von offiziellen Stellen, herangezogenes statistisches Instrument ist die Datenbank der auf den Wagniskapitalmarkt spezialisierten Wirtschaftsforschungsfirma IVC Research.

Im Oktober 2018 gab es in Israel laut der IVC-Statistik 7.374 junge Hochtechnologiefirmen, die sich im Seed-Stadium, in der Phase der Produktentwicklung ohne Verkaufsumsatz oder aber im Stadium anfänglicher Einnahmen von nicht mehr als 10 Millionen US-Dollar (US$) pro Jahr befanden. Diese Firmen können als Start-ups eingestuft werden.

Start-ups nach Sparte und Entwicklungsphase (Stand: Oktober 2018)

Sparte

Seed

Produktentwicklung

Anfängliche Einnahmen

Insgesamt

Veränderung der Zahl der Start-ups zu November 2015 in %

Telekommunikation

291

495

519

1.305

0,9

Halbleiter

5

40

70

115

17,3

Informationstechnologie und Software

316

486

960

1.762

48,1

Internet

344

518

701

1.563

-0,1

Biowissenschaften

146

761

507

1.414

28,2

Umwelttechnologie

55

220

320

595

6,4

Andere

86

207

327

620

36,2

Insgesamt

1.243

2.727

3.404

7.374

17,8

Veränderung der Zahl der Start-ups zu November 2015 in %

-16,6

23,4

32,9

17,8

 

Quelle: IVC Research

Die höchste Zahl solcher Unternehmen entfiel auf Informationstechnologie und Software, gefolgt von der Internetbranche, den Biowissenschaften und der Telekommunikation. Allerdings entwickeln sich nicht alle Sparten des Start-up-Sektors gleich schnell. Die mit Abstand kräftigste Zunahme zwischen November 2015 und Oktober 2018 wies die Zahl der Start-ups im Bereich Informationstechnologie und Software auf. Demgegenüber blieb die Zahl der Start-ups in den Sparten Telekommunikation, Internet und Umwelttechnologie faktisch unterverändert.

Nach Entwicklungsphasen betrachtet, nahm die Zahl der Start-ups mit anfänglichen Einnahmen in der genannten Zeitspanne um rund ein Drittel zu. Bei Start-ups in der Produktentwicklungsphase lag die Zunahme bei knapp einem Viertel. Demgegenüber gab die Zahl junger Hightechunternehmen in der Seed-Phase um 16,6 Prozent nach. Diese Zahlen belegen nicht zuletzt den zunehmenden Wunsch israelischer Start-up Gründer, ihre Firmen in Eigenregie über das Start-up-Stadium hinaus expandieren zu lassen, statt sie schnell zu verkaufen. Ein weiterer Grund ist die steigende Zahl ausländischer Forschungs- und Entwicklungszentren, die potenzielle Existenzgründer mit hohen Gehältern als Angestellte locken.

Tel Aviv ist Start-up-Hochburg

Die unumstrittene Hauptstadt der israelischen Start-up-Szene ist Tel Aviv. Die israelische Wirtschaftsmetropole beherbergte 2016 laut der jüngsten verfügbaren Zahlen des Zentralamts für Statistik 42,1 Prozent aller Start-ups, gefolgt vom Tel Aviver Umland mit 30,2 Prozent.

Die Konzentration auf Groß-Tel Aviv schafft fruchtbaren Nährboden für Kontakte und Networking. Zahlreiche kleine, oft informelle Foren interessierter Start-up-Unternehmer schaffen einen wichtigen Dialograhmen. Acceleratoren bieten größeren Unternehmen die Möglichkeit, für sie potenziell interessante Start-ups kennenzulernen.

Technologiemessen können ebenfalls für die Anbahnung von Kontakten zwischen Start-ups und potenziellen Partnern oder Investoren von Interesse sein. Dabei sind vor allem die Technologiemesse Technology, die New Tech-Messe für Hightech und Elektronik, die Umweltschutzmesse Cleantech und die Labortechnikmesse Analiza zu nennen. Im Rahmen der New Tech findet Ende Mai 2019 eine Start-up-Konferenz für Unternehmer, Start-ups, Wagniskapitalfonds und Technologieinkubatoren statt. 

Die Liste der Erfolgsgeschichten israelischer Start-ups ist lang. Das wohl bekannteste Beispiel ist der Anbieter von Technologie für autonomes Fahren, Mobileye, das 1999 als ein Start-up anfing und 2017 von Intel für 15,3 Milliarden US$ übernommen wurde. Mazor Robotics, ein Spezialist für roboterassistierte Wirbelsäulenchirurgie, begann sein Dasein 2001 in einem Technologieinkubator an Israels Technischer Universität Technion und wurde 2018 von dem US-Medizintechnikkonzern Medtronic für 1,6 Milliarden US$ übernommen.

IronSource, ein Spezialist für Monetisierung und Marketing mobiler Inhalte mit Geschäftssitz in Tel Aviv gehört zu den relativ wenigen israelischen Einhörnern, deren Wert die Marke von 1 Milliarde US$ überschritten hat und die nicht verkauft wurden. Selbstverständlich erreichen die meisten Start-ups nicht einmal annähernd solche Firmenwerte, doch besetzen sie oft kleinere Nischen auf dem Weltmarkt und sind auf ihren Märkten überaus erfolgreich.


Text: Wladimir Struminski

28.01.2019

Kolumbien: Ein Lebensmittellieferant ist Vorreiter

Die Gründerhochburgen Kolumbiens sind die zwei größten Städte des Landes, Bogotá und Medellín. Bogotá ist Sitz zahlreicher multinationaler Unternehmen und Informationstechnologiefirmen. Mitte 2018 entschied sich Amazon dazu, ein globales Kundenservicezentrum mit 600 Mitarbeitern in Bogotá zu errichten. Auch Google betreibt hier eine regionale Zentrale. Zudem sind alle nationalen Regierungsstellen in Bogotá ansässig. Eine wichtige Anlaufstelle und Austauschpunkt für Start-ups ist HubBOG. Neben einem Accelerator-Programm bietet es Co-Working-Büros an und hat in acht Jahren bereits 200 Start-ups auf den Weg geholfen.

Medellín gilt als innovativste und fortschrittlichste Stadt Kolumbiens. Große Unternehmen des Finanz- und Versicherungssektors wie Bancolombia und Grupo Sura sowie Unternehmen des Energiesektors wie EPM sind hier ansässig. Der Technologiekomplex Ruta N ist sowohl für Konzerne wie Huawei, IBM und Globant ein Zuhause, als auch für Start-ups, denen Ruta N Finanzierung und Büros anbietet. Das wichtigste Förderevent des Jahres, der Colombia Startup & Investor Summit, bringt Start-ups und Investoren zusammen. Im Wettbewerb werden die 20 besten Geschäftsmodelle ausgewählt, die am Programm Google Design Sprint teilnehmen dürfen.

Auswahl kolumbianischer Start-ups (Stand: September 2018)

NameBrancheRisikokapital; Investoren (Auswahl)Internet
RappiLebensmittellieferservice392 Mio. US$; DTS Global, Sequoia Capital, Andreessen Horowitz, Y Combinator

www.rappi.com

LiftitTransportsharing12 Mio. US$; Bassin Ventures, Alexander Torrenegra

www.liftit.co

FluvipMarketing: verbindet Influencer mit Unternehmen7,5 Mio. US$; Velum Ventures, Venture City

www.fluvip.com

HogaruOnlinevermittlung von Reinigungspersonal1,4 Mio. US$; Y Combinator, Venture City

www.hogaru.com

UBitsWeiterbildung für UnternehmenY Combinator

www.ubits.co

Kiwi CampusLebensmittelauslieferung mit RoboternBerkeley SkyDeck Fund, Alexander Torrenegra

www.kiwicampus.com

TpagaHandybezahlung für Personen ohne Bankkonto3,6 Mio. US$; Y Combinator, INVX

www.tpaga.co

Ofi.comE-Commerce für Bürobedarf5 Mio. US$; Velum Ventures, Endeavor Catalyst

www.ofi.com.co

1DOC3E-Health2 Mio. US$; Venture City, Mountain Nazca

www.1doc3.com

Quelle: Crunchbase

Junges Unternehmen revolutioniert Lieferservice

Rappi wurde erst 2015 gegründet, doch schon jetzt sind die orangefarbenen Boxen der Rappi-Lieferanten aus dem Straßenbild Bogotás nicht mehr wegzudenken. Das bislang erfolgreichste Start-up Kolumbiens wurde kürzlich auf 1 Milliarde US-Dollar (US$) bewertet - das erste Einhorn. Mit der App lassen sich Lebensmittel, Essen, Getränke, Drogerieartikel und vieles mehr aus verschiedenen Geschäften nach Hause bestellen. Die Lieferanten sind meist per Fahrrad oder Roller unterwegs. Zu den Investoren zählen Delivery Hero aus Deutschland und die renommierten Techinvestoren Andreessen Horowitz und Sequoia aus dem Silicon Valley. „Wir wachsen monatlich um 20 bis 30 Prozent und wollen 2018 mit 11.000 Bestellungen pro Stunde abschließen“, so Sebastián Mejía, einer der Gründer von Rappi.

Ein kolumbianisches Start-up mit sehr viel Potenzial ist Liftit - auch bezeichnet als „Uber für Cargo“. Liftit bietet Umzüge, Warentransport und E-Commercelieferungen für Privatpersonen und Firmen an. In Kolumbien gibt es rund 500.000 unabhängige Lkw-Fahrer mit eigenen Lieferwagen, zudem zahlreiche kleine Transportflotten. Viele Dörfer sind nur schlecht an das Transportnetz angeschlossen, sodass sich einzelne Lieferungen oft nicht lohnen. Liftit legt dank Technologie und Smartphones Lieferungen zusammen, optimiert Routen und verfolgt die Lieferungen in Echtzeit. So reduzieren sich die Transportkosten um 20 bis 40 Prozent.


Text: Edwin Schuh

28.01.2019

Mexico City etabliert sich als Fintech-Zentrum

Die Zahl der Start-ups nimmt in Mexiko drastisch zu, wie besonders die prosperierende Fintech-Branche zeigt. In diesem Bereich existierten Mitte 2018 laut Daten der Analysefirma Finnovista rund 334 junge Firmen, während es Mitte 2017 nur 238 und Mitte 2016 erst 158 Unternehmen waren. Rund 45 Prozent der Fintech-Start-ups waren 2018 jünger als zwei Jahre. 31 Prozent waren zwischen drei und vier Jahren am Markt.

Die mexikanische Gründerszene zeigt jedoch, dass nicht nur die Zahl der Firmen zunimmt. Zwischen 2015 und 2017 konnten 32 Unternehmen jeweils über 4 Millionen US-Dollar (US$) an Venturecapital einsammeln und gehören damit schon zu den reiferen Investitionszielen. Analysten prognostizieren, dass in den nächsten Jahren einige Firmen Mittel in Höhe von je bis zu 50 Millionen US$ einwerben werden, um auch international zu potenten Playern zu werden.

Mexiko-Stadt und Guadalajara sind die Gründerzentren

Mexiko-Stadt ist das unbestreitbare Zentrum der mexikanischen Start-up-Szene. Mit Start-up Mexico hat der größte Inkubator des Landes seinen Hauptsitz dort. Viele der dort gegründeten Unternehmen bleiben der Stadt treu und siedeln sich in den relativ günstigen Außenbezirken an. „Alleine in der Stadt gibt es einen riesigen Markt für unser Produkt“, berichtet Moisés Trejo von SinLlave. „Außerdem finden viele Wettbewerbe und Gründerkonferenzen hier statt“, so Trejo weiter.

Daneben bemüht sich besonders die Regierung des Bundesstaates Jalisco um die Ansiedlung junger Unternehmen. Die Landeshauptstadt Guadalajara ist schon seit Längerem Produktionsort ausländischer IT-Firmen wie IBM, Intel, Oracle und Kodak. Die Verantwortlichen knüpfen an dieses Technologiecluster an und organisieren im Rahmen der Initiative Ciudad Creativa Digital zahlreiche Events zusammen mit den etablierten Konzernen.

Dahingegen spielt für Gründer im nördlich gelegenen Monterrey die Nähe zu den USA sowie zum Hauptsitz der wohl bekanntesten Privatuniversität des Landes, dem Tec de Monterrey, eine wichtige Rolle. Einige Firmen sind bereits als Spinoffs von Tec-Studierenden entstanden. Auch für die Grenzstadt Tijuana ist die Nähe zum US-Markt wichtig, vor allem zum Silicon Valley. Entsprechend sind dort viele Jungunternehmen mit US-amerikanischer Kapitalbeteiligung oder Beratung ansässig.

Wettbewerbe und Events machen gute Geschäftsideen sichtbar

Junge Unternehmen bekommen in Mexiko immer mehr Möglichkeiten, ihre Ideen einem breiten Fachpublikum zu präsentieren. Unter den staatlich initiierten Wettbewerben und Förderevents ist neben Reto México die jährliche Semana Nacional del Emprendedor des Inadem die wichtigste Veranstaltung. „Wir konnten auf der Semana Nacional del Emprendedor unser Start-up als Successstory präsentieren und haben so einen Finanzierungspartner gefunden“, berichtet Moisés Trejo von SinLlave. Auch private Institutionen richten große Wettbewerbe aus, darunter der Accelerator Startupbootcamp in der Fintech-Branche und die Inkubatoren Wayra und Posible im Bereich Internet of Things.

Fintech und Onlinehandel boomen

Das Branchenspektrum, in denen mexikanische Start-ups aktiv sind, ist breit. Viele Projekte haben jedoch eins gemein: Die Firmengründer versuchen die oft unflexiblen Geschäftsstrukturen im Land aufzubrechen. Bestes Beispiel ist die Fintech-Branche, die mittlerweile der wichtigste Bereich für Firmengründer in Mexiko sein dürfte. Traditionelle Kreditinstitute sind äußerst konservativ in ihrer Geschäftsstrategie, wodurch Angehörige des informellen Sektors vielfach keinen Zugriff auf Bankdienstleistungen haben. Auch Unternehmen berichten von hohen Hürden für die Finanzierung neuartiger Projekte und teuren Zinsniveaus.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Onlinehandel. Mit einem für 2018 prognostizierten Umsatz von rund 12 Milliarden US$ liegt Mexiko zwar im Pro-Kopf-Vergleich hinter anderen Ländern in Lateinamerika, doch die wachsende Bevölkerung von mittlerweile 125 Millionen Einwohnern und die Expansionsmöglichkeiten ins restliche Lateinamerika machen Mexiko als Plattform interessant. Mit Linio hat eines der größten Onlinekaufhäuser der Region seinen Hauptsitz in Mexiko. Andere Firmen beschäftigen sich mit Onlineanwendungen für den Gesundheitsbereich, dem Internet of Things und onlinebasierten Lernplattformen. Relativ neu sind Projekte in der Elektrizitätswirtschaft, angestoßen durch die Liberalisierungen der seit 2013 laufenden Energiereform.

Einstieg kann für ausländische Firmen interessant sein

Ausländische Firmen können von den Ideen mexikanischer Start-ups profitieren, wie jüngst das spanische Softwareunternehmen Latinia zeigte. Der Hersteller von Nachrichtensystemen für die Finanzindustrie gab Mitte Juli 2018 bekannt, 1 Million US$ in den Accelerator Startupbootcamp zu investieren, der in Mexiko ein Fintech-Programm betreibt. Startupbootcamp nutzt die Mittel, um aussichtsreiche Jungfirmen zu unterstützen.

Von deutscher Seite richtete Bosch Mitte 2017 zusammen mit Centraal, einem Anbieter von Co-Working-Flächen, in Guadalajara ein Zentrum für Innovation und Entrepreneurship (Centro de Innovación y Emprendimiento) ein. Auf 2.000 Quadratmetern stellt Bosch Arbeitsflächen und IT-Labore für Gründer zur Verfügung und vernetzt die Jungunternehmer untereinander. Der Automobilzulieferer Continental organisierte auf der Hannover Messe 2018 einen Workshop für vier Start-ups, unter anderem für Target Robotics aus Mexiko.


Text: Florian Steinmeyer

28.01.2019

Schweden spielt in der Fintech- und Gamingtopliga

2017 war für Start-ups in Schweden ein gutes Jahr. Laut Angaben des Industrifonden gab es gut 440 Risikokapitalinvestments mit einem Gesamtvolumen von etwas über 1,2 Milliarden US-Dollar (US$). Würde man die Spotify-Finanzierungsrunde rausrechnen, wegen der das Gesamtvolumen 2016 so extrem hoch ausgefallen war, ergäbe sich ein Plus von über 90 Prozent. Mit Spotify geht das Volumen zurück, was den Trend allerdings nicht richtig widerspiegelt.

Investitionen in Start-ups in Schweden (Jahre 2015 bis 2017, in Millionen US$)

2015

2016

2017

1.139 1)

1.634 2)

1.226

1) davon Spotify 526 Millionen US$; 2) davon Spotify 1.000 Millionen US$
Quelle: Industrifonden


Mehr als 570 Investoren haben sich 2017 an der Finanzierung schwedischer Tech-Start-ups beteiligt. Die meisten waren Venturecapitalfonds und Business Angels, aber auch immer mehr institutionelle Anleger, vor allem aus den Bereichen Finanzen und Medien, engagieren sich. Bezogen auf das Investitionsvolumen betrafen 13 Prozent der Start-ups den Bereich Finanztechnologien (Fintech), auf den Cloud-Computing-Teilbereich Software-as-a-Service (SaaS) entfielen 11 Prozent.

Ausländische Kapitalgeber nach Ländern (Jahre 2015 bis 2017, Anteil in Prozent)

Land

2015

2016

2017

Vereinigtes Königreich

25

18

32

USA

33

29

23

Deutschland

10

9

8

Dänemark

6

10

8

Norwegen

k.A.

7

8

Finnland

7

6

4

China

k.A.

4

k.A.

Übrige

19

17

17

Quelle: Industrifonden

Hochburg für Videospiele

Schwedische Start-ups gehören in vielen Bereichen zur Weltklasse, darunter Fintech, Onlinehandel, Gesundheitstechnologie (Healthtech), künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Werbetechnik, Internet-, Software- und Medienindustrie. Laut des Informationsdienstes Nordic Tech List entfielen 2017 mehr als drei Viertel der Fintech-Investitionen im nordischen Raum allein auf Schweden.

Im Internetbereich wächst vor allem die Gamesbranche stark. Ein Erfolgsfaktor liegt in ihrer internationalen Ausrichtung. Schwedische Onlinespiele und Gamingapps werden oft direkt international vermarktet. In den letzten vier Jahren wurden im Großraum Stockholm mehr als 100 neue Gamingunternehmen gegründet und die Anzahl der Neueinstellungen stieg rasant.

Start-ups beflügeln auch die Elektromobilität. So wird voraussichtlich ab 2019 die Serienproduktion des Elektroautos One des Start-ups Uniti in Lund beginnen. Siemens baut dafür ein vollautomatisiertes Werk; auch E.ON ist dabei. Siemens beteiligt sich neben weiteren Partnern auch am Northvolt-Projekt: Das gleichnamige Start-up - laut Siemens-Vorstand Jan Mrosik ein „Leuchtturmprojekt für Europa“ - will in Skelleftea eine Fabrik für Lithium-Ionen-Zellen und Elektroautobatteriepacks nach dem Vorbild der US-amerikanischen Tesla-Gigafactory errichten.

Stockholm ist Schwedens größter Start-up-Hub, aber Malmö holt auf

Stockholm ist nicht nur Schwedens Hauptstadt, sondern auch die größte Start-up-Metropole des Königreichs. Neben zahlreichen Firmen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (im Technologiecluster Kista Science City) haben sich im Großraum Stockholm Fintech-Start-ups wie Klarna und iZettle, die E-Commerceplattform zum Aufbau virtueller Shops Tictail und das FinTech-Start-up Tink (App zur Verwaltung persönlicher Finanzen) niedergelassen.

Viele Start-ups zieht es auch in die Öresund-Region, wobei sie auf schwedischer Seite vor allem Malmö im Blick haben (Businessinkubator Minc). Auch die Städte Linköping (Wissenschaftspark Mjärdevi, Inkubator Lead), Norrköping und Jönköping stehen im Fokus. In Göteborg wurde 2016 ein Gründerzentrum für die Gamesbranche eingeweiht.

Rückendeckung bekommt Schwedens Start-up-Szene auch durch viele Messen, Investorengipfel und Recruitingevents, darunter „Eget företag“ (Stockholm, Malmö, Göteborg), „Nordic Next“ (Malmö), „Startup Day“ (Stockholm) und „Stockholm Tech Meetup“.

Allerdings ist die Wohnungsknappheit in den Großstädten, vor allem in Stockholm, zu einem ernsten Problem für Start-ups geworden. Größere wie Spotify und Klarna nutzen die Dienste von Relocation-Agenturen, um ihren Mitarbeitern in der Hauptstadt zumindest Kurzzeitmietvertäge beschaffen zu können. Kleinere könnten aber auch einfach aus dem Großraum der Metropolen abwandern, wenn die Städte das Problem nicht in den Griff bekommen.

Erfolg versprechende Start-up-Schmieden

Acht Einhörner hat Schweden bereits hervorgebracht. Das meiste Risikokapital haben 2017 der Anbieter von Software-Asset-Managementlösungen Snow Software (120 Millionen US$) und iZettle (insgesamt 111 Millionen US$ in zwei Finanzierungsrunden) eingesammelt.

Aufgrund der Vielzahl schwedischer Start-ups fällt es schwer, die "richtige" Auswahl zu treffen, um Entwicklungen und Erfahrungen beispielhaft zu skizzieren. Großes Potenzial wird unter anderem dem Start-up Uniti beigemessen, das im Sommer 2015 als Spin-off aus einem Projekt der Universität Lund hervorgegangen ist. Uniti will 2020 einen Elektrokleinwagen auf den Markt bringen und setzt dabei auf modernste Produktionstechnik von Siemens und Kuka. Als Hochkaräter gelten aber auch noch viele weitere, darunter die Crowdinvestingplattform Trine (Privatkapital für Solarenergieprojekte in aufstrebenden Märkten), das PropTech-Unternehmen Dooer (digitale Rechnungslegung), Karma (App, über die Restaurants und Lebensmittelgeschäfte Essensreste verbilligt verkaufen können) und das 3D-Bioprinting-Startup Cellink (Bioprinting-Tinten, 3D-Bioprinter).


Text: Heiko Steinacher

28.01.2019

Schweiz meldet gute Nachrichten von der Finanzierungsfront

Schweizer Start-ups haben auch im ersten Halbjahr 2018 erfolgreich Risikokapital einspielen und damit an die Dynamik des Vorjahres anknüpfen können. Laut einer Analyse des Marktforschungsinstitutes EY akquirierten die Jungunternehmen im Alpenland von Januar bis Juni insgesamt 415 Millionen Euro in 124 Finanzierungsrunden. Das entspricht knapp dem Dreifachen des gleichen Vorjahreszeitraums (140 Millionen Euro in 71 Finanzierungsrunden).

Die Anzahl der Neufirmen, die sich im 1. Halbjahr 2018 in das Handelsregister der Schweiz eingetragen haben, stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent auf 22.247 Firmen und markierte damit einen neuen Höchststand.

Das durchschnittliche Alter von Gründerinnen und Gründern in der Schweiz beträgt laut dem Swiss Venture Capital Report 2018, der von der Swiss Private Equity & Corporate Finance Association (Seca) und Startupticker publiziert wurde, 41 Jahre und ist bei Männern und Frauen praktisch identisch. Der Anteil von Frauen/Männer bei Neugründungen beträgt 26,5 zu 73,5 Prozent. 2018 wurden 27 der TOP-100 Start-ups von Frauen gegründet, was für die Schweiz eine bemerkenswert hohe Quote darstellt.

Jordi Montserrat, Mitbegründer von Venture Lab, der junge Start-ups mit erfahrenen Gründern und Hochschulen zusammenbringt, betonte in einem Interview mit Swissinfo, dass sich die Investitionen in Start-ups in der Schweiz von 2012 bis 2017 nahezu verdreifacht haben und auf 1 Milliarde Schweizer Franken (sfr) pro Jahr angewachsen sind. Diese Entwicklung wird nach Meinung von Montserrat durch die guten Rahmenbedingungen im Lande begünstigt sowie durch private und öffentliche Förderprogramme, insbesondere im Umfeld von Universitäten und Fachhochschulen.

Top-100-Start-ups gekürt

Eine Jury aus 100 Experten kürte im September 2018 die erfolgreichsten Start-ups der Schweiz. Die „Top 100 Swiss Startup Awards“ werden jedes Jahr von Venturelab vergeben, einem Programm, das von der schweizerischen Agentur für Innovationsförderung (Innosuisse) in Zusammenarbeit mit den Universitäten, den eidgenössischen technischen Hochschulen und den Fachhochschulen initiiert wurde. Rund 800 innovative Jungunternehmen, die innerhalb der letzten fünf Jahre gegründet wurden stehen dabei jedes Jahr zur Wahl. Die Liste der Top 100 findet sich im Internet.

Die 100 besten Start-ups der Schweiz sind überwiegend in den Sparten Bio- und Medizintechnik sowie Informatik und Ingenieurwesen unterwegs. Hier macht sich unter anderem die langjährige Tradition der Pharmaforschung in der Schweiz bemerkbar. In der Top-100-Liste finden sich bislang noch wenige Fintech-Unternehmen, wenngleich in den letzten Jahren in der Schweiz zahlreiche Finanztechnologiefirmen gegründet wurden.

Ein Unternehmen, dass dieses Jahr zum zweiten Mal auf dem Siegerpodest stand ist laut dem Start-up-Magazin der schweizerischen Handelszeitung das Medtech-Unternehmen Ava, das einen Cyclus-Tracker für Frauen entwickelt hat, mit dem Daten über Fruchtbarkeit und Schwangerschaft erfasst werden können. Rang 2 konnte sich das Start-up Bestmile sichern, eine Softwarefirma mit 60 Mitarbeitern, die ein Programm für cloudbasiertes Flottenmanagement entwickelt hat. Laut dem World Economic Forum zählt die Lausanner Firma zu den 61 vielversprechendsten Technologiepionieren 2018.

Schweizer Start-ups, die in den vergangenen 12 Monaten *) das meiste Risikokapital sichern konnten

Start-up

Sparte

Risikokapital (in Mio. sfr)

GetyourGuide

Online

75

Neurimmune

Biopharma

50

Ava

Medizintechnik

30

Climeworks

Cleantech

30

Scandit

Software/App

30

Abionic

Medizintechnik

20

*) September 2017 bis September 2018
Quelle: Startup Magazin der Handelszeitung


Text: Karl-Heinz Dahm

28.01.2019

Software-Start-ups werden am schnellsten finanziert

Die genaue Zahl der in den USA angesiedelten Start-ups kann nur geschätzt werden. Zu hoch ist die Fluktuation auf dem Gründermarkt. Nach spätestens drei Jahren stellen bis zu 90 Prozent der Gründer ihre Firma wieder auf. Vor allem in der hochdynamischen, aber auch disruptiven Tech-Industrie, gleichen Versuche einer genauen statistischen Erfassung einem Stochern im Nebel.

Zahl der Start-ups schwer erfassbar

Die Internetseite Angel.co zumindest, auf der Investoren und Start-ups auf der einen sowie Arbeitssuchende und Start-ups auf der anderen Seite aufeinander treffen, listet für die USA 186.000 Start-ups auf. Davon befinden sich 60.000 in Kalifornien und davon wiederum knapp 35.000 im Silicon Valley. Aus Kalifornien stammen zudem die bekanntesten Start-ups. Zu den weiteren Hochburgen für die Start-up-Szene gehören New York City und Boston.

Darüber hinaus wurden viele mittlere und kleine Zentren für Start-ups, insbesondere in Städten mit einer hohen Universitäts- und Forschungsdichte gegründet, darunter in Chicago, Washington, D.C., Seattle und Atlanta. Die Einrichtung von Inkubatoren und Co-Working-Spaces ist Teil der Arbeitsmarktpolitik von Kommunen und Bundesstaaten geworden, weshalb ihre Zahl landesweit steigt.

Tech-Industrie im Rampenlicht

Oft wird die Start-up-Szene allein mit der Tech-Industrie in Verbindung gebracht. Schillernde Namen wie Spotify, Uber, Dropbox, Runkeeper, Airbnb, Snapchat oder Reddit wecken Emotionen. So haben Tech-Start-ups die Art zu leben und zu arbeiten für viele Menschen verändert, haben neue Dienstleistungen oder Handelsplattformen erschaffen, die inzwischen von Millionen von Konsumenten auf der ganzen Welt genutzt werden. Um sie ist eine schillernde Aura entstanden. Vor allem sie bringen es auf ein atemberaubendes Wachstum. So bringt das ehemalige Start-up Uber es inzwischen auf eine Kapitalisierung von 72 Milliarden US-Dollar (US$).

Private Geldgeber bevorzugen Software-Start-ups

Software-Start-ups erhalten laut National Venture Capital Association die weitaus meisten privaten Finanzierungen. So halten auf Software spezialisierte Start-ups seit 2014 durchgehend einen Anteil von 40 Prozent an allen Venturecapitalfinanzierungen. Pro Jahr fließen damit etwas mehr als 30 Milliarden US$ in diesen Geschäftszweig. Start-ups mit den Schwerpunkten Pharma, BioTech, Media, Informationstechnologie-Hardware, Personaldienstleistungen, Energie, Konsum/Freizeit sowie Handel folgen in dieser Reihenfolge.

Bedeutende Förderveranstaltungen für Start-ups

Event

Internetanschrift

Termin und Ort

2019 Global Ventures Summit

www.gvsummit.co

November 2019, Los Angeles, Kalifornien
Empire Startups, FinTech Conference

https://empirestartups.com/events/ny2019

April 2019, New York City, New York
Growth Marketing Conference

https://growthmarketingconf.com/

Dezember 2019, San Francisco, Kalifornien
Global Corporate Venturing & Innovation (GCVI) Summit

www.cvent.com/events/gcvi-summit-2019/event-summary-0c09bd83271c40f98c4e4c279589f488.aspx?RefID=ove

Januar 2019, Monterey, Kalifornien
Startup Grind Global Conference 2019

www.startupgrind.com/conference/

Februar 2019, Redwood, Kalifornien
SXSW 2019, The Entrepreneurship & Startup Track

www.sxsw.com/conference/entrepreneurship-and-startups/

März 2019, Austin, Texas
Strata Data Conference

https://conferences.oreilly.com/strata

März 2019, San Francisco, Kalifornien
Empire Startups, FinTech Conference

www.empirefintechconference.com/pages/ny2019

April 2019, New York, New York
HustleCon 2019

www.hustlecon.com

Juni 2019, Oakland, Kalifornien

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest


Text: Ullrich Umann

28.01.2019

Wichtigster Start-up Hub ist Santiago de Chile

Zwischen Januar und Oktober 2017 wurden 98.921 neue Firmen in Chile gegründet. Start-ups in Chile erhielten 2016 mit 5 Milliarden US-Dollar (US$) die bisher höchste Summe an Finanzierungskapital. Das waren 150 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Start-ups verkauften Waren im Wert von etwa 36,7 Milliarden US$ und schufen etwa 1.800 Arbeitsplätze.

Laut einer Umfrage des Nationalen Instituts für Statistik INE und des Ministerium für Wirtschaft, Entwicklung und Tourismus aus dem Jahr 2015 starten oft ein bis vier Gründer ohne Angestellte. Etwa 80,4 Prozent der 6.488 Befragten gaben an, dass ihre Unternehmung ursprünglich als Einpersonenbetrieb begonnen habe. Zum Umfragezeitpunkt befanden sich 74,4 Prozent weiterhin in diesem Stadium. Im Durchschnitt arbeiteten die Unternehmer zu ihrem Gründungszeitpunkt mit 1,4 Angestellten. Start-ups, die ins Ausland expandieren, stellen in Chile später weiterhin Mitarbeiter für Programmierungs- und Unterstützungsaktivitäten ein, um Lohnkostenunterschiede zu nutzen.

Regionale Konzentration

Regionen mit den meisten Neugründungen 2016

Region

Anteil (in Prozent)

Hauptstadtregion

84,9

Valparaíso

4,3

Los Lagos

2,0

Bío Bío

1,5

La Araucanía

1,5

Antofagasta

1,2

Coquimbo

0,9

O'Higgins

0,8

Quelle: El Mercurio

Die Hauptstadt ist das wirtschaftliche und politische Zentrum des Landes. Die meisten großen Unternehmen, Hochschulen und Forschungszentren sitzen in Santiago. Die Stadt ist eine moderne Metropole mit westlichem Standard. Doch in anderen Teilen des Landes sieht es oft anders aus. Das Stadt-Land-Gefälle ist stark ausgeprägt. Dieser Unterschied schlägt sich im Start-up-Ökosystem noch stärker nieder als in der traditionellen Wirtschaftsstruktur.

Einer Auswertung wichtiger Plattformen wie AngelList und Gust durch die Tageszeitung El Mercurio zufolge, finden etwa 85 Prozent aller Gründungen in der Hauptstadt statt. Der Fokus der neuen Firmen liegt im Norden Chiles auf dem Bergbau und im Süden auf Agrar und Tourismus.

Als weitere wichtige Stadt für Start-ups gilt Valparaíso. Die Hafenstadt beherbergt verschiedene Universitäten, aber bis jetzt nur einen Inkubator: Chrysalis ist aus der dortigen Universidad Católica hervorgegangen.

Conceptión bietet mehrere Inkubatoren

Concepción, die zweitgrößte Stadt des Landes, kann zwar weniger Gründungen als Valparaíso vorweisen, dafür aber mehrere Inkubatoren, unter anderem Incubatec UFro (Universidad de la Frontera) und Incuba UdeC (Universität von Concepción) sowie Co-Working-Spaces. Die Stadt gilt als kostengünstige Alternative zu Santiago. Auf etwa 90 Hektar entsteht ein Technologiewissenschaftspark für 12 Milliarden US$. Mindestens 40 Unternehmen sollen dort 2.000 Arbeitsplätze schaffen.

Die 18 Inkubatoren in Santiago werden überwiegend von Universitäten betrieben. Diese dürfen keine Anteile an Unternehmen besitzen. Um Finanzierungslinien aufzulegen, nutzen sie öffentliche Mittel, werden aber auch von großen nationalen oder internationalen Firmen unterstützt, darunter Family Offices, Microsoft, Telefonica und die lokale Angelini-Gruppe.

Unter den privaten Inkubatoren finden sich Wayra und Nxtp Labs, gefolgt von ImagineLab von Microsoft sowie Magical Startup. Im Jahr 2016 wurden 45 Venturecapital und Private Equity Fonds gelistet. Auch Start-ups unterstützen andere Start-ups durch Venturefonds. Ein Beispiel dafür ist Magma Ventures. Eine neue Form der Finanzierung stellt Lateinamerikas erste Crowdfundingplattform Broota dar.

Die Design- und Baufirma Crystal Lagoons ist bislang Chiles einziges Start-up mit einem Wert von über 1 Milliarde US$. Gründer Fernando Fischmann hat seine Idee, mit patentierter, umweltfreundlicher Technologie künstliche Lagunen zu bauen, immer weiter verfeinert. Seit 2007 realisierte Crystal Lagoons weltweit Immobilienentwicklungsprojekte in Milliardenhöhe. Inzwischen stellt das Unternehmen lediglich das Know-how der Wasseraufbereitung zur Verfügung und vergibt die Lizenzen.


Text: Anne Litzbarski

28.01.2019

Zahl der Start-ups in Polen steigt

Größeres Interesse seitens der etablierten Unternehmen und mehr Fördermöglichkeiten haben zu der steigenden Anzahl von Start-ups beigetragen. Nach Angaben des Thinktanks Startup Poland, der als Interessengemeinschaft der polnischen Start-up-Szene fungiert, gab es 2018 rund 3.300 Start-ups. Grundlage der Schätzung ist die vierte Version des jährlich erscheinenden Polish Startups-Report. 2015 waren es noch rund 2.400 junge Unternehmen.

Die Dynamik bei den Gründungen von Start-ups im Land könnte 2018 allerdings ihren vorzeitigen Höhepunkt erreicht haben. Maciej Koltonski, Leiter für Kommunikation und Strategie bei Startup Poland, geht davon aus, dass die Zahl der jungen Unternehmen unter Umständen nicht weiter steigen wird. Die Unvorhersehbarkeit des polnischen Marktes könnte die Entwicklung ausbremsen.

Mangelnde Planungssicherheit gefährdet die weitere Entwicklung

Diese Unvorhersehbarkeit erhöht die Anreize für Fachkräfte der Informationstechnik (IT), ins Ausland abzuwandern. Inzwischen gehört der Fachkräftemangel für polnische Start-ups zu den größten Herausforderungen. Insbesondere Programmierer werden händeringend gesucht. Zwar gibt es in Polen viele Talente, die bei internationalen Programmierwettbewerben auch regelmäßig gut abschneiden. Mittlerweile arbeiten viele von ihnen jedoch im Ausland. Eine Lösung könnte die Beschäftigung von Spezialisten aus der Ukraine oder Weißrussland sein. Bürokratische Hürden machen das Einstellungsverfahren sehr kompliziert.

Polens Start-ups gehören 2018 weiterhin zu den jüngsten in Europa. Wie der Polish Start-ups-Report zeigt, ist der Großteil der befragten Unternehmen zwei Jahre alt. 2016 war für das durchschnittliche polnische Start-up schon vor dem zweiten Geburtstag Schluss. Der Anteil der älteren Start-ups ist in den letzten Jahren gestiegen, was Ausdruck ihrer wachsenden Bestandsfestigkeit ist. Mittlerweile ist jedes dritte Unternehmen älter als drei Jahre. Fast die Hälfte der polnischen Start-ups befanden sich 2018 auf der zweiten der insgesamt vier Entwicklungsstufen. Was bedeutet, dass sie intensiv an ihrem Produkt arbeiten, ihr Unternehmen registrieren und die ersten Umsätze oder Benutzer generieren.

Trotz dieser Entwicklung ist die Anzahl der Beschäftigten in polnischen Start-ups tendenziell rückläufig. Lag der Anteil der Start-ups mit Beschäftigten 2016 noch bei fast 80 Prozent, so sank er im Jahr 2018 auf rund 70 Prozent. Der Großteil beschäftigt nicht mehr als 10 Mitarbeitende.

Warschau ist Hotspot für polnische Start-ups

Die meisten polnischen Start-ups werden in Warschau gegründet. Die Onlineplattform EU-Startups.com platzierte Warschau im Ranking der 15 größten Start-up-Hubs in Europa auch 2018 wieder auf Platz 14. Doch auch Breslau und Krakau sind für die Szene interessant. Jedes zweite polnische Start-up kommt aus Warschau, Breslau oder Krakau, berichtet der Polish Startups-Report. Neben der wirtschaftlichen Stärke spielen die Fördermöglichkeiten in den Städten dabei eine entscheidende Rolle. Besonders erfolgreich bei der Mittelbeschaffung in Polen seien die Start-ups aus Krakau, heißt es weiter.

Standorte der Befragten im Polish Startups-Report 2018

Stadt

Anteil der befragten Start-ups (in Prozent)

Warschau

29

Breslau

12

Krakau

10

Dreistadt

6

Posen

6

Lublin

6

Rzeszow

5

Quelle: Startup Poland

B2B gewinnt weiter an Bedeutung – Blockchain als möglicher Exportschlager

Die Bedeutung von Unternehmen als Kunden für die Start-ups in Polen nimmt weiter zu. Acht von zehn Start-ups verkaufen ihre Produkte oder Dienstleistungen direkt an Unternehmen. Der Anteil ist verglichen mit den Vorjahren deutlich gestiegen. Ohne die zwischen geschaltete Handelsstufe können die jungen Unternehmen mehr Geld verdienen.

Im Gegensatz dazu bieten nur rund 14 Prozent der Start-ups ihre Produkte ausschließlich für Privatkunden an. Der Anteil der jungen Unternehmen, die sich allein auf den B2B-Bereich (Business to Business) konzentrieren, liegt bei rund 50 Prozent. Kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten sind die Hauptkunden der polnischen Start-ups.

Wie in den Vorjahren liegt der thematische Schwerpunkt der polnischen Start-up Szene im Informationstechnologiebereich, etwa bei Big Data-Anwendungen und dem Internet der Dinge. Dem Polish Startups-Report zufolge kommen 15 beziehungsweise 14 Prozent der verkauften Produkte aus diesen beiden Bereichen. Im Bereich von Big Data sind nach Aussage von Maciej Koltonski besonders Start-ups mit Blockchaintechnologien erfolgreich. Diese Technologien könnten sich zum polnischen Exportschlager entwickeln - vorausgesetzt, die weitere Abwanderung von Experten wird verhindert.


Text: Niklas Becker

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