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Deutsche Wettbewerbsposition | Belarus

Sanktionen und politische Eiszeit trüben Ausblick für den Handel

Deutschland hat in Belarus bislang eine starke Stellung als Technologielieferant. China holt jedoch auf. Russland ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner.

Von Fabian Nemitz | Kiew

Die Republik Belarus ist eine wichtige Handelsdrehscheibe zwischen der Europäischen Union (EU) und Russland. Das Gros des wachsenden Landgüterverkehrs zwischen Europa und Asien fließt durch das Land. Weitere Pluspunkte sind qualifizierte Arbeitskräfte, die Nähe zur EU und der Zugang zum Binnenmarkt der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU). International spielt Belarus eine wichtige Rolle als Sourcingmarkt für IT-Dienstleistungen, Nahrungsmittel, Holzwaren, Düngemittel und Ölprodukte.

Handel mit Europa kühlt sich ab

Politische Spannungen haben einen großen Einfluss auf das Geschäft in Belarus. Nach dem Tauwetter in den Beziehungen des Landes zum Westen richteten deutsche Firmen ihren Blick seit 2016 vermehrt auf das EU-Anrainerland. Wegen der mutmaßlich gefälschten Präsidentschaftswahlen von August 2020 und der danach einsetzenden Polizeigewalt befindet sich das Verhältnis des Westens zur Führung des Landes aktuell aber auf einem neuen Tiefstand. Westliche Staaten haben mehrere Sanktionspakete in Kraft gesetzt, auf die die belarussische Seite mit Gegensanktionen reagiert hat.

Als Investitionsstandort spielt Belarus für deutsche Firmen nur eine geringe Rolle. Einige Unternehmen haben sich aber in den freien Wirtschaftszonen angesiedelt. Wichtiger ist die Rolle Deutschlands als Lieferant von Produkten, die helfen, die belarussische Wirtschaft zu modernisieren.

Belarus auf einen Blick

Belarus importierte 2020 laut UN Comtrade Waren im Wert von 32,8 Milliarden US-Dollar (US$), davon stammten 5,1 Prozent aus Deutschland. Destatis zufolge lag das Land auf Rang 61 der wichtigsten deutschen Absatzmärkte.

Belarus exportierte 2020 Waren im Wert von 29,2 Milliarden US$, davon gingen 3,1 Prozent nach Deutschland. Destatis zufolge lag Belarus auf Rang 76 der wichtigsten deutschen Bezugsmärkte.

Laut dem belarussischen Statistikamt Belstat waren zum 1. Januar 2021 insgesamt 318 deutsche Unternehmen in Belarus ansässig, hauptsächlich im Umland der Hauptstadt Minsk. Die Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft in Belarus (AHK Belarus) schätzt die Zahl der Niederlassungen deutscher Unternehmen in Belarus auf circa 80.

Russland ist wichtigster Handelspartner, aber China holt auf

Seit 2001 hat sich die belarussische Wareneinfuhr deutlich erhöht. Allerdings wächst die Wirtschaft des Landes seit einem Jahrzehnt nur sehr langsam. Das 2012 erreichte Rekordniveau bei den Importen konnte bislang nicht wieder erreicht werden.

Deutschland zählt zu den führenden Handelspartnern der Republik Belarus, fiel 2015 aber hinter China auf Rang drei zurück. Angesichts der aktuell schwierigen politischen Beziehungen und gegenseitiger Sanktionen haben sich die Lieferaussichten für deutsche Firmen seit 2020 verschlechtert.

Deutschlands Bedeutung als Technologielieferant geht zurück

Die Bundesrepublik ist traditionell ein wichtiger Lieferant von modernen Technologien und Ausrüstungen für die belarussische Wirtschaft. Dies spiegelt sich an der starken Stellung Deutschlands bei den Importen von Maschinen, Ausrüstungen und Fahrzeugen wider. Angesichts der Sanktionen und der verschlechterten politischen Beziehungen ist davon auszugehen, dass sich Belarus künftig mehr auf nicht-westliche Lieferländer ausrichtet. Dies gilt auch vor dem Hintergrund der großen Bedeutung des Staates und staatlicher Unternehmen in der Gesamtwirtschaft.

Hauptlieferanten wichtiger Produkte (Anteil in Prozent) 1)

Rang

Produkt

2000

2010

2020

 Maschinen 2)

1

Russland

39,6

19,8

25,0

2

China

0,9

5,3

18,0

3

Deutschland

17,4

25,2

17,2

Chemische Erzeugnisse 3)

1

Russland

52,8

34,4

39,3

2

Deutschland

12,3

13,4

10,0

3

China

0,7

5,5

8,2

Kfz- und -Teile 4)

1

Russland

53,0

26,5

44,4

2

China

0,05

4,7

14,1

3

Deutschland

23,8

21,5

7,4

1) Anteile der größten Liefernationen bei den für Deutschland bedeutendsten Exportprodukten nach Belarus; 2) SITC-Gruppen 71 bis 74; 3) SITC-Gruppe 5; 4) SITC-Gruppe 78Quelle: UN Comtrade

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