Rechtsbericht Brasilien Bergbau- und Energierecht
Brasilien treibt die Regulierung kritischer Mineralien voran - Teil II
Ein Überblick über Förderinstrumente, institutionelle Governance und die Bedeutung für deutsche Unternehmen.
24.09.2026
Im ersten Teil dieses Berichts wurden der derzeit geltende allgemeine rechtliche Rahmen der brasilianischen Bergbaugesetzgebung sowie die Ziele des Gesetzes Nr. 15.506/2026, das seit dem 16. September 2026 in Kraft ist, dargelegt.
Fördermaßnahmen
Das Gesetz Nr. 15.506/2026 kombiniert finanzielle, steuerliche, kreditbezogene und regulatorische Instrumente, um Investitionen in die Aufbereitung, Weiterverarbeitung und technologische Entwicklung kritischer Mineralien sowie die Schaffung höherer Wertschöpfung in Brasilien zu fördern.
Zu den wichtigsten Instrumenten gehört die Ermächtigung zur Einrichtung des Fundo Garantidor da Atividade Mineral (FGAM), eines Garantiefonds für Projekte im Bereich kritischer und strategischer Mineralien. Der Fonds kann aus Mitteln des Bundes, privater Investoren, multilateraler Organisationen sowie sogar aus Beiträgen ausländischer Staaten gespeist werden und soll dadurch die Finanzierung strategischer Projekte erleichtern. Darüber hinaus sieht das Gesetz eine Befreiung der Fondserträge von der Körperschaftsteuer (IRPJ) sowie von der Sozialabgabe auf den Unternehmensgewinn (CSLL) vor.
Ein weiteres zentrales Instrument ist das Bundesprogramm zur Aufbereitung und Weiterverarbeitung kritischer und strategischer Mineralien (Programa Federal de Beneficiamento e Transformação de
Minerais Críticos e Estratégicos - PFMCE). Das Programm ermöglicht die Gewährung von Steuergutschriften von bis zu 20 Prozent der Investitionen in die Aufbereitung, Weiterverarbeitung und das sogenannte Urban Mining kritischer Mineralien. Die Förderung kann bis zum 31. Dezember 2034 gewährt werden und unterliegt den im Gesetz vorgesehenen Haushaltsgrenzen sowie einem wettbewerblichen Auswahlverfahren.
Für den Zeitraum 2030 bis 2034 legt das Gesetz ein jährliches Fördervolumen von 1 Milliarde Brasilianischen Real (rund 170 Millionen Euro) für diese Steuergutschriften fest. Nicht ausgeschöpfte Förderbeträge können bis zum Ablauf des Programms auf Folgejahre übertragen werden. Die gewährten Steuergutschriften werden als Gutschriften auf die CSLL ausgestaltet und können entweder mit Bundessteuern verrechnet oder alternativ in bar erstattet werden.
Darüber hinaus ermächtigt das Gesetz die Brasilianische Entwicklungsbank (BNDES), Mittel des Nationalen Klimafonds für Finanzierungen im Bereich der Aufbereitung und Weiterverarbeitung von Mineralien bereitzustellen. Ferner schafft es das Zertifikat für CO₂-arme Mineralien (Certificado Mineral de Baixo Carbono – CMBC) für Unternehmen mit emissionsarmen Produktionsverfahren und führt ein Nationales Register für Projekte im Bereich kritischer und strategischer Mineralien ein, dessen Eintragung Voraussetzung für den Zugang zu den Förderinstrumenten ist. Schließlich wird die Einrichtung eines Nationalen Netzwerks für Forschung, technologische Entwicklung und berufliche Qualifizierung vorgesehen, das Innovation, geologische Forschung und die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte unterstützen soll.
Voraussetzungen für den Zugang zu Fördermaßnahmen
Der Zugang zu den vorgesehenen Förderinstrumenten erfolgt nicht automatisch. Bevorzugt werden Projekte, die einen nachweisbaren Beitrag zum technologischen Fortschritt bei der Produktion kritischer Mineralien in Brasilien leisten.
Zu den gesetzlich vorgesehenen Auswahlkriterien gehören insbesondere:
- Beschäftigung lokaler Arbeitskräfte;
- Einsatz modernster verfügbarer Technologien;
- Beschaffung brasilianischer Waren und Dienstleistungen;
- Förderung der Regionalentwicklung;
- Maßnahmen zur Vermeidung und Verringerung von Umweltschäden;
- Schaffung zusätzlicher Wertschöpfung in Brasilien durch Aufbereitung und Weiterverarbeitung von Mineralien.
Außerdem werden ausschließlich Projekte berücksichtigt, die zuvor von der zuständigen Stelle (CIMCE) genehmigt und im Nationalen Projektregister für kritische und strategische Mineralien eingetragen wurden.
Neue institutionelle Governance
Neben den wirtschaftlichen Förderinstrumenten sieht das Gesetz den Aufbau einer neuen institutionellen Struktur zur Koordinierung dieses Bereichs vor. Zentrales Organ ist der Nationalrat (Conselho Nacional para Industrialização de Minerais Críticos e Estratégicos - CIMCE), der für die strategische Steuerung, die Auswahl prioritärer Projekte sowie die Verwaltung verschiedener im Gesetz vorgesehener Instrumente zuständig ist. Das Gesetz bindet den CIMCE unmittelbar an die Präsidentschaft der Republik an. Das am selben Tag veröffentlichte Durchführungsdekret Nr. 13.118/2026 konkretisiert diese institutionelle Ausgestaltung: Es gliedert den CIMCE in ein Plenum (Pleno) – mit 13 Ministern sowie Vertretern der Bundesstaaten, der Kommunen, der Privatwirtschaft und der Hochschulen, unter Vorsitz des Ministers der Casa Civil –, ein Sekretariat (Secretaria-Executiva) und einen Exekutivausschuss (Comitê Executivo) unter Koordination des Ministeriums für Entwicklung, Industrie, Handel und Dienstleistungen (MDIC).
Bedeutung für deutsche Unternehmen
Für deutsche Unternehmen aus den Bereichen Bergbau, Maschinen- und Anlagenbau, Chemie, Batterietechnologie, Düngemittel, Recycling sowie Energiewendetechnologien stellt die Verabschiedung des neuen Gesetzes einen wichtigen Meilenstein in der Weiterentwicklung des brasilianischen Bergbaurechtes dar. Vor dem Hintergrund der Neuordnung globaler Lieferketten zählt nunmehr auch das Gesetz Nr. 15.506/2026 über kritische und strategische Mineralien zu den zentralen Bausteinen der brasilianischen Industrie- und Rohstoffpolitik.
Zum Thema:
- GTAI-Publikation Recht kompakt Brasilien
- GTAI-Publikation Neue Bergbauprojekte treiben Investitionen in Brasilien an