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Neue Bergbauprojekte treiben Investitionen in Brasilien an
Brasiliens Bergbau investiert kräftig in Nachhaltigkeit, Mineraldünger und kritische Rohstoffe. Ein Branchenexperte zeigt Geschäftschancen für deutsche Unternehmen auf.
24.07.2026
Nach Schätzungen des brasilianischen Bergbauverbands IBRAM könnten sich die Investitionen im Sektor von 2026 bis 2030 auf 77 Milliarden US-Dollar (US$) belaufen. Gegenüber der Vorjahresprognose legen vor allem sozialökologische Projekte, Mineraldünger und kritische Rohstoffe kräftig zu.
200 Bergbauprojekte in Brasilien
Nach Angaben des Informationsdienstleisters BNamericas umfasst die Projektpipeline in Brasilien derzeit 200 Bergbauvorhaben mit einem Investitionsvolumen von 48,2 Milliarden US$. Davon befinden sich 17 Projekte bereits in der Bauphase, darunter sieben Eisenerzminen, sechs Projekte für kritische Rohstoffe und zwei Vorhaben zur Förderung von Mineraldünger. In der frühen Erkundungs- und Bewertungsphase dominieren Seltenerdmineralien mit 40 Projekten, gefolgt von Lithium-, Gold- und Kupfervorkommen.
| Projekt (Unternehmen) | Rohstoff | Investitionssumme in Mio. US$ | Stand |
|---|---|---|---|
| Ausweitung der Kupferförderung an der Mine Carajás (Vale) | Kupfer | 3.500 | Machbarkeitsstudien |
| Potássio Autazes (Potássio do Brasil) | Kalidünger | 2.500 | seit 2024 in Umsetzung, geplante Fertigstellung bis 2029 |
| Projeto Novas Minas (PNM) (Mineração Rio do Norte – MRN) | Bauxit | 2.115 | Das Unternehmen hat im April 2026 die Installationslizenz (Licença de Instalação) der Umweltbehörde IBAMA erhalten. |
| Piauí Nickel Project (Brazilian Nickel) | Nickel und Kobalt | 1.200 | Baubeginn ist für Ende 2026 geplant. |
| Projeto Carina (Aclara Resources Inc.) | seltene Erden | 781 | Bauarbeiten sollen Ende 2026 beginnen. |
| "Green Ore"-Verarbeitungsanlage (Cedro Mineração) | Eisenerz | 673 | Bauarbeiten im Gange, Fertigstellung für August 2027 geplant |
| Untertageprojekt – Mine Santa Rita (Atlantic Nickel) | Nickel | 635 | Bauarbeiten gestartet |
| Caldeira (Meteoric Resources) | seltene Erden | 443 | Das Projekt hat eine Versuchsbetriebslizenz (Trial Mining Licence) erhalten; geplanter Baubeginn: Ende 2026. |
| Colossus Rare Earth Project (Viridis) | seltene Erden | 358 | Baubeginn ist für Oktober 2026 geplant. |
| Pela Ema Phase I (Serra Verde) | seltene Erden | 100 | Erweiterungsprojekt ist seit 2025 im Bau, geplante Inbetriebnahme Dezember 2027. |
| Projeto Monte Alto (Brazilian Rare Earths) | seltene Erden | 77 | Das Projekt hat eine Versuchsbetriebslizenz (Trial Mining Licence) erhalten. |
Energiewende und Agrobusiness sorgen für neue Dynamik in Brasilien
Im Zuge der grünen Reindustrialisierung will Brasilien die Förderung und Weiterverarbeitung kritischer Rohstoffe ausbauen. Laut dem Bergbauplan PNM 2050 soll Brasiliens Anteil an der weltweiten Produktion kritischer Rohstoffe bis 2050 von 8,3 auf 12,2 Prozent steigen. Auch der brasilianische Bergbaukonzern Vale richtet seine Investitionen entsprechend aus. Das Unternehmen plant, seine globale Kupferproduktion bis 2035 zu verdoppeln. Von den jährlichen Investitionen von bis zu 6 Milliarden US$ entfällt etwa ein Drittel auf Kupfer- und Nickelprojekte.
Bei Mineraldünger will Brasilien künftig weniger abhängig vom Ausland werden. Derzeit werden 74 Prozent des Phosphats und 97 Prozent des Kalidüngers importiert. Der Bergbauplan sieht vor, den Importanteil bis 2050 auf 26 Prozent bei Phosphat und 40 Prozent bei Kali zu senken und stattdessen eigene Vorräte stärker zu erschließen.
Brasiliens Bergbau im M&A-Boom
Getrieben von der Energiewende und dem wachsenden Strombedarf für KI-Anwendungen erlebt der Markt für kritische Rohstoffe einen Investitionsboom. Brasilien zählt zu den wichtigsten Profiteuren: 42 Übernahmen und Fusionen im Bergbausektor mit einem Volumen von über 4,5 Milliarden US$ in den Jahren 2024 und 2025 unterstreichen die wachsende Bedeutung des Landes als Standort für strategische Rohstoffe.
Die Dynamik hat sich 2026 beschleunigt. Allein zwei Transaktionen im 1. Halbjahr überstiegen den Gesamtwert sämtlicher M&A-Geschäfte der Jahre 2024 und 2025:
- Verkauf des Votorantim-Anteils an der Aluminiumgesellschaft CBA an Rio Tinto und Chalco Hong Kong für knapp 1,8 Milliarden US$
- Übernahme der Seltenerdmine Serra Verde durch USA Rare Earth für 2,8 Milliarden US$
Auch im Nickel- und Lithiumbergbau wechselten Unternehmen den Eigentümer.
Brasilien verbessert Rahmenbedingungen im Bergbau
Mit dem Gesetz "Lei Geral do Licenciamento Ambiental" (15.190/2025) verfügt Brasilien seit Februar 2026 über einen neuen Rechtsrahmen für Umweltgenehmigungen. Das Gesetz vereinfacht und vereinheitlicht die Verfahren und soll neue Investitionen im Bergbau fördern. Strategisch wichtige Projekte können zudem über eine Licença Ambiental Especial (LAE) schneller genehmigt werden.
Im Ranking "Investment Attractiveness Index" des Fraser Institute nahm Brasilien 2025 Rang 19 unter 68 Staaten ein und lag damit vor Chile, Mexiko und Peru. In Lateinamerika schnitt nur Argentiniens Provinz San Juan besser ab.
Unternehmen wollen fast 15 Milliarden US$ in Nachhaltigkeit investieren
Bergbaukonzerne stehen zunehmend unter Druck, ESG-Standards einzuhalten – nicht zuletzt, weil diese für den Kapitalmarktzugang immer wichtiger werden. Zwischen 2026 und 2030 wird der Sektor in Brasilien voraussichtlich rund 14,7 Milliarden US$ in Nachhaltigkeit investieren, etwa ein Fünftel der Gesamtinvestitionen. Gute Voraussetzungen für die Dekarbonisierung bietet Brasiliens Vorreiterrolle bei erneuerbaren Energien und nachhaltigen Kraftstoffen. Davon profitieren die Bergbaufirmen insbesondere bei ihren indirekten Emissionen aus dem Energiebezug, den sogenannten Scope-2-Emissionen.
Nach den Dammkatastrophen von Mariana (2015) und Brumadinho (2019) wurden die Umwelt- und Sicherheitsanforderungen deutlich verschärft. Die Regulierungsbehörde ANM erhöhte die Auflagen für Betreiber und setzte damit zusätzliche Investitionsanreize. Gefragt sind vor allem Technologien zur sicheren Rückstandsverwertung sowie Maßnahmen zur Stilllegung und zum Rückbau von Rückhaltebecken (Tailings).
Zur Bekämpfung des illegalen Abbaus testet ANM Maßnahmen zur Rückverfolgbarkeit von Gold. Der passende Gesetzesvorschlag PL 3.025/2023 ist auf dem Weg.
"Im Bergbau gewinnt nicht die günstigste Maschine, sondern die produktivste Lösung"
Marcus Peter Hess verfügt über fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im brasilianischen Bergbau. Er kennt die Anforderungen der Bergbaukonzerne und beobachtet die Entwicklungen aus nächster Nähe. Als Vorsitzender in zwei Kammern beim brasilianischen Maschinenbauverband ABIMAQ vertritt er die Maschinenbauer und Zulieferer der Bergbauindustrie.
Herr Hess, wie beurteilen Sie derzeit die Chancen für deutsche Unternehmen im brasilianischen Bergbau?
Ein besonders interessantes Feld ist die Behandlung von Tailings. Nach den Dammbrüchen wurden die Vorschriften deutlich verschärft. Moderne Anlagen führen heute über 90 Prozent des eingesetzten Wassers zurück. Für europäische Anbieter sehe ich die größten Chancen in den kritischen Anwendungen: Filtration, Fest-Flüssig-Trennung, Wasser- und Abwasserbehandlung oder in komplexen Förderlösungen wie Langstrecken-Gurtförderer. Dort zählen Zuverlässigkeit, Engineering und Prozess-Know-how deutlich mehr als der reine Anschaffungspreis.
Was ist für den Markterfolg entscheidend?
Europäische Zulieferer stehen heute in einem starken Wettbewerb. Asiatische Anbieter haben insbesondere bei Standardanwendungen stark aufgeholt. Lokale Präsenz bleibt ein wichtiger Erfolgsfaktor, doch immer entscheidender wird der Beitrag zur "innovativen Wertschöpfung". Bergbauunternehmen müssen ihre Kostenstrukturen verbessern. Gefragt sind Lösungen, die einen messbaren wirtschaftlichen Nutzen liefern – etwa geringeren Wasserverbrauch, weniger Stillstände oder höhere Ausbringung. Wer Innovation mit wettbewerbsfähigen Preisen verbindet, hat die besten Chancen.
Welche Chancen ergeben sich aus Brasiliens Fokus auf kritische Mineralien?
Bei seltenen Erden geht es nicht nur um Bergbau. Die eigentliche Wertschöpfung entsteht bei der Aufbereitung, Separation und Raffination. Brasilien will nicht nur Rohstoffe exportieren. Deshalb schauen Initiativen wie MagBras auf die gesamte Wertschöpfungskette bis zur Herstellung von Endprodukten wie Permanentmagneten. Gerade in den Bereichen Verfahrenstechnik, Anlagenbau und Prozessentwicklung eröffnen sich interessante Möglichkeiten für deutsche Unternehmen.
Was würden Sie deutschen Unternehmen mit auf den Weg geben?
Die Zeit hoher Margen allein aufgrund technologischer Überlegenheit ist vorbei. Unternehmen müssen den Markt genau beobachten, den Kunden zuhören und kontinuierlich Innovationen entwickeln.
Wer sich auf anspruchsvolle Anwendungen konzentriert, lokale Marktkenntnis aufbaut und gleichzeitig an Wettbewerbsfähigkeit und Kosten arbeitet, wird auch künftig gute Chancen im brasilianischen Bergbau haben. Brasilien bleibt einer der wichtigsten Bergbaumärkte der Welt – aber der Wettbewerb wird härter und professioneller.
Eisenerz in Brasilien dominiert
Laut IBRAM ist der Umsatz des Bergbaus in Brasilien 2025 um 10,3 Prozent auf umgerechnet 53,5 Milliarden US$ gestiegen, trotz des Rückgangs im Eisenerzsegment um 2,2 Prozent. Die Abschwächung der Konjunktur in China drückt auf den Weltmarktpreis für das Metall. Das mindert die Gewinne von Konzernen wie Vale, Anglo American und CSN. Dennoch wird Eisenerz auch künftig eine wichtige Rolle spielen, nicht zuletzt wegen der hohen Qualität der brasilianischen Erze.
Unternehmen (Sitz) | Rohstoff | Umsatz 2024 1) | Veränderung 2024/2023 2) |
|---|---|---|---|
| Vale (Brasilien) | Eisenerz, Nickel, Kupfer, Mangan, Gold, Phosphat, Kalium | 38,2 | -1,0 |
| Hydro Alunorte (Norwegen) | Aluminiumoxid | 2,8 | 45,7 |
| Nexa Resources (Luxemburg) | Kupfer, Zink, Blei, Gold, Silber | 2,8 | 16,0 |
| CBMM (Brasilien) | Niob und Niob-Legierungen | 2,5 | 17,1 |
| Anglo American Minério de Ferro Brasil (Vereinigtes Königreich) | Eisenerz | 2,2 | -2,6 |
| Samarco 3) | Eisenerz | 1,5 | 3,1 |
| Kinross (Kanada) | Gold | 1,2 | 19,7 |
| CMOC Brasil (China) | Niob und Phosphat | 0,9 | 16,1 |
| South32 Minerals (Australien) | Bauxit und Aluminiumoxid sowie Aluminium (über Beteiligungen an MRN und Alumar) | 0,6 | 9,6 |
| Aura Minerals (Kanada) | Gold | 0,6 | 54,8 |
Chancen durch das EU-Mercosur-Abkommen
Seit dem 1. Mai 2026 ist das EU-Mercosur-Abkommen vorläufig in Kraft. Es sieht den Zollabbau für zahlreiche Maschinenbauprodukte aus der EU vor – allerdings meist mit langen Übergangsfristen von 10 bis 15 Jahren, in denen der Zollsatz schrittweise gesenkt wird.
Doch ergeben sich bereits jetzt Chancen: Brasilien hatte im Februar 2026 Zollerhöhungen auf viele Maschinenbauprodukte beschlossen. Diese gelten für Produkte aus der EU nun nicht mehr. Stattdessen greift der im Abkommen vereinbarte Basiszollsatz, reduziert um die erste Zollsenkungsstufe.