Wirtschaftsstandort | Bulgarien

Bulgariens Integration in den EU-Binnenmarkt vertieft sich

Bulgarien bietet Investoren günstige Produktionskosten und Steuern. Die Infrastruktur leidet jedoch unter einem Modernisierungsstau. Als Abhilfe winken jedoch Fördermittel der EU.

Torsten Pauly

Von Torsten Pauly | Berlin

Bulgarien hat Anfang 2026 den Euro eingeführt. Damit entfallen Währungsrisiken. Bereits seit 2025 ist das Land Mitglied des Schengen-Raums. Die aufgehobenen Binnenmarktkontrollen ersparen Lieferanten zwischen 5 und 20 Prozent der Transportkosten, so der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss.

  • Die bulgarische Wirtschaft legte zwischen 2019 und 2025 im EU-Vergleich mit am stärksten zu. Perspektivisch könnte sich der zunehmende Fachkräftemangel als Hemmnis erweisen.

    Bulgarien entwickelt sich zunehmend zu einem Sourcing-Markt. Deutschland ist der größte Handelspartner. Dabei erzielt Bulgarien im bilateralen Warenaustausch mit Deutschland einen Überschuss. Die wichtigsten Ausfuhrwaren des Landes weltweit sind Maschinen und Anlagen sowie deren Komponenten. Gefragt sind außerdem pharmazeutische und andere chemische Produkte, Elektrotechnik sowie Kupfer- und Agrarerzeugnisse. Auch der Export von Dienstleistungen nimmt stark zu.

    Bulgarien zieht Firmengründer an

    Neue Unternehmen inklusive einer dynamischen Start-up-Szene gelten als wichtige Träger des Wirtschaftswachstums. Die Zahl der privaten Unternehmen erhöhte sich im Jahr 2024 um 3 Prozent. Die Hauptstadt Sofia gilt als aufstrebendes Zentrum für Start-ups. Startup-Blink führt Bulgarien in seinem Innovators Business Environment Index 2026 europaweit an 10. Stelle. Das Ranking bezieht die Rahmenbedingungen inklusive der Institutionen und IT-Infrastruktur für Gründungen ein.

    6,4 Mio.

    Personen lebten 2025 in Bulgarien.

    Quelle: Eurostat 2026

    116 Mrd.

    Euro betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025 in Bulgarien.

    Quelle: Eurostat 2026

    18.600

    Euro machte das BIP pro Kopf 2025 aus.

    Quelle: Eurostat 2026

    1,6 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2021.

    Quelle: Weltbank 2025

    Rang 40

    belegte Bulgarien 2025 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2026

    Rang 84

    nimmt Bulgarien im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2026

    Der Standort ist im europäischen Vergleich günstig

    Ein Vorteil für Investoren sind die moderaten Produktionskosten. Energie war in Bulgarien im 1. Halbjahr 2025 günstiger als in jedem anderen EU-Land. Für Unternehmen fielen je Kilowattstunde Strom nur etwa zwei Drittel des EU-weiten Durchschnittspreises an. Parallel dazu zahlten Firmen für Gas lediglich 71 Prozent des mittleren EU-Preises, bezogen auf einen Verbrauch von 10.000 bis 99.000 Gigajoule pro Jahr.

    Zudem weist Bulgarien die niedrigsten Arbeitskosten in der EU auf: Sie beliefen sich im Jahr 2025 laut Eurostat auf brutto 12 Euro pro Stunde. Das waren 34,4 Prozent des EU-Durchschnittswerts von 34,9 Euro.

    Allerdings gab es in den vergangenen Jahren starke Verdienststeigerungen. Zwischen 2020 und 2025 stieg der durchschnittliche Jahresbruttolohn um rund 87 Prozent auf 16.000 Euro. Investoren finden jedoch je nach Standort ein sehr unterschiedliches Niveau vor: So war etwa der Durchschnitt in Sofia 2024 um 103 Prozent höher als in Blagoewgrad. Beschäftigte in Bulgarien erhalten viel netto vom brutto, denn der Einkommensteuersatz beträgt unabhängig von der Verdiensthöhe 10 Prozent.

    Fachkräftemangel nimmt zu

    Unternehmen haben jedoch zunehmend Probleme, Stellen zu besetzen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag laut Angaben von Eurostat im Dezember 2025 in Bulgarien bei 3,3 Prozent. Auch die Mitglieder der AHK Bulgarien (Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer) bezeichneten in einer Umfrage Mitte 2025 den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften als größtes Geschäftsrisiko.

    Durch Abwanderung von Fachkräften und Eintritte in den Ruhestand sank die Beschäftigtenzahl 2025 um 2,7 Prozent. Die Alterung der Gesellschaft hat zudem zur Folge, dass 2030 laut Eurostat-Prognose 5,1 Prozent weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) in Bulgarien leben werden als noch 2025.

    Bulgarien muss Transitlage durch Infrastrukturausbau nutzen

    Bulgarien kommt für ein Reshoring infrage, das heißt außerhalb von Europa bestehende Betriebsstätten werden in den Schengen- und Euroraum zurück verlagert. Ein Vorteil ist dabei die Lage. Bulgarien durchqueren die europäischen Korridore IV und X von Thessaloniki beziehungsweise Istanbul nach Deutschland, die Trasse IX vom ägäischen Alexandroupolis nach Helsinki und der Korridor VIII vom Schwarzen Meer zur Adria. Die Seehäfen Varna und Burgas liegen weniger als 1.000 Schiffskilometer vom Suez-Kanal entfernt, und Bulgarien grenzt über 470 Kilometer an den Verkehrskorridor VII, die Donau.

    Nötig ist jedoch die Verbesserung der Verkehrswege. Hierfür stellt die EU von 2023 bis 2030 Fördermittel von 1,6 Milliarden Euro bereit, weitere 285 Millionen Euro bringt Bulgarien selbst auf. Von der Gesamtsumme waren 2025 bereits 77 Prozent vergeben. Von den Gesamtmitteln waren bereits 24 Prozent ausbezahlt.

    Nötig sind auch Energieeffizienzsteigerungen, der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie Investitionen in die Übertragungs- und Verteilungsnetze, einschließlich Energiespeicher. Für Energieprogramme erhält Bulgarien von 2021 bis 2027 Fördergelder im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

    Dienstleistungsbranchen wachsen am stärksten

    Am dynamischsten hat sich in den letzten Jahren der Finanzsektor entwickelt. Er konnte seine reale Bruttowertschöpfung zwischen 2019 und 2024 um 54,1 Prozent ausweiten. Starke Zuwächse verzeichneten auch andere Wirtschaftsbereiche wie etwa das Gastgewerbe (+34,6 Prozent), der Bergbau (+32,8 Prozent) oder der Handel (+29,4 Prozent). Robust entwickelten sich zudem die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT; +21,8 Prozent) und das verarbeitende Gewerbe (+19,4 Prozent).

    Bulgariens Industrie liefert unter anderem elektronische und hydraulische Komponenten für den Maschinenbau sowie Aluminiumwannen für die Automobilindustrie. Besonders eng verflochten sind die exportorientierten Branchen Kfz und Elektro, die sich auch als Ausrüster für E-Bike-Hersteller etabliert hat. Mit seinen Industriesparten stellt Bulgarien einen attraktiven Absatzmarkt für deutsche Ausrüstung und Maschinen dar.

    Der Dienstleistungssektor ist der größte Arbeitgeber Bedeutung der Wirtschaftszweige in Bulgarien (Anteile in Prozent)

    Sektoren

    Anteil an Bruttowertschöpfung 2024

    Anteil an den Beschäftigten 2024

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    2,7

    4,8

    Verarbeitendes Gewerbe

    14,3

    17,3

    Baugewerbe

    4,8

    8,2

    Handel und Gastgewerbe

    19,0

    22,5

    Information und Kommunikation

    8,5

    4,4

    Finanz- und Versicherungswesen

    6,6

    2,3

    Transport und Logistik

    4,8

    6,8

    Sonstige private Dienstleistungen

    19,9

    11,3

    Öffentlicher Sektor, Sonstige

    19,4

    22,4

    Quelle: Eurostat 2026

    Bulgariens Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel 2025 real um 18,4 Prozent höher als 2019 aus. Dies war das fünftstärkste Wachstum in der EU. Dennoch war das BIP pro Kopf in Kaufkraftstandard 2024 mit einem Niveau von 66 Prozent des EU-Durchschnitts immer noch das geringste aller Mitgliedsstaaten.

    SWOT-Analyse Bulgarien

    S

    Stärken Strengths

    • Übernahme des Euro seit Anfang 2026
    • Konkurrenzfähige Arbeitskosten im EU-Vergleich
    • Kein Mindestkapital zur Unternehmensgründung erforderlich
    • EU-Fördergelder von 29 Milliarden Euro bis 2027
    • Fachkräfte mit teilweise guten Deutsch- und Englischkenntnissen
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Häufige Regierungswechsel seit 2021 erschweren langfristige Wirtschaftspolitik
    • Modernisierungsstau in den Umweltsystemen
    • Modernisierungstau in der Infrastruktur
    • Öffentliche Verwaltung ist vielerorts schwerfällig
    • Keine duale Berufsausbildung
    O

    Chancen Opportunities

    • Viele Unternehmensgründungen
    • Innovative IT-Branche
    • Günstige Lage an Verkehrskorridoren zwischen Südost- und Mitteleuropa
    • EU-geförderte Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur
    • EU-geförderte Investitionen in den Energiesektor und in die Dekarbonisierung
    T

    Risiken Threats

    • Schlechtes Abschneiden bei Korruptionsanfälligkeit
    • Schlechte Bewertung der Rechtstaatlichkeit
    • Mitunter langwierige Anfechtungen öffentlicher Vergaben
    • Alterung der Gesellschaft und Abwanderung von Fachkräften
    • Sich verstärkendes regionales Gefälle bei Investitionen und Wirtschaftskraft

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    Prosperierende und strukturschwache Gebiete

    Die Region mit der Hauptstadt Sofia erbringt über die Hälfte der bulgarischen Wirtschaftsleistung. Es folgen die Gebiete mit den Zentren Plowdiw, Burgas und Varna. Viele Gegenden sind jedoch nach wie vor strukturschwach und von schlechter Verkehrsanbindung und Abwanderung geprägt. Dort mit EU-Fördermitteln angeschobene Modernisierungen in der Wasserwirtschaft und im Abfallmanagement bieten deutschen Herstellern gute Absatzmöglichkeiten.

    Die Wirtschaftskraft ist regional ungleich verteiltEckdaten der EU-Planungsregionen in Bulgarien

    Gebiet (EU-Planungsregion)

    Anteil am BIP (2024 in %) 

    BIP pro Kopf (2024 in Euro)

    Bevölkerung (2025 in 1.000) 

    Sofia, Blagoewgrad, Pernik, Kjustendil (BG41)

    50,7

    26.300

    2.023

    Plowdiw, Chaskowo, Pasardschik, Smoljan, Kardschall (BG42)

    13,3

    10.700

    1.307

    Burgas, Sliwen, Jambol, Stara Sagora (BG34)

    12,7

    13.900

    952

    Warna, Dobritsch, Schumen, Targowischte (BG33)

    9,9

    12.500

    827

    Gabrowo, Russe, Radgrad, Silistra, Weliko Tarnowo (BG32)

    6,9

    10.700

    673

    Widin, Montana, Wraza, Plewen, Lowetsch (BG21)

    6,5

    10.300

    655

    Quelle: Eurostat 2026

    Torsten Pauly

    Von Torsten Pauly | Berlin

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  • Bulgarien zieht mit günstigen Steuern sowie neuen Industrie- und Technologieparks Investoren an. Das Land schneidet jedoch in puncto Korruption und Rechtsstaatlichkeit schlecht ab.

    Für Unternehmen gilt in Bulgarien ein niedriger Körperschaftssteuersatz von nur 10 Prozent. Um neue Investoren zu gewinnen, entwickelt die staatliche Gesellschaft National Company Industrial Zones (NCIZ) landesweit Gewerbegebiete. Derzeit betreibt NCIZ solche Industriezonen in acht Städten. Weitere vier Areale sollen die ersten Unternehmen schon bald begrüßen können. Auch zahlreiche weitere Städte verfügen über moderne Industrie-, Technologie- oder Forschungsparks. Eine Übersicht zu Ansiedlungsmöglichkeiten bietet die Investitionsförderagentur InvestBulgaria Agency.

    Eines der größten Industriegebiete ist die Trakia Economic Zone (TEZ) in Plowdiw. Sie hat mittlerweile Investitionen in Höhe von 3 Milliarden Euro angezogen, darunter Niederlassungen von Liebherr, Osram oder DSV (DB Schenker). Bis 2040 will die TEZ Klimaneutralität erreichen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert die dafür initiierte Machbarkeitsstudie.

    In Bulgarien existieren auch sechs Sonderwirtschaftszonen mit günstigen Investitionsbedingungen. Diese befinden sich in den Städten Plowdiw, Swilengrad und Dragoman sowie in den Häfen Burgas (Schwarzes Meer) sowie Russe und Widin (jeweils Donau).

    Die meisten Investitionen fließen nach Sofia und Umgebung

    Ende 2024 entfielen knapp 43 Prozent des Bestands an ausländischen Direktinvestitionen außerhalb des Finanzsektors auf Bulgariens verarbeitendes Gewerbe. Es folgten der Handel mit 23 Prozent, der IKT-Sektor mit nahezu 13 Prozent und der Immobiliensektor mit knapp 12 Prozent. Geographisch dominiert der Großraum Sofia mit einem Anteil von rund 61 Prozent.

    Engagement deutscher Investoren wächst

    Die deutsche Schwarz-Gruppe ist mit ihren Ketten Lidl und Kaufland der führende Einzelhändler in Bulgarien. Darüber hinaus dominieren die Kfz-Sparte sowie verschiedene Bereiche der Metallindustrie die deutschen Investitionen. Der Metallkonzern Aurubis ist dabei das zweitumsatzstärkste Unternehmen in Bulgarien. Präsent sind unter anderem auch der Hersteller feinmechanischer und optischer Waren Zeiss und Siemens Digital Industries.

    Ein weitere größere Investition aus Deutschland kündigt sich an: In Sopot investiert der Rüstungskonzern Rheinmetall gemeinsam mit dem bulgarischen Produzenten VMZ 1 Milliarde Euro in die Produktion von Artilleriemunition. Das dafür gegründete Joint Venture soll noch 2026 schrittweise an den Start gehen.

    Metallverarbeitung führt deutsche Investitionen anGrößte deutsche Investoren in Bulgarien; Stand: 2026

    Unternehmen

    Branche

    Umsatz in Mio. Euro 2024

    AurubisMetallverarbeitung

    4.576

    Lidl BulgarienEinzelhandel

    1.341

    Kaufland BulgarienEinzelhandel

    1.312

    Metro Cash & CarryEinzelhandel

    641

    Kostal Bulgaria AutomotiveElektronische, elektromechanische und mechatronische Produkte für die Automobilindustrie

    414

    Liebherr-Hausgeräte MaricaMaschinen und Anlagen

    277

    Witte AutomotiveAutomobilindustrie

    213

    Lufthansa-Technik SofiaLuftfahrt

    98

    KaolinGewinnung und Veredelung von Mineralen für die Industrie

    97

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Investitionsförderung: Projektgröße und -ort bestimmen Anreize

    Für in- und ausländische Investoren bietet Bulgariens Investitionsfördergesetz zahlreiche Anreize. Deren Umfang richtet sich nach der Investitionssumme und der Zahl der zugesagten Arbeitsplätze.

    Förderfähig sind Projekte des verarbeitenden Gewerbes, des IKT-Sektors, der Logistikbranche, für wirtschaftsnahe Dienstleistungen sowie im Gesundheits- und Bildungswesen. Im verarbeitenden Gewerbe möchte der bulgarische Staat ausländische Investoren insbesondere in ausgewählten Sparten wie Automobil, Elektronik, Robotik oder Mechatronik gewinnen. 

    Zu den Förderinstrumenten zählen:

    • Investitionszuschüsse;
    • Erwerb öffentlichen Landes zu günstigen Preisen ohne Grundsteuer und ohne Ausschreibung;
    • Finanzierungsbeteiligungen für Infrastrukturbauten;
    • Teilerstattung von Sozialversicherungsbeiträgen für Neueinstellungen;
    • Zuschüsse zu Qualifizierungen von Neueinstellungen;
    • Beschleunigung von Verwaltungsabläufen;
    • Beteiligungen im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften.

    In Gemeinden mit überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit sind zusätzliche Fördermöglichkeiten möglich. Dazu zählen beispielsweise höhere Investitionszuschüsse.

    Bulgarien ist an ausländischen Start-up-Gründern interessiert und offeriert unter anderem ein Start-up-Visum für Nicht-EU-Bürger. Eine Förderagentur speziell für kleine und mittlere Unternehmen ist die Bulgarian Small and Medium Enterprises Promotion Agency (BSMPA).

    In Bulgarien gibt es seit März 2024 ein Gesetz zur Kontrolle des Exports und von ausländischen Investitionen. Damit setzt das Land EU-Vorschriften in nationales Recht um. Zu prüfen sind in diesem Zusammenhang hauptsächlich Investitionen in die kritische Infrastruktur. Sie umfasst unter anderem Strom- und Breitbandnetze, Kraftwerke oder Technologien, die mit sensiblen Daten arbeiten. Das Gesetz gilt für Investoren mit Hauptsitz außerhalb der EU und ab einer Investitionssumme von 2 Millionen Euro beziehungsweise einer Firmenbeteiligung in Höhe von 10 Prozent des Kapitals des bulgarischen Unternehmens.

    Administratives Umfeld unterscheidet sich je nach Standort

    Ungeachtet der staatlichen Fördermöglichkeiten steht dem sich dynamisch entwickelnden Privatsektor häufig eine schwerfällige öffentliche Verwaltung gegenüber. Im Zeitraum 2021 bis Frühjahr 2026 haben allein sieben Regierungswechsel nach Wahlen auf nationaler Ebene eine berechenbare Wirtschaftspolitik erschwert.

    Die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln unterscheiden sich dabei allerdings je nach Kommune und den dort zuständigen Entscheidungsträgern. Dies gilt auch für die zügige Implementierung der EU-Förderprogramme.

    Als problematisch wird nach wie vor die Korruption wahrgenommen. Im Corruption Perception Index von Transparency International hat sich Bulgarien 2025 um drei Plätze auf Rang 84 von 182 erfassten Staaten verschlechtert. Innerhalb der EU liegt Bulgarien an vorletzter Stelle.

    Auch im Index der Rechtsstaatlichkeit der World Justice Foundation musste sich Bulgarien 2025 mit der EU-weit zweitschlechtesten Platzierung begnügen: Rang 61 unter insgesamt 163 Ländern. Kritisiert wird unter anderem eine mitunter zu beobachtende Einflussnahme von Politikern auf die Judikative. All dies führt in Bulgarien laut Landeskennern jedoch nicht nur zu starker öffentlicher Kritik, sondern auch zu einem rasch zunehmenden zivilgesellschaftlichen Engagement.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    "Detaillierte Landeskenntnisse sind unabdingbar"

    Sonja Miekley, Hauptgeschäftsführerin der Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer Sonja Miekley, Hauptgeschäftsführerin der Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer | © Zdravko Yonchev

    Sonja Miekley ist seit 2024 Hauptgeschäftsführerin der AHK Bulgarien (Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer). Sie kennt Bulgarien seit einem Studienaufenthalt in Sofia 2004 und war zwischenzeitlich an verschiedenen Standorten im AHK-Netz tätig.

    Frau Miekley, Bulgarien wird Ende April 2026 in nur fünf Jahren zum mittlerweile achten Mal Parlamentswahlen abhalten. Von einer kontinuierlichen Reformpolitik kann daher keine Rede sein. Wie kommt es, dass die bulgarische Wirtschaft seit 2019 dennoch das fünfthöchste Wachstum in der EU erzielte?

    Ein wichtiger Punkt sind die Investitionen, sowohl von neuen ausländischen Unternehmen als auch von Firmen, die bereits in Bulgarien tätig sind, insbesondere in Automatisierung, Digitalisierung und Shared Services. Dies spiegelt das Vertrauen in den Standort wider und steigert die Produktivität. Ein weiterer Punkt ist auch der wachsende Konsum dank kräftiger Lohnsteigerungen in den letzten Jahren.

    Was spricht aus der Sicht Ihrer Mitglieder für ein Engagement in Bulgarien?

    Unsere Mitglieder wollen ihre Investitionen genau so weiterführen oder sogar ausbauen. Bulgarien ist ein Standort mit konkurrenzfähigen Produktionskosten. Englische und deutsche Sprachkenntnisse sind weit verbreitet. Auch zurückkehrende Auslandsbulgaren haben einen positiven Einfluss auf die Unternehmen. Dies ist vom Standort abhängig und gelingt in Sofia, Plowdiw und anderen Großstädten besser als in kleineren Orten.

    Und gibt es auch Nachteile?

    Unsere Herbstumfrage 2025 hat ergeben, dass die Arbeitskosten stark steigen, auch wegen höherer Sozialabgaben. Dies erfordert weitere Produktivitäts- und Innovationssteigerungen. Bei der Rechtsstaatlichkeit sowie der Effizienz und Transparenz der Verwaltung gibt es Nachholbedarf. Angesichts dieser Herausforderungen sind detaillierte Landeskenntnisse und ein starkes Partnernetzwerk unabdingbar.

    Torsten Pauly

    Von Torsten Pauly | Berlin

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  • Institution

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
    Vertretung der Europäischen Kommission in BulgarienInformationen zur EU-Politik in Bulgarien
    AHK Bulgarien (Deutsch-Bulgarische Industrie und Handelskammer)Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
    InvestBulgaria Agency (IBA) Investitionsförderagentur Bulgariens
    Bulgarian Small and Medium Enterprises Promotion AgencyFörderagentur für KMU
    Europäische Strukturfonds in BulgarienInformationen und Ansprechpartner zu regionalen Förderprogrammen
    EUMIS BulgarienInformationsportal zum Management der EU-Fonds in Bulgarien, mit Ausschreibungen und Projektinformationen