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Kasachstan treibt Ausbau von Vieh- und Milchwirtschaft voran
Kasachstan will seinen Tierbestand in den nächsten Jahren deutlich ausweiten. Das eröffnet Lieferchancen in der Tierhaltung, aber auch bei der Verarbeitung von Fleisch und Milch.
04.03.2026
Von Viktor Ebel | Almaty
Fleisch- und Milcherzeugnisse sind aus der nomadisch geprägten Gesellschaft Kasachstans nicht wegzudenken. Die durchschnittliche Absatzmenge von Fleisch pro Kopf lag 2025 laut Statista Market Insights bei fast 82 Kilogramm und damit rund 70 Prozent höher als in Deutschland. Auch bei Milch, Joghurt und anderen Milcherzeugnissen ist der Verbrauch in Kasachstan höher. Entsprechend sensibel sind die Themen Ernährungssicherheit und Preisstabilität für die Regierung.
Die Viehzucht stand 2025 für 39 Prozent des landwirtschaftlichen Ausstoßes und wächst moderat um real 3 bis 4 Prozent jährlich, so zeigen es Zahlen des kasachischen Statistikbüros. Noch schöpft das neuntgrößte Land der Welt sein Potenzial aber nicht aus. Kasachstan ist besonders bei Milch und Geflügel nach wie vor auf Importe angewiesen. Zudem bleiben Exportchancen im wachsenden globalen Fleischmarkt ungenutzt. Mit zinsgünstigen Krediten und verbesserten Rahmenbedingungen will Astana eine Wende einleiten und die Produktion hochkurbeln. Ausrüstung und Know-how aus Deutschland sind gefragt und dürften ihren Weg in kasachische Ställe, Molkereien und Fleischbetrieben finden.
Herden sollen um Millionen von Tieren wachsen
Im Januar 2026 genehmigte die Regierung ein Programm für die Viehwirtschaft in den Jahren 2026 bis 2030. Die übergeordneten Ziele sind, die Eigenversorgung mit wichtigen Nahrungsmitteln sicherzustellen, die Preise stabil zu halten sowie Exportmärkte zu erschließen. Konkret sollen dafür die Kuh- und Kleinviehherden um Millionen von Tieren anwachsen. Um Landwirte hierbei zu unterstützen, bietet die Regierung verschiedene zinsgünstige Darlehen an.
| Indikator | 2025 | 2030 |
|---|---|---|
| Anzahl Kühe (in Mio. Stück) | 8,2 | 12 |
| Anzahl Kleinvieh *) (in Mio. Stück) | 20,6 | 28 |
| Fleischproduktion (in Mio. t) | 1,1 | 1,8 |
| Exporte aus der Viehzucht (in 1.000 t) | 132 | 165 |
Für den Kauf von hochproduktivem Zuchtvieh sind jährlich umgerechnet rund 600 Millionen US-Dollar (US$) an zinsgünstigen Krediten vorgesehen. Bei einer Laufzeit von 7 bis 10 Jahren soll der Zinssatz bei 6 Prozent liegen – zum Vergleich: Der Leitzins der kasachischen Zentralbank lag Ende Februar 2026 bei 18 Prozent.
Eine weitere Kreditlinie mit einem Jahreszins von 5 Prozent und einem ähnlich hohen Volumen ist für den Kauf von Fütterungsanlagen und die Erneuerung von Betriebsmitteln in der Viehwirtschaft vorgesehen. Die Kredite stellen eine Wende in Kasachstans Agrarpolitik dar, die zuvor auf direkte Subventionen gesetzt hat.
Produktivität rückt in den Vordergrund
Kasachstan unterstützt Milchproduzenten derzeit über Subventionen pro Kilogramm Rohmilch. Diese Zahlungen sichern die Rentabilität der Landwirte, fördern die Produktion und stärken die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Importen.
Im Zuge der 2024 gestarteten Liberalisierung der Wirtschaft sind Subventionen für Milch, Fleisch und Gewächshausgemüse bis Ende 2028 schrittweise abzuschaffen. Bis dahin will die Regierung auf bevorzugte Kreditprogramme umsatteln.
Neue Farmen und Verarbeitungsbetriebe geplant
betrugen 2025 die Bruttoanlageinvestitionen in die Viehzucht in Kasachstan.
Laut Landwirtschaftsministerium sollen 46 neue Milchviehbetriebe in den Jahren 2026 und 2027 ihre Pforten öffnen. Der Milchausstoß könnte so von 3,8 Millionen Tonnen (2025) mittelfristig um 600.000 Tonnen jährlich zunehmen.
Für die Verarbeitung von Milch und Fleisch sind jeweils rund ein Dutzend Projekte in der Vorbereitung. Die veranschlagten Investitionen hierfür summieren sich auf rund 168 Millionen US$.
Ein Novum ist die Verarbeitung von Nebenprodukten wie Knochen und Häuten zu Gelatine und kollagenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln. In- und ausländische Firmen bereiten hierfür Projekte im Umfang von fast 180 Millionen US$ vor. Bisher galten Nebenprodukte dieser Art in Kasachstan weitestgehend als Abfälle.
Wichtige Agrar- und Lebensmittelmessen
Mehrere Messen in Kasachstan bieten die Möglichkeit, sich über den regionalen Markt zu informieren und potenzielle Geschäftspartner zu identifizieren.
Landwirtschaft/Viehzucht:
KazAgroExpo, 21. bis 23. Oktober 2026 in Astana;
Lebensmittel:
InterFood Astana, 13. bis 15. Mai 2026 in Astana;
FoodExpo Qazakhstan, 11. bis 13. November 2026 in Almaty.
Neben der Ausstattung von Milchfarmen bieten sich deutschen Unternehmen vor allem in der wachsenden Nahrungsmittelindustrie Lieferchancen. Die Investitionen verdoppelten sich hier 2025 auf fast 750 Millionen US$. Neben für die Branche typischen Abfüll-, Verschließ- und Verpackungsmaschinen schließt dies auch universell einsetzbare Transport-, Hebe- und Lagersysteme sowie Mess- und Prüfinstrumente mit ein. Diese trifft Germany Trade & Invest regelmäßig bei Unternehmensbesichtigungen von Firmen des verarbeitenden Gewerbes an.
| Projekt (Standort) | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Geflügelmastbetrieb (Gebiet Almaty) | 600 | Umsetzung Phase 1 bis 2027; Phase 2 bis 2029 | Aitas; 240.000 t pro Jahr |
| Geflügelmastbetrieb (Gebiet Kostanai) | 141 | Umsetzung | Eco Broiler; 50.000 t pro Jahr |
| Produktion von Speisegelatine (Gebiet Almaty) | 111 | Vorbereitung | Kazgelatin; 10.000 t pro Jahr |
| Geflügelmastbetrieb (Gebiet Kostanai) | 106 | Umsetzung | Canadian Chicken Ltd.; 50 .000 t pro Jahr |
| Geflügelmastbetrieb (Gebiet Turkestan) | 103 | Umsetzung | Qarkyn Trade; 48.000 t pro Jahr |
| Produktion von Speisegelatine und Kollagen (Stadt Almaty) | 60 | Umsetzung | Iskefe Holding |
| Milchviehbetrieb in der Region Nordkasachstan | 17 | Umsetzung | Zenchenko & K; 26.000 t Milch pro Jahr |
| Fleischkombinat in der Region Abai | 15 | Umsetzung | Eurasia Agro Semei; 11.400 t pro Jahr |
| Zwei Milchviehbetriebe (Gebiet Almaty) | 9 | Umsetzung | Bäuerliche Wirtschaft Mombek |
| Milchviehbetrieb (Gebiet Schambyl) | 3 | Umsetzung | Bäuerliche Wirtschaft Nurlyzhay; 10.000 t Milch pro Jahr |
Branche hat mit Herausforderungen zu kämpfen
In der Nahrungsmittelindustrie kommt die Konkurrenz vor allem aus China. Deren Maschinen seien um ein Vielfaches günstiger, sagt der Direktor der im Gebiet Ostkasachstan ansässigen Molkerei Vostok Moloko. Zwar nutze die Firma auch Milchverarbeitungstechnik der deutschen Firma GEA. Doch da die Qualität aus Fernost zunehmend besser werde, falle die Kaufentscheidung immer häufiger zugunsten chinesischer Anbieter aus.
| Warengruppe (HS-ZTPos.) | 2024 | 2025 | Veränderung 2025/2024 |
|---|---|---|---|
| Lebende Rinder (0102) | 30,2 | 11,5 | -61,9 |
| aus Deutschland | 6,6 | 1,0 | -84,8 |
| Melk- und Molkereimaschinen (8434) | 17,6 | 17,5 | -0,6 |
| aus Deutschland | 1,1 | 1,0 | -9,1 |
| Landwirtschaftliche Maschinen, darunter Fütterungsanlagen, Stalltechnik,.. (8436) | 51,5 | 36,6 | -28,9 |
| aus Deutschland | 5,4 | 4,6 | -14,8 |
| Insgesamt | 99,3 | 65,7 | -33,8 |
| aus Deutschland | 13,1 | 6,5 | -50,4 |
Die bislang geringe Investitionsbereitschaft in der Milchwirtschaft geht auf die fragmentierte Marktstruktur und die schwach ausgebauten Wertschöpfungsketten zurück. Ein Großteil der in Kasachstan produzierten Milch stammt aus Kleinbetrieben, die größere Investitionen oft nicht stemmen können. Verarbeiter wiederum haben wegen der geografische Trennung von Farmen und Molkereien mit hohen Logistik- und Kühlkosten zu kämpfen. Hinzu kommen saisonbedingte volatile Milchpreise.
Das führt in der Praxis dazu, dass in der Produktion statt Rohmilch häufig importiertes Milchpulver genutzt wird. Darauf weißt das Leipziger Beratungsunternehmen IAK Agrar Consulting hin, das im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vor Ort beim Aufbau eines wettbewerbsfähigen Milchsektors berät. Laut den Experten braucht es für eine Steigerung der Effizienz, Investitionen in moderne Fütterungs- und Haltungssysteme sowie regionale Sammel- und Kühllogistik.
Deutschland berät Kasachstan in Sachen Milchwirtschaft
Mit dem Projekt Kompetenzförderung Milch in Kasachstan wird seit einigen Jahren gezielt daran gearbeitet, die Grundlagen für eine moderne und nachhaltige Milchproduktion im Land zu schaffen.
Unter anderem beraten Experten Milcherzeugerbetriebe bei der Planung und Umsetzung von Investitionen für die Milchviehhaltung.
Exporte tierischer Erzeugnisse entwickeln sich gut
Kasachstans wird aufgrund seiner geografischen Nähe zu Russland, einem Agrarschwergewicht, und der geringen Bevölkerungsdichte immer einen gewissen Importanteil bei Lebensmitteln aufweisen. Das hält das Land aber nicht davon ab, selbst Nahrungsmittel zu exportieren. Die Ausfuhren von verarbeiteten Agrarerzeugnissen stiegen 2025 um nominal 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,6 Milliarden US$, wobei der größte Zuwachs auf verarbeitete Ölsaaten entfällt.
Die Zielmarke für 2026 lautet 3,9 Milliarden US$. Künftig könnte besonders Fleisch einen größeren Beitrag leisten. Mit China liegt der größte Fleischmarkt der Welt in unmittelbarer Nähe. Beim Export ist der Veterinäraspekt ein entscheidender Faktor. In den vergangenen Jahren wurden neue Labore ausgerüstet sowie neue tierärztliche Zertifikate für den Export ausgestellt. Auch in den Jahren 2026 und 2027 stehen dem Landwirtschaftsministerium zufolge Gelder hierfür bereit.