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Chiles Wirtschaft profitiert stark vom Rohstoffboom

In Chile gibt der Bergbau den Ton an. Chancen bieten auch Energie-, Land- und Fischwirtschaft sowie der breitgefächerte Servicesektor. Künftig will Chile als KI-Hub mitspielen.

Stefanie Schmitt

Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

Chile ist die viertgrößte Volkswirtschaft Südamerikas. Beim Pro-Kopf-Einkommen belegt der Andenstaat Platz 3, nach Guyana und Uruguay. Mit einer Exportquote von rund einem Drittel im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist Chile zudem die exportstärkste Nation der Region. Doch die Angebotspalette ist schmal. Das Gros der Exporte entfällt auf Rohstoffe, überwiegend Kupfer, sowie Nahrungsmittel.

Die chilenische Wirtschaft wuchs 2025 um 2,3 Prozent. Bis 2030 erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) jährliche Zuwächse von durchschnittlich knapp 2,4 Prozent.

20,2 Mio.

Personen lebten 2025 in Chile.

Quelle: Instituto Nacional de Estadísticas (INE) 2025

355,3 Mrd.

US-Dollar umfasste das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025.

Quelle: Internationaler Währungsfonds (IWF) 2026

17.735 US-Dollar

erreichte das BIP pro Kopf 2025.

Quelle: IWF 2026

Rang 51

belegte Chile 2025 laut vorläufigen Zahlen unter den deutschen Exportzielen.

Quelle: Destatis 2026

Rang 31

nimmt Chile im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).

Quelle: Transparency International 2026

97,5 %

betrug die Alphabetisierungs-
quote der Bevölkerung ab 15 Jahren 2024

Quelle: acciónEducar auf Basis des Census 2024

Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

SWOT-Analyse Chile

S

Stärken Strengths

  • Umfangreiche Rohstoffvorkommen
  • Optimale natürliche Bedingungen für Wind- und Solarenergie
  • Makroökonomische Stabilität
  • Verhältnismäßig geringe Korruption
  • Starke Integration in die Weltwirtschaft über Freihandels- und anderen Abkommen
W

Schwächen Weaknesses

  • Geografische Randlage
  • Kleiner Binnenmarkt
  • Oligopole schwächen in einigen Branchen den Wettbewerb
  • Geringe Diversifizierung der Wirtschaft, Abhängigkeit von Rohstoffpreisen und vom Hauptabnehmerland China
  • Ineffiziente, langwierige Genehmigungsverfahren beeinträchtigen Wachstum und Innovation
O

Chancen Opportunities

  • Trend zu Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit
  • "Dekarbonisierungsplan" fördert Erneuerbare und grünen Wasserstoff
  • Energiewende und rekordhohe Rohstoffpreise stimulieren Bergbauinvestitionen
  • Bewusstsein für Abhängigkeiten von "kritischen" Partnern (China/USA) eröffnet Chancen für Europa
  • Nach Wahl von Präsident Kast höhere Investitionsbereitschaft der Unternehmen
T

Risiken Threats

  • Steigende Kriminalität und hohe Sicherheitskosten
  • Fachkräftemangel und geringe Produktivität
  • Digitalisierung, Automatisierung und KI erhöhen Cyberrisiken
  • Geplante Haushaltskonsolidierung mit Ausgabenkürzungen in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar
  • Zunehmende politische Polarisierung im In- und Ausland

Bergbaufirmen investieren Milliarden

Der Bergbau ist das Rückgrat der Wirtschaft. Die staatliche Kupferkommission Cochilco rechnet 2026 mit Investitionen von 8,9 Milliarden US-Dollar (US$) in den Sektor, überwiegend in Kupferminen. Chile ist der weltweit größte Förderer des roten Metalls. Zugleich befindet sich der Bergbau in einem tiefgreifenden Wandel: Neue Technologien für den Untertagebau, strengere Umweltauflagen und die Dekarbonisierung der Prozesse eröffnen vielfältige Geschäftschancen.

Chile verfügt zudem über die weltweit größten Lithiumreserven. In den vergangenen Jahren verlor das Land jedoch an Boden gegenüber dem größten Förderer Australien und auch gegenüber dem Nachbarland Argentinien. Cochilco beziffert die Abbaumenge im Jahr 2025 auf 300.000 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalente (LCE). Laut dem U.S. Geological Survey lag Chiles Anteil an der weltweiten Förderung somit bei 19 Prozent. Im Jahr 2020 kam das Land noch auf knapp 28 Prozent. Hauptgrund ist die schleppende Umsetzung der 2023 vorgelegten Lithiumstrategie.

Bis die ersten neuen Projekte tatsächlich in Produktion gehen, wird es zwar noch Jahre dauern. Aber im Januar 2026 nahm das chilenische Bergbauministerium den Antrag auf eine Betriebserlaubnis für den Abbau von Lithium (CEOL) der Firma Wealth Minerals für das Projekt Kuska entgegen. Auch Clean Tech Lithium hat den CEOL beantragt, nachdem im Dezember 2025 der Befragungsprozess der indigenen Bevölkerung für ihr Projekt Laguna Verde abgeschlossen werden konnte. Es gibt also Fortschritte.

Iris Wunderlich Leiterin des Bergbaukompetenzzentrums der AHK Chile

Neben diesen beiden kritischen Rohstoffen machen Eisen, Silber, Gold, Molybdän und Zink sowie perspektivisch Kobalt und seltene Erden Chile zu einem strategisch wichtigen Rohstofflieferanten. Die AHK Chile sieht wachsende Chancen für deutsche Unternehmen als Technologielieferanten. "In gewissem Sinne spiegelt sich dies bereits in der Rekordanmeldung deutscher Firmen für die Bergbaumesse Exponor 2026 wider", sagt AHK-Geschäftsführerin Cornelia Sonnenberg. Risiken bärgen aber die aktuellen geopolitischen Spannungen und der hohe Ölpreis, die zu einer weltweiten Rezession führen könnten.

Dienstleistungssektor expandiert

Der Dienstleistungssektor hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch ist auch der Anteil des Gesundheitssektors (2023: 10,1 Prozent des BIP). An Bedeutung für die Handelsnation Chile gewinnen zudem Logistik und Seefahrt. Ihr Anteil am BIP liegt bei knapp 6 Prozent.

Im Tourismus verzeichnete Chile 2025 Rekordzahlen. Laut Wirtschaftsministerium kamen etwas mehr als 6 Millionen ausländische Gäste ins Land. Das war der zweithöchste Wert seit 2017. Besonders für Argentinier war Chile aufgrund des starken argentinischen Pesos attraktiv.

Dynamisch entwickelt sich auch die Start-up-Szene – allen voran Finanz- und KI-Dienstleistungen.

Lateinamerikas KI-Pionier Chile

Chile will im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) vorne mitmischen. Im Jahr 2025 belegte das Land zum dritten Mal in Folge den Spitzenplatz im Ranking Indice Latinoamericano de Inteligencia Artificial. Der Index wird vom Chilenischen Nationalen Zentrum für Künstliche Intelligenz (CENIA) und der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) erstellt. Im Februar 2026 stellte CENIA mit Latam GPT das erste regionale KI-Modell vor.

In der Region Tarapacá im Norden Chiles entsteht ein Hochleistungsrechner, der im Juni 2026 in Betrieb gehen soll. Mit 96 Grafikprozessoren des Typs NVIDIA H200 GPU wird er einer der leistungsfähigsten ganz Lateinamerikas sein. Chile will zu einem führenden Standort für digitale Infrastruktur werden. Das sieht der 2024 veröffentlichte Plan Nacional de Data Centers vor. Die Hardware-Voraussetzungen hierfür sind gut. Nach Angaben der Chile Data Centers Association verfügt das Land über 37 Rechenzentren. Acht weitere durchlaufen ihre Genehmigungsverfahren oder befinden sich im Bau.

Agrarsektor muss sich dem Klimawandel anpassen

Die ökonomisch wichtigsten Säulen des Agrarsektors sind die Fischerei, die Forstwirtschaft (Zellulose) sowie die Sonderkulturen Obst und Wein. In Nischen wie Tafeltrauben, Äpfel, Blaubeeren oder Avocados zählt Chile zu den führenden Anbietern. Für den italienischen Süßwarenhersteller Ferrero ist das Land eines der wichtigsten Bezugsländer von Haselnüssen. In der Lachszucht liegt es hinter Norwegen weltweit auf dem zweiten Platz.

Zentrale Herausforderungen für die Landwirtschaft sind knappe Wasserressourcen und der Klimawandel. Entsprechend gewinnen Wassermanagement und wassersparende Erzeugungstechniken an Bedeutung. Bereits heute weichen die Anbauer auf resilientere Sorten oder in andere Länder aus.

Bedeutung der Wirtschaftszweige in Chile (Anteile in Prozent)

Sektoren

Anteil am BIP 2025 1)

Anteil an den Beschäftigten 2026 2)

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

3,5

6,1

Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

13,1

3,2

Verarbeitendes Gewerbe

9,0

9,4

Strom-, Gas-, Wasserversorgung, Abwasser- und Müllentsorgung

3,4

1,4

Dienstleistungen, einschließlich Bauwirtschaft

61,5

79,9 3)

Sonstiges

9,6

k.A.

1 Abweichungen durch Rundungsdifferenzen; 2 Stand: Februar 2026; 3 einschließlich der Beschäftigten im Bereich "Sonstiges".Quelle: Banco Central de Chile 2026

Energie und grüner Wasserstoff: Ausbau der Energiespeicher boomt

Chile gehört zu den Ländern mit ausgezeichneten Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energie. Auf Erneuerbare entfiel 2025 fast die Hälfte der Stromproduktion. Einschließlich konventioneller Wasserkraft waren es sogar 69,5 Prozent. Allerdings beeinträchtigen fehlende Netzkapazitäten die Rentabilität vieler in den letzten Jahren errichteter Solar- und Windparks.

Einen Fortschritt markiert die Mega-Stromtrasse von Kimal nach Lo Aguirre. Die 1,5 Milliarden US$ teure Leitung soll Antofagasta mit Santiago verbinden und erhielt Ende 2025 ihre Umweltgenehmigung. Nach Presseberichten stehen jedoch noch weitere 4.941 Genehmigungen aus. Künftig dürfte der Bau großer Energiespeicher an Bedeutung gewinnen. Laut dem Informationsdienstleister BNamericas soll die Speicherkapazität 2030 rund 10 Gigawatt erreichen.

In der Wasserstoffbranche sind die Fortschritte bislang gering. Viele der noch vor wenigen Jahren stark beworbenen Projekte befinden sich seit Jahren im Genehmigungsprozess. Mehr als ein Viertel aller Vorhaben im Stadium der Umweltprüfung entfiel Anfang 2026 auf den Energiesektor. Derzeit arbeitet ein interministerieller Rat an einer Aktualisierung der nationalen Wasserstoffstrategie 2026 bis 2030. Am Aufbau einer Industrie für grünen Wasserstoff und dessen Derivate soll grundsätzlich festgehalten werden. "Und vielleicht bringen die steigenden Öl- und Gaspreise doch noch einen neuen Schwung für den zunächst einmal eingeknickten grünen Wasserstoffhype", meint AHK-Chefin Sonnenberg.

Wo künftig in Chile am meisten investiert wirdProjekte in der Umweltprüfung als Gradmesser für künftige Boomzentren; Stand: Januar 2026
Region

Zahl der Projekte

Betrag (in Mrd. US$)

Anteil am Gesamtvolumen (in %)

Magallanes y la Antárctica Chilena

14

27,0

30,1

Antofagasta

34

23,7

26,4

Valparaíso

35

7,1

7,9

Metropolitana

61

5,9

6,6

Sonstige

247

25,9

29,0

Summe

391

89,6

100,0

Quelle: Servicio de Evaluación Ambiental 2026

Regionen außerhalb der Metropolregion gewinnen an Bedeutung

Bislang konzentriert sich die Wirtschaftskraft auf die Metropolregion Santiago, die Hafenstadt Valparaíso und die Bergbaugebiete im Norden des Landes. Wegen des Bergbaus und den höchsten Investitionen weist die Wüstenregion Antofagasta das höchste Pro-Kopf-Einkommen auf. Künftig könnten sich die regionalen Gewichte jedoch verschieben. So dürfte kurzfristig die Region um Copiapó von Bergbau- und anderen Projekten profitieren. Noch Zukunftsmusik sind dagegen die Vorhaben für grünen Wasserstoff rund um Punta Arenas im äußersten Süden Chiles.

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