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Chiles Wirtschaft profitiert stark vom Rohstoffboom
In Chile gibt der Bergbau den Ton an. Chancen bieten auch Energie-, Land- und Fischwirtschaft sowie der breitgefächerte Servicesektor. Künftig will Chile als KI-Hub mitspielen.
22.04.2026
Chile ist die viertgrößte Volkswirtschaft Südamerikas. Beim Pro-Kopf-Einkommen belegt der Andenstaat Platz 3, nach Guyana und Uruguay. Mit einer Exportquote von rund einem Drittel im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist Chile zudem die exportstärkste Nation der Region. Doch die Angebotspalette ist schmal. Das Gros der Exporte entfällt auf Rohstoffe, überwiegend Kupfer, sowie Nahrungsmittel.
Die chilenische Wirtschaft wuchs 2025 um 2,3 Prozent. Bis 2030 erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) jährliche Zuwächse von durchschnittlich knapp 2,4 Prozent.
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Bergbaufirmen investieren Milliarden
Der Bergbau ist das Rückgrat der Wirtschaft. Die staatliche Kupferkommission Cochilco rechnet 2026 mit Investitionen von 8,9 Milliarden US-Dollar (US$) in den Sektor, überwiegend in Kupferminen. Chile ist der weltweit größte Förderer des roten Metalls. Zugleich befindet sich der Bergbau in einem tiefgreifenden Wandel: Neue Technologien für den Untertagebau, strengere Umweltauflagen und die Dekarbonisierung der Prozesse eröffnen vielfältige Geschäftschancen.
Chile verfügt zudem über die weltweit größten Lithiumreserven. In den vergangenen Jahren verlor das Land jedoch an Boden gegenüber dem größten Förderer Australien und auch gegenüber dem Nachbarland Argentinien. Cochilco beziffert die Abbaumenge im Jahr 2025 auf 300.000 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalente (LCE). Laut dem U.S. Geological Survey lag Chiles Anteil an der weltweiten Förderung somit bei 19 Prozent. Im Jahr 2020 kam das Land noch auf knapp 28 Prozent. Hauptgrund ist die schleppende Umsetzung der 2023 vorgelegten Lithiumstrategie.
Neben diesen beiden kritischen Rohstoffen machen Eisen, Silber, Gold, Molybdän und Zink sowie perspektivisch Kobalt und seltene Erden Chile zu einem strategisch wichtigen Rohstofflieferanten. Die AHK Chile sieht wachsende Chancen für deutsche Unternehmen als Technologielieferanten. "In gewissem Sinne spiegelt sich dies bereits in der Rekordanmeldung deutscher Firmen für die Bergbaumesse Exponor 2026 wider", sagt AHK-Geschäftsführerin Cornelia Sonnenberg. Risiken bärgen aber die aktuellen geopolitischen Spannungen und der hohe Ölpreis, die zu einer weltweiten Rezession führen könnten.
Dienstleistungssektor expandiert
Der Dienstleistungssektor hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch ist auch der Anteil des Gesundheitssektors (2023: 10,1 Prozent des BIP). An Bedeutung für die Handelsnation Chile gewinnen zudem Logistik und Seefahrt. Ihr Anteil am BIP liegt bei knapp 6 Prozent.
Im Tourismus verzeichnete Chile 2025 Rekordzahlen. Laut Wirtschaftsministerium kamen etwas mehr als 6 Millionen ausländische Gäste ins Land. Das war der zweithöchste Wert seit 2017. Besonders für Argentinier war Chile aufgrund des starken argentinischen Pesos attraktiv.
Dynamisch entwickelt sich auch die Start-up-Szene – allen voran Finanz- und KI-Dienstleistungen.
Lateinamerikas KI-Pionier Chile
Chile will im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) vorne mitmischen. Im Jahr 2025 belegte das Land zum dritten Mal in Folge den Spitzenplatz im Ranking Indice Latinoamericano de Inteligencia Artificial. Der Index wird vom Chilenischen Nationalen Zentrum für Künstliche Intelligenz (CENIA) und der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) erstellt. Im Februar 2026 stellte CENIA mit Latam GPT das erste regionale KI-Modell vor.
In der Region Tarapacá im Norden Chiles entsteht ein Hochleistungsrechner, der im Juni 2026 in Betrieb gehen soll. Mit 96 Grafikprozessoren des Typs NVIDIA H200 GPU wird er einer der leistungsfähigsten ganz Lateinamerikas sein. Chile will zu einem führenden Standort für digitale Infrastruktur werden. Das sieht der 2024 veröffentlichte Plan Nacional de Data Centers vor. Die Hardware-Voraussetzungen hierfür sind gut. Nach Angaben der Chile Data Centers Association verfügt das Land über 37 Rechenzentren. Acht weitere durchlaufen ihre Genehmigungsverfahren oder befinden sich im Bau.
Agrarsektor muss sich dem Klimawandel anpassen
Die ökonomisch wichtigsten Säulen des Agrarsektors sind die Fischerei, die Forstwirtschaft (Zellulose) sowie die Sonderkulturen Obst und Wein. In Nischen wie Tafeltrauben, Äpfel, Blaubeeren oder Avocados zählt Chile zu den führenden Anbietern. Für den italienischen Süßwarenhersteller Ferrero ist das Land eines der wichtigsten Bezugsländer von Haselnüssen. In der Lachszucht liegt es hinter Norwegen weltweit auf dem zweiten Platz.
Zentrale Herausforderungen für die Landwirtschaft sind knappe Wasserressourcen und der Klimawandel. Entsprechend gewinnen Wassermanagement und wassersparende Erzeugungstechniken an Bedeutung. Bereits heute weichen die Anbauer auf resilientere Sorten oder in andere Länder aus.
Sektoren | Anteil am BIP 2025 1) | Anteil an den Beschäftigten 2026 2) |
|---|---|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 3,5 | 6,1 |
Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung) | 13,1 | 3,2 |
Verarbeitendes Gewerbe | 9,0 | 9,4 |
Strom-, Gas-, Wasserversorgung, Abwasser- und Müllentsorgung | 3,4 | 1,4 |
Dienstleistungen, einschließlich Bauwirtschaft | 61,5 | 79,9 3) |
| Sonstiges | 9,6 | k.A. |
Energie und grüner Wasserstoff: Ausbau der Energiespeicher boomt
Chile gehört zu den Ländern mit ausgezeichneten Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energie. Auf Erneuerbare entfiel 2025 fast die Hälfte der Stromproduktion. Einschließlich konventioneller Wasserkraft waren es sogar 69,5 Prozent. Allerdings beeinträchtigen fehlende Netzkapazitäten die Rentabilität vieler in den letzten Jahren errichteter Solar- und Windparks.
Einen Fortschritt markiert die Mega-Stromtrasse von Kimal nach Lo Aguirre. Die 1,5 Milliarden US$ teure Leitung soll Antofagasta mit Santiago verbinden und erhielt Ende 2025 ihre Umweltgenehmigung. Nach Presseberichten stehen jedoch noch weitere 4.941 Genehmigungen aus. Künftig dürfte der Bau großer Energiespeicher an Bedeutung gewinnen. Laut dem Informationsdienstleister BNamericas soll die Speicherkapazität 2030 rund 10 Gigawatt erreichen.
In der Wasserstoffbranche sind die Fortschritte bislang gering. Viele der noch vor wenigen Jahren stark beworbenen Projekte befinden sich seit Jahren im Genehmigungsprozess. Mehr als ein Viertel aller Vorhaben im Stadium der Umweltprüfung entfiel Anfang 2026 auf den Energiesektor. Derzeit arbeitet ein interministerieller Rat an einer Aktualisierung der nationalen Wasserstoffstrategie 2026 bis 2030. Am Aufbau einer Industrie für grünen Wasserstoff und dessen Derivate soll grundsätzlich festgehalten werden. "Und vielleicht bringen die steigenden Öl- und Gaspreise doch noch einen neuen Schwung für den zunächst einmal eingeknickten grünen Wasserstoffhype", meint AHK-Chefin Sonnenberg.
| Region | Zahl der Projekte | Betrag (in Mrd. US$) | Anteil am Gesamtvolumen (in %) |
|---|---|---|---|
| Magallanes y la Antárctica Chilena | 14 | 27,0 | 30,1 |
| Antofagasta | 34 | 23,7 | 26,4 |
| Valparaíso | 35 | 7,1 | 7,9 |
| Metropolitana | 61 | 5,9 | 6,6 |
| Sonstige | 247 | 25,9 | 29,0 |
| Summe | 391 | 89,6 | 100,0 |
Regionen außerhalb der Metropolregion gewinnen an Bedeutung
Bislang konzentriert sich die Wirtschaftskraft auf die Metropolregion Santiago, die Hafenstadt Valparaíso und die Bergbaugebiete im Norden des Landes. Wegen des Bergbaus und den höchsten Investitionen weist die Wüstenregion Antofagasta das höchste Pro-Kopf-Einkommen auf. Künftig könnten sich die regionalen Gewichte jedoch verschieben. So dürfte kurzfristig die Region um Copiapó von Bergbau- und anderen Projekten profitieren. Noch Zukunftsmusik sind dagegen die Vorhaben für grünen Wasserstoff rund um Punta Arenas im äußersten Süden Chiles.