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Frankreichs Photonik bleibt auf Wachstumskurs

Frankreichs Verteidigungsindustrie und die Halbleiterbranche schieben den Photoniksektor an. Deutschland positioniert sich als wichtiger Zulieferer von Komponenten. 

Frauke Schmitz-Bauerdick

Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

Frankreichs Photonikbranche expandiert. Zwischen 2021 und 2025 stiegen die Branchenumsätze laut Branchenverband Photonics France von 19,6 Milliarden auf 25 Milliarden Euro - im Jahresdurchschnitt um rund 6,3 Prozent. Das Deep Tech-Cluster Systematic erwartet auch für 2026 und 2027 ein Branchenwachstum von 6 bis 8 Prozent, angeschoben durch eine steigende Nachfrage nach Lasern, Sensoren, Bildgebung und optischer Telekommunikation.  

Frankreich positioniert sich nach Deutschland als einer der führenden europäischen Branchenanbieter. Insbesondere bei Photonikhalbleitern und integrierten Photonikschaltungen, aber auch bei Photonikanwendungen für die Verteidigungs- sowie Luft- und Raumfahrtindustrie verfügt das Land mit Unternehmen wie STMicroelectronics, Thales und Safran sowie Forschungsinstitutionen wie dem CEA-Leti in Grenoble international über bedeutende Akteure. 

Halbleiter schieben die Branchenentwicklung an

Photonische Halbleiter und integrierte Schaltungen für Datenzentren und künstliche Intelligenz (KI) stehen im Fokus der Branchenentwicklung. Photonik gilt als Schlüsselelement, um KI-Berechnungen zu beschleunigen, die Rechenkapazitäten von Datenzentren zu erhöhen und perspektivisch den Energieverbrauch deutlich zu senken.

Auch auf europäischer Ebene gewinnt das Segment an Bedeutung. Die EU hat im Juni 2026 Photonik und photonische integrierte Schaltungen (PICs) in den Vorschlagsentwurf des Chips Act 2.0 aufgenommen. Bereits aktuell schieben europäische Förderprogramme wie das Chips Joint Undertaking oder Horizon Europe Forschung und Entwicklung des Photoniksektors an. 

Frankreich bei photonischen Halbleitern gut aufgestellt

Von verstärkter Förderung und steigender Nachfrage nach Photonik bei Halbleitern und Schaltkreisen dürfte auch Frankreichs Photonikbranche profitieren. Denn sowohl im Bereich Halbleiterentwicklung als auch in der -produktion verfügt Frankreich über leistungsfähige Forschungs- und Industriecluster vor allem in der Region rund um Grenoble sowie im Großraum Paris.

So koordiniert STMicroelectronics das Ende 2025 aufgelegte Silizium-Photonik-Projekt Starlight, ein Zusammenschluss aus 24 zumeist europäischen Unternehmen und Forschungsinstitutionen. Ziel des Starlight-Projektes ist der Aufbau einer industriellen Plattform für photonische Halbleiter für Datenzentren und KI-Cluster, Telekommunikation und den Automobilsektor. Das Gesamtvolumen liegt bei knapp 100 Millionen Euro, davon stammen 25 Millionen Euro aus der europäischen EU Chips Joint Undertaking-Initiative.

Frankreich ist neben STMicroelectronics mit Branchengrößen wie III-V Labs, Soitec oder Thales vertreten und stellt den stärksten nationalen Block. Deutschland ist unter anderem mit der RWTH Aachen und dem RWTH-Spin-off aiXscale Photonics beteiligt.

Das Joint Venture III-V Labs aus Thales, Nokia und CEA-Leti arbeitet an der Entwicklung von Laserhalbleitern. Es hofft, bis 2030 in die industrielle Produktion einsteigen zu können.

Auch Start-ups investieren in die Entwicklung. Das auf integrierte photonische Schaltungen für KI-Infrastrukturen spezialisierte Start-up Scintil Photonics warb Ende 2025 in einer Series B-Runde 50 Millionen Euro ein. Im Rahmen des Konsortiums CanopAI arbeitet Scintil Photonics gemeinsam mit dem CEA-Leti und Presto-Engineering an der Industrialisierung und Serienfertigung seiner Technologien. 

Frankreich bei Verteidigungsphotonik europaweit führend

Die französische Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Verteidigungssektor treiben die Entwicklung der Photonik ebenfalls voran. So ist Frankreich laut der europäischen Technologieplattform Photonics 21 der nach den USA weltweit zweitgrößte Hersteller von militärischer Optoelektronik und photonischen Anwendungen für den Einsatz zu Verteidigungszwecken. 2022 deckte Frankreich rund 30 Prozent der europäischen Produktion an Verteidigungsphotonik ab. Infrarot- und Nachtsichtkameras, Kameras für sichtbasierte Überwachungssysteme Glasfasersensoren, Entfernungsmesser und LiDAR-Systeme sind die Hauptsegmente. 

Thales und Safran, die Thales-Safran-Tochter Lynred, das Lasertechnologie-Unternehmen CILAS sowie das auf Navigationssysteme und Bewegungssensoren spezialisierte Unternehmen Exail zählen zu den in diesem Bereich führenden Anbietern. Im Juli 2026 hat Thales angekündigt, Exail zu übernehmen. 

Europäischer Photonikverband fordert strukturierte Förderung

Die Europäische Kommission qualifiziert Photonik als eine der Grundlagen- und Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Auch die französische Regierung erachtet die Branche als wesentlich für die Bewältigung der technologischen Herausforderungen der Zukunft. 

Bislang aber hat der Sektor Aufholbedarf bei der Skalierung und Industrialisierung innovativer Entwicklungen. Zudem ist er in Bereichen wie Komponenten, Halbleitern, Rohstoffen, Fertigungskapazitäten und Software abhängig von außereuropäischen Zulieferern

Der europäische Photonikverband Photonics 21 plädiert daher für eine strukturierte Förderung. Er schlägt vor, im kommenden europäischen Multiannual Financial Framework 2028-2034 ein separates Photonik-Förderprogramm in Höhe von zwei Milliarden Euro aufzulegen. 

Deutsche Komponenten sind gefragt

Photonics France erwartet auch in den kommenden Jahren ein starkes Branchenwachstum. In Bereichen wie Mobilität, Robotik, Gesundheit, Umwelt oder Agrarwirtschaft sind französische Unternehmen auf immer präzisere und schnellere Lösungen zu Testung, Messung, Sensorik und Bildgebung angewiesen. Gerade bei Produktionstechnologien und Maschinen für integrierte Photonik- und Halbleiterbauelemente sowie für optische Elemente, effiziente Fertigungstechniken, optische Messtechnik und Prüfverfahren ist das Land ein attraktiver Absatzmarkt. Deutsche Anbieter erreichen bei den Produkten aus der Tabelle einen Gesamtimportanteil von gut 17 Prozent.