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"Deutsche Firmen sollten den Kontakt mit der Botschaft suchen"
Oberst i.G. Janus Sebastian Kaschta erklärt im GTAI-Interview wie deutsche Unternehmen von Kooperationen mit der griechischen Verteidigungsindustrie profitieren können.
04.08.2026
Oberst i.G., Janus Sebastian Kaschta, ist seit September 2023 als Verteidigungsattaché an der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Athen tätig; zusätzlich ist er für Zypern akkreditiert. Im Interview mit Germany Trade & Invest weist er auf Chancen für die deutsch-griechische Kooperation und das griechische Potenzial im Bereich der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie hin.
Herr Kaschta, die griechische Sicherheits- und Verteidigungsindustrie entwickelt sich rasch. Wie schätzen Sie das Potenzial Griechenlands ein?
Das Potenzial der griechischen Rüstungsindustrie ist enorm. Neben global agierenden Großunternehmen gibt es hier eine große Anzahl von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie ein dynamisches Start-up-Ökosystem. Diese entwickeln Produkte und Dienstleistungen, die sich nahtlos in Lieferketten ausländischer Unternehmen integrieren lassen.
Deutsche Unternehmen können von einer Zusammenarbeit mit griechischen Firmen profitieren, indem sie Lauf- und Lieferzeiten verkürzen und Kapazitätsengpässen in Deutschland entgegenwirken.
Darüber hinaus lassen sich gemeinsame Produktionsprojekte für Drittstaaten realisieren.
Außerdem stehen in Griechenland spezialisierte Fachkräfte zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise Schweißer, die nach NATO-Standards, nach bestimmten DIN-Normen und gemäß den Anforderungen der deutschen Industrie, Bauteile anfertigen können.
Deutschland schaut auf eine langjährige Präsenz in Griechenland zurück. Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit? Gibt es konkrete Kooperationspläne?
Seit 2001 fertigt KNDS Hellas, eine Tochtergesellschaft der KNDS Deutschland, Ersatzteile für Leopard-Panzer und übernimmt deren Wartung, Instandsetzung und technische Unterstützung.
Standorte, wie die Skaramangas Shipyards, waren zwischen 2005 und 2010 in den Händen des deutschen Marinesystemanbieters Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS). In den Jahren 2025 und 2026 unterzeichnete TKMS mit den Skaramangas Shipyards Absichtsabkommen über eine exklusive strategische Zusammenarbeit zur Umsetzung des Modernisierungsprogramms (Mid‑Life Upgrade, MLU) der vier U‑Booten der HDW‑Klasse 214 der griechischen Marine. Kommt der Vertrag zustande, könnte Skaramangas nicht nur die U-Boote modernisieren, sondern perspektivisch auch U‑Boote vor Ort bauen.
Kooperationschancen bei Innovationen
Das Hellenic Centre for Defence Innovation (ELKAK) vernetzt Verteidigungssektor, Forschung und Industrie, um Technologien mit dualem Nutzen voranzutreiben, Forschung und Entwicklung zu finanzieren und die strategische militärische Einsatzbereitschaft Griechenlands zu stärken. Deutsche Unternehmen können bei Projekten und Ausschreibungen des ELKAK mit griechischen Unternehmen kooperieren.
Weitere bedeutende Kooperationen umfassen die strategische Vereinbarung zwischen Rheinmetall Landsysteme und dem griechischen Bau‑ und Energiekonzern GEK Terna zur gemeinsamen Entwicklung und Produktion militärischer Systeme in Griechenland. Hinzu kommt die Partnerschaft zwischen dem deutschen Sensorlösungsanbieter Hensoldt und Aeroservices, einem führenden griechischen Unternehmen für Wartung, Reparatur und NATO‑Support. Auch sind deutsche Start-ups bereits in Griechenland aktiv, beispielsweise die Hersteller unbemannter Systeme Quantum Systems und Stark Defense.
Durch die Zusammenarbeit wird auch das Ziel des griechischen Verteidigungsministers Dendias und des griechischen Ministerpräsidenten Mitsotakis unterstützt, bei Verteidigungsbeschaffungen einen inländischen Wertschöpfungsanteil von 25 Prozent zu erreichen.
Wie kann Griechenland von diesen Kooperationen profitieren?
Durch eine Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen kann Griechenland sein diplomatisches Gewicht steigern. TKMS übernahm als bevorzugter Anbieter einen U-Boot-Auftrag in Kanada für die Lieferung von bis zu zwölf U‑Booten. Wird nun die strategische Vereinbarung zwischen TKMS und den Skaramangas Shipyards umgesetzt, hätte Griechenland die Möglichkeit, in das deutsch‑norwegisch‑kanadische U‑Boot‑Programm einzutreten. Teile der Produktion könnten nach Griechenland verlagert werden und damit die Produktionslaufzeiten deutlich verkürzt werden.
Wie funktioniert der Marktzugang und was sollten deutsche Unternehmen beachten?
Deutsche Unternehmen sollten zunächst den Kontakt mit der Botschaft suchen.
Der Militärattachéstab an der deutschen Botschaft in Athen ist die Eintrittspforte für das griechische Verteidigungsministerium und den Generalstab.
Mittelfristig empfiehlt es sich, eine eigene Präsenz im Land aufzubauen und Personal vor Ort einzusetzen, welches über Kenntnisse über die Region und Umgangsformen verfügt, damit renommierte Geschäftspartner leichter gefunden werden können.
Griechische Firmen wie beispielsweise Theon haben bereits in Deutschland investiert und deutsche Unternehmen erworben. Ist es denkbar, dass weitere griechische Unternehmen in den deutschen Markt eintreten?
Griechische Unternehmen agieren bereits erfolgreich auf dem deutschen Markt und beliefern die deutsche Bundeswehr.
Joint Ventures mit deutschen Firmen bieten sich daher an, ohne, dass es sich zwingend um Großprojekte handeln muss.
Die rasante Entwicklung der DefenceTech-Start-ups in Deutschland eröffnet attraktive Möglichkeiten für Kooperationen mit griechischen Branchen- oder Jungunternehmen.
Griechenland gehört mit traditionell hohen Verteidigungsausgaben von etwa drei Prozent des BIP zu den am stärksten engagierten Mitgliedern der NATO. Wie schätzen Sie die Position des Landes ein?
Europa sieht sich derzeit unterschiedlichsten Bedrohungen ausgesetzt. Eine gerechte Lastenteilung ist daher notwendig. Deutschland konzentriert sich auf die Nordostflanke. Griechenland hat gemeinsam mit Zypern eine wichtige Position in der Südostflanke. Kein Staat kann allein die aktuellen Herausforderungen lösen. Auch im Rahmen des Nordatlantikpakts müssen die Mitglieder die Lasten aufteilen.
Inwieweit spielt die Einbindung der Politik eine Rolle, also Government-to-Government (G2G) Verträge?
Bei wichtigen strategischen Partnerschaften muss die Politik eingebunden werden, und zwar auf höchster Ebene. Es kann auch auf politscher Ebene für strategische Partnerschaften geworben werden. Beispielsweise werden G2G-Verträge auch für den Abschluss des U-Boot-Deals ausschlaggebend sein.