Aus Sorge vor steigenden Preisen begrenzt die Regierung die Gewinnspannen. Die Industrie investiert in Innovation. Deutsch-Griechische Kooperationen bieten gute Chancen.
Die griechische Ernährungsindustrie steht seit der Eskalation der Lage im Nahen Osten vor neuen Herausforderungen. Hohe Energie‑ und Rohstoffpreise belasten die Branchenunternehmen erneut. Hinzu kommt der Fachkräftemangel in der Landwirtschaft. Die Ernte verläuft dadurch schleppend, und die Produkte verteuern sich.
Die Branche erwirtschaftet rund 21 Milliarden Euro pro Jahr. Mehr als zwei Drittel der Produktion entfällt auf den Export. Trotz widriger Rahmenbedingungen bleiben die Aussichten verhalten positiv.
Neben der Erhöhung des Mindestlohns um 4,5 Prozent im Jahr 2025, die die Kaufkraft stützt, setzt auch der Tourismus Impulse. Die Zahl der Besucher erreichte 2025 rund 37 Millionen Menschen und soll Experten zufolge trotz regionaler Konflikte weiter steigen.
Bevölkerung beklagt hohe Lebensmittelpreise
Ende März 2026 lag die Inflation in Griechenland bei 3,9 Prozent. Die Preise für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke waren zu diesem Zeitpunkt um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau gestiegen.
Um den Preissteigerungen entgegenzuwirken, führte die griechische Regierung im März 2026 strenge Vorgaben für die Bruttogewinnspanne von Supermärkten, Herstellern und Vertriebsunternehmen ein. Für 61 Grundnahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs darf die Marge nicht über dem Niveau des Jahres 2025 liegen. Die Begrenzung gilt zunächst bis Ende Juni 2026, kann jedoch bei Bedarf verlängert werden.
Einer Umfrage des Forschungsinstituts des Einzelhandels für Verbrauchsgüter (IELKA) vom März 2026 zufolge setzen höhere Lebensmittelpreise Verbraucher besonders stark unter Druck, stärker noch als hohe Brennstoffpreise. Dies bestätigten rund 40 Prozent der etwa 800 Befragten. Von diesen gingen rund zwei Drittel davon aus, in den nächsten sechs Monaten auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein, um ihre Lebensmitteleinkäufe wie gewohnt tätigen zu können.
Ausgewählte Investitionsprojekte der Ernährungsindustrie in GriechenlandInvestitionen in Millionen Euro| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Epirotic Bottling Industry (Tafelwasser) | 100 | wird bis 2029 umgesetzt | Ausbau der Produktions- und Lagerkapazitäten, Investition in Cloud-Dienste und Erweiterung des Produktsortiments; Installation von Photovoltaikanlagen; Kofinanzierung durch EU-Aufbaufonds |
| Athenian Brewery (Bier) | 90 | wird bis 2026 umgesetzt | Investitionen in "grüne" Technologien, Verpackungen und in die Produktivität der Brauereien |
| Kri Kri (Milchprodukte) | 52 | wird bis 2030 umgesetzt | Einführung innovativer Technologien, neue Lagertanks und Pasteurisierungsanlagen, Entwicklung neuer Produkte |
| Ioniki (Backwaren) | 40 | wird bis 2028 umgesetzt | neue Produktionsanlage, Lagerräume, Automatisierungssysteme; SwitzGroup (Vereinigte Arabische Emirate) hat Anteile erworben; soll für arabische Staaten produzieren |
| Barba Stathis (Tiefkühlgemüse/-fertiggerichte) | 30 | wird bis 2029 umgesetzt | in Planung; erwägt den Bau einer neuen Produktionsanlage |
| Melissa Kikizas (Teigwaren) | 25 | wird umgesetzt | Ausbau der Produktion |
| Green Beverages (Erfrischungsgetränke) | 25 | wird umgesetzt | Investitionen unter anderem in Digitalisierung; Kofinanzierung durch EU-Aufbaufonds |
| Eurimac (Teigwaren) | 2,5 | wird umgesetzt | Modernisierung der Anlage, Investitionen in Cybersecurity |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Deutsch-griechische Kooperationen können beiden Ländern zugutekommen
Die griechische Lebensmittelindustrie setzt auf den Export. Im Fokus stehen sowohl der Ausbau bestehender Marktanteile im Ausland als auch die Erschließung neuer Märkte.
Deutschen Unternehmen bieten sich Möglichkeiten, griechische Gesellschaften zu übernehmen, Joint Ventures zu gründen oder im Rahmen von Auftragskooperationen zusammenzuarbeiten. Deutsche Unternehmen oder Kapitalfonds können die Modernisierung der Betriebe und den Einsatz innovativer Technologien mit Kapital unterstützen.
Der Wissenstransfer wird zudem durch EU‑Programme und nationale Instrumente gefördert, etwa zwischen deutschen und griechischen Unternehmen.
Produktion leicht rückgängig
Mehr als die Hälfte der Branchenunternehmen produzieren Back‑ und Mehlwaren (57 Prozent, Stand 2022). Es folgen Hersteller von Ölen (12 Prozent) sowie Getränkeproduzenten (7 Prozent). Die höchsten Umsätze erzielen die Sparten Milchprodukte, Bäckereien und Mehlverarbeitung (jeweils 16 Prozent), gefolgt von der Obst‑ und Gemüseverarbeitung (14 Prozent). Danach rangiert die Fleischverarbeitungsindustrie. Dies geht aus einer Studie des griechischen Instituts für Wirtschafts- und Industrieforschung IOBE zur griechischen Ernährungsindustrie aus dem Jahr 2025 hervor. Die höchste Anzahl der Unternehmen in den Unterkategorien entfällt laut Elstat auf die Herstellung von Back- und Süßwaren sowie auf die Käseverarbeitung.
Im Jahr 2024 ging die Produktion – gemessen in Kilogramm, ohne Getränke– um rund 15 Prozent zurück. Hauptgrund war die schwere Flutkatastrophe im September 2023, die die Produktionskapazitäten vieler Betriebe im Folgejahr beeinträchtigte. Positiv entwickelten sich hingegen die Obst‑ und Gemüseverarbeitung (6,5 Prozent) sowie die Getränke‑ und Fleischindustrie (10,9 Prozent und 3,2 Prozent). Deutlich rückläufig war die Produktion in der Backwaren‑ und Mehlindustrie, die um etwa ein Drittel einbrach, ebenso wie in der Milchverarbeitung (–12 Prozent) und bei Ölen und Fetten (–23 Prozent).
Deutschland exportiert nach Griechenland vor allem Melk- und Molkereimaschinen sowie Ernte- und Dreschmaschinen. Deutsche Maschinenanbieter stehen dabei stehen dabei in starker Konkurrenz zu Anbietern aus Italien und China.
Griechischer Markt attraktiv für deutsche Anbieter
Der griechische Lebensmittelmarkt ist vergleichsweise klein. "Er weist aber eine ähnliche Struktur wie der spanische und der italienische Markt auf", sagt Mathias Hoinkis, Inhaber der Süßwarenfabrik Rudolf Hoinkis. Die geringe Größe sei nicht zwingend ein Nachteil. "Wir erwarten keine Riesenaufträge zu Beginn. Wir setzen auf eine langfristige Zusammenarbeit", erklärt Fabian Krämer, Exportmanager beim Süßwaren-Premiumanbieter Viba Sweets aus Thüringen.
Ausschlaggebend für den Kauf neuer Produkte sind ein attraktiver Preis, handliche Probiergrößen, Werbung sowie Angebote. "Wir müssen keine Standardprodukte verkaufen. Wir können lokale Anbieter dabei unterstützen, ihr Angebot zu erweitern", sagt Franz Xaver Ladenburger, Geschäftsführer der Max Ladenburger Söhne Heimatsmühle. Nicht selten bestehen bereits langjährige Kooperationen mit griechischen Supermärkten, etwa für Biere der Kaiserdom Spezialitäten Brauerei Bamberg, so Mark Osterholzer, Vertriebsleiter des Unternehmens.
Griechische Konsumenten: Preisbewusst und ihren angestammten Läden treu
Für Kaufentscheidungen griechischer Konsumenten ist der Preis ausschlaggebend. Darüber informiert die Studie Future Consumer Index von 2025 der Beratungsgesellschaft Ernst and Young. Ebenfalls von Bedeutung sind der gesundheitliche Nutzen eines Produkts und dessen Qualität. Zudem bevorzugen viele Konsumenten lokal produzierte Erzeugnisse.
Um hohe Preise zu vermeiden, greifen rund 40 Prozent der Verbraucher zu günstigeren Marken mit vergleichbarer Qualität. Mehr als ein Drittel wartet auf Sonderangebote oder weicht auf Eigenmarken aus.
Die Ausgaben für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke machten 2024 rund ein Fünftel der gesamten Haushaltsausgaben aus, so Elstat.
Von Michaela Balis
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Athen