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Lebensmittelversorgung wird zur strategischen Frage

Die Nahrungsmittelindustrie der VAE wächst weiter. Zugleich erhöhen Krieg, Importabhängigkeit und Konsolidierung den Druck auf robuste Strukturen.

Von Heena Nazir | Dubai

Ausblick der Nahrungsmittelindustrie in den VAE

  • Krieg erhöht die Anforderungen an Lieferketten, Lagerhaltung und Versorgungssicherheit.
  • Über 85 Prozent des Lebensmittelbedarfs werden importiert.
  • Staatliche Programme treiben Ausbau der lokalen Produktion voran.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juni 2026

  • Die Nahrungsmittelindustrie der VAE wächst dynamisch – getragen von Bevölkerungswachstum, hoher Kaufkraft und einer stark international geprägten Nachfrage.

    Die Ernährungsindustrie zählt zu den dynamischsten Sektoren der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Laut dem US-Landwirtschaftsministerium dürfte der Umsatz mit verarbeiteten Lebensmitteln im Jahr 2025 rund 39,8 Milliarden US-Dollar (US$) erreichen; bis 2030 wird ein jährliches Wachstum von mehr als 5 Prozent erwartet. Getragen wird die Entwicklung durch Bevölkerungswachstum, hohe Kaufkraft, Tourismus, Gastronomie und eine steigende Nachfrage nach verarbeiteten, hochwertigen Produkten.

    Der Krieg in der Region verändert den Grundtrend nicht, verschiebt aber die Prioritäten. Ernährungssicherheit wird stärker zu einer Frage von Resilienz, Logistik und Preisstabilität. Die VAE bleiben trotz hoher Investitionen in die lokale Produktion stark von Importen abhängig. Je nach Produktgruppe stammen rund 80 bis 90 Prozent des Lebensmittelbedarfs aus dem Ausland. Störungen im Schiffsverkehr, höhere Versicherungsprämien, steigende Energiepreise oder längere Transportwege können sich daher rasch auf Kosten, Verfügbarkeit und Lagerhaltung auswirken.

    Importabhängigkeit bleibt strukturelles Merkmal

    Die natürlichen Voraussetzungen setzen der Landwirtschaft in den VAE enge Grenzen. Da weniger als 1 Prozent der Landesfläche ackerfähig ist, bleibt eine flächenbasierte Selbstversorgung unrealistisch. Ernährungssicherheit entsteht daher vor allem durch ein widerstandsfähiges Versorgungssystem: diversifizierte Bezugsquellen, strategische Lagerbestände, leistungsfähige Häfen, stabile Kühlketten sowie lokale Verarbeitungs- und Verpackungskapazitäten. Die heimische Produktion ergänzt die Importe, ersetzt sie aber nicht.

    Der Krieg macht diese Abhängigkeit deutlicher. Unternehmen müssen Ausfälle, Umleitungen, Preis- und Lieferzeitschwankungen stärker einplanen. Damit verschiebt sich der Fokus von effizienter Beschaffung hin zu mehr Resilienz. Für Investoren zählt weniger, wie stark die VAE ihre Lebensmittelproduktion ausweiten, sondern wie gut sie externe Schocks abfedern können. Lokale Verarbeitung und moderne Lagertechnik werden damit zu zentralen Bausteinen der Versorgungssicherheit.

    > 85 %

    der in den Vereinigten Arabischen Emiraten konsumierten Lebensmittel stammen aus Importen.

    Teilmärkte entwickeln sich unterschiedlich

    Die einzelnen Segmente entwickeln sich je nach Nachfrage, lokaler Produktion und Importabhängigkeit unterschiedlich. Im Molkereibereich nimmt die Erzeugung von Frischmilch zu; Käse, Butter und Spezialprodukte werden jedoch weiterhin überwiegend eingeführt. Das Marktvolumen lag 2024 bei rund 4,8 Milliarden US-Dollar (US$). Auch die Fleischverarbeitung bleibt stark auf Importe und Vorprodukte angewiesen. Geflügel ist die wichtigste Kategorie; die heimische Produktion soll bis 2026 weiter wachsen, deckt aber nur einen Teil des Verbrauchs. Halal-Standards, Automatisierung, Schockfrostung, Qualitätskontrolle und Rückverfolgbarkeit prägen Investitionen. Gleichzeitig bleibt das Segment anfällig für höhere Kosten für Futtermittel, Kühlung und Logistik.

    Konsumgetriebene Segmente wie Backwaren, Snacks und Süßwaren entwickeln sich stabil. Backwaren profitieren von der Nachfrage nach tiefgekühlten Teiglingen, Vollkornprodukten und glutenfreien Alternativen. Mit einem Marktvolumen von rund 2 Milliarden US$ ist der Sektor wichtig für Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel. 

    Unternehmensanteile an Backwaren in 2023 (in %)

    Firma 

    Marktanteil 

    Artisanal Bakery

    46 

    Almarai Co Ltd

    5

    Modern Bakery LLC

    3,5

    IFFCO Group

    2,3

    Quelle: Euromonitor, Februar 2024

    Süßwaren bleiben vor allem im Premiumsegment gefragt. Internationale Anbieter wie Mars, Ferrero und Mondelez sind präsent; lokale Marken investieren in zuckerreduzierte und vegane Sortimente.

    Technologie wird zum Resilienzfaktor

    Die VAE setzen auf die Modernisierung der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette. Im Food Tech Valley in Dubai entstehen Flächen für moderne Landwirtschaft, Verarbeitung, Verpackung, Logistik, Forschung und Start-ups. Ziel ist es, Ernährungssicherheit stärker mit Technologie, Daten und industrieller Skalierung zu verbinden.

    Ein Beispiel ist die Vertical-Farm-Anlage Bustanica. Sie produziert nach Unternehmensangaben mehr als 1 Million Kilogramm Blattgemüse pro Jahr und benötigt deutlich weniger Wasser als konventionelle Landwirtschaft. Solche Projekte stärken vor allem frische und verarbeitungsnahe Segmente. Die strukturelle Importabhängigkeit der Emirate verringern sie jedoch kaum.

    Die National Food Security Strategy 2051 bleibt daher zentral. Sie setzt auf moderne Produktion, internationale Partnerschaften, diversifizierte Bezugsquellen, bessere Regulierung und weniger Lebensmittelverschwendung. Der Krieg dürfte diese Prioritäten beschleunigen. Relevanter werden Investitionen in Lagerhaltung, Kühlketten, digitale Rückverfolgbarkeit, alternative Lieferanten und regionale Verarbeitungskapazitäten.

    Kernpunkte der National Food Security Strategy 2051

    • Lokalisierung von Innovationen

    • Aufbau einer auf die VAE ausgerichteten Nahrungsmittelversorgungskette

    • Förderung der Agrartechnologie und Nachhaltigkeit

    • Schaffung von Arbeitsplätzen

    • Erhöhung des wirtschaftlichen Beitrags

    • Stärkung der Ernährungssicherheit

    • Globale Führungsrolle

    Chancen für deutsche Unternehmen

    Für deutsche Anbieter eröffnen sich dadurch zusätzliche Marktchancen. Gefragt sind Maschinen und Anlagen für die Molkerei-, Backwaren- und Fleischverarbeitung, Verpackung, Kälte- und Automatisierungstechnik sowie Lösungen für Labore, Qualitätssicherung und Rückverfolgbarkeit. Auch Anbieter von Zusatzstoffen, funktionellen Zutaten, Backmischungen und energieeffizienter Produktionstechnik können profitieren.

    "Der Wettbewerb in den VAE wird weniger über Volumen als über Qualität und technologische Kompetenz entschieden", sagt Daisy Schmidt, Direktorin des Kompetenzzentrums für Ernährung und Landwirtschaft bei der AHK. Deutsche Unternehmen können ihre Stärken besonders in anspruchsvollen Verarbeitungs- und Qualitätssegmenten ausspielen. Entscheidend ist jedoch, lokale Standards, Halal-Anforderungen, Zertifizierungen und Lieferkettenrisiken frühzeitig zu berücksichtigen.

    Der Krieg macht damit sichtbar, was den Markt ohnehin prägt: Die VAE bleiben ein wachsender Absatzmarkt für Lebensmittel und Verarbeitungstechnik, aber die Versorgungssicherheit rückt stärker in den Mittelpunkt. Wer Effizienz, Qualität und Resilienz verbindet, hat im Markt gute Chancen.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Die Nahrungsmittelindustrie der VAE dominieren Großkonzerne, regionale Champions und internationale Hersteller.

    Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist breit aufgestellt, zugleich aber in wichtigen Segmenten stark konzentriert. Mehr als 2.200 registrierte Produzenten decken das Spektrum von familiengeführten Betrieben bis zu hochindustrialisierten Konzernen ab. Kleine und mittlere Unternehmen stellen zahlenmäßig den Großteil. In zentralen Bereichen wie Molkereiprodukten, Wasser, Zucker, Speiseölen oder industriell verarbeiteten Grundnahrungsmitteln entfällt die Wertschöpfung jedoch auf wenige große Anbieter.

    Eine wichtige Rolle spielen staatlich angebundene Konzerne aus Abu Dhabi. Die Agthia Group zählt zu den zentralen Akteuren der Branche und ist unter anderem in Wasser, Mehl, Tierfutter, Datteln, Snacks und Getränken aktiv. Daneben prägen regionale Unternehmen aus dem Golfkooperationsrat den Markt. Der saudi-arabische Molkereikonzern Almarai ist in den VAE mit eigenen Vertriebsstrukturen vertreten und stark bei frischen Milchprodukten. Lokale Anbieter wie Al Ain Farms und Al Rawabi Dairy sichern sich Marktanteile über kurze Lieferwege, Frischevorteile und regionale Markenbindung.

    Der Krieg in der Region verändert die Branchenstruktur nicht grundlegend, verschärft aber bestehende Trends. Für die VAE ist das besonders relevant, weil Ernährungssicherheit weniger über Eigenproduktion als über Handelsfähigkeit entsteht. Unternehmen mit eigener Logistik, breiter Lieferantenbasis, Lagerkapazitäten und Zugang zu Kapital können Preissprünge, Lieferverzögerungen oder höhere Fracht- und Versicherungskosten besser abfedern. Kleinere Anbieter geraten dagegen schneller unter Margendruck. Größe, Integration und professionelles Risikomanagement gewinnen damit als Wettbewerbsfaktoren an Bedeutung.

    VAE bleiben Drehscheibenstandort

    Ausländisches Kapital ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Branche. Die VAE erlauben in vielen Freizonen hundert Prozent ausländisches Eigentum. Das macht den Standort für multinationale Unternehmen attraktiv, die von hier aus den Inlandsmarkt und regionale Absatzmärkte bedienen. Nestlé Middle East betreibt mehrere Werke für Wasser sowie Kaffee- und Würzprodukte und steuert von Dubai aus Teile des Regionalgeschäfts. Unilever nutzt die VAE als wichtigen Produktionsstandort für Tee im Nahen Osten.

    Auch im Getränkesektor ist die internationale Präsenz ausgeprägt. Dubai Refreshments ist exklusiver PepsiCo-Abfüller, Coca-Cola produziert über lokale Partner wie Coca-Cola Al Ahlia. Diese Unternehmen beliefern nicht nur den Binnenmarkt, sondern nutzen die VAE auch als Plattform für Re-Exporte in die Golfregion, nach Afrika und Südasien.

    Marktkonzentration steigt

    In den vergangenen Jahren hat sich die Branchenstruktur durch Übernahmen und Zusammenschlüsse deutlich verdichtet. Ein zentraler Akteur ist Ghitha Holding, eine Tochter der International Holding Company aus Abu Dhabi. Durch die Bündelung mehrerer Molkerei-, Geflügel- und Eierproduzenten unter der Marke Al Ain Farms entstand ein vertikal integrierter Agrar- und Lebensmittelkonzern, der mehrere Stufen der Wertschöpfungskette abdeckt – von der Produktion über die Verarbeitung bis zur Vermarktung.

    Auch andere Marktteilnehmer treiben ihre Expansion über Zukäufe voran. Laut Fitch Solutions wurden im Lebensmittel- und Getränkesektor der Golfregion zwischen 2021 und Mitte 2025 rund 31 Fusionen und Übernahmen verzeichnet. Eine öffentlich verfügbare Aufschlüsselung ausschließlich für die VAE liegt nicht vor. Branchenreports legen jedoch nahe, dass die Emirate zu den aktivsten M&A-Märkten der Region zählen, gefolgt von Saudi-Arabien.

    Der Krieg dürfte die Konsolidierung weiter begünstigen. Unternehmen, die Rohstoffe, Lagerung, Verarbeitung und Absatz besser steuern können, sind widerstandsfähiger gegenüber externen Schocks. Größere Anbieter verfügen zudem eher über Kapital, Lieferantennetzwerke und Logistikkapazitäten, um steigende Kosten oder Verzögerungen abzufedern. Fragmentierte Nischenmärkte wie Datteln, ethnische Spezialitäten oder handwerkliche Produkte bleiben bestehen, geraten aber stärker unter Druck, wenn Kosten, Haltbarkeit und Absatzkanäle wichtiger werden.

    Ausgewählte Branchenunternehmen in den VAE

    Unternehmen 

    Geschäftsfelder  

    Nestlé Professional Food

    Nestlé betreibt diverse Geschäftsfelder und produziert neben Nahrungsmitteln wie Maggi-Bouillon und Suppen beispielsweise auch Nescafé Kaffeemischungen.

    Indian Farmers Fertiliser Cooperative Limited IFFCO

    Seit ihrer Gründung 1975 entwickelte sich die IFFCO mit Hauptsitz in den VAE zu einer internationalen Gruppe, die ein breites Spektrum an Lebensmittelprodukten für den Massenmarkt produziert und vertreibt.

    Al Ghurair Foods

    Mit Gründungsjahr 1975 und Sitz in Dubai, fertigt dieses Unternehmen eine vielfältige Produktpalette, zu der Backwaren, Milchprodukte, Säfte und Snacks gehören.

    Mars GCC

    Mars GCC zeichnet sich durch die Herstellung diverser Nahrungsmittel aus, darunter Snacks, Süßwaren und Tierfutter.

    Al Islami Foods

    Dieses Unternehmen bietet eine umfangreiche Auswahl an Halal-zertifizierten Lebensmitteln, einschließlich Fertiggerichten und Snacks.

    Al Rawabi Dairy Company

    Sie ist der führende Produzent von Molkerei- und Saftprodukten in der Golfregion.

    Delta Food Industries

    Das Unternehmen ist für die Herstellung hochwertiger Lebensmittel bekannt, dazu zählen Snacks und Molkereierzeugnisse.

    Al Ain Dairy 

    Spezialisiert auf die Produktion einer Vielzahl von Molkereiprodukten.

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, 2026

    Importe bleiben zentral

    Trotz lokaler Produktion bleiben Importe das Rückgrat der Versorgung. Die Statistikbehörde der VAE meldete für 2024 Lebensmitteleinfuhren im Wert von 19 Milliarden US$, rund 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Zu den wichtigsten Lieferländern gehören Indien, Brasilien und die USA. Hauptabnehmer von Lebensmittelexporten aus den VAE sind Saudi-Arabien, Oman, Iran und Kuwait.

    Allein bei Molkereiprodukten und Fleisch wurden 2024 Importe von mehr als 4,9 Milliarden US$ registriert. Auch Obst, Nüsse, Süßwaren und Fertigprodukte erreichen hohe Importwerte. Für die Branche bedeutet das: Lokale Produktion wächst, aber Importmanagement bleibt entscheidend.

    Nahrungsmittelimporte in die VAEAusgewählte Warengruppen; in Milliarden US-Dollar
    Warengruppe

    Importvolumen (2024)

    Molkereiprodukte

    2,0

    Rindfleisch

    1,6

    Geflügel

    1,3

    Obst und Nüsse

    1

    Backwaren und Snacks

    0,9

    Süßwaren und Schokolade

    0,7

    Quelle: USDA Foreign Agricultural Service, 2026

    Deutschland ist im Lebensmittelhandel der VAE ein Nischenanbieter. Der Anteil an den gesamten Lebensmittelimporten lag 2025 bei rund 1,4 Prozent. Deutsche Lieferungen konzentrieren sich vor allem auf höherwertige und verarbeitete Warengruppen wie Molkereiprodukte, Kaffee, Kakao und Nahrungsmittelzubereitungen. In volumengetriebenen Basissegmenten wie Fleisch, Getreide, Obst und Gemüse ist Deutschlands Marktanteil geringer.

    Für deutsche Unternehmen liegt die Chance daher weniger im Massengeschäft als in Qualität, Verarbeitungstiefe und Technologie. Gefragt sind Lösungen, die Effizienz, Rückverfolgbarkeit, Haltbarkeit und Versorgungssicherheit erhöhen. Der Krieg verstärkt genau diese Nachfrage: Die Branche investiert nicht nur in Wachstum, sondern zunehmend in robuste Strukturen.

    Importe aus Deutschland nach Warengruppenin Millionen Euro, Veränderung in Prozent
    SITCWarengruppe20242025Veränderung 2025/2024
    0Nahrungsmittel gesamt239,6252,65,5
    01Fleisch und Fleischwaren1,92,114,6
    02Milch, Molkereiprodukte, Eier47,753,712,6
    03Fisch und Meeresfrüchte0,70,2-66,2
    04Getreide und Getreideerzeugnisse20,819,4-6,4
    05Obst und Gemüse17,514,5-17,2
    06Zucker und Zuckerwaren12,514,314
    07Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze67,462,5-7,2
    09Verschiedene Nahrungsmittelzubereitungen61,175,824
    Quelle: Eurostat, 2026

     

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Die Einfuhr von Lebensmitteln in die VAE unterliegt strengen Vorschriften, um die Sicherheit und Qualität der Lebensmittel zu gewährleisten.

    Die Sicherheitslage hat die grundlegenden Einfuhrvorgaben für Lebensmittel bislang nicht aufgehoben, aber zu temporären Erleichterungen in der Zollabwicklung geführt. Dubai Customs verlängerte unter anderem die Transitdauer vorübergehend von 30 auf 90 Tage. Zudem wurden Sonderregelungen eingeführt, damit für Dubai oder Abu Dhabi bestimmte Waren ersatzweise über Khorfakkan oder Fujairah gelöscht und unter Zollverschluss per Lkw zum eigentlichen Bestimmungsort weitertransportiert werden können. Zwischen Oman und Dubai wurde außerdem ein temporärer grüner Korridor aktiviert, um umgeleitete See- und Luftfrachtsendungen schneller abzufertigen. Für Unternehmen gewinnen damit vollständige Dokumentation, flexible Routenplanung, belastbare Kühlketten und vorausschauende Lagerhaltung zusätzlich an Bedeutung.

    Hohe Anforderungen an die Qualität der Importnahrungsmittel

    Vor der Einfuhr von Lebensmitteln in die Vereinigten Arabische Emirate (VAE) müssen durch den Importeur bestimmte Genehmigungen eingeholt und Registrierungen vorgenommen werden. Für die Lebensmittelsicherheit im Emirat Dubai ist das Food Safety Department der Municipality of Dubai zuständig, im Emirat Abu Dhabi die Abu Dhabi Agriculture and Food Safety Authority. Unternehmen in den VAE müssen eine gültige Einfuhrlizenz für Lebensmittel besitzen. 

    Die Einhaltung der Normen kontrolliert das 2020 geschaffene Ministerium "Ministry of Industry and Advanced Technology". Einige Produkte müssen zusätzlich mit den Anforderungen des Konformitätsbewertungsverfahrens Emirates Conformity Assessment Scheme (ECAS) übereinstimmen. Hierzu gehören beispielsweise abgepacktes Trinkwasser und Säfte. Unternehmensvertretern zufolge kann der Erhalt der ECAS langwierig und mit hohen Kosten verbunden sein.

    Im Jahr 2021 haben die VAE ein neues Standardsystem für Lebensmittelsicherheit eingeführt. Dieses soll sicherstellen, dass ausschließlich Nahrungsmittel höchster Qualität importiert werden. Früher fielen die eingeführten Lebensmittel unter die drei Kategorien A, B und C mit A als höchster Qualitätsstufe. Mit der Einführung des neuen Standardsystems für Lebensmittelsicherheit dürfen nur Nahrungsmittel, die unter die Kategorie A fallen, in den Golfstaat importiert werden.

    Halal-Zertifikat als Herausforderung

    Der Import von Alkohol, Tabak und Schweinefleisch unterliegt strengen Regeln. Für die Einfuhr von Fleisch ist ein Halal-Zertifikat notwendig. Das bedeutet, dass die Produkte muslimischen Speisevorschriften entsprechen müssen. Allerdings ist der Erhalt der Bescheinigung mit Hindernissen verbunden, schildern Unternehmensvertreter gegenüber Germany Trade & Invest.

    In Deutschland gibt es nur wenige Unternehmen, die den strengen Vorschriften entsprechen und eine Akkreditierung haben, ein Halal-Zertifikat für die VAE auszustellen. Nach Angaben des Ministeriums UAE Minister of State for Food Security verfügen die folgenden Unternehmen über eine solche Akkreditierung: Halal Control GmbH, RACS GmbH, IIDC Islamic Information Documentation and Certification GmbH und Halal Quality Control.

    Für alle Produkte, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, wird die Ausstellung eines Analysezertifikats (FIT-Analysis) empfohlen. Dieses Zertifikat soll die uneingeschränkte Genusstauglichkeit des Lebensmittels bestätigen. Es kann von einem im Ausland akkreditierten Labor oder vom Dubai Central Food Laboratory (für das Emirat Dubai) ausgestellt werden. Liegt das Zertifikat bei der Einfuhr nicht vor, werden Warenproben entnommen und getestet. Die Warensendung kann nicht abgefertigt werden, bis die Ergebnisse des Labors vorliegen.

    Grundsätzlich dürfen Lebensmitteln kein Alkohol zugesetzt werden. Enthalten Lebensmittel Schweinefleisch, muss dies eindeutig auf dem Etikett erkennbar sein, nicht nur in der Liste der Zutaten. Es ist grundsätzlich damit zu rechnen, dass alle Lebensmittelsendungen vor dem Import kontrolliert werden können, um die Einhaltung der Vorschriften hinsichtlich der Haltbarkeit und der Etikettierung zu überprüfen.

    Tipps für den Markteinstieg

    • Produkte an den lokalen Markt anpassen
    • Konkurrenz nicht unterschätzen 
    • Aktuelle Importbestimmungen genau beachten
    • Kurzfristige Änderungen der Importbestimmungen sind nicht ungewöhnlich
    • Die Einfuhrbestimmungen können sich auch innerhalb der GCC-Staaten voneinander unterscheiden

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK VAE

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    UAE Minister of State for Food Security

    Ministerium
    Ministry of Industry and Advanced TechnologyMinisterium
    Abu Dhabi Agriculture and Food Safety AuthorityBehörde
    Food Safety Department, Dubai Municipality Behörde

    United Arab Emirates Association for Food Protection

    Nationaler Branchenverband

    Gulf Food 

    Fachmesse für Lebensmittel, Innovation und Lebensmittelhandel  (Dubai; 15. bis 19. März 2027, voraussichtlich)

    Gulf Food Manufacturing 

    Fachmesse für Lebensmittel-Produktion und -Verarbeitung (Dubai; 3. bis 5. November 2026, voraussichtlich)

    Von Heena Nazir | Dubai