Die spanische Nahrungsmittelindustrie profitiert von einem wachsenden Inlandsmarkt und Exporterfolgen. Preissteigerungen im Jahr 2026 könnten die Erfolge aber schmälern.
Die Geschäfte der spanischen Nahrungsmittelhersteller entwickeln sich positiv. Laut dem nationalen Statistikamt INE stiegen die Umsätze im Jahr 2024 um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im gesamten Industriesektor gab es hingegen einen Rückgang um 0,8 Prozent. Die Branchenunternehmen verkauften Nahrungsmittel und Getränke im Wert von 184 Milliarden Euro.
Allerdings zeichnen sich Preissteigerungen ab, die die Kauflaune der Verbraucher dämpfen und damit die Erfolge der Produzenten belasten könnten. Durch den Irankrieg sind Energie und wichtige Vorprodukte für die Agrarindustrie, wie beispielsweise Düngemittel, deutlich teurer geworden. Das spanische Wirtschaftsforschungsinstitut FUNCAS prognostiziert, dass die Preise für unverarbeitete Lebensmittel in der zweiten Jahreshälfte 2026 um 7 bis 8 Prozent zulegen werden. In der Folge dürften verarbeitete Lebensmittel ebenfalls teurer werden.
Fleischerzeugung ist die wichtigste Sparte
Wichtigste Sparte der spanischen Lebensmittelindustrie bleibt die Fleischerzeugung mit einem Herstellerabsatz im Wert von 42 Milliarden Euro. Spanien produziert die größte Menge an Schweinefleisch in der EU. So ist beispielsweise Serrano-Schinken ein Exportschlager, findet sich aber auch regelmäßig auf dem Speiseplan der spanischen Bevölkerung. Der Verzehr von Frischfleisch und verarbeiteten Fleischprodukten liegt mit etwa 90 Kilogramm pro Kopf im Jahr deutlich über dem EU-Durchschnitt von etwa 70 Kilogramm.
3. Platz
weltweit bei der Herstellung von Schweinefleisch, hinter China und den USA.
Die Aussichten in diesem Segment haben sich zuletzt eingetrübt. Nach 30 Jahren wurden im November 2025 erstmals wieder Fälle der Afrikanischen Schweinepest in Spanien festgestellt. In der Folge haben einige wichtige Exportmärkte wie beispielsweise China, Mexiko oder Japan vorübergehende Importstopps für Schweinefleisch verhängt.
Nachfrage steigt, Haushalte sparen jedoch
Nach Angaben des spanischen Landwirtschaftsministeriums gaben Spanierinnen und Spanier im Jahr 2024 insgesamt 120 Milliarden Euro für Lebensmittel aus, davon 70 Prozent für die Essenszubereitung zu Hause und 30 Prozent im verbreiteten Außer-Haus-Verzehr. Gegenüber 2023 waren das 2,4 Prozent mehr, während das Volumen um 0,2 Prozent abnahm.
Der Trend geht dahin, dass mehr Geld für Essen zu Hause ausgegeben wird als in der Gastronomie. Die Haushalte müssen sparen. Zwischen Januar 2021 und Januar 2025 haben die Preise für Lebensmittel um 36,1 Prozent zugenommen. Die Inflation im gleichen Zeitraum betrug hingegen insgesamt 22,4 Prozent. Die Tendenz, dass Lebensmittel und Getränke einen abnehmenden Anteil an den gesamten Haushaltsausgaben haben, setzt sich fort. Der spanische Verband der Lebensmittelhersteller FIAB prognostiziert, dass dieser Anteil von 20,2 Prozent im Jahr 2025 auf 18,9 Prozent im laufenden Jahr sinken wird.
Beim Essenseinkauf für zu Hause dominieren Supermärkte. Dieser Vertriebsweg steht für mehr als drei Viertel der Ausgaben. Ihn beherrscht Mercadona mit Abstand und einem Marktanteil von 29,5 Prozent im Jahr 2025. Auf Platz 2 des spanischen Lebensmitteleinzelhandels folgt Carrefour mit 7,2 Prozent. Die deutschen Supermarktketten Lidl (6,2 Prozent) und Aldi (1,8 Prozent) haben angekündigt, ihre Präsenz in Spanien weiter ausbauen zu wollen.
Den Absatz von Lebensmitteln insgesamt stützt die Bevölkerungszunahme in Spanien. Am 1. April 2026 lebten 49,7 Millionen Menschen im Land. Im Jahresvergleich bedeutet das eine Zunahme um knapp eine halbe Million. Grund ist die Nettozuwanderung, vor allem aus Lateinamerika und Marokko.
Ein weiterer Treiber sind ausländische Touristen, deren Zahl weiter steigt. Im Jahr 2026 könnten zum ersten Mal mehr als 100 Millionen Gäste aus dem Ausland Spanien besucht haben. Diese bleiben im Schnitt eine Woche im Land und geben 200 Euro pro Tag aus. Ein nicht unerheblicher Teil davon dürfte in Restaurantbesuche und Supermarkteinkäufe fließen.
Mehr Fertiggerichte, aber noch wenig Bioprodukte
Der Absatz von biologisch erzeugten Lebensmitteln bleibt in Spanien schwach. Er ist im Jahr 2024 wertmäßig um 0,9 Prozent zurückgegangen. Während in Deutschland Konsumentinnen und Konsumenten pro Jahr etwa 190 Euro für Biolebensmittel ausgeben, betrug dieser Wert in Spanien im Jahr 2024 nur 58 Euro. Ein Grund ist eine höhere Preissensibilität, insbesondere nach den großen Kostensteigerungen im Lebensmittelbereich nach Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022. Auffällig ist, dass Mercadona nur sehr wenige Bioprodukte führt.
Der Trend geht auch in Spanien zu Fertiggerichten. Nach Angaben der Marktforschungsfirma Algori wuchs dieses Segment im Jahr 2025 um 7,6 Prozent. Spaniens größte Supermarktkette Mercadona dominiert dieses Segment mit einem Anteil von 51,2 Prozent. Mercadonas CEO, Juan Roig, äußert regelmäßig die provokante Prognose, dass es zur Jahrhundertmitte keine richtigen Küchen mehr in Haushalten geben wird.
Ein weiterer Markttrend ist der weiter zurückgehende Alkoholkonsum. Die Hersteller müssen daher ihre Produktpaletten diversifizieren. Das führt beispielsweise dazu, dass die vier größten Bierproduzenten in Spanien - Mahou, Hijos de Rivera, Heineken und Damm - sich neue Geschäftsbereiche wie Kaffee, funktionale oder Mischgetränke erschließen.
Hersteller weiten ihre Produktion aus
Lokale und ausländische Unternehmen investieren in neue Fabriken oder erweitern bestehende, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Hinzu kommen veränderte Verbrauchergewohnheiten, die eine Anpassung der Produktpalette erfordern. Die Lebensmittelbranche ist ein Sektor mit einem hohen Energieverbrauch, in dem der Wettbewerb zudem hoch ist. Deshalb stehen Modernisierungen zur Effizienzsteigerung ebenfalls auf der Tagesordnung. So hat der französische Molkereikonzern Lactalis angekündigt, im Zeitraum 2026 bis 2030 insgesamt 200 Millionen Euro in seinen acht spanischen Werken zu investieren. Damit sollen die Digitalisierung vorangetrieben und Innovationen und Produkteinführungen beschleunigt werden.
Ausgewählte Investitionsprojekte der Ernährungswirtschaft in SpanienInvestitionssummen in Millionen Euro| Akteur/ Projekt (Region) | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Elian/ Erweiterung Sojafabrik in Barcelona (Katalonien) | 200 | Im Bau; Fertigstellung geplant: Ende 2027 | Werkserweiterung um 100.000 Tonnen auf 830.000 Tonnen Sojabohnen pro Jahr |
| Sea Eight/ Neubau Aquakulturanlage in Bizkaia (Baskenland) | 170 | In Planung; Fertigstellung geplant: Anfang 2030 | Geplante Jahresproduktion an Fisch: 3.000 Tonnen |
| Familia Martínez/ Erweiterung Produktion in Buñol und Logistikzentrum in Torrent (Valencia) | 150 | Im Bau; Fertigstellung geplant: Ende 2026 | Lieferant von Mercadona für Fertiggerichte; Erweiterung der Produktion für gebratene Fleischprodukte und Neubau eines Logistikzentrums |
| Ferrero/ Erweiterung Eisfabrik in Alzira (Valencia) | 140 | In Planung; Fertigstellung geplant: 2030 | Tochterfirma Ice Cream Factory Comaker (ICFC); Installation neuer Produktionslinien |
| Campofrío/ Neue Fleischverarbeitungsfabrik in Utiel (Valencia) | 134 | In Planung; Fertigstellung geplant: nicht bekannt | Neue Produktionsstätte inklusive Solaranlage und Biogasanlage |
| Schreiber Foods/ Erweiterung Milchproduktefabrik in Talavera de la Reina (Kastilien-La Mancha) | 120 | In Planung; Fertigstellung geplant: nicht bekannt | Lieferant von Mercadona für Milchprodukte; Verdopplung Produktionskapazität |
| Profand/ Erweiterung Fischfabrik in Cambre (Galizien) | 22 | In Planung; Fertigstellung geplant: nicht bekannt | Lieferant von Mercadona für Fischprodukte; Werkserweiterung auf 79.500 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte pro Jahr |
| Dcoop/ Saftfabrik in Palma del Río (Andalusien) | 20 | In Planung; Fertigstellung geplant: 2027 | Wiederinbetriebnahme einer Zitrus- und Saftfabrik; geplante Jahreskapazität: 80 bis 100 Millionen Kilogramm Orangen |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Von Friedrich Henle
|
Madrid