Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Wirtschaftsumfeld | Griechenland | Personal

Personalsuche und Personalmanagement

Unternehmen nutzen Personalvermittler, um neue Mitarbeiter anzuwerben. Bestehendes Personal binden sie durch Aufstiegsmöglichkeiten, Zusatzleistungen und interne Schulungen. 

Von Michaela Balis | Athen

Laut einer Umfrage des Personaldienstleisters ManpowerGroup im 4. Quartal 2025 plant ein Viertel von 525 befragten Firmen für das kommende Jahr zusätzliche Einstellungen. Besonders aktiv zeigen sich mittelgroße Unternehmen mit 50 bis 250 Beschäftigten. Während rund 13 Prozent der Unternehmen weniger Personalzugänge erwarten, steigt die Nachfrage vor allem in den Branchen Transport und Logistik, Informationswirtschaft, verarbeitendes Gewerbe sowie Bau. Eine ähnliche Entwicklung bestätigt der griechische Industrieverband SEV in seiner Studie "Business Pulse" vom Mai 2025: Etwa ein Fünftel der rund 650 befragten Unternehmen beabsichtigen, ihre Belegschaft im Laufe des Jahres zu erweitern.

Zu den wichtigsten Gründen für zusätzliche Einstellungen zählen das Unternehmenswachstum sowie neue Investitionen, die nicht nur zusätzliche Positionen erfordern, sondern auch der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit dienen. Darüber hinaus entstehen neue Rollen durch technologische Entwicklungen, die mehr spezialisiertes Know-how voraussetzen.

Nachfrage nach deutschsprachigen Fachkräften

Deutschkenntnisse sind auf dem griechischen Arbeitsmarkt besonders gefragt. "Vor allem Contact- und Call-Center, die telefonischen Kundenservice für deutschsprachige Kunden anbieten, suchen entsprechende Fachkräfte", erklärt Konstantinos Laskaridis, Human Resources Business Partner Multilingual Team Greece bei der Personalvermittlung Kariera. Darüber hinaus besteht Bedarf an Bilanzbuchhaltern, Übersetzern, Software Engineers sowie Mitarbeitern im Vertrieb und Tourismus. Laskaridis fügt hinzu, dass auch deutsche Unternehmen die Dienste griechischer Personalvermittlungsagenturen in Anspruch nehmen, um geeignete Mitarbeiter zu finden, darunter Personen für den Busverkehr, die Lokführung und den Vertrieb.

Lücke zwischen Arbeitsuchenden und Jobangeboten nimmt zu

Unternehmen berichten häufig von unzureichenden Qualifikationen, fehlender Berufserfahrung oder mangelndem Interesse seitens der Bewerbenden. Dies verdeutlicht den dringenden Bedarf an einer stärkeren Verzahnung von Arbeitsmarkt und Ausbildung. Ein institutionalisiertes Forum für den Austausch zwischen Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen ist hierfür essenziell. Gerade vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklungen in den Bereichen Digitalisierung und künstliche Intelligenz muss sichergestellt werden, dass zukünftige Fachkräfte über die erforderlichen Kompetenzen verfügen. Das derzeitige Ausbildungsangebot bereitet junge Menschen nicht ausreichend auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vor. Dies gab rund ein Fünftel der 1.500 befragten Beschäftigten bis 29 Jahren in einer Umfrage des griechischen Arbeiterverbands GSEE im Oktober 2025 an.

Um den Schwierigkeiten bei der Personalsuche zu begegnen, setzen Arbeitgeber auf verschiedene Maßnahmen. Zum Teil behelfen sie sich damit, ihre bestehende Belegschaft umzuschulen oder weiterzubilden sowie interne Stellenausschreibungen, um Mitarbeitenden Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen. Ergänzend bieten viele Unternehmen Zusatzleistungen wie private Kranken- und Rentenversicherungen, Prämien oder Einkaufsgutscheine an, um die Mitarbeiterbindung zu stärken. Auch Personalvermittlungsagenturen erweitern ihr Angebot um Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme, damit Kandidaten den Anforderungen der Arbeitgeber entsprechen.

Unternehmen wenden sich an Experten bei der Mitarbeitersuche

Bei der Personalsuche greifen Arbeitgeber auf die Dienste von Personalvermittlern zurück. Sämtliche Tochtergesellschaften ausländischer Personalvermittlungsagenturen sind in Griechenland tätig wie beispielsweise Aims International, Randstad, Manpower, Kantor, Stanton Chase und ICAP Crif. Deutsche Tochtergesellschaften nutzen nach eigenen Angaben auch die Internetplattformen LinkedIn und Kariera. Die Kosten für die Arbeitgeber variieren und hängen vom Auftragsvolumen ab. Zunehmend nutzen Unternehmen auch Kontakte zu Universitäten und Fachhochschulen, um frühzeitig Interessenten anzuwerben.  

Das Bewerbungsverfahren läuft in der Regel wie folgt ab: Nach Erhalt des Lebenslaufs kontaktiert der Arbeitgeber die Bewerber telefonisch oder per E-Mail. Anschließend erfolgen ein bis drei Vorstellungsgespräche mit den Kandidaten. Bei größeren Unternehmen werden manchmal auch Tests durchgeführt. 

Was Beschäftigte erwarten: Work-Life-Balance, Sicherheit und flexible Arbeitsmodelle

Laut der Studie "Workmonitor 2025" des Personaldienstleisters Randstad ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mitarbeitende genauso wichtig wie das Gehalt. Rund 84 Prozent der insgesamt 750 befragten Arbeitnehmenden gaben dies an. Auch Zugehörigkeitsgefühl und Sicherheit im Arbeitsumfeld sind für mehr als 80 Prozent von hoher Bedeutung. Zudem zählen Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens zu den zentralen Erwartungen, wie Marktexperten berichten.

Das Arbeitsgesetz 4808/2021 ermöglicht die Arbeit im Homeoffice. Auch deutsche Unternehmen in Griechenland bieten ihren Angestellten diese Option an, wobei die Anzahl der Homeoffice-Tage individuell zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart wird. Üblicherweise sind zwei Präsenztage vorgesehen. Dieses Modell wird vor allem von großen griechischen Unternehmen genutzt. Dennoch hat sich Telearbeit bislang kaum durchgesetzt: Im Jahr 2024 arbeiteten laut Eurostat nur 7,8 Prozent der Beschäftigten ganz oder teilweise im Homeoffice, deutlich weniger als in Deutschland (rund 25 Prozent) oder im EU-Durchschnitt (19 Prozent).

Dieser Inhalt gehört zu

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.