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Indien investiert massiv in seine Bahninfrastruktur

Das Eisenbahnnetz in Indien wird erweitert und modernisiert. Dabei setzt die indische Bahn auch auf Wasserstofftechnik. Mehrere deutsche Unternehmen sind an Projekten beteiligt.

Von Mareen Haring | Berlin

Mit einer Länge von 135.000 Kilometern verfügt der indische Subkontinent bereits heute über eines der längsten Schienennetze der Welt. Indiens staatlicher Bahnbetreiber, Indian Railways (IR), transportiert jährlich knapp 7 Milliarden Personen, Tendenz steigend: Laut Prognosen dürften es 2030 sogar rund 10 Milliarden Menschen sein. Der Modernisierungs- und Erweiterungsbedarf ist dementsprechend enorm.

Im Rahmen des National Railway Plan von 2020 hatte das Ministry of Railways (MoR) den Investitionsbedarf bis 2030 auf jährlich 23 Milliarden US-Dollar (US$) veranschlagt. Die Haushaltsmittel für das Eisenbahnministerium wurden in den letzten Jahren kontinuierlich angehoben.

~30 Mrd. US$

Haushaltsmittel im Finanzjahr 2026/2027

Im Finanzjahr 2026/2027 (1. April bis 31. März) erhält das MoR 5 Prozent mehr Geld als in der Vorperiode, umgerechnet etwa 30 Milliarden US$. Gut ein Drittel davon ist für Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung des Schienennetzes vorgesehen.

Ein laufendes Schlüsselprojekt sieht vor, dass sieben besonders stark ausgelastete Trassen zwischen den Ballungszentren Delhi, Mumbai, Kolkata und Chennai auf zwei, vier oder sogar sechs Spuren bis 2034 erweitert werden. Damit können künftig nicht nur mehr, sondern auch schnellere Verbindungen zwischen diesen Metropolen angeboten werden. Die Kosten bezifferte das MoR auf insgesamt 50 Milliarden US$.

Mehr als 99 Prozent des Breitspurbahnnetzes sind bereits elektrifiziert. Die Elektrifizierung auf den restlichen Trassenabschnitten soll bis 2030 abgeschlossen werden. Der Großteil des Stroms stammt aus erneuerbaren Energien. Im Jahr 2025 waren Aufdach-Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von 209 Megawatt an indischen Bahnhöfen installiert. IR plant, bis 2030 Solaranlagen mit bis zu 20 Gigawatt Kapazität auf unbebautem Bahngelände zu installieren.

Erste Hochgeschwindigkeitszüge sollen ab 2027 durchstarten

Ein Teilabschnitt von Indiens erster Hochgeschwindigkeitszugstrecke von Mumbai nach Ahmedabad (Gujarat) soll am 15. August 2027 den Betrieb aufnehmen. Das gesamte Projekt ist derzeit allerdings nur zu 57 Prozent abgeschlossen mit aktuell über vier Jahren Verspätung und 83 Prozent höheren Kosten wie ursprünglich veranschlagt.

Im Budget für 2026/2027 sind zudem sieben weitere Hochgeschwindigkeitstrassen verankert. Diese insgesamt 4.000 Kilometer langen Strecken werden voraussichtlich rund 175 Milliarden US$ an Investitionen benötigen.

Auch in die Frachtsparte wird massiv investiert

Die Regierung hat drei Schienenfrachtkorridore angekündigt:

  1. einer der Korridore ist ausschließlich für den Transport von Rohstoffen und Zement bestimmt,
  2. ein weiterer Korridor vernetzt die wichtigsten Seehäfen Indiens,
  3. der dritte Korridor entlastet bestehende Trassen mit hohem Frachtaufkommen.

Zusammen bringen es die drei Korridore auf eine Länge von 40.000 Kilometern. Bis 2030 sollen sie fertiggestellt werden. Damit könnte Indien seinem Ziel ein gutes Stück näher kommen, den Anteil der Schiene am Frachtverkehr bis 2030 auf 45 bis 50 Prozent zu verdoppeln. Die meisten Projekte befinden sich derzeit allerdings noch in der Machbarkeitsprüfung oder in der Ausarbeitung der Detailprojektberichte. Der Bau hat bislang nur auf ausgewählten Abschnitten begonnen.

Bahn setzt auf moderne Elektrolokomotiven und auch Wasserstofftechnik

Für das rollende Material stehen im Finanzjahr 2026/2027 umgerechnet 5,5 Milliarden US$ an Haushaltsmitteln bereit. Die staatliche Bahn IR soll damit vor allem neue Lokomotiven, Waggons und Güterwagen beschaffen. In den nächsten Jahren werden bis zu 8.000 neue Triebfahrzeuge benötigt. Dabei dürften vor allem die beiden in Indien entwickelten und hergestellten Typen Vande Bharat und Amrit Bharat zum Zuge kommen.

Anfang 2023 gewann Siemens Mobility eine Ausschreibung zur Lieferung von 1.200 Elektrolokomotiven mit einem Auftragsvolumen von 3 Milliarden Euro. Die Zahl der gelieferten Lokomotiven ist gestaffelt: Für die Jahre 2026 und 2027 sind je 80 Einheiten geplant, für die beiden Folgejahre 100 Stück pro Jahr. Zwischen 2030 und 2034 sollen 160 Lokomotiven jährlich geliefert werden. Die Loks werden im Bundesstaat Gujarat gebaut.

Erster wasserstoffbetriebener Zug geht an den Start

Daneben will die IR insgesamt 35 Züge mit Wasserstoffantrieb auf die Schiene setzen. Der indische Bahntechnikkonzern Medha Servo Drives wurde beauftragt, alte Dieselloks mit Brennstoffzellen umzurüsten. Die Technik liefert der Technologiekonzern GreenH Electrolysis. Indiens erster wasserstoffbetriebener Zug absolvierte Anfang 2026 erfolgreich Probefahrten auf der Strecke zwischen Jind und Sonipat.

Mehr Sicherheit auf der Schiene

Die IR will bis 2030 außerdem insgesamt 12 Milliarden US$ in Signal- und Sicherheitstechnik investieren. Dabei kommt auch lokal entwickelte Ausrüstung wie das automatische Zugsicherungssystem Kavach zum Einsatz. Ende 2025 waren 2.000 Streckenkilometer mit Kavach ausgerüstet. Die Version 4.0 von Kavach, die die höchste internationale Sicherheitsstufe erfüllt, war Ende Januar 2026 auf insgesamt 1.306 Streckenkilometern installiert.

Deutsche Unternehmen engagieren sich bereits

Mehrere deutsche Unternehmen sind im indischen Eisenbahnsektor aktiv, neben Siemens Mobility (Schienenfahrzeuge und Signaltechnik) auch Knorr‑Bremse (Bremssysteme), Voith (Antriebstechnologien), Hübner (Faltenbalg‑ und Übergangssysteme) sowie DB Engineering & Consulting (Beratung).

Auf dem indischen Markt herrscht ein intensiver Wettbewerb auch Unternehmen aus China, Japan, Frankreich, den USA oder Südkorea konkurrieren bei Ausschreibungen um Projekte für Schienenfahrzeuge, Signaltechnik und Elektrifizierung. Zudem stellt Indien mit der "Make in India"-Strategie hohe Anforderungen an die lokale Wertschöpfung.

Auch in Indien brauchen Bahnprojekte länger und werden oft teurer als geplant: Übergreifend liegen die 249 Projekte des MoR derzeit 22 Prozent über dem geplanten Kostenansatz, so eine Analyse des Ministry of Statistics and Programme Implementation von Januar 2026.