Indien entwickelt sich zu einem wichtigen Markt für Digital Health. Viele Internetnutzer aber auch staatliche Programme unterstützen den Einsatz von Technik, darunter auch KI.
Neue Technologie wird in Indien zumeist als Chance begriffen. Die Bevölkerung ist jung und überwiegend technikaffin. Das Medianalter der Bevölkerung liegt 2026 bei gerade einmal 29,2 Jahren. Hinzu kommt eine rasant wachsende Zahl an Personen mit Zugriff auf die digitale Welt. Regierungsschätzungen gehen von 958 Millionen aktiven Internetnutzern im Jahr 2025 aus. All dies sind gute Voraussetzungen für Wachstumsbranchen wie künstliche Intelligenz (KI), aber auch eine steigende Nachfrage nach Angeboten im Bereich Digital Health.
Digital Health ist ein Wachstumsbereich
In Analysen und Berichten wird für den Bereich Digital Health zumeist ein Wert zwischen 10 Milliarden US-Dollar (US$) und 20 Milliarden US$ als Marktgröße angegeben. Für das Datenportal Statista besteht der Bereich Digital Health aus den Komponenten Digitale Fitness und Well-Being, Digitale Behandlung und Pflege sowie Onlineberatung durch Ärzte (Telemedizin). Insgesamt sollen die Erträge 2026 hier bei rund 6,5 Milliarden US$ liegen. Bis 2030 wird ein Marktumsatz von insgesamt 9,6 Milliarden US$ vorausgesagt. Hinzu kommt der Bereich Health-IT mit den Teilbereichen der digitalen Patientenakte, E-Rezepten und personalisierter Medizin (beispielsweise in Form der Gen-Analyse). Im vorhergenannten Zeitraum wird auch hier Umsatzwachstum prognostiziert, von 3,0 Milliarden US$ auf 3,5 Milliarden US$.
Zu den wichtigsten Gründen für die Entwicklung zählen ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein und der Wandel von der Behandlung von Krankheiten hin zu mehr Augenmerk auf Vorsorge.
Umsätze im Bereich Digital Health in Indien In Milliarden US-Dollar| Teilbereich von Digital Health | 2026 | 2027 | 2028 | 2029 | 2030 |
|---|
| Onlineberatung durch Ärzte | 0,37 | 0,38 | 0,39 | 0,40 | 0,40 |
| Digitale Behandlung & Pflege | 1,32 | 1,44 | 1,54 | 1,65 | 1,74 |
| davon Digitales Pflegemanagement | 0,72 | 0,78 | 0,84 | 0,90 | 0,96 |
| davon Biosensoren | 0,33 | 0,37 | 0,41 | 0,44 | 0,48 |
| davon digitale Therapeutika | 0,27 | 0,29 | 0,30 | 0,31 | 0,30 |
| Digitale Fitness & Well-Being | 4,77 | 5,59 | 6,06 | 6,70 | 7,43 |
| davon Coaching | 2,72 | 3,15 | 3,63 | 4,15 | 4,74 |
| davon Fitnesstracker | 2,04 | 2,24 | 2,41 | 2,55 | 2,69 |
| Informationstechnik im Gesundheitsbereich | 3,02 | 3,13 | 3,25 | 3,36 | 3,50 |
| davon elektronische Gesundheitsakte | 1,55 | 1,60 | 1,65 | 1,68 | 1,72 |
| davon personalisierte Medizin | 1,43 | 1,49 | 1,56 | 1,64 | 1,73 |
| davon e-Rezepte | 0,04 | 0,04 | 0,04 | 0,04 | 0,04 |
| Gesamt | 9,48 | 10,54 | 11,24 | 12,11 | 13,07 |
Prognosen; Abweichungen durch Rundungen möglichQuelle: Statista 2025
HealthTech Start-ups können auf Wachstum hoffen
Indien verfügt über eine dynamische Start-up-Landschaft zu der auch Unternehmen im Bereich HealthTech gehören. Schätzungen zur Anzahl variieren, kreisen aber oft um den Wert von 10.000. Darunter befinden sich 5 Unternehmen mit einer Marktbewertung von mehr als 1 Milliarde US$ (Sechs, sofern die mittlerweile von Tata-Konzern übernommene Onlineapotheke 1mg mitgezählt wird). Zu diesen Unicorns zählt seit 2022 beispielsweise Molbio Diagnostics. Die Firma stellt mobile Diagnosegeräte her und strebt mittlerweile den Gang an die Börse an. Unter indischen Start-ups ist die Börsennotierung ein zunehmend beliebter Weg, um sich Kapital zu beschaffen.
Der Branchendienst INC42 geht davon aus, dass der HealthTech-Markt für Start-ups 2025 eine Größe von etwas über 7 Milliarden US$ hatte und bis 2030 auf über 37 Milliarden US$ anwachsen soll. Das entspricht einem Wachstum von 39 Prozent jährlich. Optimistisch stimmt die Analysten die Tatsache, dass Telemedizin in Indien mittlerweile massentauglich ist und digitale Apotheken größere Reichweite erzielen. Auch das Wachstum von Behandlungsplattformen für chronische Erkrankungen und zur Vorsorge in Städten abseits der Metropolen veranlasst die Experten zu dieser positiven Wachstumseinschätzung. Das Wachstum schlägt sich im Aufwärtstrend für Finanzierungsrunden wieder. So konnten Start-ups 2025 rund 4 Prozent mehr Mittel als im Vorjahr einwerben und erhielten 746 Millionen US$. Investoren schauen zunehmend auf die Ertragskraft der Unternehmen und bevorzugen derzeit eher ältere HealthTech-Start-ups mit belastbarem Geschäftsmodell.
HealthTech-Start-ups in Indien erhalten mehr GeldIn Millionen US-Dollar| Bereich | Erhaltene Finanzierung |
|---|
| 2025 | 746 |
| 2024 | 716 |
| 2023 | 233 |
Die Finanzierung verteilt sich auf 54 Deals 2023, 78 Deals 2024 und 57 Deals 2025.Quelle: Inc42 2026
Einen Schub für die Unternehmen kommt durch bessere Finanzierungsbedingungen. Anfang 2026 ging mit MedArtha Capital eine mit etwas über 100 Millionen US$ ausgestatteter Investmentfonds speziell für die Bereich MedTech an den Start. Der Fond will sich spezielle auf mittelgroße Firmen konzentrieren und ihnen Kapital für Expansion liefern.
Die Regierung forciert den Einsatz von KI im Gesundheitsbereich
Kern der Digitalisierungsbemühungen im Gesundheitssektor ist die Ayushman Bharat Digital Mission. Ein Instrument der Mission ist die 2021 gestartete Einführung von Ayushman Bharat Health Accounts (ABHA) sowie die Erstellung von ABHA IDs. Ziel des Vorhabens ist es, Akteure im Gesundheitsbereich besser zu vernetzen und Prozesse digital zu gestalten. Dies geschieht durch eine digitale Gesundheitsakte, ein digitales Ärzte- und Versorgungseinrichtungsregister sowie die App ABHA, auf der Gesundheitsdaten mobil verwaltet werden können. Nach offiziellen Angaben waren im März 2026 mehr als 866 Millionen digitale Accounts erstellt und 907 Millionen digital vernetzte Gesundheitsakten vorhanden.
Indien bietet gute Bedingungen für die Entwicklung und den Einsatz von KI-Anwendungen. Mit der Strategy for AI in Healthcare in India (SAHI) gibt es seit Februar 2026 eine Grundlage für den Einsatz von KI im Gesundheitswesen. Die Strategie definiert Leitlinien für den sicheren, ethischen und evidenzbasierten Einsatz von KI - von administrativen Anwendungen bis hin zu Hochrisiko‑Use‑Cases wie Diagnostik, Triage und Therapieunterstützung. Im Mittelpunkt stehen Transparenz, Datenschutz, Bias‑Kontrolle, klare Verantwortlichkeiten sowie die Anschlussfähigkeit an bestehende Regulierungen, insbesondere für KI‑basierte Medizinprodukte.
Die operative Umsetzung von SAHI erfolgt über die Benchmarking Open Data Platform for Health AI (BODH). BODH ist eine nationale, datenschutzwahrende Test‑ und Validierungsplattform, auf der KI‑Modelle vor ihrem Einsatz auf ihre Leistungsfähigkeit und Fehlerfreiheit geprüft werden. Über BODH werden KI-Modelle an realen und anonymisierten Gesundheitsdatensätzen getestet, ohne dass sensible Gesundheitsdaten zentralisiert oder offengelegt werden. Nach erfolgreichen Tests können die Modelle und Anwendungen dann Einzug in die öffentliche Gesundheitsverwaltung und -versorgung erhalten.
Ein weiterer digitaler Baustein der Gesundheitsversorgung ist eSanjeevani. Dabei handelt es sich um eine nationale Plattform für Telemedizin. Gerade im Hinblick auf die gesundheitliche Unterversorgung im ländlichen Raum bietet die Plattform die Möglichkeit, dass Patienten mit Ärztinnen sprechen können. Auch hier hat KI Einzug gehalten und unterstützt mittlerweile bei der Überwindung von Sprachbarrieren oder mit Diagnoseempfehlungen.
Von Florian Wenke
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Mumbai