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Indiens Bedarf an Medizintechnik wächst in allen Segmenten

Indiens Kliniklandschaft wächst und erhöht die Nachfrage nach Medizintechnik. Die Regulierung bleibt jedoch komplex und Lücken müssen geschlossen werden. 

Von Florian Wenke | Mumbai

Ausblick der Medizintechnik in Indien

Bewertung:

 

  • Wachstum des Bettenbestandes in privaten Klinikketten ermöglicht mehr Behandlungen.
  • Das Gesundheitsbewusstsein wächst und damit der Bedarf an Vorsorgeuntersuchungen.
  • Die Importabhängigkeit vor allem im High-End-Bereich bleibt bestehen und eröffnet Absatzchancen.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: April 2026

  • Der Absatz von Medizintechnik wächst. Die Anzahl der Klinikbetten in Indien nimmt zu und ist einer von mehreren Treibern für mehr Nachfrage.

    Indien investiert zwischen 2 und 4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die öffentliche Gesundheitsinfrastruktur, deutlich weniger als beispielsweise China. Dort liegt der Vergleichswert bei etwa 7 Prozent. Dennoch ist die Marktgröße riesig. Analysten schätzen sie derzeit auf Werte um 180 Milliarden US-Dollar (US$) für die gesamte Gesundheitsbranche. Bis Ende des Jahrzehnts soll der Gesundheitssektor in der Breite weiter wachsen und dann eine Marktgröße von über 300 Milliarden US$ erreichen. 

    Der Bedarf an Medizintechnik wächst in allen Segmenten

    Die Medizintechnikbranche profitiert vom Wachstum im Gesundheitsbereich. Allerdings ist die Datenlage dazu vielfach spärlich, sodass viele Angaben zur Marktgröße Schätzungen sind und teilweise stark variieren. Experten beziffern sie für 2025 auf einen Wert zwischen 14 Milliarden und 18 Milliarden US$. Bis zum Ende des Jahrzehnts gehen verschiedene Prognosen von einer Marktgröße zwischen 30 und 50 Milliarden US$ aus. Abweichungen kommen oft durch unterschiedliche Definitionen von Medizintechnik zustande. 

    Getragen wird das Wachstum durch eine Breite Zunahme der Umsätze über verschiedene Bereiche der Medizintechnik hinweg. 

    Zukünftig höhere Nachfrage nach Gesundheitsleistungen 

    Experten gehen von steigender Nachfrage nach medizinischen Behandlungen und mehr Klinikaufenthalten aus. Die Gründe dafür liegen in der bisherigen Unterversorgung und dem damit einhergehenden Wachstumspotenzial vor allem in Mittel- und Kleinstädten. Zudem wächst die indische Bevölkerung weiterhin, gleichzeitig nimmt die Lebenserwartung zu und die Zahl an Personen über 65 Jahren steigt. Daher wird in den kommenden Jahren auch die Nachfrage nach Behandlungen von chronischen Krankheiten steigen.

    Unterstützt wird die Nachfrage zudem von einem wachsenden Versicherungsschirm. Schätzungen zufolge haben rund 40 Prozent der Bevölkerung mittlerweile eine Form der Krankenversicherung. Die indische Regierung treibt diese Entwicklung aktiv voran, etwa durch staatliche Versicherungsprogramme, aber auch eine 2025 eingeführte Befreiung der Beiträge zu privaten Krankenversicherungen von der Umsatzsteuer. 

    Hinzu kommt der Medizintourismus. Die Unternehmensberatung KPMG schätzt, dass etwa 2 Millionen Menschen jährlich dafür nach Indien kommen. Mehrheitlich kommen sie aus anderen asiatischen oder afrikanischen Ländern. KPMG geht davon aus, dass der Umsatz mit Medizintouristen von 18,2 Milliarden US$ 2025 auf 58,2 Milliarden US$ im Jahr 2035 klettern wird. 

    58,2 Mrd. US$

    soll der Umsatz mit Medizintourismus in Indien 2035 betragen.

    Kliniken erweitern ihre Kapazitäten

    Um mehr Nachfrage bewältigen zu können, benötigen Kliniken entsprechende Geräte. Die Nachfrage nach Medizintechnik wird überwiegend von Einrichtungen zur Tertiärversorgung ausgelöst. Private Klinikketten stehen für rund 60 Prozent der mehr als 70.000 Krankenhäuser in Indien und sie beschaffen ihre Geräte über zentrale Einkaufsabteilungen. Großen staatliche Krankenhäuser schreiben den Bedarf über eine elektronische Procurement-Plattform der Zentralregierung oder der Bundesstaaten aus, kleinere lokale Einrichtungen über die jeweiligen regionalen Träger. Die Nachfrage im Hochpreissegment geht größtenteils vom Privatsektor aus, während die öffentlichen Einrichtungen im niedrigen und mittleren Preissegment sowie bei gebrauchter Medizintechnik stärker vertreten sind.

    Analysten gehen davon aus, dass die privaten Kliniken ihre Kapazitäten in den kommenden Jahren deutlich ausbauen werden. Die Ratingagentur ICRA schätzt, dass die 18 größten privaten Betreiber zwischen 2026 und 2030 rund 34.000 neue Klinikbetten schaffen werden. Das entspricht nahezu einer Verdopplung der Anfang 2025 vorhandenen Bettenzahl. Marktbeobachter gehen in der Mehrzahl davon aus, dass die Erweiterungen und Neubauten von Krankenhäusern vermehrt abseits der großen Metropolen stattfinden werden und stattdessen in den in Indien als Tier-II und Tier-III bezeichneten Städten.

    Aktuelle Investitionsvorhaben im Gesundheitssektor in IndienInvestitionssummen in Millionen US-Dollar

    Projekt

    Investitionssumme

    Projektstand

    Anmerkung

    Schaffung von 4.300 neuen Krankenhausbetten durch Apollo881,7AngekündigtDas Geld soll in den Aufbau von Krankenhäusern fließen und über einen Zeitraum von vier Jahren investiert werden. Angedachte Städte für den Ausbau sind Pune, Kolkata, Hyderabad, Gurugram, Chennai, Varanasi, Mumbai und Lucknow.
    Schaffung von etwa 2.800 neuen Krankenhausbetten durch Max Healthcare

    551,1

    AngekündigtDas Geld soll in den Aufbau von Krankenhäusern im ganzen Land fließen und über einen Zeitraum von drei Jahren investiert werden. Vor allem Ost- und Westindien sind für das Unternehmen interessant für Investitionen. 
    Schaffung von 2.368 neue Krankenhausbetten durch Aster DM Healthcare

    253,4

    AngekündigtDas Geld soll in Greenfield Investitionen aber auch Käufe kleinerer Krankenhäuser fließen. Projekte sind beispielsweise der Neubau zweier Krankenhäuser in Bengaluru mit 430 und 500 Betten, der Bau eines Krankenhauses mit 454 Betten in Thiruvananthapuram und die Erweiterung der Aster Medcity in Kochi um 100 Betten.
    Bau von drei Krankenhäusern mit 1.300 bis 1.400 Betten durch Jupiter Life Line

    148,8

    Teilweise in UmsetzungDie Krankenhäuser sollen in der Metropolregion Mumbai, Thane und Pune entstehen.
    Schaffung von 1.000 bis 1.200 neue Krankenhausbetten durch Artemis Medicarek.A.AngekündigtDie Investitionen sollen über zwei bis drei Jahren laufen und hauptsächlich in der Hauptstadtregion um New-Delhi und anderen Städten in Nordindien eingesetzt werden. Geplant ist beispielsweise in Krankenhaus mit 300 Betten in Raipur
    Sofern umgerechnet, dann mit durchschnittlichem Wechselkurs laut Bundesbank für Februar 2026: 1 US$ = 90,7308 INRQuelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Ringen um Regulierung

    Mit der New Drugs, Cosmetics and Medical Devices Bill befindet sich die zentrale Gesetzgebung weiterhin in der Diskussionsphase. Bereits 2022 erarbeitet, wurde zuletzt Ende 2025 ein neuer Entwurf erstellt und Stakeholdern zur Diskussion überlassen. Branchenkenner weisen regelmäßig darauf hin, dass neue gesetzliche Regelungen notwendig sind, um die teils Jahrzehnte alte Gesetzgebung zu ersetzen. Die Vorlage eines neuen Entwurfes lässt jedoch darauf schließen, dass die Regierung das Vorhaben in der laufenden Legislaturperiode abschließen möchte. Branchenvertreter weisen jedoch wiederholt darauf hin, dass ein Vermischen der Themen Pharmaka, Kosmetik und Medizintechnik nicht zielführend ist und dringen auf eine eigenständige Gesetzgebung und Regulierung ausschließlich für Medizintechnik. 

    Lokale Produktion wird gestärkt

    Indien ist zunehmend daran interessiert, eigene Normen zu etablieren. Die sogenannten Quality Control Orders (QCOs) werden durch das Bureau of Indian Standards (BIS) erarbeitet. Auch ausländische Unternehmen müssen sie befolgen, wollen sie auf dem lokalen Markt tätig sein. Ende 2025 und Anfang 2026 hat Indien jedoch einige QCOs aufgehoben, darunter beispielsweise für Polypropylen und Lötdraht. Lokale Medizintechnikhersteller begrüßen den Schritt, weil damit der Zugang zu Inputgütern vereinfacht wird.  

    Von Florian Wenke | Mumbai

  • Indien entwickelt sich zu einem wichtigen Markt für Digital Health. Viele Internetnutzer aber auch staatliche Programme unterstützen den Einsatz von Technik, darunter auch KI.

    Neue Technologie wird in Indien zumeist als Chance begriffen. Die Bevölkerung ist jung und überwiegend technikaffin. Das Medianalter der Bevölkerung liegt 2026 bei gerade einmal 29,2 Jahren. Hinzu kommt eine rasant wachsende Zahl an Personen mit Zugriff auf die digitale Welt. Regierungsschätzungen gehen von 958 Millionen aktiven Internetnutzern im Jahr 2025 aus. All dies sind gute Voraussetzungen für Wachstumsbranchen wie künstliche Intelligenz (KI), aber auch eine steigende Nachfrage nach Angeboten im Bereich Digital Health. 

    Digital Health ist ein Wachstumsbereich

    In Analysen und Berichten wird für den Bereich Digital Health zumeist ein Wert zwischen 10 Milliarden US-Dollar (US$) und 20 Milliarden US$ als Marktgröße angegeben. Für das Datenportal Statista besteht der Bereich Digital Health aus den Komponenten Digitale Fitness und Well-Being, Digitale Behandlung und Pflege sowie Onlineberatung durch Ärzte (Telemedizin). Insgesamt sollen die Erträge 2026 hier bei rund 6,5 Milliarden US$ liegen. Bis 2030 wird ein Marktumsatz von insgesamt 9,6 Milliarden US$ vorausgesagt. Hinzu kommt der Bereich Health-IT mit den Teilbereichen der digitalen Patientenakte, E-Rezepten und personalisierter Medizin (beispielsweise in Form der Gen-Analyse). Im vorhergenannten Zeitraum wird auch hier Umsatzwachstum prognostiziert, von 3,0 Milliarden US$ auf 3,5 Milliarden US$. 

    Zu den wichtigsten Gründen für die Entwicklung zählen ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein und der Wandel von der Behandlung von Krankheiten hin zu mehr Augenmerk auf Vorsorge.    

    Umsätze im Bereich Digital Health in Indien In Milliarden US-Dollar
    Teilbereich von Digital Health

    2026

    2027

    2028

    2029

    2030

    Onlineberatung durch Ärzte

    0,37

    0,38

    0,39

    0,40

    0,40

    Digitale Behandlung & Pflege

    1,32

    1,44

    1,54

    1,65

    1,74

      davon Digitales Pflegemanagement

    0,72

    0,78

    0,84

    0,90

    0,96

      davon Biosensoren

    0,33

    0,37

    0,41

    0,44

    0,48

      davon digitale Therapeutika

    0,27

    0,29

    0,30

    0,31

    0,30

    Digitale Fitness & Well-Being

    4,77

    5,59

    6,06

    6,70

    7,43

      davon Coaching

    2,72

    3,15

    3,63

    4,15

    4,74

      davon Fitnesstracker

    2,04

    2,24

    2,41

    2,55

    2,69

    Informationstechnik im Gesundheitsbereich

    3,02

    3,13

    3,25

    3,36

    3,50

      davon elektronische Gesundheitsakte

    1,55

    1,60

    1,65

    1,68

    1,72

      davon personalisierte Medizin

    1,43

    1,49

    1,56

    1,64

    1,73

      davon e-Rezepte

    0,04

    0,04

    0,04

    0,04

    0,04

    Gesamt9,4810,5411,2412,1113,07
    Prognosen; Abweichungen durch Rundungen möglichQuelle: Statista 2025

    HealthTech Start-ups können auf Wachstum hoffen

    Indien verfügt über eine dynamische Start-up-Landschaft zu der auch Unternehmen im Bereich HealthTech gehören. Schätzungen zur Anzahl variieren, kreisen aber oft um den Wert von 10.000. Darunter befinden sich 5 Unternehmen mit einer Marktbewertung von mehr als 1 Milliarde US$ (Sechs, sofern die mittlerweile von Tata-Konzern übernommene Onlineapotheke 1mg mitgezählt wird). Zu diesen Unicorns zählt seit 2022 beispielsweise Molbio Diagnostics. Die Firma stellt mobile Diagnosegeräte her und strebt mittlerweile den Gang an die Börse an. Unter indischen Start-ups ist die Börsennotierung ein zunehmend beliebter Weg, um sich Kapital zu beschaffen.  

    Der Branchendienst INC42 geht davon aus, dass der HealthTech-Markt für Start-ups 2025 eine Größe von etwas über 7 Milliarden US$ hatte und bis 2030 auf über 37 Milliarden US$ anwachsen soll. Das entspricht einem Wachstum von 39 Prozent jährlich. Optimistisch stimmt die Analysten die Tatsache, dass Telemedizin in Indien mittlerweile massentauglich ist und digitale Apotheken größere Reichweite erzielen. Auch das Wachstum von Behandlungsplattformen für chronische Erkrankungen und zur Vorsorge in Städten abseits der Metropolen veranlasst die Experten zu dieser positiven Wachstumseinschätzung. Das Wachstum schlägt sich im Aufwärtstrend für Finanzierungsrunden wieder. So konnten Start-ups 2025 rund 4 Prozent mehr Mittel als im Vorjahr einwerben und erhielten 746 Millionen US$. Investoren schauen zunehmend auf die Ertragskraft der Unternehmen und bevorzugen derzeit eher ältere HealthTech-Start-ups mit belastbarem Geschäftsmodell.  

    HealthTech-Start-ups in Indien erhalten mehr GeldIn Millionen US-Dollar
    Bereich

    Erhaltene Finanzierung

    2025

    746

    2024

    716

    2023

    233

    Die Finanzierung verteilt sich auf 54 Deals 2023, 78 Deals 2024 und 57 Deals 2025.Quelle: Inc42 2026

    Einen Schub für die Unternehmen kommt durch bessere Finanzierungsbedingungen. Anfang 2026 ging mit MedArtha Capital eine mit etwas über 100 Millionen US$ ausgestatteter Investmentfonds speziell für die Bereich MedTech an den Start. Der Fond will sich spezielle auf mittelgroße Firmen konzentrieren und ihnen Kapital für Expansion liefern. 

    Die Regierung forciert den Einsatz von KI im Gesundheitsbereich

    Kern der Digitalisierungsbemühungen im Gesundheitssektor ist die Ayushman Bharat Digital Mission. Ein Instrument der Mission ist die 2021 gestartete Einführung von Ayushman Bharat Health Accounts (ABHA) sowie die Erstellung von ABHA IDs. Ziel des Vorhabens ist es, Akteure im Gesundheitsbereich besser zu vernetzen und Prozesse digital zu gestalten. Dies geschieht durch eine digitale Gesundheitsakte, ein digitales Ärzte- und Versorgungseinrichtungsregister sowie die App ABHA, auf der Gesundheitsdaten mobil verwaltet werden können. Nach offiziellen Angaben waren im März 2026 mehr als 866 Millionen digitale Accounts erstellt und 907 Millionen digital vernetzte Gesundheitsakten vorhanden. 

    Indien bietet gute Bedingungen für die Entwicklung und den Einsatz von KI-Anwendungen. Mit der Strategy for AI in Healthcare in India (SAHI) gibt es seit Februar 2026 eine Grundlage für den Einsatz von KI im Gesundheitswesen. Die Strategie definiert Leitlinien für den sicheren, ethischen und evidenzbasierten Einsatz von KI - von administrativen Anwendungen bis hin zu Hochrisiko‑Use‑Cases wie Diagnostik, Triage und Therapieunterstützung. Im Mittelpunkt stehen Transparenz, Datenschutz, Bias‑Kontrolle, klare Verantwortlichkeiten sowie die Anschlussfähigkeit an bestehende Regulierungen, insbesondere für KI‑basierte Medizinprodukte.

    Die operative Umsetzung von SAHI erfolgt über die Benchmarking Open Data Platform for Health AI (BODH). BODH ist eine nationale, datenschutzwahrende Test‑ und Validierungsplattform, auf der KI‑Modelle vor ihrem Einsatz auf ihre Leistungsfähigkeit und Fehlerfreiheit geprüft werden. Über BODH werden KI-Modelle an realen und anonymisierten Gesundheitsdatensätzen getestet, ohne dass sensible Gesundheitsdaten zentralisiert oder offengelegt werden. Nach erfolgreichen Tests können die Modelle und Anwendungen dann Einzug in die öffentliche Gesundheitsverwaltung und -versorgung erhalten. 

    Ein weiterer digitaler Baustein der Gesundheitsversorgung ist eSanjeevani. Dabei handelt es sich um eine nationale Plattform für Telemedizin. Gerade im Hinblick auf die gesundheitliche Unterversorgung im ländlichen Raum bietet die Plattform die Möglichkeit, dass Patienten mit Ärztinnen sprechen können. Auch hier hat KI Einzug gehalten und unterstützt mittlerweile bei der Überwindung von Sprachbarrieren oder mit Diagnoseempfehlungen. 

    Von Florian Wenke | Mumbai

  • Indien hat Produktionskapazitäten aufgebaut und die Importabhängigkeit verringert. Eine Regulierungslücke verhindert derzeit die Einfuhr gebrauchter Medizintechnik.

    Indiens Medizintechnikbranche umfasst schätzungsweise zwischen 800 und 1.200 Firmen, wobei die Mehrzahl der Beobachter einen Wert um 1.000 nennt. Die meisten davon, circa 60 bis 80 Prozent, sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Zahlreiche Firmen sind in Clustern ansässig. Diese befinden sich beispielsweise in den Bundesstaaten Haryana (medizinische Verbrauchsgüter), Andhra Pradesh, Telangana, Tamil Nadu (jeweils Medizinelektronik), Karnataka (Medizinelektronik, Stents, Implantate) und Uttar Pradesh. Hinzu kommen Medizintechnikstandorte nahe oder in den für Indien wichtigen Pharma-Clustern in Gujarat und Maharashtra. Regierungsangaben gehen von 21 Clustern aus. Die durchschnittliche Clustergröße liegt bei 35 Unternehmen und rund 90 Prozent der Unternehmen in den Clustern sind KMU.

    Der Großteil der indischen Firmen produziert Verbrauchsgüter für den lokalen Markt. Einige indische und internationale Unternehmen produzieren Medizintechnik im Low- und Mid-Tech-Segment wie EKG-, EEG- und Ultraschallgeräte. Technisch anspruchsvollere Komponenten und Komplettgeräte für den indischen Markt sowie für den Export werden zumeist von den Tochterfirmen internationaler Konzerne gefertigt. 

    Ausgewählte Branchenunternehmen in IndienUmsatz in Millionen US-Dollar

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 2024/2025

    Abbott India Medizintechnik

    706

    Philips IndiaMedizintechnik

    721

    IndegeneDatenanalyse im Bereich Medizintechnik und Biopharma

    313

    Poly MedicureMedizinisches Verbrauchsmaterial

    184

    Sahajanand Medical TechnologiesMedizinisches Verbrauchsmaterial

    182

    QMS MedicalMedizintechnik

    16

    NurecaMedizintechnik

    12

    Finanzjahr vom 1. April bis 31. März; Falls umgerechnet dann mit dem durchschnittlichen Wechselkurs für Februar 2026 laut Bundesbank: 1 US$ = 90,7308 INR.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Indien ist etwas weniger auf Importe angewiesen

    Insbesondere elektrische Geräte werden im großen Umfang importiert. Selbst wenn die Geräte in Indien produziert werden, bestehen mitunter Importabhängigkeiten bei einzelnen Teilen. Die Importabhängigkeit steigt tendenziell, je technisch anspruchsvoller das Produkt ist. Das Marktforschungsunternehmen aranca geht davon aus, dass bei medizinischem Verbrauchsmaterial 37 Prozent der Nachfrage durch Importe gedeckt werden. In anderen Bereichen liegt dieser Wert deutlich höher. Er beträgt zwischen 50 Prozent (für medizintechnische Hilfsmittel wie Gehilfen), über 60 Prozent (für Maschinen für bildgebende Verfahren) bis hin zu 68 Prozent (für Dentalprodukte). Experten zufolge ist die allgemeine durchschnittliche Importabhängigkeit über alle Kategorien in den vergangenen fünf Jahren jedoch von 80 auf 60 Prozent gesunken.

    Indiens Importe ausgewählter Medizinprodukte und Anteil aus DeutschlandIn Millionen US-Dollar, Anteil in Prozent
    SITCProduktWert der Importe (2024)

    Anteil Import aus Deutschland

    741.83 Sterilisierapparate

    34,5

    2,0

    774.1Elektrodiagnoseapparate und -geräte

    673,0

    6,9

    774.2Röntgenapparate etc.

    1015,9

    14,8

    872.1Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g.

    101,2

    14,5

    872.21Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc.

    589,9

    1,8

    872.25Ophthalmologische Instrumente

    210,1

    16,7

    872.29Andere Instrumente, Apparate und Geräte

    1101,3

    16,6

    872.3Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc.

    290,4

    9,0

    872.4Medizinmöbel etc.

    66,0

    10,6

    899.6Orthopädietechnik, Prothesen etc.

    967,8

    5,7

    Quelle: UN Comtrade 2026

    Subventionen für lokale Produktion laufen aus

    Ein Grund für den Rückgang von Importen ist ein 2020 aufgelegtes Subventionsprogramm, bei dem die Zahlungen an die Unternehmen an Investitionssummen und vor Ort hergestellte Mengen geknüpft sind. Mehr als 400 Millionen US$ standen dafür bereit. Das noch bis 2027 laufende Programm unterstützt 28 Unternehmen bei der lokalen Herstellung von Medizintechnik, darunter beispielsweise CT-Scannern und MRTs. Überwiegend sind es Großunternehmen, die die Förderung erhalten haben. 

    Bis März 2026 wurden 25 Greenfield-Investitionen geleistet und die Produktion von 57 Produkten gestartet. Das Förderprogramm läuft noch bis 2027. Klar auf Investitionen von Großunternehmen abzielend, hat das Programm dazu geführt, dass auch größere und komplexe Medizintechnische Produkte vor Ort hergestellt werden. Damit konnte sich Indien zwar nicht von seiner Importabhängigkeit befreien, diese aber ein Stück weit reduzieren. Zudem sorgte das Programm für einen Technologietransfer nach Indien.  

    Laut Branchenmeldungen nehmen drei Industrieparks für Medizintechnik ebenfalls Gestalt an. Die Zentralregierung hatte den Aufbau von Infrastruktur in den Parks in Uttar Pradesh (Greater Noida), Madhya Pradesh (Ujjain) und Tamil Nadu (Kanchipuram) finanziell unterstützt. Regierungsangaben zufolge hatten 199 Unternehmen Ende 2025 Land in den Industrieparks erhalten und 34 Unternehmen bereits mit dem Bau ihrer Fabriken begonnen. Experten gehen davon aus, dass die Parks im Verlauf des Jahres 2027 fertiggestellt werden. Derzeit ist die Anlage in Uttar Pradesh am weitesten fortgeschritten.  

    Nachfrage nach gebrauchter Medizintechnik existiert, kann aber nicht bedient werden

    Branchenvertreter bestätigen im Gespräch den Bedarf für gebrauchte Medizintechnik im Land. Vor allem für kleinere Gesundheitseinrichtungen und Versorgungszentren abseits von großen Städten sind Gebrauchtgeräte relevant. Dennoch existiert seit Anfang 2025 ein Importverbot. Grund dafür ist mangelnde Regulierung durch die bisher existierende Gesetzgebung. Anfang 2026 meldete die indische Regierung, dass sich derzeit eine Kommission mit dem Problem befasst und Lösungsvorschläge erarbeiten soll. Ein Zeitrahmen dafür ist bisher nicht bekannt.   

    Das Gesundheitssystem ist zweigeteilt

    Indiens Gesundheitsversorgung ist ein Zweiklassensystem. Zwar gibt es zahlreiche öffentliche Gesundheitseinrichtungen, allerdings sind diese zumeist personell und technisch schlecht ausgestattet. Oft bieten sie nur eine Basisversorgung. Private Einrichtungen erreichen bisweilen internationale Standards, was Ausstattung und Versorgungsniveau angeht. Die Behandlungen sind dort allerdings vergleichsweise teuer und die vorhandenen Kapazitäten sehr gering in Relation zur Bevölkerungsgröße. Im ländlichen Raum und kleineren Städten herrscht größtenteils eine medizinische Unterversorgung, auch wenn Klinikketten zunehmend abseits der Metropolen Kapazitäten aufbauen. In den Großstädten gibt es niedergelassene Ärzte und Spezialisten, überwiegend sind aber auch hier die Kliniken die erste Anlaufstelle für Patienten. Der Versicherungsschutz hat, auch durch Regierungsprogramme, in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Dennoch tragen Patienten nach wie vor einen teil der Behandlungskosten selbst. Schätzungsweise knapp unter 40 Prozent der Ausgaben sind Out-of-Pocket. 

    Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Indien

    Indikator

    Wert

    Einwohnerzahl (Juli 2026 in Mio.)1

    1.476,6

    Bevölkerungswachstum (2026 in % p.a.)1

    0,9

    Altersstruktur der Bevölkerung (2026)

     

      Anteil der unter 14-Jährigen (in %)1

    23,8

      Anteil der über 65-Jährigen (in %)1

    7,6

    Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2026 in Jahren)1

    72,7

    Durchschnittseinkommen (2025/2026 in US$)1,2 

    2.818

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (2021/22 in US$; in Klammern Angaben der WHO zu Gesamtausgaben pro Kopf für 2023)1,2,4

    87 (85)

    Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2021/22 in %)1,2,3

    1,8

    Ärzte/100.000 Einwohner (2024)1

    96

    Zahnärzte/100.000 Einwohner (2025)

    26

    Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2023), davon

     

      privat

    k.A.

      öffentlich (2023)

    57

    1) Schätzungen bzw. Prognose; 2) Finanzjahr vom 1. April bis 31. März; 3) nur öffentliche Ausgaben; 4) Wechselkurse der Bundesbank für März 2022.: 1 US$ = 76,24 i.R.Quelle: Vereinte Nationen 2024; Internationaler Währungsfonds 2025; World Health Organisation 2026; National Health Accounts 2024; Ministry of Health and Family Welfare 2024,2025; Dental Council of India 2025; Economic Survey 2023/2024 2024

    Von Florian Wenke | Mumbai

  • Deutschen Firmen steht der Markt offen. Einfuhr und lokale Produktion benötigen jedoch Lizenzen. Zölle und besondere Regeln bei Ausschreibungen müssen beachtet werden.

    Der indische Gesundheitssektor steht deutschen Unternehmen grundsätzlich offen. Für ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investments, FDI) gibt es keine Beteiligungsgrenzen. FDI in Einrichtungen zur Gesundheitsversorgung (Krankenhäuser, Labore etc.) sowie im Bereich Medizintechnik werden zudem über das verkürzte Genehmigungsverfahren der Automatic Route abgewickelt, bei dem keine Zustimmung durch die indische Zentralbank notwendig ist. Laut Regierungsangaben flossen im Jahr 2024 FDI in Höhe von 639,3 Millionen US$ in den Bereich Medizintechnik (27 Prozent mehr als im Vorjahr) sowie weitere 1,9 Milliarden US$ in den Bereich Krankenhäuser und Diagnosezentren (41 Prozent mehr als im Vorjahr). Von Januar bis September 2025 betrugen die Werte 264,0 Millionen US$ beziehungsweise 732,3 Millionen US$. 

    Für lokale Produktion und Import sind Lizenzen notwendig

    Gesetzliches Regelwerk zur Regulierung von Sicherheit, Qualität und Eigenschaften von Medizintechnik sind der Drugs and Cosmetics Act, 1940 und die dazugehörigen Drugs and Cosmetics Rules, 1945 sowie deren Ergänzungen. Der derzeitige Gesetzentwurf des New Drugs, Cosmetics and Medical Devices Bill 2023 befindet sich noch immer in der Diskussionsphase. Es existiert nur ein vorheriger Entwurf. Das neue Gesetz soll künftig den veralteten Drugs and Cosmetic Act ersetzen. Derzeit ist unklar, wann eine überarbeitete Version des Gesetzentwurfes veröffentlicht und verabschiedet wird. 

    Weiterhin gelten die Medical Devices Rules 2017 (MDR) und die Ergänzungen der MDR für Medizinprodukte. Diese werden nach den in den MDR aufgeführten Parametern in vier Risikoklassen A bis D eingeteilt, wobei Produkte mit dem höchsten Risiko der Kategorie D zugeordnet sind. Die Klassifizierung und das Ursprungsland der Medizinprodukte entscheiden über den Umfang der Nachweispflichten und die behördlichen Auflagen für den Importeur und Hersteller. 

    Generell müssen Medizintechnikprodukte für die lokale Produktion als auch für den Import registriert werden. Für die Lizenzerteilung ist die Regulierungsbehörde Central Drugs Standard Control Organization (CDSCO) zuständig. Dort kann auch eingesehen werden, für welche Produkte Lizenzen notwendig und wie Geräte und sogar Software eingestuft sind (zum Beispiel für die Bereiche OnkologieZahnheilkunde etc.). Bei der Genehmigung zur Herstellung von Medizinprodukten in Indien ist zudem eine Prüfung durch die State Licensing Authority (Risikoklassen A und B) sowie der Central Licensing Authority (Risikoklassen C und D) obligatorisch. 

    Verkürzte Wege sind möglich

    Bei der Einfuhr von regulierten Medizinprodukten, unter anderem aus der Europäischen Union, den USA oder Japan, kann für dort bereits zugelassene Produkte ein verkürztes Konformitätsbewertungsverfahren beantragt werden. Sobald die erforderliche Zulassung vorliegt, können diese Produkte dann rechtmäßig in Indien vertrieben werden. Die Beantragung erfolgt auf elektronischem Weg über die CDSCO. Im Zuge einer National Single Window Policy will die Regierung zukünftig alle Genehmigungen und Lizenzen zentral auf einem Portal anbieten. Dort sind bereits Anträge für die lokale Produktion und den Import möglich.

    Beim Import von Medizintechnik nach Indien fallen Zölle an

    Für Medizintechnik (HS-Codes 90.18 – 90.22) gilt grundsätzlich ein angewandter Einfuhrzollsatz von 7,5 Prozent. Für einzelne Produkte gilt ein Zollsatz von 5 oder 10 Prozent. Neben dem Zoll wird beim Import eine Gesundheitsabgabe (Health Cess) in Höhe von 5 Prozent vom Zollwert sowie eine Sozialabgabe (Social Welfare Surcharge) in Höhe von 10 Prozent vom Zollbetrag erhoben. Der Steuersatz der indischen Umsatzsteuer, die bei Importen als Integrated Goods and Services Tax anfällt, liegt für Medizintechnik bei 5 Prozent.

    Local-Content-Anforderungen bei öffentlichen Ausschreibungen

    Bei öffentlichen Ausschreibungen werden Lieferanten von Medizintechnik mit einem hohen Anteil an lokaler Wertschöpfung in ihren Produkten (Local-Content) belohnt. War zuvor der Preis das alleinige Vergabekriterium, so werden nun auch Local-Content-Anteile berücksichtigt. Dazu werden die Unternehmen in verschiedene Klassen eingeteilt, wobei Klasse I eine Local-Content-Quote von mehr als 50 Prozent bedeutet. In Klasse II sind es zwischen 20 und 50 Prozent. Ferner gibt es noch Nicht-lokale-Anbieter mit einem Anteil von 20 Prozent und weniger. Allerdings gibt es seit Anfang 2025 eine Liste mit 354 Geräten und Teilen, für die diese Regelungen nicht zur Anwendung gelangen. Die Ausnahme hat derzeit noch bis Ende März 2027 Bestand.  Auf der Liste stehen beispielsweise Geräte wie Herz-Lungen-Maschinen oder das chirurgische Gerät für endoskopische Eingriffe in den Nasennebenhöhlen. Die Liste ist ein Indikator dafür, dass es für den Aufbau der Medizintechnikproduktion vor Ort weiter Zeit braucht. Dies gilt umso mehr, wenn es sich für technisch hoch komplexe Geräte handelt. 

    Die Beschaffung der Zentralregierung erfolgt über das Central Public Procurement Portal. Daneben unterhalten die indischen Bundesstaaten und Unionsterritorien eigene Ausschreibungsplattformen. Eine Übersicht ist auf dem Mission Mode Project Portal abrufbar. Nationale Beschaffungsagenturen sind durch Vorgaben angehalten, lokale Produkte zu kaufen. 

    Tipps für den Markteinstieg

    • Produkte vor dem Import bei Regulierungsbehörden in Indien registrieren.
    • Local Content Anforderungen für öffentliche Ausschreibungen beachten.
    • Püfen, ob eine lokale Präsenz notwendig ist, um an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen.
    • Private Klinikketten haben meist zentrale Einkaufsabteilungen. Gegenüber diesen können andere Merkmale als der Produktpreis stärker hervorgehoben werden.
    • Messen sind eine gute Möglichkeit um Kontakte in Indien zu knüpfen. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung. Monatliche Updates zu den regulatorischen Rahmenbedingungen erhalten Sie auch im MedTech Update Indien der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft. 

    Von Florian Wenke | Mumbai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Indien

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

    Die Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft.

    Department of Pharmaceuticals Behörde für Medizinprodukte

    Ministry of Health and Family Welfare

    Gesundheitsministerium
    Central Drugs Standard Control Organization (CDSCO)Zulassungsbehörde für Medizintechnik
    Association of Indian Manufacturers of Medical Devices (AIMED)Fachverband
    Medical Technology Association of India (MTaI)Fachverband
    Advanced Medical Technology AssociationFachverband
    Association of Diagnostics Manufacturers of IndiaFachverband
    All India Pre-Owned Medical Equipment Supplier AssociationFachverband

    Medical Fair India

    Fachmesse; 17. bis 19. September 2026 in Mumbai, 13. bis 15. März 2027 in New-Delhi
    India Med ExpoFachmesse; 5. bis 7. September 2026 in Bengaluru, 18 bis 20. Dezember in Hyderabad
    MedicalFachmesse; 24. bis 26. Juli 2026 in Chennai, 2. bis 4. Oktober 2026 in New-Delhi, 8. bis 10. Dezember 2026 in Mumbai
    India HealthFachmesse; 21. bis 23. August 2026 in New-Delhi