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Indiens Pharmamarkt wächst

Nachfrage und lokale Produktion steigen. Dabei spielen Generika eine wichtige Rolle. Die Regulierung ist komplex.

Von Florian Wenke | Mumbai

Ausblick für die Pharmaindustrie in Indien

 

  • Bevölkerungswachstum und die Zunahme von Zivilisationskrankheiten sorgen für langanhaltende Wachstumsdynamik.
  • Konsumenten wollen Erkrankungen vorbeugen und beschleunigen dadurch das Wachstum im OTC-Segment.
  • Generikaproduzenten sorgen für kostengünstige Medikamentenversorgung.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Februar 2026

  • Generika haben einen besondere Rolle in einem insgesamt wachsenden Markt. Die Regierung setzt weitere Maßnahmen für mehr lokale Produktion in Gang.

    Der indische Pharmasektor stellte im Finanzjahr 2023/2024 (1. April bis 31. März) Waren im Wert von rund 60 Milliarden US-Dollar (US$) her, meldete die Ratingagentur CareEdge. Etwa hälftig teilt sich dieser Wert auf den Konsum im Inland und den Export auf. Die Experten erwarten in den kommenden Jahren jährliche Wachstumsraten der Branche von 9 Prozent, sodass 2029/2030 ein Produktionsvolumen von 92 Milliarden US$ erreicht werden soll. 

    Etwa 60 %

    des weltweiten Volumens an Impfstoffen wird in Indien produziert.

    Das Bevölkerungswachstum, steigende Einkommen und eine Zunahme von Zivilisationskrankheiten wie etwa Diabetes sind einige der Treiber für eine expandierende Inlandsnachfrage. Die Produktion dürfte auch infolge einer wachsenden Auslandsnachfrage zulegen. So sind Pharmaka im wichtigsten Absatzmarkt für indische Generika, den USA, von Zöllen ausgenommen.

    Die 2024 zuletzt veröffentlichten National Health Accounts geben die gesamten laufenden Gesundheitsausgaben (ohne Investitionen) für das Finanzjahr 2021/2022 mit umgerechnet 87 US$ pro Kopf an. Indiens Regierung trägt zwar 48 Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitsbereich, allerdings sind das lediglich 1,84 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die verbleibenden Anteile an den Gesundheitsausgaben verteilen sich auf Privatausgaben durch Haushalte (Out-of-Pocket-Ausgaben (OOP); 39 Prozent) sowie sonstige Ausgaben (darunter durch Versicherungen). Im Zeitverlauf zeigt sich ein anteiliger Rückgang der OOP-Ausgaben, während die staatlichen Gesundheitsausgaben an Bedeutung zunehmen. Diese Entwicklung dürfte auch in Zukunft anhalten.

    Generika beherrschen den Markt

    Der Großteil der verkauften Medikamente in Indien sind Generika. Schätzungen gehen von einem Marktanteil von 70 Prozent aus. Das Besondere daran ist, dass es sich überwiegend um Markengenerika handelt. Der Vertrieb unter einer Marke erlaubt es den Herstellern, Preisaufschläge durchzusetzen. Markenfreie Generika werden hauptsächlich in Einrichtungen der öffentlichen Gesundheitsversorgung genutzt und über zentrale staatliche Stellen eingekauft. Zwischen 2025 und 2027 verlieren eine Reihe wichtiger Medikamente ihren Patentschutz in Indien. Darunter 2027 beispielsweise das Diabetesmittel Trulicity mit dem Arzneistoff Dulaglutit. Bereits 2026 läuft der Patentschutz für Semaglutid ab. Experten gehen davon aus, dass die Wirkstoffe in Form von Generika zwischen 2027 und 2029 den Weg in den indischen Markt finden. Das soll dabei helfen, den Generikamarkt von rund 26 Milliarden US$ 2025 auf über 35 Milliarden US$ 2030 wachsen zu lassen.

    Regulierung bei Verschreibungspraxis bleibt Thema

    Höhere Kosten für Markengenerika belasten Konsumenten. Dem wollte die indische Regierung im Sommer 2023 einen Riegel vorschieben. Sie erließ eine Regelung, der zufolge Ärzte lediglich einen Wirkstoff und nicht einen speziellen Medikamentennamen verschreiben sollten. Allerdings führte dies zu Protesten, unter anderem bei der Ärzteschaft. Sie argumentierte, dass nicht alle Arzneimittelhersteller qualitativ einwandfreie Pharmaka herstellen und daher nur bestimmte Medikamente auch die gewollte Wirkung erzielen. Zudem monierte die Ärzteschaft die Verschiebung der Entscheidung über das tatsächlich ausgewählte Medikament hin zu den Apotheken und Arzneimittelausgabestellen. Aufgrund der anhaltenden Kritik wurde die Verordnung letztlich zurückgenommen. Es gibt jedoch anhaltende Versuche und juristische Klagen, dies zu ändern. Zuletzt äußerte sich der Supreme Court 2025 wohlwollend über eine solche Regelung und verwies dabei auf eine entsprechende Lösung im Bundesstaat Rajasthan als mögliches Beispiel für eine gesamtindische Lösung. 

    Biopharmaka erhalten staatliche Förderung

    Der Anfang Februar 2026 vorgestellte Staatshaushalt enthält die Ankündigung für ein Förderprogramm namens Biopharma SHAKTI. Über einen Zeitraum von fünf Jahren stellt die Regierung dafür rund 1,1 Milliarden US$. Mit dem Geld möchte Indien die Forschungslandschaft aber auch die Produktion von Biopharmaka und Biosimilars stärken. Ziel ist mehr lokale Forschung und eine stärkere lokale Fertigung höherwertiger Produkte. Das wird die Konkurrenz mit Importen erhöhen. Zudem möchte die Regierung mit dem Geld die bestehenden sieben National Institutes of Pharmaceutical Education & Research (NIPER) ausbauen und drei weitere davon bauen. Die Einrichtungen sind für die Ausbildung von Pharmazeuten und für die Pharmaforschung im Land bedeutend. Zusätzlich soll ein Teil der staatlichen Mittel Indien als Standort für klinische Studien stärken. Mehr als 1.000 Standorte für klinische Studien sollen aufgebaut werden.  

    Die detaillierten Projektrichtlinien dürften im Jahresverlauf 2026 veröffentlicht werden. Dort werden auch die konkret förderfähigen Produkte enthalten sein. Basierend auf Subventionsprogrammen der jüngeren Vergangenheit wie den Production Linked Incentives (PLI) ist es wahrscheinlich, dass Subventionen für die Produktion an bestimmte Mindestinvestitionssummen und/oder zu erreichende Produktionsmengen geknüpft werden.

    Wachstum bei APIs erwartet

    Der Markt für aktive pharmazeutische Wirkstoffe (Active Pharmaceutical Ingredients, APIs) in Indien hat derzeit eine Größe von 15 bis 16 Milliarden US$. Bis zum Finanzjahr 2027/2028 soll er jährlich um 5 bis 7 Prozent wachsen, so CareEdge. Getrieben wird das Wachstum durch mehr Inlandsnachfrage, Exporte und den Übergang von Basis‑APIs zu komplexeren APIs und hochaktiven APIs. Die bestehende Importabhängigkeit im Umfang von 30 bis 35 Prozent (davon rund 70 Prozent aus China) wird sich in den kommenden Jahren stückweise verringern. Die PLI für Pharmaka und Massenarznei haben in den vergangenen Jahren für mehr Produktionskapazität vor Ort gesorgt. Dabei geht CareEdge davon aus, dass Anfang 2026 erst knapp mehr als die Hälfte der durch PLI eingeworbenen Investitionsobjekte fertiggestellt sind. Die andere Hälfte wird bis spätestens zum Ende der Förderperiode 2031 mit der Produktion beginnen.   

    Von Florian Wenke | Mumbai

  • Viele Pharmaunternehmen sind KMUs und oft sind Firmen in Clustern angesiedelt. Verschreibungspflichtige Medikamente sind wichtig, aber das Geschäft mit OTC-Präparaten wächst.  

    Laut staatlicher Agentur Invest India gibt es rund 3.000 Pharmaunternehmen mit mehr als 10.500 Produktionsstätten. Das 2025 veröffentlichte Annual Survey of Industries beziffert die Anzahl der Fabriken in der Kategorie Pharma, medizinische Chemie und pflanzliche Produkte für 2024 auf 5.756. 

    Der indische Broker Angel One geht davon aus, dass es 2025 rund 12.000 Pharmafirmen im Land gab, darunter etwa 8.500 kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Neben der zahlenmäßig großen Gruppe der KMU nehmen die großen und börsennotierten Firmen eine wichtige Rolle ein. Sie verfügen oft über ausreichend finanzielle Mittel für moderne Produktions- und Forschungseinrichtungen. Zu diesen Firmen gehören beispielsweise Sun Pharmaceuticals Industries und Dr. Reddys Laboratories. Sie erwirtschaften Milliardenumsätze. Neben den börsennotierten Unternehmen gibt es allerdings auch andere Branchenriesen, wie zum Beispiel das in Pune ansässige Serum Institute of India. Es gilt als mengenmäßig größter Impfstoffhersteller der Welt.

    Wichtige Pharmaunternehmen in IndienUmsatz in Milliarden US-Dollar

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz (2024/2025)*)

    Sun Pharmaceuticals IndustriesGenerika, Spezialmedikamente

    5,79

    Dr Reddys LaboratoriesGenerika, APIs, Biosimilars

    3,59

    Aurobindo PharmaGenerika, APIs

    3,50

    CiplaGenerika, Biosimilars

    3,04

    Zydus LifesciencesGenerika, APIs, Impfstoffe, Spezialmedikamente

    2,56

    LupinGenerika, APIs, Wirkstoffe

    2,50

    Glenmark PharmaceuticalsGenerika, Spezialmedikamente

    1,47

    Alkem LaboratoriesGenerika, APIs, Biosimilars

    1,43

    Mankind PharmaOTC-Produkte, Spezialmedikamente

    1,35

    Torrent PharmaceuticalsGenerika, OTC-Produkte

    1,27

    * Durchschnittlicher Wechselkurs laut Bundesbank für Februar 2026: 1 US$ = 90,7308 indische Rupien; Finanzjahr vom 1. April bis 31. März; Aufgelistet sind börsennotierte Unternehmen, deren Finanzangaben öffentlich sind.Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest 2026, basierend auf Unternehmensangaben.

    Cluster insbesondere im Süden und Westen

    Branchenkenner weisen darauf hin, dass der Begriff Cluster sehr lose verwendet wird. Meist reicht eine lokale Häufung von Life-Science-Unternehmen, um einem Gebiet diesen Stempel aufzudrücken. Forschungsstarke Cluster, die aktiv geplant und betrieben werden, sind die Ausnahme. Dazu zählt beispielsweise das auf Pharma und Biotechnologie ausgerichtete Genom Valley nahe Hyderabad. Allgemein sind Cluster eher im Westen und Süden Indiens zu finden, allerdings gibt es auch in Nordindien einige davon. Angaben zur Anzahl variieren. Als Richtungswert kann eine Studie der Regierung aus dem Jahr 2023 dienen. Sie geht von 118 Clustern aus, darunter 40 in Maharashtra, 13 in Gujarat und 8 in Andhra Pradesh. Gujarat und Andhra Pradesh sind auch Standorte für zwei der drei im Aufbau befindlichen Industrieparks zur Herstellung von Massenarznei (Bulk Drugs) im Rahmen der bis 2029 laufenden staatlichen Förderung durch Production Linked Incentives. Derzeit wird die physische Infrastruktur der Parks gebaut, etwa Stromleitungen und Straßen. Die Bundesstaaten stehen im Wettbewerb um Investitionen und gestalten daher oft eigene Politikmaßnahmen, um Unternehmen anzulocken. So veröffentlichte etwa Telangana Anfang 2026 eine neue Life Science Policy, mit dem Ziel, bis 2030 rund 25 Milliarden US-Dollar (US$) einzuwerben. 

    Verschreibungspflichtige Medikamente dominieren

    Zu den wichtigsten Arzneimittelgruppen, die verkauft werden, zählen Antiinfektiva, Herzmittel sowie Mittel für Beschwerden im Bereich Magen/Darm und Verdauung.  

    Umsätze und Marktanteile wichtiger Arzneigruppen in Indien 2023/2024 In Milliarden US-Dollar, Anteile in Prozent
    Arzneigruppe

    Umsatz

    Marktanteil

    Marktanteil Großunternehmen

    Herzmittel

    3,29

    13

    85

    Antiinfektiva 

    2,98

    12

    88

    Magen-Darm / Verdauung (gastrointestinal)

    2,96

    12

    80

    Antidiabetika

    2,30

    9

    85

    Nahrungsergänzungsmittel, besonders Vitamine und Mineralien

    2,26

    9

    61

    Atemwege

    1,97

    8

    85

    Schmerzmittel

    1,75

    7

    68

    Neurologische Erkrankungen

    1,66

    7

    82

    Hauterkrankungen

    1,56

    6

    63

    Sonstige

    4,35

    17

    k.A.

    Gesamt

    25,08

    100

    76

    Finanzjahr vom 1. April bis 31. März; durchschnittlicher Wechselkurs laut Bundesbank für März 2024: 1 US-Dollar = 82,9976 indische Rupien; Großunternehmen definiert als Unternehmen mit mehr als 120,5 Millionen US$ Jahresumsatz in Indien.Quelle: Department of Pharmaceuticals 2025

    Analysten gehen davon aus, dass verschreibungspflichtige Medikamente (Rx) klar gegenüber Over the Counter Produkten (OTC) dominieren. Bei den Rx-Medikamenten handelt es sich überwiegend um Generika. In Indien ist es jedoch oft einfach, auch ohne Rezept an verschreibungspflichtige Medikamente zu gelangen. Diese sind damit oft genauso zugänglich wie OTC-Produkte. 

    Importe spielen eine untergeordnete Rolle. So wurden 2024 Arzneiwaren im Umfang von 5,6 Milliarden US$ eingeführt. Der Anteil der Importe aus Deutschland betrug 8,4 Prozent und lag absolut bei 466,7 Millionen US$ (SITC 54).

    Prognose für starkes Wachstum bei OTC-Produkten

    Das Beratungsunternehmen EY prognostiziert eine starke Zunahme im Geschäft mit OTC-Präparaten. Hatte der Markt 2024 ein Volumen von rund 5,2 Milliarden US$, so soll er bis 2030 auf rund 10,8 Milliarden US$ wachsen. Das entspricht einer jährlichen Zunahme um 13 Prozent. Die Experten schätzen die Pro‑Kopf‑OTC‑Ausgaben in Indien auf bei 3 bis 4 US$ pro Person, verglichen mit 70 bis 130 US$ in entwickelten Volkswirtschaften. Sie sehen damit reichlich Wachstumspotenzial. Das begründen sie mit wachsendem Gesundheitsbewusstsein von Konsumenten und einem größeren Fokus auf präventive Behandlungen. Zudem ist der Zugang zu OTC-Produkten etwa durch den Onlinehandel deutlich einfacher geworden und die Produkte kommen in innovativen Formaten wie beispielsweise Sprays und Gummies. Zusätzlich erhält die OTC-Produktkategorie mehr Aufmerksamkeit durch Unternehmen. Laut EY haben 8 der 10 größten Pharmaunternehmen Indiens eigenständige OTC‑Einheiten aufgebaut oder aus dem Kerngeschäft ausgelagert.

    Bei den derzeit verkauften OTC-Mitteln dominieren Vitaminpräparate und Erkältungsmittel.

      

    Investitionen und Mittelzuflüsse versprechen Wachstum

    Unternehmen investieren in stärkere Präsenz im indischen Markt. Das Geld fließt in eine stärkere lokale Wertschöpfung, um Importabhängigkeiten, etwa von China, zu verringern. Aber auch multinationale Konzerne nehmen Geld in die Hand, um von den Bedingungen am Produktionsstandort Indien zu profitieren.   

    Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in IndienIn Millionen US-Dollar
    ProjektInvestitionssummeProjektstandAnmerkungen
    Stärkung der Auftragsfertigung durch Eli Lilly 

    1.000

    in UmsetzungDas Unternehmen möchte das Geld unter anderem in den Aufbau einer Fertigung- und Qualitätskontrolle in Hyderabad verwenden. Die Anlage soll die Auftragsfertigung in Indien kontrollieren. 
    Bau einer Formulierungsanlage durch Sun Pharma Laboratories

    330,6

    AngekündigtDie Fabrik soll im Bundestaat Madhya Pradesh entstehen. 
    Bau einer Fabrik für pharmazeutische Chemikalien, Kontrastchemikalien und hochintensive Süßstoffe durch Blue Jet Healthcare

    253,5

    AngekündigtDie Anlage soll Rambilli Industrial Park im Anakapalli District im Bundesstaat Andhra Pradesh entstehen. Das Unternehmen arbeitet hauptsächlich als Auftragsfertiger. 
    Bau einer Fabrik für ein Zwischenprodukt zur Herstellung von halbsynthetischen Cephalosporin-Antibiotika durch Orchid Pharma

    66,1

    Grundsteinlegung März 2026Die Fabrik entsteht im Distrikt Kathua im Unionsterritorium Jammu und Kaschmir. Es soll 7-Aminocephalosporansäure (7-ACA) hergestellt werden.
    Sofern umgerechnet, dann nach durchschnittlichem monatlichen Wechselkurs für Februar 2026 laut Bundesbank: 1 US$ = 90,7308 indische Rupien.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Ausländische Direktinvestitionen weiter hoch

    Für das laufende Finanzjahr melden Regierungsstellen ausländische Direktinvestitionen (FDI) in Höhe von 1,4 Milliarden US$ im Zeitraum von April bis Dezember 2025. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den beiden Vorjahren und deutet auf wachsendes Interesse ausländischer Investoren am indischen Pharmamarkt hin. 

    Die Forschungsausgaben sind gering

    Im internationalen Vergleich geben die Pharmafirmen wenig Geld für Forschung und Entwicklung (F&E) aus. Meist werden Werte für die Branche zwischen 5 und 10 Prozent genannt. Der Branchenriese Sun Pharmaceuticals Industries gab im Finanzjahr 2024/2025 beispielsweise 6,2 Prozent seines Umsatzes für F&E aus, was Ausgaben von circa 391 Millionen US$ entsprach. Derzeit konzentriert sich F&E der Firma vor allem auf Spezialmedikamente zur Behandlung chronischer und seltener Erkrankungen.   

    Steuerliche Vergünstigungen für die Forschung sind durch den Income Tax Act von 1961 geregelt. Für die Bereiche Pharma und Biotechnologie ist insbesondere Section 35AB davon relevant. Demzufolge verringert sich die Einkommenssteuer um 100 Prozent der Forschungsausgaben. 

    Von Florian Wenke | Mumbai

  • Zahlreiche Gesetze und Behörden regeln den Pharmabereich. Neue Gesetze sind in Planung. Unternehmen sollten Preisobergrenzen für manche Produkte und Zölle beachten.  

    Versicherungsschutz ist in Indien keine Selbstverständlichkeit, insbesondere für Personen mit geringem Einkommen. Dabei können Kosten für medizinische Behandlungen und Medikamente schnell ein riesiges Loch in die Haushaltskasse reißen. 

    Betriebliche Versicherungen gewinnen an Bedeutung 

    Die Mittel- und Oberschicht ist hauptsächlich bei betrieblichen beziehungsweise privaten Krankenkassen versichert. Über den Arbeitgeber angebotene Gruppenversicherungen werden wichtiger. Für viele Versicherte sind diese finanziell attraktiver als individuelle Versicherungen. Bei letzteren sind die Prämien seit 2021 deutlich gestiegen, was zu einem geringeren Wachstum der Versichertenzahlen geführt hat. 

    Üblicherweise zahlen die Versicherungen Medikamente nur im Falle einer stationären, nicht bei einer ambulanten Behandlung. Im Bedarfsfall zahlen viele Personen direkt aus eigener Tasche für Medikamente. Dementsprechend hoch sind die OOP-Ausgaben. In einer Studie von 2025 geht die OECD von OOP-Ausgaben von 201 US-Dollar (US$; Kaufkraftparitäten) für 2024 aus. Experten zufolge entfallen rund 43 Prozent der OOP-Ausgaben auf Medikamente, was 86 US$ entspräche. 

    Mit dem Programm Ayushman Bharat soll der Zugang zur Gesundheitsversorgung für ärmere Haushalte ausgeweitet werden. Das seit 2018 laufende Teilprogramm Pradhan Mantri Jan Arogya Yojana hat das Ziel, den Versicherungsschutz in dieser Personengruppe zu erhöhen und rund 500 Millionen Personen abzudecken. Der Versicherungsschutz umfasst in Teilen auch die Ausgaben für Arzneimittel. 

    Es gibt zahlreiche Behörden und gesetzliche Regelungen

    Die wichtigste Regulierungs- und Überwachungsbehörde ist die Central Drugs Standard Control Organization (CDSCO) unter der Leitung des Drugs Controller General of India (DCGI). Die CDSCO ist dem Minsitry of Health and Family Welfare unterstellt. Der Hauptsitz befindet sich in New Delhi. Zusätzlich verfügt die Behörde über Regionalbüros, Labore und Vertretungen an wichtigen See- und Flughäfen des Landes. Zu den Aufgaben der Behörde gehört beispielsweise die Verantwortung für den Zulassungsprozess neuer Arzneimittel in Indien. Bisweilen kann auch das dem Ministry of Science and Technology unterstellte Department of Biotechnology am Zulassungsverfahren für neue Arzneimittel beteiligt sein. Die Regulierung rund um die Themen Forschung, Arzneimittelpreise und geistiges Eigentum sind beim Department of Pharmaceuticals angesiedelt, das zum Ministry of Chemicals and Fertilizers gehört. 

    In Indien ist die Herstellung, Qualität und Vermarktung von Arzneimitteln durch den Drugs and Cosmetics Act, 1940 und den dazugehörigen Regelungen von 1945 geordnet. Mit dem Medical Device and Cosmetics Bill, 2023 befindet sich ein neues Regelwerk in der Entwurfsphase. Jedoch ist unklar, ob es 2026 verabschiedet wird. Der Pharmacy Act, 1948; der Drugs and Magic Remedies Act, 1954; die Drug Price Control Order (DPCO), 1995 und die New Drugs & Clinical Trial Rules, 2019 sind weitere wichtige gesetzliche Regelungen. Sie befassen sich mit dem Apothekenwesen, Fragen zur Bewerbung von Pharmaprodukten, der Bepreisung von Arzneimitteln und Fragen rund um Pharmastudien. Hinzu kommt der Narcotic Drugs and Psychotropic Substances Act, 1985. Der Text umfasst die Regulierung der Verwendung von Suchtstoffen und psychotropen Substanzen.

    Tipps für den Markteinstieg

    • Branchencluster beachten. Besonders im Süden und Westen des Landes sind viele Pharmaunternehmen angesiedelt.
    • Generika sind nicht gleich Generika. Die starke Marktstellung von Markengenerika muss berücksichtigt werden.
    • Versicherungsschutz ist keine Selbstverständlichkeit. Die Gesundheitsausgaben sind überwiegend Out of Pocket.
    • Die Regulierung ist komplex. Es muss genau geprüft werden, welche Gesetze und Regelungen noch Bestand haben, oder ob bereits neue Vorschriften in Kraft getreten sind.
    • Der Preiswettbewerb ist intensiv.

    Für manche Produkte existieren Preisobergrenzen

    Mit der Festsetzung von Preisen für Arzneimittel und damit der Umsetzung der Drug Price Control Order (DPCO) ist die National Pharmaceutical Pricing Authority (NPPA) betraut. Sie soll zudem den Markt hinsichtlich möglicher Monopolstellungen überwachen und sicherstellen, dass besonders weitverbreitete und stark nachgefragte Pharmazeutika für die indische Bevölkerung erschwinglich sind. Die NPPA greift beispielsweise in Fällen ein, bei denen die Preissteigerung für ein Produkt mehr als 10 Prozent jährlich beträgt. Außerdem legt die NPPA die Preise fest für Medikamente, die im Rahmen der National List of Essential Medicines (NLEM) als essenziell eingestuft sind. Die aktuelle NLEM ist seit 2022 gültig. Nach eigenen Angaben der Behörde sind derzeit rund 384 Medikamente und circa 1.000 Rezepturen mit Preisobergrenzen reguliert. 

    Für die nicht regulierten Arzneimittel geben die Pharmafirmen maximale Verkaufspreise (Maximum Retail Price; MRP) bekannt. Diese sind auf der Verpackung angebracht. 

    Der Patentschutz könnte stärker werden

    Laut indischem Recht können chemische Substanzen im Pharmabereich nicht unter Patentschutz stehen. Lediglich der Herstellungsprozess kann patentiert werden. Dies führt bisweilen dazu, dass lokale Firmen im Rahmen von Reverse-Engineering Arzneimittel zerlegen, um sie anschließend in anderer Form selbst herzustellen. Im Februar 2026 einigten sich Indien und die Europäische Union auf den Abschluss von Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen. Das Abkommen wird den Schutz geistigen Eigentums stärken, wobei der Wortlaut des Abkommens und damit die genauen Regeln erst im Jahresverlauf 2026 veröffentlicht werden. 

    Es sind Zölle zu beachten

    Für den gewerblichen Import von Arzneimitteln ist eine Registrierung und anschließend eine Importlizenz bei der CDSCO zu beantragen. Das Importregistrierungszertifikat (Import Registration Certificate) der CDSCO gilt für einen Zeitraum von drei Jahren und wird nach Ablauf der Frist auf Antrag erneuert.

    Der Einfuhrzollsatz für Arzneimittel aus dem HS-Kapitel 30 des indischen Zolltarifs beträgt grundsätzlich 10 Prozent. Neben dem Zoll wird als Einfuhrabgabe eine Sozialabgabe (Social Welfare Surcharge; SWS) in Höhe von 10 Prozent vom festgesetzten Zollbetrag erhoben. Der Steuersatz der indischen Umsatzsteuer, die bei Einfuhren als Integrated Goods and Services Tax (IGST) erhoben wird, beträgt für Arzneimittel grundsätzlich 5 Prozent.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Florian Wenke | Mumbai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Indien (Deutsch-Indische Handelskammer)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

    Die Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft
    Department of Pharmaceuticals, Ministry of Chemicals & PharmaceuticalsAbteilung für Pharmazeutika, Ministerium für Chemikalien und Pharmazeutika
    Central Drugs Standard Control Organisation (CDSCO)Nationale Regulierungsbehörde
    National Pharmaceutical Pricing AuthorityStaatliche Aufsichtsbehörde für Preisgestaltung
    PharmexcilPharmazeutische Exportförderungsagentur
    The Indian Pharmaceutical AssociationNationaler pharmazeutischer Verband
    Bulk Drug Manufacturers AssociationVerband der Produzenten von Bulk-Arzneimitteln
    Indian Drug Manufacturers' AssociationVerband der Arzneimittelhersteller
    Federation of Pharma EntrepreneursVerband der Pharmaindustrie
    India Pharma ExpoFachmesse für Pharmaindustrie, 23. bis 25. April 2026, Hyderabad
    Medical Fair IndiaFachmesse für Pharmaindustrie und Medizintechnik, 17.- bis 19. September 2026, Mumbai und vom 13. bis 15. März 2027, New Delhi
    IPHEXFachmesse für Pharmaindustrie, 7. bis 9. November 2026, New Delhi
    CPHI IndiaFachmesse für Pharmaindustrie, 23. bis 25. November 2026, New Delhi
    PMEC IndiaFachmesse für Verpackungen, Maschinen und Anlagen für Pharmaindustrie sowie Laborausstattung, 24. bis 26. November 2026, Greater Noida