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Branchen | Indien | Medizintechnik

Lokale Branchenstruktur

Indien ist auf Importe von Medizintechnik angewiesen. Subventionen unterstützen den Ausbau der lokalen Produktion.

Von Florian Wenke | Mumbai

Indiens Medizintechnikbranche umfasst schätzungsweise zwischen 750 und 1200 Firmen, wobei die Mehrzahl der Beobachter einen Wert um 800 nennt. Die meisten davon, circa 65 Prozent, sind eher klein und erwirtschafteten einen Jahresumsatz von nicht mehr als 1,6 Millionen US-Dollar (US$). Nur ungefähr zwei Prozent sind große Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 73 Millionen US$. Über alle Unternehmen hinweg liegt der Jahresumsatz bei durchschnittlich 6,6 Millionen US$. Zahlreiche Firmen sind in Clustern ansässig. Diese befinden sich in den Bundesstaaten Haryana (medizinische Verbrauchsgüter), Andhra Pradesh, Telangana, Tamil Nadu (jeweils Medizinelektronik), Karnataka (Medizinelektronik, Stents, Implantate). Hinzu kommen die für Indien wichtigen Pharmacluster in Gujarat und Maharashtra.  

Der Großteil der indischen Firmen produziert Verbrauchsgüter für den lokalen Markt. Einige indische und internationale Unternehmen produzieren Medizintechnik im Low- und Mid-Tech-Segment wie EKG-, EEG- und Ultraschallgeräte. Technisch anspruchsvollere Komponenten und Komplettgeräte für den indischen Markt sowie für den Export werden zumeist von den Tochterfirmen internationaler Konzerne gefertigt. Die lokale Produktion soll 2021 einen Wert von rund 3,8 Milliarden US$ gehabt haben, wobei die Datenlage nicht sehr gut ist. Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr ist hauptsächlich auf ein Sinken der Nachfrage nach Verbrauchsgütern, wie zum Beispiel Masken, zurückzuführen. Die Coronapandemie hatte die lokale Produktion in diesem Bereich stark ansteigen lassen, sodass die Zahl der Branchenunternehmen insgesamt zeitweise bis auf geschätzte 1.800 anstieg. Mit einem Abflauen der Pandemie ging die Nachfrage und die Anzahl der Produzenten aber wieder zurück. 

Nach Angaben aus Branchenkreisen leiden die Unternehmen unter Kostennachteilen in Höhe von 12 bis 15 Prozent im Vergleich mit Firmen in anderen Ländern. Als Gründe gelten unter anderem eine nicht adäquate Infrastruktur, teure und ungenügend ausgebaute Logistik, hohe Finanzierungskosten, geringe Designfertigkeiten und ein zu geringes Augenmerk auf Forschung und Entwicklung.   

Branchenunternehmen in Indien (Umsatz in Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent)

Unternehmen

Umsatz (2020/21)1)2)

Veränderung zum Vorjahr

Johnson & Johnson

k.A.

k.A.

Philips India

771,0

10,7

Wipro GE Healthcare

692,3

-2,3

Abbott India Ltd

589,3

8,5

India Medtronic Pvt. Ltd

226,0

8,2

Poly Medicure Ltd

93,9

9,6

Trivitron Healthcare Private Limited

64,2

134,3

Opto Circuits

1,2

-85,7

B. Braun

k.A.

k.A.

1) Finanzjahr 1.4. bis 31.3.; 2) Wechselkurse der Federal Reserve Bank jeweils zum 31.3Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2022

Indien ist auf Importe angewiesen

Die Einfuhren von Medizintechnik (SITC 741.83, 774, 785.31, 872 und 899.6) stiegen 2021 um etwa 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lagen bei rund 4,8 Milliarden US$. Die Einfuhren aus Deutschland stiegen ebenfalls, um rund 23 Prozent auf circa 423 Millionen US$. Damit war Deutschland das drittwichtigste Lieferland für Indien, hinter China (1,2 Milliarden US$) und den USA (765 Millionen US$). Insbesondere elektrische Geräte werden im großen Umfang importiert. Selbst wenn die Geräte in Indien produziert werden, bestehen mitunter Importabhängigkeiten bei einzelnen Teilen.

Zwischen 70 und 80 Prozent der indischen Nachfrage nach Medizintechnik werden bisher durch Einfuhren bedient. Jedoch variiert die Importabhängigkeit je nach Produktsegment. Tendenziell steigt sie, je technisch anspruchsvoller das Produkt ist. 

Subventionen lassen lokale Produktion steigen

Indiens Atmanirbhar Bharat genannte Wirtschaftsstrategie nimmt Form an. Über zahlreiche Branchen hinweg soll die lokale Produktion gesteigert werden. Subventionen wie die sogenannten Production Linked Incentive (PLI) sollen dabei helfen und werden auch für die Medizintechnikbranche gezahlt. Circa 419 Millionen US$ (Wechselkurs für den 25. November 2022 laut Federal Reserve Bank; 1 US$ = 81,73 iR.) sollen in die Branche fließen. Das betrifft die Herstellung von elektronischen Geräten, die in der Krebsbehandlung und der Strahlentherapie zum Einsatz kommen. Außerdem förderwürdig ist die Produktion von Geräten, die für bildgebenden Verfahren genutzt werden, sowie von Implantaten, insbesondere elektrische wie beispielsweise Herzschrittmacher. Ebenfalls um die Subvention bewerben dürfen sich Hersteller von Geräten, die in der Anästhesie oder bei kardiorespiratorischen Untersuchungen zum Einsatz kommen, wie Katheter oder ähnliche Produkte.

Es sind ausschließlich Greenfield-Projekte förderfähig. Das Programm ist zunächst auf fünf Jahre bis zum Ende des Finanzjahres 2025/2026 angelegt. In diesem Zeitraum müssen die Unternehmen nicht nur Mindestinvestitionen tätigen, sondern auch ihre Verkaufserlöse gemäß Vorgaben steigern. Im Oktober 2022 meldeten indische Behörden bisher 42 eingegangene und 21 genehmigte Anträge. Die Bewerbungsfristen wurden mehrfach verlängert, zuletzt bis Ende November 2022. Es ist also möglich, dass die Anzahl von maximal geförderten 28 Unternehmen erreicht wird. Unter den bisher ausgewählten Firmen befindet sich auch Siemens Healthcare Private Limited mit einer Fertigung von CT-Scannern und MRT-Geräten in Bengaluru. Insgesamt werden eher große Unternehmen gefördert. Kleine Unternehmen können die geforderten Investitionssummen kaum aufbringen. Die ausgewählten Unternehmen müssen zügig investieren, denn die geforderten Vorgaben sind ambitioniert. Einige von ihnen wie zum Beispiel Wipro GE Healthcare haben im Verlauf des Jahres 2022 bereits mit der Produktion von beispielsweise CT-Scannern in einer neuen Fabrik begonnen. Mehr lokale Produktion dürfte den Wettbewerb auf dem preissensiblen indischen Markt verschärfen.   

Neue Industrieparks für Medizintechnik werden aufgebaut 

Hinzu kommen Fördergelder von rund 49 Millionen US$ für vier Industrieparks für Medizintechnik. Das Geld soll dem Aufbau der nötigen Infrastruktur dienen und der Förderzeitraum geht bis zum Finanzjahr 2024/2025. Zuschläge erhielten die Bundesstaaten Himachal Pradesh, Tamil Nadu, Madhya Pradesh und Uttar Pradesh. Branchenkenner geben an, dass insbesondere Uttar Pradesh derzeit ein hohes Tempo beim Aufbau des Parks an den Tag legt. Andere Bundesstaaten versuchen auf eigene Faust Cluster auf- beziehungsweise auszubauen. Insbesondere Andra Pradesh und Telangana haben sich in den vergangenen Jahren besonders darum bemüht. 

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