Special | Indonesien | Wasser - Die knappe Ressource
Indonesiens Wassersektor steht unter Handlungsdruck
Indonesien baut Wasserleitungen und Abwasseranlagen für Städte und Industrie. Auch die Landwirtschaft braucht mehr Wasser.
30.04.2026
Von Oliver Döhne | Jakarta
Die Urbanisierung in Indonesien konzentriert die steigende Wassernachfrage auf engem Raum, besonders in den Millionenstädten Javas. Neben den Haushalten brauchen auch die Landwirtschaft und die expandierende Industrie mehr Wasser. Zwar erhält Indonesien insgesamt viel Niederschlag, jedoch mit großen regionalen und saisonalen Unterschieden. Der meiste Regen fällt in wenig besiedelten Gebieten.
Ausbau der städtischen Wasserleitungen kommt voran
Zugang zu "verbessertem Trinkwasser" (Wasserquellen, die vor äußerer Verunreinigung geschützt sind) hatten Ende 2025 nach offiziellen Angaben 93,2 Prozent der Haushalte. Einen Leitungsanschluss besitzen jedoch erst rund 20 Prozent. Die meisten Haushalte versorgen sich, wo möglich, aus Oberflächengewässern und Quellen oder über Pumpen und Brunnen direkt aus dem Grundwasser. Letzteres wird mehr und mehr zum Problem für Städte wie Jakarta und Semarang, die dadurch weiter absinken und noch anfälliger für Überschwemmungen werden. Alternativ kaufen die Haushalte Wasser in Flaschen – ein einträgliches Geschäft für Konzerne wie Nestlé.
In Jakarta hat die Abdeckung mit Leitungswasser in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Der Wasserversorger PAM Jaya hat Anfang 2026 mit dem Bau von insgesamt 1.000 Kilometern neuer Leitungen begonnen. Im Laufe des Jahres sollen rund 85 Prozent der Bevölkerung von Jakarta angeschlossen werden. Bis 2029 ist eine vollständige Abdeckung geplant. Wesentlich prekärer ist die Lage in den angrenzenden Nachbarstädten. So sind in der Provinz West-Java nur rund 5 Prozent der Haushalte und in Banten sogar unter 3 Prozent an das Leitungswassernetz angeschlossen.
Da die meisten Oberflächengewässer der Großstädte stark kontaminiert sind, kommt das Wasser oft über lange Strecken von aufgestauten Reservoirs aus dem bergigen Umland. In Jakarta zum Beispiel fließt das Wasser über 70 Kilometer aus dem westjavanischen Jatiluhur-Stausee – durch offene Leitungen. Derzeit werden weitere Reservoirs in Jakartas Umgebung als Quellen erschlossen und entsprechende Leitungen gebaut. Beispiele sind das Jatigede-Water-Supply-Projekt in West-Java oder das Karian Dam Serpong Water Conveyance System in Banten. Projekte für eine bessere Trinkwasserversorgung stehen auch in Karo (Nordsumatra), Denpasar (Bali) und Ibu Kota Nusantara an.
Die Leitungswasserversorgung erfolgt durch eine Vielzahl kommunaler öffentlicher Wasserversorger (Perusahaan Daerah Air Minum; PDAM). Diese beschaffen das Wasser aus Oberflächengewässern oder kaufen es von öffentlich-privaten Betriebspartnerschaften. In den oft veralteten Leitungen der PDAM gehen jedoch 30 bis 35 Prozent des Wassers verloren.
Weites Betätigungsfeld für Anbieter von Abwassersystemen
Noch dringender ist der Handlungsbedarf bei der Abwasserentsorgung. Nach Angaben der Asian Development Bank haben nur 13 der 98 größten Städte irgendeine Art von Abwassernetz. In Jakarta haben lediglich rund 4 Prozent der Haushalte Zugang zum Abwassernetz, landesweit circa 2 Prozent. Gängige Praxis sind individuelle Klärgruben für schwarzes Abwasser, von denen nur rund 5 Prozent sicher und korrekt geleert werden. Oft lecken Schadstoffe in die Umwelt. In Dörfern, Kleinstädten und am Rande der Großstädte versinkt das Abwasser im Boden, schwarzes Abwasser geht in Sickergruben.
Sonstiges Abwasser gelangt meist ungeklärt in Flüsse und Seen. Mit Unterstützung der japanischen Entwicklungsagentur JICA baut Jakarta ein umfassendes Abwassersystem. Auch in Makassar (Sulawesi), Jambi (Sumatra), Semarang (Zentraljava), Pontianak (West-Kalimantan) und Mataram (Lombok) laufen international kofinanzierte Projekte der Abwasserentsorgung und -aufbereitung. Das schafft Bedarf an Bohrtechnik, Pumpen, Ventilen, Sensoren und Messtechnik sowie Ausrüstung für Kläranlagen wie Membran- und Filtertechnik.
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Höhere Auflagen für Industrie
Der Wasserbedarf der indonesischen Industrie wird sich laut einer Studie der Weltbank bis 2045 vervierfachen. Angesichts der bereits jetzt schon hohen Umweltbelastung wurden die gesetzlichen Regeln für Industrieabwässer in den vergangenen Jahren deutlich verschärft, unter anderem durch das Präsidentendekret 22/2021 (vereinheitlichender Rahmen für Umweltschutz), dem Erlass des Umweltministeriums 11/2025 (nationaler Standard für Gebäudeabwässer) sowie durch die Verordnung des Industrieministeriums 26/2025, die erstmals verbindliche Standards und ein Akkreditierungssystem für Industriegebiete festsetzt. Daraus ergeben sich branchen- und ortsabhängige Abwasserstandards, Pflichten zur Behandlung und Wiederverwendung von Abwasser sowie Restriktionen der Grundwasserentnahme.
Die Branchen mit dem höchsten Wasserbedarf und dem größten Umweltrisiko sind die Textil- und Bekleidungsindustrie in West- und Zentral-Java, die Lebensmittelindustrie (Jakarta, Bekasi, Ost-Java, Medan), Papier- und Zellstoffproduktion (Riau, Ost-Kalimantan, Süd-Sumatra), die chemische und petrochemische Industrie (Banten, Ost-Java) sowie der Bergbau (Sulawesi, Kalimantan, Nord-Molukken).
Relevant ist der Ausbau der Sonderwirtschaftszonen, bei denen die Parkverwaltung nicht an die üblicherweise festgelegten Wasserpreise gebunden ist und durch ihre Mieter auch Investitionsaufwände für höherwertige Abwassertechnologien refinanzieren kann. Eine vom Partners in Transformation Desk Südostasien in Auftrag gegebene Studie zur Transformation von Öko-Industrieparks zeigt Lieferchancen für deutsche Firmen auf, unter anderem bei modularen Membranbioreaktoren sowie für Ultrafiltration- und Umkehr-Osmosetechnik. Treiber sind hier unter anderem Nachhaltigkeitsinitiativen internationaler Investoren.
Zuständige Behörden und Ausschreibungen
Die Langfristplanung des Wassersektors liegt beim nationalen Planungsministerium (BAPPENAS), konkrete öffentliche Wasserprojekte koordiniert das Ministry of Public Works.
Öffentliche Ausschreibungen finden sich auf dem Portal LPSE.
Mehrere internationale Geber sind im indonesischen Wassersektor involviert, unter anderem die Asian Development Bank.
Landwirtschaft hat politische Priorität
Der Wasserbedarf der indonesischen Landwirtschaft könnte laut Weltbank bis 2045 um 10 Prozent zulegen. Hier wirkt sich insbesondere der staatliche forcierte Anstieg der Reisproduktion aus. In der Trockenzeit kommt es besonders im dichtbesiedelten Java zu Engpässen und auch im eigentlich niederschlagsstarken Sumatra haben Felder in höheren Lagen teilweise Wassermangel. Unter Dürreperioden leiden insbesondere West- und Ost Nusa Tenggara, Süd-Sulawesi, Süd-Papua und Madura (Ost-Java).
Viele Bewässerungssysteme sind in schlechtem Zustand, fast die Hälfte des Wassers geht verloren. Projekte für die Modernisierung und den Ausbau der Bewässerungssysteme sind oft durch die Weltbank finanziert. Sie fokussieren sich auf die Regionen Zentraljava, Süd-Sulawesi und Lampung/Sumatra. Eines der größten neuen Projekte ist der Bau des Pelosika-Damms in Süd-Sulawesi, der eine Kombination aus Wasserkraft- und Bewässerungsquelle sein soll.
In abgelegeneren Landesteilen und kleineren Inseln könnten schon einfache Bewässerungsanlagen zwei zusätzliche Ernten ermöglichen und so schnell private Investitionen amortisieren. Oft fehlt es aber am Anfangskapital.
| Organisation | Anmerkung |
|---|---|
| Nationales Planungsministerium BAPPENAS | Zuständig für die Langfristplanung |
| Indonesian Water Association (IDWA) | Gemeinnützige Organisation aus Wissenschaftlern und Unternehmen |
| Vereinigung der Trinkwasserproduzenten (PERPAMSI) | Schnittstelle zwischen Unternehmen und Behörden |
| Indonesia Sanitation Association (Aksansi) | Interessenvertretung der Sanitärbetreiber |
| Indo Water Expo & Forum | Jährliche Branchenmesse in Jakarta; 11. - 13. August 2026 |
| Indonesia Vision 2045 - Toward Water Security | Branchenstudie der Weltbank |