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Neuer Anlauf für Indonesiens Sonderwirtschaftszonen

Indonesien bietet in neuen Sonderwirtschaftszonen abseits von Jakarta interessante Investitionsbedingungen. Deutsche Unternehmen nehmen die Angebote an.

Oliver Döhne

Von Oliver Döhne | Jakarta

Sonderwirtschaftszonen sollen gleich mehrere Probleme lösen

Wenn Indonesien sein Wirtschaftswachstum - wie geplant - bis 2029 auf 8 Prozent pro Jahr hochschrauben will, führt der Weg an mehr Investitionen nicht vorbei. Aber der Standort gilt bei ausländischen Firmen als schwieriges Terrain. Obwohl die Regierung die Rahmenbedingungen für ausländische Akteure schrittweise verbessert und Restriktionen lockert, bleiben Vorbehalte bezüglich der Rechtssicherheit, Bürokratie und hoher Kosten für Einfuhren. 

Gleichzeitig platzt der Großraum Jakarta aus allen Nähten. Um andere Landesregionen zu industrialisieren und um ausländischen Investoren ihre Vorbehalte zu nehmen, will Indonesiens neuer Präsident Prabowo das Konzept der unter seinem Amtsvorgänger gestarteten Special Economic Zones (SEZ) mit neuem Leben füllen und noch stärker auf Schwerpunkte seiner Wirtschaftspolitik ausrichten. 

Attraktiv gegenüber herkömmlichen Gewerbeparks sind die Sonderwirtschaftszonen aufgrund ihrer umfangreichen Anreize. Dieses umfassen neben monetären Vorteilen auch Unterstützung bei der Einholung von Bau- und Umweltgenehmigungen, erleichterte Aufenthaltsgenehmigungen für ausländisches Personal, weniger Auflagen bei ausländischem Firmenbesitz und weitere Privilegien. Besonders interessant ist, dass die SEZ in der Regel wie eine Freihandelszone einen günstigen Import von Kapitalgütern ermöglichen. 

Wichtige Anreize der Sonderwirtschaftszonen:

  • Zoll- und Steuererleichterungen bei Einfuhren von Kapitalgütern
  • Landnutzung bis zu 80 Jahre
  • Befreiung von der Körperschaftssteuer bis zu 20 Jahre
  • Reduzierte Grundsteuer
  • One-Stop-Services durch SEZ-Verwaltung

Mehr Informationen auf dieser offiziellen Internetseite

Bisher gemischte Bilanz

Jede SEZ bietet ein Paket an eigenen Anreizen und sie befinden sich noch in Versuchsphasen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und der Unterbrechung durch die Coronapandemie konnten erst einige der SEZ Investoren für sich zu gewinnen. Andere SEZ blieben, auch in den Augen der Regierung, deutlich hinter den Erwartungen zurück. 

Bis 2023 gingen 20 SEZ an den Start, 2024 kamen vier weitere hinzu. Zehn SEZ sind dem verarbeitenden Gewerbe gewidmet. Im Jahr 2023 flossen insgesamt 3,9 Milliarden Euro an Investitionen in die SEZ, akkumuliert seit 2012 sind es etwa 10,5 Milliarden Euro. Die Investoren schufen 2023 etwa 57.000 neue Arbeitsplätze und akkumuliert sind es rund 118.000. 

Die neue Regierung stellt die SEZ nun auf den Prüfstand. Funktionierende SEZ will sie effizienter machen und damit Indonesiens Standortvorteile in Wirtschaftswachstum ummünzen. Nicht funktionale SEZ könnten geschlossen oder an neue Betreiber vergeben werden. 

Über individuelle Anreize will sie zudem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Kernregion Java und dem restlichen Land herstellen. Denn die ursprüngliche Idee war, abseits von Java mehr Industrie anzusiedeln. Die zwei SEZ mit den meisten Ansiedlungen befinden sich aber weiterhin in Java: JIIP Gresik nahe Surabaya in Ostjava und die SEZ Kendal nahe der zentraljavanischen Großstadt Semarang. Ein Ausbau der Infrastruktur soll Unternehmen besonders beim Export aus diesen SEZ unterstützen. 

Landesweit entstehen interessante IndustrieclusterAusgewählte Sonderwirtschaftszonen in Indonesien
Name (Region)SchwerpunkteUnternehmenRealisierte Investitionen (bis 2023)
JIIPE Gresik (Ostjava)Metall, Chemie, Energy, Elektronik23 Unternehmen, Freeport, Linde, Clariant

4,2 Mrd. Euro

Kendal (Zentraljava)Textil, Kfz, EE, Elektronik, Verpackungen, Getränke und Lebensmittel, Gesundheit,120 Unternehmen, ALBA, Beurer

2,6 Mrd. Euro

KITB Batang (Zentraljava)Metall, Chemie, Batteriekathoden18 Unternehmen, 2. Phase im Juli 2024 gestartet, LG Energy Solutions

827 Mio. Euro

Nongsa (Batam)Digital Economy, Cloud, Data Center100 Unternehmen, GDS, Princeton Digital Group

154 Mio. Euro

Batam Health Tourism (Riau Islands)GesundheitswirtschaftIn Gründung

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Quelle: SEZ-Reports 2023, 2024

Ausrichtung auf neue Branchen und Trends

Der Export soll besonders aus Basis einer stärkeren Verarbeitung von Indonesiens Commodities erfolgen, neben den mineralischen Rohstoffen künftig auch agrarische wie Biokraftstoffe und chemische Vorprodukte. Indonesien will auch mehr industrienahe Dienstleister anzuziehen, die benötigten Softskills der Arbeitskräfte verbessern und den Support der SEZ auf föderalen Ebenen koordinieren. 

Das mit Ausnahme von Bali bislang kaum ausgeschöpfte touristische Potenzial soll ebenfalls im Rahmen des SEZ-Modells erschlossen werden. Hier ist unter Umständen eine zollfreie Einfuhr von in den SEZ verbrauchten Konsumgütern möglich. Darüber hinaus sollen sich die SEZ stärker an globalen Trends und der Nachfrage auf dem Weltmarkt orientieren. 

Mehrere SEZ sollen sich der Gesundheitswirtschaft widmen, unter anderem, weil zahlungskräftige indonesische Personen für Behandlungen und größere medizinische Eingriffe immer noch nach Singapur oder Malaysia fliegen. Für diesen Bereich stehen besonders Bali und die nahe Singapur gelegene Region Batam im Mittelpunkt. Batam ist außerdem als Hub für die Entwicklung der Digitalwirtschaft auserkoren. Die dortige SEZ Nongsa hat bereits einige Branchengrößen angesiedelt. 

Erste deutsche Firmen siedeln sich an

Bald könnten Investitionen in einigen SEZ deutlich zunehmen, denn sowohl heimische als auch internationale Firmen finden an dem Modell Gefallen. Dabei handelt es sich um größere staatlich gelenkte Investoren, wie den Bergbaukonzern Freeport, aber auch immer mehr Mittelständler und ausländische Firmen nehmen die SEZ an. 

Dazu zählen die deutschen Firmen Alba und Beurer, die sich beide für die SEZ Kendal entschieden haben. Alba baut dort eine Recyclinganlage für PET-Flaschen und Beurer eröffnete im Dezember 2024 eine Produktion für Wellnessprodukte und Medizintechnik. Was Beurer nach Indonesien lockte und wie das Unternehmen die SEZ Kendal beurteilt, lesen Sie in diesem Interview.