Interview | Irak, Syrien | Logistik
Neue Logistikrouten für Irak und Syrien: "Ware im Land kommt an"
Trotz des Iran-Kriegs arbeitet der Zoll in Irak weiter und die Häfen in Syrien bleiben geöffnet. Ein Logistiker erklärt, wie die Ware jetzt läuft und welche Zusatzkosten es gibt.
19.03.2026
Von Ulrich Binkert | Bonn
Die M.G. International Transports GmbH aus Siegen ist seit Jahren in der aktuellen Nahost-Krisenregion tätig. Sie hat sich dort auf die "schwierigen" Märkte wie den Irak und Syrien spezialisiert. Für Kunden aus der EU, Asien und Nordamerika befördert die Firma hauptsächlich Investitionsgüter, darunter Baumaschinen, Anlagen zur Öl- und Gasproduktion, Rohre und Medizintechnik. Co-Geschäftsführer Matthias Weber berichtet von der Lage.
Der Irak hat enge Bindungen zum Iran. Wie aufgebracht sind die Iraker, und beeinträchtigt das auch die Logistik?
Im Süden des Landes, wo viele Schiiten wohnen, gibt es vereinzelt Demonstrationen. Die Behörden und der Zoll arbeiten aber weiter. Lieferungen, die bereits in den Häfen Umm Qasr beziehungsweise Khor Al Zubair bei Basra eingetroffen sind, werden in aller Regel abgefertigt und zugestellt. Dies gilt auch für Luftfrachtlieferungen, die sich bereits im Land befinden. Der irakische Luftraum ist aktuell ja geschlossen.
Was bedeutet das für die Kosten und Preise?
Das kommt immer sehr auf den Einzelfall an. Für Waren im Hafen fallen Standgebühren und Lagerkosten an. Viel gravierender sind jedoch Vertragsstrafen des Kunden für verzögerte Lieferungen. Zusatzkosten können außerdem anfallen, wenn Lieferungen umgeleitet werden müssen.
Was passiert mit Ihren Lieferungen, wenn diese noch gar nicht im Irak oder in Syrien sind?
Güter, die sich bereits auf dem Weg in den Persischen Golf befanden, werden von den Reedern in den nächstmöglichen sicheren Häfen gelöscht ("End-of-Voyage"). Syrien ist derzeit über Latakia/Tartus oder den Grenzpunkt Bab Al Hawa über die Türkei erreichbar.
Planen Sie Ihre Transportwege in den Irak jetzt um?
Ja, wir prüfen die Nutzung alternativer Häfen wie Mersin in der Türkei oder Aqaba in Jordanien. Es bestehen derzeit Möglichkeiten, sowohl per Lkw aus Aqaba über den Grenzübergang Traibeel als auch über die Türkei, ab Mersin via Übergang Zakho. Luftfrachten können an den Flughäfen Amman oder Istanbul für den Transport in den Irak übernommen werden. Wichtig ist die Einbeziehung des Endkunden, da in der Regel Verträge abgeändert oder Eingangsgrenzpunkte angepasst werden müssen.