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US-Markt für Lagertechnik soll sich mehr als verdoppeln

Rechenzentren, Pharmaindustrie und künstliche Intelligenz treiben die Nachfrage. Bis 2031 soll sich das Marktvolumen in den USA auf rund 15 Milliarden US-Dollar erhöhen.

Roland Rohde

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Der US-Markt für automatisierte Lagertechnik wächst rasch. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die US-Wirtschaft hat sich als bemerkenswert krisenfest erwiesen und die Folgen des Handelskonflikts sowie des Irankriegs insgesamt vergleichsweise gut verkraftet. Einige Branchen boomen sogar regelrecht.

Besonders stark investieren Unternehmen derzeit in den Bau großer Rechenzentren. Für Anbieter von Lagerflächen und Lagertechnik war dieses Segment lange ein Nischenmarkt. Inzwischen hat es sich jedoch laut einem Bericht der Washington Post vom Juli 2026 zu einem der wichtigsten Wachstumsmotoren der Branche entwickelt.

Auch die Pharmaindustrie sorgt für zusätzliche Nachfrage. In- und ausländische Arzneimittelhersteller haben Investitionen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar (US$) in neue Produktionsstätten angekündigt. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Mordor Intelligence entfielen 2025 bereits gut 17 Prozent der Nachfrage nach Lagerautomation auf die Pharma- und Gesundheitsbranche. Mittelfristig dürfte ihr Anteil auf rund ein Fünftel steigen.

Der mit Abstand wichtigste Abnehmer bleibt jedoch der Einzelhandel. Auf ihn entfielen 2025 laut Mordor Intelligence rund 42 Prozent der Nachfrage. Die Aussichten bleiben positiv: Zwar schränken einkommensschwächere Haushalte ihre Ausgaben zunehmend ein, gleichzeitig zeigen sich wohlhabendere Verbraucher weiterhin konsumfreudig. Ökonomen bezeichnen diese Entwicklung als K-förmige Konjunktur.

Fortschritte bei KI-Technologien treiben Investitionen an

Der E-Commerce hatte sich 2024 und 2025 bei Investitionen in neue Lager und Lagertechnik zurückgehalten. Die großen Marktteilnehmer hatten zuvor so stark investiert, dass Analysten bereits von Überinvestitionen sprachen. Doch durch die rasanten Fortschritte bei künstlicher Intelligenz (KI) und die damit verbundenen neuen Anwendungsmöglichkeiten rüsten nun auch sie technologisch nach. So investiert Branchenprimus Amazon nach eigenen Angaben 2026 in die nächste Generation KI-gesteuerter Logistikroboter.

Gleichzeitig arbeitet die Logistikbranche daran, die letzten bislang kaum automatisierten Abschnitte der Lieferkette zu erschließen. Im Fokus stehen vor allem die Be- und Entladung von Lkw, die vielerorts noch manuell erfolgt. Unternehmen wie DHL, UPS und FedEx führen dafür verstärkt automatisierte Systeme ein. Im Gegenzug ist das Geschäft mit traditionellen, handgesteuerten Gabelstaplern nahezu eingebrochen.

Fachkräftemangel und hohe Kapitalkosten fördern Automatisierung

Ein weiterer wichtiger Treiber für die Investitionen ist der Fachkräftemangel. Die Arbeitslosenquote lag 2025 und im 1. Halbjahr 2026 bei 4 Prozent und damit nahe der Vollbeschäftigung. Besonders ausgeprägt ist der Personalmangel in der Industrie und Lagerwirtschaft, wo körperliche Arbeit gefragt und Homeoffice nicht möglich sind. Gleichzeitig zählen die Löhne in den USA zu den höchsten weltweit.

Hinzu kommen die im Vergleich zu Europa hohen Zinsen. Dadurch steigen die Kosten für Kapital, das in Lagerbeständen gebunden ist. Zwar verteuern die höheren Finanzierungskosten auch Investitionen in neue Anlagen und Systeme. Moderne Lagertechnik und intelligente Softwarelösungen ermöglichen jedoch eine effizientere Bestandssteuerung und geringere Lagerbestände. Die damit erzielten Einsparungen bei den Kapitalbindungskosten übertreffen häufig die zusätzlichen Finanzierungskosten der Investition.

Wachstumstreiber des US-Marktes für Lagerautomation
FaktorenStärke des ImpulsesAussichten
Neue Technologiensehr starkKI ermöglicht neue Lösungen.
Fachkräftemangel, hohe LöhnestarkProblem dürfte sich durch striktere Immigrationspolitik verschärfen.
Hohe Kapitalkostenmittel bis starkWeiterhin hoher Anreiz, Kapitalbindungskosten zu senken. 
Lebhafte KonjunkturmittelBruttoinlandsprodukt wächst 2026 und 2027 voraussichtlich um je 2 Prozent.
Wachsender E-Commercemittelweiter wachsend, da hoher Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften
Hoher Nachholbedarf bei AutomationmittelInsbesondere Mittelständler geraten unter Effizienzdruck.
Quelle: Zusammenfassung von Germany Trade & Invest 2026

Markt wächst bis 2031 auf das Zweieinhalbfache

Das nordamerikanische Marktvolumen für Lagerautomation (USA, Kanada und Mexiko) beziffert Mordor Intelligence für 2025 auf rund 8 Milliarden US$. Die Vereinigten Staaten stehen dabei für etwa drei Viertel des Geschäfts. Das entspricht einem Volumen von etwa 6 Milliarden US$. Knapp 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf Hardware. Software kommt auf einen Anteil von 17 Prozent.

Bis 2031 soll das Volumen des nordamerikanischen Marktes auf 20 Milliarden US$ steigen. Dies entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von 16,5 Prozent pro Jahr. Für die USA ergibt sich daraus 2031 ein Marktvolumen von rund 15 Milliarden US$. Die Nachfrage nach automatischen Lagersystemen soll sogar um ein Drittel pro Jahr steigen. Bei autonomen Fahrzeugen für den Lagerbetrieb liegt die Wachstumsrate nur rund halb so hoch.

Großes Potenzial sehen Marktbeobachter vor allem bei mittelständischen Unternehmen. Viele Betriebe stehen unter Druck, ihren technologischen Rückstand aufzuholen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Nach Schätzungen von Analysten sind bislang lediglich 25 bis 30 Prozent der Lager in den USA teil- oder vollautomatisiert. Noch geringer ist der Automatisierungsgrad im Apothekensektor. Dies hängt allerdings auch damit zusammen, dass es sich überwiegend um kleine Verkaufsstellen mit vergleichsweise geringer Vorratshaltung handelt.

Starke Konkurrenz

Das Marktwachstum schafft auch Absatzchancen für deutsche Anbieter. Einige haben in den USA bereits Tochtergesellschaften gegründet. Dort treffen sie auf eine starke einheimische und ausländische Konkurrenz. 

Zu den wichtigen Branchenanbietern zählen Daifuku, Dematic, SSI Schäfer, Swisslog und AutoStore. Der US-Mischkonzern Honeywell und das japanische Medizintechnikunternehmen Omron unterhalten eigene Geschäftsbereiche für Lieferkettentechnik. Auch Bastian Solutions, eine Tochter der Toyota-Gruppe, bietet integrierte Systeme an.

Der US-Anbieter Symbotic übernahm Mitte 2026 die Robotiksparte von Walmart. Das Unternehmen soll das Logistiksystem des Einzelhandelsriesen modernisieren. Amazon verzichtet auf ein solches Outsourcing und produziert mit seiner Tochtergesellschaft Kiva Systems eigene Roboter.