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Branche kompakt | Israel | Pharmaindustrie, Biotechnologie

Gute Voraussetzungen für anhaltendes Marktwachstum

Der Bedarf an Pharmazeutika in Israel nimmt zu. Die einheimische Industrie konzentriert sich auf Generika. Start-ups sorgen für Innovationen in der Branche.

Von Wladimir Struminski | Israel

Ausblick der Pharmaindustrie in Israel

  • Der Gaza-Krieg belastet die Staatsfinanzen, doch werden die Kriegsfolgen hauptsächlich durch Neuverschuldung und nicht durch Etatkürzungen gedeckt. 
  • Der veranschlagte Etat für die Gesundheitsversorgung liegt bei etwa 12 Prozent über dem Stand des Vorkriegsjahres 2022.
  • Der Privatkonsum von Medikamenten wird 2024 durch den Krieg nicht wesentlich beeinträchtigt und soll real um 3 Prozent wachsen. Die privaten Kranken- und Krankenzusatzversicherungen bleiben unangetastet.
  • In den ersten vier Kriegsmonaten stieg die Einfuhr von Arzneimitteln gegenüber dem Parallelzeitraum des Vorjahres in laufenden Dollarpreisen um 10 Prozent.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2024

  • Markttrends

    Der Bedarf an pharmazeutischen Produkten soll, aufgrund der demografischen Entwicklung, auch künftig steigen. Zum größten Teil wird die Nachfrage über Importe gedeckt. 

    Eine wachsende und zugleich rasch alternde Bevölkerung lässt den Bedarf an Arzneimitteln schnell steigen. Diese demografische Entwicklung wird sich laut Prognosen des israelischen Zentralamts für Statistik (Central Bureau of Statistics) fortsetzen.  

    Um eine medizinische Unterversorgung von Millionen von Menschen zu vermeiden, wird die Regierung ihre Ausgaben für den Gesundheitssektor mit dem tatsächlichen Bedarf erhöhen müssen. Auch Privathaushalte räumen der Gesundheitsversorgung hohe Priorität ein. Diese Faktoren deuten auf eine Zunahme der Ausgaben für Pharmaprodukte in den kommenden Jahren und Jahrzehnten hin.  

    Der langfristige Markttrend ist positiv. Daran ändert auch der 2023 verzeichnete Rückgang des Erwerbs von Pharmaprodukten gegenüber 2021 und 2022 nichts. Diese beiden Jahre waren nämlich wegen der Coronapandemie durch hohe Sonderausgaben für die Gesundheitsversorgung geprägt. Diese Ausgaben klangen anschließend ab. 

    2 %

    jährliches Bevölkerungswachstum treiben den Arzneimittelbedarf nach oben.

    Bevölkerungswachstum und Altersstruktur treiben Bedarf nach oben

    Allerdings wird vor allem die Bevölkerungsentwicklung mittel- und langfristig den Medikamentenbedarf nach oben treiben. Zum einen nimmt die Landesbevölkerung mit rund 2 Prozent pro Jahr schnell zu. Laut demografischen Prognosen bleibt es auf absehbare Zeit bei hohen Wachstumsraten.

    Auch der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung wächst rapide. Nach einer Prognose des israelischen Zentralamts für Statistik (Central Bureau of Statistics) wird die Zahl der über 64-Jährigen von rund 1,2 Millionen im Jahr 2022 um 40,4 Prozent auf knapp 1,7 Millionen im Jahr 2035 ansteigen, während die Gesamtbevölkerung in diesem Zeitraum um 25,8 Prozent wachsen wird.

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    Die Zahl der hochbetagten Senioren wächst besonders schnell. 2035 werden in Israel 860.000 Menschen leben, die 75 Jahre und älter sind. Gegenüber 2022 entspräche das einem Wachstum um 73,7 Prozent. Diese Alterskohorte ist in besonders hohem Maß auf Medikamente angewiesen. Der dadurch bedingte Bedarf nach Pharmaerzeugnissen wird auch die Einfuhr ankurbeln, zumal die einheimische Industrie ihre Absatzchancen vor allem im Ausland sucht.

    Deutschland ist wichtiger Lieferant

    Der israelische Pharmamarkt versorgt sich vor allem über die Einfuhr. Im Jahr 2023 lag die Importquote bei 75 Prozent. Somit kann die zu erwartende Nachfrageexpansion ausländischen, darunter auch deutschen Pharmaherstellern, mehr Lieferchancen bieten.

    Insgesamt gehört Deutschland zu den wichtigsten Lieferländern Israels im Pharmabereich. Die Importe von Pharmaprodukten (SITC 54) aus der Bundesrepublik schwanken aber zum Teil stark. In den Jahren 2019 bis 2023 lagen die Jahreswerte zwischen 284,5 Millionen US-Dollar (US$) und 605,2 Millionen US$.

    Im Jahr 2023 belief sich die Einfuhr aus der Bundesrepublik auf 506,2 Millionen US$. Damit erreichte Deutschland einen Importmarktanteil von 15 Prozent und belegte Rang 2 der Lieferantenliste. Den 1. Platz errangen die USA mit 672,1 Millionen US$ und einem Marktanteil von 19,9 Prozent. Auf Rang drei bis fünf folgten die Schweiz, Irland und Italien.

    Der wichtigste Importposten war 2023 die SITC-Position 542.9 (anderweitig nicht genannte Arzneien). Sie machen 45,1 Prozent aller Einfuhren von Pharmaprodukten aus. Mehr als die Hälfte, 54,3 Prozent, lieferten deutsche Unternehmen. Auf Rang zwei lagen mit 38,9 Prozent Glykoside, Drüsen und andere Organe und deren Auszüge, Antisera, Vaccine und ähnliche Erzeugnisse (SITC 541.6). Aus Deutschland kamen 34,2 Prozent.

    Importe pharmazeutischer Produkte nach Israel und Anteil aus Deutschland in Milliarden US-Dollar, Anteil in Prozent
     

    2020

    2021

    2022

    2023

    Gesamtimporte

    3,4

    3,7

    3,7

    3,4

    aus Deutschland

    8,7

    7,6

    7,7

    15

    Quelle: UN Comtrade Database

    Biotechbranche entwickelt neue Ideen

    Die medizinische Biotechnologie spielt eine wichtige Rolle im israelischen Pharmasektor. Im März 2024 waren in Israel 387 Biotech-Unternehmen für die Kundengruppe "Gesundheitswesen und Biowissenschaften" tätig. Das geht aus der Datenbank der gemeinnützigen israelischen Hightech-Organisation Start-up Nation Central (SNC) hervor. Bei der Mehrheit der Biotechnologie-Firmen handelt es sich um Kleinstunternehmen: 59 Prozent beschäftigten nur bis zu 10 Mitarbeiter. Etwa 39 Prozent haben zwischen 10 und 200 Beschäftigte und nur acht von ihnen - 2 Prozent der Gesamtzahl - eine Belegschaft von mehr als 200 Mitarbeitern. Etwa ein Drittel der Firmen verfügte über marktgängige Produkte.

    Diese Branchenstruktur bedeutet, dass eine große Zahl israelischer Biotech-Firmen zwar Erfolg versprechende Ideen entwickelt, aber noch hohe Kapitalbeträge aufbringen muss, um ihre Produkte zur Marktreife zu bringen. Das kann interessante Investitionsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen schaffen.

    Israels Regierung misst der Biotechnologie große Bedeutung zu. Eine besondere Rolle hat die Biokonvergenz, bei der Biologie mit Technologien wie Elektronik, künstliche Intelligenz, Computerwissenschaften, Materialwissenschaften, Nanotechnologie sowie Maschinen- und Gerätebau zusammenwirkt. Seit 2020 führt Israel ein nationales Programm zur Förderung von Biokonvergenz-Technologien durch.

    Ein weiteres Gebiet, das für ausländische Partner von Interesse sein kann, ist die Zusammenarbeit mit israelischen Hochschulen oder forschenden Krankenhäusern. Auch der Erwerb von Technologien, die an Hochschulen entwickelt wurden, kann von Interesse sein, der mithilfe der hochschuleigenen Technologietransfergesellschaften abgewickelt wird. 

    Umsatz wird zu 55 Prozent mit patentgeschützten Mitteln erzielt

    Laut einer Schätzung der Wirtschaftsforschungsfirma BMI – Fitch Solutions entfielen 83 Prozent des auf dem israelischen Markt mit Arzneimitteln erzielten Umsatzes auf verschreibungspflichtige und 17 Prozent auf verschreibungsfreie Erzeugnisse. 

    Nach derselben Schätzung stellten patentgeschützte Medikamente 55,3 Prozent und Generika 27,7 Prozent des Arzneimittelumsatzes.

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    Von Wladimir Struminski | Israel

  • Branchenstruktur

    Eine Krise des Branchenführers hat die Produktion erheblich reduziert. Zugleich entwickelt Israel moderne Medikamente und Technologien. Das zieht auch ausländisches Kapital an.

    Nach den jüngsten verfügbaren Angaben des Zentralamts für Statistik waren 2021 insgesamt 52 pharmazeutische Unternehmen in Israel tätig. Die Anzahl bleibt relativ beständig. In den Jahren 2016 bis 2021 schwankte sie mit leichtem Aufwärtstrend zwischen 49 und 56.

    Gleichzeitig aber nahm die reale Wertschöpfung der Pharmabranche seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts dramatisch ab. Auf dem Tiefpunkt der Krise lag sie 2022 bei nur noch 39,9 Prozent des Rekordstandes von 2015.

    Nach Produktionseinbruch erste Zeichen von Erholung

    Diese scheinbare Inkonsistenz liegt am Produktionsrückgang des führenden israelischen Pharmaherstellers, Teva Pharmaceutical Industries. Zwar handelt es sich dabei nur um ein Unternehmen, doch entfiel auf Teva die Mehrheit des von der Pharmabranche erzielten Umsatzes.

    Vor dem Ausbruch der Krise hatte Teva jahrelang zahlreiche pharmazeutische Unternehmen, vor allem im Ausland, übernommen und wurde zu einem bedeutenden Pharmakonzern. Eine unerwünschte Nebenwirkung dieser Expansion war jedoch eine erhebliche Verschuldung. Ab dem Jahr 2016 musste das Unternehmen daher eine drastische Umstrukturierung durchführen. Obwohl der Hauptsitz von Teva in Israel verblieb, wurden die meisten Produktionskapazitäten, die bis dahin im Land tätig waren, stillgelegt.

    Erst 2023 wies die Produktionsstatistik erste Erholungszeichen auf. Die reale Wertschöpfung stieg gegenüber 2022 um 18,4 Prozent. Die Auswirkungen der Krise auf Teva selbst wurden indessen etwas besser abgefedert, hauptsächlich dank der Auslandsstandorte. Nach unternehmenseigenen Angaben verfügte Teva im März 2023 über Produktionsstätten in mehr als 30 Ländern. Israel spielt dabei nur eine Randrolle. Da der Konzernsitz sich jedoch nach wie vor im Land befindet, wird Teva als ein israelisches Unternehmen geführt.

    Allerdings hatten die zahlreichen Entlassungen, die Teva krisenbedingt vornehmen musste, auch eine belebende Wirkung auf die übrige Pharmabranche. Viele der Entlassenen gründeten eigene Start-ups oder schlossen sich anderen, kleineren Firmen an. Dadurch wurde das Know-how der Pharmaindustrie gleichmäßiger verteilt und verlieh ihr neue Entwicklungsimpulse.

    Viele Firmen bieten Hilfstechnologien

    Ein anderes statistisches Bild ergibt sich aus der Datenbank von Start-up Nation Central (SNC). Dort wurden im März 2024 unter dem Stichwort "Pharmazeutika" 143 Unternehmen geführt, die über marktgängige Produkte verfügen.

    Dabei handelt es sich aber nur zum Teil um Hersteller von Medikamenten. Vielmehr rechnet SNC unter anderem auch Hersteller von unterstützenden Produkten und Technologien, darunter Wirkstoffen, Verabreichungstechnik, Diagnostikplattformen und Simulatoren klinischer Tests der Pharmabranche zu. Weitere 220 Unternehmen desselben Zuschnitts haben bisher keine marktgängigen Produkte, sondern sind noch mit deren Entwicklung beschäftigt.

    Die meisten von SNC in der Kategorie "Pharmazeutika" erfassten Unternehmen sind klein und auf externe Finanzierung angewiesen. Das kann ausländischen Pharmaherstellern Möglichkeiten für Technologiezukauf schaffen.

     

    Wichtige Branchenunternehmen in Land Umsatz in Millionen US-Dollar

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 2022

    Teva Pharmaceutical Industries

    Generika, OTC, Originalarzneimittel 

    19.640

    Taro Pharmaceutical Industries Israel

    Generika, pharmazeutische Inhaltsstoffe

    561

    Dexel Pharma

    Generika

    298

    Padagis Israel Pharmaceuticals

    Generika, zusammengesetzte Arzneimittel

    194

    Quelle: Dun and Bradstreet Israel, Unternehmensangaben, Recherchen von Germany Trade & Invest

     

    Hochentwickelte Cannabis-Branche

    Israel hat einen gut entwickelten Sektor für medizinisches Cannabis. Im Jahr 2023 hatten knapp 140.000 Patienten die Berechtigung, Cannabis zu verwenden, Tendenz steigend. Die Kontrolle der Verschreibung und Nutzung von medizinischem Cannabis obliegt dem Gesundheitsministerium.

    Israel ist zudem ein wichtiger Standort für Cannabisforschung und -entwicklung. Das Land verfügt über eine moderne Cannabisindustrie. Neben Anbaubetrieben und Herstellern von medizinischen Präparaten sind in Israel auch Firmen tätig, die sich auf begleitende Technologien wie Entwicklung neuer Cannabissorten, Verabreichungsmethoden, klinische Tests oder Produktionstechnologie spezialisieren.

    Nach Angaben von SNC waren im März 2024 sechs Investitionsfonds in Israel tätig, die der Cannabisbranche Finanzierung zur Verfügung stellten. Das schwedische Pharmaunternehmen Recipharm AB unterhält in Israel ein Forschungs- und -entwicklungszentrum.

    Pharmaforschung zieht ausländisches Kapital an

    Die Arzneimittelforschung in Israel ist auf einem sehr hohem Niveau. Israelische Universitäten sind in der pharmazeutischen Forschung tätig und entwickeln auch Lösungen, die an Pharmaunternehmen im In- und Ausland verkauft werden. So etwa beruhte eines der weltweit erfolgreichsten israelischen Medikamente, das zur Behandlung Multipler Sklerose verwendete Copaxone, auf Forschungsergebnissen des renommierten Weizmann-Instituts für Wissenschaft (Weizman Institute of Science). Die israelische Innovationsbehörde stellt der Pharmabranche Fördermittel für die industrielle Forschung und Entwicklung zur Verfügung.

    Zahlreiche spezialisierte Investitionsfirmen sind ebenfalls in Israel tätig. Nach Angaben von SNC waren im März 2024 insgesamt 75 Investoren im Pharmabereich engagiert, darunter 37 Wagniskapitalfonds. Die restlichen 38 Investoren verteilten sich auf Privatinvestoren (Angel), Beteiligungskapitalgesellschaften und Crowd-Financing-Plattformen. Ferner unterhalten 30 ausländische Unternehmen eigene Forschungs- und Entwicklungs- oder Innovationszentren in Israel.

     

    Von Wladimir Struminski | Israel

  • Rahmenbedingungen

    Alle Einwohner Israels sind krankenversichert, aber der Staat finanziert nur zwei Drittel der Gesundheitsausgaben. Für die Marktzulassung von Medikamenten gelten strenge Regeln.

    Das Gesundheitswesen wird überwiegend von staatlichen oder staatlich geförderten Einrichtungen getragen. Die überwiegende Zahl der Allgemeinkrankenhäuser befindet sich in staatlichem oder gemeinnützigem Besitz. Die vier im Land tätigen Krankenkassen sind nicht nur Versicherungsträger, sondern in erheblichem Umfang auch medizinische Leistungserbringer mit eigenen Kliniken und zum Teil auch Krankenhäusern.

    Alle sind per Gesetz krankenversichert

    Laut dem israelischen Krankenversicherungsgesetz ist jeder Landesbewohner krankenversichert und hat das Recht, Mitglied einer Krankenkasse seiner Wahl zu werden. Das Krankenversicherungsgesetz bestimmt ferner, dass jeder Bürger Israels Anspruch auf eine staatlich finanzierte Therapie- und Arzneimittelpalette hat, den sogenannten Gesundheitskorb. Dieser wird jährlich aktualisiert.

    Anbieter von Therapietechnologien und Medikamenten reichen bei einer Fachkommission Anträge auf die Aufnahme in den Gesundheitskorb ein. Bei der Prüfung der Anträge werden Kriterien wie lebensrettende Eigenschaften des Medikaments, die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten und die Zahl der Kranken berücksichtigt, denen das Medikament zugutekäme. Im Jahr 2024 wurden 10 neue Technologien und 75 neue Arzneimittel dem "Korb", wie er oft kurz genannt wird, hinzugefügt.

    Der Gesundheitskorb sichert insgesamt eine breit angelegte medizinische Betreuung der nach dem Gesetz pflichtversicherten Patienten. Allerdings bemängeln Kritiker, dass der finanzielle Umfang des Gesundheitskorbs hinter dem tatsächlichen Bedarf erheblich zurückbleibt.

    Laut einer 2023 veröffentlichten Analyse der israelischen Denkfabrik Taub Center for Social Policy Studies berücksichtigt die jährliche Aufstockung der staatlichen Leistungspalette nicht in genügendem Maß die Preissteigerungen, die sich aus dem technologischen Forstschritt der Pharmabranche und der Medizintechnik ergeben. Daher habe der Wert des Gesundheitskorbs von umgerechnet 16,7 Milliarden US$ 2020 bei nur 59 Prozent bis 67 Prozent des Niveaus gelegen, das bei ausreichender Berücksichtigung der Preise modernster Produkte für angemessene Krankenbehandlung nötig wäre.

    Großteil der Gesundheitsausgaben wird vom Staat getragen

    Der Staat finanziert das Gros der Gesamtausgaben für die Gesundheitsversorgung. Im Jahr 2022 waren es 64,8 Prozent: 42,3 Prozent aus dem allgemeinen Regierungshaushalt und 22,5 Prozent aus Mitteln einer zweckgebundenen Gesundheitssteuer. Die Privathaushalte finanzierten 2022 aus eigener Tasche 33,9 Prozent der Gesundheitsausgaben, während Spenden aus dem Ausland 1,3 Prozent deckten.

    Strenge Prüfungen für die Marktzulassung

    Die Marktzulassung einheimischer wie ausländischer Arzneimittel wird durch die Verordnung über das Apothekenwesen – Präparate (Pharmacists’ Regulations  - Preparations) geregelt. Arzneimittelimporte dürfen nur mit Genehmigung der Abteilung für die Registrierung medizinischer Präparate des Gesundheitsministeriums (Medical Preparations Registration Department) verkauft werden.  

    Zulassungsanträge für den israelischen Markt können nur für Arzneimittel gestellt werden, die bereits in einem der sogenannten anerkannten Länder zugelassen sind. Bei diesen handelt es sich um EU-Länder, die USA, das Vereinigte Königreich, die Schweiz, Norwegen, Japan, Kanada, Australien und Neuseeland.

    Trotz dieser Zulassung werden die Präparate vom israelischen Gesundheitsministerium einer eigenständigen und strengen Prüfung unterzogen. Der Antrag muss ausführlich dokumentiert werden. Unter anderem muss der Antragsteller dem Gesundheitsministerium die aktuelle Produktakte, eine Liste von Datenbanken mit Informationen über das Präparat und alle bis zum Tag der Antragstellung veröffentlichten wissenschaftlichen Artikel über das Präparat beziehungsweise deren Zusammenfassung vorlegen.

    Allerdings darf das Ministerium laut Gesetz in begründeten Fällen auf einen Teil oder alle der genannten Informationen verzichten. Bei Importen durch medizinische Einrichtungen kann die Einfuhr einer anderen Handelsmarke als der bereits zugelassenen erlaubt werden. Bedingung dafür ist, dass das andere Arzneimittel mit dem zugelassenen "vergleichbar" ist. Das bedeutet, dass es in der Zusammensetzung des Wirkstoffs, der Form, der Einnahmeweise, der Qualität und der medizinischen Wirkung mit dem Originalmittel identisch sein muss.   

    Die Dauer des Genehmigungsverfahrens variiert

    Die Dauer des Zulassungsverfahrens kann je nach Fall variieren. Nach Auskunft von Zvika Goshen, Direktor der Abteilung für Pharmaprodukte, Medizintechnik und Kosmetika bei der Vereinigung der israelischen Handelskammern (Federation of Israeli Chambers of Commerce) werden Medikamente, die in den Gesundheitskorb neu aufgenommen werden, in der Regel schnell zugelassen. Demgegenüber können andere Arzneimittel sowie rezeptfreie Medikamente längere Zeit in Anspruch nehmen - zwei Jahre und in Extremfällen sogar länger.

    Die Vereinigung der Handelskammern, die unter anderem als Vertretung der Importwirtschaft fungiert, so Goshen, sei in Gesprächen mit dem Gesundheitsministerium bemüht, die Genehmigungsprozedur zu beschleunigen. Bisher hätten diese Kontakte jedoch keine konkreten Ergebnisse gebracht.

    Ausländische Pharmahersteller, die den israelischen Markt betreten wollen, so Goshen, können oft von einem Importeur profitieren, der sich auf Medikamente ähnlicher Art spezialisiert. Der Importeur vermeidet dadurch unnötige Verzögerungen des Genehmigungsverfahrens. Zudem könne er auch die Absatzchancen des neuen Präparats auf dem israelischen Markt besser abschätzen.

    Die Apotheken befinden sich entweder im Privatbesitz oder gehören den Krankenkassen. Im Segment der privaten Apotheken spielen zwei große Drogerieketten mit eigenem Medikamentenverkauf, Superpharm und Be, eine wichtige Rolle. Allerdings sind auch private Einzelapotheken auf dem Markt tätig.

    Germany Trade  Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Wladimir Struminski | Israel

  • Kontaktadressen

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Israel

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative GesundheitswirtschaftDie Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft
    Ministry of HealthGesundheitsministerium, übergreifende Verantwortung für das Gesundheitswesen
    Pharmaceutical Division, Ministry of Health Pharmakologische Abteilung des Gesundheitsministeriums, zuständig für die Kontrolle von medizintechnischen und pharmazeutischen Produkten
    Chemical, Pharmaceutical, and Environmental Industries AssociationFachverband der Chemie-, Pharma- und Umweltindustrie, agiert im Rahmen der Industriellenvereinigung (Israel Manufacturers‘ Association)
    Federation of Israeli Chambers of CommerceVereinigung der israelischen Handelskammern, fungiert u.a. als Vertretung der Importwirtschaft
    IATI - Israel Advanced Technology Industries Verband wissensintensiver Industrie inklusive der biowissenschaftlichen Industrie
    Biomed IsraelFachmesse für Biotechnologie, Biomedizin, Pharma und Medizintechnik

     

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