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Branche kompakt | Saudi-Arabien | Pharmaindustrie, Biotechnologie

Saudi-Arabien stärkt Führungsrolle im Pharmasektor

Saudi-Arabiens Pharmamarkt soll weiter kräftig wachsen. Deutsche Lieferanten haben zuletzt besonders zugelegt. Der Staat fördert Inlandshersteller und Generika legen zu. 

Von Heena Nazir | Dubai

Ausblick der Pharmaindustrie in Saudi-Arabien

Bewertung:

 

  • Saudi-Arabiens Pharmamarkt legt weiterhin zu. Die Bevölkerung wächst und leidet vielfach unter Zivilisationskrankheiten. 
  • Geld ist da. Der Staat steigert seine Gesundheitsausgaben, kontrolliert aber die Preise und versucht sie zu senken. 
  • Deutschland ist mit den USA wichtigster Pharma-Lieferant.  

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: April 2025

  • Saudi-Arabiens Pharmamarkt wächst stabil. Chronische Erkrankungen, Biopharmazeutika und staatliche Lokalisierung prägen die Marktentwicklung.

    Saudi-Arabien nimmt 2025 eine Schlüsselrolle als größter Pharmamarkt in der Region Middle East & Africa (MEA, Naher Osten sowie Afrika) ein. Nach Daten des Marktforschungsunternehmens IQVIA belief sich der pharmazeutische Umsatz der gesamten MEA-Region Mitte 2025 auf rund 38,8 Milliarden US-Dollar (US$). Auf Saudi-Arabien entfielen davon etwa 14,6 Milliarden US$ beziehungsweise rund 37,5 Prozent. Damit liegt das Königreich deutlich vor den Vereinigten Arabischen Emiraten, die mit pharmazeutischen Umsätzen von rund 4,9 Milliarden US$ den zweitgrößten Einzelmarkt der Region darstellen.

    5 %

    pro Jahr wächst der saudi-arabische Pharmamarkt bis 2030.

    Beim Marktvolumen, das den tatsächlichen Inlandsverbrauch abbildet, fallen die Werte niedriger aus. Nach Einschätzung von Fitch Solutions belief sich das Marktvolumen des saudi-arabischen Pharmamarktes 2024 auf rund 11,9 Milliarden US$. Für die kommenden Jahre erwarten Analysten eine weiterhin stabile Expansion. Bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte der Markt durchschnittlich um etwa 5 Prozent pro Jahr wachsen und bis 2030 ein Volumen von rund 15,9 Milliarden US$ erreichen. Damit zählt Saudi-Arabien weiterhin zu den dynamischsten und volumenstärksten Pharmamärkten innerhalb der MEA-Region.

    Getragen wird diese Entwicklung vor allem durch langfristige demografische und epidemiologische Faktoren. Die Bevölkerung des Landes wächst weiter und altert zugleich. Parallel dazu bleibt die Krankheitslast hoch. Nach IQVIA-Daten entfallen mehr als 60 Prozent der Arzneimittelausgaben auf Therapien gegen chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Krebs und Autoimmunerkrankungen. Besonders Diabetes stellt ein zentrales Gesundheitsproblem dar. Rund 18 Prozent der erwachsenen Bevölkerung gelten als erkrankt. Der damit verbundene Bedarf an dauerhafter medikamentöser Behandlung erhöht die Nachfrage nach hochwertigen und innovativen Arzneimitteln spürbar.

    Biopharmazeutika gewinnen stark an Bedeutung

    Besonders dynamisch entwickelt sich das Segment der Biopharmazeutika. Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens IQVIA entfallen inzwischen rund 25 bis 30 Prozent des saudi-arabischen Pharmamarktvolumens auf biotechnologisch hergestellte Arzneimittel. Dazu zählen unter anderem monoklonale Antikörper, moderne Impfstoffe sowie komplexe Präparate zur Behandlung von Diabetes und Krebserkrankungen. Dieses Segment wächst jährlich um mehr als 8 Prozent und damit deutlich schneller als der Gesamtmarkt.

    Für 2024 ergibt sich daraus ein Marktvolumen der Biopharmazeutika von rund 3,0 bis 3,6 Milliarden US$, ausgehend von einem gesamten Pharmamarkt von etwa 11,9 Milliarden US$. Neue Arzneimittelzulassungen in den Bereichen Onkologie, Immunologie und Neurologie stützen diese Entwicklung zusätzlich. Für internationale Anbieter erhöht sich damit die Attraktivität des Marktes, insbesondere für innovative und patentgeschützte Produkte.

    Lokalisierung prägt die Marktstrategie internationaler Anbieter

    Ein prägender Trend im saudi-arabischen Pharmamarkt ist die gezielte Förderung lokaler Produktionskapazitäten. Nach Angaben von Invest Saudi werden derzeit rund 70 Prozent der im Land verwendeten Medikamente importiert. Die Regierung verfolgt das Ziel, den lokalen Produktionsanteil bis 2030 von etwa 30 Prozent im Jahr 2025 auf rund 40 Prozent zu erhöhen.

    Diese Strategie ist Teil der wirtschaftspolitischen Vision 2030. Mit ihr will Saudi-Arabien die industrielle Wertschöpfung ausbauen, die Versorgungssicherheit stärken und die Importabhängigkeit schrittweise verringern. Internationale Pharmaunternehmen passen ihre Marktstrategien zunehmend an diese Rahmenbedingungen an und prüfen Investitionen in lokale Produktionsstätten oder Joint Ventures.

    Milliardeninvestitionen in neue Produktionskapazitäten

    Zur Umsetzung der Lokalisierungsziele unterstützt der Staat den Aufbau neuer Pharma- und Biotechnologieanlagen sowohl finanziell als auch regulatorisch. Zwischen 2021 und 2025 wurden Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 11 Milliarden US$ angekündigt. Branchenbeobachter bewerten diese Vorhaben als ambitioniert, verweisen jedoch darauf, dass der Umsetzungsstand einzelner Projekte bislang teilweise unklar ist.

    Zu den wichtigsten Investitionen zählt der Aufbau einer Insulinproduktionsstätte im Industriegebiet Sudair, die Sanofi gemeinsam mit lokalen Partnern realisiert. Darüber hinaus baut der saudische Hersteller SPIMACO eine neue Produktionsanlage für Onkologiepräparate, um die lokale Versorgung mit spezialisierten Arzneimitteln zu stärken. Jamjoom Pharma investiert in die Erweiterung bestehender Kapazitäten für Generika und lizenzierte Spezialpräparate. Parallel dazu treibt der staatliche Public Investment Fund mit der Plattform Lifera den Aufbau einer integrierten Biopharmaindustrie voran, unter anderem für Impfstoffe, Biosimilars und komplexe biopharmazeutische Produkte.

    Flankiert wird diese Entwicklung durch die staatliche Beschaffungspolitik. Unternehmen mit lokaler Produktion werden bei öffentlichen Ausschreibungen bevorzugt und können in der Regel höhere Preise erzielen als reine Importeure. Seit Anfang 2024 dürfen zudem grundsätzlich nur noch Unternehmen an staatlichen Ausschreibungen teilnehmen, die ihr Regional Headquarter in Saudi-Arabien eingerichtet haben. Zwar bestehen Ausnahmen, doch erhöht diese Regelung den Druck auf internationale Anbieter, ihre Präsenz im Land weiter auszubauen.

    Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in Saudi-ArabienInvestitionssumme in Millionen US-Dollar
    Akteur/ProjektInvestitionssummeProjektstandAnmerkungen
    Akkad Holdings/Shamek IV Solutions - Intravenous Fluid Factory, KAEC

    200

    Ankündigung Anfang 2025: „Baubeginn bis Mitte 2025 erhofft“Akkad Holdings/Shamek IV Solutions - Intravenous Fluid Factory, KAEC
    Modon - Integrated Pharmaceutical Complex, Medina

    152

    Projektstand unklar; Design Modon - Integrated Pharmaceutical Complex, Medina
    Nupco - Pharmaceutical Logistics Center

    k.A.

    Projektstand unklar; 2025 und 2026 sollen je 2 Zentren eröffnet werden, eines in Dschidda soll 150 Mio. US$ kostenNupco - Pharmaceutical Logistics Center
    Eva Pharma/Modon - Integrated Research & Pharmaceutical Complex

    133

    in Ausführung; soll Ende 2025 in Betrieb gehen; für Onkologie-PräparateEva Pharma/Modon - Integrated Research & Pharmaceutical Complex
    Julphar – Pharmaceutical and Biotechnology Manufacturing Facility

    80

    Design (FEED)Julphar – Pharmaceutical and Biotechnology Manufacturing Facility
    MAS/Biogenesis Bago - Animal Vaccine Manufacturing Plant, Riad

    60

    Projektstand unklar; Ankündigung von 2021MAS/Biogenesis Bago - Animal Vaccine Manufacturing Plant, Riad

    Pharco International - Pharco International Pharmaceutical Factory, Medina

     

    41

    Projektstand unklar; November 2023 wurde erfolgter Baubeginn vermeldet: Investition „bis 150 Mio. US$“

    Pharco International - Pharco International Pharmaceutical Factory, Medina

     

    Quelle: Meed Projects, Presse; Januar 2025

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Saudi-Arabiens Pharmamarkt wächst dynamisch, ist aber stark importabhängig. Internationale Anbieter prägen den Markt, Lokalisierung verschärft den Wettbewerb.

    Der saudi-arabische Pharmamarkt ist stark international geprägt. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IQVIA entfallen rund 55 Prozent des Marktwertes auf internationale Pharmaunternehmen. Diese sind vor allem im Segment patentgeschützter Originalpräparate sowie bei Spezialtherapeutika führend. Obwohl diese Produkte mengenmäßig einen geringeren Anteil am Gesamtmarkt haben, erzielen sie aufgrund hoher Preise und komplexer Therapien einen überproportionalen Umsatzanteil.

    Internationale Anbieter dominieren wertmäßig den Markt

    Die starke Position internationaler Anbieter ist vor allem auf die historisch hohe Importabhängigkeit Saudi-Arabiens sowie auf die anhaltend hohe Nachfrage nach innovativen Arzneimitteln zurückzuführen. Beschleunigte Zulassungsverfahren und eine vergleichsweise schnelle Markteinführung neuer Medikamente erleichtern es internationalen Herstellern, ihre Produkte frühzeitig im Markt zu platzieren und Marktanteile zu sichern.

    Parallel dazu gewinnt die lokale Pharmaindustrie schrittweise an Bedeutung. Zu den wichtigsten nationalen Herstellern zählen SPIMACO, Jamjoom Pharma und Tabuk Pharmaceuticals. Gemeinsam mit internationalen Anbietern vereinen die zehn größten Unternehmen rund 44 Prozent des Marktvolumens auf sich. Dies deutet auf eine fragmentierte Marktstruktur hin, in der neben einigen großen Akteuren zahlreiche kleinere Anbieter aktiv sind.

    Nach Einschätzung des Analyseinstituts Fitch Solutions ist die lokale Arzneimittelproduktion zwischen 2019 und 2024 um rund 25 Prozent gestiegen. Der Schwerpunkt liegt bislang auf Generika, also wirkstoffgleichen Nachahmerpräparaten. Zunehmend erweitern saudi-arabische Hersteller ihr Portfolio jedoch um komplexere Darreichungsformen, Kombinationspräparate und lizenzierte Spezialmedikamente, um höhere Wertschöpfungsstufen im Land aufzubauen.

    Entwicklung des Pharmamarktes nach SegmentenUmsatz in Milliarden US-Dollar
    Markt

    2020

    2021

    2022

    2023

    2024 

    Pharmamarkt gesamt

    8,65

    10,90

    11,49

    12,27

    11,90

    Verschreibungspflichtige Präparate 1)

    7,89

    9,80

    10,41

    11,20

    10,92

     davon Originalpräparate 1)

    4,76

    5,78

    6,07

    6,43

    6,18

     davon Generika 1)

    3,14

    4,03

    4,34

    4,78

    4,74

    Over-the-Counter (OTC)

    0,76

    1,10

    1,08

    1,07

    0,98

    1 Unterteilung nach a) verschreibungspflichtig oder nicht (OTC) sowie b) Originalpräparate, Generika, OTC-ProdukteQuelle: Fitch Solutions; Januar 2026

    Staatliche Beschaffung prägt Nachfrage und Wettbewerb

    Der öffentliche Gesundheitssektor ist der mit Abstand wichtigste Abnehmer von Arzneimitteln. Schätzungen zufolge entfallen mehr als 65 Prozent der gesamten Arzneimittelausgaben auf staatliche Einrichtungen. Die zentrale Beschaffung über öffentliche Ausschreibungen führt zu hoher Preissensitivität und begünstigt Anbieter mit lokaler Produktions-, Verpackungs- oder zumindest regionaler Präsenz.

    Gleichzeitig wächst der private Gesundheitssektor dynamisch. Der Ausbau privater Krankenhäuser, spezialisierter Kliniken, Apothekenketten und privater Krankenversicherungen schafft zusätzliche Absatzkanäle. Dies erhöht den Wettbewerbsdruck, insbesondere im Bereich rezeptfreier Arzneimittel, bei Spezialtherapien sowie bei höherpreisigen Medikamenten.

    Importabhängigkeit bleibt hoch – trotz lokaler Produktionszuwächse

    Saudi-Arabien zählt zu den größten Pharmamärkten im Nahen Osten und bleibt trotz wachsender lokaler Produktion stark importabhängig. Die Einfuhren pharmazeutischer Erzeugnisse aus dem Ausland entwickelten sich seit 2019 dynamisch. Das Importvolumen stieg von rund 5,4 Milliarden US-Dollar (US$) im Jahr 2019 auf etwa 9,6 Milliarden US$ im Jahr 2024. Damit nahmen die Pharmaimporte innerhalb von fünf Jahren nominal um rund 77 Prozent zu.

    Auch im Jahr 2020, das weltweit von der Covid-19-Pandemie geprägt war, verzeichnete Saudi-Arabien noch ein leichtes Importwachstum. Ab 2021 beschleunigte sich die Entwicklung deutlich. Treiber waren steigende Gesundheitsausgaben, ein wachsender Behandlungsbedarf infolge des Bevölkerungswachstums und der hohen Verbreitung chronischer Erkrankungen sowie umfangreiche staatliche Investitionen in die medizinische Infrastruktur. Der Ausbau von Krankenhäusern, spezialisierten Kliniken und ambulanten Versorgungszentren erhöht die Nachfrage nach Arzneimitteln nachhaltig.

    Besonders stark fiel der Importzuwachs in den Jahren 2023 und 2024 aus. Allein zwischen diesen beiden Jahren legten die Einfuhren um rund 1,45 Milliarden US$ zu. Dies verdeutlicht, dass Saudi-Arabien trotz ambitionierter Lokalisierungsziele kurzfristig weiterhin auf internationale Pharmahersteller angewiesen bleibt, insbesondere bei patentgeschützten Medikamenten, Biopharmazeutika und komplexen Therapien.

    Wettbewerb verschärft sich – strategische Folgen für deutsche Anbieter

    Deutschland zählt seit Jahren zu den wichtigsten Lieferländern für pharmazeutische Erzeugnisse nach Saudi-Arabien. Die deutschen Pharmaexporte stiegen von rund 0,93 Milliarden US$ im Jahr 2019 auf etwa 1,47 Milliarden US$ im Jahr 2024. Damit legten die Lieferungen um knapp 58 Prozent zu und entwickelten sich insgesamt stabil.

    Die Nachfrage nach deutschen Arzneimitteln profitiert vom guten Ruf deutscher Hersteller in Bezug auf Qualität, Sicherheit und regulatorische Zuverlässigkeit. Besonders gefragt sind hochwertige Originalpräparate, Spezialpharmazeutika sowie Medikamente zur Behandlung chronischer und komplexer Erkrankungen. In diesen Segmenten verfügt Deutschland weiterhin über klare Wettbewerbsvorteile.

    Gleichzeitig hat sich die Wettbewerbssituation im saudi-arabischen Pharmamarkt seit 2019 spürbar verschärft. Insbesondere die Vereinigten Staaten bauten ihre Position deutlich aus. Die US-Exporte stiegen von rund 0,76 Milliarden US$ im Jahr 2019 auf etwa 1,41 Milliarden US$ im Jahr 2024. Auch europäische Wettbewerber wie Italien, Irland und Frankreich konnten ihre Lieferungen teils deutlich ausweiten.

    Vor diesem Hintergrund wird der Markteintritt für ausländische Anbieter anspruchsvoller. Saudi-Arabien verfolgt im Rahmen der Vision 2030 eine gezielte Lokalisierungsstrategie, die auch den Pharmasektor umfasst. Öffentliche Beschaffer bevorzugen zunehmend Anbieter mit lokaler Wertschöpfung oder regionalen Partnerschaften. Für deutsche Unternehmen bedeutet dies, dass sie ihre Stärken in Innovation, Qualität und Versorgungssicherheit stärker mit lokalen Produktions-, Verpackungs- oder Kooperationsmodellen verknüpfen müssen, um ihre Marktposition langfristig zu sichern.

    Wichtige Branchenunternehmen in Saudi-ArabienUmsatz in Millionen US-Dollar

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz1)

    HikmaHersteller von generischen und spezialisierten pharmazeutischen Produkten

    301 (2024)2)

    SpimacoEntwicklung, Herstellung und Vertrieb von pharmazeutischen Produkten und medizinischen Geräten

    301 (2023)3)

    Tabuk

    Pharmaceuticals

    Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Marken- als auch generischen pharmazeutischen Produkten

     k.A. (Geschätzt werden „über 266“)

     

    Jamjoom PharmaHerstellung von pharmazeutischen Produkten

    229 (2024)4)

    Saja (Saudi Arabian Japanese) Pharmaceuticals)Entwicklung als auch in der Herstellung von pharmazeutischen Produkten

     k.A.

    1 Angaben differieren mit anderen Marktzahlen wegen differierender Produkt- und Tätigkeitsabgrenzungen; 2 in Saudi-Arabien; 3 in Saudi-Arabien mit Pharma-Herstellung; 4 in Saudi-Arabien (2024: 65% des Umsatzes), mit Consumer Health Products (16%).Quelle: Unternehmens-Jahresberichte und -Webseiten; Januar 2026

     

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Der Staat gibt mehr Mittel für den Gesundheitssektor aus. Für EU- und US-Pharmaprodukte gilt ein vereinfachtes Zulassungsverfahren. Im Vertrieb dominieren Apothekenketten.

    Laut Economist Intelligence Unit (EIU) flossen 2025 rund 6 Prozent der Wirtschaftsleistung in die Gesundheitsversorgung. Das soll auch in den nächsten Jahren so bleiben. Der Staat finanzierte 77 Prozent der Ausgaben. Dieser Anteil werde bis 2028 voraussichtlich steigen. Ein Grund seien die weiterhin hohen Erdöleinahmen des Staates, ein anderer die Ausweitung der Pflichtversicherung und eine seit 2019 bessere soziale Absicherung für Frauen. 

    Die staatliche Finanzierung umfasst direkte Zahlungen und Subventionen an private Unternehmen und ebenso die öffentliche Pflichtversicherung. Für Saudi-Araber und religiöse Pilger ist die Gesundheitsversorgung traditionell frei. Viele Bürger versichern sich zusätzlich bei einem privaten Anbieter oder über ihren Arbeitgeber. 

    Seit 2017 müssen private Arbeitgeber ihre Beschäftigten nach den Maßgaben des CCHI (Council of Cooperative Health Insurance) registrieren. Für Mitte 2024 meldete das CCHI 12,4 Millionen Versicherte nach diesem Schema. Dabei handelt es sich vor allem um Ausländer, ein Drittel waren aber Saudi-Araber. Von aktuell 28 lizenzierten privaten Krankenversicherungen tätigen die beiden Unternehmen Bupa Arabia und Tawuniya zusammen drei Viertel der Umsätze.

    Von den privaten Gesundheitsausgaben (Anteil: 23 Prozent) flossen 2021 laut EIU 56 Prozent in freiwillige Versicherungen. Die restlichen 44 Prozent waren direkte Zahlungen von Leistungen. Der Anteil dieser „Out-of-Pocket“-Leistungen sei 2024 auf 53 Prozent gestiegen.

    Öffentliche Ausschreibungen zentralisiert

    Die Pharmabeschaffungen des staatlichen Sektors laufen zum größten Teil über die staatliche National Unified Procurement Company. NUPCO beschaffte 2024 laut der Webseite Globaltenders.com Medikamente für 4 Milliarden US$, bei einem Gesamtmarkt für Pharmaausschreibungen von 5,6 Milliarden US$. NUPCO kauft auch medizinische Ausrüstungen und beschafft insgesamt nach einem aktuellen Interview des Firmenchefs jährlich für umgerechnet "über 25 Milliarden Rial" (6,7 Milliarden US$). 

    Die Arzneimittelpreise werden von der staatlichen Saudi Food & Drug Authority (SFDA) kontrolliert. Aktuell gelten dafür Richtlinien von 2021. Über Anpassungen und relevante Regulierungen informiert die SFDA auf ihrer Website. Für ihre Preisfestsetzung berücksichtigt die Behörde unter anderem die Preise ab Werk im In- oder Ausland sowie Marktpreise in 16 Industriestaaten, darunter Deutschland. 

    Genehmigte Preise gelten zwei Jahre

    Die genehmigten Preise gelten in der Regel für mindestens zwei Jahre. Bis zu sieben Jahre sind es bei innovativen Präparaten und Biopharmaka, wenn deren Produktion vollständig in Saudi-Arabien erfolgt. Die Preise von Originalprodukten werden bei der Zulassung von Generika in Saudi-Arabien um ein Viertel gesenkt. Generika dürfen maximal 70 Prozent des Preises des Originalpräparats kosten. Dem Großhandel wird eine Marge von 10 bis 15 Prozent (je nach Wert der Pharmaprodukte) zugestanden, dem Einzelhandel weitere 10 bis 20 Prozent.

    Die SFDA ist auch für die Zulassung von Medikamenten zuständig und überwacht auch deren Herstellung. Nach den Vorschriften in der seit Oktober 2023 gültigen Fassung (6.4.) ist der Antrag zur Registrierung online über das SDR-Portal (Saudi Drug Registration) einzureichen. Die SFDA überprüft den Antrag zunächst auf Vollständigkeit. Dann erfolgt die eigentliche Prüfung des Präparats inklusive Tests. 

    Ausländische Hersteller müssen den Antrag über eine in Saudi-Arabien ansässige Organisation stellen. Dies kann eine eigene Niederlassung (Direktinvestition oder Scientific Office) sein oder ein einheimischer Vertriebspartner oder Consultant. Für die Aufrechterhaltung der Zulassung müssen Antragsteller alle fünf Jahre einen Verlängerungsantrag einreichen.

    Manche Zulassungen sollen nur sechs Wochen dauern

    Es gibt beschleunigte Registrierungsverfahren für Pharmazeutika, die über eine Zulassung der EMA (European Medicines Agency) und/oder der USFDA (U.S. Food and Drug Administration) verfügen. Für Pharmazeutika mit Zulassung sowohl der EMA als auch der USFDA gilt das Verifizierungsverfahren, das innerhalb von 30 Werktagen abgeschlossen sein soll. Für Produkte, die nur eine Zulassung einer Zulassungsbehörde (EMA oder USFDA) haben, gilt das verkürzte Verfahren (Abridged Procedure), das etwa 60 Werktage in Anspruch nehmen soll.

    Anwälte raten, auch eventuell vorhandene Zulassungen aus dem Vereinigten Königreich, der Schweiz, Kanada und Australien vorzulegen. Die SFDA könne Präparate mit den genannten internationalen Zulassungen allerdings auch ablehnen. 

    Privatmarkt bietet höhere Margen als staatliche Beschaffung

    Der Vertrieb von Arzneimitteln ist in Saudi-Arabien klar zweigeteilt. Der private Markt gilt als profitabler als der öffentliche Sektor. Vertreter internationaler Pharmakonzerne berichten, dass Apotheken im Privatmarkt bevorzugt Originalpräparate führen, auch wenn deren Preise einer strikten staatlichen Regulierung unterliegen. Öffentliche Abnehmer greifen dagegen überwiegend auf Generika zurück, um Kosten zu begrenzen.

    Importierte Arzneimittel dürfen ausschließlich über saudi-arabische Vertriebspartner vermarktet werden. Als Kooperationspartner bieten sich insbesondere Unternehmen mit lokaler Produktion an. Lokal produzierte Medikamente dürfen hingegen direkt durch die Hersteller selbst vertrieben werden. Im Privatmarkt spielt zudem die Überzeugungsarbeit bei Ärzten eine zentrale Rolle. Deren Therapieempfehlungen beeinflussen maßgeblich die Sortimentsentscheidungen großer Apothekenketten. Wichtige Absatzkanäle sind darüber hinaus private Kliniken und Krankenhausketten, die ihren Anteil an der Versorgung kontinuierlich ausbauen.

    Die Zollabwicklung von Importware verläuft nach Angaben eines importierenden Unternehmens verlässlich. Die Importe vieler Pharmazeutika sind laut Zollbehörde zollfrei.

    GTAI veröffentlicht Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht, Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest/Saudi-Arabien

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Saudi-Arabien/Delegation der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

    Die Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft.

    Ministry of Health

    Federführendes Ministerium

    Saudi Food & Drug Authority

    Zulassungsbehörde für Medizintechnik

    National Unified Procurement Company (NUPCO)

    Staatliche Beschaffungsorganisation

    Ministry of Finance: Customs Authority

    Zollbehörde

    Arab Hospital Magazine

    Fachzeitschrift

    Middle East Economic Digest (MEED)

    Fachzeitschrift

    Global Health Exhibition

    Fachmesse (jährlich; 26.-29.10.2026 in Riad)

    Arab Health

    führende regionale Fachmesse (jährlich; 9.-12.02.2026 in Dubai)

    Dubai Derma - Messe für Dermatologie und Kosmetik

    Fachmesse (jährlich; 31.03. -2.04.2026 in Dubai)

    AEEDC -Internationale Fachmesse für Dentalmedizin

    Fachmesse (jährlich; 19.-21.01.2026 in Dubai)

    ARAB LAB Technologien und Dienstleistungen für Laboratorien

    Fachmesse (jährlich; 26.-28.10.2026 in Dubai)

    Von Heena Nazir | Dubai

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