Wirtschaftsumfeld | Israel | Krieg im Nahen Osten

Irankrieg: Geschäfte mit Israel stabil, Risiken steigen punktuell

Der Geschäftsbetrieb deutscher Unternehmen mit Israel läuft trotz des Irankriegs weitgehend stabil. Operative Risiken nehmen jedoch zu.

Von Wladimir Struminski | Israel

Der militärische Konflikt zwischen Israel und Iran wirkt sich spürbar auf einzelne Wirtschaftsbereiche aus. Dennoch zeigt sich für deutsche Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Israel bislang ein insgesamt stabiles Bild. Produktion, Exporte und internationale Lieferketten funktionieren weiterhin. Das liegt unter anderem daran, dass die israelische Regierung exportorientierte Unternehmen ausdrücklich priorisiert. Besondere Regelungen gelten für sogenannte essenzielle Unternehmen, etwa in der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie sowie in der Energie- und Wasserversorgung.

Nach Angaben des Verbands der israelischen Industrie werden Betriebe mit hoher Auslandsorientierung bevorzugt behandelt, etwa beim Zugang zu Arbeitskräften, Logistik oder Vorprodukten. Auch die israelischen Seehäfen sind funktionsfähig geblieben. Die Deutsch‑israelische Industrie‑ und Handelskammer berichtet, dass ihr bislang keine Fälle nennenswerter Lieferverzögerungen gegenüber deutschen Unternehmen bekannt sind.

Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Kurzfristige Unterbrechungen im Warenbezug aus Israel sind derzeit nicht flächendeckend zu erwarten. Entscheidend ist für viele Unternehmen weniger die Lieferfähigkeit als die Frage, ob Projekte vor Ort planmäßig umgesetzt werden können - etwa wenn Personal fehlt oder die Energieversorgung eingeschränkt ist.

Personalengpässe als zentrales operatives Risiko

Deutliche Auswirkungen hat der Krieg auf betrieblicher Ebene vor allem durch die Effekte auf den Arbeitsmarkt. Die Einberufung zahlreicher Reservisten sowie Einschränkungen im Bildungsbetrieb verursachen in vielen Unternehmen temporäre Personalengpässe. Besonders betroffen sind Tätigkeiten mit hohem Präsenzbedarf.

Unternehmen reagieren darauf unter anderem mit organisatorischen Anpassungen: Der zeitweise Einsatz ehemaliger Mitarbeitender, vereinfachte Tätigkeitsprofile sowie verlängerte Arbeitsschichten sollen Produktionsausfälle begrenzen. Bei Überschreitung der zulässigen Arbeitszeiten erleichtert das Arbeitsministerium die Erteilung von Sondergenehmigungen. 

Für deutsche Unternehmen mit lokaler Präsenz oder Projektabwicklung in Israel steigt damit das Risiko von Verzögerungen – insbesondere bei personalintensiven Projekten vor Ort. In der Praxis fehlt es häufig an Serviceteams oder Fachkräften, die Projekte umsetzen, selbst wenn Lieferketten stabil bleiben. 

Energie und Infrastruktur: lokal begrenzte, aber relevante Risiken

Der Krieg führt in einzelnen Bereichen der Energie‑ und Industrieinfrastruktur zu Beeinträchtigungen, etwa durch die zeitweise Stilllegung der Gasförderplattformen Leviathan und Karish oder Schäden an Industrieanlagen. Die verbleibende Plattform Tamar deckt nur etwa die Hälfte des inländischen Bedarfs. Die Elektrizitätswirtschaft stellte deshalb teilweise von Gas- auf Dieselbetrieb um. 

Derzeit gibt es keine Hinweise auf eine flächendeckende Produktionsunfähigkeit oder einen systemischen Ausfall kritischer Infrastruktur. Für Unternehmen entstehen jedoch zusätzliche Risiken, insbesondere bei Projekten mit hohem Energiebedarf oder engen Zeitplänen

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Risiken projektbezogen prüfen

Der bilaterale Warenhandel zeigt bislang keine kritischen Engpässe. Viele Unternehmen nutzen bereits diversifizierte Lieferstrukturen. 

Für deutsche Unternehmen ergibt sich derzeit nicht die Notwendigkeit zu einem Rückzug, wohl aber ein erhöhter Bedarf an Risikobewertung auf Projektebene. Entscheidend sind das Geschäftsmodell, Abhängigkeiten vor Ort und die Sensibilität gegenüber Personal-  oder Energieengpässen. Der israelische Markt bleibt kurzfristig funktionsfähig, zugleich wächst die Bedeutung sorgfältiger Priorisierung und Absicherung laufender Engagements.

Welche Geschäftsbereiche besonders betroffen sind – und welche weniger

  • Geringere Risiken bestehen bei:

    • Wartungs‑, Service‑ und Ersatzteilleistungen
    • sicherheits‑, energie‑ und infrastrukturell relevante Projekte
    • laufende Export‑ und Importbeziehungen

     

  • Höhere Unsicherheiten bestehen bei:

    • personalintensiven Projekten vor Ort
    • energieabhängigen Industrieprozessen
    • zeitkritischen Infrastrukturvorhaben