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Freiwillige Normen spielen in Israel eine wichtige Rolle
In Israel gelten rund 3.000 freiwillige Normen. Sie begründen keine gesetzliche Konformitätspflicht, doch sie erleichtern oft den Absatz oder werden durch Verträge verbindlich.
02.03.2026
Von Wladimir Struminski | Israel
Alle Normen werden in Israel vom staatseigenen Israelischen Normeninstitut (Standards Institution of Israel – SII) erlassen. Im Februar 2016 bestanden in Israel laut dem SII 3.552 israelische Normen. Davon wurden 565 vom Wirtschaftsministerium als verbindlich erklärt. Ohne Konformität mit diesen Normen dürfen von ihnen erfasste Produkte weder von einheimischen Herstellern noch von Importeuren in Israel verkauft werden. Zwar haben die ursprünglichen israelischen Normen erheblich an Relevanz verloren. Im Jahr 2025 übernahm Israel die Bestimmungen von 43 EU-Direktiven in das israelische Normenrecht. Gleichwohl sind auch diese nun als israelische Normen verbindlich.
Freiwillige Normen sind oft für Markterfolg wichtig
Das bedeutet, dass rund 3.000 vom SII erlassene Normen in die sogenannte freiwillige Kategorie fallen. Die Einfuhr oder der Vertrieb betroffener Produkte ist an ihre Erfüllung von Rechts wegen nicht gebunden. Dennoch sind freiwillige Normen oft eine Voraussetzung für den Verkauf importierter wie einheimischer Waren – oder zumindest eine Absatzhilfe. Die Kenntnis dieses Themas ist daher für ausländische Unternehmen oft relevant – nicht zuletzt, wenn sie einen Markteintritt in Israel erwägen.
Wie das Normeninstitut gegenüber Germany Trade and Invest erklärte, sind bei ihm mehrere hundert Importeure registriert, die von ihnen eingeführte Produkte auf Konformität mit freiwilligen Normen prüfen lassen. Die Gründe dafür sind – je nach Fall – unterschiedlicher Natur.
Normkennzeichen wird auch von Importeuren beantragt
Bei Konsumgütern erhalten geprüfte Produkte, die der jeweiligen freiwilligen Norm entsprechen, ein aufgedrucktes oder gestempeltes Normkennzeichen des SII – auf Hebräisch als „Tav Teken“ bekannt. Bei Konsumgütern ist sein Ziel die Stärkung des Konsumentenvertrauens. Es kann dem Produkt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Ob der ausländische Hersteller und der Importeur dies wünschen, hängt vom Marktsegment und vom Einzelfall ab.
Bei fehlerhaften Produkten schließt ein Normkennzeichen die Herstellerhaftung nicht aus. Allerdings kann es als Indiz für die angemessene Erfüllung der Sorgfaltspflicht gewertet werden. Nach Angaben des Normeninstituts mindert ein „Tav Teken“ die Anfälligkeit für Verbraucherbeschwerden.
Die Auszeichnung mit dem Normkennzeichen wird hauptsächlich von einheimischen Herstellern beantragt. Allerdings ist sie oft auch für ausländische Hersteller von Bedeutung. Laut dem Normeninstitut handelt es sich bei rund 25 Prozent der mit „Tav Teken“ versehenen Produkte um Einfuhrwaren.
Normkonformität im Bauwesen und bei öffentlicher Beschaffung verlangt
Konformität mit freiwilligen Normen spielt auch auf dem Baustoffmarkt eine Rolle – zusätzlich zu den verbindlichen Normen, die es in diesem Bereich gibt. Beispielsweise führt der ausschließliche Rückgriff auf Baustoffe mit freiwilligem Normzertifikat bei Bauunternehmen zu größerer Einheitlichkeit der Produkte. Diese wird durch die sicherheitsorientierten verbindlichen Normen nicht unbedingt gewährleistet.
Die Durchsetzung freiwilliger Normen bei Beschaffungsmaßnahmen erfolgt nicht per Gesetz, sondern als vertragliche Verpflichtung. Solche Anforderungen, so das Normeninstitut, finden sich vor allem bei der öffentlichen Beschaffung, einschließlich staatseigener Unternehmen und Kommunen. Zu diesem Zweck können sie auch in Ausschreibungen der öffentlichen Hand als Bedingung festgelegt werden.
Lieferketten werden transparenter
Die vertragliche Festlegung freiwilliger Normen bei öffentlicher Beschaffung betrifft häufig nicht nur Baumaterialien. Vielmehr kann sie auch bei Ausrüstungen und Komponenten verlangt werden, die in größere Systeme integriert werden. Auch hierbei geht es um die Vereinheitlichung der Anforderungen über verbindliche Normen hinaus und um die Transparenz der Lieferketten. Typische Fälle sind die Wasserwirtschaft, das Stromnetz und die Umwelttechnik. Damit soll die Kompatibilität der installierten Anlagen mit dem Gesamtprojekt sichergestellt werden. Ferner belegt die Erfüllung freiwilliger Normen auch bei komplexen Systemen die Sorgfalt bei der Planung und Durchführung des jeweiligen Projekts.
Solche Ausrüstungen und Anlagen entsprechen grundsätzlich international üblichen Standards. Diese werden in Israel inhaltsgleich übernommen. Bei sicherheits- und funktionalitätsempfindlichen Produkten kann dennoch auch eine formale Referenz auf die parallele israelische Norm gefordert werden.
Beim Verkauf von Maschinen an gewerbliche Unternehmen kommen freiwillige Normen in aller Regel nicht zur Anwendung. In solchen Fällen genügen internationale Normnachweise, technische Dokumentation oder Prüfberichte. Bei neuen Geschäftsverbindungen kann der israelische Käufer den Konformitätsnachweis gemäß einer internationalen Managementsystemnorm verlangen. Diese benötigt jedoch keine Zusatzzertifizierung durch das SII.
Israelisches Normenwesen ist weitgehend zentralisiert
Im internationalen Vergleich ist das israelische Normenwesen stark zentralistisch. Das Normeninstitut ist zwar eine private, aber gesetzlich verankerte Institution. Es übernimmt eine Reihe von Aufgaben, die in anderen Ländern nicht unbedingt zentral abgewickelt werden. Dazu gehören die Erarbeitung israelischer Normen, die Übernahme internationaler Normen, die formale Konformitätsanerkennung sowie Managementsystemzertifikate.
Ferner führt das SII Produktprüfungen, eigene Laborleistungen und Inspektionen durch. Diese Aufgaben werden zum Teil an privatwirtschaftliche Akteure als Unteraufträge vergeben. Allerdings müssen diese Einrichtungen vom Normeninstitut für diesen Zweck zertifiziert worden sein.