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Japan setzt bei kritischen Rohstoffen auch auf Recycling

Japan ist wie Deutschland auf den Import kritischer Rohstoffe angewiesen. Eine Maßnahme zur Erhöhung der Resilienz ist Urban Mining, das Recycling von Materialien aus Abfällen.

Von Frank Robaschik | Tokyo

Die Bedeutung kritischer Rohstoffe für die Industrieproduktion ist Firmen in Deutschland insbesondere durch chinesische Exportkontrollen sehr bewusst geworden. Japan hat schon länger Strategien für resiliente Rohstofflieferketten entworfen und gilt als ein Vorbild bei wirtschaftlicher Sicherheit.

Ein Baustein ist Urban Mining, also das Recycling von Rohstoffen aus Schrott. Noch steckt dieses für kritische Mineralien in den Kinderschuhen und liegt deutlich hinter der Verwendung von geförderten Rohstoffen zurück. Doch die Methode bietet zum Beispiel bei Solarmodulen und Lithium-Ionen-Batterien weltweit ein enormes Wachstumspotenzial. Dieser Überblick zu Strategien und den Entwicklungsstand der Technologien in Japan bietet Anhaltspunkte für Deutschland und Potenzial für Firmenkooperationen.

  • Japan sichert seine Versorgung mit kritischen Rohstoffen auch durch Urban Mining. Der Staat fördert die Technologieentwicklung. Kooperationen mit deutschen Firmen sind denkbar.

    Japan ist wie Deutschland bei kritischen Rohstoffen in hohem Maß von Importen abhängig. Einen Großteil dieser kritischen Rohstoffe bezieht der Archipel aus China. So trifft auch das im Januar 2026 von China erlassene Exportverbot von Dual-Use-Gütern nach Japan das Land hart, denn die Beschränkungen umfassen auch seltene Erden.

    Dabei strebt Japan schon seit mehreren Jahren an, seine Abhängigkeit von China zu reduzieren. Bereits 2010 hatte China seinen Export von seltenen Erden nach Japan kurz ausgesetzt. Als Reaktion senkte das Inselreich seine Abhängigkeit von chinesischen Importen bei seltenen Erden von einst 90 Prozent auf unter 60 Prozent im Jahr 2020. Im Jahr 2022 hat Japan zudem ein eigenes Gesetz zur Wirtschaftssicherheit erlassen. Dieses soll ebenfalls mehr Unabhängigkeit bei Rohstoffen fördern.

    Japan strebt Rohstoffkooperation mit der EU und Deutschland an

    Japan ist, wie auch die EU, auf der Suche nach Rohstoffpartnern: Bei einem Gipfeltreffen im Juli 2025 betonten beide Seiten im Bereich kritischer Rohstoffe zusammenarbeiten zu wollen. Mit Deutschland ist eine mögliche Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen spätestens seit den bilateralen Regierungskonsultationen im Jahr 2023 ein Thema. Minoru Kiuchi, Staatsminister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik in Japan, nannte auf die Frage seitens Germany Trade & Invest (GTAI) nach Chancen für eine engere Kooperation beider Länder in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen Anfang 2026 neben dem Verteidigungsbereich explizit kritische Mineralien.

    "Bei den Wirtschaftsbeziehungen hat sich die bilaterale Zusammenarbeit in Bereichen wie kritische Mineralien, Halbleiter, saubere Energie, Wasserstoff und Batterien, wie auch in wichtigen Sektoren wie 5G weiterentwickelt. Auch bei KI, Quantentechnologie und Raumfahrt kooperieren wir enger. Wir freuen uns auf weitere Fortschritte in der Zukunft."

    Ein mögliches Vorbild für potenzielle deutsch-japanische Kooperationen gibt es bereits. Im März 2025 hatten sich das japanische Handelshaus Iwatani und Japans staatliche Rohstoffagentur Japan Organization for Metals and Energy Security (JOGMEC) an einem Projekt mit der französischen Firma Caremag beteiligt. Vorgesehen ist der Bau einer Anlage zur Gewinnung seltener Erden aus alten Magneten und Erzen in Südfrankreich. Die japanische und die französische Seite investieren jeweils mehr als 100 Millionen Euro. Den Betriebsbeginn planen die Partner für Ende 2026. Die Anlage soll 600 Tonnen Dysprosium- und Terbiumoxid und 800 Tonnen Neodym- und Praseodymoxid pro Jahr produzieren können..

    Japan definiert kritische Rohstoffe ähnlich wie die EU

    Generell sind kritische Rohstoffe für Japan solche Mineralien, deren stabile Versorgung aus energie- und industriepolitischer Sicht wichtig ist und bei denen ein hohes Versorgungsrisiko besteht. Dazu zählen Rohstoffe, die etwa für die Produktion von Batterien, Edelstahl, Motoren für Elektroautos, Windkraftanlagen oder für superharte Werkzeuge für die Herstellung von Halbleitern, Werkzeugmaschinen und Industrierobotern benötigt werden. Im Juni 2025 veröffentlichte das Ministry of Economy, Trade & Industry (METI) die aktuelle Richtlinie zur Sicherstellung einer stabilen Versorgung mit kritischen Mineralien. 

    Kritische Rohstoffe in Japan

    Antimon, Barium, Beryllium, Bor, Cäsium, Chrom, Fluor, Gallium, Germanium, Graphit, Hafnium, Indium, Kobalt, Lithium, Magnesium, Mangan, Molybdän, Nickel, Niob, Platinmetalle, Phosphor, Rhenium, Rubidium, Selen, Seltenerdmetalle, Silizium, Strontium, Tantal, Tellur, Thallium, Titan, Uran, Vanadium, Wismut, Wolfram und Zirkonium

    Die EU listet noch Arsen, Bauxit/Aluminiumoxid/Aluminium, Feldspat, Flussspat, Helium, Kokskohle, Kupfer und Scandium auf hat aber dafür Cäsium, Chrom, Fluor, Rhenium, Rubidium, Selen, Tellur, Titan, Uran und Zirkonium nicht auf der Liste. 

    Rohstoffsicherung über Recycling und Förderung neuer Technologie

    Um seine Versorgung mit kritischen Rohstoffen zu sichern, hat Japan Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören laut JOGMEC:

    1. Die Diversifizierung der Versorgungsquellen durch die Erkundung und Erschließung neuer Vorkommen weltweit einschließlich des Tiefseebergbaus.
    2. Die Nachfragedrosselung durch die Entwicklung ressourcenschonender Technologien,
    3. das Recycling und
    4. die Stärkung der Bevorratung zur Vorbereitung auf Versorgungsengpässe.    

    Beim Recycling fördert Japan vor allem die Entwicklung von Technologien zur Gewinnung und Wiederverwendung kritischer Mineralien aus Altgeräten und Elektroautos, auch bekannt als Urban Mining. Im Gegensatz zur EU gibt es keine quantitativen Vorgaben für das Recycling kritischer Rohstoffe. Der Fokus liegt auf der Stärkung der technologischen Fähigkeiten der heimischen Firmen. Eine Förderung des METI erhielten Vorhaben für Pilotanlagen im Batterierecycling. 

    Japan fördert Pilotanlagen zur Rückgewinnung kritischer Mineralien im Batterierecycling 1Förderung in Millionen US-Dollar 2
    AkteurBewilligungMaximale Subvention
    Mitsubishi Materials12/2023circa 7,4 
    Nihon Kagaku Sangyo9/2024circa 10,0 
    1 Pilotanlagen zur Rückgewinnung und Raffination von Nickel, Kobalt und Lithium aus im Recyclingprozess von Lithium-Ionen-Batterien anfallender Schwarzmasse; 2 1 US$ = 149,6 Yen.Quelle: METI 2025

    Staat unterstützt Recyclingprojekte 

    Neben den beiden Pilotprojekten des METI unterstützt auch der staatliche Green Innovation Fund (GIF) seit 2022 gleich fünf Projekte zur Technologieentwicklung beim Recycling von Lithium-Ionen-Batterien. JX Metals Circular Solutions erhält eine bis 2030 laufende Förderung. Im April 2025 vermeldete JX eine Rückgewinnungsquote von 90 Prozent des Lithiums aus den Batterien. Laut eigenen Angaben war JX Metals damit weltweit führend. Weitere Empfänger von Fördermitteln sind Sumitomo Metal Mining und Kanto Denka Kogyo (bis zum Fiskaljahr 2028), JERA und Sumitomo Chemical (bis zum Fiskaljahr 2030), Nissan Motor (bis 2026) und Asaka Riken (ebenfalls bis 2026).

    Die staatliche New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) fördert die Entwicklung von Technologien für die Rückgewinnung von Dysprosium, Terbium und weiteren Elementen aus Neodym-Magnetabfällen. Diese sind in Erzen, ausgedienten Elektroautos und alten Elektrohausgeräten enthalten. Im Fiskaljahr 2025 beträgt das Budget dafür 3 Millionen US-Dollar (US$). 

    Japan fördert Recycling kritischer Rohstoffe aus Permanentmagneten 1Förderung in Millionen US-Dollar 2
    AkteurBewilligungMaximale Subvention
    Santo2024circa 1,3
    Shin-Etsu Chemical2025circa 24,7
    1 Projekte für das Recycling von Seltenerd-Rohstoffen aus gebrauchten Permanentmagneten oder aus Permanentmagnetabfällen; 2 1 US$ = 149,6 Yen.Quelle: METI 2025

    Darüber hinaus wählte NEDO 2024 Mitsui Chemicals und deren Tochterfirma Shimonoseki Mitsui Chemicals für ein Forschungsprojekt zum Recycling von Phosphorsäure aus Abfällen aus. Beteiligt sind auch das National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) und die Firma Yoneyama Chemical Industry.

    Tiefseebergbau als Alternative

    Japan treibt zudem seine Aktivitäten im Tiefseebergbau voran. Im Januar 2026 hat ein Schiff nahe der Insel Minamitorishima testweise Seltenerdenschlamm aus circa 6.000 Metern Tiefe an die Erdoberfläche befördert. Im Oktober 2022 war das aus einer Tiefe von 2.470 Metern gelungen. Die in der Tiefsee nahe Minamitorishima lagernden Manganknollen könnten den Bedarf Japans an Kobalt und Nickel für viele Jahre decken. Der Abbau gilt jedoch als teuer.

    Von Frank Robaschik | Tokyo

  • Beim Recycling alter Lithium-Ionen-Batterien aus alten Hybrid- und Elektroautos besteht in Japan großes Wachstumspotenzial. Einige Firmen investieren im In- und Ausland.

    In Japan sind Autohersteller und Importeure für das Recycling bestimmter Teile wie etwa Airbags verantwortlich. Das regelt der Act on Recycling of End-of-Life Automobiles. Den größten Teil des Recyclings von Autos koordiniert die Japan Automotive Recycling Partnership (JARP). Allerdings gibt es für Lithium-Ionen-Autobatterien bisher keine gesetzlichen Recycling-Vorschriften. So steigen die Rücklaufmengen alter Autobatterien zwar, sind bisher jedoch insgesamt gering. 

    Das von der Japan Automobile Manufacturers Association (JAMA) koordinierte Rückgabeprogramm für Autobatterien sammelte im Fiskaljahr 2024 (April bis März) nur circa 13.000 Lithium-Ionen-Batterien ein. Bei einem Aufkommen von circa 120.000 alten Hybrid- und Elektroautos im gleichen Zeitraum bedeutet das, dass der Großteil der aus Altfahrzeugen ausgebauten Lithium-Ionen-Batterien über andere Kanäle wiederverwendet oder recycelt wird.

    Verband erwartet größeres Aufkommen an Altbatterien ab 2035

    Größere Mengen von Altbatterien erwartet die JAMA erst ab den Zeitraum 2035 bis 2040. Zum einen werden in Japan Autos laut JAMA im Durchschnitt erst nach 17 Jahren verschrottet. Zum anderen gehen rund 40 Prozent der alten Autos in den Export. Hinzu kommt, dass es in Japan bisher nur wenige Elektroautos gibt. Die Batterien von in größeren Volumina zugelassenen Hybridfahrzeugen sind deutlich kleiner als jene in reinen Elektroautos. Zudem lag laut dem Japan Research Institute die Exportquote bei alten Elektroautos bei über 80 Prozent.

    Viele Firmen im Batterierecycling tätig

    Auch wenn die Recyclingmengen von Autobatterien noch ausbaufähig sind, sind schon einige japanische Firmen in dem Bereich aktiv. Partner der JARP beim Recycling von Lithium-Ionen-Batterien sind Nomura Kohsan, JX Metals Tomakomai Chemical, Dowa Eco-System, Kyoei Steel, Volta, Tsuruga Cement, Toyota Chemical Engineering, Sanyo-Rec, Oono Associates und Takunan Metal Trade.

    Weitere im Batterierecycling aktive Firmen sind Sumitomo Metal Mining, Matsuda Sangyo, J-Cycle und Mitsubishi Materials. J-Cycle ist ein 2024 gegründetes Joint Venture von Volta, Miracle Eternal und dem Handelshaus Mitsui. Es betreibt eine Anlage zur Verarbeitung von Altbatterien in schwarze Masse.

    Schwarze Masse ist das Produkt, das nach dem Zerkleinern im Batterierecycling übrig bleibt. Es beinhaltet Metalle wie etwa Lithium, Mangan, Kobalt und Nickel in Pulverform.

    Toyota Tsusho, das Handelshaus von Toyota, gründete im Mai 2025 in den USA ein Joint Venture mit dem südkoreanischen Batteriehersteller LG Energy Solution. Die Firma mit dem Namen Green Materials Battery Innovations soll bis 2026 ein Werk zur Gewinnung von schwarzer Masse aus Altbatterien bauen. 

    Metallgewinnung aus Schwarzmasse fängt erst an

    Bis März 2025 gab es in Japan laut Mitsubishi Materials keine Firma, die die schwarze Masse weiterverarbeitete und die darin enthaltenen Rohstoffe wiedergewann. So exportiert Japan nach Schätzungen des Unternehmens circa 5.000 Tonnen schwarzer Masse pro Jahr. Abnehmer sind unter anderem Südkorea, China und Südostasien. 

    Mitsubishi Material will daher eine Technologie zur Verarbeitung der schwarzen Masse entwickeln und in Japan einsetzen. Das Unternehmen stellte 2025 eine Pilotlinie in Iwaki in der Präfektur Fukushima fertig. Die Kommerzialisierung dürfte frühestens Ende 2027 erfolgen.

    Die Firma Nihon Kagaku Sangyo baut ebenfalls in Iwaki in der Präfektur Fukushima eine Pilotanlage zur Gewinnung von Nickel, Kobalt und Lithium aus schwarzer Masse. Die Anlage mit einer Kapazität zur Verarbeitung von 60 Tonnen schwarzer Masse pro Jahr soll im April 2026 den Betrieb aufnehmen.

    Sumitomo Metal Mining baut zurzeit zwei Anlagen für das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien in den Städten Saijo und Niihama in der Präfektur Ehime. Diese sollen im Juni 2026 fertig sein und zusammen eine Verarbeitungskapazität von 10.000 Tonnen schwarzer Masse pro Jahr haben.

    Auch das Joint Venture J-Cycle plant mittelfristig die Rückgewinnung von Metallen aus der schwarzen Masse. Das Joint Venture Green Materials Battery Innovations strebt an, später seine Wertschöpfungskette um die Gewinnung von Rohstoffen für die Batterieproduktion aus der schwarzen Masse zu erweitern.

    Der Batteriehersteller Panasonic Energy und Sumitomo Metal Mining vereinbarten im März 2025 eine Kooperation beim Recycling von Nickel aus Kathodenmaterialien von Lithium-Ionen-Batterien. Danach soll Sumitomo Metal Mining Nickel aus Batterieschrott recyceln, der bei der Batterieproduktion von Panasonic Energy anfällt. Später sollen auch andere Materialien wie Lithium und Kobalt recycelt werden. Sumitomo Metal Mining betreibt seit 2017 die Wiedergewinnung von Kupfer und Nickel aus alten Lithium-Ionen-Batterien und Batterieschrott. Darüber hinaus hat das Unternehmen mit Kanto Denka Kogyo 2022 ein Verfahren entwickelt, um Kupfer, Nickel, Kobalt und Lithium aus alten Batterien zurückzugewinnen.

    Langfristig entwickelt Sumitomo Metal Mining darüber hinaus zusammen mit dem Stromversorger JERA seit 2022 eine Technologie, die höhere Rückgewinnungsquoten der Metalle aus Altbatterien ermöglichen soll. 

    Japanische Firmen investieren in Europa

    Es gibt bereits erste deutsch-japanische Urban-Mining-Projekte: H.C. Starck Tungsten, eine deutsche Tochterfirma von Mitsubishi Materials, erhielt 2025 die Zusage der niedersächsischen Landesregierung für eine Förderung von mehr als 60 Millionen Euro. Dabei geht es vor allem um einen Prozess zur Rückgewinnung wertvoller Metalle aus schwarzer Masse. Mittelfristig plant H.C. Starck Tungsten den Bau einer Anlage im Metallurgiepark Oker in Goslar und will dafür rund 340 Millionen Euro investieren. Der Bau soll 2027 beginnen. Die angestrebte Recyclingkapazität liegt bei circa 20.000 Tonnen schwarzer Masse pro Jahr.

    Das Handelshaus Marubeni teilte Anfang 2025 mit, dass es sich mit 5 Millionen US$ an der britischen Firma Altilium beteiligt hat. Diese baut im Vereinigten Königreich ein Geschäft für das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien auf.

     

    Von Frank Robaschik | Tokyo

  • Japan ist ein großer Recycler von Elektroschrott. Die Regierung wünscht sich hier noch mehr Kapazitäten. Ein Zukunftsfeld ist das Recycling von Solaranlagen.

    Japan ist beim Recycling von Elektroschrott gut aufgestellt: So ist das Land einer der größten Importeure von Elektroschrott weltweit. Im Jahr 2024 führte Japan laut UN Comtrade Elektroschrott im Wert von 976 Millionen US-Dollar (US$) ein. Das war Rang 1 weltweit und entsprach rund 27 Prozent des Weltimports. Die Importmenge betrug nach Schätzungen von UN Comtrade rund 190.000 Tonnen. Der eingeführten Menge nach lagen Südkorea und Indien noch vor Japan. Japans wichtigste Lieferländer waren 2024 den Mengen nach die EU (43,6 Prozent), die USA (14,4 Prozent), Taiwan (10,6 Prozent), das Vereinte Königreich (5,8 Prozent) und die ASEAN-Staaten (5,0 Prozent).

    Verarbeitete Mengen steigen

    Insgesamt führte Japan nach Angaben des japanischen Umweltministeriums 2020 (letzte Angaben) rund 340.000 Tonnen Elektroschrott dem Recycling zu. Davon stammten 192.000 Tonnen aus dem Inland und 148.000 Tonnen wurden importiert. Doch dem nicht genug: Nach Plänen von Ende 2024 will Japan seine Verarbeitungskapazitäten von Elektroschrott bis 2030 auf circa 500.000 Tonnen pro Jahr erhöhen. Das wäre ein Zuwachs von etwa 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2020. Dafür förderte das japanische Umweltministerium beispielsweise im Fiskaljahr 2024 (April bis März) Machbarkeitsstudien für Elektroschrott-Hubs und Studien zur entsprechenden Logistik in den Häfen. 

    Im August 2023 riefen Japan und die südostasiatische Staatengemeinschaft ASEAN eine Partnerschaft für den Ressourcenkreislauf von Elektroschrott und den internationalen Metallkreislauf ins Leben. Die Initiative könnte dazu führen, dass die japanischen Elektroschrottimporte aus den ASEAN-Ländern steigen.

    Hohe Recyclingquoten bei Elektrohausgeräten

    Die Recyclingquoten bei großen Elektrohaushaltsgeräten waren im Fiskaljahr 2024 laut der Association for Electric Home Appliances (AEHA) hoch. Sie lagen bei Klimaanlagen sowie bei Waschmaschinen und Trocknern bei 93 Prozent. Bei Flüssigkristall-, OLED- und Plasmabildschirmen waren es 85 Prozent, bei Kühlschränken 80 Prozent und bei Fernsehern mit Braunscher Röhre 72 Prozent.

    Das Recycling kleiner elektrischer und elektronischer Geräte wird durch den Act on Promotion of Recycling of Small Waste Electrical and Electronic Equipment gefördert. Das Recycling kleiner Akkus koordiniert dabei das Japan Portable Rechargeable Battery Recycling Center (JBRC). Die Recyclingraten betragen laut dem JBRC 77 Prozent bei Nickel-Metallhydrid-Akkus, 76 Prozent bei Nickel-Cadmium-Akkus und 53 Prozent bei Lithium-Ionen-Akkus. 

    Japanische Recycler von Elektroschrott expandieren ins Ausland

    Mitsubishi Materials vereinbarte im Dezember 2025 den Erwerb von 19 Prozent der stimmberechtigten Anteile am US-amerikanischen Elektroschrottrecycler Elemental USA E-Waste & ITAD. Darüber hinaus hat Mitsubishi Materials die Option, nicht stimmberechtigte Anteile in stimmberechtigte umzuwandeln und damit seinen Anteil an den stimmberechtigten Anteilen auf bis zu 49 Prozent zu erhöhen.

    Der japanische Metallspezialist JX Nippon Mining & Metals (heute JX Advanced Metals) erwarb im Jahr 2022 eCycle Solutions, Kanadas größten Recycler für Elektronikschrott. Im Jahr 2023 verkaufte es einen Firmenanteil von 34 Prozent an das japanische Handelshaus Sojitz. Davor hatte JX Nippon Mining & Metals im Jahr 2021 seine Recyclingkapazitäten in Taiwan erweitert.

    Auch beim Recycling von kritischen Mineralien aus Halbleitern könnte es in den kommenden Jahren Investitionen geben. In der Halbleiter- und Digitalstrategie von 2023 benennt das Wirtschaftsministerium (METI) auch das Recycling, die Stärkung der Inlandsproduktion, die Bevorratung und die Stärkung des Transportsystems von Halbleiterchemikalien wie gelber Phosphor, Edelgase und Fluorit als Ziel. Dafür will es entsprechende Anlageninvestitionen fördern.

    Firmen investieren in Metallrecycling

    Auch das Recycling von Metall ist ein Thema. So verwertet der Betreiber des Schnellzugs Shinkansen, JR Central, Aluminium von alten Zügen. Der Aluminium-Spezialist Nippon Light Material erwarb im Mai 2025 einen 20-prozentigen Anteil am indischen Aluminiumschrottverarbeiter CMR Eco Aluminium (heute CMR NLM Eco). Von diesem will es recyceltes Aluminium nach Japan importieren.

    Das Handelshaus Mitsubishi vereinbarte im Juni 2025 eine Investition in und eine Kooperation mit dem britischen Start-up DEScycle. Mit dessen Technologie soll eine Rückgewinnung von Metallen bei Raumtemperatur und normalem Druck möglich sein. Im Jahr 2028 soll eine Anlage mit einer Kapazität von 5.000 Tonnen pro Jahr in Betrieb gehen. Danach sollen weitere Anlagen etwa in Nordamerika und in Japan entstehen. Anfang 2026 gab DEScycle eine Finanzierung durch die deutsche Bundesagentur für Sprunginnovationen bekannt.

    Im Juli 2025 schloss Toyota Tsusho die Übernahme von Radius Recycling ab, einem größeren Metallrecycler in den USA.

    Bisher nur teilweise Pflicht zum Recycling von Solaranlagen 

    Eine Pflicht für das Recycling alter Solaranlagen wurde nicht, wie ursprünglich für 2025 geplant, vom Parlament beschlossen. Stein des Anstoßes war die vorgesehene Regelung, dass die Hersteller (und nicht wie bei anderen Elektrogeräten die Besitzer) die Kosten für das Recycling übernehmen sollen. Daher bleibt es in diesem Bereich für private Anlagen zunächst bei Freiwilligkeit. Für größere kommerzielle Anlagen ab 10 Kilowatt, die in den Genuss einer Förderung durch Einspeisetarife kommen, gelten allerdings seit Juli 2022 Regeln. Sie laufen praktisch auf eine Pflicht zum Recycling hinaus.

    Japan denkt auch an das Recycling von Permanentmagneten

    Langfristig denkt die Japan Automobile Manufacturers Association (JAMA) auch an das Recycling von Permanentmagneten. Zu dem Thema gibt es einen JAMA-Ausschuss, der einmal im Jahr tagt. Mitglieder sind vor allem Motorenhersteller und Recycler. Ziel ist es, in dem Bereich frühestens ab den 2030er Jahren ein international wettbewerbsfähiges Recyclingsystem zu etablieren.

    Geschäftsanbahnungsreise

    Vom 8. bis zum 12. Juni 2026 findet eine Geschäftsanbahnungsreise zum Thema Abfallwirtschaft und Recycling in Japan statt. Diese ist Teil des Markterschließungsprogramms für KMU des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Anmeldeschluss ist am 27. Februar 2026. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des durchführenden Dienstleisters Energiewächter.

    Von Frank Robaschik | Tokyo

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