Japan sichert seine Versorgung mit kritischen Rohstoffen auch durch Urban Mining. Der Staat fördert die Technologieentwicklung. Kooperationen mit deutschen Firmen sind denkbar.
Japan ist wie Deutschland bei kritischen Rohstoffen in hohem Maß von Importen abhängig. Einen Großteil dieser kritischen Rohstoffe bezieht der Archipel aus China. So trifft auch das im Januar 2026 von China erlassene Exportverbot von Dual-Use-Gütern nach Japan das Land hart, denn die Beschränkungen umfassen auch seltene Erden.
Dabei strebt Japan schon seit mehreren Jahren an, seine Abhängigkeit von China zu reduzieren. Bereits 2010 hatte China seinen Export von seltenen Erden nach Japan kurz ausgesetzt. Als Reaktion senkte das Inselreich seine Abhängigkeit von chinesischen Importen bei seltenen Erden von einst 90 Prozent auf unter 60 Prozent im Jahr 2020. Im Jahr 2022 hat Japan zudem ein eigenes Gesetz zur Wirtschaftssicherheit erlassen. Dieses soll ebenfalls mehr Unabhängigkeit bei Rohstoffen fördern.
Japan strebt Rohstoffkooperation mit der EU und Deutschland an
Japan ist, wie auch die EU, auf der Suche nach Rohstoffpartnern: Bei einem Gipfeltreffen im Juli 2025 betonten beide Seiten im Bereich kritischer Rohstoffe zusammenarbeiten zu wollen. Mit Deutschland ist eine mögliche Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen spätestens seit den bilateralen Regierungskonsultationen im Jahr 2023 ein Thema. Minoru Kiuchi, Staatsminister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik in Japan, nannte auf die Frage seitens Germany Trade & Invest (GTAI) nach Chancen für eine engere Kooperation beider Länder in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen Anfang 2026 neben dem Verteidigungsbereich explizit kritische Mineralien.
"Bei den Wirtschaftsbeziehungen hat sich die bilaterale Zusammenarbeit in Bereichen wie kritische Mineralien, Halbleiter, saubere Energie, Wasserstoff und Batterien, wie auch in wichtigen Sektoren wie 5G weiterentwickelt. Auch bei KI, Quantentechnologie und Raumfahrt kooperieren wir enger. Wir freuen uns auf weitere Fortschritte in der Zukunft."
Ein mögliches Vorbild für potenzielle deutsch-japanische Kooperationen gibt es bereits. Im März 2025 hatten sich das japanische Handelshaus Iwatani und Japans staatliche Rohstoffagentur Japan Organization for Metals and Energy Security (JOGMEC) an einem Projekt mit der französischen Firma Caremag beteiligt. Vorgesehen ist der Bau einer Anlage zur Gewinnung seltener Erden aus alten Magneten und Erzen in Südfrankreich. Die japanische und die französische Seite investieren jeweils mehr als 100 Millionen Euro. Den Betriebsbeginn planen die Partner für Ende 2026. Die Anlage soll 600 Tonnen Dysprosium- und Terbiumoxid und 800 Tonnen Neodym- und Praseodymoxid pro Jahr produzieren können..
Japan definiert kritische Rohstoffe ähnlich wie die EU
Generell sind kritische Rohstoffe für Japan solche Mineralien, deren stabile Versorgung aus energie- und industriepolitischer Sicht wichtig ist und bei denen ein hohes Versorgungsrisiko besteht. Dazu zählen Rohstoffe, die etwa für die Produktion von Batterien, Edelstahl, Motoren für Elektroautos, Windkraftanlagen oder für superharte Werkzeuge für die Herstellung von Halbleitern, Werkzeugmaschinen und Industrierobotern benötigt werden. Im Juni 2025 veröffentlichte das Ministry of Economy, Trade & Industry (METI) die aktuelle Richtlinie zur Sicherstellung einer stabilen Versorgung mit kritischen Mineralien.
Kritische Rohstoffe in Japan
Antimon, Barium, Beryllium, Bor, Cäsium, Chrom, Fluor, Gallium, Germanium, Graphit, Hafnium, Indium, Kobalt, Lithium, Magnesium, Mangan, Molybdän, Nickel, Niob, Platinmetalle, Phosphor, Rhenium, Rubidium, Selen, Seltenerdmetalle, Silizium, Strontium, Tantal, Tellur, Thallium, Titan, Uran, Vanadium, Wismut, Wolfram und Zirkonium
Die EU listet noch Arsen, Bauxit/Aluminiumoxid/Aluminium, Feldspat, Flussspat, Helium, Kokskohle, Kupfer und Scandium auf hat aber dafür Cäsium, Chrom, Fluor, Rhenium, Rubidium, Selen, Tellur, Titan, Uran und Zirkonium nicht auf der Liste.
Rohstoffsicherung über Recycling und Förderung neuer Technologie
Um seine Versorgung mit kritischen Rohstoffen zu sichern, hat Japan Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören laut JOGMEC:
- Die Diversifizierung der Versorgungsquellen durch die Erkundung und Erschließung neuer Vorkommen weltweit einschließlich des Tiefseebergbaus.
- Die Nachfragedrosselung durch die Entwicklung ressourcenschonender Technologien,
- das Recycling und
- die Stärkung der Bevorratung zur Vorbereitung auf Versorgungsengpässe.
Beim Recycling fördert Japan vor allem die Entwicklung von Technologien zur Gewinnung und Wiederverwendung kritischer Mineralien aus Altgeräten und Elektroautos, auch bekannt als Urban Mining. Im Gegensatz zur EU gibt es keine quantitativen Vorgaben für das Recycling kritischer Rohstoffe. Der Fokus liegt auf der Stärkung der technologischen Fähigkeiten der heimischen Firmen. Eine Förderung des METI erhielten Vorhaben für Pilotanlagen im Batterierecycling.
Japan fördert Pilotanlagen zur Rückgewinnung kritischer Mineralien im Batterierecycling 1Förderung in Millionen US-Dollar 2| Akteur | Bewilligung | Maximale Subvention |
|---|
| Mitsubishi Materials | 12/2023 | circa 7,4 |
| Nihon Kagaku Sangyo | 9/2024 | circa 10,0 |
1 Pilotanlagen zur Rückgewinnung und Raffination von Nickel, Kobalt und Lithium aus im Recyclingprozess von Lithium-Ionen-Batterien anfallender Schwarzmasse; 2 1 US$ = 149,6 Yen.Quelle: METI 2025
Staat unterstützt Recyclingprojekte
Neben den beiden Pilotprojekten des METI unterstützt auch der staatliche Green Innovation Fund (GIF) seit 2022 gleich fünf Projekte zur Technologieentwicklung beim Recycling von Lithium-Ionen-Batterien. JX Metals Circular Solutions erhält eine bis 2030 laufende Förderung. Im April 2025 vermeldete JX eine Rückgewinnungsquote von 90 Prozent des Lithiums aus den Batterien. Laut eigenen Angaben war JX Metals damit weltweit führend. Weitere Empfänger von Fördermitteln sind Sumitomo Metal Mining und Kanto Denka Kogyo (bis zum Fiskaljahr 2028), JERA und Sumitomo Chemical (bis zum Fiskaljahr 2030), Nissan Motor (bis 2026) und Asaka Riken (ebenfalls bis 2026).
Die staatliche New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) fördert die Entwicklung von Technologien für die Rückgewinnung von Dysprosium, Terbium und weiteren Elementen aus Neodym-Magnetabfällen. Diese sind in Erzen, ausgedienten Elektroautos und alten Elektrohausgeräten enthalten. Im Fiskaljahr 2025 beträgt das Budget dafür 3 Millionen US-Dollar (US$).
Japan fördert Recycling kritischer Rohstoffe aus Permanentmagneten 1Förderung in Millionen US-Dollar 2| Akteur | Bewilligung | Maximale Subvention |
|---|
| Santo | 2024 | circa 1,3 |
| Shin-Etsu Chemical | 2025 | circa 24,7 |
1 Projekte für das Recycling von Seltenerd-Rohstoffen aus gebrauchten Permanentmagneten oder aus Permanentmagnetabfällen; 2 1 US$ = 149,6 Yen.Quelle: METI 2025
Darüber hinaus wählte NEDO 2024 Mitsui Chemicals und deren Tochterfirma Shimonoseki Mitsui Chemicals für ein Forschungsprojekt zum Recycling von Phosphorsäure aus Abfällen aus. Beteiligt sind auch das National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) und die Firma Yoneyama Chemical Industry.
Tiefseebergbau als Alternative
Japan treibt zudem seine Aktivitäten im Tiefseebergbau voran. Im Januar 2026 hat ein Schiff nahe der Insel Minamitorishima testweise Seltenerdenschlamm aus circa 6.000 Metern Tiefe an die Erdoberfläche befördert. Im Oktober 2022 war das aus einer Tiefe von 2.470 Metern gelungen. Die in der Tiefsee nahe Minamitorishima lagernden Manganknollen könnten den Bedarf Japans an Kobalt und Nickel für viele Jahre decken. Der Abbau gilt jedoch als teuer.
Von Frank Robaschik
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Tokyo