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Batterierecycling trägt zu Südkoreas Rohstoffsicherheit bei

Mehrere Firmen sind im Recycling von Altbatterien aktiv, etwa in der Metallgewinnung aus Schwarzmasse. Dabei setzt das Land auch auf Kooperation mit Deutschland.

Von Katharina Viklenko | Seoul

Die Sicherung von kritischen Rohstoffen ist für die Industrieproduktion in Südkorea von enormer Bedeutung. Das Land hat kaum eigene Ressourcen und ist bei der Produktion von Halbleitern, Batterien und E-Autos auf Importe von Lithium, Nickel, Kobalt, Graphit und Seltenen Erden angewiesen. Auch der Verteidigungsbereich benötigt kritische Mineralien. Geopolitische Spannungen und Exportkontrollen machen die Versorgung anfällig.

Südkorea ist in großem Umfang von Rohstofflieferungen aus China abhängig. Um dem entgegenzusteuern, hat die Regierung Strategien zur Sicherung von Lieferketten formuliert und setzt bei der Rückgewinnung von Rohstoffen auf internationale Zusammenarbeit. Insbesondere im Batterierecycling sind südkoreanische Firmen bereits erfolgreich. Deutsche Firmen könnten über Kooperationen hiervon profitieren.

Strategie soll Rohstoffversorgung sichern

Die Regierung hat Ende 2023 die Industrial Supply Chain Strategy formuliert. Sie zielt darauf ab, die Importrate bei 185 kritischen Produkten von durchschnittlich 70 Prozent auf 50 Prozent zu verringern. Anfang 2026 rückten Maßnahmen für die Sicherung der Versorgung mit Seltenen Erden in den Vordergrund.

20 %

soll die Recyclingquote bei zehn strategisch kritischen Mineralien bis 2030 in Südkorea betragen.

Die Strategie des Ministry of Trade, Industry and Resources (MOTIR) vom Februar 2026 sieht vor, alle 17 Seltenen Erden als kritische Rohstoffe von nationaler Bedeutung einzustufen. Daneben plant Südkorea, Kooperationen mit rohstoffreichen Ländern wie Vietnam, Laos und Australien auszuweiten. Um Lieferketten resilienter zu machen, will das Land mit Partnern wie den USA und Japan enger zusammenarbeiten. Mit dem Ziel, mögliche Exportkontrollen abzufedern, soll die Kommunikation mit China ausgeweitet werden. Die Regierung gewährt Hilfen für die Erschließung von Bergwerken im Ausland und unterstützt den Ausbau der Rohstoffproduktion im Inland. Zudem soll die Recyclingquote bei zehn strategischen, kritischen Rohstoffen steigen.

Diese beinhalten neben den Batteriemetallen Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan und Graphit auch die Seltenen Erden Neodym, Dysprosium, Terbium, Cerium und Lanthan. Bei den genannten Seltenen Erden lag die Recyclingquote laut der Korea National Material Flow Analysis faktisch bei 0 Prozent. Die Regierung will für Recyclingprojekte und Investitionen bürokratische Hürden senken und Subventionen gewähren.

Batterierecycling ist ein Musterbeispiel

Bei Batterien deckt Südkorea große Teile der mittel‑ und nachgelagerten Wertschöpfung ab. Bei vorgelagerten Aktivitäten dominiert China. Anders als bei Seltenen Erden ist die Recyclingquote bei Batteriemetallen hoch. Sie lag 2022 bei Lithium bei rund 48 Prozent und bei Mangan bei nahezu 100 Prozent. In der Wiederverwendung (Reuse), der Wiederaufbereitung (Refurbishment) und dem Recycling von Altbatterien sind zahlreiche lokale Firmen aktiv. 

Der Batterierecycler SungEel HiTech verwertet Batterien mechanisch zu Schwarzmasse - einem metallhaltigen Pulverzwischenprodukt - und recycelt dieses in einem hydrometallurgischen Verfahren. Hierzu betreibt SungEel HiTech drei Werke in Südkorea und weitere Recyclinganlagen im Ausland. Aktuell besteht der Großteil des eingebrachten Recyclingmaterials (Feedstock) aus Industrieabfällen und nicht aus alten Elektroautos.

Südkoreanische Firmen im BatterierecyclingAuswahl
BereichAktive Firmen
Wiederverwendung (Reuse)Hyundai Motor Group, LG Energy Solution, Samsung SDI, SK Innovation, SK On, Pmgrow, MinTech
Wiederaufbereitung (Refurbishment)Hyundai Motor Group, Pmgrow, POEN
RecyclingLG Energy Solution, Samsung SDI, SK Innovation, SK Ecoplant, Ecorbit Pretech, IS Dongseo, GS E&C, POSCO HY Clean Metal, SungEel HiTech, EcoPro CNG (EcoPro-Gruppe), Young Poong, Korea Zinc
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, auf Basis von Korea Development Bank 2026

Ende 2022 initiierte das zuständige Ministerium MOTIR die Gründung der K‑Recycling Alliance, einer staatlich‑privaten Allianz für das Batterierecycling. Ziel ist der Aufbau einer nationalen Wertschöpfungskette für das Recycling von Batteriechemikalien. Daneben will die Regierung ein Managementsystem für gebrauchte Batterien aufbauen. Diese sollen vor dem Ausbau verpflichtend auf ihre Restleistung geprüft werden. Bis 2027 soll ein Zertifizierungssystem für die Verwendung recycelter Rohstoffe aus Altbatterien entstehen. Hierzu laufen seit 2024 bei führenden südkoreanischen Recyclern Pilotprojekte.

Projekte in und mit Europa laufen an

Die EU hat mit Japan und Australien strategische Partnerschaften bei kritischen Rohstoffen geschlossen, aber bislang nicht mit Südkorea. Dennoch sind südkoreanische Anbieter in Europa aktiv und kooperieren mit europäischen Firmen. SungEel HiTech betreibt Recyclinganlagen für Lithium-Ionen-Batterien in Ungarn und Polen. In Spanien baut SungEel zusammen mit BeeCycle ein Werk. Seine Inbetriebnahme ist für 2026 geplant. Ursprünglich hatte SungEel Pläne, in Deutschland eine Recyclinganlage zur mechanischen Zerlegung und Aufbereitung von Lithium-Ionen-Batterien zu bauen, gab diese aber 2025 auf.

Im Joint Venture mit dem deutschen Unternehmen Derichebourg will LG Energy Solution bis 2027 ein Werk für Batterierecycling (Schwarzmasse) errichten. BMW schloss Ende 2024 eine Partnerschaft zur Rückgewinnung von Rohstoffen wie Nickel, Kobalt und Lithium aus Altbatterien in der Recyclinganlage von SK tes (Teil von SK Ecoplant) in Rotterdam.

EcoPro BM hat 2025 eine Niederlassung in Deutschland eröffnet, auch um sich Recycling‑Feedstock zu sichern. Young Poong hat 2023 eine Vereinbarung mit der südkoreanischen Logistikfirma AJ Networks zum Aufbau einer europäischen Sammel- und Logistikkette für Altbatterien. Die Metallrückgewinnung soll durch Young Poong in Südkorea erfolgen.

In Seoul findet jährlich im Februar die Fachmesse InterBattery statt. Im Jahr 2026 nahmen fast 700 Aussteller und rund 75.000 Besucher daran teil.

Dabei veranstaltete die Fraunhofer-Repräsentanz Korea im Umfeld der Messe 2026 bereits zum zweiten Mal das Germany-Korea Battery Forum. Der Schwerpunkt des Seminars lag auf Nachhaltigkeit. Auf deutscher Seite waren neben diversen Fraunhofer-Instituten auch BASF und Siemens vertreten. Auf koreanischer Seite präsentierten SungEel HiTech, POSCO Holdings und POEN sowie die Korea Battery Industry Association (KBIA) ihre Aktivitäten im Batterierecycling.

Fraunhofer und Recyclingverband fördern Kooperation

Bei der Forschung und Entwicklung von Batterien arbeiten FraunhoferInstitute bei industrienahen Projekten, Machbarkeitsstudien und Pilotversuchen zunehmend mit südkoreanischen Partnern zusammen. Fraunhofer IPA will etwa in einem anwendungsorientierten Forschungsprojekt (EUREKA) mit deutschen und südkoreanischen Firmen mittels Digitalisierung und Automatisierung die Prozesskette beim Remanufacturing von Batterien optimieren. 

Eine bilaterale Zusammenarbeit ist sowohl geopolitisch als auch aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit sinnvoll. Beide Länder verfügen nur über begrenzten Zugang zu primären Rohstoffen. Während Südkorea ein zentraler technologischer Player im Batterierecycling ist, bietet Deutschland mit Automatisierung und Analytik komplementäre Stärken.

Angela Blume Netzwerkmanagerin, Batterienetzwerk ReLioS e.V.

Das Batterienetzwerk ReLioS e.V. für die Kreislaufwirtschaft von Lithium‑Ionen‑Batterien verbindet seit 2018 deutsche und südkoreanische Firmen sowie Forschungseinrichtungen entlang der Wertschöpfungskette. Zu südkoreanischen Partnern zählen neben Technoparks und Universitäten eine Reihe von Branchenfirmen wie SungEel HiTech, POEN und EcoPro CnG.