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Länder in Zentralasien überdenken ihren Umgang mit Abfall

In Kasachstan steht das Recycling noch am Anfang. Die Regierung setzt auf Anreize für bessere Verwertung. Erste Müllverbrennungsanlagen entstehen. Auch in Kirgisistan tut sich was.

Von Viktor Ebel | Almaty

Kasachstans Abfallwirtschaft hinkt deutlich hinterher. Während die EU-Länder 2025 im Durchschnitt rund die Hälfte ihres Mülls verwerteten, kam das zentralasiatische Land im gleichen Zeitraum laut Umweltministerium nur auf 28,6 Prozent. Vermutlich war es sogar weniger, wie das Branchenportal Energyprom anmerkt. Vieles, was gesammelt und sortiert wird, landet trotzdem auf Deponien. Einige davon stehen kurz vor dem Kollaps.

4,5 Mio. t

Abfall fallen in Kasachstan im Jahresdurchschnitt an

Fehlende und veraltete Recyclinganlagen sowie geringe Investitionsanreize bremsen die Branche. Die Regierung will die Deponien stabilisieren und die Verwertung erhöhen. Dafür hat sie ein Abfallkonzept für 2026 bis 2030 beschlossen. Es umfasst staatliche Investitionen in Sammel-, Sortier- und Recyclingstrukturen und bindet zusätzlich Produzenten und Investoren stärker in die Abfallverwertung ein.

Kasachstan strebt bis 2030 Recyclingquote von 40 Prozent an

Die Regierung strebt in dem Papier eine Recyclingquote von 40  Prozent an. Das dürfte zu hoch gegriffen sein. Dennoch macht das Land Fortschritte: Die Menge sortierter und damit recycelbarer Abfälle wächst seit Jahren moderat. Laut Energyprom wird zudem ein immer größerer Teil dieses Mülls tatsächlich recycelt.

Sortier- und Recyclingmengen wachsen nur moderatAbfall- und sortierte Menge in Millionen Tonnen, Anteil in Prozent
Kennzahl

2021

2022

2023

2024

Abfallmenge

4,2

4,3

4,4

4,8

Sortiert und für Recycling vorgesehen

1,0

1,1

1,0

1,3

Anteil *)

21,1

25,4

24,0

25,9

* vorläufiges Ergebnis für 2025: 28,6 Prozent.Quelle: Kasachisches Statistikamt 2026

Mittelfristig wird der Anteil recycelter Abfälle weiter steigen. Das Umweltministerium genehmigte 2025 insgesamt 60 Projekte in der Abfallwirtschaft. Dazu gehören neue Müllfahrzeuge sowie 50 Sortier- und Recyclinganlagen. Für 22 Vorhaben ist die Finanzierung bereits gesichert. Insgesamt stehen 360 Millionen US-Dollar (US$) für die Modernisierung bereit. Einige Projekte gehen weiter und integrieren Produktionslinien für Glas-, Papier- und Kunststoffprodukte.

Viele Deponien verletzen Umweltstandards

Weitere Mittel fließen in die Sanierung von Deponien. Energyprom schätzt das Abfallaufkommen in den rund 3.000 Deponien auf fast 50 Millionen Tonnen. Laut Umweltministerium erfüllen jedoch nur 20,6 Prozent die staatlichen Umweltanforderungen. Besonders kritisch ist die Lage in den Regionen Nordkasachstan, Turkestan und Abaj.

In 7 von 20 Großstädten -  darunter der Hauptstadt Astana und der drittgrößten Stadt Schymkent - sind die Deponien zu über 90 Prozent ausgelastet und sanierungsbedürftig. Der Aktionsplan von 2023 zum Bau von 100 neuen Deponien wurde bis Sommer 2025 nur teilweise umgesetzt. Medienberichten zufolge standen sieben eröffneten Anlagen 41 geplante und 52 weitere lediglich vorgesehene Projekte gegenüber.

Exportinitiative Umweltschutz geht in die nächste Runde

Das Umweltministerium unterstützt deutsche Firmen bei der Internationalisierung ihrer „Greentech Made in Germany“ – mit einem klaren Schwerpunkt auf der Kreislaufwirtschaft. Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Vereine und Verbände können ihre Projektskizzen bis zum 15. Februar 2026 hier einreichen. 

Drei große Müllverbrennungsanlagen geplant

Neben staatlichen Mitteln sollen künftig auch Verbraucher und Produzenten stärker in die Pflicht genommen werden. Hersteller sollen sich über eine Umlage an den Recyclingkosten beteiligen, während für Verbraucher höhere Abfalltarife erwartet werden. Im Gespräch ist eine dreijährige Indexierung, um steigende Kosten auszugleichen und den Betrieb der Anlagen zu sichern. Neu für Kasachstan ist die energetische Verwertung von Müll, für deren Umsetzung die Regierung Anreize geschaffen hat.

Mit dem chinesischen Investor Hunan Junxin Environmental Protection wurde ein Abkommen über den Bau der ersten Müllverbrennungsanlagen des Landes geschlossen. Der Investor will rund 270 Millionen US$ in eine Anlage in Almaty investieren, die bis zu 1.600 Tonnen Haushaltsabfälle pro Tag verwerten und eine Leistung von 60 Megawatt haben wird. Zwei weitere Anlagen sind in den Metropolen Astana und Schymkent geplant. Insgesamt will das chinesische Unternehmen laut der kasachischen Investitionsagentur Kazakh Invest 600 Millionen US$ in Kasachstan investieren.

Ausgewählte Projekte in Kasachstans AbfallwirtschaftInvestition in Millionen US-Dollar

Projektbezeichnung 

Investition 

Projektstand 

Projektträger 

Müllverbrennungsanlage 

(Städte Almaty, Astana und Schymkent)

600

Vorbereitung

Hunan Junxin Environmental Protection (China)

Aufbereitungsanlage für Bergbau- und Metallrückstände

(Region Ostkasachstan)

200

Vorbereitung

Guangdong Huaxinmao Group (China)

Anlage zur Produktion von Glasflaschen aus recyceltem Glas 

(Region Qysylorda)

130

Vorbereitung

Seven Rivers Technologies

Medal Group (Deutschland)

Horn Glass Industries (Deutschland)

Zwei Aufbereitungsanlagen für eisenhaltige Bergbauabfälle 

(Region Qostanai)

110

Umsetzung

Qarmet Recycling

FST Engineering (Iran)

Anlage für Kunststoffrecycling und PET-Rohlinge

(Stadt Almaty)

100

Vorbereitung

Köksan Holding (Türkei)

Recyclingpapier‑ und Kartonanlage

(Stadt Almaty)

82

Umsetzung

KZ Recycling

Anlage zur Behandlung von festen Siedlungsabfällen

(Stadt Qysylorda)

67

Umsetzung

With You E&C Kyzylorda (Südkorea)

Recyclingpapier‑ und Kartonanlage

(Stadt Pawlodar)

36

Umsetzung

Zhasyl Damu 

Gofrotara

Recyclingpapier‑ und Kartonanlage

(Stadt Aktobe)

27

Vorbereitung

Zhasyl Damu 

Capital Plast KZ

Anlage zur Abfallverwertung und Aufbereitung

(Stadt Taldykorgan)

k.A.

Vorbereitung

ACE Power & Energy Systems (Türkei)

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Auch in Kirgisistan findet ein Umdenken statt

Hunan Junxin Environmental Protection bringt Erfahrung in der Region mit. Im Dezember 2025 hat das Unternehmen im Nachbarland Kirgisistan nach nur anderthalb Jahren Bauzeit das erste Müllheizkraftwerk Zentralasiens eingeweiht. Die dortige Hauptstadt Bischkek leidet unter den gleichen Problemen wie viele kasachische Metropolen: Volle Deponien und schlechte Luft infolge von Kohleverstromung. 

Mit der neuen Müllverbrennungsanlage will die kirgisische Regierung die Deponien entlasten und weniger Kohle verstromen. Ob das Heizkraftwerk für eine bessere Luftqualität sorgen wird, bleibt fraglich. Schlacke und Asche sollen immerhin zu Baumaterialien weiterverarbeitet werden. Das Unternehmen plant zwei weitere Anlagen in den kirgisischen Städten Osch und Karakol.

Transformation der Abfallwirtschaft hat begonnen

Sollten sich die Anlagen bewähren, ist in Zukunft mit noch mehr Projekten dieser Art in Zentralasiens Großstädten zu rechnen. Damit beginnt in der Region ein Übergang von der Lagerung der Abfälle hin zur energetischen Verwertung und zum Recycling. Um die Transformation besser zu steuern, soll in Kasachstan das staatliche Unternehmen Zhasyl Damu mit mehr Kompetenzen ausgestattet und zu einem nationalen Abfallmanagementzentrum ausgebaut werden.

Die Organisation finanziert Umweltprojekte, verwaltet Recyclinggebühren und entwickelt Lösungen für die Kreislaufwirtschaft. Sie dient damit auch der Privatwirtschaft als Ansprechpartner. Deutsche Unternehmen können sich zudem an die Projektgruppe zur Abfall- und Kreislaufwirtschaft der AHK Zentralasien wenden. Letztere fördert den Einsatz deutscher Umwelttechnologien. 

Ansprechpartner
NameFunktion
AHK Zentralasien; Projektgruppe zur Abfall- und KreislaufwirtschaftAnsprechpartner für deutsche Unternehmen in Zentralasien
Exportinitiative Umweltschutz des BundesumweltministeriumsFördert gezielt den deutschen GreenTech-Mittelstand mit Fokus auf Exporte in Entwicklungs- und Schwellenländer. Aktueller Förderaufruf bis 15. Februar 2026.
Zhasyl DamuStaatliches Unternehmen im Bereich Abfall- und Kreislaufwirtschaft
KazWasteBranchenverband der Abfallwirtschaft
Vereinigung der Sekundärrohstoffverarbeiter KasachstansBranchenverband der Recyclingindustrie
Regional Environmental Summit + EXPO 2026Großveranstaltung zu ökologischen Themen, darunter Kreislaufwirtschaft und Abfallmanagement (Termin: 22.-24. April 2026 in Astana, Kasachstan)
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

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