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Länder in Zentralasien überdenken ihren Umgang mit Abfall
In Kasachstan steht das Recycling noch am Anfang. Die Regierung setzt auf Anreize für bessere Verwertung. Erste Müllverbrennungsanlagen entstehen. Auch in Kirgisistan tut sich was.
15.01.2026
Von Viktor Ebel | Almaty
Kasachstans Abfallwirtschaft hinkt deutlich hinterher. Während die EU-Länder 2025 im Durchschnitt rund die Hälfte ihres Mülls verwerteten, kam das zentralasiatische Land im gleichen Zeitraum laut Umweltministerium nur auf 28,6 Prozent. Vermutlich war es sogar weniger, wie das Branchenportal Energyprom anmerkt. Vieles, was gesammelt und sortiert wird, landet trotzdem auf Deponien. Einige davon stehen kurz vor dem Kollaps.
Abfall fallen in Kasachstan im Jahresdurchschnitt an
Fehlende und veraltete Recyclinganlagen sowie geringe Investitionsanreize bremsen die Branche. Die Regierung will die Deponien stabilisieren und die Verwertung erhöhen. Dafür hat sie ein Abfallkonzept für 2026 bis 2030 beschlossen. Es umfasst staatliche Investitionen in Sammel-, Sortier- und Recyclingstrukturen und bindet zusätzlich Produzenten und Investoren stärker in die Abfallverwertung ein.
Kasachstan strebt bis 2030 Recyclingquote von 40 Prozent an
Die Regierung strebt in dem Papier eine Recyclingquote von 40 Prozent an. Das dürfte zu hoch gegriffen sein. Dennoch macht das Land Fortschritte: Die Menge sortierter und damit recycelbarer Abfälle wächst seit Jahren moderat. Laut Energyprom wird zudem ein immer größerer Teil dieses Mülls tatsächlich recycelt.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|
| Abfallmenge | 4,2 | 4,3 | 4,4 | 4,8 |
| Sortiert und für Recycling vorgesehen | 1,0 | 1,1 | 1,0 | 1,3 |
| Anteil *) | 21,1 | 25,4 | 24,0 | 25,9 |
Mittelfristig wird der Anteil recycelter Abfälle weiter steigen. Das Umweltministerium genehmigte 2025 insgesamt 60 Projekte in der Abfallwirtschaft. Dazu gehören neue Müllfahrzeuge sowie 50 Sortier- und Recyclinganlagen. Für 22 Vorhaben ist die Finanzierung bereits gesichert. Insgesamt stehen 360 Millionen US-Dollar (US$) für die Modernisierung bereit. Einige Projekte gehen weiter und integrieren Produktionslinien für Glas-, Papier- und Kunststoffprodukte.
Viele Deponien verletzen Umweltstandards
Weitere Mittel fließen in die Sanierung von Deponien. Energyprom schätzt das Abfallaufkommen in den rund 3.000 Deponien auf fast 50 Millionen Tonnen. Laut Umweltministerium erfüllen jedoch nur 20,6 Prozent die staatlichen Umweltanforderungen. Besonders kritisch ist die Lage in den Regionen Nordkasachstan, Turkestan und Abaj.
In 7 von 20 Großstädten - darunter der Hauptstadt Astana und der drittgrößten Stadt Schymkent - sind die Deponien zu über 90 Prozent ausgelastet und sanierungsbedürftig. Der Aktionsplan von 2023 zum Bau von 100 neuen Deponien wurde bis Sommer 2025 nur teilweise umgesetzt. Medienberichten zufolge standen sieben eröffneten Anlagen 41 geplante und 52 weitere lediglich vorgesehene Projekte gegenüber.
Exportinitiative Umweltschutz geht in die nächste Runde
Das Umweltministerium unterstützt deutsche Firmen bei der Internationalisierung ihrer „Greentech Made in Germany“ – mit einem klaren Schwerpunkt auf der Kreislaufwirtschaft. Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Vereine und Verbände können ihre Projektskizzen bis zum 15. Februar 2026 hier einreichen.
Drei große Müllverbrennungsanlagen geplant
Neben staatlichen Mitteln sollen künftig auch Verbraucher und Produzenten stärker in die Pflicht genommen werden. Hersteller sollen sich über eine Umlage an den Recyclingkosten beteiligen, während für Verbraucher höhere Abfalltarife erwartet werden. Im Gespräch ist eine dreijährige Indexierung, um steigende Kosten auszugleichen und den Betrieb der Anlagen zu sichern. Neu für Kasachstan ist die energetische Verwertung von Müll, für deren Umsetzung die Regierung Anreize geschaffen hat.
Mit dem chinesischen Investor Hunan Junxin Environmental Protection wurde ein Abkommen über den Bau der ersten Müllverbrennungsanlagen des Landes geschlossen. Der Investor will rund 270 Millionen US$ in eine Anlage in Almaty investieren, die bis zu 1.600 Tonnen Haushaltsabfälle pro Tag verwerten und eine Leistung von 60 Megawatt haben wird. Zwei weitere Anlagen sind in den Metropolen Astana und Schymkent geplant. Insgesamt will das chinesische Unternehmen laut der kasachischen Investitionsagentur Kazakh Invest 600 Millionen US$ in Kasachstan investieren.
Projektbezeichnung | Investition | Projektstand | Projektträger |
|---|---|---|---|
Müllverbrennungsanlage (Städte Almaty, Astana und Schymkent) | 600 | Vorbereitung | Hunan Junxin Environmental Protection (China) |
Aufbereitungsanlage für Bergbau- und Metallrückstände (Region Ostkasachstan) | 200 | Vorbereitung | Guangdong Huaxinmao Group (China) |
Anlage zur Produktion von Glasflaschen aus recyceltem Glas (Region Qysylorda) | 130 | Vorbereitung | Seven Rivers Technologies Medal Group (Deutschland) Horn Glass Industries (Deutschland) |
Zwei Aufbereitungsanlagen für eisenhaltige Bergbauabfälle (Region Qostanai) | 110 | Umsetzung | Qarmet Recycling FST Engineering (Iran) |
Anlage für Kunststoffrecycling und PET-Rohlinge (Stadt Almaty) | 100 | Vorbereitung | Köksan Holding (Türkei) |
Recyclingpapier‑ und Kartonanlage (Stadt Almaty) | 82 | Umsetzung | KZ Recycling |
Anlage zur Behandlung von festen Siedlungsabfällen (Stadt Qysylorda) | 67 | Umsetzung | With You E&C Kyzylorda (Südkorea) |
Recyclingpapier‑ und Kartonanlage (Stadt Pawlodar) | 36 | Umsetzung | Zhasyl Damu Gofrotara |
Recyclingpapier‑ und Kartonanlage (Stadt Aktobe) | 27 | Vorbereitung | Zhasyl Damu Capital Plast KZ |
Anlage zur Abfallverwertung und Aufbereitung (Stadt Taldykorgan) | k.A. | Vorbereitung | ACE Power & Energy Systems (Türkei) |
Auch in Kirgisistan findet ein Umdenken statt
Hunan Junxin Environmental Protection bringt Erfahrung in der Region mit. Im Dezember 2025 hat das Unternehmen im Nachbarland Kirgisistan nach nur anderthalb Jahren Bauzeit das erste Müllheizkraftwerk Zentralasiens eingeweiht. Die dortige Hauptstadt Bischkek leidet unter den gleichen Problemen wie viele kasachische Metropolen: Volle Deponien und schlechte Luft infolge von Kohleverstromung.
Mit der neuen Müllverbrennungsanlage will die kirgisische Regierung die Deponien entlasten und weniger Kohle verstromen. Ob das Heizkraftwerk für eine bessere Luftqualität sorgen wird, bleibt fraglich. Schlacke und Asche sollen immerhin zu Baumaterialien weiterverarbeitet werden. Das Unternehmen plant zwei weitere Anlagen in den kirgisischen Städten Osch und Karakol.
Transformation der Abfallwirtschaft hat begonnen
Sollten sich die Anlagen bewähren, ist in Zukunft mit noch mehr Projekten dieser Art in Zentralasiens Großstädten zu rechnen. Damit beginnt in der Region ein Übergang von der Lagerung der Abfälle hin zur energetischen Verwertung und zum Recycling. Um die Transformation besser zu steuern, soll in Kasachstan das staatliche Unternehmen Zhasyl Damu mit mehr Kompetenzen ausgestattet und zu einem nationalen Abfallmanagementzentrum ausgebaut werden.
Die Organisation finanziert Umweltprojekte, verwaltet Recyclinggebühren und entwickelt Lösungen für die Kreislaufwirtschaft. Sie dient damit auch der Privatwirtschaft als Ansprechpartner. Deutsche Unternehmen können sich zudem an die Projektgruppe zur Abfall- und Kreislaufwirtschaft der AHK Zentralasien wenden. Letztere fördert den Einsatz deutscher Umwelttechnologien.
| Name | Funktion |
|---|---|
| AHK Zentralasien; Projektgruppe zur Abfall- und Kreislaufwirtschaft | Ansprechpartner für deutsche Unternehmen in Zentralasien |
| Exportinitiative Umweltschutz des Bundesumweltministeriums | Fördert gezielt den deutschen GreenTech-Mittelstand mit Fokus auf Exporte in Entwicklungs- und Schwellenländer. Aktueller Förderaufruf bis 15. Februar 2026. |
| Zhasyl Damu | Staatliches Unternehmen im Bereich Abfall- und Kreislaufwirtschaft |
| KazWaste | Branchenverband der Abfallwirtschaft |
| Vereinigung der Sekundärrohstoffverarbeiter Kasachstans | Branchenverband der Recyclingindustrie |
| Regional Environmental Summit + EXPO 2026 | Großveranstaltung zu ökologischen Themen, darunter Kreislaufwirtschaft und Abfallmanagement (Termin: 22.-24. April 2026 in Astana, Kasachstan) |