Die Slowakei muss ihre Deponiequote weiter senken und die Wiederverwertung von Abfall vorantreiben. Investitionen in Sortieranlagen und Müllverbrennung stehen an.
In der Slowakei steigt das Abfallvolumen. Das Aufkommen bei Siedlungsabfällen erreichte 2024 einen Wert von 2,65 Millionen Tonnen. Der Pro-Kopf-Ausstoß nähert sich dem europäischen Durchschnitt und lag 2024 bei 488 Kilogramm (EU 2023: 511 Kilogramm). Laut Weißbuch zur Abfallwirtschaft der Slowakei könnte das Hausmüllvolumen bis 2035 auf mindestens 3,1 Millionen Tonnen steigen. Die höheren Abfallmengen und strengere EU-Vorgaben sorgen für Handlungsdruck in der Entsorgungswirtschaft.
Abfallvermeidung und Recycling bekommen Vorrang
Von den Siedlungsabfällen landeten 2024 immer noch 38 Prozent auf der Deponie. Der Wert ist in den letzten Jahren nur langsam gesunken. Im Januar 2026 verabschiedete die Regierung in Bratislava die neue Abfallstrategie bis 2035. Sie strebt eine nachhaltige Entsorgung und den schrittweisen Übergang zur Kreislaufwirtschaft an.
Abfallvermeidung, Reparatur und Recycling sollen Vorrang haben vor sonstiger Verwertung und Deponierung. Dabei wird jedoch die "Wahrung der technologischen Neutralität" betont, um die Wettbewerbsfähigkeit der Slowakei nicht zu gefährden.
Die Strategie sieht Abfall zunehmend als Ressource, die kritische Rohstoffquellen schützt. Produkte müssten so gestaltet sein, dass die spätere Wiederverwendung erleichtert wird. Eine besondere Rolle bei Erfassung und Recycling spielt die erweiterte Herstellerverantwortung.
Bei Siedlungsabfall plant die Slowakei eine Umstellung auf mengenbasierte Abfallgebühren und die getrennte Sammlung einzelner Fraktionen. Langfristig soll die Deponiequote deutlich gesenkt werden.
Ziele für die Branche bis 2035
- Senkung der Deponiequote bei kommunalen Abfällen von 38 Prozent (2024) auf 10 Prozent
- Steigerung der Recyclingquote von 51 Prozent (2024) auf 65 Prozent
- Bau neuer Sortieranlagen in jeder Region mit einer Gesamtkapazität von 100.000 Tonnen
- Anteil biologisch abbaubarer Abfälle im Restmüll soll auf 20 Prozent sinken (Ausbau von Kompostierung und Biogas-Anlagen)
- flächendeckendes PAYT-System (Pay As You Throw) zur Abrechnung der Abfallmengen
- Fokus auf Re-Use: Bau von Wiederverwertungszentren und Reparatur-Initiativen
- Vermeidung von Lebensmittelabfällen, Aufbau eines Systems zur Umverteilung von Lebensmittelhilfen
- Industrieabfälle: Stärkere Kontrolle, Recyclingquote erhöhen, Verbot der Deponierung von Reifen und energetisch verwertbarem Abfall
- Förderung der Kreislaufwirtschaft durch Ökodesign, Wiederverwendung, Gewinnung kritischer Rohstoffe aus Abfällen wie Batterien
Erfolgreich verläuft die Erfassung von Getränkeverpackungen. Als eines der ersten Länder in Mittelosteuropa führte die Slowakei 2022 ein Einwegpfand ein. Bis Anfang 2025 waren rund 400 Hersteller an das System angeschlossen. Landesweit gibt es rund 3.600 Annahmestellen. Im Jahr 2025 kamen in der Slowakei 1,15 Milliarden Pfandverpackungen auf den Markt. Rund 95 Prozent davon wurden zurückgegeben, womit die gesetzlich vorgeschriebene Quote (90 Prozent) erfüllt wird. Das hohe Aufkommen an PET-Flaschen und Dosen erzeugt Bedarf an entsprechenden Verarbeitungskapazitäten.
95
%
aller Getränkeverpackungen werden zurückgegeben.
Dank des Pfandsystems gehört die Slowakei zu den führenden Ländern beim Recyceln von Plastikverpackungen in Europa. Laut Eurostat betrug der Anteil 2023 rund 54 Prozent. Nur in Belgien und in Litauen werden mehr Kunststoffabfälle wiederverwendet. Dazu trägt auch die erweiterte Herstellerverantwortung bei, die Produzenten in der Slowakei seit 2016 verpflichtet, Verpackungsabfall separat zu sammeln.
Hausmüll wird kaum wiederverwertetAbfallmengen und Müllentsorgung in der Slowakei (2024) | Abfallart | Abfälle insgesamt | Siedlungsabfälle |
|---|
| Abfallaufkommen (in Millionen Tonnen) | 12,73 | 2,65 |
| Abfallverwertung (in Prozent), darunter | 56,7 | 59,4 |
| Wiederverwertung | 38,9 | 19,2 |
| energetische Nutzung | 4,8 | 7,2 |
| Kompostierung | 12,3 | 31,5 |
| sonstige Nutzung | 0,8 | 1,6 |
| Abfallbeseitigung (in Prozent), darunter | 18,8 | 38,0 |
| in Deponien | 16,1 | 38,0 |
| Verbrennung ohne energetische Nutzung | 0,03 | 0,001 |
| sonstige Beseitigung | 2,6 | 0,001 |
| Sonstige Müllsammlung (in Prozent) | 24,5 | 2,5 |
Quelle: Slowakisches Statistikamt "Abfälle in der Slowakei 2024" (Odpady v Slovenskej republike za rok 2024), Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026
Ohne Müllverbrennung wird Deponiequote kaum sinken
Um die Deponiequote bis 2035 auf 10 Prozent zu senken, braucht die Slowakei mehr Kapazitäten zur Müllverbrennung. Bislang nutzt das Land erst 5 Prozent seiner gesamten Abfallmenge und 7 Prozent der Siedlungsabfälle zur Energieerzeugung.
Nur in Bratislava und in Košice gibt es jeweils eine größere Müllverbrennungsanlage (MVA). Außerdem verwenden Zementwerke Abfall als Ersatzbrennstoff.
Die Anlage in Bratislava betreibt der kommunale Betrieb OLO mit einer Jahreskapazität von 130.000 Tonnen. Er sucht zurzeit einen Generalunternehmer für die Modernisierung des Brennofens (Auftragswert: rund 250 Millionen Euro, wird öffentlich ausgeschrieben).
In Košice verbrennt das Unternehmen Kosit (Finanzgruppe Wood & Company) jährlich über 100.000 Tonnen Siedlungsabfälle. Es plant dort eine dritte Verbrennungslinie, die perspektivisch eine bestehende Linie ersetzen soll.
Laut der aktuellen Abfallstrategie sind in der Slowakei drei bis vier neue Müllverbrennungsanlagen (MVA) nötig. Sie sollen vorrangig in bestehenden Industriegebieten entstehen, um Anwohnerproteste zu vermeiden. Anders als ihre Vorgänger ist die aktuelle Regierung in der Slowakei bei der Müllverbrennung zurückhaltend. Neue Kapazitäten sollen nur in minimal notwendigem Umfang geschaffen werden, heißt es in ihrer Abfallstrategie. Recycling und Wiederverwendung haben Vorrang vor Verbrennung.
Aus Bioabfall entstehen Kompost und Gas
Eines der problematischsten Abfallbestandteile bleibt Biomüll. Immer noch entfallen rund 32 Prozent der Siedlungsabfälle auf organische Stoffe. Laut Abfallstrategie soll dieser Wert bis 2035 auf 20 Prozent sinken.
Obwohl die Gemeinden seit 2021 verpflichtet sind, eine getrennte Sammlung von Bioabfällen anzubieten, fehlt in vielen Orten die entsprechende Infrastruktur. Zudem enthalten die eingesammelten Mengen viele Fremdstoffanteile, was die spätere Verarbeitung zu Kompost oder Gärprodukten erschwert.
Die Strategie schlägt deshalb vor, die Haus‑ und Gemeinschaftskompostierung vor allem im ländlichen Raum zu fördern. Außerdem werden regionale Kompostierungszentren angeregt.
Die zahlreichen Biogasanlagen im Land sollen verstärkt auch feuchte kommunale Bioabfälle (Küchenabfälle) aufnehmen und müssten dafür umgerüstet werden. Es ist eine Förderung der sogenannten Ko‑Vergärung geplant, also eine Mischung aus Bioabfall und landwirtschaftlichen Substraten.
Abfallimporte auf sehr hohem Niveau
Auffallend ist, dass die Importe von Abfall in die Slowakei zuletzt gestiegen sind. Sie erreichten 2025 das höchste Volumen seit 14 Jahren. Insgesamt wurde die Einfuhr von 740.000 Tonnen genehmigt. Meist handelt es sich dabei um Mischungen aus Textil, Kunststoffen, Gummi und Holz. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Österreich und Italien. Importeure sind häufig Zementwerke und andere Baustoffproduzenten.
Umgekehrt wachsen auch die Abfallexporte, weil es nicht genügend Verarbeitungs- und Deponiekapazitäten in der Slowakei gibt (2019: 23.000 Tonnen, aktuell rund 120.000 Tonnen pro Jahr). Das gilt besonders für hochgefährliche Abfälle, die in der Slowakei nicht fachgerecht entsorgt werden können.
Ausgewählte Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft in der SlowakeiInvestitionssumme in Millionen EuroProjekt | Investition | Stand | Projektträger |
|---|
| Müllverbrennungsanlage / Bratislava | 320 | Umweltverträglichkeitsprüfung läuft; Kapazität 220.000 t p.a.; Fertigstellung für 2030 geplant | Slovnaft |
| Zentrum der Energie- und Abfallwirtschaft / Šaľa | 215 | Umweltverträglichkeitsprüfung in Vorbereitung; Fertigstellung für 2032 geplant, Abfallbearbeitung und Müllverbrennung | Ewia |
| Recycling von Altbatterien / Šurany | 30 | Verarbeitungskapazität von 20.000 Li-Ion-Batterien p.a., Umweltverträglichkeitsprüfung steht aus, Inbetriebnahme für 2027 geplant | ShredCo |
| Einführung einer mengenbasierten Abfallabrechnung / Stadt Michalovce | 4,0 | EU-Förderung; Fertigstellung bis Ende 2027 geplant | Stadt Michalovce |
| Einführung einer mengenbasierten Abfallabrechnung / Handlová | 3,8 | EU-Förderung; Fertigstellung bis Mitte 2027 geplant | Stadt Handlová |
| Sortier- und Verarbeitungszentrum für Abfälle / Prešov | 0,8 | Projekt soll 2026 in Betrieb gehen | Kosit.sk |
| Verarbeitungsanlage für Elektronikabfälle / Hliník nad Hronom | k.A. | Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt | ŽP EKO QELET |
| Abfallverbrennungsanlage / Skalica | k.A. | Projekt an tschechisch-slowakischer Grenze; Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt in beiden Ländern; Widerstand in beiden Ländern, negative Volksbefragung in Skalica Ende 2025 | GGES (Grafobal Group) |
| Verbrennungsanlage für Kunststoffe / Senica | k.A. | Umweltverträglichkeitsprüfung überstanden; öffentlicher Widerstand – Entscheidungsüberprüfung der Umweltverträglichkeit läuft | Seteco |
| Technologiepark OLO / Bratislava | k.A. | Umweltverträglichkeitsprüfung überstanden; technische Anlage zur Verwertung der biologisch abbaubaren Abfälle | Odvoz a likvidácia odpadu (OLO) |
Quelle: Eurofondy.gov.sk, Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen 2026
Von Gerit Schulze
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Bratislava