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Branche kompakt | Slowakei | Abfallwirtschaft

Slowakei investiert in Recycling und Abfallverwertung

Vorgaben der EU und Fördermittel sorgen für viel Dynamik in der slowakischen Entsorgungswirtschaft. Es gibt weiter großen Bedarf an Abfallverwertung und Recyclingtechnologien.

Von Gerit Schulze | Bratislava

Ausblick der Abfallwirtschaft in der Slowakei

  • EU-Vorgaben erhöhen den Handlungsdruck.
  • Deponien erreichen ihre Kapazitätsgrenzen.
  • Neue Abfallstrategie fokussiert auf Recycling und Wiederverwertung.
  • Ausländische Unternehmen sind gut im Geschäft.
  • Personalmangel bremst die Branche aus.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionsankündigungen, Branchenanalysen und Regierungsprogrammen. Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Januar 2026

  • Die Slowakei muss ihre Deponiequote weiter senken und die Wiederverwertung von Abfall vorantreiben. Investitionen in Sortieranlagen und Müllverbrennung stehen an.

    In der Slowakei steigt das Abfallvolumen. Das Aufkommen bei Siedlungsabfällen erreichte 2024 einen Wert von 2,65 Millionen Tonnen. Der Pro-Kopf-Ausstoß nähert sich dem europäischen Durchschnitt und lag 2024 bei 488 Kilogramm (EU 2023: 511 Kilogramm). Laut Weißbuch zur Abfallwirtschaft der Slowakei könnte das Hausmüllvolumen bis 2035 auf mindestens 3,1 Millionen Tonnen steigen. Die höheren Abfallmengen und strengere EU-Vorgaben sorgen für Handlungsdruck in der Entsorgungswirtschaft. 

    Abfallvermeidung und Recycling bekommen Vorrang

    Von den Siedlungsabfällen landeten 2024 immer noch 38 Prozent auf der Deponie. Der Wert ist in den letzten Jahren nur langsam gesunken. Im Januar 2026 verabschiedete die Regierung in Bratislava die neue Abfallstrategie bis 2035. Sie strebt eine nachhaltige Entsorgung und den schrittweisen Übergang zur Kreislaufwirtschaft an. 

    Abfallvermeidung, Reparatur und Recycling sollen Vorrang haben vor sonstiger Verwertung und Deponierung. Dabei wird jedoch die "Wahrung der technologischen Neutralität" betont, um die Wettbewerbsfähigkeit der Slowakei nicht zu gefährden. 

    Die Strategie sieht Abfall zunehmend als Ressource, die kritische Rohstoffquellen schützt. Produkte müssten so gestaltet sein, dass die spätere Wiederverwendung erleichtert wird. Eine besondere Rolle bei Erfassung und Recycling spielt die erweiterte Herstellerverantwortung.

    Bei Siedlungsabfall plant die Slowakei eine Umstellung auf mengenbasierte Abfallgebühren und die getrennte Sammlung einzelner Fraktionen. Langfristig soll die Deponiequote deutlich gesenkt werden.

    Ziele für die Branche bis 2035

    • Senkung der Deponiequote bei kommunalen Abfällen von 38 Prozent (2024) auf 10 Prozent
    • Steigerung der Recyclingquote von 51 Prozent (2024) auf 65 Prozent
    • Bau neuer Sortieranlagen in jeder Region mit einer Gesamtkapazität von 100.000 Tonnen
    • Anteil biologisch abbaubarer Abfälle im Restmüll soll auf 20 Prozent sinken (Ausbau von Kompostierung und Biogas-Anlagen)
    • flächendeckendes PAYT-System (Pay As You Throw) zur Abrechnung der Abfallmengen
    • Fokus auf Re-Use: Bau von Wiederverwertungszentren und Reparatur-Initiativen
    • Vermeidung von Lebensmittelabfällen, Aufbau eines Systems zur Umverteilung von Lebensmittelhilfen
    • Industrieabfälle: Stärkere Kontrolle, Recyclingquote erhöhen, Verbot der Deponierung von Reifen und energetisch verwertbarem Abfall
    • Förderung der Kreislaufwirtschaft durch Ökodesign, Wiederverwendung, Gewinnung kritischer Rohstoffe aus Abfällen wie Batterien

    Erfolgreich verläuft die Erfassung von Getränkeverpackungen. Als eines der ersten Länder in Mittelosteuropa führte die Slowakei 2022 ein Einwegpfand ein. Bis Anfang 2025 waren rund 400 Hersteller an das System angeschlossen. Landesweit gibt es rund 3.600 Annahmestellen. Im Jahr 2025 kamen in der Slowakei 1,15 Milliarden Pfandverpackungen auf den Markt. Rund 95 Prozent davon wurden zurückgegeben, womit die gesetzlich vorgeschriebene Quote (90 Prozent) erfüllt wird. Das hohe Aufkommen an PET-Flaschen und Dosen erzeugt Bedarf an entsprechenden Verarbeitungskapazitäten.

    95 %

    aller Getränkeverpackungen werden zurückgegeben.

    Dank des Pfandsystems gehört die Slowakei zu den führenden Ländern beim Recyceln von Plastikverpackungen in Europa. Laut Eurostat betrug der Anteil 2023 rund 54 Prozent. Nur in Belgien und in Litauen werden mehr Kunststoffabfälle wiederverwendet. Dazu trägt auch die erweiterte Herstellerverantwortung bei, die Produzenten in der Slowakei seit 2016 verpflichtet, Verpackungsabfall separat zu sammeln. 

    Hausmüll wird kaum wiederverwertetAbfallmengen und Müllentsorgung in der Slowakei (2024)
    Abfallart 

    Abfälle insgesamt

    Siedlungsabfälle

    Abfallaufkommen (in Millionen Tonnen)

    12,73

    2,65

    Abfallverwertung (in Prozent), darunter

    56,7

    59,4

    Wiederverwertung

    38,9

    19,2

    energetische Nutzung

    4,8

    7,2

    Kompostierung

    12,3

    31,5

    sonstige Nutzung

    0,8

    1,6

    Abfallbeseitigung (in Prozent), darunter

    18,8

    38,0

    in Deponien

    16,1

    38,0

    Verbrennung ohne energetische Nutzung

    0,03

    0,001

    sonstige Beseitigung

    2,6

    0,001

    Sonstige Müllsammlung (in Prozent)

    24,5

    2,5

    Quelle: Slowakisches Statistikamt "Abfälle in der Slowakei 2024" (Odpady v Slovenskej republike za rok 2024), Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

    Ohne Müllverbrennung wird Deponiequote kaum sinken

    Um die Deponiequote bis 2035 auf 10 Prozent zu senken, braucht die Slowakei mehr Kapazitäten zur Müllverbrennung. Bislang nutzt das Land erst 5 Prozent seiner gesamten Abfallmenge und 7 Prozent der Siedlungsabfälle zur Energieerzeugung. 

    Nur in Bratislava und in Košice gibt es jeweils eine größere Müllverbrennungsanlage (MVA). Außerdem verwenden Zementwerke Abfall als Ersatzbrennstoff.

    Die Anlage in Bratislava betreibt der kommunale Betrieb OLO mit einer Jahreskapazität von 130.000 Tonnen. Er sucht zurzeit einen Generalunternehmer für die Modernisierung des Brennofens (Auftragswert: rund 250 Millionen Euro, wird öffentlich ausgeschrieben). 

    In Košice verbrennt das Unternehmen Kosit (Finanzgruppe Wood & Company) jährlich über 100.000 Tonnen Siedlungsabfälle. Es plant dort eine dritte Verbrennungslinie, die perspektivisch eine bestehende Linie ersetzen soll.

    Laut der aktuellen Abfallstrategie sind in der Slowakei drei bis vier neue Müllverbrennungsanlagen (MVA) nötig. Sie sollen vorrangig in bestehenden Industriegebieten entstehen, um Anwohnerproteste zu vermeiden. Anders als ihre Vorgänger ist die aktuelle Regierung in der Slowakei bei der Müllverbrennung zurückhaltend. Neue Kapazitäten sollen nur in minimal notwendigem Umfang geschaffen werden, heißt es in ihrer Abfallstrategie. Recycling und Wiederverwendung haben Vorrang vor Verbrennung. 

    Aus Bioabfall entstehen Kompost und Gas

    Eines der problematischsten Abfallbestandteile bleibt Biomüll. Immer noch entfallen rund 32 Prozent der Siedlungsabfälle auf organische Stoffe. Laut Abfallstrategie soll dieser Wert bis 2035 auf 20 Prozent sinken. 

    Obwohl die Gemeinden seit 2021 verpflichtet sind, eine getrennte Sammlung von Bioabfällen anzubieten, fehlt in vielen Orten die entsprechende Infrastruktur. Zudem enthalten die eingesammelten Mengen viele Fremdstoffanteile, was die spätere Verarbeitung zu Kompost oder Gärprodukten erschwert.

    Die Strategie schlägt deshalb vor, die Haus‑ und Gemeinschaftskompostierung vor allem im ländlichen Raum zu fördern. Außerdem werden regionale Kompostierungszentren angeregt. 

    Die zahlreichen Biogasanlagen im Land sollen verstärkt auch feuchte kommunale Bioabfälle (Küchenabfälle) aufnehmen und müssten dafür umgerüstet werden. Es ist eine Förderung der sogenannten Ko‑Vergärung geplant, also eine Mischung aus Bioabfall und landwirtschaftlichen Substraten. 

    Abfallimporte auf sehr hohem Niveau

    Auffallend ist, dass die Importe von Abfall in die Slowakei zuletzt gestiegen sind. Sie erreichten 2025 das höchste Volumen seit 14 Jahren. Insgesamt wurde die Einfuhr von 740.000 Tonnen genehmigt. Meist handelt es sich dabei um Mischungen aus Textil, Kunststoffen, Gummi und Holz. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Österreich und Italien. Importeure sind häufig Zementwerke und andere Baustoffproduzenten.

    Umgekehrt wachsen auch die Abfallexporte, weil es nicht genügend Verarbeitungs- und Deponiekapazitäten in der Slowakei gibt (2019: 23.000 Tonnen, aktuell rund 120.000 Tonnen pro Jahr). Das gilt besonders für hochgefährliche Abfälle, die in der Slowakei nicht fachgerecht entsorgt werden können.

    Ausgewählte Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft in der SlowakeiInvestitionssumme in Millionen Euro

    Projekt

    Investition 

    Stand

    Projektträger 

    Müllverbrennungsanlage / Bratislava

    320

    Umweltverträglichkeitsprüfung läuft; Kapazität 220.000 t p.a.; Fertigstellung für 2030 geplantSlovnaft
    Zentrum der Energie- und Abfallwirtschaft / Šaľa 

    215

    Umweltverträglichkeitsprüfung in Vorbereitung; Fertigstellung für 2032 geplant, Abfallbearbeitung und Müllverbrennung Ewia
    Recycling von Altbatterien / Šurany

    30

    Verarbeitungskapazität von 20.000 Li-Ion-Batterien p.a., Umweltverträglichkeitsprüfung steht aus, Inbetriebnahme für 2027 geplantShredCo
    Einführung einer mengenbasierten Abfallabrechnung / Stadt Michalovce

    4,0

    EU-Förderung; Fertigstellung bis Ende 2027 geplantStadt Michalovce
    Einführung einer mengenbasierten Abfallabrechnung  / Handlová

    3,8

    EU-Förderung; Fertigstellung bis Mitte 2027 geplantStadt Handlová
    Sortier- und Verarbeitungszentrum für Abfälle / Prešov  

    0,8

    Projekt soll 2026 in Betrieb gehenKosit.sk 
    Verarbeitungsanlage für Elektronikabfälle / Hliník nad Hronom

    k.A.

    Umweltverträglichkeitsprüfung beantragtŽP EKO QELET
    Abfallverbrennungsanlage / Skalica

    k.A.

    Projekt an tschechisch-slowakischer Grenze; Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt in beiden Ländern; Widerstand in beiden Ländern, negative Volksbefragung in Skalica Ende 2025GGES (Grafobal Group)
    Verbrennungsanlage für Kunststoffe / Senica

    k.A.

    Umweltverträglichkeitsprüfung überstanden; öffentlicher Widerstand – Entscheidungsüberprüfung der Umweltverträglichkeit läuftSeteco
    Technologiepark OLO / Bratislava

    k.A.

    Umweltverträglichkeitsprüfung überstanden; technische Anlage zur Verwertung der biologisch abbaubaren AbfälleOdvoz a likvidácia odpadu (OLO)
    Quelle: Eurofondy.gov.sk, Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen 2026

    Von Gerit Schulze | Bratislava

  • Die Slowakei hat zu wenig Kapazitäten für die Behandlung einiger Abfallarten. Deponien stoßen an ihre Grenzen. In der Branche sind viele ausländische Unternehmen engagiert.

    In der Slowakei gibt es laut aktueller Abfallstrategie 76 Mülldeponien, davon 61 für nicht gefährliche Abfälle aus Haushalten und Industrie. Sie hatten Ende 2024 noch ein freies Fassungsvermögen von rund 7 Millionen Tonnen. 

    Sortierte kommunale Abfälle, die der erweiterten Herstellerverantwortung unterliegen, dürfen nicht mehr auf Deponien gebracht werden. Ebenso ist die Einlagerung von Küchenabfällen sowie von Biomüll aus Parks und Gärten verboten. 

    Neue Deponien für ungefährliche Abfälle werden in der Slowakei nicht mehr genehmigt. Es ist nur noch möglich, freie Kapazitäten bestehender Deponien auszubauen, zum Beispiel für Industrieabfälle.

    Gefahrstoffe oft im Ausland entsorgt

    Für gefährliche Abfälle stehen sieben Deponien zur Verfügung. Einige werden von den Betreibern für eigene Zwecke genutzt. In den Regionen Žilina und Trnava gibt es gar keine Standorte. Laut Abfallstrategie ist die Erweiterung der Deponiekapazitäten für Gefahrenstoffe unverzichtbar. Dabei setzt das Land vor allem auf den Ausbau bestehender Anlagen. 

    Jährlich entstehen in der Slowakei knapp 500.000 Tonnen gefährliche Abfälle wie Asbest, Lacke, Batterien, Krankenhausmüll und gefährlicher Bauschutt. Die Entsorgungskapazitäten sind unzureichend und Anlagen für die Endverwertung fehlen. Häufig werden die Gefahrenstoffe ins Ausland gebracht, was zu Umweltrisiken führt.

     

    Abfallmengen in der Slowakei nach den größten AbfallartenAufkommen in 1.000 Tonnen, Veränderung in Prozent
    Abfallart (EU-Abfallverzeichnis-Code) 

    2023

    2024

    Veränderung 2024 / 2023 *)

    Insgesamt, darunter

    13.566

    12.730

    -6,2

    Bau- und Abbruchabfälle (17)

    5.153

    4.509

    -12,5

    Siedlungsabfälle (kommunale Abfälle) (20)

    2.561

    2.649

    3,5

    Abfälle aus Kläranlagen (19)

    1.698

    2.120

    24,8

    Abfälle aus der Bearbeitung von Metallen und Kunststoffen (12)

    765

    709

    -7,4

    Abfälle, die bei der Wärmegewinnung entstehen (10)

    1.235

    568

    -54,0

    Abfälle der Land- und Forstwirtschaft sowie der Nahrungsmittelindustrie (02)

    588

    560

    -4,8

    Abfälle aus der Holz- und Papierindustrie (03)

    558

    495

    -11,3

    Verpackungsabfälle (15)

    230

    242

    5,0

    * Berechnung aufgrund der nicht aufgerundeten Werte.Quelle: Slowakisches Statistikamt – Datenbank DATAcube, Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

    Infrastruktur zur Abfallbehandlung in der Slowakei

    • Müllverbrennungsanlagen für ungefährliche Abfälle: 2 (Gesamtkapazität: 315.000 Tonnen pro Jahr)
    • Abfallmitverbrennung in Industriebetrieben wie Zementwerken: 5 Standorte für 410.000 Tonnen pro Jahr
    • Verarbeitung von biologisch abbaubarem Abfall: ca. 188 Kompostierbetriebe und 34 Biogasanlagen (1,4 Millionen Tonnen pro Jahr)
    • Kunststoffabfälle: 53 Anlagen
    • Papier und Pappe: 4 Anlagen
    • Glas: 4 Anlagen
    • Textil: 9 Anlagen (Kapazität 70.000 Tonnen pro Jahr)
    • Elektroabfälle: 22 Anlagen (Kapazität 60.000 Tonnen pro Jahr)
    • Metallschrott: 22 Anlagen

    Quelle: Strategie der Abfallwirtschaft der Slowakei bis 2035, 2026

    Auch deutsche Firmen gut im Geschäft

    Umsatzstärkstes Unternehmen der slowakischen Entsorgungswirtschaft ist die Remondis-Tochter TSR Slovakia. Sie ist im Segment Schrott- und Metallverwertung unterwegs. Weitere ausländische Dienstleister am Markt sind die dänische Gruppe Marius Pedersen, die österreichische Brantner und die spanische FCC. Marius Pedersen sucht derzeit einen Käufer für das Geschäft in Tschechien und in der Slowakei. Bis Mitte 2026 sollen die Aktivitäten übertragen werden.

    Auch Unternehmen aus den Nachbarländern Polen und Tschechien engagieren sich in der Entsorgungswirtschaft. Unter den einheimischen Akteuren ist Kosit eines der umsatzstärksten Unternehmen. Es war ursprünglich auf die Hausmüllentsorgung in Košice fokussiert, expandiert aber auch in andere Regionen. In Prešov will Kosit ein großes Verarbeitungszentrum zur Abfallaufbereitung bauen.

    Wichtige Entsorgungsunternehmen in der Slowakei (Auswahl)Umsatz in Millionen Euro, Veränderung in Prozent
    UnternehmenSparte

    2024 1) 

    Veränderung 2024/23

    TSR Slovakia (Remondis)Eisenschrott- und Buntmetallverwertung

    135

    29,0

    Bio Oil DevelopmentBearbeitung der Abfallöle und -fette, Biodieselproduktion

    129

    0,1

    ŽP EKO QeletMetallschrottbearbeitung (Tochter der Železiarne Podbrezová)

    101

    6,4

    Kosit 2) Abfallsammlung, -verwertung, Verbrennungsanlage

    79

    15,3

    Marius PedersenAbfallsammlung, -verwertung, ökologische Sanierung

    73

    12,8

    Brantner 2) Sammlung und Entsorgung von Abfällen, Deponiebetrieb, Sortier-, Kompostanlagen

    72

    20,8

    FCC Slovensko 2)Abfallsammlung, -verwertung, -verbrennung, Deponiebetrieb

    50

    14,5

    Odvoz a likvidácia odpadu (OLO)Siedlungsabfälle (Tochtergesellschaft der Stadt Bratislava)

    47

    2,6

    General PlasticWiederverwertung von PET-Materialien

    33

    67,1

    HMSKWiederverwertung von PET-Flaschen und Papierverpackungen (Tochtergesellschaft von Hyundai)

    32

    23,7

    1 Umsatz insgesamt (Umsätze aus eigenen Erzeugnissen und Dienstleistungen und aus Warenverkauf); 2 Umsatz der Gruppe mit Tochtergesellschaften. Quelle: Finstat.sk, Firmenangaben, Register der Jahresabschlüsse, Wirtschaftsmagazin Trend, Verband der Abfallwirtschaft, Recherchen und Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

    Großraffinerie steigt in Müllverbrennung ein

    Ein neuer Akteur in der Abfallwirtschaft könnte die zum ungarischen MOL-Konzern gehörende Raffinerie Slovnaft werden. Sie plant in Bratislava eine Müllverbrennungsanlage (MVA) für kommunale und Industrieabfälle aus der Autoindustrie sowie für Klärschlämme. Nach heftiger Kritik an den Dimensionen wurden die avisierten Kapazitäten auf 220.000 Tonnen pro Jahr reduziert. Slovnaft strebt eine Zusammenarbeit mit dem Metallverarbeiter Heneken zur stofflichen Verwertung der Asche an. Dabei sollen wertvolle Rohstoffe wie Aluminium in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden. 

    Häufig zu wenig Kapazitäten

    Für viele Abfallarten reichen die Verwertungskapazitäten in der Slowakei nicht aus. Das gilt für Kunststoffe (außer PET-Flaschen), Alttextilien, Gefahrenstoffe und Abfälle aus der Gesundheitswirtschaft.

    Da die Deponierung von medizinischen und veterinärmedizinischen Abfällen verboten ist, wird vor allem Wärmebehandlung genutzt. Dafür gibt es aber zu wenig Anlagen. Die neue Abfallstrategie regt an, defizitäre Aktivitäten aus öffentlichen Mitteln zu unterstützen, darunter die Behandlung von Abfällen aus dem Gesundheitswesen. Davon fallen jährlich durchschnittlich 10.000 Tonnen an. 

    Zwei Anlagen zur Dekontaminierung von medizinischem Abfall wurden in Považská Bystrica (Nordwestslowakei) und in Bratislava angekündigt. Kritik gibt es dabei an der geplanten Technologie Sterilwave, die nicht für hochinfektiöse Abfälle geeignet sein soll.

    Verwertung von Alttextilien wird zur Pflicht

    Wie schon bei Elektroabfällen werden Hersteller auch bei Alttextilien stärker zur Verantwortung gezogen, um die Verwertungsquoten zu erhöhen. Auf Textil- und Bekleidungsabfälle entfallen etwa 4 Prozent des slowakischen Hausmüllvolumens. Bereits seit 2025 müssen Alttextilien getrennt vom Hausmüll gesammelt werden. Ab 2027 gilt die erweiterte Herstellerverantwortung. 

    Da Textilabfälle dann nicht mehr auf die Deponie dürfen, fallen große Mengen an, die verwertet werden müssen. Die slowakische Textilindustrie ist finanziell nicht in der Lage, größere Investitionen zu stemmen. Der Einsatz von Rezyklaten steht für sie nicht im Fokus. Größter Abnehmer von recyceltem Textilmaterial soll laut Abfallstrategie die Bauwirtschaft sein.

    Ein wichtiger Dienstleister für die Sammlung von Alttextilien ist Ekocharita, das mehr als 1.500 Sammelcontainer im Land unterhält. Jährlich sammelt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 4.000 Tonnen Alttextilien ein. Ekocharita ist Gründungsmitglied des Branchenverbands Satex, bei dem Modehändler wie CCC, Reserved und Decathlon Mitglied sind.

    Es gibt in der Slowakei bereits einige Anlagen zur Verwertung von Textilabfällen. Hoveba betreibt eine Zerfaserungslinie für knapp 5.000 Jahrestonnen. Humana, Jura Terra, Textila SK und Textile House bereiten Textilien für die Wiederverwendung auf. Lykotex stellt Vliesstoffe her. 

    Das Unternehmen Tribtex will in Chorvátsky Grob bei Bratislava eine Anlage zur Wiederverwendung von Textilabfällen bauen. Probleme bei der Verarbeitung sind die schlechte Sortierung, fehlende Recyclingkapazitäten und schwierige Absatzmöglichkeiten. Hier bestehen gute Geschäftschancen.

    Von Gerit Schulze | Bratislava

  • Für Projekte in der slowakischen Abfallwirtschaft gibt es großzügige Fördermittel. Der Wettbewerb in der Branche ist intensiv, auch viele ausländische Unternehmen sind im Geschäft.

    Um die Abfallsammlung und -entsorgung in der Slowakei kümmern sich sowohl kommunale als auch rein private Unternehmen. Sofern Projekte mit öffentlichen Geldern finanziert werden, sind die Ausschreibungen öffentlich zugänglich. Sie können über das Webportal UVO eingesehen werden.

    Gute Fördermöglichkeiten für Investitionsprojekte

    Neue Projekte in der slowakischen Abfallwirtschaft werden häufig aus EU-Fonds finanziert. Für die Entsorgungswirtschaft ist vor allem das Operationelle Programm Slowakei interessant.

    Konkrete Förderung für die Abfallwirtschaft gibt es über die Unterprogramme 2.6 (Übergang zur Kreislaufwirtschaft), 2.7. (Umweltschutz und Minderung der Umweltverschmutzung) und 8.1 (Klimaziele und ihre Wirkungen auf Wirtschaft, Arbeitsmarkt etc.). Noch im 1. Quartal 2026 ist ein neuer Förderaufruf zum Bau von Abfallsortierzentren geplant. Dafür stehen 4,8 Millionen Euro bereit.

    Außerdem kann die Slowakei Geld aus dem Modernisierungsfonds abschöpfen, um ihre Abfallwirtschaft zu modernisieren. Hier kommt vor allem der sogenannte Environmentálny Fond in Frage.

    Neben Mitteln aus EU-Fonds stellt der Staat auch eigene Finanzierung bereit. Sie speist sich aus Gebühren für die Deponierung und Schlammablagerung. Antragsberechtigt sind Unternehmen, die in der Abfallwirtschaft tätig sind oder durch ihre Produktion nachweislich die Abfallmenge reduzieren. Auch deutsche Produktionsbetriebe in der Slowakei könnten davon profitieren. Gefördert werden Vorhaben zur Abfallvermeidung und Ressourceneffizienz, zur Wiederverwendung und für Sortier, Aufbereitungs und Recyclinganlagen. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Umweltfonds.

    Engpässe bei der Personalsuche

    Branchenexperten berichten, dass in der Abfallwirtschaft zunehmend Mitarbeiter fehlen. Vielen Unternehmen gelingt es nicht, Fahrerstellen zu besetzen oder Hilfskräfte für die Sortieranlagen zu finden. Für junge Menschen sei der Erwerb des Führerscheins oft zu teuer und kompliziert. Technisch qualifizierte Beschäftigte gibt es kaum am Markt. Die fehlenden Positionen besetzen die Abfallwirtschaftsbetriebe zunehmend mit ausländischen Arbeitskräften.

    Preisabsprachen im Visier des Kartellamts

    Das Geschäftsgebaren in der slowakischen Abfallwirtschaft ist nicht immer transparent. Die Antimonopolbehörde PMÚ leitet regelmäßig Verfahren wegen Wettbewerbsverzerrungen ein. Besonders Preisabsprachen und koordinierte Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen sind Kritikpunkte der Kartellbehörde.

    Mehr Kontrolle über Deponiebetreiber

    Eine Novelle des Abfallgesetzes erschwert seit Oktober 2025 den Betreiberwechsel bei Deponien. Das soll unseriöse Dienstleister vom Markt verdrängen. Es ist nun die Zustimmung der staatlichen Verwaltungsbehörde nötig. Voraussetzung sind mindestens drei Jahre Erfahrung in der Branche. Außerdem müssen neue Betreiber künftig ausreichend finanzielle Mittel für deren Schließung, Rekultivierung und das spätere Monitoring nachweisen. Das soll verhindern, dass am Ende der Staat oder die Kommunen für die Deponiesanierung aufkommen müssen.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union (EU) sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa Deutsches Institut für Normung e.V.).

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Gerit Schulze | Bratislava

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK SlowakeiAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    German RETech Partnership e.V.Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung
    Ministerstvo životného prostredia SRSlowakisches Umweltministerium
    Slovenská agentúra životného prostrediaSlowakische Umweltagentur
    Asociácia podnikateľov v odpadovom hospodárstveVerband der Unternehmer in der Abfallwirtschaft, 21 Mitglieder
    Zväz odpadového priemysluVerband der Abfallindustrie der Slowakei (ZOP), 35 Mitglieder
    EnviroportálFach- und Informationsportal des Umweltministeriums
    Odpadové hospodárstvoFachportal und -zeitschrift
    Weißbuch zur Abfallwirtschaft der SlowakeiWeißbuch zur Abfallwirtschaft der Slowakei
    OdpadyOnline-Fachzeitschrift
    Úrad pre verejné obstarávanieZentrale Plattform für öffentliche Ausschreibungen 
    Verejné obstarávanieWebseite der slowakischen Regierung mit Hinweisen zu Ausschreibungen
    Tender Service
    Slovensko.sk
    eZakazky.sk
    Weitere Portale zur Suche nach Ausschreibungen im Abfallsektor (teilweise B2B)

     

    Von Gerit Schulze | Bratislava

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