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Kasachstan verbessert Bedingungen für Rohstoffabbau
Mit neuen geologischen Daten und digitalen Tools will Kasachstan Unternehmen den Einstieg in den Bergbau vereinfachen. Erste Deals rund um kritische Rohstoffe bahnen sich an.
09.01.2026
Von Viktor Ebel | Almaty
- Online-Plattform für Nutzungsrechte ging 2025 an den Start
- Vollständige Digitalisierung aller geologischen Daten bis 2026 vorgesehen
- Moderne Labore liefern international vergleichbare Ergebnisse
- EU stärkt Zusammenarbeit mit Kasachstan bei kritischen Rohstoffen
- USA und China drängen stärker in Zentralasiens Rohstoffsektor
Kasachstan ist beim Abbau fossiler Rohstoffe wie Öl und Gas, sowie Kupfer gut aufgestellt. In anderen Rohstoffbereichen gilt das Land jedoch noch als Underdog, obwohl es über bedeutende Vorkommen verfügt. Dazu zählen auch seltene Erden. Fachleute führe das zurück auf veraltete geologische Daten, unübersichtliche Lizenzvergabeverfahren, eine komplizierte Logistik und den mangelhaften Zugang zu Kapitalmärkten.
Viele Industrieländer diskutieren zunehmend über alternative Bezugsquellen für kritische Rohstoffe. Deshalb hat Kasachstan begonnen, die Bedingungen für den Bergbau zu verbessern. Fundiertere Daten, neue Förderprogramme und internationale Partnerschaften sollen mehr Bergbauunternehmen nach Kasachstan holen. Erste Deals rund um kritische Rohstoffe bahnen sich bereits an.
Online-Plattform für Nutzungsrechte ging 2025 an den Start
Seit 2025 bietet eine neue Online-Plattform Unternehmen einen umfassenden Überblick über bereits durchgeführte Erkundungen und geologische Berichte. Über die Seite können sie außerdem Lizenzen für die Exploration, den Abbau und die Verarbeitung von Rohstoffen beantragen. Die Plattform gibt Zugang zu 22 staatlichen Services, die sich direkt online bezahlen lassen. Das macht das Prozedere transparenter und effizienter.
| Metalle und Legierungsmetalle | Seltene Erden | Industrieminerale |
|---|---|---|
| Beryllium | Yttrium | Phosphatstein |
| Tantal | Cer | Flussspat |
| Niob | Lanthan | Baryt |
| Titan | Neodym | |
| Vanadium | Praseodym | |
| Chrom | Dysprosium | |
| Mangan | Terbium | |
| Magnesium | ||
| Wolfram |
Vollständige Digitalisierung aller geologischen Daten bis 2026 vorgesehen
Neben den Pflichtmeldungen der Bergbauunternehmen digitalisiert der Nationale Geologische Dienst Kasachstans laufend die Ergebnisse staatlicher Erkundungen aus den vergangenen 80 Jahren. Bis Ende 2026 sollen alle Informationen digital verfügbar sein (2025: 97 Prozent). Mittelfristig sollen sie auch über einen KI‑Assistenten abrufbar werden.
noch unentdeckte Lagerstätten gibt es laut Schätzung der Weltbank in Kasachstan.
Ab 2026 kommen Satellitenbilder im Maßstab 1:50.000 hinzu. Außerdem fließen neue Daten aus geochemischen Analysen ein. Die Fläche der geologisch untersuchten Gebiete steigt 2026 nach Plänen der Regierung von knapp 2 Millionen Quadratkilometern auf 2,2 Millionen Quadratkilometer. Zum Vergleich: Die Zunahme entspricht mehr als der Hälfte der Fläche Deutschlands. Zwischen 2026 und 2028 sollen weitere 100.000 Quadratkilometer erschlossen werden.
Moderne Labore liefern international vergleichbare Ergebnisse
Um die wachsende Zahl an Gesteinsproben analysieren zu können, investieren Regierung und Privatsektor in neue geologische Labore. So sollen bis 2028 alle Reserven nach dem internationalen JORC‑Standard nachgewiesen werden. Das verbessert die Finanzierbarkeit von Projekten, weil die Reserven dann weltweit vergleichbar sind.
Im Dezember 2025 eröffnete ein Joint Venture in Almaty das GeoLab Eurasia. Daran beteiligt sind das kasachische Erkundungsunternehmen Kepler Group, ein chinesischer Investor und das geologische Institut der Satpayev Universität. Es ist das erste vollständig international zertifizierte Labor der Region. Initiiert wurde das Projekt von der kasachischen Botschaft in China und der Investitionsagentur Kazakh Invest. Auch in Deutschland werben die kasachische Botschaft und Kazakh Invest für mehr Engagement im kasachischen Rohstoffsektor.
Finanzierungsprogramm für Abbau und Verarbeitung kritischer Rohstoffe gestartet
Die Development Bank of Kazakhstan plant bis 2030 insgesamt 1 Milliarde US$ für den Abbau und die Verarbeitung kritischer Rohstoffe, inklusive seltener Erden. Der Mindestkredit beträgt 5 Milliarden Tenge (etwa 9,5 Millionen US$) bei Laufzeiten bis zu 20 Jahren. Für eine Projektförderung gelten hohe Hürden: Unternehmen müssen JORC-konforme Reserven vorweisen, private Co-Investoren gewinnen, geeignete Technologiepartner einbinden und verbindliche Abnahmeverträge sichern.
Im Jahr 2025 öffnete ein Laborkomplex des Kupfergiganten Kazakhmys in Schesqasghan seine Pforten. Dort arbeiten Fachkräfte mit Labortechnik aus Australien und Bohrkernscannern der deutschen Firma Ancerlog. Weitere Labore sollen laut Industrieministerium in den nächsten Jahren unter Federführung des Nationalen Geologischen Dienstes in der Hauptstadt Astana entstehen, darunter ein geologisches Labor mit Schwerpunkt auf seltene Erden.
EU stärkt Zusammenarbeit mit Kasachstan bei kritischen Rohstoffen
Die EU hat ein besonderes Interesse an Rohstoffdaten in Zentralasien. Vor allem Kasachstan gilt in Brüssel als Schlüsselpartner für eine Reihe kritischer Rohstoffe. Beim EU-Zentralasien Wirtschaftsforum im November 2025 in der usbekischen Hauptstadt Taschkent kündigte EU-Kommissar Jozef Sikela drei Projekte mit Bezug zu kritischen Rohstoffen an.
| Projektbezeichnung | Investitionssumme (in Millionen Euro) | Anmerkungen |
|---|---|---|
| DATA4CRM | 7,5 | Aktualisierung geologischer Daten und verbesserter Zugang zur Anwerbung von Investoren. |
| SECURE CRM | 3 | Schaffung transparenter Lieferketten für kritische Rohstoffe. |
| GROW CRM | 3 | Entwicklung von Förderprojekten gemeinsam mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Schwerpunkt Machbarkeitsstudien. |
Von den 34 von der EU als kritisch identifizierten Elementen könnte Kasachstan laut Kazakh Invest bereits 19 liefern, darunter viele strategische Metalle für grüne Technologien. Damit diese Rohstoffe künftig schneller und sicherer in die EU gelangen, unterstützt Brüssel Kasachstan beim Ausbau des Mittleren Korridors. Dieser multimodale Transportweg verbindet Zentralasien über das Kaspische Meer und Westasien mit Europa ohne Russland zu durchqueren.
USA und China drängen stärker in Zentralasiens Rohstoffsektor
Während die EU Zentralasiens Rohstoffpotenzial noch zaghaft nutzt, legen andere Akteure ein deutlich höheres Tempo vor. China investiert längst nicht nur in Erkundung und Abbau, sondern auch in die Verarbeitung von Metallerzen wie Kupfer und Aluminium. Mit dem erneuten Amtsantritt von Donald Trump haben auch die USA zuletzt eine neue Dynamik in ihre Beziehungen zu Zentralasien gebracht. Nach einem Besuch der zentralasiatischen Regierungschefs im Weißen Haus Ende 2025 verkündete Donald Trump einen Wolfram-Deal mit Kasachstan.
Der US-amerikanische Investor Cove Capital wird mit einem kasachischen Partner zwei Wolframvorkommen entwickeln. Das über 1 Milliarde US-Dollar (US$) teure Vorhaben wird größtenteils von der US Export-Import Bank finanziert. Der Abbau soll in rund drei Jahren beginnen. Auch eine Verarbeitung innerhalb Kasachstans ist vorgesehen, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Das zentralasiatische Land verspricht sich von dem Projekt mehr lokale Wertschöpfung. Die USA wiederum wollen sich unabhängig von China machen, dessen Weltmarktanteil bei Wolfram bei über 80 Prozent liegt.