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Branchen | Kenia | Landwirtschaft

Klimaveränderungen stellen Agrarsektor vor Herausforderungen

Der Agrarsektor Kenias muss die Produktion steigern, um den Bedarf an Nahrungsmitteln decken zu können. Dafür müssen die Bauern auch in besseres Wassermanagement investieren. 

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Angesichts eines Bevölkerungswachstums von rund 1,2 Millionen Menschen pro Jahr steigt die Nachfrage nach Nahrungsmitteln in Kenia stetig an. Investitionen in die Landwirtschaft für den Binnenmarkt sind daher dringend erforderlich. Bislang reichen die Investitionen nicht, weshalb die Nahrungsmittelimporte seit Jahren steigen. Bei Weizen, Zucker und Speiseöl ist die Importabhängigkeit chronisch. Die Gründe für die zu geringe Produktion sind vielfältig. So mangelt es an privaten Investitionen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Rechtsunsicherheit beim Landkauf.

Klimatisch sind die Voraussetzungen für den Agraranbau in Kenia grundsätzlich sehr gut. Aufgrund starker Regenfälle seit Ende 2023 rechnen die Bauern mit einer guten Ernte im Jahr 2024. Jedoch sorgte offenbar der Klimawandel in den Vorjahren für eine Verschiebung der Regenzeiten und für erratischer ausfallende Regengüsse. Die Folge sind größere Schwankungen bei den Ernten. Um das kurzfristig stärkere Aufkommen von Regenwasser besser für die landwirtschaftliche Bewässerung nutzen zu können, investiert Kenia aktuell viel in Dämme. 

Kooperation mit Kleinbauern ist wichtig

Großer Nachholbedarf besteht bei der Mechanisierung der Kleinbauern. Diese dominieren die Landwirtschaft. Doch weil die an die Nachkommen vererbten Parzellen immer kleiner werden, wird eine Mechanisierung immer schwieriger. Der Agrarsektor trägt ein Viertel zur Wirtschaftsleistung bei und ist damit der wichtigste Wirtschaftszweig – und der mit Abstand größte Arbeitgeber. Auch deshalb ist die Politik bestrebt, Anbaumethoden, Lieferketten und Marketing der Kleinbauern weiterzuentwickeln, statt sie durch größere Agrarproduzenten zu ersetzen. 

Einige Bereiche sind für größere Agrarinvestoren lukrativ, wie die Produktion von Fleisch (insbesondere Geflügel), Gemüse und Milchprodukten. Geld fließt auch in den Bau von Großmühlen für Getreide, Zucker und Speiseöl. Die Produkte dieser Segmente werden von der wachsenden und kaufkräftigen Mittelschicht des Landes nachgefragt. Zudem expandieren Supermarkt- und Fast-Food-Ketten in Kenia und benötigen zuverlässige Zulieferer. Das Beispiel, dass KFC die Kartoffeln für seine Pommes aus Ägypten importieren muss, zeigt den Nachholbedarf im Land.

EU, China und der Mittlere Osten sind Abnehmer von Agrarprodukten 

An Bedeutung gewinnt weiter der Export von Agrarprodukten. Er ist ein wichtiges Standbein der kenianischen Landwirtschaft und einer der größten Devisenbringer des Landes. Tee, Kaffee und Hortikultur ragen heraus, aber auch Baumwolle und Pyrethrum (pflanzliches Insektizid) werden angebaut. Im Hortikulturbereich, das heißt dem Anbau von Schnittblumen, Obst und Gemüse, finden zahlreiche Investitionen statt. Avocados und Macadamianüsse boomen derzeit. 

Auch für kenianisches Fleisch gibt es attraktive Exportmärkte. Rind-, Lamm- und Ziegenfleisch können in den nahegelegenen Mittleren Osten sowie in Inselstaaten wie die Seychellen und Mauritius verkauft werden. Private Unternehmen auch aus dem Ausland investieren daher in Schlachthäuser.

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Asiatische Zulieferer dominieren den Markt

Die kenianische Landwirtschaft muss einen Großteil der benötigten Produkte, wie Landtechnik, Dünger, Saatgut und Agrochemie importieren. Der Markt ist preissensibel, weshalb asiatische Anbieter dominieren. Gerade aktuell sind die Importpreise extrem hoch, unter anderem aufgrund des zuletzt hohen Wertverlustes der lokalen Währung Kenianischer Shilling. Detaillierte Informationen zu den Konjunkturaussichten bietet der Wirtschaftsausblick Kenia

Dennoch haben deutsche Unternehmen Absatzchancen, insbesondere bei Agrochemie. Im Jahr 2022 wurden aus Deutschland Agrochemikalien im Wert von rund 11,2 Millionen Euro geliefert. Das entsprach einem Marktanteil von über 8 Prozent.

Zu den Kunden zählen vor allem private Akteure, die in die EU exportieren. Sie müssen strenge Standards einhalten. Auch das staatliche Ministry of Agriculture, Livestock, Fisheries and Co-Operatives kauft immer wieder in größerem Umfang Produkte für den Agrarsektor.

Einige deutsche Zulieferer wie BASF (Agrochemie), Bayer (Saatgut) und K+S (Dünger) sind mit Vertriebsniederlassungen in Nairobi präsent. Für sie ist Kenia aufgrund der insgesamt hohen Preissensibilität kein leichter Absatzmarkt, sie bedienen von dort aus aber auch ganz Ostafrika. 

"Gerade in den Agrarmärkten in Tansania und Uganda erwarten wir in den kommenden Jahren eine hohe Dynamik“, sagt Florian Pickert, Managing Director von K+S Fertilizers Kenya. 

Weitere Informationen zu den Entwicklungen vor Ort enthalten die GTAI-Berichte zu den Agrarmärkten in Tansania und Uganda.

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Lokale Kooperativen suchen ausländische Partner

Deutsche Unternehmen können auch Partnerschaften mit kenianischen Farmern oder Kooperativen eingehen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das deutsch-kenianische Unternehmen Limbua, das gemeinsam mit kenianischen Kleinbauern Bio-Macadamianüsse produziert und exportiert. Derartige Partnerschaften können unter Umständen auch von Entwicklungsbanken wie der zur KfW Bankengruppe gehörenden Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) finanziell unterstützt werden.

Ein wichtiger Player in Kenias Kaffeesektor ist die Hamburger Neumann Kaffee Gruppe (NKG). In erster Linie ist NKG Kaffeehändler sowie Betreiber von Kaffeefarmen, hat aber auch in eine Kaffeemühle investiert. Diese Mühle hat NKG jedoch Anfang 2024 schließen müssen, weil sie keine Lizenz für das Mahlen von der Regierung erhalten hat.

Hier wird ein Stück weit die Überregulierung des Sektors deutlich, die mitunter Aktivitäten verhindert. Informationen über die Rahmenbedingungen in Kenia bietet die GTAI-Publikation Wirtschaftsstandort Kenia.

Kontaktadressen

Bezeichnung

Anmerkungen

Germany Trade & Invest (GTAI)

Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

Delegation der Deutschen Wirtschaft in Kenia

Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

Ministry of Agriculture, Livestock and Fisheries & Co-Operatives

Landwirtschaftsministerium

National Cereals and Produce Board (NCPB)

Staatsunternehmen für den Handel mit Getreide und Agri-Inputs

Agriculture and Food Authority (AFA)

Regulierungsbehörde der Landwirtschaft

The Kenya National Farmers’ Federation (KENAFF)

Bauernverband

Kenya Agribusiness and Agroindustry Alliance (KAAA) 

Unternehmerverband im Agarsektor

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