Branchen | Kirgisistan | Öffentlich-private Partnerschaften

Kirgisistan setzt bei Infrastrukturausbau auf private Partner

Straßen, Tunnel und Solarparks entstehen in Kirgisistan vermehrt im Rahmen Öffentlich-privater Partnerschaften. Das sorgt für Transparenz in dem sonst eher schwierigen Marktumfeld.

Von Viktor Ebel | Bischkek

Die zentralasiatische Gebirgsrepublik Kirgisistan ist einer der weltweit größten Märkte für Öffentlich-private Partnerschaften (Public-private partnership; PPP). Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Fachpublikation Partnership Bulletins. Rund 80 Projekte wurden dort Mitte 2025 als laufend oder in Vorbereitung gelistet. Nur in den Philippinen und in Saudi-Arabien sind es mehr. Auch wenn nicht alle Projekte tatsächlich realisiert werden dürften, lohnt sich dennoch ein Blick aufgrund des sich verändernden Umfelds.

16 %

aller Infrastrukturinvestitionen weltweit könnten bis 2040 auf private Partner entfallen, schätzt das Global Infrastructure Hub (G20-Initiative).

Damit sich ihre Investitionen rechnen, setzen marktwirtschaftliche Akteure auf Effizienz und transparente Rahmenbedingungen. Davon könnte Kirgisistan profitieren. Bisher war Kirgisistan für viele deutsche Firmen ein weißer Fleck auf der Landkarte, auch wegen der hohen wahrgenommenen Korruption. Im regulierten PPP-Umfeld könnten westliche Unternehmen mit hohen Compliance-Standards es leichter haben, an Aufträge beim Ausbau der Verkehrs- und Energieinfrastruktur zu kommen.

Neue Ankündigungen füllen die Projektpipeline

Wie die nationale Investitionsagentur meldet, wurden 14 neue PPP-Projekte allein im Jahr 2025 in Kirgisistan vereinbart. Sie sollen in den nächsten Jahren fast 4 Milliarden US-Dollar (US$) an privaten Investitionen anziehen, vor allem für neue Straßen, Bahntrassen und Tunnel. Die kirgisische Regierung verfolgt ambitionierte Pläne, das Land in naher Zukunft als Transport- und Logistikdrehscheibe entlang der Neuen Seidenstraße zu etablieren.

Die Dynamik bei PPP-Vorhaben ist neben dem Modernisierungsbedarf auch auf Gesetzesänderungen aus dem Jahr 2025 zurückzuführen. Änderungen am PPP-Gesetz vereinfachen das Verfahren für Investoren. Bürokratische Hürden für kleine Projekte wurden gesenkt, und kommunale Grundstücke können nun ohne Ausschreibung zu Vorzugskonditionen vergeben werden. Ein aktuelles Beispiel dafür sind öffentliche sanitäre Einrichtungen in der Hauptstadt Bischkek, für deren Bau kürzlich ein Auftrag an ein privates Unternehmen vergeben wurde.

Verkehrsinfrastruktur steht bei PPP im Fokus

Ein Schwergewicht unter den PPP-Projekten, und gleichzeitig das erste im Bahnsektor, ist eine geplante Eisenbahnstrecke zwischen dem Verkehrsknotenpunkt Makmal und Karakol im Norden des Landes. Mit einem Partner aus den USA wurde Anfang 2025 eine Vereinbarung unterzeichnet, die Investitionen in Höhe von 3 Milliarden US$ für den Bau der Ost-West-Bahnlinie vorsieht.

Weitere Verkehrsprojekte sind der Bau des Kelechek-Straßentunnels zur Umgehung des Too-Ashuu-Passes im Verlauf der Route Bischkek-Osch sowie eine Umgehungsstraße für die Hauptstadt. Kirgisistan ist nicht nur darin bestrebt, die Transportzeiten in dem bergigen Terrain deutlich zu reduzieren, sondern baut auch die Handels- und Lagerflächen aus. In der Stadt Kara-Suu kooperieren die lokalen Behörden dafür mit privaten Partnern.

Ausgewählte PPP-Projekte in KirgisistanInvestitionen in Millionen US-Dollar
Projekt

Investitionssumme

ProjektstandPrivater Partner
Eisenbahnstrecke Makmal-Karakol

3.000

Vereinbarung unterzeichnetKonsortium All American Rail Group (USA)
Mautstraßentunnel Kelechek (11,5 km; 2.000 m ü.NN)

640

Vereinbarung unterzeichnetTez Zhol LLC
Vier Wasserkraftwerke am Chatkal-Fluss (insgesamt 160 MW)

200

UmsetzungGrant Holding LLC
Solarkraftwerk in der Region Naryn (150 MW)

150

VorbereitungNoch nicht bekannt
Handels- und Logistikzentrum in Kara Suu

72,3

UmsetzungKirgisische Investoren
Östliche Umgehungsstraße für Bischkek (16 km)

65

UmsetzungNatsprojektstroy (Russland), Kyrgyz Zhol Kurulush
Wasserkraftwerk am Papan-Stausee (25 MW)

27

UmsetzungChakan GES und ein kirgisisch-chinesisches Gemeinschaftsunternehmen
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Großes Potenzial bei erneuerbaren Energien

Das Jahr 2026 markiert in Kirgisistans Energiesektor einen Epochenwechsel. Erstmals wird Strom aus Wind- und Solarkraft produziert. Unternehmen aus China, Russland und Kirgisistan sind hier federführend. Zwar speiste sich das Land auch zuvor schon überwiegend aus erneuerbarer Wasserkraft. Doch die saisonale Abhängigkeit sowie sinkende Wasserpegel in den Reservoirs verursachen regelmäßig Stromausfälle, die dem Wirtschaftsstandort schaden. Bis zum Jahr 2030 hat sich die Regierung vorgenommen, dieses Problem zu lösen.

Um den Ausbau der Wind- und Solarfarmen zu beschleunigen, werden nun auch PPP-Projekte in Erwägung gezogen. Ein Pilotvorhaben ist ein geplanter 150-Megawatt-Solarpark in der Region Naryn, der in Zusammenarbeit mit der International Finance Corporation (IFC; Teil der Weltbank-Gruppe) vorbereitet wird. Das Engagement der IFC-Experten unterstreicht das Potenzial und sendet ein wichtiges Signal an Investoren.

Ähnliche Solarprojekte mit internationaler Unterstützung sind in den Regionen Talas und Batken geplant, so Informationen des bei der nationalen Investitionsagentur angesiedelte PPP-Zentrum zufolge. Bei einer Branchenveranstaltung im April 2026 bezifferten Vertreter der Behörde das Portfolio von PPP-Projekten im Bereich Erneuerbare Energien auf 300 Megawatt, wie das Wirtschaftsportal Economist.kg berichtet. Dazu gehören neben den Solarkraftwerken auch ein Windpark sowie mehrere kleine Wasserkraftwerke.

PPP-Zentrum ist Ansprechpartner für Firmen

Das PPP-Zentrum ist die Anlaufstelle für Fragen rund um Öffentlich-private Partnerschaften. Dort werden aktuelle Ausschreibungen sowie Projekte in Vorbereitung gelistet. In- und ausländische Unternehmen sind dazu eingeladen, als möglicher Betreiber an Ausschreibungen teilzunehmen. Eine Datenbank gibt zudem Auskunft über bereits vergebene Projekte und deren Laufzeit.

Dazu gehören beispielsweise die Dialysezentren, welche das deutsche Unternehmen Fresenius Medical Care in mehreren kirgisischen Städten aufgebaut hat und betreibt. Der staatliche Partner ist hierbei das Gesundheitsministerium. Das Projekt wurde 2017 beschlossen und hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Fresenius Medical Care investierte dafür 12 Millionen US$.

Deutsches Unternehmen sondiert den Markt

Die positiven Aussichten in Kirgisistans Gesundheitswesen könnten bald ein weiteres deutsches Unternehmen nach Kirgisistan locken. Medienberichten zufolge traf sich im April 2026 die Führung der Lenus Health GmbH mit Vertretern der nationalen Investitionsagentur, um die Produktion von Medizinprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln im Rahmen von PPP zu diskutieren. Kirgisistan ist Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) und will sich als Sprungbrett für den gemeinsamen Arzneimittelmarkt der EAWU positionieren.