Die Verstaatlichung der Goldmine Kumtor hat dem Investitionsklima in Kirgisistans Bergbau geschadet. Andere Branchen ziehen weiterhin Investitionen an.
Die in Kirgisistan registrierten Bruttozuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen betrugen in den vergangenen Jahren im Schnitt rund 1 Milliarde US-Dollar (US$) jährlich. Im Jahr 2021 übernahm die kirgisische Regierung die Kontrolle über die wichtigste Goldmine des Landes Kumtor.
Das hat die Reputation des Landes bei Geschäftsleuten nachhaltig geschädigt. Die ausländischen Direktinvestitionen in den Bergbau, der zwischenzeitlich die Hälfte des gesamten Engagements des Auslands in Kirgisistan auf sich vereint hatte, sind seitdem stark zurückgegangen.
Ausländisches Kapital fließt in verarbeitende Industrie und Dienstleistungssektor
Spitzenreiter ist nun das verarbeitende Gewerbe, auf das ein Drittel der ausländischen Direktinvestitionen entfallen, gefolgt vom Handel und dem Finanzsektor. Rund 70 Prozent des gesamten ausländischen Engagements im Land entfielen 2024 auf reinvestierte Gewinne, der Rest verteilte sich in etwa zu gleichen Teilen auf Eigenkapital und Kredite. Die meisten Investitionen stammen aus China, Russland und Kasachstan. Mit diesen Ländern ist Kirgisistan wirtschaftlich besonders eng verflochten: Von hier bezieht die kleine Gebirgsrepublik die meisten ihrer Importe.
Die aus Deutschland stammenden Direktinvestitionen summierten sich 2024 kirgisischen Angaben zufolge auf 23 Millionen US$. Neben Luxemburg und Zypern, wo besonders attraktive steuerliche Rahmenbedingungen für internationale Konzerne herrschen, war war Deutschland somit innerhalb der EU das wichtigste Herkunftsland. Wie auch bei der Wirtschaftsleistung dominiert bei den ausländischen Direktinvestitionen die Hauptstadt Bischkek, die 2024 über die Hälfte der Zuflüsse anzog. Danach folgten das sie umgebende Gebiet Tschui und das südliche Gebiet Dschalal-Abad.
Deutsche Unternehmen produzieren bislang kaum in Kirgisistan
Der wichtigste deutsche Investor in Kirgisistan ist das Unternehmen Interglass. Die Firma produziert bereits seit mehreren Jahren Flachglas in Tokmok im Gebiet Tschui. Fresenius Medical Care hat im Jahr 2017 mit der kirgisischen Regierung ein Abkommen über den Bau und Betrieb von Dialyseeinrichtungen im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft geschlossen. Dafür hat das Unternehmen mehr als 10 Millionen US$ investiert.
Die kirgisische Regierung wirbt regelmäßig um mehr Engagement deutscher Firmen, beispielsweise bei regelmäßig stattfindenden bilateralen Wirtschaftstagen. In den letzten Jahren wurden neben Produktionsanlagen für Beton und Gipskarton auch zwei Solarparks gemeinsam mit deutschen Investoren angekündigt. Ein nachweislicher Fortschritt bei den Projekten geht aus Medienberichten jedoch nicht hervor.
Beobachter vor Ort äußern Zweifel an ihrer Realisierung, zu groß seien die Probleme mit dem Investitionsklima und der Rechtssicherheit. Dafür spricht auch das schlechte Abschneiden Kirgisistans in Rankings wie dem Corruption Perception Index. Im Gespräch mit Germany Trade & Invest erklärte ein Vertreter der deutschen Minderheit im Land zwar, dass sich eine Plattform zur Vernetzung und Problemlösung für deutsche Unternehmen im Aufbau befindet. Mittelfristig wird Kirgisistan für deutsche Firmen dennoch eher als Absatzmarkt, statt als Produktionsstandort relevant sein.
Größte deutsche Investoren in KirgisistanStand: Januar 2026Unternehmen | Branche | Status |
|---|
| Interglass | Glasindustrie (Flach-, Bau- und Sicherheitsglas) | aktiv |
| Fresenius Medical Care | Gesundheitswirtschaft (Dialyseeinrichtungen) | aktiv |
| AB Progressio/LTI ReEnergy CleanTech Development | Erneuerbare Energien (schwimmendes Solarkraftwerk) | Investitionsabkommen unterschrieben |
| Nisbau Anlagentechnik | Baustoffindustrie (Betonproduktion) | Absichtserklärung unterschrieben |
| Grenzebach | Baustoffindustrie (Gipskarton- und Trockenbaumischungen) | Absichtserklärung unterschrieben |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Präferenzregelung für mehrere Branchen
Die kirgisische Regierung hat ihre Steuergesetzgebung 2019 angepasst, um Investitionen in die Industrie zu fördern. In der Resolution Nr. 193 definiert sie bevorzugte Siedlungen, in denen Unternehmen von bestimmten Steuerarten wie etwa Grund-, Gewinn- oder Umsatzsteuer befreit werden. Dort können Investoren eine Investitionsvereinbarung für die Dauer von fünf Jahren abschließen, mit der Option auf Verlängerung.
Bevorzugte Siedlungen sind diverse ländliche Regionen sowie alle Städte im Land, mit Ausnahme von Bischkek und Osch. Um die Präferenzbedingungen in Anspruch zu nehmen, müssen Unternehmen unter anderem in einem der folgenden Bereiche tätig sein:
- Leicht- und Lebensmittelindustrie,
- Energiewirtschaft,
- Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse,
- Montageproduktion,
- Fertigung mit dem Schwerpunkt Export, wobei ein Exportanteil von mindestens 50 Prozent innerhalb von sechs Monaten nach Produktionsstart erzielt werden muss.
Sonderwirtschaftszonen gewähren Steuer- und Zollbefreiung
Verschiedene Vergünstigungen winken zudem in den derzeit fünf freien Wirtschaftszonen (FWZ):
- FWZ Bischkek,
- FWZ Maimak,
- FWZ Naryn,
- FWZ Leilek,
- FWZ Karakol.
In diesen Zonen sind die Produktion von Leichtindustriewaren, Lebensmitteln, Konsumgütern, Baumaterialien sowie die Erbringung von Dienstleistungen förderfähig. Die Tätigkeiten sind dabei von allen Steuer- und Zollzahlungen befreit. Um jedoch dort tätig sein zu dürfen, müssen Wirtschaftsakteure eine Gebühr in Höhe von 0,5 bis 2,0 Prozent des Erlöses aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen entrichten.
Neue Sonderinvestitionszone am Issyk-Kul-See geplant
Im Juli 2025 unterschrieb der kirgisische Präsident Sadyr Dschaparow das Gesetz zur Gründung der Sonderinvestitionszone Tamchy am Issyk-Kul-See. Der Zone soll eine eigene Investitionsgerichtsbarkeit zugestanden werden, womit internationale Schlichtung nach englischem Recht möglich wäre.
Mit der Sonderinvestitionszone will die Regierung die Rahmenbedingungen verbessern und mehr internationale Investitionen anziehen. Der Fokus soll auf modernen Technologien, Finanzen und Dienstleistungen liegen. Ein Zeitplan für die Umsetzung ist noch nicht bekannt.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.