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US- amerikanischer Wassersektor braucht 2 Billionen US-Dollar

Während die öffentliche Hand das Wassernetz erneuert, investiert die Industrie in hochmoderne Kläranlagen. Das bietet Chancen für deutsche Firmen.

Roland Rohde

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Der Bedarf an Wassertechnik in den USA steigt. Nicht nur die öffentliche Hand investiert in das Wassernetz und in den Flutschutz. Auch private Investoren engagieren sich verstärkt. So bauen die IKT-Konzerne massiv Datencenter, die mithilfe von sehr viel Wasser gekühlt werden müssen. Ein großes Rechenzentrum benötigt pro Tag rund 20 Millionen Liter, so die US-Umweltbehörde EPA.

Firmen wie Amazon und Google haben sich daher ehrgeizige Ziele beim Wassersparen und -erschließung gesetzt. Bis 2030 wollen sie dadurch – netto gerechnet – kein Wasser mehr verbrauchen beziehungsweise einen Überschuss produzieren. Zugleich entstehen im Pharma- und Halbleiterbereich zahlreiche neue Werke, wo künftig teils hochbelastete Industrieabwässer anfallen. Das erfordert moderne und leistungsfähige Kläranlagen.

Während die Nachfrage privater Unternehmen stark zunimmt, wächst das Engagement der öffentlichen Hand langsamer. Der Hauptgrund: Die unter der Biden-Administration beschlossenen großen Ausgabenprogramme wurden gekürzt oder enden. Der 2021 erlassene Infrastructure Investment and Jobs Act (IIJA) etwa läuft Ende 2026 aus.

Wassersektor wächst weiter

In den Zahlen des nationalen Statistikamtes macht sich dieser Effekt bereits deutlich bemerkbar: Während die erbrachten Bauleistungen für Wasser 2023 und 2024 noch zweistellig stiegen, fielen sie ab 2025 in den einstelligen Bereich. Bis 2030 sehen die Analysten des FMI North American Engineering and Construction Outlook aber ein zufriedenstellendes Wachstumspotenzial.

Große Investitionslücke

Die Investitionstätigkeit der öffentlichen Hand deckt nur einen Teil des tatsächlichen Bedarfs. Gemäß der American Society of Civil Engineers (ASCE) stellt sie etwa im Abwassersektor nur 30 Prozent der benötigten Mittel zur Verfügung. Einer Anfang 2026 veröffentlichten Umfrage der American Water Works Association (AWWA) zufolge sind die Modernisierung der veralteten Infrastruktur und die dafür fehlenden Mittel die drängendsten Probleme der Branche. 

Größte Herausforderungen für den US-WassersektorRangfolge der Dringlichkeit
Modernisierung/Erneuerung der veralteten Infrastruktur
Kapitalmangel für Investitionen in die Infrastruktur
Langfristige Erhaltung der Versorgungssicherheit
Finanzielle Nachhaltigkeit
Fehlendes öffentliches Verständnis für den Wert von Wasser
Gewässerschutz
Grundwassermanagement und -übernutzung
Cybersecurity
Fachkräftemangel
Dürren und periodischer Wassermangel
Umfrageergebnis unter mehr als 2.000 Branchenunternehmen im Herbst 2025.Quelle: American Water Works Association (AWWA) 2026

Das US-Umweltschutzministerium kommt in einem Bericht an den Kongress zu dem Schluss, dass allein zur Sicherung der Trinkwasserversorgung zwischen 2021 und 2040 rund 630 Milliarden US-Dollar (US$) benötigt werden. Die Zahlen basieren auf Preisen vom Januar 2021. Laut Inflationsrechner des US-Arbeitsministeriums (berechnet in den USA die Teuerungsraten) entspräche das im Mai 2026 einer Summe von gut 800 Milliarden US$. Knapp 60 Prozent des Investitionsbedarfs entfallen auf mittelgroße Kommunen (weniger als 100.000 Einwohner) in den Flächenstaaten.

Kalifornien und Texas liegen vornInvestitionsbedarf 2021 bis 2040 in das Frischwassersystem nach Bundesstaaten (in Milliarden US-Dollar) *)
Bundesstaat

Summe

Kalifornien

107,0

Texas

78,5

New York

45,0

Florida

34,3

Pennsylvania

31,1

Illinois

28,4

North Carolina

25,6

Georgia

25.2

Michigan

20,8

* zu Preisen von Mai 2026, Umrechnung laut Inflationsrechner des US-Arbeitsministeriums.Quelle: Nationale Umweltbehörde 2025; Arbeitsministerium 2026

Leitungsnetz muss dringend modernisiert werden

Zwei Drittel der notwendigen Ausgaben müssen die Modernisierung des Leitungsnetzes sichern, so die Gesundheitsschutzbehörde EPA. In den USA gibt es noch sehr viele Wasserleitungen, die Blei enthalten. Laut der EPA wussten 2021 nur etwa ein Viertel der 3.600 Versorger mit Sicherheit, dass sie keine Bleirohre verwenden. Bis 2037 sollen die entsprechenden Leitungen laut Vorgaben aus Washington ersetzt werden. Einige Bundesstaaten wie Minnesota setzen auch auf ein früheres Datum.

Zusätzlich erfordern die Modernisierung und Erhaltung des Abwassersystems sowie die Flutvorsorge laut der Umweltbehörde Investitionen in Höhe von 625 Milliarden US$ (zu Preisen von 2022). Im Mai 2026 ergibt sich inflationsbereinigt ein Wert von mehr als 700 Milliarden US$. Die Flutvorsorge soll dabei rund 120 Milliarden US$ erfordern. Laut der ASCE sind einschließlich der Modernisierung von Deichen und Staudämmen jedoch Investitionen von mehr als 350 Milliarden US$ notwendig.

Zusammengerechnet ergibt sich damit ein maximaler Investitionsbedarf in alle Bereiche der Wasserwirtschaft (Frischwasser, Abwasser sowie Flutvorsorge, Dämme und Deiche) von gut 1.700 Milliarden US$. Rechnet man noch den Bedarf der Industrie sowie der Landwirtschaft hinzu, dürfte der entsprechende Wert auf rund 2.000 Milliarden US$ ansteigen.

Gute Geschäftschancen für ausländische Anbieter

Aus den geplanten Investitionen ergeben sich Zulieferchancen für ausländische Unternehmen, denn die USA sind auf den Import von Expertise und Technologie angewiesen. Für die oft hohen lokalen Wertschöpfungsanteile ("local content") im Rahmen öffentlich geförderter Projekte gelten explizit Ausnahmen, wenn es nicht ausreichend einheimische Anbieter gibt. US-Zölle erschweren seit 2025 Exporteuren das Geschäft, insbesondere die Abgaben auf Stahl, Aluminium und Kupfer. Die Firmen geben allerdings einen Großteil der Kosten an ihre US-Kunden weiter.

Die Wasserwirtschaft in den USA ist stark fragmentiert. Größter Anbieter ist American Water mit einem Marktanteil von knapp 4 Prozent in den Bereichen Frischwasser und Bewässerung, so IBIS World. Im Abwasserbereich kommt Veolia Milwaukee auf eine Quote von gut 5 Prozent. Die Städte und Gemeinden sind die mit Abstand größten öffentlichen Kapitalgeber. Laut der U.S. Water Alliance kommen sie traditionell auf einen Ausgabenanteil von rund 90 Prozent. Mit dem Auslaufen des Bundesprogramms IIJA dürfte sich die Quote weiter erhöhen.

Fachmesse als erster Schritt zum Markteinstieg

Für ausländische Mittelständler ist es angesichts der schieren Größe des US-Marktes schwierig, sich einen Überblick über die verschiedenen Investitionsprojekte zu verschaffen. Hinzu kommt ein Flickenteppich an Regularien: In jedem Bundesstaat gelten spezifische Vorgaben, dazu beschreitet jede Kommune eigene Wege. Für deutsche Anbieter macht es daher Sinn, sich zunächst auf die großen Absatzregionen zu konzentrieren. Eine gute Möglichkeit für Geschäftsanbahnungen ist die Messe Water Expo, die jährlich im August in Florida stattfindet. Die Deutsch-Amerikanischen Handelskammern (AHK) können den Markteinstieg flankieren. Auch selbstständige Berater ("consultants") bieten ihre Dienste an.

Kontaktadressen und weiterführende Informationen
InstitutionAnmerkung
Nationale Umweltbehörde (EPA)Umfrage 2023 und Prognose bis 2040
American Association of Civil EngineersReports zu den Sektoren Frischwasser und Abwasser 
Nationales StatistikamtZahlen zu Bautätigkeit
FMI North American Engineering and Construction Outlook
American Water Works AssociationBranchenverband; gute Übersicht über Fachkonferenzen, Umfrage zum Wassersektor 2026
National Onsite Wastewater Recycling AssociationBranchenverband der Abwasserwirtschaft
U.S. Water Alliance private NGO
Water ExpoFachmesse, jährlich im August in Florida
Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK)mit Niederlassungen in Atlanta, Chicago, New York, San Francisco und Washington DC
Quelle: Zusammenstellung von Germany Trade & Invest