Bericht Wirtschaftsumfeld | Kolumbien | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten

Fachkräfteanwerbung aus Kolumbien

Verschiedene deutsche Institutionen vermitteln aktiv Fachkräfte aus Kolumbien nach Deutschland. Sprachkenntnisse und lange Verfahren bleiben Herausforderungen.

Janosch Siepen

Von Janosch Siepen | Bogotá

Deutschland und Kolumbien wollen bei der Fachkräftemigration enger zusammenarbeiten. Dazu unterzeichneten beide Länder im April 2025 eine entsprechende Absichtserklärung. Bereits seit mehreren Jahren vermitteln die Bundesagentur für Arbeit und die kolumbianische Arbeitsverwaltung Servicio Público del Empleo (SPE) Fachkräfte nach Deutschland. Bedingung ist, dass die Anwerbung nicht zulasten von Berufen erfolgt, in denen in Kolumbien bereits Fachkräftemangel herrscht.

Absprache zwischen beiden Ländern fördert Vermittlung

Ein wichtiges Instrument der Fachkräftegewinnung ist das Rekrutierungsprojekt T.E.A.M. der Bundesagentur für Arbeit und des SPE, das gemeinsam mit der Auslandshandelskammer (AHK) Kolumbien umgesetzt wird. Seit dem Start des Projekts im Jahr 2021 haben mehr als 300 qualifizierte Fach- und Führungskräfte den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt geschafft.

Im Jahr 2026 laufen Rekrutierungsverfahren unter anderem in den Bereichen Schienenverkehr, Ingenieurwesen, Gesundheitswesen, technische Berufe sowie weitere Branchen mit Fachkräftemangel in Deutschland. Die Partner begleiten den gesamten Prozess von der Kandidatensuche und Vorauswahl über Vorstellungsgespräche und die Anerkennung von Abschlüssen bis hin zum Visum und der Vermittlung nach Deutschland. Besonders gefragt sind Pflege- und andere Gesundheitsfachkräfte, Fachkräfte der frühkindlichen Bildung, Industrietechniker sowie Beschäftigte für die Logistikbranche.

Auch im Rahmen des Azubi-Projekts der AHK werden Kandidaten sprachlich auf eine Berufsausbildung in Deutschland vorbereitet. Bislang wurden unter anderem angehende Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker und Zerspanungsmechaniker qualifiziert.

Eine zentrale Herausforderung bleibt nach Angaben von Ana Milena Restrepo, Leiterin von DEinternational bei der AHK Kolumbien, die deutsche Sprache. Hinzu kommen aufwendige bürokratische Verfahren, die insbesondere kleine Unternehmen belasten.

Deutsche Institutionen unterstützen

Mehrere Unternehmen und Einrichtungen haben bereits Fachkräfte aus Kolumbien angeworben. Dazu gehört der Wohnungskonzern Vonovia, der Elektroniker und Gärtner angeworben hat. Nach Angaben des Unternehmens konnten viele der Beschäftigten nach Weiterbildung und Anerkennung ihrer Qualifikationen in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernommen werden. Bereits in Kolumbien hatten sie Deutschkenntnisse bis zum Niveau A2 erworben und eine Sprachprüfung abgelegt. Vonovia unterstützte die Fachkräfte zudem bei Behördengängen und der Wohnungssuche. Die Rekrutierung erfolgte zunächst unter anderem über soziale Medien durch das SPE.

Interessierte Unternehmen können sich direkt an die Bundesagentur für Arbeit wenden. Deren regionale Arbeitgeber-Services vermitteln den Kontakt zu den zuständigen Ansprechpartnern der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV). Parallel versucht die AHK, über die Industrie- und Handelskammern (IHK) direkt mit interessierten Unternehmen in Kontakt zu treten. Hintergrund sind oft langwierige Anerkennungsverfahren und administrative Hürden, die sich über bis zu 18 Monate erstrecken können. Die Vermittlung einer Fachkraft kostet nach Angaben der AHK durchschnittlich zwischen 10.000 und 13.000 Euro.

Unternehmensbindung ist wichtig

Die Kandidaten gelten als sehr motiviert und anpassungsfähig. "Kolumbianer sind Feelgood-Manager", sagt eine Fachkräftevermittlerin. "Aber sie sind keine Einzelkämpfer und man sollte sie nicht allein in die deutsche Provinz vermitteln." Sie empfiehlt Unternehmen, schon früh eine Bindung zu den Fachkräften aufzubauen. "Zum Beispiel einmal im Monat einen Jour Fixe zwischen einem Unternehmensvertreter und der Fachkraft vereinbaren."

Dies erleichtere das gegenseitige Kennenlernen und stärke die Bindung an den Arbeitgeber. Einige Unternehmen hätten bereits mehrere Rekrutierungsrunden durchgeführt und unterstützten die Neuankömmlinge über WhatsApp-Gruppen mit Informationen zum Leben und Arbeiten in Deutschland. "Die Fachkräfte sind dadurch bereits vor ihrer Ankunft ein Stück weit integriert", so die Expertin.

Kolumbien setzt auf faire Fachkräftevermittlung

Die kolumbianische Arbeitsverwaltung begleitet die Fachkräfteprogramme eng und legt nach Angaben einer Vermittlerin großen Wert auf eine transparente und faire Umsetzung. "Die Arbeitsverwaltung hält die schützende Hand über die Vereinbarung und möchte über alles informiert werden“, sagt die Vermittlerin. Zugleich verfolgt Kolumbien das Ziel, Fachkräfte nicht nur aus den großen Städten zu vermitteln. Auch Beschäftigte aus ländlichen Regionen sollen von den Programmen profitieren. Dort sind Arbeitslosigkeit und informelle Beschäftigung oftmals höher als in den Metropolregionen.

 

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