Arbeitsmarkt | Kolumbien

Kolumbien: Viele Fachkräfte, Mangel an Technikern

Kolumbiens Arbeitsmarkt zeichnet sich durch motivierte Angestellte aus. Der Meinung sind auch deutsche Firmen, die Fachkräfte nach Deutschland holen.

Von Janosch Siepen, Dr. Julio Pereira | Bogotá, Berlin

In Kolumbien rekrutieren deutsche Unternehmen meist problemlos qualifizierte Fachkräfte und sind mit deren Leistungen zufrieden. Mitarbeiterbindung hat einen hohen Stellenwert.

 

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Abgewertete Währung erhöht die Wettbewerbsfähigkeit
  • Hohe Arbeitsmoral und Bereitschaft zur Weiterbildung
  • Breites Angebot an qualifizierten Fachkräften
  • Einige sehr gute Bildungseinrichtungen
  • Recht junge Bevölkerung

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Viele Arbeitskräfte mit geringer Ausbildung und begrenztem technischen Fachwissen
  • Hohe obligatorische Sozialleistungen für Arbeitnehmer
  • Ausgeprägte Mitarbeiterfluktuation
  • Mangelnde Englischkenntnisse und Analysefähigkeiten
  • Großer Wettbewerb um Personal in bestimmten Branchen
 

  • Deutsche Unternehmen finden in der Regel geeignete Fachkräfte. Einige gute Universitäten und duale Ausbildungsprogramme sorgen für ein passendes Angebot.

    Kolumbien verfügt über ein großes Arbeitskräftepotenzial – allerdings mit Einschränkungen. Viele Beschäftigte haben nur ein geringes Bildungsniveau. Bei höher Qualifizierten ist der Bildungsmarkt stark auf geisteswissenschaftliche Fächer ausgerichtet. Nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstituts ANIF entfallen 36 Prozent der Hochschulabsolventen auf Wirtschaft, Verwaltung und Rechnungswesen, 22 Prozent auf Ingenieurwesen und Architektur sowie 20 Prozent auf Geistes- und Sozialwissenschaften.

    Die vergleichsweise geringe Zahl an Absolventen technischer Studiengänge führt zu einem Mangel an technischen Fachkräften – eine Herausforderung vor allem für Industrieunternehmen. Dennoch berichten deutsche Firmen, dass sie in Kolumbien meist qualifiziertes Personal finden. Ein Grund: die Attraktivität und das Renommee deutscher Arbeitgeber.

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    Standort bestimmt Fachkräfteangebot

    Bei der Verfügbarkeit von Fachkräften spielt der Standort eine Rolle. In Industriezentren wie Barranquilla sei es leichter, Personal zu finden, berichtet eine Firma. Generell gestalte sich die Personalsuche in Kolumbien einfacher als in europäischen Ländern, da eine junge Bevölkerung und viele Hochschulabsolventen für ein gutes Arbeitskräfteangebot sorgen. 

    Dennoch spüren einige Dienstleistungsbranchen wachsenden Wettbewerb um Fachkräfte. Eine Firma berichtet aus eigener Erfahrung, es müsse vor allem ein Zugehörigkeitsgefühl geschaffen werden, um die Mitarbeitenden zu binden und die Fluktuation gering zu halten. Vorgesetzte sollten vor Ort sein und Zeit investieren. 

    Arbeitslosigkeit sinkt

    Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2025 bei 8,9 Prozent - rund 2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahresmonat. Handel, Beherbergung und öffentliche Verwaltung treiben die Dynamik im Arbeitsmarkt voran, zeigen Daten des Think Tanks ANIF. Strukturelle Probleme bestehen weiterhin. Die Arbeitslosigkeit fällt regional sehr unterschiedlich aus. Außerdem ist die Informalität auf dem kolumbianischen Arbeitsmarkt hoch. Der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge arbeiten 56 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung informell. Dabei schwanken die Zahlen stark je nach Sektor, so Zahlen des Statistikamts DANE. Im Finanzsektor sind es 12 Prozent, in der Industrie 44 Prozent, in der Landwirtschaft sogar 84 Prozent.

    Das am 25. Juni verabschiedete Gesetz 2.466 von 2025 führte erhebliche Änderungen im kolumbianischen Arbeitsrecht ein, darunter Regelungen zu Arbeitszeiten und Zuschlägen, Arbeitsverträgen, Ausbildungsverträgen, bezahltem Urlaub, Inklusion, Disziplinarverfahren, Telearbeit sowie Leistungen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. Kritiker befürchten weniger Flexibilität und eine Zunahme von Arbeitslosigkeit sowie Informalität im Land.

    Regional renommierte und moderne Universitäten

    Deutsche Unternehmen in Kolumbien sind in der Regel mit dem Bildungsniveau ihrer Mitarbeitenden zufrieden. Personaler geben zu bedenken, dass die Englischkenntnisse häufig ein Problem darstellen. Teilweise fehle auch die Fähigkeit zu analytischem und kritischem Denken. Das Ausbildungsangebot der öffentlichen Institutionen ist in vielen Fällen nicht auf die Bedürfnisse der lokalen Wirtschaft ausgerichtet.

    Zu den renommiertesten Universitäten Kolumbiens zählen die Universidad de los Andes, die Universidad Nacional de Colombia und die Pontificia Universidad Javeriana, heißt es im aktuellen QS-Ranking der weltweit besten Universitäten 2025. Absolventen dieser Universitäten kommen als Angestellte für deutsche Unternehmen meist infrage. Auch kleinere, aber traditionsreiche Universitäten wie die Universidad del Rosario haben ein hohes Ausbildungsniveau. Bei Absolventen anderer, weniger bekannter Institutionen sollten Unternehmen das Niveau der Bewerber genau prüfen. Dabei rücken moderne Studienthemen wie künstliche Intelligenz in den Fokus. Kolumbiens Regierung eröffnete im August 2024 eine Fakultät für künstliche Intelligenz an der Universität von Caldas, die erste in Lateinamerika. Die Universidad de La Sabana kündigte im Frühjahr 2025 ein Programm für einen Doktortitel im Bereich KI an.

    Duale Ausbildungsprogramme werden in Kolumbien vom Servicio Nacional de Aprendizaje (SENA) organisiert. Dabei wechseln Auszubildende rund alle drei bis sechs Monate zwischen Schule und Betrieb. Laut Aussagen des Unternehmens Vonovia und der Arbeitsagenturen beider Länder ist die Ausbildung in Kolumbien mit der in Deutschland vergleichbar. Der Abschluss des SENA ist landesweit standardisiert. Experten zufolge wird die Ausbildung zunehmend digitalisiert und Themen wie erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit werden wichtiger. "Im Vergleich zu Deutschland ist die Ausbildung in Kolumbien zum Teil weniger spezialisiert. Andererseits braucht man für manche Berufe, die in Deutschland eine Ausbildung erfordern, in Kolumbien ein Studium. Zum Beispiel bei Erziehern oder Krankenpflegern", sagt eine Fachkräftevermittlerin. Verglichen mit Deutschland sei in MINT-Berufen in Kolumbien der Frauenanteil deutlich höher.

    Bei sehr speziellen Positionen wie beispielsweise im Vertrieb von onkologischen Geräten, können Personalvermittlungsagenturen helfen. Die wichtigsten Agenturen in Kolumbien sind Michael Page und Hays, bei deutschen Unternehmen ist zudem Top Management beliebt.

    Arbeitsmoral ist Stärke im Markt

    Unternehmen loben die Arbeitsmoral in Kolumbien. Die Menschen gelten als motiviert und fleißig. Viele Angestellte würden sogar nebenberuflich weiterstudieren, um sich fortzubilden, berichtet ein Unternehmer. Weiterbildungen sind üblich. Allerdings wechseln Beschäftigte häufig den Arbeitsplatz. Die Gesetzeslage erlaubt sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern kurzfristige Kündigungen. Zwar investieren Unternehmen nur ungern viel Zeit in die teure Ausbildung ihrer Beschäftigten. Doch binden sie ihre Angestellten durch Sachleistungen oder Prämien an sich. Es empfiehlt sich, ein Zugehörigkeitsgefühl unter den Mitarbeitenden zu schaffen. Präsenz vor Ort und Teambuildingmaßnahmen helfen dabei. Das hält im besten Fall die Fluktuationsrate niedrig. 

    Kolumbien im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

     

    Janosch Siepen

    Von Janosch Siepen | Bogotá

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  • Die Vermittlung von Fachkräften aus Kolumbien nach Deutschland etabliert sich weiter. Verschiedene deutsche Unternehmen werben an.

    Im April 2025 unterzeichneten Kolumbien und die Bundesrepublik Deutschland eine Absichtserklärung, um in Migrationsfragen enger zusammenzuarbeiten. Unter anderem soll die Fachkräftegewinnung aus Kolumbien ausgebaut werden. Zwischen der Bundesagentur für Arbeit und der kolumbianischen Arbeitsverwaltung SPE besteht bereits seit einigen Jahren eine Vereinbarung zur Fachkräftevermittlung nach Deutschland. Bedingung ist, dass es in Kolumbien keinen Fachkräftemangel in den Berufen gibt, für die Deutschland um Arbeitskräfte wirbt. 

    Absprache zwischen beiden Ländern fördert Vermittlung

    Ein wichtiges Vermittlungsinstrument ist dabei das Rekrutierungsprojekt "T.E.A.M." der Bundesagentur für Arbeit und des Servicio Público del Empleo (SPE), mit der Auslandshandelskammer (AHK Kolumbien) als Partner. "2024 haben wir zu der Vermittlung von 63 Elektronikern und 79 Krankenpflegern beigetragen", sagt Ana Milena Restrepo, Leiterin von DEInternational bei der AHK Kolumbien. "Auch 2025 haben wir mehrere Hundert Kandidaten in unseren Verfahren, vor allem auch durch die Anfragen von deutschen Kliniken." Hinzu kämen neue Pilotprojekte für Früherzieher mit der Stadt Heidelberg und für Handwerker mit der Handwerkskammer. 

    Allerdings sei die Sprache eine große Herausforderung bei der Fachkräftevermittlung, sagt Restrepo. Hinzu kommt der bürokratische Prozess, der einen großen Aufwand darstellt, gerade für kleine Unternehmen.

    Im Rahmen des Azubi-Projekts der AHK, bei denen Kandidaten auf eine deutsche Berufsausbildung sprachlich vorbereitet werden, hat die AHK bereits Kandidaten für die Berufe Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker und Zerspanungsmechaniker vorbereitet. Für 2025 sind auch Lkw-Fahrer, Automatisierungstechniker und Chemiker geplant.

    Deutsche Institutionen helfen

    Diverse Unternehmen und Einrichtungen haben bereits Fachkräfte aus Kolumbien angeworben, darunter Deutschlands größter Vermietungskonzern Vonovia (Elektroniker:innen und Gärtner:innen) sowie durch private Anbieter die Stadt Hanau (Erzieher:innen) und ein Krankenhaus in Neumünster (Operationstechnische Assistent:innen). 

    Interessierte Unternehmen können sich direkt an die Bundesagentur für Arbeit wenden. Diese hat regionale Servicestellen für Arbeitgeber, die bei Anfragen an den jeweiligen Ansprechpartner der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) verweisen. 

    Um den Prozess zu verschlanken, versucht die AHK auch über die regionalen Industrie- und Handelskammern (IHK) direkt mit interessierten Unternehmen in Kontakt zu treten. Denn ein Problem sind die langwierigen Anerkennungsprozesse und die hohen bürokratischen Hürden. Entsprechende Maßnahmen können bis zu 18 Monate dauern. Die Vermittlung einer Fachkraft kostet nach Aussagen der AHK im Schnitt zwischen 10.000 und 13.000 Euro.

    Vonovia hat die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeitende nach der Weiterbildung im Unternehmen und der Anerkennung der Qualifikation durch die IHK in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden konnten. Die kolumbianischen Fachkräfte hatten in Kolumbien Deutsch bis zum Sprachniveau A2 gelernt und eine Prüfung abgelegt. Sie wurden nach der Einreise von der IHK begleitet. Vonovia habe bei Behördengängen und der Wohnungssuche geholfen, hieß es aus dem Unternehmen. Zu Beginn hatte SPE die Fachkräfte unter anderem über soziale Medien angeworben.

    Unternehmensbindung ist wichtig

    Die Kandidaten sind sehr motiviert und anpassungsfähig. "Kolumbianer sind Feelgood-Manager", sagt eine Fachkräftevermittlerin. "Aber sie sind keine Einzelkämpfer und man sollte sie nicht allein in die deutsche Provinz vermitteln." Sie empfiehlt Unternehmen, schon früh eine Bindung zu den Fachkräften aufzubauen. "Zum Beispiel einmal im Monat einen Jour Fixe zwischen einem Unternehmensvertreter und der Fachkraft vereinbaren." Das helfe, die Person kennenzulernen und langfristig an das Unternehmen zu binden. Es gebe Unternehmen, die bereits die dritte Kohorte rekrutiert haben und über WhatsApp-Gruppen das Leben in Deutschland kommunizieren. "Da sind die Fachkräfte schon vorintegriert, bevor sie eigentlich ankommen."

    Vermittlung soll fair stattfinden

    Die zuständige kolumbianische Behörde habe eine klare Vorstellung davon, wie eine faire Fachkräftevermittlung aussieht. "Die kolumbianische Arbeitsverwaltung hält die schützende Hand über die Vereinbarung und möchte über alles informiert werden", sagt die Vermittlerin. "Gleichzeitig ist Kolumbien daran gelegen, nicht nur aus den kolumbianischen Metropolen zu vermitteln, sondern auch aus den ländlichen Regionen, wo die Informalität noch höher ist."

    Janosch Siepen

    Von Janosch Siepen | Bogotá

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  • Die Personalsuche in Kolumbien hängt vom Berufsprofil ab. Dabei spielen die Arbeitserfahrung und Soft Skills eine besondere Rolle. 

    Einfache Berufsprofile, wie zum Beispiel ein Bachelorabschluss oder ohne erforderliche Fremdsprachenkenntnisse, werden über groß angelegte Ausschreibungen oder Zeitarbeitsfirmen rekrutiert. Solche Berufsprofile gelten als leicht zu besetzen. In Kolumbien gibt es ein großes Angebot an operativen Arbeitskräften wie etwa Analysten und Assistenten. Zu den Jobportalen gehören Computrabajo und Indeed.

    Berufsprofil entscheidet über Art der Personalsuche

    Fremdsprachenkenntnisse und Führungsqualitäten sind deutlich weniger verbreitet. Für spezialisierte und hochrangige Profile kommen daher Headhunter infrage. In Kolumbien sind mehrere internationale Personalvermittlungsagenturen wie Adecco, ManpowerGroup oder Eficacia tätig. Solche Firmen bieten oft Dienstleistungen im gesamten Spektrum des Personalmanagements an (Gehaltsabrechnungen, Fortbildungen, etc.). Andere Optionen zur Personalsuche für deutsche Unternehmen sind neben Networking und Empfehlungen auch LinkedIn und die ortsansässige Auslandshandelskammer (AHK Kolumbien). Zudem können deutsche Unternehmen die Pflichtpraktika im kolumbianischen Ausbildungssystem nutzen, um potenzielle Mitarbeitende zu testen und später zu übernehmen. 

    Arbeitserfahrung und Soft Skills sind entscheidend

    Der Anstellungsprozess in Kolumbien ähnelt dem in anderen lateinamerikanischen Ländern. Nach einer Vorauswahl wird der Kandidat oder die Kandidatin telefonisch kontaktiert. Offene Fragen können geklärt werden. Danach folgen Gespräche mit Personalern und Vorgesetzten. "Verglichen mit Ländern wie Peru und Chile spielen in Kolumbien Soft Skills und die Arbeitserfahrung beim Auswahlverfahren eine größere Rolle", sagt Liceth Jaimes, Personalchefin bei der AHK Kolumbien. Zudem gehe es mehr darum, das persönliche Umfeld des Kandidaten kennenzulernen und wie es die Anstellung beeinflussen könnte. Sie sagt daher:

    "Fragen zum familiären Umfeld und der Wohnsituation sind durchaus üblich." 

    Die Mitarbeitergewinnung sei sehr aufwendig und kostspielig, sagt Jaimes. Es gebe umfangreiche Prozesse, um jede Behauptung des Bewerbers zu prüfen. Viele Unterlagen würden angefordert. Bei einigen Berufen, beispielsweise Schatzmeistern, werde teilweise ein Lügendetektor eingesetzt. Außerdem wird vor der Einstellung eine Sicherheitsprüfung der Person durchgeführt. Sehr operative Prozesse des Einstellungsverfahrens können ausgelagert werden, beispielsweise Gehaltsabrechnungen und Vertragsarbeit. Große multinationale Firmen haben standardisierte Prozesse und eigenes Personal, kleinere internationale Unternehmen lagern dagegen oft aus. Jaimes empfiehlt den Betrieben genau zu prüfen, welche Anforderungen für eine Stelle wirklich notwendig sind und ob diese mit dem Gehaltsangebot zusammenpassen. Das erleichtere die Personalsuche. 

    Zusatzleistungen, um Mitarbeitende zu halten

    Die Mitarbeiterbindung ist in Kolumbien besonders relevant. Aufgrund des niedrigen Gehaltsniveaus in Kolumbien bieten Firmen ihren Mitarbeitenden Zusatzleistungen wie Homeoffice-Regelungen und andere betriebliche Sozialleistungen an. Dadurch versuchen lokale Firmen mit internationalen Konzernen um Personal zu konkurrieren. Multinationale Unternehmen können ihren Mitarbeitenden in Kolumbien in der Regel mehr bezahlen, da der Unternehmensumsatz in US-Dollar oder Euro ein höheres Budget für Gehälter ermöglicht. Jaimes rät, das Angebot an Zusatzleistungen für Mitarbeitende kontinuierlich auszubauen.

    Janosch Siepen

    Von Janosch Siepen | Bogotá

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  • Die Gehälter schwanken in Kolumbien je nach Stadt und Branche stark. Zusatzleistungen empfehlen sich, um Mitarbeitende zu halten.

    Im regionalen Vergleich ist das Lohnniveau in Kolumbien niedrig. Mit 473 US-Dollar (US$) lag der Durchschnittslohn 2024 deutlich unter dem in Chile oder Brasilien. Der Trend hin zum Nearshoring, dem Auslagern von Unternehmensdienstleistungen und die steigende Nachfrage nach Mitarbeitenden in einigen Branchen könnten das Gehaltsniveau in den kommenden Jahren aber steigen lassen. 

    Mindestlohn als bedeutender Faktor

    Der Mindestlohn wird in Kolumbien jährlich von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern unter Vermittlung der Regierung ausgehandelt. Falls keine Einigung zustande kommt, bestimmt der amtierende Präsident den Mindestlohn. Sowohl die Inflation als auch die politische Stimmung im Land sind hierbei ausschlaggebend. Die Höhe des Mindestlohns bestimmt unter anderem auch das sogenannte integrale Gehalt (salario integral – mehr dazu im Abschnitt Arbeitsrecht), verschiedene Sozialprogramme der Regierung, die Kfz-Pflichtversicherung SOAT (Seguro Obligatorio de Accidentes de Tránsito). Daher gilt die jährliche Anpassung als sehr wichtig. Allerdings erhielten im Jahr 2024 43 Prozent der Erwerbstätigen weniger als den Mindestlohn.

    Bogotá zahlt die besten Gehälter

    In Kolumbien gibt es große Unterschiede bei den Gehältern zwischen Stadt und Land. Nach Angaben der Unternehmensberatung Mercer aus 2024 sind die Gehälter in der Hauptstadt Bogotá am höchsten. Die Stadt ist das wichtigste Wirtschaftszentrum des Landes. Viele deutsche Firmen haben hier ihre Zentrale. In den nächstgrößeren Metropolen Kolumbiens sind die Gehälter im Durchschnitt etwas niedriger. Medellín liegt laut Mercer 12 Prozent, Cali 18 Prozent und Barranquilla 27 Prozent unter dem Durchschnitt von Bogotá.

    Die Gehälter unterscheiden sich zusätzlich nach Wirtschaftszweigen. In Cartagena sorgt die Chemieindustrie für vergleichsweise hohe Gehälter in der Industrie. Cali und Yumbo sind Zentren der Pharmaindustrie, die ebenfalls überdurchschnittlich gute Löhne zahlt. Die Nahrungsmittelproduktion, Zementherstellung und Textilindustrie in Bogotá und Medellín zahlen hingegen unterdurchschnittliche Löhne.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Branchen In US-Dollar, 2024
    Branche

    Monatslohn

    Durchschnittslohn

    473

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

    286

    Verarbeitendes Gewerbe

    444

    Strom-, gas-, Wärme- und Kälteversorgung

    680

    Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

    458

    Baugewerbe

    404

    Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

    388

    Transport und Lagerhaltung

    442

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    304

    Informations- und Kommunikationsleistungen

    831

    Finanz- und Versicherungswesen

    763

    Quelle: ILO 2025

    Außerdem herrscht ein starkes Gefälle zwischen hochqualifizierten Positionen und einfachen Tätigkeiten. Der Arbeitsmarkt laufe zudem in manchen Branchen in Kolumbien langsam heiß, so ein Unternehmer. Gerade im IT- oder Dienstleistungsbereich sei es mitunter schwierig, geeignetes Personal zu finden. Attraktive Gehalts- und Leistungspakete können helfen. 

    Grundsätzlich sind die Gehälter in großen multinationalen Konzernen am höchsten, gefolgt von großen kolumbianischen Unternehmen und kleineren multinationalen Firmen. Am meisten verdienen Führungskräfte in der Logistik, im Gesundheitswesen, im Rohstoffsektor, im Finanz- und Versicherungssektor und im verarbeitenden Gewerbe, so Zahlen der Personalvermittlung Hays. Laut der Personalberatung Michael Page zahlen die Ölindustrie, das Rechts- und Versicherungswesen und der Finanzsektor sehr gute Gehälter. Auch in Teilen des verarbeitenden Gewerbes und im Bereich der erneuerbaren Energien werden vergleichsweise gute Gehälter bezahlt.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen In US-Dollar, 2024
    Position

    Monatslohn

    Durchschnittslohn

    473

    Führungskraft

    902

    Personal mit akademischer Ausbildung

    941

    Techniker:in

    608

    Unterstützende Bürokraft

    432

    Dienstleistungs- und Verkaufskraft

    342

    Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft

    289

    Handwerker:in

    354

    Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft

    365

    Hilfskraft

    277

    Quelle: ILO 2025

    Zusatzleistungen zur Mitarbeiterbindung

    Die obligatorischen Sozialleistungen für Arbeitnehmer gelten in Kolumbien als hoch. Mitunter können dem Arbeitnehmer mehrere Lohnzusatzleistungen (prestaciones sociales) zustehen:

    • Entlassungsabfindung (cesantía): ein Monatsgehalt pro Jahr, das jeweils zu Beginn eines Kalenderjahres an einen Fonds überwiesen wird, dem der Arbeitnehmer angehört, und das ihm bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgezahlt wird
    • Zinsen auf die Entlassungsabfindung: 12 Prozent des Entlassungsgeldes, die im Januar eines jeden Jahres direkt an den Arbeitnehmer ausgezahlt werden
    • gesetzliche Bonuszahlungen (prima de servicios): ein Monatsgehalt pro Jahr, das zur Hälfte im Juni und zur Hälfte im Dezember ausgezahlt wird
    • Beförderungszulage: Beschäftigte mit einem Gehalt von maximal zwei Mindestlöhnen, die weiter als einen Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt wohnen, erhalten eine monatliche Fahrtkostenzulage (2025: 200.000 kol$, rund 50 US$)
    • Kleidung und Schuhe: Beschäftigte mit einem Gehalt von maximal zwei Mindestlöhnen erhalten dreimal im Jahr ein Paar Schuhe und eine Arbeitsbekleidung

    Laut Michael Page betrachten 58 Prozent der befragten Unternehmen im Land die Personalfluktuation als erhebliches Problem. Als Hauptursachen werden attraktivere Gehaltsangebote bei anderen Unternehmen und fehlende interne Entwicklungsmöglichkeiten genannt. Firmen gewähren daher vor allem hochqualifizierten Arbeitskräften zunehmend erfolgsabhängige Prämien und nicht-monetäre Vergütungen (beneficios extrasalariales) zur Mitarbeiterbindung. Dazu gehören zum Beispiel Mobiltelefone, Lebensversicherungen, Kreditzuschüsse, Firmenwagen, Ausbildungszuschüsse, Krankenversicherungen oder Clubmitgliedschaften. Flexible Vergütungen sind nicht steuerpflichtig, sie dürfen aber nicht mehr als 40 Prozent der Gesamtvergütung ausmachen.

    Laut Mercer setzen rund 41 Prozent der Unternehmen in Kolumbien auf diese Art von Anreizen. 92 Prozent der Unternehmen bieten Lebensversicherungen an, 86 Prozent Krankenversicherungen und 53 Prozent Kreditlinien für den Autokauf, so die Studie. 

    Sozialbeiträge 2025In Prozent der Bemessungsgrundlage
    Rentenversicherung (Arbeitgeberanteil)12
    Krankenversicherung (Arbeitgeberanteil)8,5 1)
    Berufsrisiko- und Unfallversicherung (Arbeitgeberanteil)0,348 - 8,7 2)
    SENA, ICBF und Cajas de Compensación Familiar (CCF) (Arbeitgeberanteil)insgesamt 9,0 3)
    1) entfällt bei Gehältern von unter 10 Mindestlöhnen oder in Freihandelszonen; 2) Beitragshöhe hängt vom Risiko der Tätigkeit ab; 3) reduziert sich bei Gehältern von bis zu zehn Mindestlöhnen auf 4 Prozent. Quelle: ProColombia Legal Guide to Doing Business in Colombia 2025

    Janosch Siepen

    Von Janosch Siepen

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  • Der allgemeine Rechtsrahmen in Kolumbien enthält ausreichende Elemente zur Gewährleistung von Arbeitsrechten und -pflichten. (Stand: 06.09.2024)

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: wird durch individuelle Arbeitsverträge (integrales/ordentliches Gehalt) geregelt
    Mindestlohn 2024: 1.300.000 kol$ (ca. 284,72 Euro) pro Monat plus monatlicher Fahrtkostenzuschuss 162.000 kol$ (ca. 35,50 Euro)
    Arbeitsstunden pro Woche:  maximal 46 Stunden
    Regelarbeitstage pro Woche: 6 Tage; Ruhetag kann vertraglich vom Sonntag auf einen anderen Wochentag verschoben werden
    Zulässige Überstunden: maximal 2 Stunden pro Tag und 12 Stunden pro Woche
    Bezahlte Feiertage: 19
    Bezahlte Urlaubstage: 15
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt): 13. Gehalt (Bonuszahlung, wird je zur Hälfte im Juni und im Dezember ausbezahlt) und 14. Gehalt (Entlassungsgeld/cesantía, muss vom Arbeitgeber jährlich vor dem 15. Februar an den Fonds des jeweiligen Mitarbeiters überwiesen werden)
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: Mutterschaftsurlaub: 18 Wochen; Vaterschaftsurlaub: 14 Arbeitstage; 5 Arbeitstage bei Tod eines Angehörigen 1. oder 2. Grades
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: bis 2 Krankheitstage: Lohnfortzahlung durch Arbeitgeber (100% des Gehalts); ab 3. Tag: Sozialversicherung (66,67%, maximal 180 Tage)
    Probezeit: bei unbefristeten Arbeitsverträgen 2 Monate, bei befristeten Arbeitsverträgen 1/5 der Gesamtlaufzeit des Arbeitsvertrages
    Quelle: Arbeitsgesetzbuch (CST) und sonstige Arbeitsgesetze bis August 2024 aktualisiert.

    Rechtsgrundlagen

    In Kolumbien genießt die Arbeit in all ihren Formen gemäß der Verfassung von 1991 einen besonderen Schutz durch den Staat (Art. 25 und 53 Constitución Política de Colombia). Das Arbeitsverhältnis zwischen dem Unternehmen und dem Beschäftigten wird in Kolumbien durch das Arbeitsgesetzbuch von 1950 (Código Sustantivo de Trabajo - CST) geregelt. Dieses Rechtsinstrument bietet im Rahmen der allgemeinen Struktur des kolumbianischen Rechtssystems ausreichende Mechanismen, die sowohl die Erfüllung von Verpflichtungen als auch die Anerkennung von Arbeitsrechten durch die Gerichte des Landes ermöglichen. In der Regel werden arbeitsrechtliche Fälle von den Gerichten schnell behandelt.

    Vertragsabschluss 

    Je nach Art der Arbeit sieht das kolumbianische Arbeitsrecht vier Vertragsarten vor: den unbefristeten Vertrag, den befristeten Vertrag, Bau- und Dienstleistungsaufträge und den Gelegenheits- oder Zeitarbeitsvertrag. Der befristete Arbeitsvertrag muss immer schriftlich abgeschlossen werden und seine Laufzeit darf drei Jahre nicht überschreiten, kann aber auf unbestimmte Zeit verlängert werden. Für die Probezeit gilt die allgemeine Regel, dass sie zwei Monate nicht überschreiten darf. Bei Verträgen mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr darf die Probezeit nicht länger als ein Fünftel der im Vertrag vorgesehenen Gesamtdauer betragen.

    Bei allen Arten von Arbeitsverträgen in Kolumbien mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr hat der Arbeitnehmer Anspruch auf ein dreizehntes Monatsgehalt (decimotercera). Dabei handelt es sich um eine Prämie, die einem vollen Monatsgehalt entspricht und in zwei Raten ausgezahlt wird - eine in der Jahresmitte und eine im Dezember.

    Zusätzlich zu den oben genannten Vertragsarten kann der Dienstleistungsvertrag (contrato de prestación de servicios) zwischen einem einzelnen Dienstleister und einem Unternehmen vor Gericht als Arbeitsvertrag angesehen werden. Der Dienstleister muss nachweisen, dass er in einem Abhängigkeits- und Unterordnungsverhältnis zum Dienstleistungsempfänger gehandelt hat. In diesem Fall ist das Unternehmen für die Erfüllung aller Pflichten eines gewöhnlichen Arbeitgebers verantwortlich.

    Rechte und Pflichten der Vertragsparteien

    Das CST bestimmt in Artikel 127, dass das Gehalt nicht nur die feste oder allgemeine Vergütung umfasst, sondern alles, was als Entgelt für die vom Arbeitnehmer erbrachten Leistungen angesehen werden kann.

    Im Allgemeinen legt die Regierung in Übereinstimmung mit den Unternehmensverbänden und Gewerkschaften des Landes jedes Jahr per Dekret den gesetzlichen monatlichen Mindestlohn (Salario Mínimo Legal Mensual Vigente - SMLMV) fest. Auch wenn in Artikel 132 des CST der allgemeine Grundsatz der Freiheit der Lohnfestsetzung in Einzelverträgen verankert ist, muss das gesetzliche Minimum eingehalten werden. Seit dem 1. Januar 2024 beträgt der neue monatliche Mindestlohn in Kolumbien 1.300.000 kol$ (umgerechnet circa 284,72 Euro).

    Die Gehaltsarten sind:

    Ordentliches Gehalt (Salario ordinario)

    Das allgemeine Gehalt ist der Betrag, der dem Arbeitnehmer regelmäßig in der Weise gezahlt wird, wobei der Arbeitgeber für die Zahlung von Sozialleistungen und Urlaub zuständig bleibt. Er kann fest oder variabel sein. Im ersten Fall ändert sich der Betrag nicht, den der Arbeitnehmer in jedem Zeitraum (Monat, zwei Wochen, Woche oder Tag) erhält, außer bei gesetzlichen oder vertraglichen Änderungen. Im zweiten Fall kann das Gehalt in Abhängigkeit von bestimmten Zielen oder Aufgaben und eventuellen Provisionen variieren.

    Integrales Gehalt (Salario integral)

    Das integrale Gehalt (Art. 132 CST) ist alles, was schriftlich zwischen Beschäftigten und Arbeitgeber ausgehandelt werden kann und in einer einzigen Zahlung enthalten ist. Nur Arbeitnehmer, die mindestens zehn gesetzliche Mindestmonatslöhne (SMLMV) verdienen, haben Anspruch auf das integrale Gehalt.

    Diese Art von Gehalt enthält eine im Voraus gezahlte Vergütung namens "Begünstigungsfaktor" (factor prestacional), die der Summe aller Lohnzusatzleistungen entspricht. Zu diesen gehören unter anderem: Überstunden, Zuschläge für Nachtarbeit, Sonn- und Feiertagsarbeit, Entlassungsgeld (cesantías) und Zinsen (intereses). Urlaub darf nicht auf das integrale Gehalt angerechnet werden.

    Nach dem CST darf die Höhe des Begünstigungsfaktors nicht weniger als 30 Prozent von zehn SMLMV betragen. Diese Summe ist von der Quellensteuer und anderen Steuern befreit. Im Allgemeinen ist jedoch nicht das gesamte Gehalt von den Sozialversicherungsbeiträgen (cotizaciones) befreit. Diese Beiträge werden auf der Grundlage von 70 Prozent des vollen Gehalts gezahlt.

    Diese Lohnart muss schriftlich zwischen dem Beschäftigten und dem Arbeitgeber vereinbart werden. Sie besteht aus einem festen Betrag, der nicht niedriger als 13 SMLMV sein darf. Für das Jahr 2024 beträgt das integrale Gehalt 16.900.000 kol$ (etwa 3.702 Euro).

    Vertragsbeendigung 

    Neben den gesetzlichen Kündigungsgründen (causas legales), die in Art. 61 des CST vorgesehen sind, gibt es in Kolumbien zwei Hauptarten der Kündigung von Arbeitsverhältnissen:

    Kündigungen aus gerechtfertigtem Grund

    Ein gerechtfertigter Grund ist eine einseitige Entscheidung des Arbeitgebers (despido) oder des Arbeitnehmers (renuncia), die zur Auflösung des Arbeitsvertrags führt. Alle einseitigen Entscheidungen des Arbeitgebers, die zu einer Kündigung aus gerechtfertigtem Grund (justa causa) führen, sind in Artikel 62 des CST zwingend vorgesehen. Darunter: eine ansteckende oder chronische Krankheit des Arbeitnehmers, die ihn arbeitsunfähig macht und deren Genesung nicht innerhalb von 180 Tagen zu erwarten ist. Diese Norm wird jedoch vom Verfassungsgericht besonders restriktiv ausgelegt, da die kolumbianische Verfassung in Artikel 53 den "Grundsatz der Arbeitsplatzstabilität" festlegt.

    Die Vertragspartei, die einseitig kündigt, muss die andere Partei zum Zeitpunkt der Kündigung über den Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses informieren. Spätere Klarstellungen sind nicht rechtsgültig, was vor Gericht zur Einstufung als ungerechtfertigte Kündigung führen kann.

    Kündigung ohne triftigen Grund

    Jede Vertragsauflösung, die aus anderen als den gesetzlich vorgesehenen Gründen erfolgt, gilt als Kündigung ohne triftigen Grund. Die rechtlichen Auswirkungen sind in Artikel 64 des CST detailliert beschrieben. Im Falle einer solchen einseitigen Kündigung durch den Arbeitgeber muss dieser den Arbeitnehmer entschädigen. Der zu zahlende Betrag hängt von der Art des Arbeitsvertrags wie folgt ab:

    1. Beendigung eines befristeten Arbeitsvertrags: Die zu zahlende Entschädigung wird auf der Grundlage der Summe der Löhne berechnet, die der bis zum Vertragsende verbleibenden Zeit entspricht. Handelt es sich um einen Bau- und Dienstleistungsvertrag, so wird sie auf der Grundlage des Lohns berechnet, der der für die Fertigstellung des vertraglich vereinbarten Werks verbleibenden Zeit entspricht. In diesem zweiten Fall darf die Entschädigung nicht weniger als 15 Tage betragen.
    2. Beendigung eines unbefristeten Arbeitsvertrags: Die Höhe der zu zahlenden Entschädigung wird je nach Art des Gehalts wie folgt berechnet: a) Für Arbeitnehmer, die weniger als 10 gesetzliche Mindestmonatslöhne (SMLMV) pro Monat verdienen (gewöhnliches Gehalt): 30 Tage für das erste Jahr und 20 Tage (berechnet auf der Grundlage von 30 Tagen) für jedes weitere Jahr; b) für Arbeitnehmer, die mindestens 10 SMLMV pro Monat verdienen: 20 Tage für das erste Jahr und 15 Tage (berechnet auf der Grundlage von 20 Tagen) für jedes weitere Jahr.

    Weitere Informationen finden Sie unter Recht kompakt Kolumbien

    Rechtspraxis

    "Das Arbeitsrecht wird in Kolumbien in der Regel eingehalten"

    Alexander von Bila, Gründer der Kanzlei Von Bila, de la Pava & Bertoletti Alexander von Bila, Gründer der Kanzlei Von Bila, de la Pava & Bertoletti | © Kanzlei Von Bila, de la Pava & Bertoletti

    Alexander von Bila ist deutsch-kolumbianischer Rechtsanwalt und Gründer der Kanzlei Von Bila, de la Pava & Bertoletti in Bogotá. Seit 1999 berät die Kanzlei in verschiedenen Rechtsfeldern, unter anderem im Arbeitsrecht. Für europäische Mandanten unterhält die Kanzlei ein Büro in Hamburg. 

    Herr von Bila, wie bewerten Sie die Einhaltung des kolumbianischen Arbeitsrechts in der Praxis?

    Das Arbeitsrecht ist eines der wenigen Bereiche in Kolumbien, die gut funktionieren. Die Verfahren sind schnell, das Recht ist verständlich, durchsetzbar und gut geregelt. Kolumbien hat ein sehr normiertes Arbeitsrecht, das vom Arbeitgeber in der Regel eingehalten wird. Das Arbeitsrecht ist sehr schützend, da es öffentliches Recht ist. Wenn zum Beispiel bei einem Insolvenzfall über ein Vermögen entschieden wird, geht das an erster Stelle an die Arbeitnehmer. Hire and Fire wie in den USA ist in Kolumbien auch nicht der Fall. Generell sorgen die Arbeitsgerichte und das Arbeitsministerium sehr gut für die Umsetzung des Rechts. Die Kontrollinstanzen arbeiten schnell. Recht und Praxis laufen daher nicht stark auseinander. 

    Gibt es Ausnahmen?

    Auf dem Land ist es eher anders. Dort werden noch Dienstleistungsverträge anstatt Arbeitsverträge abgeschlossen, obwohl Arbeitsverträge nötig wären. Denn für Tagelöhner braucht der Arbeitgeber Flexibilität, aber die bürokratischen Hürden für An- und Abmeldung bei der Kranken- und Rentenkasse sind hoch. Hier wären schnellere An- und Abmeldeverfahren nötig. Allerdings geht es allgemein immer mehr hin zu Arbeitsverträgen. Es kommt auch vor, dass in entlegenen Gebieten des Landes aus kulturellen und regionalen Gründen Mitarbeiter trotz Arbeitsvertrag nicht zur Arbeit erscheinen. Zum Beispiel große Landwirtschaftsbetriebe holen sich dann ihre Mitarbeiter aus anderen Regionen des Landes.

    Welche Rolle spielen Interessensgruppen?

    Betriebsräte im Vorstand zu haben - wie in Deutschland - das gibt es in Kolumbien nicht. Wir haben hier aber diverse Interessensvertretungen. Der Arbeitgeber ist daran interessiert, dass er die Mitarbeiter hält und gibt ihnen daher sehr oft Zusatzleistungen wie Ausbildung und Zusatzzahlungen (Boni/Kommissionen). Daher ist es bei großen Unternehmen üblich einen Kollektivvertrag zu verhandeln und zu unterschreiben, sogenannte "pactos colectivos", was dazu führt, dass es sehr wenig Streiks oder Probleme mit Gewerkschaften gibt. Denn das Gesetz, das Arbeitsministerium, die Arbeitsrichter und auch diese Kollektivverträge geben Arbeitgebern wie auch Arbeitnehmern Rechtssicherheit. Selbst außerhalb der Metropolen sind die Interessensvertretungen der Arbeitnehmer stark. Am Hafen oder im Bergbau zum Beispiel sind die Interessensvertretungen so groß, dass die Arbeitnehmer dort überdurchschnittliche Löhne bekommen.

    Dr. Julio Pereira

    Von Dr. Julio Pereira | Berlin

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    Anmerkungen

    Ministerio de TrabajoArbeitsministerium
    Ministerio de Salud y Protección SocialGesundheits- und Sozialversicherungsministerium
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