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Wirtschaftsumfeld | Kroatien | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten

Lohnkosten

Nach einem vorübergehenden Rückgang infolge der Coronakrise stiegen die Arbeitskosten kontinuierlich an. Kroatien ist nach wie vor günstiger als Slowenien.

Von Waldemar Lichter, Snjezana Buhin Peharec | Zagreb

Löhne und Gehälter

Der durchschnittliche Bruttomonatslohn ist in Kroatien deutlich höher als in anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Nur in Slowenien wurden 2022 um rund ein Drittel höhere Löhne gezahlt. Es gibt ein beträchtliches Lohngefälle zwischen öffentlichem und privatem Sektor.

Zudem sind die Löhne regional sehr unterschiedlich. Nach Angaben des Internetportals MojPosao wurden 2022 die höchsten Löhne in der Hauptstadt Zagreb und deren Umland gezahlt. Generell sind die Gehälter in den Verwaltungsbezirken (Gespanschaften) an der Küste wie Dubrovnik-Neretva, Primorje-Gorski kotar, Split-Dalmatien und Istrien höher als im Hinterland.

Die höchsten Gehälter wurden 2022 laut Erhebung des Internetportals MojPosao außer bei Führungskräften im Bereich Forschung und Entwicklung sowie in der Informations- und Telekommunikationsbranche gezahlt. Die niedrigsten Bezüge wurden bei Hilfsarbeitern, in der Textil- und Lederverarbeitung sowie in einigen Dienstleistungssparten registriert.

Die Regierung bereitet eine Einkommensteuerreform vor, die ab 2024 vor allem Niedriglohnverdienern höhere Nettoverdienste ermöglichen soll.

Entwicklung der durchschnittlichen Bruttomonatslöhne

2020

2021

2022

2023 1)

nominal in Kuna (K)

9.216

9.599

10.400

-

nominal in Euro

1.223

1.274

1.380

1.500 3)

reale Veränderung (in %) 2)

2,4

1,6

-2,3

2,0

1 Prognose; 2 gegenüber dem Vorjahr bezogen auf die Landeswährung Kuna; 3 Kroatien hat Anfang 2023 den Euro als Landeswährung eingeführtQuelle: Staatliches Statistikamt Kroatiens 2023; Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) 2023

Durchschnittliche Bruttomonatslöhne nach Region

2022 (in Euro) 

Veränderung 2022/21 (in %) *

Landesdurchschnitt

             1.380

                                                8,3

Hauptstadt (Zagreb)

             1.710

                                                7,4

Hochlohnregion (Zagreb - Umland)

             1.389

                                                8,5

Niedriglohnregion (Virovitica - Podravina)

              1.144

                                                9,6

* nominalQuelle: Staatliches Statistikamt Kroatiens 2023

Das Nord-Süd-Gefälle und die Eigentumsstruktur in den Unternehmen haben einen großen Einfluss auf die gezahlte Vergütung. Nach Erhebungen der Stellenbörse MojPosao bezahlten 2022 ausländische Unternehmen in Kroatien ihre lokalen Beschäftigten oft besser als inländische Unternehmen - im Durchschnitt um 13 Prozent.

Bei allen Angaben des kroatischen Statistikamtes ist zu beachten, dass die amtlich erfassten Löhne niedriger sein können, als die tatsächlich gezahlten. Früheren Erhebungen zufolge haben mindestens 6,6 Prozent der registrierten Arbeitnehmer noch eine zusätzliche Gehaltsauszahlung "bar auf die Hand" erhalten. Diese Praxis ist vorwiegend im Bausektor sowie in einigen Dienstleistungssparten anzutreffen.

Die Gesamtarbeitskosten pro Arbeitsstunde lagen in Kroatien 2022 nach Eurostat-Angaben mit durchschnittlich 12,10 Euro in etwa auf dem gleichen Niveau wie in Polen (12,50 Euro). In Slowenien beliefen sie sich auf 23,10 Euro. Seit 2008 sind diese Kosten in Kroatien nominal um 31,5 Prozent gestiegen.

Durchschnittliche Bruttomonatslöhne nach Branchen

2022 (in Euro)

Veränderung 2022/2021 (in %) *

Insgesamt

1.380

8,3

Bauwirtschaft

1.095

9,0

Bergbau

1.634

9,6

Verarbeitendes Gewerbe, darunter

1.264

8,9

  Nahrungsmittelindustrie

1.133

9,3

  Getränkeindustrie

1.667

15,4

  Textilindustrie

1.013

11,4

  Holzindustrie

1.008

10,9

  Papierindustrie

1.259

9,7

  Chemische Industrie

1.312

6,5

  Gummi- und Kunststoffindustrie

1.107

8,7

  Maschinenbau

1.434

8,9

  Metallverarbeitung

1.248

10,0

  Elektrotechnik

1.578

9,0

  Fahrzeugbau

1.415

31,5

Handel, Reparaturen

1.249

9,9

Hotel und Gastronomie

1.111

14,8

Transport und Lagerung

1.308

9,0

Information und Kommunikation

2.057

11,1

Finanzwesen, Banken, Versicherungen

1.970

7,4

Immobilienbranche

1.288

8,0

* nominalQuelle: Staatliches Statistikamt Kroatiens 2023

Löhne und Gehälter werden in Kroatien meist netto (nach Steuern und Abgaben) vereinbart. Ab 2023 müssen sie aber in Arbeitsverträgen mit dem entsprechenden Bruttobetrag ausgewiesen werden. Für bestimmte Branchen oder Bereiche handeln Tarifpartner Kollektivverträge aus. In Kroatien gilt seit 2008 ein gesetzlicher Mindestlohn. Für Vollzeitbeschäftigte beträgt dieser 700 Euro brutto pro Monat (2023). In Ausnahmefällen kann durch Kollektivvertrag ein niedrigerer Mindestbetrag vereinbart werden. Er darf jedoch 95 Prozent des Mindestlohns nicht unterschreiten. Das Mindestgehalt erhielten 2018 etwa 3,2 Prozent aller Beschäftigten. Von den 22 Ländern der Europäischen Union mit gesetzlichem Mindestlohn liegt Kroatien zusammen mit der Slowakei auf Platz 18, so Berechnungen der europäischen Agentur Eurofound. Niedriger sind die Mindestbezüge nur in Ungarn, Rumänien, Lettland und Bulgarien.

Durchschnittliche Bruttojahreslöhne nach ausgewählten Positionen 1)

2023 (in Euro) 2)

Geschäftsführerin eines großen Unternehmens (über 250 Beschäftigte)

160.891

Geschäftsführerin eines kleinen bis mittleren Unternehmens

115.721

Vertriebsleiterin

72.002

Ingenieurin Fertigung

22.896

Systemprogrammiererin

36.882

Assistentin der Geschäftsführung

21.652

Buchhalterin

20.927

Fahrerin

14.504

1 Jahresgesamtbezüge; 2 Gehaltsangaben aus dem Jahr 2022 um die für 2023 prognostizierte Gehaltsentwicklung von 3,6 Prozent hochgerechnet.Quelle: Kienbaum Consultants Austria GmbH 2023

 

Bruttomonatslöhne im verarbeitenden Gewerbe

2021 (in K)

Veränderung 2021/20 (in %) 1)

2021 (in Euro) 2)

Angelernte Arbeiterin (Tätigkeiten, die in wenigen Tagen zu erlernen sind und für die keine spezielle Berufsausbildung notwendig ist), unskilled 3)

5.955

6,7

791

Mitarbeiterin, die unter Aufsicht Tätigkeiten ausführt, für die eine mehrjährige Berufsausbildung erforderlich ist, semi-skilled

6.276

2,8

834

Ausgebildete Mitarbeiterin mit mehrjähriger, praktischer Berufserfahrung, die Aufgaben zuverlässig ohne Aufsicht durchführen und Fertigungsprozesse einrichten kann, skilled

7.027

6,5

933

Mitarbeiterin mit mehrjähriger Erfahrung und Leitungsbefugnis, die als Vorarbeiterin die Arbeit von Produktionsbereichen verantwortet, highly skilled

8.723

6,9

1.159

1 nominal, auf Kuna-Basis; 2 zum Wechselkurs für 2021: 1 Euro = 7,528 K; 3 zur besseren Lesbarkeit wird bei den Berufsbezeichnungen die jeweilige Begrifflichkeit sowohl für die männliche als auch die weibliche Form verwendetQuelle: Staatliches Statistikamt Kroatiens 2023

 

Weitere Lohnbestandteile

Gezahlt werden in der Regel zwölf Monatsgehälter pro Jahr. Hinzu kommt eine Reihe von zum Teil steuerfreien Sonderzulagen. Dazu gehören unter anderem Leistungen für Kinder, Weihnachts- und Urlaubsgeld. Im Herbst 2019 wurden der Umfang sowie die Höhe der steuerfreien Zulagen deutlich ausgeweitet. Diese Zusatzleistungen sind von den Arbeitgebern als Folge der Coronakrise teilweise stark eingeschränkt worden. Angesichts des wachsenden Fachkräftedefizits haben sie jedoch weiterhin eine große Bedeutung.

Laut einer Umfrage von MojPosao hatten 2022 mehr als drei Viertel der kroatischen Arbeitnehmer Anrecht auf mindestens einen Leistungsanreiz. Dazu gehört vor allem die Erstattung von Dienstreisekosten und der Fahrtkosten zum und vom Arbeitsplatz sowie die private Nutzung des Diensthandys. Eher selten werden dagegen Sportaktivitäten oder die Beiträge zur privaten Rentenversicherung bezuschusst.

Sozialversicherungsbeiträge

Die Sozialabgaben der Arbeitnehmer bestehen vor allem aus Beiträgen zur Rentenversicherung, die der Arbeitgeber in Höhe von 20 Prozent vom Bruttolohn direkt einbehält und abführt. Im Zuge der Anfang 2019 durchgeführten Steuerreform wurden die Arbeitgeberbeiträge zur Arbeitslosen- und Arbeitsunfallversicherung abgeschafft. Dadurch hat sich die Arbeitgeberbelastung von 17,2 Prozent auf 16,5 Prozent des Bruttogehalts verringert. Vom Arbeitgeber ist nur noch der Beitrag zur Krankenversicherung zu tragen. Bei einer unbefristeten Einstellung von unter 30-Jährigen sind die Arbeitgeber für fünf Jahre von der Abführung der Sozialbeiträge befreit.

Lohnfortzahlungen im Falle des Mutterschutzes/Elternurlaubs trägt von Anfang an die Krankenkasse HZZO, und zwar für das erste halbe Jahr in voller Höhe. Ab 70 Tagen nach der Geburt kann das Anrecht auf Elternurlaub auf den Vater übertragen werden. Der Arbeitgeber muss den Arbeitsplatz beim ersten und zweiten Kind für mindestens ein Jahr nach der Geburt des Kindes, bei Mehrlingsgeburten und weiteren Kindern auch länger sichern.

Sozialbeiträge 2023 (in Prozent des Bruttoverdienstes)

Arbeitgeber

Arbeitnehmer

Rentenversicherung

0

20

Krankenversicherung

16,5

0

Insgesamt

16,5

20

Bis zur monatlichen Bemessungsgrenze von 8.203,08 Euro brutto wird der Rentenversicherungsbeitrag vom Arbeitgeber abgeführt. Das über 8.203,08 Euro brutto hinausgehende Monatsgehalt unterliegt nicht der Rentenversicherung.Quelle: Fachmagazin RRiF (Rechnungswesen, Wirtschafsprüfung und Finanzen) 2023

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