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Wirtschaftsausblick | Kuba

Kuba will Krise überwinden

Dank Tourismus und mehr Privatwirtschaft soll sich die kubanische Wirtschaft allmählich erholen. Lebensmittel, Benzin und andere Güter bleiben jedoch knapp.

Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

Top-Thema: Kuba lässt Privatwirtschaft teilweise zu

Im August 2021 erließ die kubanische Regierung ein Gesetz (Dekret 46), das die Gründung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) mit bis zu 100 Angestellten ermöglicht. Die Rechtsform ist eine SRL (Sociedad de Responsabilidad Limitada), ähnlich der deutschen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH).

Die Bevölkerung hat die neue Rechtsform sehr gut angenommen und seit Einführung des Gesetzes wurden rund 9.000 KMU gegründet. Sie stellen rund 15 Prozent der Arbeitsplätze in Kuba. Beispiele sind Bauunternehmen, Agrarbetriebe, Restaurants, Supermärkte, kleine Lebensmittelproduzenten und sogar Softwarefirmen. Nicht zugelassen sind privatwirtschaftliche Aktivitäten in den Bereichen Bergbau, Gesundheitswesen, Medien, Zuckerindustrie, Großhandel sowie Wasser- und Energieversorgung. Eine Herausforderung für viele neue KMU ist die Versorgung mit Rohstoffen und Investitionsgütern, wie etwa Baumaterialien oder Maschinen.

Wirtschaftsentwicklung: Leichte Besserung erwartet

Für 2023 hat das kubanische Statistikamt ONEI noch keine Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) veröffentlicht. Das Wirtschaftsinstitut Economist Intelligence Unit (EIU) rechnet jedoch für das laufende Jahr mit einem Plus von 2,5 Prozent. Die Erholung des Tourismus und der wachsende Privatsektor geben dem Land Impulse, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus. Aus den gleichen Gründen geht EIU ab 2024 von einem Wirtschaftswachstum von rund 4 Prozent jährlich aus.

Zwischen Januar und September 2023 kamen 1,8 Millionen Touristen ins Land, 68,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allerdings war die Besucherzahl 2019 fast doppelt so hoch, auch weil die aktuelle Mangelwirtschaft viele Urlauber abschreckt. Kanadier, US-Amerikaner und Russen machen den Großteil der Besucher aus. Viele der Hotels, in denen die Gäste übernachten, werden von den spanischen Hotelketten Meliá (34 Hotels in Kuba) und Iberostar (19 Hotels) betrieben, bleiben aber im Besitz des kubanischen Staates.

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Krise dauert seit mehreren Jahren an

Nach Angaben von ONEI wuchs das BIP 2022 lediglich um 1,8 Prozent im Vergleich zu 2021. Die Wirtschaftskraft liegt wieder auf dem Niveau von 2014. Ein zaghafter Aufschwung während der Obama-Jahre wurde ab 2019 durch strengere US-Sanktionen unter Donald Trump und die nachfolgende Coronapandemie abgewürgt.

Unter der sozialistischen Planwirtschaft der Partei PCC (Partido Comunista de Cuba) ist der Staat weiterhin für den Großteil der wirtschaftlichen Aktivitäten zuständig. Die insgesamt 1.941 Staatsbetriebe (Stand: Juni 2022) arbeiten häufig ineffizient und defizitär. Die Bevölkerung leidet unter Lebensmittel-, Medikamenten- und Treibstoffmangel, da die lokale Produktion nicht ausreicht und nicht genügend Devisen für Importe erwirtschaftet werden.

Kuba erlebt aufgrund der schwierigen Lebensumstände eine Auswanderungswelle historischen Ausmaßes. Seit 2020 haben nach Angaben der US-Grenzschutzbehörde rund eine halbe Million Kubaner das Land in Richtung USA verlassen. Vor allem junge Menschen wandern aus. Das Durchschnittsalter auf der Insel ist daher auf 42,2 Jahre gestiegen, im Vergleich zu 31,6 Jahren in der Karibik insgesamt.

Investitionen und Konsum sind seit 2018 rückläufig

Die Bruttoanlageinvestitionen in Kuba sanken 2022 gegenüber dem Vorjahr inflationsbereinigt um 5,8 Prozent, so das Statistikamt ONEI. Besorgniserregend ist, dass die Investitionstätigkeit seit 2018 stetig zurückgeht. Rund drei Viertel der Investitionen fließen in den Bausektor. Die Investitionen in Maschinen und Anlagen machen nur rund 10 Prozent der Investitionstätigkeit aus und haben sich seit 2018 sogar halbiert.

Der Haushaltskonsum ging 2022 gegenüber dem Vorjahr inflationsbereinigt um 0,9 Prozent zurück, so die Zahlen von ONEI. Damit liegt der Konsum wieder auf dem Niveau von 2015 und deutlich unter dem bisherigen Rekordjahr 2018. Der Mangel an Gütern des Grundbedarfs ließ deren Preise in die Höhe schnellen. Viele Produkte sind nur zu hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt oder in Privatläden erhältlich. Die staatlichen Supermärkte zeichnen sich durch ein äußerst geringes Warenangebot aus. Nach einer Inflationsrate von 76,1 Prozent im Jahr 2022 geht EIU dieses Jahr von einer ähnlich hohen Preissteigerung aus.

Kuba verzeichnet hohes Außenhandelsdefizit

Kuba importierte 2022 Waren im Wert von 9,8 Milliarden US-Dollar (US$), mehr als die Hälfte davon aus Venezuela, China, Spanien und Russland. Die wichtigsten Importgüter sind Lebensmittel, Benzin und Kraftstoffe sowie Maschinen und Fahrzeuge. Die Exporte konzentrieren sich noch stärker auf wenige Länder: Hier entfallen rund zwei Drittel auf Kanada, China und Spanien. Die wichtigsten Exportgüter sind Nickel, Rum, Zigarren und Zucker. Das hohe Außenhandelsdefizit Kubas im Warenverkehr wird teilweise durch Dienstleistungen wie den Tourismus oder die Entsendung von medizinischem Personal in Länder wie Venezuela oder Mexiko ausgeglichen.

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Deutsche Perspektive: Unternehmen halten sich zurück

Deutschland lag 2022 mit Lieferungen im Wert von 258,8 Millionen US$ auf Rang 11 der Importländer. Die Einfuhren aus Deutschland folgen dem allgemeinen Trend und sind um rund ein Drittel geringer als noch vor zehn Jahren. Aufgrund ausstehender Forderungen gegenüber deutschen Firmen sind Hermesbürgschaften in Kuba nicht möglich.

Die Präsenz deutscher Firmen ist bislang begrenzt. Im Gesundheitssektor sind die Unternehmen Ottobock und Sartorius im Land vertreten, im Bereich Wasseraufbereitung Wilo und Acuanova. Daneben vertritt der Vertriebshändler MCV Comercial unter anderem Mercedes-Benz, MTU und Voith. Der Papier- und Verpackungshersteller Klingele (Compacto Caribe) unterhält zwei Wellpappenwerke in Havanna und Santiago de Cuba. Das Unternehmen P.A.S.I. ist lokaler Vertreter verschiedener deutscher Hersteller für Pumpen, Armaturen und anderer Industrieprodukte.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Länderseite Kuba.

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